[0001] Die Erfindung betrifft eine radarabsorbierende Anordnung für eine Fensterverglasung
oder Fassadenverkleidung in Doppelschichtbauweise mit einer im Bereich der Außenschicht
angeordneten elektromagnetische Strahlung teilweise reflektierenden Schicht und einer
im Bereich der Innenschicht im Abstand von etwa einem Viertel der Betriebswellenlänge
angeordneten weiteren reflektierenden Schicht.
[0002] In der Patentschrift 42 27 032 C1 ist eine Fensterverglasung in Doppelschichtbauweise
beschrieben, die nach dem Prinzip des Jaumann-Absorbers die Reflexion einfallender
elektromagnetischer Strahlung unterdrückt. Dabei ist in der Außenscheibe anstelle
der bekannten Widerstandsschicht eine Anordnung paralleler Drähte vorgesehen. Die
Reflexion der die Verglasung durchdringenden Strahlung findet mittels einer auf die
Innenscheibe aufgedampften Metallschicht statt. Bei der technischen Dimensionierung
und Herstellung ergibt sich jedoch das Problem, daß neben der geforderten Präzision
und Reproduzierbarkeit der Drahteinlagen die hochleitfähige innenseitig angeordnete
Reflexionsschicht unter den gleichen Präzisionsanforderungen herzustellen und einzubauen
ist.
[0003] Weiterhin ist aus dem Gebrauchsmuster G 89 15 902.0 ein Fassadenaufbau für Hochbauten
bekannt geworden, der wiederum in Doppelschichtbauweise hergestellt wird und der ebenfalls
nach dem Prinzip der Interferenzauslösung einfallende elektromagnetische Strahlung
absorbiert. Hierbei ist besonders die Widerstandsschicht Ursache für Probleme hinsichtlich
der Reproduzierbarkeit bei der Herstellung.
[0004] Es ist deshalb Aufgabe der Erfindung, eine Bauweise für radarabsorbierende Fensterverglasungen
oder Fassadenverkleidungen anzugeben, die das Herstellverfahren vereinfacht und die
eine Anpassung der elektrischen Eigenschaften an die am Einbauort vorgegebenen Verhältnisse
erlaubt.
[0005] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die im Bereich der Innenschicht
angeordnete reflektierende Schicht aus parallel zueinanderliegenden, drahtförmigen
elektrischen Leiterabschnitten besteht, die in einem geordneten geometrischen Muster
angeordnet sind.
[0006] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Anordnung sind in den Unteransprüchen beschrieben.
[0007] Die besonderen Vorteile der erfindungsgemäßen Bauweise liegen zum einen in der erheblich
erleichterten und preisgünstigeren Herstellbarkeit und zum anderen in der umfangreichen
Anpassungsfähigkeit der Anordnung an die elektromagnetischen und baumechanischen Gegebenheiten
am Einbauort.
[0008] Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in der Zeichnung dargestellt und werden im
folgenden näher beschrieben. Es zeigen:
- Fig. 1
- einen Schnitt durch eine Isolierverglasung mit zwei Scheiben;
- Fig. 2
- eine Variante einer radarabsorbierenden Doppelschichtanordnung.
[0009] Das Ausführungsbeispiel in Fig. 1 zeigt eine Doppelschichtbauweise einer Isolierverglasung.
Die Außenscheibe 2 ist mittels eines evakuierten oder gasgefüllten Zwischenraumes
4 von der Innenscheibe 6 beabstandet angeordnet. In der gleichen Bauweise kann auch
eine Fassadenverkleidung gestaltet sein.
[0010] Die Innenscheibe 6 ist hierbei als Doppelscheibe ausgeführt, wobei zwischen den Einzelscheiben
der Doppelscheibe eine Schicht 7 aus parallel verlaufenden Leiterabschnitten L eingefügt
ist. Die Außen- und die Innenscheibe 2,6 können bei Bedarf mit optisch bzw. thermisch
wirksamen Beschichtungen versehen sein. So besteht die außenliegende Schicht 1 der
Außenscheibe 2 aus einer rein optisch wirksamen Beschichtung, während die innenliegende
Schicht 3 als wärmedämmende Beschichtung mit einer sehr geringen elektrischen Leitfähigkeit
ausgeführt ist. Die Beschichtung 3 kann beispielsweise aus Metalloxid hergestellt
sein. Die Beschichtungen 5 und 8 der Innenscheibe 6 können ebenfalls bei Bedarf aufgebracht
sein. Es ist hierbei jedoch zu beachten, daß diese Schichten eine nur sehr geringe
Leitfähigkeit aufweisen, um die Wirksamkeit der elektrisch leitfähigen Leiterabschnitte
L der Schicht 7 nicht zu beeinflussen.
