[0001] Die Erfindung betrifft einen Dreh-Beschlag oder Dreh-Kipp-Beschlag von Fenstern,
Türen oder dergleichen mit einem Festrahmen und einem Flügelrahmen, der am Festrahmen
um eine vertikale Drehachse und, im Falle eines Dreh-Kipp-Beschlages, um eine horizontale
Kippachse kippbar angebracht ist, umfassend ein unteres Drehlager, welches den Festrahmen
im Bereich eines unteren Ecks des Festrahmens mit dem Flügelrahmen verbindet, und
zwar im Falle eines Dreh-Kipp-Beschlages in Form eines Dreh-Kipp-Lagers, ein oberes
Drehlager, welches den Festrahmen im Bereich eines oberen Ecks des Festrahmens im
Falle eines Dreh-Beschlags mit dem Flügelrahmen und im Falle eines Dreh-Kipp-Beschlages
mit einem mit dem Flügelrahmen verkoppelten Ausstellarm verbindet, wobei die beiden
Drehlager jeweils mit wenigstens zwei Lenkern ausgebildet sind zur Verlagerung der
Drehachse beim Dreh-Öffnen des Flügelrahmens in Richtung senkrecht zur Rahmenebene
des Festrahmens, wobei die beiden Lenker jedes Drehlagers einander kreuzen und im
Kreuzungspunkt über ein erstes Gelenk miteinander beweglich verbunden sind, wobei
einer der beiden Lenker, der Führungslenker, mit einem festrahmenseitigen Drehlagerteil
und mit einem flügelrahmenseitigen Drehlagerteil oder dem Ausstellarm jeweils über
ein Drehgelenk verbunden ist, und wobei der andere Lenker, der Steuerlenker, mit dem
festrahmenseitigen Drehlager-teil über ein zweites Gelenk zumindest schwenkbar verbunden
und mit dem flügelrahmenseitigen Drehlagerteil oder dem Ausstellarm über ein Verschiebe-Drehgelenk
verbunden ist, mit Verschiebe-richtung im wesentlichen parallel zur Längsrichtung
des das flügelrahmenseitige Drehlagerteil tragenden Flügelrahmenschenkels bzw. parallel
zur Längsrichtung des Ausstellarms.
[0002] Ein derartiger Dreh-Beschlag oder Dreh-Kipp-Beschlag ist bekannt (z.B. DE 21 13 665
B2; US 4035953 A; DE 38 29 053 A1). Der Beschlag kann verdeckt im Falzraum zwischen
Festrahmen und Flügelrahmen untergebracht sein, da die Lenkerkonstruktion die Schwenkachse
beim Dreh-Öffnen des Flügelrahmens vor den Festrahmen verlagert, so daß eine Kollision
zwischen dem den Falzraum abdeckenden Flügelüberschlag des Flügelrahmens mit dem Festrahmen
vermieden wird. Die beiden Lenker des oberen Drehlagers und des unteren Drehlagers
können, insbesondere bei besonders großen und damit schweren Flügelrahmen, durch die
in der DE-38 29 053-A1 beschriebene Abstützeinrichtung in Form eines Stützstabs oder
eines auf Zug belasteten Elements von eine Verbiegung der Lenker verursachenden Vertikalkräften
entlastet werden.
[0003] Bei drehgeöffnetem Flügelrahmen wird jedoch weiterhin das obere Drehlager auf horizontal
gerichteten Zug und das untere Drehlager auf horizontal gerichteten Druck beansprucht,
da der Flügelrahmen bestrebt ist, in der Flügelebene um den Kraftangriffspunkt der
Abstützeinrichtung am Flügelrahmen nach unten zu verkippen. Die Zugbelastung im oberen
Drehlager wirkt sich vor allem auf das zweite Gelenk zwischen dem Steuerlenker und
dem festrahmenseitigen Drehlagerteil aus, welches bei der bekannten Anordnung von
einem Verschiebe-Drehgelenk aus einem Langloch im festrahmenseitigen Drehlagerteil
und einem im Langloch geführten, am Steuerlenker angebrachten Führungsteil gebildet
ist. Um eine ausreichende Verlagerung der Schwenkachse beim Dreh-Öffnen des Flügelrahmens
bei genügend großem, maximalem Dreh-Öffnungs-Winkel bei dieser Lenkerkonstruktion
mit zwei einander kreuzenden und im Kreuzungspunkt miteinander gelenkig verbundenen
Lenkern zu erhalten, muß das genannte Langloch relativ lang ausgebildet sein, was
die mechanische Stabilität des festrahmenseitigen Drehlagerteils (insbesondere Eckwinkel)
entsprechend schwächt, zumal die auftretende Zugbelastung (im Gegensatz zur Druckbelastung
im unteren Drehlager) zumeist nicht unmittelbar in den Festrahmen abgeleitet werden
kann, da der unter der Zugbelastung stehende Langloch-Längsrand des festrahmenseitigen
Drehlagerteils sich im allgemeinen nicht gegen einen entsprechenden Stufenrand des
Festrahmens abstützen kann. Eine Verlagerung des festrahmenseitigen Drehlagerteils
weg von der Festrahmen-Sichtfläche zum Einbau in eine entsprechende Umfangsnut des
Festrahmens würde in unerwünschter Weise auch den Verlagerungsweg der Drehachse verschieben.
