(19)
(11) EP 0 690 146 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
05.11.1997  Patentblatt  1997/45

(21) Anmeldenummer: 95109306.1

(22) Anmeldetag:  16.06.1995
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6C23C 18/31

(54)

Selbstregulierende, saure Elektrolyte zur Tauchverzinnung von Aluminiumlegierungen

Selfregulating acidic electrolyte for tin immersion plating of aluminium alloys

Electrolyte acide auto-régulateur pour l'étamage par immersion d'alliages d'aluminium


(84) Benannte Vertragsstaaten:
DE ES FR GB IT SE

(30) Priorität: 29.06.1994 DE 4422756

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
03.01.1996  Patentblatt  1996/01

(73) Patentinhaber: Th. Goldschmidt AG
45127 Essen (DE)

(72) Erfinder:
  • Guhl, Dieter, Dr.
    D-45529 Hattingen (DE)
  • Honselmann, Frank
    D-45701 Herten (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
CH-A- 224 660
   
       
    Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft selbstregulierende halogenhaltige Zusätze für saure Elektrolyte zur Tauchverzinnung von Substraten aus Aluminiumlegierungen.

    [0002] Wie z. B. aus EP-A-0 278 752 bekannt ist, können mit sauren, halogenhaltige Zusätze enthaltenden Zinnsalzelektrolyten Aluminiumlegierungen im Austauschverfahren verzinnt werden. Alle dort namentlich genannten Halogenverbindungen werden dabei deutlich unterhalb ihrer Löslichkeit im Elektrolyten angewendet. Dies bedeutet, daß diese Verbindungen bei laufendem Gebrauch der Elektrolyte regelmäßig analysiert (relativ aufwendige Analysen) und eingestellt werden müssen, um ihren Gehalt in den notwendigen Bereichen zu halten.

    [0003] Die vorliegende Erfindung befaßt sich deshalb mit dem technischen Problem, halogenhaltige Zusätze zu finden, mit welchen es gelingt, den wirksamen Halogengehalt praktisch annähernd konstant zu halten, ohne daß hierzu relativ aufwendige Analysen und entsprechende Einstellungen nötig werden und so ohne großen Aufwand eine gleichbleibende Verzinnungsqualität erzielt wird.

    [0004] Dies ist gelungen, indem den Elektrolyten als halogenhaltige Zusätze Fluorokomplexe zugegeben wurden, bei welchen der optimal wirksame Halogengehalt der maximalen Löslichkeit der Wirksubstanz im Elektrolyten entspricht. Damit erreicht man bei mäßiger Überdosierung des halogenhaltigen Zusatzes durch Wahl einer Konzentration, die leicht oberhalb des Löslichkeitsproduktes unter Einsatzbedingungen liegt, einen relativ konstanten Wirkstoffgehalt im gewünschten Bereich. Bevorzugt sind die Fluorokomplexe Na2SiF6 und KBF4.

    Beispiele


    Elektrolyt 1



    [0005] 
    100 g/l H2SO4
    40 g/l SnSO4
    2 g/l Gelatine
    0,1 g/l Polyoxyethylenether des Stearylalkohols mit 20 Oxyethyleneinheiten
    8 g/l Na2SiF6 dies entspricht einem gelösten Gehalt von 7,5 g/l im Elektrolyten bei 20°C

    Elektrolyt 2



    [0006] 
    100 g/l H2SO4
    40 g/l SnSO4
    2 g/l Gelatine
    0,1 g/l Polyoxyethylenether des Stearylalkohols mit 20 Oxyethyleneinheiten
    8 g/l KBF4 dies entspricht einem gelösten Gehalt von 7 g/l im Elektrolyten bei 30°C

    Elektrolyt 3 (Vergleichsbeispiel)



    [0007] Als halogenhaltiger Zusatz wird HBF4 eingesetzt, die deutlich unterhalb ihrer Löslichkeit im Elektrolyten angewendet werden muß, um störende Nebenreaktionen zu vermeiden und befriedigende Abscheidungsergebnisse zu erhalten.
    100 g/l H2SO4
    40 g/l SnSO4
    2 g/l Gelatine
    0,1 g/l Polyoxyethylenether des Stearylalkohols mit 20 Oxyethyleneinheiten
    3,5 g/l HBF4


    [0008] Hinweis: Es sind deutlich mehr als 300 g/l HBF4 bei 30°C im Elektrolyten löslich.

    Substrate



    [0009] Probestücke aus einer Aluminiumlegierung mit 10 bis 15 % Si, 1 bis 1,5 % Cu, 1 bis 1,5 % Mg und 1 bis 1,5 % Ni.

    Vorbehandlung



    [0010] Die Substrate wurden in an sich bekannter Weise entfettet, bebeizt und gespült.

    Verzinnung



    [0011] Die Substrate wurden für die Dauer von 5 Minuten in den Elektrolyten getaucht.

