[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Transferpapier sowie ein Verfahren zur Übertragung
von Fotokopien auf Textilien, wie insbesondere T-Shirts.
[0002] Derartige Transferpapiere tragen eine den Druck aufnehmende Kunststoffschicht, die
heiß auf das Textil übertragen wird, wobei man den Druck auf das Textil aufbügelt
und ggf. nach einer gewissen Abkühlungszeit das Papier abzieht, wonach Kunststoff
und Druck auf dem Gewebe verbleiben. Da die Fotokopie ein Positivabzug ist, entsteht
auf dem Textil ein Negativabdruck. Wünscht man ein Positiv-Bild auf dem Gewebe, so
ist ein Negativabdruck vor dem Übertragen herzustellen, wie z.B. in der EP-05 22 898
A1 und DE-42 10 976 A1 beschrieben.
[0003] Herkömmliche Drucke befriedigen nicht hinsichtlich der Brillianz der übertragenen
Abbildung, insbesondere auf schwarzen Textilien, sowie der Waschbeständigkeit bei
höheren Temperaturen. Weiße Textilien müssen nach dem Waschen nachgebügelt werden,
um verblaßte Farben wieder zu verstärken.
[0004] Die vorliegende Erfindung hat sich daher die Aufgabe gestellt, ein Transferpapier
zu schaffen, mit dessen Hilfe direkt positive Abdrucke herstellbar sind und die ferner
eine Kunststoffbeschichtung aufweisen, die eine höhere Brillianz des Abbildes gewährleistet
und in die insbesondere zum Bedrucken schwarzer Textilien ein Weißpigment eingearbeitet
werden kann. Zu dem soll als einziges bei der Herstellung der Beschichtung verwendetes
Lösungsmittel-Wasser eingesetzt werden können, sowie eine Waschbarkeit bis zu über
90° C und ebenso hohe Farbbeständigkeit bei wiederholtem Waschen gegeben zu sein.
Letztlich soll ein Nachbügeln nach dem Waschen entfallen.
[0005] Die Lösung dieser Aufgabe gelingt erfindungsgemäß durch ein Transferpapier, das als
Kunststoffbeschichtung mindestens aufweist: ein unter Temperatureinwirkung durch ein
methanolverethertes Melamin-Formaldehydharz vernetzbares Polyurethan, in Mischung
mit einem Acrylsäureester-Acrylsäurecopolymer, wobei letzteres einen Verdicker darstellt.
[0006] Der Vorteil einer solchen Beschichtung besteht darin, daß die Beschichtung (nach
dem Herstellen der Fotokopie auf dieser) vom Papier als Folie abgezogen und positiv
auf die textile Unterlage aufgelegt werden kann, um sie dann aufzubügeln und mit den
Textilfasern zu verbinden. Von wesentlicher Bedeutung ist weiterhin, daß in die Mischung
ein Weißpigment eingearbeitet werden kann (TiO₂), so daß die bisher erforderliche
vorherige Weißbeschichtung von dunklen (schwarzen) Textilien nunmehr entfallen und
der Druck sofort mit einer einzigen Folie übertragen werden kann.
[0007] Um die Griffigkeit bzw. Weichheit des Abbildes einstellen zu können, wird weiterhin
vorgeschlagen, eine Mischung aus zwei Polyurethankomponenten einzusetzen, deren eine
weicher ist.
[0008] Besonders geeignet zur Herstellung der Beschichtung ist eine Mischung in folgenden
Gewichtsverhältnissen:
2,5-10 Teile Melaminformaldehydharz als 70 %ige wässrige Lösung, 200-300 Teile Polyurethan
als 40%ige wässrige Dispersion und 7-36 Teile Verdicker in 25 %iger wäßriger Dispersion,
wobei die letzteren Werte sich nach dem gewünschten Auffragsverfahren auf das Papier
richten, und für das Siebdruckauftragverfahren bei feineren Schablonen 7 und bei gröberen
Schablonen 36 Gewichtsteile einzusetzen sind. Der Auffrag kann natürlich auch durch
Rakeln erfolgen.