[0004] Besonders problematisch ist jedoch, daß sich bei drehgeöffnetem Fenster eine deutliche
Verstärkung der vom Steuerlenker auf die entsprechende Langlochflanke ausgeübten Kraft
ergibt, im Vergleich zu der vom Flügel auf das entsprechende Ende des Führungslenkers
ausgeübten Kraft, da der Führungslenker als einarmiger Moment-Verstärkungshebel wirkt,
mit relativ großem Abstand zwischen dem freien Kraftangriffsende und dem Kreuzungspunkt
mit dem Steuerlenker. Die Längsbewegung des Führungsteils im Langloch beim Öffnen
und Schließen des Flügelrahmens erfolgt also unter starker Querbelastung des festrahmenseitigen
Beschlagteils, was zu einer Beschädigung der Langlochflanken und/oder des Führungsteils,
zumindest nach vielfacher Betätigung und bei hohem Flügelgewicht, führt. Einer entsprechenden
Verstärkung des Verschiebe-Drehgelenks, insbesondere durch Einsatz einer gehärteten
Schiene und eines in das Langloch eingesetzten Gleitsteins, ist allein schon aus Kostengründen
bei dem Massenprodukt Dreh-Beschlag oder Dreh-Kipp-Beschlag nur begrenzt möglich.
Hiervon abgesehen, beansprucht das Langloch im festrahmenseitigen Drehlagerteil ziemlich
viel Platz bei relativ großen Lenkerlängen. Das obere Drehlager ist daher insgesamt
ziemlich materialaufwendig. Auch steht im Bereich des Scherenlagers nur sehr beschränkt
Einbauraum zur Verfügung, weil die Ausstellschere mit ihren Bauteilen (Verriegelungs-Beschlagsteile,
Gegenstütze und Längsjustierung) selbst viel Einbauraum beansprucht.
[0005] Auch im Bereich des unteren Drehlagers (Dreh-Kipp-Lager im Falle eines Dreh-Kipp-Beschlages)
ergibt sich neben dem Problem der Querbelastung (in diesem Falle Druckbelastung in
Richtung auf den Festrahmen) das Problem des relativ großen Materialaufwands und Einbauraumbedarfs
für die Teile des Drehlagers.
[0006] Der Erfindung liegt das technische Problem zugrunde, einen Dreh-Beschlag oder Dreh-Kipp-Beschlag
bereitzustellen, der zuverlässige Dauerfunktion auch bei hohen Flügelgewichten unter
geringem Bauaufwand gewährleistet.
[0007] Dieses Problem wird gemäß der Erfindung dadurch gelöst, daß das erste Gelenk von
einem Verschiebe-Drehgelenk gebildet ist mit Verschiebe- richtung im wesentlichen
parallel zur Längsrichtung des Führungslenkers.
[0008] Auf Grund der Ausbildung des ersten Gelenks als Schiebe-Dreh-gelenk verschiebt sich
beim Dreh-Öffnen des Flügels der Kreuzungspunkt beider Lenker zunehmend in Richtung
zum Drehgelenk zwischen Führungslenker und flügelrahmenseitigem Drehlagerteil bzw.
Ausstellarm, um dann bei maximaler Dreh-Öffnungsposition (z.B. etwa 90
°) die kürzeste Entfernung zu diesem Drehgelenk einzunehmen mit der Folge, daß praktisch
keine Kraftverstärkung mehr auftritt. Die Querbelastung des festrahmenseitigen Beschlagteils
durch den Steuerlenker ist somit dementsprechend reduziert. Beim Dreh-Schließen des
Flügels vergrößert sich zwar anfangs der Abstand zwischen dem momentanen Kreuzungspunkt
und dem flügelrahmenseitigen Drehgelenk des Führungslenkers. Da bei zunehmendem Schließen
des Fensters die entsprechenden Flügelkräfte jedoch mehr und mehr über den Führungslenker
in den blendrahmenseitigen Drehpunkt des Führungslenkers eingeleitet werden, ist diese
Art der Belastung unkritisch. Die Länge des Verschiebe-Drehgelenks im Führungslenker
kann auf Grund der zentralen Anordnung des Verschiebe-Drehgelenks im Kreuzungspunkt
beider Lenker vergleichsweise kurz sein, was für hohe mechanische Stabilität bei geringem
Bauaufwand sorgt.
[0009] Das lineare Bewegungsspiel im Kreuzungspunkt der Lenkerarme erlaubt eine Verkürzung
der beiden Lenker bei gleichem Verlagerungsweg der Drehachse des Flügels und bei gleichem
Drehöffnungs-Maximalwinkel. Die Reduzierung der mechanischen Belastung des oberen
und des unteren Drehlagers erlaubt die Verwendung höherer Flügelgewichte bei erhöhter
Zuverlässigkeit. So ergab sich bei einem gemäß dem nachfolgend beschriebenen Ausführungsbeispiel
aufgebauten, erfindungsgemäßen Beschlag in Verbindung mit einem Flügelgewicht von
80kg eine um den Faktor 3 vergrößerte Anzahl von Öffnungsbewegungen ohne Beschlagsbeschädigung
im Vergleich zu einem Beschlag gemäß der DE 38 29 053 A1.
[0010] Es sind eine Vielzahl von Ausführungsformen für das Verschiebe-Drehgelenk denkbar
wie z. B. ein C-profilförmiges, den Führungslenker umgreifendes Führungsteil. Da der
erforderliche Verschiebeweg des Drehgelenks auf Grund der zentralen Gelenklage vergleichsweise
gering ist und zudem in der kritischen Position, bei drehgeöffnetem Flügel, praktisch
keine Kraftverstärkung auftritt, kann gemäß einer bevorzugten Ausführungsform das
erste Gelenk ein erstes Langloch im Führungslenker sowie ein am Steuerlenker schwenkbar
befestigtes, im ersten Langloch hin- und her bewegbares, erstes Führungsteil umfassen.
Ein derartiges Verschiebe-Drehgelenk ist kostengünstig herstellbar bei zuverlässiger
Funktion.
