[0001] Die Erfindung betrifft eine Röntgenanlage mit einer Röntgenröhre und einem Röntgengenerator
zum Betreiben der Röntgenröhre, die eine durch einen Heizstrom heizbare Kathode enthält,
mit in einem Aufnahme-Modus wirksamen Mitteln zum Anheben des Heizstroms auf einen
Boostwert und mit ebenfalls im Aufnahme-Modus wirksamen Mittteln zum Absenken des
Heizstroms und zum Einschalten der Röhrenspannung.
[0002] Wenn mit einer solchen Röntgenanlage eine Röntgenaufnahme - z.B. nach einer vorherigen
Durchleuchtung - angefertigt werden soll, ist es erwünscht, die Röntgenaufnahme so
schnell wie möglich auszuführen. Bei Röntgenröhren mit einer heizbaren Kathode muß
jedoch die Kathode (bzw. der darin enthaltene Heizfaden) erst auf eine Temperatur
gebracht werden, bei der sie den für die Röntgenaufnahme benötigten Röhrenstrom emittieren
kann.
[0003] Um die Zeit bis zum Aufnahmebeginn zu verkürzen, ist es bekannt, der Kathode - bei
abgeschalteter Röhrenspannung - einen Heizstrom zuzuführen, der wesentlich größer
ist als der Heizstrom, der für die nachfolgende Röntgenaufnahme (mit eingeschalteter
Röhrenspannung) nötig ist. Die Boostzeit richtet sich nach dem Röhrenstrom, der bei
der nachfolgenden Aufnahme fließen soll. Je größer dieser Röhrenstrom ist, desto größer
ist die Boostzeit.
[0004] Es ist schon bekannt, bei einem Röntgengenerator die für einen bestimmten Röhrentyp
erforderlichen Boostzeiten in einem Speicher zu speichern und sie bei einer Röntgenaufnahme
aufzurufen. Diese in dem Speicher enthaltene Boostzeittabelle wird von dem Röntgenröhrenhersteller
in einer komplizierten Meßprozedur ermittelt, und zwar für jeden Röntgenröhrentyp
getrennt. Die dabei vorgegebenen Boostzeiten sind typische Werte, d.h. es kann vorkommen,
daß die Kathodentemperatur am Ende der Boostzeit höher oder niedriger ist als die
für den jeweiligen Röhrenstrom erforderliche Temperatur. Deshalb wird nach der Boostzeit
der Heizstrom auf den Wert abgesenkt, den er bei der Röntgenaufnahme haben soll. Wenn
dann nach einem weiteren Zeitintervall von 200 bis 300 ms die Röhrenspannung eingeschaltet
wird, hat die Kathodentemperatur einen stationären Wert erreicht, der dem für die
Aufnahme erforderlichen Wert entspricht.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine Röntgenanlage zu schaffen, bei dem
die Vorbereitungszeit, d.h. der Zeitraum bis zum Beginn einer Röntgenaufnahme noch
weiter verkürzt werden kann.
[0006] Diese Aufgabe wird ausgehend von einer Röntgenanlage der eingangs genannten Art dadurch
gelöst, daß der Röntgengenerator für einen Sonder-Modus ausgelegt ist, bei dem bei
eingeschalteter Röhrenspannung der Heizstrom auf den Boostwert angehoben wird, daß
Mittel zum Messen des im Sonder-Modus fließenden Röhrenstromes vorgesehen sind, daß
Mittel zum Speichern des zeitlichen Verlaufs des gemessenen Röhrenstromes oder eines
daraus abgeleiteten Wertes vorgesehen sind und daß Mittel zum Ableiten der Boostzeit
aus dem im Speicher gespeicherten zeitlichen Verlauf vorgesehen sind.
[0007] Wesentlich an der Erfindung ist, daß die Boostzeiten in einem Sonder-Modus des Röntgengenerators
ermittelt werden, in dem die Röhrenspannung eingeschaltet und der Heizstrom auf seinen
