[0001] Gegenstand der Erfindung sind wäßrige Intumeszenzlösungen für die Imprägnierung von
porösen Trägermaterialien, die so gefertigten Verbundwerkstoffe und deren Verwendung
im baulichen Brandschutz.
[0002] Als Inzumeszenzmassen werden Materialien bezeichnet, die unter Hitzeeinwirkung aufschäumen
und dabei einen isolierenden und feuerbeständigen Schaum ("Thermoschaum") bilden,
der die darunter liegenden Flächen und Substrate vor der Feuereinwirkung schützt.
Neben der klassischen Dreiermischung Kohlestoffspender, Dehydrationsmittel und Treibmittel,
z.B. Zucker, Ammoniumphosphat und Melamin, sind auch Zweikomponentensysteme entwickelt
worden wie z.B. Melaminphosphat in Mischung mit Borsäure und zunehmend kommen auch
Einkomponenten Materialien zum Einsatz. Zu den letzteren zählen neben den altbekannten
Alkalisilikaten auch Blähglimmer, Blähgraphit, Perlit, Rohvermiculit u.a.
[0003] Die Verwendung der Intumeszenzmassen im baulichen Brandschutz erfolgt in Form von
Anstrichen, Lacken, Beschichtungen, Pasten Kitten, Mörteln, Dichtungen, Platten, Zuschnitten,
Streifen, Schaumstoffen, Bahnen, Folien, Profilen u.a. Halbzeugen.
[0004] Die Verwendung von Mineralfaserplatten oder -matten als Bestandteil von Brandschutzbauteilen
ist schon lange bekannt. Neben dem guten Brandwiderstand und der Schalldämmung ist
es insbesondere das geringe Raumgewicht, was diese Materialien so interessant für
den Einsatz in Brandschutzbauteilen erscheinen läßt.
[0005] Verschiedene Einsatzmöglichkeiten sind unter anderem in den deutschen Patentschriften:
DE 270 5032, DE 261 3939, DE 274 5345 und DE 265 0915 beschrieben.
[0006] Unter Hitzebeanspruchung zeigen die Mineralfaserplatten aber oft eine ungenügende
Raumstabilität. Durch Schrumpfen kommt es zur Bildung von Schwachstellen im Randbereich
und zum vorzeitigen Versagen von mit Mineralfaserplatten ausgerüsteten Brandschutzbauteilen.
[0007] Auch offenporige Trägermaterialien, insbesondere in Form von Schallschutzelementen
sind seit langem fester Bestandteil der Bautechnik und in zahlreichen Variationen
bekannt. Bedingt durch deren offenen Strukturen bilden sie aber im Brandfall eine
Schwachstelle, auch dann, wenn sie selbst aus unbrennbaren Materialien bestehen, wie
z.B. Mineralfasern, Porenziegeln, Drahtmatten und dergleichen.
[0008] Es besteht die Möglichkeit, derartige poröse Trägerelemente mit einer Intumeszenzmasse
zu beschichten, um deren Brandverhalten nachhaltig zu verbessern, wie es z.B. aus
den DE 270 3022, DE 281 7268, DE 282 7828, US-PS 437 5516, DE 304 2788 u.a. bekannt
ist.
[0009] Die zitierten Patentanmeldungen behandeln durchweg Materialien in Form von Schichtwerkstoffen,
wie Platten, Folien oder Bahnen, die durch ihre geschlossene Oberfläche von vornherein
für gewisse Bereiche, wie z.B. Schallschutz oder Brandabschottung offener Kanäle nicht
geeignet sind.
[0010] Des weiteren zeigte sich, daß trotz der Vielzahl der auf dem Markt angebotenen Intumeszenzmaterialien
eine zufriedenstellende Imprägnierung von mikroporösen Trägermaterialien derzeit nicht
durchführbar ist.
[0011] Da in vielen potentiellen Einsatzbereichen die Bildung von Kondenswasser nicht ausgeschlossen
werden kann, kommen von vornherein nur Imprägniermittel in Frage die wasserunlösliche
oder zumindest schwer lösliche Verbindungen bilden. Damit beschränkt sich die Auswahl
auf die paar wenigen Feuerschutzfarben und - lacke, die nach der Trocknung wasserfeste
Filme bilden.