[0011] Als erstes Führungsteil kommt u. U. eine zweiseitig abgeflachte Führungshülse in
Frage. Diese hat jedoch zumindest bei größeren Flügelgewichten die Tendenz, sich bei
der Verschiebebewegung und der Flügellast derart geringfügig zu verdrehen, daß die
aus Fertigungsgründen relativ scharfe Vorlaufkante (Kante zwischen dem vorderen Ende
des abgeflachten Bereichs und der nachfolgenden Zylinderfläche) sich u.U. in die entsprechende
Langlochflanke eingräbt. Um dies zu vermeiden wird vorgeschlagen, daß das erste Langloch
und das erste Führungsteil im wesentlichen trapezförmigen Umriß aufweisen mit im wesentlichen
gleicher Trapezhöhe und mit zur Längsrichtung des Führungslenkers im wesentlichen
parallelen Grundlinien, deren jeweils längere Grundlinie bei geschlossenem Fenster,
Tür oder dergleichen der dem Flügelüberschlag des Flügelrahmens gegenüberliegenden
Festrahmen-Sichtfläche näher liegt als die jeweils kürzere Grundlinie im Falle des
oberen Drehlagers und umgekehrt im Falle des unteren Drehlagers. Das erste Führungsteil
in Form des trapezförmigen Gleitsteins liegt mit seiner größeren Grundlinie unter
der jeweiligen Betriebsbelastung an der entsprechenden Flanke des Langlochs mit entsprechend
reduzierter Flächenbelastung an, ohne die beschriebene Verdrehungsgefahr. Auf Grund
des entsprechend trapezförmigen Umrisses des Langlochs kann dieses ohne allzu große
Materialreduktion und damit Schwächung des Führungslenkers relativ breit ausgebildet
sein, so daß das Führungsteil sowie ein das Führungsteil halternder Befestigungsbolzen
des Führungslenkers dementsprechend mechanisch stabil ausgebildet sein können.
[0012] Um den Anfang des Bewegungswegs der Drehachse des Flügels möglichst nahe an die Festrahmensichtfläche
heranzuführen, was wiederum eine Verkürzung der Lenkerlängen erlaubt, wird vorgeschlagen,
daß das Drehgelenk zwischen dem Führungslenker und dem flügelrahmenseitigen Drehlagerteil
des Führungslenkers oder dem Ausstellarm gegenüber einer Längs-Mittellinie des flügelrahmenseitigen
Drehlagerteils bzw. des Ausstellarms in Richtung zu einem Flügelüberschlag des Flügelrahmens
hin versetzt angeordnet ist.
[0013] Die vorstehend beschriebenen Maßnahmen einzeln und noch besser in Kombination erlauben
es, auf die seitliche Verschiebbarkeit des zweiten Gelenks zwischen dem Steuerlenker
und dem festrahmenseitigen Drehlagerteil ganz zu verzichten, so daß das zweite Gelenk
der Einfachheit halber von einem Drehgelenk gebildet sein kann. Das festrahmenseitige
Drehlagerteil, insbesondere in Form eines Lagerwinkels, braucht keinen gekröpften
Langloch-Abschnitt mehr aufweisen, um den Bewegungsweg für den Kopf eines Befestigungsbolzens
für das Führungsteil bereitzustellen. Dies reduziert wiederum den Fertigungsaufwand
sowie den Einbauraumbedarf.
[0014] Entsprechend dem Drehgelenk zwischen dem Führungslenker und dem flügelrahmenseitigen
Drehlagerteil kann auch das Drehgelenk zwischen dem Steuerlenker und dem festrahmenseitigen
Drehlagerteil gegenüber einer Längsmittellinie des festrahmenseitigen Drehlagerteils
in Richtung zur Festrahmensichtfläche hin versetzt angeordnet sein, um bei reduzierten
Lenkerlängen die gewünschte Drehachsenverlagerung zu erhalten.
[0015] Die vorstehend beschriebene Lösung mit dem zweiten Gelenk als Drehgelenk und asymmetrischer
Anordnung der beiden Drehgelenke zwischen Führungslenker und flügelrahmenseitigem
Drehlagerteil bzw. Steuerlenker und festrahmenseitigem Drehlagerteil eignet sich sowohl
für das obere wie auch das untere Drehlager.
[0016] Falls man jedoch für das untere Drehlager ein herkömmliches flügelseitiges Beschlagsteil
verwenden möchte, welches zu einer Längsmittelebene symmetrisch aufgebaut ist, und
somit eine asymmetrische Anordnung des zweiten Gelenks ausschließt, so wird für diesen
Fall vorgeschlagen, daß das zweite Gelenk von einem Verschiebe-Drehgelenk gebildet
ist mit Verschieberichtung im wesentlichen parallel zur Längsrichtung des das festrahmenseitige
Drehlagerteil tragenden Festrahmenschenkels.
[0017] Auf Grund des erfindungsgemäßen Verschiebe-Drehgelenks im Kreuzungspunkt zwischen
beiden Lenkern kann das das zweite Gelenk bildende weitere Verschiebe-Drehgelenk mit
im Vergleich zur bekannten Ausbildung gemäß DE 38 29 053 A12 wesentlich kürzerem Verschiebeweg
ausgebildet sein, was der mechanischen Stabilität zugutekommt. Auch ist die Querbelastung
des weiteren Verschiebe-Drehgelenks auf Grund der erfindungsgemäß wesentlich reduzierten
Kraftverstärkung bei drehgeöffnetem Flügel weiterhin vergleichsweise gering.
[0018] Wie beim erstgenannten Verschiebe-Drehgelenk kann auch das weitere Verschiebe-Drehgelenk
von einem Langloch mit im Langloch hin- und her beweglichem Führungsteil gebildet
sein. Auch kann mit Vorteil wiederum ein trapezförmiger Umriß für das Langloch und
das zweite Führungsteil gewählt werden, wobei im Falle des unteren Drehlagers auf
Grund der entsprechenden Querbelastungs-richtung die jeweils kürzere der beiden Grundlinien
der Fest-rahmensichtfläche näher liegt als die jeweils längere bzw. umgekehrt im Falle
eines oberen Drehlagers.