Boostwert angehoben ist. In diesem Modus wächst der Röhrenstrom kontinuierlich bis
zu einem Maximalwert an, wonach die Röhrenspannung abgeschaltet und der Heizstrom
abgesenkt oder ebenfalls abgeschaltet wird. Der sich bis zum Abschalten ergebende
zeitliche Verlauf wird gemessen und gespeichert. Wenn bei einer nachfolgenden Röntgenaufnahme,
die im Aufnahme-Modus durchgeführt wird, ein bestimmter Röhrenstrom vorgegeben wird,
kann man aus dem gespeicherten zeitlichen Verlauf entnehmen, wie lange es - bei auf
den Boostwert angehobenen Heizstrom - dauert, bis die Kathodentemperatur einen Wert
erreicht hat, bei dem gerade der gewünschte Röhrenstrom emittiert wird. Dieser Zeitraum
entspricht dem Zeitraum, innerhalb dessen in dem gespeicherten Röhrenstromverlauf
der betreffende Röhrenstromwert erreicht ist; er wird im Aufnahme-Modus als Boostzeit
vorgegeben.
[0008] Die Erfindung gestattet auf einfache Weise die exakte Bestimmung der erforderlichen
Boostzeiten, und zwar individuell für die jeweilige Röntgenröhre. Somit ist die Boostzeit
gerade so groß wie sie sein muß, damit am Ende der Boostzeit genau die für die Emission
des gewünschten Röhrenstroms erforderliche Temperatur erreicht ist. Deshalb ist es
nicht mehr erforderlich, der Boostzeit ein zweites Intervall folgen zu lassen, in
dem der Heizstrom auf den für den jeweiligen Röhrenstrom erforderlichen Wert abgesenkt
wird. Dadurch verkürzt sich die Vorbereitungszeit beträchtlich. Weiterhin ist von
Vorteil, daß der Sonder-Betriebs-Modus mit dem Röntgengenerator in größeren zeitlichen
Abständen wiederholt werden kann. Dadurch werden Alterungserscheinungen berücksichtigt,
die einen Einfluß auf die Kennlinien der jeweiligen Röntgenröhre haben. Bei einem
Wechsel der Röntgenröhre ist kein Wechsel des Boostzeitspeichers erforderlich, und
es können auch Röntgenröhren verwendet werden, deren Temperaturverhalten unbekannt
ist.
[0009] Im allgemeinen hängt der Röhrenstrom nicht nur von dem Heizstrom ab, sondern auch
von der an der Röntgenröhre anliegenden Röhrenspannung. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten,
wie man die zu einer bestimmten Kombination von Röhrenstrom und Röhrenspannung gehörende
Boostzeit ermitteln kann. Eine Möglichkeit bestünde darin, den zeitlichen Verlauf
des Röhrenstroms im Sonder-Betriebs-Modus für eine Vielzahl von Röhrenspannungen zu
wiederholen, so daß sich eine Schar von Kurven ergäbe, die den zeitlichen Verlauf
des Röhrenstroms mit der Röhrenspannung als Parameter darstellen würden. Wenn dann
im Normal-Betriebs-Modus eine bestimmte Röhrenspannung vorgegeben würde, müßte der
bei derselben Röhrenspannung im Sonder-Betriebs-Modus gemessene zeitliche Verlauf
des Röhrenstroms zur Bestimmung der Röhrenspannung herangezogen werden. Dies wäre
relativ aufwendig, weil im Sonder-Betriebs-Modus eine Vielzahl zeitlicher Röhrenstromverläufe
gemessen und gespeichert werden müßte.
[0010] Es genügt jedoch, den zeitlichen Verlauf des Röhren stroms nur bei einer einzigen
Röhrenspannung zu erfassen, wenn nach einer bevorzugten Weiterbildung der Erfindung
vorgesehen ist, daß ein zweiter Speicher vorgesehen ist, in dem für verschiedene Röhrenspannungen