[0012] Tränkversuche von Mineralfaserplatten oder mikroporösen Melaminharzschäumen mit wasserfesten
Feuerschutzfarben führten aber zu keinen technisch verwertbaren Ergebnissen. Die pulvrigen
Feuerschutzkomponenten wurden an der Oberfläche der Trägermaterialien angereichert,
während nur das Bindemittel in das Innere der Trägerplatten diffundierte. Nach der
Trocknung bröselten die nur lose anhaftenden Feuerschutzkomponenten ab.
[0013] Auch durch die naheliegende Verwendung von nicht pigmentierten Feuerschutzlacken
konnte keine gravierende Verbesserung erreicht werden. Mit diesen hochviskosen Formulierungen
lassen sich mikroporöse Trägermaterialien nicht durchtränken. Erst nach entsprechender
Rückverdünnung kam es zur Durchtränkung der Trägermaterialien. Nach der Trocknung
waren aber die eingebrachten Anteile der Feuerschutzkomponenten zu niedrig, um bei
den anschließenden Brandprüfungen zu positiven Ergebnissen zu führen.
[0014] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung bestand darin, niedrigviskose und hochkonzentrierte
intumeszierende Imprägnierlösungen bereitzustellen, mit denen die Einbringmengen auch
in schwer imprägnierbaren Trägermaterialien so bemessen werden können, daß die offenporige
Struktur des Trägermaterials erhalten bleibt, im Brandfall aber der entstehende Thermoschaum
das ganze Volumen des nicht thermoplastischen Trägermaterials verfüllt.
[0015] Die Aufgabe konnte überraschenderweise gelöst werden durch die Verwendung einer bindemittelfreien,
wäßrigen Imprägnierlösung, deren reaktiven Komponenten nach der Trocknung auf der
ganzen Oberfläche des Trägermaterials einen durchgehenden, flexiblen und wasserfesten
Film bilden.
[0016] Gegenstand der Erfindung sind somit wäßrige, intumeszierende Imprägniermittel bestehend
aus:
A. 5 - 60 Gew.%, vorzugsweise 10 - 30 Gew.% phosphorhaltigen Salzen von Harnstoff-Verbindungen;
B. 5 - 60 Gew.%, vorzugsweise 10 - 40 Gew.% alkoholveretherten Harnstoff- zw. Melamin-Formaldehydharzen;
C. 5 - 40 Gew.%, vorzugsweise 5 - 20 Gew.% Polyalkohol bzw. Kohlehydrate;
D. 2 - 12 Gew.%, vorzugsweise 4 - 8 Gew.% wasserlöslicher Amine und/oder Polyamine
und/oder Imine und/oder Polyimine, und/oder Polyalkyleniminen;
E. 0 - 5 Gew.%, vorzugsweise 2 - 4 Gew.% Hochsiedern;
F. 0 - 5 Gew.%, vorzugsweise 1 - 2 Gew.% übliche Hilfsmittel wie Netzmittel, Entschäumer,
Verdickern, Farbstoffen und dergleichen;
G. 10 - 90 Gew.%, vorzugsweise 20 - 50 Gew.% Wasser;
mit der Maßgabe, daß die Summe der Bestandteile A bis G jeweils 100 Gew.% ergeben.
[0017] Als phosphorhaltigen Salze können alle wasserlöslichen, phosphorhaltigen Salze von
Harnstoffverbindungen verwendet werden, wie z.B. Harnstoff-, Guanidin-, Semicarbazid-,
Aminoguanidin-, Dicyandiamid-, Dicyandiamidin-, Thioharnstoff- und Thiosemicarbazidharnstoffphosphat.
[0018] Als alkoholveretherte Formaldehydharze werden handelsübliche, methanolveretherte
Melamin-Formaldehyd-Harze aus der Madurit- und Maprenal-Reihe sowie methanolveretherte
Harnstoff-Formaldehyd-Harze aus der Plastopal-Reihe eingesetzt.
[0019] Geeignete Polyalkohole bzw. Kohlehydrate sind u.a. Glyzerin, Trimethyloethan, Trimethylopropan,
Pentaerythrit, Ethylenglykol, Propylenglykol, Butandiol, Hexandiol, Diethylenglykol,
Glycose, Saccharose und Carboxymethylcellulose.