[0019] Die Erfindung betrifft schließlich ein Fenster oder eine Tür mit einem Dreh-Beschlag
oder einem Dreh-Kipp-Beschlag der vorstehend beschriebenen Art.
[0020] Die Erfindung wird im folgenden an bevorzugten Ausführungsbeispielen erläutert.
[0021] Es zeigt:
Fig. 1 eine Seitenansicht nach Linie I-I in Fig. 2 eines erfindungsgemäß ausgebildeten
Dreh-Kipp-Beschlages im Bereich des oberen Drehgelenks bei geschlossenem Flügel im
Schnitt;
Fig. 2 eine Draufsicht auf den Beschlag gemäß Fig. 1 im Schnitt nach Linie 11-11,
jedoch bei maximal drehgeöffnetem Flügel;
Fig. 3 die Anordnung gemäß Fig. 2 bei weniger weit geöffnetem Flügel;
Fig. 4 die Anordnung gemäß Fig. 2 und 3 bei noch weniger weit geöffnetem Flügel;
Fig. 5 eine Seitenansicht des erfindungsgemäßen Dreh-Kipp-Beschlages im Bereich des
unteren Drehlagers bei geschlossenem Flügel im Schnitt nach Linie V-V in Fig. 6;
Fig. 6 eine Draufsicht auf die Anordnung gemäß Fig. 5 im Schnitt nach Linie VI-VI,
jedoch bei maximal drehgeöffnetem Flügel;
Fig. 7 die Anordnung gemäß Fig. 6 bei weniger weit geöffnetem Flügel; und
Fig. 8 die Anordnung gemäß den Fig. 6 und 7 bei noch weniger weit geöffnetem Flügel.
[0022] Im folgenden wird die Erfindung am Beispiel eines verdecktliegenden Dreh-Kipp-Beschlags
eines Fensters oder einer Tür erläutert; die erfindungsgemäße Verbesserung der Lenkerkonstruktion
des verdecktliegenden Beschlags läßt sich ebensogut auch auf Dreh-Beschläge ohne Kippfunktion
anwenden. Ferner ist, zumindest bei größeren Flügelgewichten, der Einsatz einer Abstützeinrichtung
gemäß der DE 38 29 053 A1 von Vorteil, wie auch in Fig. 5 angedeutet ist. Zumindest
bei kleineren Flügelgewichten kann eine derartige Abstützeinrichtung auch unter Umständen
entfallen.
[0023] Die Fig. 1-4 zeigen eine erste Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Lenkerausbildung
ohne Langloch im festrahmenseitigen Drehlagerteil, wobei diese Ausführungsform bei
einem Dreh-Beschlag unverändert auch als unteres Drehlager eingesetzt werden kann
und unter Umständen auch bei einem Dreh-Kipp-Lager eines Dreh-Kipp-Beschlags.
[0024] Das dargestellte obere Drehlager 10 des im übrigen nicht näher dargestellten, da
üblichem Aufbau entsprechenden Dreh-Kipp-Beschlags aus Handgriff, Treibstangen, Verriegelungskloben,
Schließblechen usw., verbindet den in den Fig. 1 und 2 vereinfacht im Schnitt dargestellten
Festrahmen 12 im Bereich des drehlagerseiten, oberen Ecks mit dem lediglich in Fig.
2 angedeuteten Flügelrahmen 14. Bei geschlossenem Flügel befinden sich sämtliche Teile
des oberen Drehlagers im Falzraum 16 (s.a. Fig. 5) zwischen den entsprechenden horizontalen
Rahmenschenkeln 18a und den vertikalen Rahmenschenkeln 18b des Flügelrahmens 14 einerseits
und den horizontalen Rahmenschenkeln 20a und 20b des Festrahmens 12 andererseits.
Ein umlaufender, seitlich vorkragender Flügelüberschlag 21 des Flügelrahmens 14 liegt
bei geschlossenem Flügel einer Festrahmensichtfläche 22 des Festrahmens 12 gegenüber
und deckt den ansonsten in Richtung zur Blendrahmensichtfläche 22 hin offenen Falzraum
16 vollständig ab, wie in Fig. 5 mit einer Punkt-Punkt-Umrißlinie, angedeutet ist.
[0025] Um trotz verdeckter Anordnung des Beschlags im Falzraum 16 eine Kollision des Flügelüberschlags
21 im Bereich der Drehachse DA zwischen dem Festrahmen 12 und dem Flügelrahmen 14
mit der Festrahmensichtfläche 22 zu vermeiden, ist der Beschlag so ausgebildet, daß
sich beim Dreh-Öffnen eine Verlagerung der Drehachse DA aus dem Falzraum 16 vor die
Festrahmensichtfläche 22 ergibt.
[0026] Im Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 1-8 sind hierzu lediglich zwei Lenker jeweils für
das obere und untere Drehlager vorgesehen. Einer der beiden Lenker, der Führungslenker
FL, ist sowohl mit dem Festrahmen 12 als auch dem Flügelrahmen 14 ausschließlich gelenkig
verbunden. Sein in den Fig. 1-4 linkes Ende ist dementsprechend über ein Drehlager
26 beispielsweise in Form eines Gelenkbolzens mit dem Horizontalschenkel 28a eines
Eckwinkels 28 verbunden. Der Eckwinkel 28 wiederum ist in das entsprechende Falzraum-Eck
des Festrahmens 12 eingesetzt und dort, beispielsweise mit Hilfe von Schrauben 30,
starr befestigt.