[0009] Zur Verbesserung der Qualität der Verarbeitbarkeit wird vorgeschlagen, der Mischung
Hilfsmittel wie Paraffin und/oder Entschäumer und/oder Netzmittel und/oder Verlaufsmittel
hinzuzufügen.
[0010] Die Paraffinkomponente dient dabei dem leichteren Abziehen des hergestellten Films
vom Papier und macht gleichzeitig die Oberfläche klebfrei.
[0011] Als Polyurethankomponente eignen sich besonders ionische oder nichtionogene Polyether-
oder Polyester-Polyurethane.
[0012] Bevorzugt wird als Netzmittel Natriumsalz der Sulfobernsteinsäure und als Verlaufsmittel
methoxymethyliertes Melamin zusammen mit nichtionischen Tensiden in geeignetem Mischungsverhältnis
eingesetzt.
[0013] Die Beschichtung läßt sich vorzugsweise herstellen aus einer Mischung von 2,5-10
Gewichtsteilen methanolverethertem Melamin-Formaldehydharz (in Wasser gelöst), 0-5
Gewichtsteilen einer wäßrigen, anionischen Paraffinemulsion, 0-100 Gewichtsteilen
Titandioxidpigment, 0-1 Gewichtsteilen Entschäumer (auf Mineralölbasis), 200-300 Gewichtsteilen
einer wäßrigen Dispersion von anionischem Polyester-Polyurethan, 0-0,5 Gewichtsteilen
Natriumsulfosuccinat, 0,5-2 Gewichtsteilen Verlaufsmittel und 7-36 Gewichtsteilen
einer 25 %igen wäßrigen Dispersion von Acrylsäureester-Acrylsäurecopolymerisat, wobei
die Komponenten in 10-20 Gewichtsteilen Wasser gemischt und zu einer fließfähigen
Masse gerührt werden.
[0014] Sollen weiße Textilien bedruckt werden, so kann die Titanoxidpigmentkomponente auch
fehlen.
[0015] Es können bis zu 50 Gewichtsteile einer wäßrigen Acrylsäure-N-Butylester-Styrol-Copolymerdispersion
der Mischung beigefügt sein.
[0016] Weiterhin wird vorgeschlagen, zwischen dem Papier (Gewicht ca. 100 g/m²) und der
Polyurethanschicht eine Beschichtung aus einem Ethylenvinylacetat-Terpolymer vorzugsweise
mit 9-28 % Vinylacetat und 0,5-3 % Maleinsäuregruppen vorzusehen. Diese Schicht bewirkt
wesentliche Vorteile - zum einen entsteht eine hochtemperaturfeste, bis etwa 95° C
waschbare Beschichtung, zum zweiten wird ein matter weicher Griff erzielt bei unverminderter
Farbkraft und sehr hoher Waschbeständigkeit.
[0017] Erfindungsgemäß bedruckte Textilien weisen den wesentlichen Vorteil auf, daß durch
das Waschen das Abbild nicht verblaßt und ein Nachbügeln zur Erhöhung der Farbrillianz
somit vollständig entfällt.
[0018] Mit besonderem Vorteil läßt sich das erfindungsgemäße Papier bei dunklen (schwarzen)
Geweben verwenden.
[0019] Bisher mußte für solche Zwecke auf das Gewebe zunächst eine weiß eingefärbte Plastisolschicht
aufgetragen, z.B. von einem Papier durch Bügeln aufgepreßt werden. Dieses mußte etwa
die Kontur der Abbildung aufweisen, die dann, entsprechend zugeschnitten, auf die
weiße Beschichtung aufgetragen wird. Dabei treten vielfältige Probleme auf, die Ränder
werden unscharf, das Bild muß spiegelverkehrt geschnitten werden, die Kontur ist auf
einfache Umrisse wie z.B. Rechtecke beschränkt. Wird statt dessen eine transparente
bedruckte Folie gegen eine opake zweite Folie gebügelt um den Verbund danach auf das
Textil aufzubringen, so besteht die Schwierigkeit darin, daß die Abbildung zum Ausschneiden
durch das Trägerpapier hindurch betrachtet werden muß, was keine exakten Ergebnisse
zuläßt.
