Gebiet der Erfindung
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Kontrolle des Absetzens klebender Verunreinigungen
aus Papierstoffsuspensionen bei der Papierherstellung.
Stand der Technik
[0002] Bereits bei der Erfindung des Papiers im 2. Jahrhundert spielte der Einsatz von Altmaterial,
d.h. die Technik des - zumindest teilweisen - Recyclings eine gewisse Rolle. In der
heutigen Zeit kommt der Recycling-Technologie im Zuge eines zunehmenden ökologischen
Bewußtseins große Bedeutung zu. Bei einer ständig zunehmenden Produktion von Papier
werden daher Fragen der Rohstoffversorgung und der Müllvermeidung immer wichtiger.
[0003] Durch den Einsatz von Sekundärfaserstoff auf dem Wege des Recyclings von Altpapier
lassen sich heute Einsparungen hinsichtlich der Rohstoffe, des Deponieraumes sowie
der für die Papierherstellung aufzuwendenden Energie erzielen. Diese Technologie ist
jedoch mit spezifischen Schwierigkeiten verbunden.
[0004] So können im Bereich der Verarbeitung von Altpapier klebende Verunreinigungen, üblichweise
als
Stickies bezeichnet, den Produktionsprozess erheblich stören und die Qualität des hergestellten
Papiers negativ beeinflussen. Die Stickies gelangen dabei in den Papierherstellungsprozeß,
wenn das eingesetzte Altpapier Klebestellen, Klebebänder oder veredelte Produkte wie
gestrichene, kaschierte oder beschichtete Papiere bzw. Pappen enthält. Darüber hinaus
können sich jedoch auch durch das Harz des Holzes und durch dessen Wechselwirkung
mit Papierhilfsmitteln klebende Verunreinigungen bilden.
[0005] Sofern die Stickies in kompakter Form vorliegen, lassen sie sich relativ gut auf
mechanischem Wege mit Hilfe von Sortiermaschinen entfernen. In der Regel liegen die
Stickies jedoch nicht nur in kompakter Form vor, sondern sie sind darüber hinaus auch
in dispergierter Form im Stoffbrei enthalten und in dieser Form sehr schwer zu entfernen.
In jüngster Zeit führen daher der steigende Einsatz von Altpapier bei der Papierherstellung
und die Einengung der Wasserkreisläufe in zunehmendem Maße dazu, daß sich der Anteil
von Stickies im Kreislaufwasser erhöht.
[0006] Stickies verursachen nicht nur bei der Papierherstellung eine Reihe von Problemen
bzw. Störungen, sondern auch bei der Papierverarbeitung. Aufgrund ihrer Klebrigkeit
bilden sich Ablagerungen an Maschinenteilen, Rohrwandungen, Sieben, Naßfilzen, Trockenfilzen,
Trockenzylindern, Glättwerkswalzen, Kalandarwalzen und darüber hinaus auch im fertigen
Papier, wodurch es zu Bahnabrissen in der Papiermaschine und zu einer Verschlechterung
der Papierqualität durch Löcher, Flecken, Markierungen kommt (vergl.
H.L. Baumgarten, Das Papier, 1984, 38, Heft 10A, S. V121 - V125). H.L.Baumgarten stellt fest, daß klebende Verunreinigungen in Industrie- und Institutsveröffentlichungen
seit Jahren als das größte Problem der Altpapier-Wiederverwertung bezeichnet werden.
Selbst minimale Mengen Klebstoff können noch Abrisse an Papier- und Druckmaschinen
verursachen, so daß Säuberungs-Stillstände erforderlich sind. Baumgarten führt aus:
"2 g Klebstoff an gutgewählter Stelle in der Papiermaschine angebracht, können mehrere
100 kg Papier zu Ausschuß machen" (a.a.O., Seite V122, rechte Spalte).
[0007] Die Herkunft von Stickies ist nicht einheitlich. Im wesentlichen stammen sie aus
dem Harz des Holzes, Hilfsmitteln bei der Papiererzeugung, Bindemitteln für das Streichen
von Papier und Karton, Klebstoffen für die Papierverarbeitung, Druckfarbenbindemitteln
und Werkstoffen der Papierverarbeitung. Von besonderer Bedeutung im Rahmen der Aufgabenstellung
der hier vorliegenden Erfindung sind dabei diejenigen klebenden Verunreinigungen,
die aus dem Harz des Holzes und den bei der Papierverarbeitung eingesetzten Klebstoffen
stammen.