[0020] Für gewisse Anwendungsbereiche können die Polyalkohole auch ganz oder teilweise durch
die entsprechenden Ester von Bor-, Phosphor- oder Schwefelsäure ersetzt werden. So
führt z.B. der Einsatz von Glycerophosphorsäure zu einer deutlichen Steigerung des
Intumeszenzeffektes.
[0021] Unter den wasserlöslichen Aminen gibt es eine Vielzahl von geeigneten Verbindungen,
darunter auch die Hydroxy- und/oder Methoxyderivate wie z.B. Monoethanolamin, Diethanolamin,
Triethalonamin, Monomethylethanolamin, Methyldiethanolamin, Ethylamin, Diethylamin,
Propylamin, Methoxyethylamin, Methoxypropylamin, Dimethylethanolamin, 1,2-Propylendiamin,
3-Amino-1-Methylaminopropan, Tripropylentetramin, Tetrapropylenpenamin, Dipropylentriamin
und Hexamethylentetraamin. Als geeignete Imine wurden befunden u.a. Ethylenimin und
Tetraethylenimin. Unter den Polyiminen sind sowohl niedrigmolekulare Polyethylenimine
wie auch hochpolymere Polyethylenimine geeignet.
[0022] Wegen dem geringen Eigengeruch werden als Hochsieder bevorzugt Methylpropylenglykole
und/oder Tributoxyethylphosphat. Als Hilfsmittel sind u.a. die handelsüblichen Netzmittel
auf Basis von Polyacrylaten und/oder Polyphosphaten, Alginatverdicker, und Silikonentschäumer
für geeignet befunden worden.
[0023] Die Funktionsweise der einzelnen Bestandteile der erfindungsgemäßen Imprägnierlösungen
können allgemein wie folgt umschrieben werden.
[0024] Die Bestandteile A stellen die sauren und die Bestandteile B die alkalischen Intumeszenzträger
dar. Die unter C zusammengefaßten Bestandteile fungieren hauptsächlich als Kohlenstoffspender
und können somit als neutrale Intumeszenzträger angesehen werden. Die Amine und/oder
Imine wirken hier als Stabilisatoren und verhindern das vorzeitige Ausfallen von unlöslichen
Reaktionsprodukten. Durch die Verwendung von hochmolekularen Polyethyleniminen kann
auch ein deutlicher Verdickungseffekt erreicht werden. Durch den Einsatz der Hochsieder
soll während der Trocknungsphase das Auskristallisieren von nicht reagierten Bestandteilen
verhindert werden.
[0025] Die Topfzeit der erfindungsgemäßen Imprägnierlösungen läßt sich in weiten Grenzen
zwischen mehreren Stunden und Tagen variieren. Es können aber auch lagerstabile 2K-Mischungen
bereitgestellt werden, die dann erst am Einsatzort miteinander vermischt werden. Die
technischen Verwertungsmöglichkeiten der Erfindung werden anhand der nachfolgenden
Beispiele erläutert, ohne daß diese nur annähernd das potentielle Anwendungsspektrum
abgrenzen.
[0026] Zur Unterscheidung der hier nachfolgend gebrauchten Fachbegriffe "Tränken" und "Imprägnieren"
muß gesagt werden, daß unter den letzteren ein technischer Vorgang verstanden wird,
bei dem die Tränkung des porösen Trägermaterials durch den Einsatz von Vakuum und/oder
Druck unterstützt wird.
Beispiel 1
[0027] Eine hochkonzentrierte Intumeszenzlösung konnte nach folgendem Rezept bereitgestellt
werden:
| 1. |
Wasser |
29,3 Gew.-% |
| 2. |
Calgon N- 0,2 Gew.% |
0,2 Gew.-% |
| 3. |
Disperbyk |
0,5 Gew.-% |
| 4. |
Melaminharz (Typ MW 112) |
30,0 Gew.-% |
| 5. |
Polyethylenimin (Typ Polimin G 100) |
3,0 Gew.-% |
| 5. |
Dipropylentriamin- |
1,0 Gew.-% |
| 6. |
Methyldipropylenglykol |
2,0 Gew.-% |
| 7. |
Saccharose |
10,0 Gew.-% |
| 8. |
Tributoxyethylphosphat |
2,0 Gew.-% |
| 9. |
Glycerophosphorsäure (50%ig) |
2,0 Gew.-% |
| 10. |
Harnstoffphosphat |
20,0 Gew.-% |
| |
Insgesamt |

|
[0028] Die Topfzeit dieses Konzentrats beträgt ca. 6 - 8 Stunden.
