[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Entfernen von Farbe aus einem Farbwerk
einer Rotationsdruckmaschine, vorzugsweise einer Offsetdruckmaschine.
[0002] Eine Vorrichtung dieser Art ist z.B. aus der DE-PS 712 437 bekannt. Ein stromaufwärts
den Walzen zugeordneter Behälter für die Reinigungsflüssigkeit und ein als Abstreifer
fungierendes Rakelblatt sind jeweils als ein Baustein in einem Farbwerk einsetzbar.
[0003] Aus der DE-AS 1 130 453 ist eine Vorrichtung zum Reinigen von farbführenden Walzen
an Druckmaschinen bekannt, die ein als elastische Klinge bezeichnetes Rakelblatt verwendet.
Die elastische Klinge ist in einem Bogen vorgespannt am Umfang der farbführenden Walze
anliegend.
[0004] Ein Verfahren Zum teilweisen Entfernen von Farbe aus dem Farbwerk ist aus der DE
3 640 295 A1 bekannt. Danach wird ein Teil des Walzenzuges (Auftragwalze, Reibwalze,
Zwischenwalze) aus diesem Walzenzug während des Druckbetriebes getrennt, danach gewaschen
und wieder angestellt.
[0005] Gemäß der EP 0 324 118 B1 ist eine Druckeinheit bekannt, der ein an- bzw. abstellbares
Farbreduzierwerk zugeordnet ist. Das Farbreduzierwerk besteht aus mindestens einer
Walze, einer Rakel und einer Rakelwanne, die als Farbauffangwanne dient. Eine Walze
des Farbreduzierwerkes liegt bei weiterführender Farb-/Feuchtmittelzufuhr, vorzugsweise
in Druckabstellung, an dem farbführenden Zylinder an und nimmt statt Papier das Farb-/Feuchtmittelgemisch
von dem farbführenden Zylinder ab.
[0006] Aus der US 5 165 342 ist eine Einrichtung für ein Flexodruckwerk bekannt, die zum
Entfernen von Farbe eine Kammerrakel benutzt.
[0007] Nachteilig bei diesen Lösungen ist es, daß diese sich nur auf das Entfernen von Farbe
im Walzenzug beschränken.
[0008] Aufgabe der Erfindung ist es, eine Lösung zum Entfernen von Farbe in einem Farbwerk
zu entwickeln, welche neben dem Walzenzug auch wahlweise den Farbkasten einschließt
und die Reinigungsdauer spürbar reduziert.
[0009] Die vorliegende Lösung gestattet das Entfernen von Farbe aus einem Farbkasten und
aus dem nachgeordneten Walzenzug. Das Feuchtwerk, speziell die Feuchtauftragwalze,
kann am Plattenzylinder an- oder abgestellt und mit dem Farbwerk gekoppelt sein, z.B.
über eine Brückenwalze zwischen Feuchtauftragwalze und der ersten Farbauftragwalze
in Plattenzylinderdrehrichtung. Die an die Feuchtauftragwalze Feuchtmittel zuführenden
Walzen, wie Feuchtduktorwalzen und Dosierwalzen, sind vorzugsweise während des Reinigungsprozesses
von der Feuchtauftragwalze getrennt. Eine Trennung ist nicht erforderlich, wenn die
Feuchtduktorwalze nicht mehr mit Feuchtmittel in Kontakt steht bzw. der Feuchtmittelbehälter
(Wasserkasten) leer ist. Somit kann neben dem Farbwerk auch das Feuchtwerk gereinigt
werden. Die Sprüheinrichtung kann im Walzenzug stromabwärts oder stromaufwärts angeordnet
sein. Des weiteren ist diese Losung nicht auf die Verwendung von Farbe als Auftragmittel
beschränkt. Vielmehr eignet sich als Auftragmittel ebenfalls Lack. Als bevorzugte
Reinigungsflüssigkeit bzw. Gemische eignen sich Pflanzenöle oder Naturöle, Oberflächenspannung
senkende Emulgatoren sowie Wasser. Das Entfernen von Farbe aus dem Farbwerk wird bevorzugt
in einem Waschzyklus, der beliebig wiederholt werden kann, durchgeführt.
[0010] Die Erfindung soll an einem Ausführungsbeispiel naher erläutert werden. Dabei zeigt:
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung eines Farbwerkes mit integriertem Feuchtwerk.
[0011] In einer Druckeinheit einer Offsetdruckmaschine ist ein Farbkasten 1 mit darin befindlicher
Druckfarbe angeordnet. In den Farbkasten 1 ist eine Farbkastenwalze 3 integriert.