und Röhrenströme die stationären Heizstromwerte gespeichert sind und daß die Mittel
zum Ableiten der Boostzeit auf den ersten Speicher und auf den zweiten Speicher zugreifen.
[0011] Die Erfindung wird nachstehend anhand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigen
- Fig. 1
- ein Blockschaltbild eines Röntgengenerators einer erfindungsgemäßen Röntgenanlage
in schematischer Darstellung,
- Fig. 2
- Teil A den zeitlichen Verlauf von Heizstrom und Röhrenspannung im Aufnahme-Modus,
- Fig. 2
- Teil B den zeitlichen Verlauf von Heizstrom und Röhrenspannung im Sonder-Modus,
- Fig. 3
- Teil A Kennlinien, die die Abhängigkeit des Röhrenstroms vom Heizstrom mit der Röhrenspannung
als Parameter im stationären Zustand darstellen,
- Fig. 3
- Teil B den zeitlichen Verlauf des Röhrenstromes im Sonder-Modus und eines daraus ableitbaren
Heizstromwertes.
- Fig. 4
- ein Fluß-Diagramm für den Sonder-Modus,
- Fig. 5
- ein Fluß-Diagramm für den Aufnahme-Modus.
[0012] Der in Fig. 1 schematisch dargestellte Röntgengenerator zur Speisung einer Röntgenröhre
1 umfaßt einen ersten Hochspannungserzeuger 2 zur Erzeugung einer positiven Hochspannung
für die Anode der Röntgenröhre und einen zweiten Hochspannungszerzeuger 3 zur Erzeugung
einer negativen Hochspannung für die Kathode der Röntgenröhre. Die beiden Hochspannungserzeuger
2 und 3 sind über einen Widerstand 4 in Serie geschaltet, dessen eines Ende geerdet
ist. Der Widerstand 4 dient zur Messung des über die Anode der Röntgenröhre 1 fließenden
Röhrenstroms.
[0013] Die Hochspannungserzeuger 2 und 3, d.h. der zeitliche Verlauf der von diesen erzeugten
Röhrenspannung U, ist von einer Steuereinheit 5 steuerbar, die einen geeignet programmierten
Mikroprozessor enthalten kann. Der Steuereinheit wird der Spannungsabfall am Widerstand
4, d.h. ein dem Röhrenstrom proportionaler Wert über einen Analog-Digital-Wandler
6 zugeführt. Die Steuereinheit gibt außerdem den Heizstrom für die Kathode der Röntgenröhre
1 vor, der von einem Heizstrom-Regelkreis 7 erzeugt wird. Die Steuereinheit arbeitet
mit einem ersten Speicher 8, in dem dynamische Daten gespeichert sind, und mit einem
zweiten Speicher 9 zusammen, in dem statische bzw. stationäre Daten gespeichert sind,
und verknüpft diese auf noch zu erläuternde Weise mit den für eine Röntgenaufnahme
vorgegebenen Werten von Röhrenstrom I
r und Röhrenspannung U.
[0014] Fig. 2, Teil A, zeigt für den Aufnahme-Modus den zeitlichen Verlauf des Heizstroms
I
h und gestrichelt den zeitlichen Verlauf der Röhrenspannung U. Man erkennt, daß vor
dem Zeitpunkt t=0 der Heizstrom auf einen konstanten Ruhestromwert eingestellt ist,
während die Röhrenspannung U noch nicht anliegt. Dieser Ruhestromwert ist so gewählt,
daß kein nennenswerter Röhrenstrom fließen würde, wenn eine Röhrenspannung eingeschaltet
wäre. Ein typischer Wert für den Ruhestrom ist 2 A.
[0015] Zur Zeit t = 0 wird der Heizstrom I
h auf einen Boostwert angehoben. Üblicherweise ist dieser Boostwert wesentlich größer
als der während einer Röntgenaufnahme fließende Röhrenstrom, und er entspricht vorzugsweise
dem maximal zulässigen Wert - z.B. 11 A. Der Heizstrom wird auf diesem Wert gehalten,
bis die Boostzeit abgelaufen ist, d.h. bis zur Zeit
B. Zur Zeit