Beispiel 1.1
[0029] 36 mm starke Weichfaserplatten mit einem Raumgewicht von ca. 300 kg/m³ wurden mit
der oben beschriebenen Intumeszenzlösung unter Vacuum imprägniert. Das Konzentrat
wurde zuvor mit Wasser in der Relation 1:5 rückverdünnt. Die imprägnierten Platten
wurden unter Vacuum getrocknet und zeigten danach ein Raumgewicht von ca. 370 kg/m³.
[0030] Nach 3-monatiger Außenbewitterung konnte eine Auswaschrate von 4,2 Gew.% gemessen
werden. Danach erbrachte ein Brandschachtversuch nach DIN 4102 eine sichere B1-Klassifikation.
[0031] Des weiteren konnte der Brandwiderstandsfaktor dieses brandschützenden Verbundwerkstoffes
gemessen werden. Zu diesem Zweck wurde die vertikale Öffnung eines Kleinbrandofens
nach DIN 4102, Teil 8 mit einem 50 x 50 cm großen Außschnitt des erfindungsgemäßen
Verbundwerkstoffs verschlossen. Der durchgeführte Brandversuch ergab eine Standzeit
von 38 Minuten nach Beanspruchung mit der Einheits-Temperaturzeitkurve.
Beispiel 1.2.
[0032] 2 cm starke Bretter aus Kiefernsplintholz mit den Abmessungen von 100 x 19 cm konnten
in einer Technikum-Kesseldruckvacuum-Anlage mit der erfindungsgemäßen Intumeszenzlösung
gemäß Beispiel 1, die zuerst mit Wasser in der Relation 1:8 verdünnt wurde, imprägniert
werden.
[0033] Die mittlere Einbringmenge der Imprägnierlösung betrug ca. 720 kg/m³, was einer Einbringmenge
von ca. 50 kg/m³ Feuerschutzkomponenten entspricht.
[0034] Nach 3-monatiger Außenbewitterung wurde eine Auswaschrate von ca. 3,6 Gew.% gemessen.
Die bewitterten Kiefernbretter bestanden danach unproblematisch eine Brandschutzprüfung
nach DIN 4102.
Beispiel 1.3.
[0035] Eine 36 mm starke Mineralfaserplatte mit einem Raumgewicht von ca. 40 kg/m³ wurde
an den Schmalkanten ca. 3 cm tief mit der erfindungsgemäßen, unverdünnten Intumeszenzlösung
nach Beispiel 1 getränkt. Die Einbringmengen betrugen (trocken) ca. 0,1 kg/lfd.m.
Kantenlänge.
[0036] Die so präparierten Mineralfaserplatten wurden in einem Blechmantel einer 90-minütigen
Brandprüfung nach DIN 4102 unterworfen. Die Prüfung der beflammten Muster ergaben,
daß die aufgeschäumte Intumeszenzmasse den Randbereich voll ausgefüllt hatte und damit
das Schrumpfen der Mineralfaserplatten kompensiert wurde.
Beispiel 2
[0037] Eine hochkonzentrierte Intumeszenzlösung konnte nach nachfolgendem Rezept bereitgestellt
werden:
| 1. |
Wasser |
28,5 Gew.-% |
| 2. |
Calgon N |
0,2 Gew.-% |
| 3. |
Disperbyk |
0,3 Gew.-% |
| 4. |
Harnstoffharz (Typ Plastopal BTM) |
27,4 Gew.-% |
| 5. |
Pentaerythrit |
14,3 Gew.-% |
| 6. |
Polyethylenimin (Typ P) |
7,1 Gew.-% |
| 7. |
Hexamethylentetramin |
1,4 Gew.-% |
| 8. |
Methyldipropylenglykol |
2,0 Gew.-% |
| 9. |
Tributoxyethylphosphat |
2,0 Gew.-% |
| 10. |
Glycerophosphorsäure (50%ig) |
2,6 Gew.-% |
| 11. |
Dicyandiamidinphosphat |
14,2 Gew.-% |
| |
Insgesamt |

|
Beispiel 2.1.