[0027] Ein Drehgelenk 32, beispielsweise wiederum in Form eines Nietbolzens, verbindet das
in den Fig. 1-4 rechte Ende des Führungslenkers FL mit dem Flügelrahmen 14 und definiert
dabei auch die Drehachse DA. Im Falle eines reinen Dreh-Beschlags verbindet dieses
Drehgelenk 32 den Führungslenker FL unmittelbar mit einem entsprechenden Beschlagswinkel
des Flügelrahmens. Im dargestellten Ausführungsbeispiel eines Dreh-Kipp-Beschlags
verbindet das Drehgelenk 32 dagegen einen Ausstellarm 34 einer nicht weiter dargestellten
Ausstellschere mit dem Führungslenker FL. In Fig. 1, links, erkennt man noch ein ausstellarmfestes
Riegelstück 34a, welches mit einem nicht dargestellten Verriegelungskloben eines Treibstangenbeschlags
zusammenwirkt, um zum Dreh-Öffnen den Ausstellarm 34 in rahmenparalleler Position
am Flügelrahmen 14 festzulegen; zum Kipp-Öffnen des Flügels gibt der Treibstangenbeschlag
dann das Verriegelungsstück 34a frei.
[0028] Der andere Lenker, der Steuerlenker SL, verbindet ebenfalls den Festrahmen 12 mit
dem Flügelrahmen 14. Es ist jedoch nunmehr ein Verschiebe-Drehgelenk 36 zwischen Steuerlenker
SL und Flügelrahmen 14 bzw. Ausstellarm 34 vorgesehen. Dieses Verschiebe-Drehgelenk
36 wird im dargestellten Ausführungsbeispiel von einem zur Längsrichtung des Ausstellarms
34 parallelen Langloch 34b des Ausstellarms 34 gebildet sowie einem Führungsteil 38
am entsprechenden Ende des Steuerlenkers SL, beispielsweise in Form eines mit dem
Steuerlenker SL vernieteten Kopfbolzens.
[0029] Im Ausführungsbeispiel gemäß den Fig. 1-4 ist das festrahmenseitige Ende des Steuerlenkers
SL mit dem das festrahmenseitige Drehlagerteil des Beschlags bildenden Eckwinkel 28
über ein Dreh- gelenk 40, z. B. in Form eines Nietbolzens, verbunden. Gegenüber einer
Längs-Mittelebene 42 des Eckwinkels 28 ist das Drehgelenk 40 in Richtung zur Festrahmensichtfläche
22 hin verlagert. Im gleichen Sinne ist auch das die Drehachse DA festlegende Drehgelenk
32 verlagert, also gegenüber einer Längs-Mittellinie 44 des Ausstellarms 34 in Richtung
zum Flügelüberschlag 21 (jeweils senkrecht zur entsprechenden Rahmenebene).
[0030] Damit beide Lenker FL und SL bei geschlossenem Flügel trotz gegenseitiger Kreuzung
einbauraumsparend übereinander liegen können, sind beide mit seitlich offenen Ausnehmungen
48, 49 versehen, die bei geschlossenem Flügel ineinandergreifen mit entsprechender
Z-förmiger Abknikkung beider Lenker FL und SL in diesem Bereich, wie es an sich aus
der DE 38 29 053 A1 bekannt ist.
[0031] Beide Lenker FL und SL sind miteinander über ein Verschiebe-Drehgelenk 50 verkoppelt,
bestehend aus einem Langloch 52 im Führungslenker FL und einem im Langloch hin- und
her bewegbaren Führungsteil 54, welches über einen Niet-Gelenkbolzen 56 am Steuerlenker
SL drehbar befestigt ist.
[0032] Das Langloch 52 im Führungslenker FL verläuft in Lenker-Längsrichtung. Es hat trapezförmigen
Umriß, wobei die kürzere Grundlinie 52a der beiden zueinander parallelen Grundlinien
52a und 52b bei geschlossenem Flügel der Festrahmensichtfläche 22 näher liegt als
die jeweils längere Grundlinie 52b. Das Führungsteil 54 (auch Gleitstein genannt)
hat gleichfalls trapezförmigen Umriß mit gleicher Trapezhöhe und gleicher Orientierung
der Trapezseitenlinien, um in beiden Anschlagsstellungen bis in die Trapezecken des
Langlochs 52 eindringen zu können (s.a. Fig. 3, in der zur Verdeutlichung des Aufbaus
ein Abschnitt des Steuerlenkers SL oberhalb des Führungsteils 54 herausgebrochen dargestellt
ist). Man erkennt dort auch den quadratrischen Umriß eines stets über den Rand des
Langlochs 52 vorstehenden Kopfes 56a des Niet-Gelenkbolzens 56. Auf diese Weise werden
die beiden Lenker FL und SL zuverlässig im Kreuzungspunkt zusammengehalten.
[0033] Die Trapezform sorgt zum einen dafür, daß keine Gefahr besteht, daß sich das Führungsteil
54 während des Betriebs im Langloch 52 verdreht und dadurch erhöhte Reibung und Verschleiß
verursacht. Zum anderen ergibt sich eine stark reduzierte Flächenbelastung der Langlochflanken,
da unter der Betriebsbelastung das Führungsteil 54 mit seiner jeweils längeren Trapezseite
an der entsprechenden Nutflanke (längere Grundlinie 52b) abstützt. Dies gilt zumindest
bei nicht völlig drehgeöffnetem Flügel (s. Fig. 3), bei dem das Führungsteil 38 am
entsprechenden Ende des Steuerlenkers SL vom in Fig. 2 oberen Ende des Langlochs 34b
entfernt ist und somit keine Kippmomente des Flügelrahmens 14 um eine zur Rahmenebene
senkrechte Kippachse aufnehmen und über den Steuerlenker SL weiterleiten kann. Diese
Kräfte werden also allein über das Drehgelenk 32 auf den Führungslenker FL übertragen,
der daraufhin versucht, im Uhrzeigersinn der Fig. 2 um das Drehgelenk 26 zu verschwenken.