Der Farbkasten 1 besitzt eine Farbkastenabdeckung 2, die diesen verschließt. Die Farbkastenabdeckung
2 ist lösbar mit dem Farbkasten 1 verbunden und kann mit einer farbspendenden Vorrichtung
(nicht gezeigt) gekoppelt werden. Die Farbkastenabdeckung 2 ist über Leitungen mit
einem die Reinigungsflüssigkeit aufnehmenden Vorratsbehälter 12 verbunden. Am Boden
des Farbkastens 1 ist mindestens eine Abflußöffnung angeordnet, die über ein Leitungssystem
mit einem das Schmutzwasser (Farb-/Reinigungsflüssigkeitsgemisch) aufnehmenden Sammelbehälter
13 verbunden ist. Der Farbkastenwalze 3 ist ein Farbheber 4 benachbart, dem stromabwärts
mehrere Übertragungswalzen 6 nachgeordnet sind. Die Übertragungswalzen 6 sind mit
vier Farbauftragwalzen 7 verbunden, welche an einem Plattenzylinder 9 anliegen. Farbkastenwalze
3, Farbheber 4, Übertragungswalzen 6 und Farbauftragwalzen 7 bilden einen Farbwalzenzug
5. Dem Farbwalzenzug 5 ist ein Feuchtwerk 8 zugeordnet, welches hier als integriertes
Feuchtwerk dargestellt ist, in dem eine Feuchtauftragwalze 16 über eine Brückenwalze
mit der ersten Farbauftragwalze 7 gekoppelt ist. Dem Farbwalzenzug 5 ist eine Sprüheinrichtung
10 zugeordnet, die über ein Leitungssystem mit dem Vorratsbehälter 12 verbunden ist.
Stromabwärtsseitig ist, die dritte und vierte Auftragwalze 7 (in Drehrichtung des
Plattenzylinders) überbrückend, eine Farbreiberwalze 15 angeordnet. Der Farbreiberwalze
15 ist eine Kammerrakel 11 zugeordnet, deren durch ein Arbeits- und ein Schließrakelblatt
gebildete Rakelblätter auf dem Umfang der Farbreiberwalze 15 anliegen. Die Kammerrakel
11 ist in je einem Schwenklager gestellseitig angeordnet und ist an die Farbreiberwalze
15 anstellbar. Die Kammerrakel 11 besitzt einen oberhalb einspeisenden Zulauf für
die Reinigungsflüssigkeit, welcher mit dem Vorratsbehälter 12 gekoppelt ist. An der
Unterseite der Kammerrakel 11 sind zwei austretende Flüssigkeitsabläufe im Bereich
der Seitenteile angeordnet, die über ein Leitungssystem mit dem Sammelbehälter 13
gekoppelt sind. Farbkasten 1 mit Farbkastenabdeckung 2 und Kammerrakel 11 sind in
bevorzugter Weise mit einem einheitlichen Leitungssystem für die Zuleitung von Reinigungsflüssigkeit
an den Vorratsbehälter 12 unter Verwendung von Steuerventilen 14 sowie mit einer einheitlichen
Rückführung des Schmutzwassers (Farb-/Reinigungsflüssigkeitsgemisch) in den Sammelbehälter
13 versehen.
[0012] Die Wirkungsweise ist wie folgt:
Der Farbkasten 1 wird mit der Farbkastenabdeckung 2 verschlossen. Aus dem Vorratsbehälter
12 wird Reinigungsflüssigkeit über das Leitungssystem unter Druck in den Farbkasten
1 gepumpt. Abhängig von dem zu entsorgenden Medium kann die Reinigungsflüssigkeit
auch in erhitztem Zustand zugeführt werden. Durch die Reinigungsflüssigkeit wird die
Farbe angelöst und emulgiert zu einem fließfähigen Farb-/Reinigungsflüssigkeitsgemisch,
welches über das Leitungssystem über den Sammelbehälter 13 zurückgeführt wird. Wird
die Reinigungsflüssigkeit unter Hochdruck zugeführt und prallt auf die farbführenden
Teile (Farbkasten 1 und Farkastenwalze 3) so wird der Reinigungseffekt in kürzerer
Zeilt erzielt. Parallel zu diesem Reinigungsvorgang wird die Farbkastenwalze 3 in
eine Drehbewegung versetzt, die dabei auf ihrer Walzenoberfläche gereinigt wird. Besitzt
der Farbkasten 1 Farbschieber, so rakeln diese von der Farbkastenwalze 3 die Emulsion
(Farb-/Reinigungsflüssigkeitsgemisch) ab.
[0013] Die Farbkastenwalze 3 kann in einer ersten Ausführung vom benachbarten Farbheber
4 entkoppelt werden, indem der Farbheber mit den nachgeordneten Übertragungswalzen
6 des Farbwerkswalzenzuges 5 in Kontakt verbleibt.