[0038] Eine Dränagenmatte aus duroplastischem Kunststoff vom Typ Fired 20, mit einer Stärke
von 22 mm und einem Flächengewicht von ca. 700 g/m², wurde mit der erfindungsgemäßen
Intumeszenzlösung unverdünnt gleichmäßig beschichtet.
[0039] Nach der Trocknung stieg das Flächengewicht der beschichteten Dränagenmatte auf ca.
1500 g/m². Zwei dieser Dränagenmatten wurden mit einem mittigen Drahtnetz zu einem
flexiblen, mechanisch sehr widerstandsfähigen System zusammengebaut und im Kleinbrandofen
einer Bauteilenprüfung nach DIN 4102 unterworfen. Nach 90 minütiger Beanspruchung
nach der Einheits-Temperaturzeitkurve wurde am Außenblech eine max. Temperatur von
280°C und als Mittelwert aller Meßstellen 240°C gemessen.
Beispiel 2.2.
[0040] Ein Drahtnetz aus 0,5 mm starken verzinkten Drähten und einem Flächengewicht von
ca. 1000 g/m² wurde mit der erfindungsgemäßen Intumeszenzlösung gemäß Beispiel 2 unverdünnt
getränkt. Nach der Härtung und Trocknung erhöhte sich das Flächengewicht des Drahtnetzes
auf 1160 g/m², was einer Aufbringmenge von ca. 160 g/m² trocken entspricht.
[0041] In einem Kleinbrandofen nach DIN 4102, Teil 8, wurde in die obere Öffnung, die normalerweise
zur Aufnahme von horizontal beaufschlagten Prüfkörpern dient, ein rechteckiger Ventilationskanal
aus Stahlblech eingefügt. Über zwei rechteckige Biegungen mündete der Blechkanal nach
3,8 Metern im Außenbereich. Die lichten Abmessungen betrugen 495 x 495 mm. In Entfernung
von ca. 1,5 m vom Ofen war in der Blechummantelung eine Aussparung von ca. 1,5 cm
vorgesehen.
[0042] Zwei von den erfindungsgemäßen Verbundwerkstoffen wurden in einem Abstand von ca.
1 cm nebeneinander in einem 50 x 50 cm großen Blechrahmen straff eingespannt und das
ganze als Feuer- und Rauchschutzsperre in die Aussparung des Blechkanals eingefügt
und abgedichtet. Nach Zünden der Ofenbrenner kam es schon nach 1,5 Minuten zum Rauchaustritt
an dem Kanalende, das nach ca. 6 - 7 Minuten sein Maximum erreichte und schließlich
nach knapp 10 Minuten vollständig aufhörte. Bis zum Abbruch des Versuchs nach 35 Minuten
blieb die Feuer- und Rauchsperre dicht.
Beispiel 2.3.
[0043] Ein 26 mm Metallfaservlies vom Typ Pacofil wurde mit der unverdünnten Intumeszenzlösung
gemäß Beispiel 2 getränkt. Das Raumgewicht des Metallfaservlieses erhöhte sich dadurch
um ca. 40 kg/m³.
[0044] Mit dem so gefertigten, erfindungsgemäßen Verbundwerkstoff wurde die waagerechte
Öffnung eines Kleinofens nach DIN 4102, Teil 8, verschlossen und mit der Einheits-Temperaturzeitkurve
beansprucht. Schon nach knapp 3 Minuten konnte der Durchtritt der heißen Verbrennungsgase
gestoppt werden. Bis zum Abbruch des Brandversuchs nach 38 Minuten war der gebildete
Thermoschaum völlig intakt geblieben.