[0011] Da die Anordnung das Funktionsprinzip des Jaumann-Absorbers benutzt, müssen zwei
reflektierende Schichten vorhanden sein, deren Abstand zueinander im wesentlichen
von der Betriebsfrequenz der einfallenden elektromagnetischen Strahlung R abhängig
ist. Wie in Fig. 1 dargestellt, fällt die elektromagnetische Strahlung R zunächst
auf die Außenschicht 1 der Außenscheibe 2 bzw. direkt auf die Außenscheibe 2. Hierbei
wird vorzugsweise die natürliche Reflexion der Außenschicht bzw. -scheibe ausgenutzt.
Falls diese nicht ausreichen sollte, kann der Reflexionsgrad beispielsweise durch
eine aufgedampfte Metallschicht 1 erhöht werden.
[0012] Die zweite Reflexionsebene wird durch die reflektierende Schicht 7 im Bereich der
Innenscheibe(n) 6 gebildet. Der elektrisch wirksame Teil der Schicht 7 besteht aus
parallel zueinanderliegenden, drahtförmigen elektrischen Leiterabschnitten L, deren
Vorzugsrichtung abhängig von der Polarisation der am Einbauort einfallenden elektromagnetischen
Strahlung R eingestellt wird. Ein bestimmter Anteil der Transmission T elektromagnetischer
Strahlung wird dabei toleriert. Bei einer Dimensionierung der Anordnung für eine Betriebsfrequenz
von etwa 1 GHz ergeben sich folgende vorteilhafte Bemaßungen: Die Dicke der Außenscheibe
2 beträgt zwischen 8 und 14 mm, die der Innenscheibe zwischen 6 und 10 mm. Die Weite
des Zwischenraumes 4 wird im Bereich von 12 bis 20 mm eingestellt. Die Länge der Leiterabschnitte
L wird im Bereich zwischen 5 und 80 cm gewählt. Der Abstand d zweier benachbarter
Leiterabschnitte L beträgt etwa 10 bis 40 mm, die Breite b eines Leiterabschnittes
ist kleiner als 0,5 mm. Die Dimensionierung der Anordnung im Rahmen dieser Parameter
bestimmt die Amplitude und die Phasenverschiebung des an der Schicht 7 reflektierten
Anteils der elektromagnetischen Strahlung. Hieraus ergibt sich zusammen mit der Reflexion
an der Außenscheibe 2 die Intensität der Reflexionsunterdrückung der Gesamtbauweise.
[0013] Bei der vorgegebenen Dimensionierung ergibt sich für die aus den Leiterabschnitten
L gebildete Reflexionsebene eine Reflexionsintensität, die einem realisierten Widerstand
von etwa 120 bis 180 Ω/□ einer Oberfläche entspricht, deren Lage einen größeren Abstand
zur äußeren Scheibe 2 hat als der tatsächliche Abstand zwischen der reflektierenden
Schicht 7 und der Außenscheibe 2 ist. Somit sind unter der Voraussetzung, daß die
reflektierende Oberfläche der Außenscheibe 2 und der fiktive Reflexionsort der reflektierenden
Schicht 7 etwa ein Viertel der Betriebswellenlänge voneinander beabstandet sind, die
Bedingungen für einen Jaumann-Absorber erfüllt.
[0014] Die Fig. 2 zeigt eine Variante der bereits beschriebenen Bauweise. Hierbei wird die
reflektierende Schicht auf der Innenseite der Außenscheibe/-schicht 2 anstelle der
Beschichtung 3 angebracht. Durch Abwandlung der oben genannten Dimensionierungsvorschriften
werden ebenso die Bedingungen für einen Jaumann-Absorber erfüllt.