wird die Röhrenspannung U für die Röntgenaufnahme eingeschaltet. Gleichzeitig wird
zur Zeit

der Heizstrom auf einen Wert zwischen 3 A und 7 A abgesenkt, d.h. auf einen Wert,
der größer ist als der Ruhestrom und kleiner als der Boostwert. Erst zum Zeitpunkt

kann ein Röhrenstrom durch die Röntgenröhre fließen und Röntgenstrahlung entstehen,
d.h. die eigentliche Röntgenaufnahme beginnt erst zum Zeitpunkt

. Nach einer vorgegebenen oder durch einen Belichtungsautomaten bestimmten Aufnahmedauer
wird die Röhrenspannung und der Heizstrom abgeschaltet, d.h. die Röntgenaufnahme wird
beendet.
[0016] Damit bereits zur Zeit

der gewünschte Röhrenstrom fließt und während der gesamten Röntgenaufnahme konstant
bleibt, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:
1. Am Ende der Boostzeit (

) muß die Kathode durch den Heizstrom auf die Temperatur aufgeheizt sein, bei der
nach dem Einschalten der Röhrenspannung U sich der gewünschte Röhrenstrom Ir einstellt.
2. Der während der Röntgenaufnahme fließende Heizstrom muß gerade so groß sein, daß
das zur Zeit

erreichte Temperaturniveau während der gesamten Röntgenaufnahme beibehalten wird,
so daß der Röhrenstrom konstant bzw. statisch oder stationär bleibt.
[0017] In Fig. 3, Teil A, ist ein stationäres Kennlinienfeld dargestellt, das für verschiedene
Spannungen U₁ . . . U₄ den Röhrenstrom I
r angibt, der sich bei einem bestimmten statischen bzw. stationären Heizstrom einstellt.
Aus diesem Diagramm läßt sich also ohne weiteres entnehmen, welcher Heizstrom I
h im stationären Fall für eine bestimmte Kombination von Röhrenstrom I
r und Röhrenspannung U eingestellt werden muß. Diese Kurvenschar, d.h. der Heizstrom
als Funktion des Röhrenstroms bzw. der Röhrenspannung ist in dem zweiten Speicher
9 gespeichert. Wie man ein solches Kennlinienfeld individuell für die jeweilige Röntgenröhre
bestimmen kann, ist u.a. in der DE-PS 27 03 420 beschrieben.
[0018] Im folgenden wird geschildert, wie für diese - und andere Kombinationen - von I
r, U die erforderliche Boostzeit einfach und genau ermittelt werden kann. Zu diesem
Zweck wird der Röntgengenerator im Sonder-Modus betrieben. Fig. 2, Teil B, zeigt den
zeitlichen Verlauf von Heizstrom I
h und Röhrenstrom U während des Sonder-Modus. Auch hier wird bis zur Zeit t=0 der Heizstrom
auf seinen Ruhestromwert gehalten, um zur Zeit t=0 auf seinen Boostwert angehoben
zu werden, der genauso groß ist wie im Aufnahme-Modus. Im Gegensatz zum Aufnahme-Modus
wird jedoch bereits zur Zeit t=0 eine Spannung U
ref an die Röntgenröhre gelegt, so daß ein Röhrenstrom fließen kann, sobald die Kathode
heiß genug ist. Die Fig. 3, Teil B, zeigt - als ausgezogene Kurve - den zeitlichen
Verlauf des Röhrenstroms I
r (allerdings mit einer anderen Zeitskala als Fig. 2b). Man erkennt, daß der Röhrenstrom
zunächst langsam und dann immer schneller steigt, weil der Widerstand der Kathode
bzw. des darin enthaltenen Heizfadens umso größer wird, je heißer die Kathode wird,
so daß die zugeführte Kathodenleistung kontinuierlich zunimmt. Wenn der Röhrenstrom
einen Maximalwert erreicht hat, wird die Röhrenspannung

abgeschaltet, und der Heizstrom I
h wird ebenfalls abgeschaltet oder abgesenkt.
[0019] Aus dem zeitlichen Verlauf des Röhrenstroms I
r kann unmittelbar die Boostzeit abgelesen werden, die erforderlich ist, um bei einer
nachfolgenden Röntgenaufnahme mit der Röhrenspannung

am Ende der jeweiligen Boostzeit eine Temperatur zu erreichen, die beim Einschalten
der Röhrenspannung

gerade den gewünschten Röhrenstrom fließen läßt. Aus diesem Grunde wird der zeitliche
Verlauf des Röhrenstroms während des Sonder-Modus gemessen und digitalisiert, indem
die Spannung über dem Widerstand 4 durch den Analog-Digital-Wandler 6 digitalisiert
wird, so daß für Meßzeitintervalle von z.B. 3 ms jeweils ein Meßwert des Röhrenstroms
zur Verfügung steht. Der so gemessene Verlauf wird in dem ersten Speicher 8 gespeichert.
[0020] Das Flußdiagramm nach Fig. 4 erläutert den zeitlichen Ablauf, der während des Sonder-Modus
von der Steuereinheit durchgeführten Schritte. Zunächst wird gemäß Block 50 der Heizstrom
auf einen Ruhestromwert bzw. einen Stand-by-Wert I
stb gesetzt. Die Spannung an der Röhre ist ausgeschaltet.
[0021] Danach wird (Block 51) der Heizstrom auf den Boostwert I
b gesetzt und die Röhrenspannung auf den Wert

