[0001] Es ist ein gattungsgemässes textiles Substrat bekannt (EP-A-0 356 708), bei welchem
der Anteil an natürlichen Fasern, insbesonder Wolle und Ramie, zwischen 65 und 85
Gew.-% liegt. Derartige Substrate zeichnen sich durch hervorragende Fähigkeit zur
Aufnahme und Ableitung von Wasserdampf und Wasser aus, wodurch sie sich besonders
für Sitzbezüge, insbesondere Bezüge auf lange ohne Unterbrechung benützten Sitzgelegenheiten
wie Auto- und Flugzeugsitzen, Rollstühlen, Bürostühlen etc. eignen, da durch die gute
Feuchtigkeitsableitung von der Gewebeoberfläche verhindert wird, dass sich der Sitzbezug
feucht anfühlt und der Sitzkomfort leidet.
[0002] Aus der EP-A-0 455 848 sind gattungsgemässe textile Substrate bekannt, bei welchen
der Anteil synthetischer Fasern zwischen 45 und 65 Gew.-% liegt und die insbesondere
mindestens 40 Gew.-% Wolle und mindestens 5 Gew.-% Ramie enthalten. Im übrigen enthalten
sie mindestens 35 Gew.-% natürlicher Fasern, im Normalfall mehr, wodurch sie einer
heute sehr aktuellen Anforderung, nämlich der nach guten farblichen Gestaltungsmöglichkeiten,
noch besser entgegenkommen.
[0003] Andererseits ergibt sich aus einem hohen Anteil an synthetischen Fasern normalerweise
die Konsequenz, dass entsprechende Substrate schlecht entsorgbar sind und aus diesem
Grund den zunehmenden Anforderungen an Umweltverträglichkeit nicht in idealer Weise
entsprechen.
[0004] Es schien auch äusserst zweifelhaft, ob ein weitgehender oder sogar totaler Verzicht
auf synthetische Fasern nicht die gestalterischen Möglichkeiten des Stoffdesigners
zu stark einschränken und vor allem die hervorragenden Eigenschaften bekannter gattungsgemässer
Textilien bezüglich Wasseraufnahme und -ableitung beinträchtigen würde. Das erste
Problem ist weniger gravierend und kann durch entsprechend angepasste, naturnahere
Farbgebung umgangen werden. Für den Flüssigkeitstransport erschien es jedoch nach
den bisherigen Resultaten unabdingbar, einen verhältnismässig hohen Anteil - mindestens
15 Gew.-% - synthetischer Fasern, vorzugsweise Polyester, vorzusehen, da deren hydrophobe
Eigenschaften für den Flüssigkeitstransport über längere Strecken eine notwendige
Bedingung darzustellen schienen.
[0005] Ueberraschenderweise hat es sich jedoch gezeigt, dass die gleiche Funktion durch
die Ramiefaser wahrgenommen wird, wenn sie in ausreichender Konzentration - mindestens
15 Gew.-% - im Substrat vorliegt. Dies war aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung
- degummierte Ramie besteht im wesentlichen aus Zellulose - nicht zu erwarten gewesen.
Zwar hatte sich erwiesen, dass Ramie eine Rolle bei der Uebertragung von Wasser von
Wolle zu synthetischer Faser wie Polyester spielt, dies wäre aber auch mit mässig
hydrophilen Eigenschaften der Faseroberfläche zu erklären gewesen, die keine Grundlage
für Wassertransport über längere Strecken abgeben.
[0006] Dass Ramie Wasser auch über längere Strecken zu transportieren in der Lage ist, dürfte
auf den erst vor kurzem bekannt gewordenen Umstand zurückzuführen sein, dass die Ramiefasern
hohl sind. Sie bilden Röhren, die im Inneren mit einer Längsrillung versehen sind.
Dies begründet eine starke Kapillarwirkung, die, so scheint es, für den Langstreckentransport
von Wasser verantwortlich ist.
[0007] In jedem Falle bildet die Entdeckung der Fähigkeit der Ramiefaser, Wasser über lange
Strecken abzuführen, die Grundlage für eine überraschend einfache Lösung der Aufgabe,
ein textiles Substrat für Sitzbezüge zur Verfügung zu stellen, das nicht nur äusserst
komfortabel ist, indem es sich auch bei langdauernder ununterbrochener Benutzung unter
schwierigen Bedingungen wie hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit stets trocken
anfühlt, sondern auch die Umwelt sehr wenig belastet, insbesondere gut entsorgbar
ist und unter geeigneten Bedingungen mit höchstens geringen entsorgungsbedürftigen
Rückständen verrottet. Erfindungsgemässe Substrate können im allgemeinen regelrecht
kompostiert werden, indem sie zerkleinert und anschliessend aufgehäuft und bei ausreichender
Feuchtigkeit und Temperatur gelagert werden.
[0008] Das textile Substrat kann im übrigen auf verschiedene Weise, als Gewebe oder Gewirk
oder Gestrick, insbesondere auch als Raschel oder Malimo ausgebildet sein. Solche
Ausführungen sind in den Figuren schematisch dargestellt. Und zwar zeigen, wobei die
Schussrichtung jeweils horizontal verläuft,
- Fig. 1
- ein Gewebe,
- Fig. 2
- eine Schussraschel und
- Fig. 3
- Malimo.