[0008] Die im Zellstoff und Holzstoff vorhandenen Harze enthalten je nach Holz sorte einen
Anteil von etwa 1 - 5 Gew.-% an sogenannten schädlichen Harzen. Diese können in kolloidaler
nichtgebundener Form vorliegen oder an den Papierfasern haften. Wie J.Weigl et. al.
ausführen, haben die durch Harzablagerungen verursachten Schwierigkeiten bei der Herstellung
und Verarbeitung von Papier in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen ständig
zugenommen (vergl.
J. Weigl et al. Das Papier, 1986, S. V52 - V 62; dort S. V53, linke Spalte).
[0009] Die bei der Papierverarbeitung eingesetzten Klebstoffe lassen sich in drei Gruppen
einteilen: Die Haftklebstoffe, die Dispersionsklebstoffe sowie die Schmelzklebstoffe.
[0010] Bei den Haftklebstoffen handelt es sich um dauerhaft klebende und permanent klebfähige
Produkte. Die Haftung wird dabei durch Andrücken der Oberflächen der zu verklebenden
Fügeteile erreicht. Als Basispolymere sind eine Vielzahl von Grundstoffen in Kombination
mit entsprechenden Zusätzen, z.B. klebrigmachenden Harzen, Weichmachern oder Antioxidantien
gebräuchlich. Typische Basispolymere sind u.a. Naturkautschuk, Butylkautschuk, Styrol-Butadien-Copolymere
(SBR-Kautschuk), Acrylnitril-Copolymere, Polychloropren, Polyisobutylen, Polyvinylether,
Acrylate, Polyester, Polyurethane, Silikone.
[0011] Bei den Dispersionsklebstoffen befinden sich die für die Klebeschichtbildung infrage
kommenden Polymere als feste Partikel in einem wäßrigen Dispersionsmittel. Bei der
Herstellung werden die Basismonomere zunächst in einer wäßrigen Phase emulgiert und
anschließend darin polymerisiert, eine Technik, die als Emulsionspolymerisation bekannt
ist. Das Polymerisat liegt dann in Form kleiner Partikel mit unterschiedlichen Teilchengrößen
vor, die im Bereich von molekulardispers bis grobdispers schwanken können. In der
Regel wird einer Zusammenlagerung und einer damit verbundenen Sedimentation der Polymerteilchen
dadurch entgegengewirkt, daß man dem System Schutzkolloide bzw. Emulgatoren zusetzt.
[0012] Die sogenannten Schmelzklebstoffe, auch "hotmelts" genannt, gehören zur Gruppe der
Thermoplaste. Diese Stoffe haben die Eigenschaft, bei Erwärmen zu erweichen, wodurch
sie fließfähig werden. Beim Abkühlen verfestigen sie wieder. Als Beispiele für Polymere,
die als Schmelzklebstoffe Verwendung finden, seien Polyamide, Copolyamide, Polyaminoamine,
gesättigte Polyester und Ethylen-Vinylacetat-Copolymerisate genannt.
[0013] Bei den Stickies wird unterschieden zwischen primären und sekundären Stickies. Unter
primären Stickies versteht man dabei jene klebenden Verunreinigungen, die aufgrund
ihres hohen Widerstandes bei der Naßzerkleinerung nicht dispergiert werden. Sie liegen
daher in kompakter Form vor und lassen sich gut ausscheiden.
[0014] Die Existenz der sekundären Stickies rührt daher, daß die klebenden Verunreinigungen
im Verlauf der Altpapieraufbereitung einer Veränderung ihrer Teilchengröße unterliegen,
die durch thermische, chemische und mechanische Einflüsse bewirkt wird. Dies bedeutet,
daß selbst Verunreinigungen, die zu Beginn der Aufbereitung noch in recht grober Form
vorliegen, bei der Altpapieraufbereitung eine mehr oder weniger starke Verkleinerung
erfahren können. Insbesondere kommt es durch die Vorgänge im Heißzerfaserer der Altpapieraufbereitung
zu einer Dispergierung klebender Verunreinigungen. So werden beispielsweise Stickies
mit niedrigem Schmelzpunkt verflüssigt und dann feinstdispergiert. Auch bröcklige
bzw. brüchige Stickies zerfallen in sehr kleine Partikel. Die Teilchengröße der dispergierten
Stickies reicht dann von grobdispers über kolloidaldispers bis molekulardispers.