eingestellt. Es beginnt dann ein Röhrenstrom zu fließen, wie in Fig. 3b dargestellt.
Der Röhrenstrom wird gemessen, alle 3 ms digitalisiert und in dem ersten Speicher
8 gespeichert (Block 52). Im nächsten Schritt (Block 53) wird geprüft, ob der gemessene
Röhrenstrom kleiner ist als ein Maximalwert I
max, bei dem die Röntgenröhre noch nicht thermisch überlastet wird. Ist der Strom I
r noch kleiner, erfolgt eine erneute Messung und eine erneute Abfrage usw., bis der
Maximalwert erreicht ist. Dies ist in der Regel nach 200 bis 300 ms der Fall. Danach
wird der Heizstrom wieder auf den Ruhestrom I
stb abgesenkt und die Röhrenspannung abgeschaltet (Block 54).
[0022] Wie schon erwähnt, hängt der Röhrenstrom I
r nicht nur von dem Heizstrom I
h ab, sondern auch von der Röhrenspannung. Wenn also bei einer nachfolgenden Röntgenaufnahme,
im Aufnahme-Modus eine Röhrenspannung eingeschaltet ist, die von der im Sonder-Modus
anliegenden Spannung

abweicht, dann kann die Boostzeit nicht unmittelbar aus dem für

gespeicherten Verlauf abgeleitet werden. Um diese zusätzliche zeitliche Abhängigkeit
des Röhrenstroms zu berücksichtigen, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten:
a) Es wird im Sonder-Modus nicht nur für eine einzige Röhrenspannung der zeitliche
Verlauf des Röhrenstroms gemessen, sondern für eine Anzahl von Spannungen. Wenn bei
einer nachfolgenden Röntgenaufnahme eine dieser Spannungen eingestellt wird, könnte
die Boostzeit aus dem zeitlichen Verlauf abgeleitet werden, der dieser Spannung zugeordnet
ist. Dies setzt jedoch eine mehrfache Wiederholung der Meß- und Speicherprozedur im
Sonder-Modus voraus.
Es ist jedoch auch möglich, mit dem zeitlichen Verlauf des Röhrenstromes für nur eine
einzige Spannung

auszukommen. Dabei sollte Uref zweckmäßigerweise so gewählt sein, daß der größtmögliche Röhrenstrom (

) erreicht werden kann, ohne daß die Röntgenröhre thermisch überlastet wird. Ein
geeigneter Wert ist z.B. 70 kV.
b) Eine erste Möglichkeit mit der Messung des Röhrenstroms bei einer Röhrenspannung
auszukommen, ist in den Fig. 3a und 3b schematisch erläutert, wobei angenommen ist,
daß bei einer nachfolgenden Röntgenaufnahme eine Röhrenspannung U₄ anliegt und ein
Röhrenstrom Ir2 fließen soll. In einem ersten Schritt wird dabei aus dem Speicher 9 der Heizstrom
Ih2 (vergl. die strichpunktierte Linie in Fig. 3, Teil A) ermittelt, der der vorgegebenen
Kombination U₄, Ir2 zugeordnet ist. In einem zweiten Schritt wird dann ebenfalls aus dem Speicher 9 der
Röhrenstrom Ir ermittelt, der bei dem Heizstrom Ih2 fließen würde, wenn die Spannung

an der Röntgenröhre anliegen würde. Als dritter Schritt wird in dem ersten Speicher
8 die zu diesem Wert des Röhrenstroms gehörende Boostzeit tB ermittelt.
c) Man kann jedoch auch mit nur zwei Schritten auskommen, wenn man zuvor, beispielsweise
beim Einlesen der Meßwerte des Röhrenstroms Ir oder danach, ein einziges Mal die in Fig. 3b mit einer ausgezogenen Linie dargestellte
Kurve für den zeitlichen Verlauf des Röhrenstromes in eine Kurve für den äquivalenten
stationären Heizstromwert transformiert wird (der äquivalente stationäre Heizstrom
würde im stationären Fall bei