Hieran wird er durch das Führungsteil 54 innerhalb des Langlochs 52 gehindert, da
dies dementsprechend an die in Fig. 2 obere Flanke des Langlochs 52 andrückt und in
der Folge die entsprechenden Flügelkräfte über den nach oben folgenden Abschnitt des
Steuerlenkers SL in das Drehgelenk 40 und damit in den Festrahmen 12 weiterleitet.
[0034] Die Fig. 2 und 3 zeigen, daß bei weit drehgeöffnetem Flügel die durch die jeweilige
Lage des Führungsteils 54 mit Niet-Gelenkbolzen 56 definierte momentane Kreuzungsachse
KA in Längsrichtung des Führungslenkers FL jeweils nur geringfügig von der Drehachse
DA entfernt ist. Die Länge des Hebelarms, an den der Flügelrahmen 14 unmittelbar angreift
(Abstand zwischen dem Drehlager 26 und der Drehachse DA) ist demnach in der kritischen
Flügelstellung nur unwesentlich größer als die effektive Länge des an den Steuerlenker
SL angreifenden Hebelarms (Abstand Drehlager 26 zur Achse KA). Die auf das Verschiebe-Drehgelenk
50 im wesentlichen quer zu seinem Langloch 50 wirkenden Kräfte, die dann über den
oberen Abschnitt des Steuerlenkers SL in das Drehgelenk 40 weitergeleitet werden,
sind daher nur unwesentlich größer als die vom Flügelrahmen 14 in das Drehgelenk 32
mit Drehachse DA eingeleiteten Kräfte.
[0035] Wird der Flügel weiter geschlossen (s. Fig. 4), so wandert das Führungsteil 54 weiter
in Richtung zu dem in der Fig. 4 linken Ende des Langlochs 52. Gleichzeitig nimmt
der zwischen dem Führungslenker FL und dem Steuerlenker SL eingeschlossene Winkel
weiter ab, so daß zunehmend die aus dem Kippmoment des Flügels resultierenden und
auf das Drehlager 32 mit Drehachse DA wirkenden Kräfte (Pfeil F in Fig. 4) auf Grund
entsprechender Kräftezerlegung unmittelbar in den Führungslenker FL eingeleitet werden
zur Einleitung in den Festrahmen über das Drehgelenk 26. Dementsprechend wird das
Verschiebe-Drehgelenk 50 entlastet, trotz Vergrößerung des Unterschieds der beiden
genannten Hebellängen.
[0036] Es ergeben sich insgesamt deutlich reduzierte Lenkerlängen der beiden Lenker FL und
SL, wozu zum einen das zentral im Kreuzungspunkt der beiden Lenker FL und SL angeordnete
Verschiebe-Drehgelenk mit vergleichsweise kurzem Verschiebeweg beiträgt und zum anderen
die durch Wegfall eines Langlochs im Eckwinkel 28 ermöglichte Verlagerung von beiden
Drehlagern 32 und 40 bei geschlossenem Flügel in Richtung zum Flügelüberschlag 21.
[0037] Der Aufbau des unteren Drehlagers in Form des Dreh-Kipplagers 60 entspricht in bezug
auf die Lenkerkonstruktion weitgehend der vorstehend beschriebenen. Der Führungslenker
FL ist mit dem Steuerlenker SL über das Verschiebe-Drehgelenk 50' verkoppelt, wobei
die Trapezform des Langlochs 52' umgekehrt ist, d.h. mit der längeren Grundlinie 52b
auf der der Festrahmensichtfläche 22 zugewandten Seite des Langlochs (bei geschlossenem
Flügel). Dies trägt der umgekehrten Kraftrichtung im unteren Drehlager Rechnung. In
Fig. 6 ist ein entsprechender Kraftpfeil F' eingezeichnet; der Umriß des in diesem
Schnitt an sich nicht sichtbaren unteren, horizontalen Rahmenholms 18a ist mit strichlierter
Umrißlinie angedeutet.
[0038] Der Führungslenker ist wie bei der ersten Ausführungsform über das Drehlager 26 mit
einem festrahmenseitigen Drehlagerteil in Form eines Beschlagwinkels 28' verkoppelt.
Der Beschlagwinkel 28' ist in eine entsprechende Ecke des Falzraums 16 eingesetzt
und mit dem Festrahmen 12 starr verbunden, insbesondere verschraubt (Schrauben 30').
Der vertikal nach oben abstehende Schenkel 28b' trägt an seinem oberen Ende einen
Stützstab 62, der mit seinem oberen, nicht dargestellten Ende an den Vertikalholm
18b des Flügelrahmens 14 angreift zur Aufnahme des Flügelgewichts beim Dreh-Öffnen
und Kipp-Öffnen; auf die DE 38 29 053 A1 wird verwiesen.
[0039] Der Steuerlenker SL ist mit dem Beschlagswinkel 28' nunmehr über ein weiteres Verschiebe-Drehgelenk
64 verkoppelt, aus einem Langloch 66 im Horizontalschenkel 28a' und einem Führungsteil
(Gleitstein) 68 innerhalb des Langlochs 66, welches mit Hilfe eines Gelenkbolzens
70 am oberen Ende des Steuerlenkers drehbar befestigt ist. Der im Umriß quadratische
Bolzenkopf 70a steht wiederum in allen Betriebspositionen über die beiden Langlochränder
vor, um den Zusammenhalt zwischen Steuerlenker SL und Horizontalschenkel 28a sicherzustellen.