[0009] Das erfindungsgemässe Substrat besteht aus mindestens 40 Gew.-% Wolle und mindestens
15 Gew.-% degummierter Ramie, wobei die Summe der Anteile von Wolle und Ramie mehr
als 85 Gew.-% ausmacht. Im übrigen besteht es vorzugsweise ausschliesslich aus Stoffen,
die verrotten, so dass es ohne Einschränkung kompostierbar ist. Auch unter diesen
Bedingungen kann es im Hinblick auf verschiedenste Anforderungen ausgerüstet werden.
Z. B. kann es zur Verhinderung statischer Aufladung Metallfasern oder Draht, vorzugsweise
nicht mehr als 5 Gew.-%, enthalten. Werden sie entsprechend ausgewählt, so oxidieren
sie unter geeigneten Bedingungen und verrotten so zusammen mit den übrigen Bestandteilen.
Auch die Verwendung von Elastic-Fasern ist durchaus möglich, da deren Anteil, wenn
sie nicht verrotten wie z. B. Lycra® (eingetragenes Warenzeichen der Firma Du Pont
de Nemours), sehr tief - auf höchstens 5 Gew.-% - gehalten werden oder sonst verrottendes
Material wie Naturkautschuk verwendet werden kann. Elastic-Fasern können z. B. in
das Substrat eingearbeitet sein, indem einzelne Fäden ganz aus derartigem Material
bestehen oder ein im wesentlichen aus Ramie bestehendes Garn, etwa im Schuss eines
Gewebes, mit Elastic-Fasern umzwirnt ist.
[0010] Obwohl synthetische Fasern wie Polyester, Polypropylen, Polyamid, Polyacryl oder
Aramid in geringen Anteilen nicht sonderlich störend sind, wird im Interesse uneingeschränkter
Kompostierbarkeit vorzugsweise auf sie verzichtet, so dass alle verwendeten Fasern
- von eventueller Beimischung von Metallfasern abgesehen - tierischer oder pflanzlicher
Herkunft sind. Neben Wolle und Ramie, die immer vorhanden sind, eignen sich z. B.
Baumwolle, Leinen, Zellwolle und Hanf.
[0011] Sehr günstig ist es, wenn das Substrat ein Mischgarn mit Wolle und Ramie enthält,
vorzugsweise eines, das aus ca. 80 Gew.-% Wolle und 20 Gew.-% Ramie besteht. Handelt
es sich um ein Gewebe, so kann etwa die Kette oder der Schuss aus einem derartigen
Mischgarn bestehen, der Schuss bzw. die Kette hingegen aus anderem Material, z. B.
aus reiner Ramie. Bei solchen und anderen Substraten hat es sich als möglich und sogar
günstig erwiesen, ausschliesslich Wolle und Ramie zu verwenden und auf andere Beimischungen
ganz zu verzichten, wenn sie nicht wegen besonderer Anforderungen nötig sind.
[0012] So zeigt Figur 1 ein erfindungsgemässes Gewebe, dessen Kette aus einem Mischgarn
1 mit 80 Gew.-% Wolle und 20 Gew.-% Ramie gebildet ist, während der Schuss aus Ramiefäden
2 besteht. Geeignete Ramie-Fasern werden z. B. unter dem Namen Firon® von der Firma
Fischer Dottikon AG, CH-5606 Dottikon vertrieben. Insgesamt ergibt dies einen Anteil
an Wolle von 52 Gew.-% und an Ramie von 48 Gew.-%. Natürlich sind auch andere Zusammensetzungen
möglich wie weiter oben beschrieben.
[0013] Bei einer Messung der Steighöhe zeigte das beschriebene Gewebe Werte, wie sie für
ein gut wasserableitendes Substrat typisch sind, nämlich:
| |
Kette |
Schuss |
| nach 1 Stunde |
∼ 15 cm |
∼ 15 cm |
| nach 3 Stunden |
> 25 cm |
> 25 cm |
[0014] Figuren 2 und 3 zeigen weitere typische Substrate, Figur 2 Schussraschel und Figur
3 Malimo, die gleichfalls in einer der oben beschriebenen Weisen zusammengesetzt sein
können.
1. Textiles Substrat für Sitzbezüge, welches mindestens 40 Gew.-% Wolle und mindestens
15 Gew.-% Ramie enthält, dadurch gekennzeichnet, dass die Summe der Anteile an Wolle und Ramie mehr als 85 Gew.-% beträgt.
2. Textiles Substrat nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es 40 bis 85 Gew.-% Wolle und 15 bis 60 Gew.-% Ramie enthält.
3. Textiles Substrat nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass es, vorzugsweise höchstens 5 Gew.-%, Elastic-Fasern enthält.
4. Textiles Substrat nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass es, vorzugsweise höchstens 5 Gew.-%, Metall enthält.
5. Textiles Substrat nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass es Polyester enthält.
6. Textiles Substrat nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass seine organischen Bestandteile ausschliesslich Stoffe tierischer oder pflanzlicher
Herkunft sind.
7. Textiles Substrat nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass es ausschliesslich aus Wolle und Ramie besteht.
8. Textiles Substrat nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass es ein Wolle und Ramie enthaltendes Mischgarn enthält.
9. Textiles Substrat nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Mischgarn aus 80 Gew.-% Wolle und 20 Gew.-% Ramie besteht.
10. Textiles Substrat nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass es sich um ein Gewebe handelt, dessen Kette oder Schuss aus dem Wolle und Ramie enthaltenden
Mischgarn besteht.
11. Textiles Substrat nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass dessen Schuss bzw. Kette aus Ramie besteht.
12. Textiles Substrat nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass es ausschliesslich aus Materialien besteht, die unter Umweltbedingungen bei genügend
hoher Feuchtigkeit und Temperatur verrotten.