[0020] Erfindungsgemäß kann nunmehr viel einfacher vorgegangen werden. Nach dem Bedrucken
des beschichteten Papiers z.B. mit Hilfe eines Fotokopiergerätes kann das Bild auf
dem Papier und mit diesem mühelos ausgeschnitten werden. Danach löst man die als Folie
auf dem Papier adhäsiv gebundene Beschichtung ab und legt sie mit der Sichtseite,
d.h. in positiver Abbildung auf die Textilunterlage. Anschließend wird unter Druck
und Temperatur die Polyurethanschicht vernetzt, wobei vorzugsweise die Temperatur
von der Rückseite des Gewebes einwirken gelassen wird, d.h. das Gewebe wird "links"
gebügelt. Erkennbar entfällt damit eine wesentliche Schwierigkeit aller bisher bekannten
Druckverfahren, d.h. der Druck kann direkt auf das Textil aufgetragen werden.
[0021] Um die Folie beim Bügeln zu schützen, kann in einfacher Weise das Papier, auf dem
sich der Druck zunächst befand, auf die den Toner tragende Seite, d.h. außen aufgelegt,
oder aber bei Zuschnitten ein entsprechendes größeres Papier gewählt werden.
[0022] Zum leichteren Abziehen der Folienbeschichtung kann das Papier mit einer Trennschicht
auch in ansich bekannter Weise aus Wachs oder Silikon versehen sein.
[0023] Anhand der folgenden Beispiele wird die vorliegende Erfindung näher erläutert.
Beispiel 1
[0024] Transferpapier zum Übertragen von farbigen Xerokopiedrucken auf textile Unterlagen,
bestehend aus einem Trägerpapier sowie einer darauf befindlichen Beschichtung, wobei
die Beschichtung methanolverethertes Melamin-Formaldehydharz als durch Temperatur
aktivierbare Vernetzungskomponente, mindestens ein anionisches Polyester-Polyurethan
sowie Acrylsäureester-Acrylsäure-Copolymer als Verdicker enthält.
Beispiel 2
[0025]
- 20 Teile
- Wasser
- 5 Teile
- wäßrige 60 %ige anionische Paraffinemulsion (Basophob; Wz BASF)
- 5 Teile
- methanolverethertes Melamin-Formaldehydharz in 70 %iger wäßriger Lösung (Saduren DS
2060; Wz BASF)
- 80 Teile
- aufgeschäumtes Titanoxid, Rutilmodifikation (Helizarin weiß; Wz BASF)
- 0,2 Teile
- Entschäumer auf Mineralölbasis (Nopco 8034 E; Wz Münzig Chemie)
- 150 Teile
- anionisches Polyester-Polyurethan in 40 %iger wäßriger Dispersion (Emuldur DS 2299;
Wz BASF)
- 0,2 Teile
- Natriumsulfosuccinat (Lumiten IRA; Wz BASF) (50 %ig, Wasser)
- 2 Teile
- methoxymethyliertes Melamin in Mischung mit nichtionischen Tensiden (Luprintol M;
Wz BASF)
- 20 Teile
- Acrylsäureester-Acrylsäure-Copolymerisat in 25 %iger wäßriger Dispersion (Latekoll
D; Wz BASF).
[0026] Die Substanzen werden in den 20 Teilen Wasser gemischt und homogenisiert, auf ein
Papier aufgetragen (z. B: Rakeln, Siebdruck) und abbinden lassen. Es entsteht ein
vom Papier vollständig abziehbarer bedruckbarer Film, der sich bei erhöhten Temperaturen
auf ein Textil aufbügeln läßt.