Eine Kröpfung des Horizontalschenkels 28a' im Bereich des Langlochs 66 sichert den
notwendigen Bewegungsraum für den Bolzenkopf 70a an der Unterseite des Horizontalschenkels
28a'. Das Langloch 66 sowie das Führungsteil 68 sind wiederum trapezförmig mit einer
Trapezorientierung entsprechend der des Verschiebe-Drehgelenks 50 gemäß Fig. 1 - 4,
d.h. mit der jeweils kürzeren Grundlinie 66a auf der der Festrahmensichtfläche 22
zugewandten Seite des Langlochs, da das Flügelkippmoment (Kraftpfeil F') den Steuerlenker
SL auf Druck beansprucht und somit das Führungsteil 68 mit seiner längeren Grundlinie
gegen die Grundlinie 66b andrückt.
[0040] Das Langloch 66 ist in bezug auf eine Längs- Mittelebene des Eckwinkels 28 in Richtung
auf die Festrahmensichtfläche 22 verlagert, um für die Verlagerung der Drehachse DA
vor die Festrahmensichtfläche 22 beim Dreh-Öffnen des Flügels günstige Bewegungsverhältnisse
zu schaffen. Dies entspricht somit der entsprechenden Verlagerung des Drehgelenks
40 beim ersten Ausführungsbeispiel gemäß Fig.1-4.
[0041] Die Art der Verkoppelung der anderen Lenkerenden von Führungslenker und Steuerlenker
mit dem Flügelrahmen 14 entspricht grundsätzlich der des ersten Ausführungsbeispiels
mit einem die Drehachse DA definierenden Drehlager 32' zwischen Führungslenker und
Flügelrahmen 14 und einem Verschiebe-Drehgelenk 50' zwischen dem Steuerlenker SL und
dem Flügelrahmen 14.
[0042] Im möglichen Anwendungsfall eines Dreh-Kipp-Beschlages muß das untere Drehlager jedoch
als Dreh-Kipp-Lager 60 ausgebildet sein. Drehlager 32' und Verschiebe-Drehgelenk 50'
müssen also auch noch eine Kippbewegung um eine horizontale Kippachse KA zulassen.
[0043] Dies kann dadurch erreicht werden, daß das Verschiebe-Drehgelenk 36' sowie das Drehgelenk
32' jeweils mit einem nach oben vorstehenden Vorsprungsteil 36'a bzw. 32'a versehen
ist, die in die entsprechende langlochartige Ausnehmung 34' bzw. nach unten offene
Aufnahmeöffnung 33 eines flügelrahmenseitigen Beschlagteils eingesetzt sind mit entsprechendem
Kippspiel bei Parallellage der unteren Rahmenholme 18a und 20a. Das Beschlagsteil
wird im dargestellten Ausführungsbeispiel von einer im Druckgußverfahren hergestellten
Lagerschiene 71 gebildet, die mit dem Flügelrahmen 14 starr verbunden, insbesondere
verschraubt ist (Schraube 72). Das annähernd zylindrische Vorsprungsteil 36'a lagert
während der Öffnungsbewegung des Flügels in der dementsprechend länglich ausgebildeten,
nach unten offenen Ausnehmung 34'; in der in Fig. 5 dargestellten Kipp-Bereitschaftsstellung
befindet sich das Vorsprungsteil 36'a im Bereich eines seitlichen Fensters 71 der
Ecklagerschiene 71, um beim Kipp-Öffnen des Flügels mehr oder weniger weit in das
Fenster 71 a einzudringen.
[0044] Das das eigentliche Ecklager bildende Vorsprungsteil 32'a dagegen ist nach oben hin
konisch verjüngt, um beim Kipp-Öffnen nicht mit der zylindrischen Innenumfangswand
der Aufnahmeöffnung 33 zu kollidieren.
[0045] Der Bewegungsablauf beim Dreh-Öffnen und Dreh-Schließen des Flügels geht aus den
Fig. 6-8 hervor. Bei maximal drehgeöffnetem Flügel ist der Abstand zwischen der durch
den momentanen Kreuzungspunkt beider Lenker FL und SL definierten Kreuzungsachse KA
und der Drehachse DA minimal, so daß praktisch keine Kraftverstärkung auftritt. Um
trotz der zur Längs-Mittelebene 44 der Ecklagerschiene 71 symmetrischen Anordnung
von Vorsprungsteil 36'a und 32'a den gewünschten maximalen Öffnungswinkel von wenigstens
90 bei weiterhin geringen Längen der Lenker FL und SL zu erhalten, bei allenfalls
geringer Kraftverstärkung bei maximal drehgeöffnetem Fenster, wird dem festrahmenseitigen
Ende des Steuerlenkers, wie beschrieben, ein vergleichsweise kleines lineares Bewegungsspiel
parallel zur Festrahmenebene zugestanden.
[0046] Bei vollständig drehgeöffnetem Flügel befindet sich das Führungsteil 68 am in den
Figuren linken Ende des Langlochs 66. Wird dann der Flügel etwas zugedreht (in die
Stellung gem. Fig. 7), so wandert als erstes das Führungsteil 68 zum rechten Ende
des Langlochs 66 (auf Grund der unterschiedlichen Anfangsneigung der beiden Langlöcher
66 und 52' relativ zur Längsrichtung des Steuerlenkers SL). Nachfolgend wandert dann
auch das Führungsteil 54' des Verschiebe-Drehgelenks 50' in den Figuren nach links
bis zum Ende des Langlochs 52' bei geschlossenem Flügel.