[0015] Als vorteilhaft haben sich verschiedene Ausführungen der reflektierenden Schicht
7 erwiesen. Eine naheliegende Bauweise besteht in der Verwendung von Drahtabschnitten,
die in der angegebenen Dimensionierung auf die Scheibe/Schicht 2 bzw. 6 aufgebracht
werden. Als besonders geeignet haben sich hierbei Wolframdrähte erwiesen, die aufgrund
ihrer geringen Dicke in einer Fensterverglasung kaum noch optisch wahrgenommen werden
können. Je nach Anwendungsfall haben sich auch elektrisch leitfähige Fasern zur Herstellung
der reflektierenden Schicht bewährt. Ebenso können elektrisch leitfähige Fasern, Drähte
o.ä. in einem textilen Gewebe eingearbeitet sein. Für Fensterverglasungen hat sich
eine Bauweise als besonders geeignet erwiesen, bei der leitfähige Elemente L auf einer
Kunststoffolie, beispielsweise aus Polyvinylbutyral (PVB), aufgebracht worden sind.
[0016] Die erfindungsgemäße radarabsorbierende Anordnung eignet sich nicht nur für Fensterverglasungen,
sondern in gleicher Weise auch für ähnlich aufgebaute Fassadenverkleidungen. Anstelle
der Fenstergläser werden im Bauwesen bekannte nicht leitfähige Baustoffe wie Baukeramik,
Faserzement oder Schichtpreß-Werkstoff eingesetzt. Thermisch wirksame Isolierdämmstoffe
sind ebenfalls geeignet.
[0017] Beim Herstellprozeß sind die Lage und die Anordnung der Leiterabschnitte innerhalb
der beschriebenen Bauweisen leicht an die am Einbauort gegebenen Verhältnisse anzupassen.
Weiterhin kann eine Anpassung auch dadurch erfolgen, daß der erforderliche Abstand
zur reflektierenden Oberfläche der Außenschicht 2 durch die phasenbedingte Verschiebung
der Reflexion der reflektierenden Schicht 7 eingeschränkt einstellbar ist. Die erfindungsgemäße
Anordnung der Leiterabschnitte L wirkt in der angegebenen Dimensionierung nicht wie
eine Bauweise mit flächig verteilten, frequenzselektiv wirksamen Strahlungselementen,
sondern die Gesamtheit der Leiterabschnitte L erzeugt das Reflexionsverhalten einer
homogenen Schicht mit definierter Oberflächenleitfähigkeit, die an einem virtuellen
Ort wirkt.
[0018] Darüber hinaus weist die Anordnung bei Fensterverglasungen den Vorteil einer hohen
optischen Transparenz auf.
1. Radarabsorbierende Anordnung für eine Fensterverglasung oder Fassadenverkleidung in
Doppelschichtbauweise mit einer im Bereich der Außenschicht angeordneten elektromagnetische
Strahlung teilweise reflektierenden Schicht und einer im Bereich der Innenschicht
im Abstand von etwa einem Viertel der Betriebswellenlänge angeordneten weiteren reflektierenden
Schicht, dadurch gekennzeichnet, daß die im Bereich der Innenschicht (6) angeordnete reflektierende Schicht (7) aus
parallel zueinander liegenden, drahtförmigen elektrischen Leiterabschnitten (L) besteht,
die in einem geordneten geometrischen Muster angeordnet sind.
2. Anordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die reflektierende Schicht (7) aus elektrisch leitfähigen Fasern besteht.
3. Anordnung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die elektrisch leitfähigen Elemente (L) in einem textilen Gewebe eingearbeitet
sind.
4. Anordnung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die elektrisch leitfähigen Elemente (L) auf einer Kunststoffolie aufgebracht
sind.
5. Anordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die reflektierende Schicht (7) auf einer Oberfläche (5) der Innenschicht (6)
angebracht ist.
6. Anordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Innenschicht (6) als Doppelschicht ausgeführt ist, in der die reflektierende
Schicht (7) angeordnet ist.
7. Anordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Innen- und/oder Außenschicht (2,6) aus Floatglas bestehen.
8. Anordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Innenschicht (6) und/oder Außenschicht (2) als Verbundsicherheitsglas ausgeführt
ist.
9. Anordnung nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, daß die reflektierende Schicht (7) im Verbundsicherheitsglas angeordnet ist.
10. Anordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Innen- und/oder Außenschicht (2,6) aus einem baukeramischen Material besteht.
11. Anordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Innen- und/oder Außenschicht (2,6) aus Faserzement besteht.
12. Anordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Innen- und/oder Außenschicht (2,6) aus einem Schichtpreß-Werkstoff besteht.
13. Anordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Innen- und/oder Außenschicht (2,6) aus einem Isolierdämmstoff besteht.