[0014] In einer zweiten Ausführung kann die Farbkastenwalze 3 mit Farbheber 4 und den nachgeordneten
Übertragungswalzen 6 gekoppelt werden, derart, daß der Farbheber 4 durch getriebetechnische
Mittel seine Lage verändert, so daß er in Kontakt alt der Farbkastenwalze 3 und einer
benachbarten ersten Übertragswalze 6 des Farbwerkwalzenzuges 5 steht. Die Sprüheinrichtung
10 ist stromaufwärtsseitig einer Übertragungswalze 6 des Farbwalzenzuges 5 zugeordnet
und erhält vom Vorratsbehälter 12 die Reinigungsflüssigkeit zugeführt. Durch die Sprüheinrichtung
10 wird Reinigungsflüssigkeit auf eine Übertragungswalze 6 gesprüht, der Farbwerkswalzenzug
5 wird in Drehbewegung versetzt und an der stromabwärtsseitig nachgeordneten Farbreiberwalze
15 wird das farb-/Reinigungsflüssigkeitsgemisch vom Arbeitsrakelblatt der Kammerrakel
11 abgerakelt, in der Kammer gesammelt und in den Sammelbehälter 13 zurückgepumpt.
Im Sammelbehälter 13 ist ein Abscheider und/oder ein Filter oder eine Destilliereinrichtung
zum Trennen der Emulsion vorgesehen. Die aufbereitete Reinigungsflüssigkeit wird dem
Vorratsbehälter 12 zugeführt, die abgeschiedene Farbe wird aus dem Sammelbehälter
13 entnommen und entsorgt. Zusätzlich wird eine Reinigungsflüssigkeit in Kammerrakel
11 eingespeist, speziell um die abgerakelte Farb-/Reinigungsflüssigkeitsemulsion fließfähig
zu gestalten und gleichzeitig den Reinigungsprozeß an der Farbreiberwalze 15 durch
den Prallstrahl zu beschleunigen. Bei der Kopplung von Farbkastenwalze 3 und Farbheber
4 mit den nachgeordneten Übertragungswalzen 6 und den Farbauftragwalzen 7 werden sämtliche
Farbwerkswalzen 5 gereinigt. Bei der Entkoppelung des Farbhebers 4 von der Farbkastenwalze
3 werden Farbkasten 1 und Farbkastenwalze 3 separat gereinigt. Bei Kopplung der Farbheberwalze
4 mit den stromabwärts nachgeordneten Übertragungswalzen 6 und Farbauftragwalzen 7
wird dieser Walzenstrang ebenfalls separat gereinigt.
[0015] In einer weiteren Ausführung erfolgt das Reinigen auch ohne Sprüheinrichtung nur
über dem Farbkasten zugeführte Reinigungsmittel bei Kopplung von Farbheber 4 und Farbkastenwalze
3 mit den nachgeordneten Übertragungswalzen 6.
Bezugszeichenaufstellung
[0016]
- 1
- Farbkasten
- 2
- Farbkastenabdeckung
- 3
- Farbkastenwalze
- 4
- Farbheber
- 5
- Farbwerkswalzenzug
- 6
- Übertragungswalzen
- 7
- Farbauftragwalzen
- 8
- Feuchtwerk
- 9
- Plattenzylinder
- 10
- Sprüheinrichtung
- 11
- Kammerrakel
- 12
- Vorratsbehälter
- 13
- Sammelbehälter
- 14
- Steuerventil
- 15
- Farbreiberwalze
- 16
- Feuchtauftragwalze
1. Vorrichtung zum Entfernen von Farbe aus einem Farbwerk einer Rotationsdruckmaschine,
vorzugsweise einer Offsetdruckmaschine mit einem Farbkasten und einer Farbkastenwalze,
einem Farbheber sowie einem nachgeordneten Farbwerkswalzenzug,
dadurch gekennzeichnet,
daß auf dem Farbkasten (1) eine diesen verschließende Farbkastenabdeckung (2) lösbar
angeordnet ist und einer stromabwärtsseitigen Übertragungswalze (6) eine an- und abstellbare
Kammerrakel (11) zum Abrakeln einer Farb-/Reinigungsflüssig keitsemulsion zugeordnet
ist, wobei Farbkasten (1) und Kammerrakel (11) mit je einem mit Behältern (12, 13)
verbundenen Leitungssystem für die Zuführung einer Reinigungsflüssigkeit und für das
Entfernen des Farb-/Reinigungsflüssigkeitsgemisches gekoppelt sind.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß dem Farbwerkswalzenzug (5) eine Sprüheinrichtung (10) zugeordnet ist, die mit
dem Leitungssystem für die Zuführung von Reinigungsflüssigkeit und dem Behälter (12)
verbunden ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß Farbkastenwalze (3), Farbheber (4) und der nachgeordnete Farbwerkswalzenzug (5)
zum Entfernen der Farbe gekoppelt sind.
4. Vorrichtung nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß zwischen der Farbkastenwalze (3) und dem Farbheber (4) eine Entkoppelung erfolgt,
indem der Farbheber (4) mit dem nachgeordneten Farbwerkswalzenzug (5) in Kontakt ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Kammerrakel (11) eine Einspeisung für die Reinigungsflüssigkeit aufweist,
wobei die Reinigungsflüssigkeit unter Hochdruck in die Kammerrakel zugeführt wird.
6. Vorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Reinigungsflüssigkeit unter Hochdruck in den Farbkasten (1) und an die Farbkastenwalze
(3) zugeführt wird.