Beispiel 3
[0045] Eine hochkonzentrierte Intumeszenzlösung konnte nach nachfolgendem Rezept bereitgestellt
werden:
| 1. |
Wasser |
28,3 Gew.-% |
| 2. |
Kaliumpoliphosphat |
0,3 Gew.-% |
| 3. |
Natriumpolyacrylat |
0,4 Gew.-% |
| 4. |
Melaminharz (Typ Maprenal MF 920 75 WA) |
28,1 Gew.-% |
| 5. |
Glucose |
12,7 Gew.-% |
| 6. |
Polyethylenimin (Typ P) |
6,8 Gew.-% |
| 7. |
Hexamethylentetraamin |
1,3 Gew.-% |
| 8. |
Glyzerin |
1,8 Gew.-% |
| 9. |
Tributoxyethylphosphat |
1,6 Gew.-% |
| 10. |
Thioharnstoffphosphat |
18,7 Gew.-% |
| |
Insgesamt |

|
[0046] Mit dieser Intumeszenzlösung konnte das Brandverhalten von duroplastischen Schaumstoffen
gravierend verbessert werden.
[0047] Der offenzellige, weichelastische Schaumstoff auf Basis von Melaminharzen, vom Typ
Basotect, ist bekannt für seine guten Schallabsorptionswerte. Vom Brandverhalten her
erfüllt dieses Material die Anforderungen an Baustoffe der Klasse B 1 nach DIN 4102.
Durch die niedrige Rohdichte von ca. 12 kg/m³ ergibt sich des weiteren eine geringe
Brandlast und Rauchgasdichte.
[0048] Es ist deswegen naheliegend, diesen Schaumstoff als Kerneinlage für superleichte
Brand- und Schallschutzelemente zu verwenden. Die technische Machbarkeit dieser Idee,
scheiterte bisher an der ungenügenden Hitzebeständigkeit der Basotect-Schäume, die
schon im Anfangsstadium eines Brandes zu einem starken Schrumpfen des Materials führt.
Mit dem erfindungsgemäßen Verbundwerkstoff soll anhand der nachfolgenden Beispiele
die Eignung als superleichte Kerneinlage für Brand- und Schallschutzbauteile nachgewiesen
werden.
Beispiel 3.1
[0049] In einen Holzrahmen aus 4 x 4 cm starken Fichtenkanthölzern und äußeren Abmessungen
von 50 x 50 cm wurde mittig eine 30 mm starke Basotect Platte mit einem Raumgewicht
von ca. 12 kg/m³ plaziert und beide Seiten dieses Prüfkörpers mit einer 3 mm starken
Hartfaserplatte verschlossen. Der so zusammen gebaute Prüfkörper wurde in einem Kleinbrandofen
nach DIN 4102, Teil 8, gemäß der Einheits-Temperaturkurve beansprucht. Die Temperaturerhöhung
wurde als Mittelwert von 4 an den äußeren Hartfaserplatten postierten Thermoelemente
gemessen. Die zulässige Temperaturerhöhung wurde schon nach 10 Minuten überschritten
und 40 Sekunden später kam es zum Durchbrand des Prüfkörpers.
Beispiel 3.2
[0050] Eine Basotect-Platte mit denselben Abmessungen und Rohdichte wurde unter Vacuum mit
der erfindungsgemäßen Intumeszenzlösung gemäß Beispiel 3 imprägniert. Die Imprägnierlösung
wurde dabei durch Rückverdünnung mit Wasser in der Relation 1:2,5 zubereitet.
[0051] Nach der Vakuumtrocknung bei 50°C zeigte die intumeszierende Basotect-Platte ein
Raumgewicht von ca. 33 kg/m³.
[0052] Der analog Beispiel 3.1. durchgeführte Versuch ergab eine Standzeit von knapp 17
Minuten.
Beispiel 3.3.
[0053] In einem weiteren Analog-Beispiel wurde die Basotect-Platte mit der unverdünnten
Intumeszenzlösung gemäß Beispiel 3 imprägniert. Nach der Vacuumtrocknung unter 50°C
stieg das Raumgewicht der getrockneten Platte auf 78 kg/m³.
[0054] Der analog Beispiel 3.1. und 3.2. durchgeführte Versuch ergab hier eine Standzeit
von knapp 34 Minuten.
[0055] Damit wurde der Nachweis erbracht, daß mit den erfindungsgemäßen Verbundwerkstoffen
die Konzipierung von superleichten Brand- und Schallschutzelementen, wie Türen, Wänden,
Decken und dergleichen, technisch realisierbar ist.