1. Dreh-Beschlag oder Dreh-Kipp-Beschlag von Fenstern, Türen oder dergleichen, mit
einem Festrahmen (12) und einem Flügelrahmen (14), der am Festrahmen (12) um eine
vertikale Drehachse (DA) und, im Falle eines Dreh-Kipp-Beschlages, um eine horizontale
Kippachse (KA) kippbar angebracht ist, umfassend
- ein unteres Drehlager, welches den Festrahmen (12) im Bereich eines unteren Ecks
des Festrahmens (12) mit dem Flügelrahmen (14) verbindet, und zwar im Falle eines
Dreh-Kipp-Beschlages in Form eines Dreh-Kipp-Lagers (60),
- ein oberes Drehlager (10), welches den Festrahmen (12) im Bereich eines oberen Ecks
des Festrahmens (12) im Falle eines Dreh-Beschlags mit dem Flügelrahmen und im Falle
eines Dreh-Kipp-Beschlages mit einem mit dem Flügelrahmen (14) verkoppelten Ausstellarm
(34) verbindet,
wobei die beiden Drehlager jeweils mit wenigstens zwei Lenkern (FL,SL) ausgebildet
sind zur Verlagerung der Drehachse (DA) beim Dreh-Öffnen des Flügelrahmens (14) in
Richtung senkrecht zur Rahmenebene des Festrahmens (12),
wobei die beiden Lenker (FL,SL) jedes Drehlagers (10) einander kreuzen und im Kreuzungspunkt
über ein erstes Gelenk miteinander beweglich verbunden sind,
wobei einer der beiden Lenker, der Führungslenker (FL), mit einem festrahmenseitigen
Drehlagerteil (Eckwinkel 28,28') und mit einem flügelrahmenseitigen Drehlagerteil
(Ecklagerschiene 71) oder dem Ausstellarm (28) jeweils über ein Drehgelenk (26,32)
verbunden ist, und wobei der andere Lenker, der Steuerlenker (SL), mit dem festrahmenseitigen
Drehlagerteil (Eckwinkel 28,28') über ein zweites Gelenk zumindest schwenkbar verbunden
und mit dem flügelrahmenseitigen Drehlagerteil (Ecklagerschiene 70) oder dem Ausstellarm
(28) über ein Verschiebe-Drehgelenk (36,36') verbunden ist, mit Verschieberichtung
im wesentlichen parallel zur Längsrichtung des das flügelrahmenseitige Drehlagerteil
tragenden Flügelrahmenschenkels (18a) bzw. parallel zur Längsrichtung des Ausstellarms
(28),
dadurch gekennzeichnet, daß das erste Gelenk von einem Verschiebe-Drehgelenk (50,50')
gebildet ist mit Verschieberichtung im wesentlichen parallel zur Längsrichtung des
Führungslenkers (FL).
2. Beschlag nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das erste Gelenk ein erstes
Langloch (52) im Führungslenker (FL) sowie ein am Steuerlenker (SL) schwenkbar befestigtes,
im ersten Langloch (52,52') hin- und her bewegbares erstes Führungsteil (54,54') umfaßt.
3. Beschlag nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß das erste Langloch (52,52')
und das erste Führungsteil (54,54') im wesentlichen trapezförmigen Umriß aufweisen
mit im wesentlichen gleicher Trapezhöhe und mit zur Längsrichtung des Führungslenkers
(FL) im wesentlichen parallelen Grundlinien, deren jeweils kürzere Grundlinie (52a)
bei geschlossenem Fenster, Tür oder dergleichen der dem Flügelüberschlag (21) des
Flügelrahmens gegenüberliegenden Festrahmen-Sichtfläche (22) näher liegt als die jeweils
längere Grundlinie (52b) im Falle des oberen Drehlagers und umgekehrt im Falle des
unteren Drehlagers.
4. Beschlag nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das
Drehgelenk (32) zwischen dem Führungslenker (FL) und dem flügelrahmenseitigen Drehlagerteil
des Führungslenkers oder dem Ausstellarm (28) gegenüber einer Längs-Mittellinie (44)
des flügelrahmenseitigen Drehlagerteils bwz. des Ausstellarms (28) in Richtung zu
einem Flügelüberschlag (21) des Flügelrahmens (14) hin versetzt angeordnet ist.
5. Beschlag nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das
zweite Gelenk von einem Drehgelenk (40) gebildet ist (Fig. 1 bis 4).
6. Beschlag nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß das das zweite Gelenk bildende
Drehgelenk (40) gegenüber einer Längs-Mittellinie (42) des festrahmenseitigen Drehlagerteils
(Eckwinkel 28) in Richtung zu einer bzw. zu der dem Flügelüberschlag (21) des Flügelrahmens
(14) gegenüberliegenden BlendrahmenSichtfläche (22) hin versetzt angeordnet ist.
7. Beschlag nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das zweite
Gelenk von einem Verschiebe-Drehgelenk (64) gebildet ist mit Verschieberichtung im
wesentlichen parallel zur Längsrichtung des das festrahmenseitige Drehlagerteil (Eckwinkel
28') tragenden Festrahmenschenkels (20a) (Fig. 5 bis 8).
8. Beschlag nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet. daß das zweite Gelenk ein zweites
Langloch (66) im festrahmenseitigen Drehlagerteil (Eckwinkel 28') sowie ein am Steuerlenker
(SL) schwenkbar befestigtes, im zweiten Langloch (66) hin- und her bewegliches zweites
Führungsteil (68) umfaßt.
9. Beschlag nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß das zweite Langloch (66)
und das zweite Führungsteil (68) im wesentlichen trapezförmigen Umriß aufweisen mit
im wesentlichen gleichen Trapezhöhen und mit zur Längsrichtung des feststehenden Drehlagerteils
(Eckwinkel 28') im wesentlichen parallelen Grundlinien (66a,66b), deren jeweils kürzere
(66a) der dem Flügelüberschlag des Flügelrahmens gegenüberliegenden Festrahmen-Sichtfläche
(22) näher liegt als die jeweils längere Grundlinie (66b) im Falle eines unteren Drehlagers
(60) und umgekehrt im Falle eines oberen Drehlagers.
10. Fenster oder Tür mit einem Dreh-Beschlag nach einem der vorhergehenden Ansprüche.
11. Fenster oder Tür mit einem Dreh-Kipp-Beschlag nach einem der Ansprüche 1 bis 9.