[0015] Mit anderen Worten: Viele klebende Verunreinigungen weisen eine gute Dispergierbarkeit
auf mit der Folge, daß sie nach der Auflösung in feinverteilter Form vorliegen und
durch die Sortierung nicht erfaßt werden. Bei diesen Substanzen besteht die Gefahr,
daß sie in der Papiermaschine durch thermische, mechanische oder chemische Einwirkungen
Agglomerate bilden, die als sekundäre Stickies bezeichnet werden. Gerade diese sekundären
Stickies sind es, die im Zuge der weiteren Papierverarbeitung zu Problemen führen.
Sie werden z.B. mit den Papierbahnen transportiert, wandern durch die Papiermaschine
und gelangen so an die verschiedensten Stellen, wo sie zu unerwünschten Ablagerungen
führen, insbesondere an Preßfilzen, Trockensieben, Trockenzylindern, Glättwerkswalzen.
Darüber hinaus finden sie sich natürlich auch im fertigen Papier, dessen Qualität
dadurch beeinträchtigt ist.
[0016] Aus den geschilderten Zusammenhängen heraus ist daher klar, daß prinzipiell alle
Parameter, die die Agglomeration von Teilchen begünstigen, die Gefahr einer Bildung
sekundärer Stickies mit sich bringen. Als zwei sehr wichtige Parameter seien in diesem
Zusammenhang der pH-Wert sowie die Anwesenheit bestimmter Hilfsmittel der Papierherstellung
genannt. Im einzelnen:
[0017] Kleine Feststoffteilchen, die sich berühren oder zwischen denen ein sehr geringer
Abstand besteht, ziehen sich aufgrund molekularer Wechselwirkungen, der sog. Van-der-Waals-Kräfte,
an. Die auf eine Agglomeration hinwirkenden Van-der-Waals-Kräfte kommen im alkalischen
Milieu - d.h. dem für die Altpapieraufbereitung typischen Milieu - in der Regel jedoch
nicht zur Geltung, da die Teilchen von einer elektrischen Doppelschicht umgeben sind,
die für die gegenseitige Abstoßung der gleichsinnig geladenen Teilchen verantwortlich
sind. An der Papiermaschine wird hingegen üblicherweise in neutralem oder leicht saurem
Milieu gearbeitet, wodurch die abstoßenden negativen Kräfte verringert werden.
[0018] Die Entwässerbarkeit der Papierstoff-Suspensionen, die unter Einsatz von Altpapier
hergestellt wurden, ist in der Regel schlecht. In der Praxis werden daher häufig Hilfsmittel
eingesetzt, die man als Entwässerungs- bzw. Retentionsmittel bezeichnet. Unter Retentionsmitteln
versteht der Fachmann dabei Stoffe, die Feinfasern und Füllstoffe an die langen Papierstoff-Fasern
(Langfasern) binden. Durch diese Bindung der kurzen Fasern und der Füllstoffe an die
Langfasern wird verhindert, daß es zu einer Art Vliesbildung der Feinstoffe kommt,
die eine Entwässerung der Papierstoff-Suspension erschwert. Auf diese Weise bewirken
Retentionsmittel auf dem Wege der Bindung der Feinstoffe an die Langfasern also eine
Verbesserung der Entwässerbarkeit.
[0019] Die Retentionsmittel lassen sich in drei Gruppen einteilen. Man unterscheidet anorganische
Produkte wie Aluminiumsulfat oder Natriumaluminat, synthetische Produkte wie Polyethylenimine,
Polyamine oder Polyacrylamide und modifizierte Naturprodukte wie kationische Stärke.
[0020] Die Wirkungsweise der Retentionsmittel beruht auf der Anlagerung von Feinstoffen
und Füllstoffen an die Papierfasern. Ein wichtiger Mechanismus ist dabei, daß Polyelektrolyte
mit ausreichender Kettenlänge die Entfernung zwischen zwei Teilchen überbrücken können
und auf diese Weise eine Agglomeratbildung bewirken. So berichten J.L.Hemmes et al.,
daß sich kationische Polyelektrolyte, z.B. kationische Stärke, als Fänger für anionische
Störstoffe eignen (
Wochenblatt für Papierfabrikation 1993, Seite 163-170).
[0021] Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß nach dem Stand des allgemeinen Fachwissens
einerseits ein neutrales bzw. saures Milieu, andererseits der Einsatz kationaktiver
Hilfsmittel zur Entwässerungs- und Retentionsverschiebung Bedingungen darstellen,
die eine Agglomeration von Teilchen begünstigen. In bezug auf die angesprochene Sticky-Problematik
bedeutet dies, daß der Fachmann diese Bedingungen logischerweise als begünstigend
für die Bildung von Stickies ansieht.