[0056] Damit wurde der Nachweis erbracht, daß mit den erfindungsgemäßen Verbundwerkstoffen
die Konzipierung von superleichten Brand- und Schallschutzelementen, wie Türen, Wänden,
Decken und dergleichen, technisch realisierbar ist.
1. Intumeszierende Imprägniermittel für poröse Trägermaterialien, bestehend aus:
A. 5 - 60 Gew.%, vorzugsweise 10 - 30 Gew.% phosphorhaltigen Salzen von Harnstoff-Verbindungen;
B. 5 - 60 Gew.%, vorzugsweise 10 - 40 Gew.% alkoholveretherten Harnstoff- bzw. Melamin-Formaldehyd-Harzen;
C. 5 - 40 Gew.%, vorzugsweise 5 - 20 Gew.% Polyalkoholen bzw. Kohlehydraten;
D. 2 - 12 Gew.%, vorzugsweise 4 - 18 Gew.% wasserlöslicher Aminen und/oder Polyaminen
und/oder Iminen und/oder Polyiminen, und/oder Polyalkyleniminen;
E. 0 - 5 Gew.%, vorzugsweise 2 - 4 Gew.% Hochsiedern;
F. 0 - 5 Gew.%, vorzugsweise 1 - 2 Gew.% üblicher Hilfsmittel wie Netzmitteln, Entschäumern,
Verdickern, Farbstoffen und dergleichen;
G. 10 - 90 Gew.%, vorzugsweise 20 - 50 Gew.% Wasser;
mit der Maßgabe, daß die Summe der Bestandteile A - G jeweils 100 Gew.% ergeben.
2. Intumeszierendes Imprägniermittel, gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als
phosphorhaltige Salze vorzugsweise Harnstoff-, Guanidin-, Semicarbazid-, Aminoguanidin-,
Dicyandiamid-, Dicyandiamidin-, Thioharnstoff- und Thiosemicarbazidharnstoff eingesetzt
werden.
3. Intumeszierendes Imprägniermittel, gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als
alkoholveretherte Harnstoff- bzw. Melamin-Formaldehyd-Harze, vorzugsweise methanolveretherte
Melamin-Formaldehyd-Harze eingesetzt werden.
4. Intumeszierendes Imprägniermittel, gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als
Polyalkohole bzw. Kohlehydrate, vorzugsweise Pentaerythrit und/oder Glucose und/oder
Saccharose und/oder Glycerophosphorsäure eingesetzt werden.
5. Intumeszierendes Imprägniermittel, gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als
wasserlösliche Amine und/oder Imine vorzugsweise Dipropylentriamin und/oder Hexamethylentetraamin
und/oder hochmolekulare Polyethylenimine eingesetzt werden.
6. Intumeszierndes Imprägniermittel, gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als
Hochsieder vorzugsweise Methyldipropylenglykol und/oder Tributoxyethylphosphat eingesetzt
werden.
7. Verbundwerkstoffe erhalten durch Imprägnierung von Holzwerkstoffen mit Imprägnierlösungen
gemäß Ansprüchen 1 - 6.
8. Verbundwerkstoffe erhalten durch Imprägnierung von Massivholz mit Imprägnierlösungen
gemäß Ansprüchen 1 - 6.
9. Verbundwerkstoffe erhalten durch Tränkung von Glas- und Mineralfaserplatten, -vliesen,
-matten und dergleichen durch Tränkung mit Imprägnierlösungen gemäß Ansprüchen 1 -
6.
10. Verbundwerkstoffe erhalten durch Tränkung von Kunststoffdränagenmatten mit Imprägnierlösungen
gemäß Ansprüchen 1 - 6.
11. Verbundwerkstoffe erhalten durch Tränkung von Metallfaservliesen und/oder Metallmatten
mit Imprägnierlösungen gemäß Ansprüchen 1 - 6.
12. Verbundwerkstoffe erhalten durch Tränken von offenporigen, duroplastischen Kunstharzschäumen
mit Imprägnierlösungen gemäß Ansprüchen 1 - 6.
13. Verwendung der brandschützenden Verbundwerkstoffe gemäß Ansprüchen 7 - 12 im baulichen
Brand- und Schallschutz.