    Verzinnungsergebnisse


    1. Elektrolyt 1



    [0012] 

    a) Verzinnung mit neu angesetzten Elektrolyten
    Es wurde eine gleichmäßige, glatte, 1,8 µm dicke Zinnschicht abgeschieden.

    b) Verzinnung in einem gebrauchten Elektrolyten
    Es wurden nach entsprechenden Analysen ingesamt 80 g/l SnSO4 und 20 g/l H2SO4 zugegeben. Weiter wurden zusammen mit dem SnSO4 ingesamt 16 g/l Na2SiF6 empirisch ergänzt (z. B. in Form einer krist. Zubereitung von SnSO4 und Na2SiF6).
    Es wurde eine gleichmäßige, glatte, 1,8 µm dicke Zinnschicht abgeschieden.


    2. Elektrolyt 2



    [0013] 

    a) Verzinnung im neu angesetzten Elektrolyten
    Es wurde eine gleichmäßige, glatte, 1,4 µm dicke Zinnschicht abgeschieden.

    b) Verzinnung in einem gebrauchten Elektrolyten
    Es wurden nach entsprechenden Analysen insgesamt 60 g/l SnSO4 und 18 g/l H2SO4 zugegeben. Weiter wurden zusammen mit dem SnSO4 insgesamt 12 g/l KBF4 empirisch ergänzt (z. B. in Form einer krist. Zubereitung von SnSO4 und K2SO4 und einer flüssigen Zubereitung von H2SO4 und HBF4, so daß das KBF4 im Elektrolyten gebildet wird).
    Es wurde eine gleichmäßige, glatte, 1,3 µm dicke Zinnschicht abgeschieden.


    3. Elektrolyt 3 (Vergleichsbeispiel)



    [0014] 

    a) Verzinnung im neu angesetzten Elektrolyten
    Es wurde eine gleichmäßige, glatte, 2,1 µm dicke Zinnschicht abgeschieden.

    b) Verzinnung in einem gebrauchten Elektrolyten
    Es wurden nach entsprechenden Analysen insgesamt 60 g/l SnSO4, 17 g/l H2SO4 und 3,6 g/l HBF4 ergänzt.
    Es wurde eine gleichmäßige, glatte, 1,8 µm dicke Zinnschicht abgeschieden.
    Anders als in Beispiel Nr. 1 und Nr. 2 mußte der halogenhaltige Zusatz mehrmals relativ aufwendig analysiert werden.
    Der HBF4-Gehalt wurde insgesamt viermal analysiert und ergänzt und konnte so zwischen 2,8 und 3,8 g/l gehalten werden. Dies ist notwendig, da die Schichtdicke bei einem zu niedrigen HBF4-Gehalt zu dünn wird bzw. bei einem zu hohen HBF4-Gehalt unwirtschaftlich dick wird, bei Gehalten über 15 g/l HBF4 außerdem nur noch sehr schlecht haftet.
    Die Analysen erfolgten nach einem alkalischen Aufschluß der Badproben durch eine Fluoridbestimmung mit einer selektiven Elektrode.
    Versuche, den HBF4-Gehalt mit einfacheren Analysenmethoden, z. B. mit selektiven Fluoroboratelektroden, oder gravimetrisch, z. B. durch Fällung mit Nitron zu bestimmen, scheiterten, da das SnSO4, die H2SO4 bzw. die Gelatine bei diesen Analysenmethoden störte.




    Ansprüche

    1. Saure Elektrolyte zur Tauchverzinnung von Aluminiumlegierungen, enthaltend Zinnsalze, Tenside und Halogenionen lieferende Zusätze, dadurch gekennzeichnet, daß Fluorokomplexe als Halogenionen liefernde Zusätze, bei denen der optimal wirksame Halogengehalt der maximalen Löslichkeit entspricht, zugesetzt sind.
     
    2. Saure Elektrolyte gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Fluorokomplexe in Konzentrationen oberhalb des Löslichkeitsproduktes zugesetzt sind.
     
    3. Saure Elektrolyte gemäß Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Fluorokomplexe Na2SiF6 und KBF4 sind.
     


    Claims

    1. Acidic electrolytes for dip-tinning of aluminium alloys, comprising tin salts, surfactants and additives supplying halogen ions, characterized in that, as additives supplying halogen ions, fluoro complexes are added for which the optimally- active halogen content corresponds to the maximum solubility.
     
    2. Acidic electrolytes according to Claim 1, characterized in that the fluoro complexes are added in concentrations above the solubility product.
     
    3. Acidic electrolytes according to Claims 1 and 2, characterized in that the fluoro complexes are Na2SiF6 and KBF4.
     


    Revendications

    1. Electrolyte acide pour l'étamage par immersion d'alliages d'aluminium, contenant des sels d'étain, des tensioactifs, des additifs libérant des ions halogène, caractérisé en ce que l'on ajoute des complexes du fluor comme additifs libérant des ions halogène, pour lesquels la teneur active optimale en halogène correspond à la solubilité maximale.
     
    2. Electrolyte acide suivant la revendication 1, caractérisé en ce que l'on ajoute les complexes du fluor en des concentrations supérieures au produit de solubilité.
     
    3. Electrolyte acide suivant les revendications 1 et 2, caractérisé en ce que les complexes du fluor sont Na2SiF6 et KBF4.