Beispiel 3
[0027] In 30 Teile Wasser werden eingegeben:
- 5 Teile
- methanolverethertes Melamin-Formaldehydharz (Saduren DS 2060)
- 80 Teile
- Rutilpigment (Helizarin Weiß RTU)
- 0,5 Teile
- Entschäumer (Nopco 8034 E)
- 100 Teile
- Acrylsäure-N-Butylester-Styrol-Copolymerisat in wäßriger Dispersion (Acronal S 795;
Wz BASF)
- 100 Teile
- anionisches Polyester-Polyurethan in wäßriger Dispersion (Emuldur DS 2299)
- 0,2 Teile
- Natriumsulfosuccinat (Lumiten IRA)
- 2 Teile
- methoxymethyliertes Melamin in Wasser/Lösemittel mit nichtionischen Tensiden (Luprintol
M)
- 30 Teile
- Acrylsäureester-Acrylsäurecopolymerisat (Latekoll D, 25 %ig)
Beispiel 4
[0028] Mischung für weiße Textilien ohne Pigmentzusatz:
- 10 Teile
- Wasser
- 5 Teile
- Basophob WDS
- 10 Teile
- Saduren DS 2060
- 0,2 Teile
- Lumiten IRA
- 100 Teile
- Emuldur DS 2299
- 36 Teile
- Latekoll D
Es entsteht eine relativ dicke, rakelfähige Masse.
Beispiel 5
[0029]
- 10 Teile
- Wasser
- 5 Teile
- Basophob WDS
- 100 Teile
- Saduren DES 2060
- 0,2 Teile
- Lumiten IRA
- 190 Teile
- Emuldur 381 A
- 50 Teile
- Acronal S 795
- 70 Teile
- Latekoll D
Es entsteht eine relativ dünnflüssige Mischung, die im Siebdruck durch eine feine
Schablone ausbringbar ist.
[0030] Die genannten Produkte sind Handelsprodukte und werden in der vertriebenen Form eingesetzt.
1. Transferpapier zum Übertragen von farbigen Xerokopiedrucken auf textile Unterlagen,
bestehend aus einem Trägerpapier sowie einer darauf befindlichen Beschichtung,
dadurch gekennzeichnet, daß die Beschichtung enthält
a) methanolverethertes Melamin-Formaldehydharz als Vernetzungskomponente;
b) mindestens ein anionisches Polyester-Polyurethan;
c) Acrylsäureester-Acrylsäure-Copolymer als Verdicker.
2. Transferpapier nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Mischung zusätzlich als Pigment Titandioxid enthält.
3. Transferpapier nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß als Polyurethankomponente eine Mischung aus zwei anionischen Polyester-Polyurethanen
eingesetzt ist.
4. Transferpapier nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Komponenten in folgendem Mengenverhältnis vorliegen:
2,5 bis 10 Teile Melaminformaldehydharz
200 bis 300 Teile Polyester-Polyurethan und
60-360 Teile Verdicker.
5. Transferpapier nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Mischung zusätzlich enthält Paraffin und/oder Entschäumer und/oder Netzmittel
und/oder Verlaufsmittel.
6. Transferpapier nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß als Netzmittel das Natriumsalz eines Sulfobernsteinsäureesters und als Verlaufsmittel
methoxymethyliertes Melamin zusammen mit nichtionischem Tensid eingesetzt sind.
7. Transferpapier nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß die Beschichtung erhalten ist aus einer fließfähigen Zusammensetzung enthaltend
- 10 - 20 Gewichtsteile Wasser
- 2,5 - 10 Gewichtsteile methanolverethertes Melamin-Formaldehydharz in Wasser gelöst
- 0 - 5 Gewichtsteile einer wäßrigen anionischen Paraffinemulsion
- 0 - 100 Gewichtsteilen Titanoxidpigment
- 0 - 1 Gewichtsteilen Entschäumer auf Mineralölbasis
- 200 - 300 Gewichtsteilen einer wäßrigen Dispersion von anionischen Polyester-Polyurethan
- 0 - 0,5 Gewichtsteilen Natriumsulfosuccinat
- 0,5 - 2 Gewichtsteile Verlaufsmittel
- 30 - 180 Gewichtsteile einer 25 %igen wäßrigen Dispersion von Acrylsäureester-Acrylsäurecopolymerisat.
8. Transferpapier nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß zusätzlich bis zu 50 Gewichtsteile einer wäßrigen Acrylsäure-N-Butylester-Stryrol-Copolymerdispersion
in der Mischung vorhanden sind.