gerade den jeweiligen Röhrenstrom fließen lassen). Diese Kurve ist in Fig. 3b gestrichelt
angedeutet und mit Icor bezeichnet. In der Fig. 3, Teil A, ist angedeutet, wie man für einen Wert Ir1 den zugehörigen Wert Ih1 aus der durch eine ausgezogene Linie dargestellten Kurve für U₃ (=Uref) ermitteln kann. Dazu wird lediglich aus dem Speicher 9 der zu dem gemessenen Wert
von Ir1 und der Spannung Uref gehörende Heizstromwert Ih1 (vergl. Fig. 3a) aus dem Speicher 9 entnommen und der Meßzeit für den Wert Ir1 zugeordnet. Wiederholt man das für alle Meßwerte von Ir, ergibt sich die Kurve Icor (um die Zeichnung zu vereinfachen, gelten für die Kurven Ih und Ir unterschiedliche Skalen auf der Ordinatenachse).
[0023] Nachdem auf diese Weise einmal bei oder nach jedem Sonder-Modus die Kurve I
cor (Fig. 3b) ermittelt ist, wird bei einer nachfolgenden Röntgenaufnahme lediglich der
zu den vorgegebenen Werten von Röhrenstrom I
r und Röhrenspannung U gehörende stationäre Heizstromwert I
h ermittelt (aus dem Speicher 9 bzw. einer der Kurven in Fig. 3a), und in einem zweiten
Schritt wird (aus dem Speicher 8 bzw. Fig. 3b) der zu dem jeweiligen Wert I
h auf der Kurve I
cor gehörende Wert der Boostzeit bestimmt.
[0024] Man könnte dies zwar - ähnlich wie bei den in Fig. 3, Teil A, dargestellten stationären
Kennlinien - für verschiedene Röhrenströme I
r und Röhrenspannungen wiederholen und würde dann in Fig. 3, Teil B, eine Kurvenschar
erhalten, die für verschiedene Kombinationen von Röhrenstrom I
r und Röhrenspannung U die zugehörige Boostzeit darstellen. Wenn man diese Kurven speichert,
könnte man daraus im Aufnahme-Modus unmittelbar - d.h. ohne den Zwischenschritt über
die Kurve I
cor - die Boostzeit erhalten, doch würde dadurch lediglich der Speicheraufwand erhöht,
ohne daß das Verfahren vereinfacht würde. Vor jeder Röntgenaufnahme muß nämlich ohnehin
aus den stationären Kennlinien der Fig. 3a bzw. des Speichers 9 der Wert des Heizstroms
ermittelt werden, der bei der nachfolgenden Aufnahme fließen muß, damit sich der Röhrenstrom
I
r ergibt. Es ist daher zweckmäßiger, jeweils von Röntgenaufnahme zu Röntgenaufnahme
die erforderliche Boostzeit aus den in den Speichern 8 und 9 gespeicherten Kennlinien
abzuleiten.
[0025] Gemäß dem Blockdiagramm in Fig. 5 ergibt sich dann folgender Ablauf bei einer Röntgenaufnahme:
Die für die Röntgenaufnahme gewünschten Werte von Röhrenstrom und Röhrenspannung werden
vorgegeben (Block 55). Aus diesen Werten wird der für die Röntgenaufnahme erforderliche
stationäre Heizstrom ermittelt, und zwar mit Hilfe der im Speicher 9 gespeicherten
Werte (Block 56). Danach wird aus der Kurve I
cor in Fig. 3, Teil B, bzw. im Speicher 8 die zu diesem Heizstromwert gehörende Boostzeit
t
B ermittelt. Der Heizstrom wird dann während der Zeitdauer t
B auf den Boostwert angehoben, wobei an der Röntgenröhre keine Spannung anliegt (Block
57). Nach Ablauf der Boostzeit t
B wird der Heizstrom auf den im Block 56 ermittelten Wert herabgesetzt und die gewünschte
Röhrenspannung U eingeschaltet (Block 58). Es fließt dann der gewünschte Röhrenstrom
I
r.
[0026] Bei bestimmten Untersuchungsverfahren geht einer Röntgenaufnahme eine Durchleuchtung
voraus, bei der der Röhrenstrom I
r einen zwar kleinen, aber nicht mehr vernachlässigbaren Wert hat. Wenn man danach
im Aufnahme-Modus den Heizfaden während der vollen auf die oben beschriebene Weise
ermittelten Boostzeit erhitzen würde, würde sich eine etwas zu hohe Temperatur ergeben.
Dies kann dadurch verhindert werden, daß diese Boostzeit um den Wert derjenigen Boostzeit
verringert wird, die dem im Durchleuchtungsbetrieb fließenden Heizstrom I
h zugeordnet ist.