[0022] Eine andere Schlüsselrolle bei der Kontrolle von Stickies spielt die Temperatur.
Der Grund dafür ist, daß viele Klebstoffe zu den Thermoplasten (hotmelts) gehören,
deren Klebrigkeit mit der Temperatur zunimmt.
[0023] Darüber hinaus ist festzustellen, daß die Manifestation der unerwünschten Eigenschaften
klebender Verunreinigungen für den Prozeß der Papierherstellung bzw. -verarbeitung
von einer Vielzahl von Parametern abhängt, die in ihren Einzelheiten noch nicht hinlänglich
bekannt sind (vergl. H.L.Baumgarten, a.a.O. S. V122, linke Spalte). Es ist sogar möglich,
daß normalerweise harmlose Verunreinigungen durch das Zusammenwirken mechanischer,
chemischer und thermischer Einflüsse während des Produktionsprozesses in klebende
Verunreinigungen überführt werden (vergl.
B.Brattka, Wochenblatt für Papierfabrikation 1990, S. 310-313).
[0024] Aus dem Stand der Technik sind nun verschiedene Methoden bekannt, mit denen versucht
wird, der Manifestierung der negativen Eigenschaften klebender Verunreinigungen für
den Prozeß der Papierherstellung entgegenzuwirken. Dabei wird dem Ansatz, ein Absetzen
von Stickies mittels eines Hilfsstoffs zu unterbinden, so daß die durch die Klebeeigenschaften
verursachten Störungen auf ein technisch akzeptables Maß reduziert werden, in der
Fachwelt besondere Bedeutung zugemessen. Die auf diesem Ansatz beruhenden Verfahren
werden im folgenden als
SDC-Verfahren bezeichnet ("stickies deposition control").
[0025] So ist aus der amerikanischen Patentschrift US 4,923,566 ein Verfahren bekannt, bei
dem die Kontrolle der Stickies mit Hilfe von
Harnstoff erzielt wird.
[0026] Nach der Lehre des amerikanischen Patents US 3,081,219 wird die Kontrolle der Stickies
im Faserbrei des Sulfitaufschlusses von Holz mit Hilfe von
N-Vinyl-2-Pyrrolidon erreicht.
[0027] Es ist ferner versucht worden, eine Kontrolle der Stickies durch den Zusatz von
Bentoniten, Diatomeenerde und dergleichen zu erreichen. Diesem seit langem bekannten Ansatz liegt die Idee zugrunde, feine
Partikel einzuführen, die in der Lage sind, klebende Verunreinigungen an ihrer Oberfläche
zu binden (vergl. US 3,081,219, Spalte 1, Zeilen 40-44). Ein weiterer Ansatz beruht
auf dem Zusatz von
Seguestriermitteln, z.B. Polyphosphaten (vergl. US 3,081,219, Spalte 1, Zeilen 45-50). Schließlich hat
man auch versucht, verschiedene
Dispergiermittel, z.B. die Natriumsalze sulfierter Formaldehyd/Naphthalin-Kondensate, einzusetzen,
was jedoch Nachteile bei neutralen pH-Werten mit sich bringt sowie zu ungünstigen
Wechselwirkungen mit kationischen Hilfsmitteln führt (vergl. US 3,081,219, Spalte
1, Zeilen 51-58).
[0028] Die amerikanische Patentanmeldung
US 4,744,865 beschreibt ein SDC-Verfahren, bei dem die Koagulation klebender Verunreinigungen
durch
methoxygruppenhaltige Polymere verringert werden soll.
[0029] Gegenstand der amerikanischen Patentanmeldung
US 4,871,424 ist ein SDC-Verfahren mittels
Polymerer, die Hydroxylgruppen enthalten. Explizit offenbart sind als Polymere jedoch lediglich
Cellulosederivate wie Hydroxypropylmethylcellulose sowie
Polyvinylalkohol, der durch Hydrolyse bzw. partielle Hydrolyse aus Polyvinylacetat zugänglich ist.
[0030] Schließlich beschreiben G. Galland und F. Julien Saint Amand, daß sich primäre Acrylat-Stickies
durch Flotation in alkalischem Milieu und in Gegenwart von Seife entfernen lassen
(vergl.
EUR. Comm. Eur. Communities 14011, 1992, S. 235 - 243). Dieser Ansatz kann jedoch seiner Natur nach zur Lösung der Problematik sekundärer
Stickies nichts beitragen.
Beschreibung der Erfindung
[0031] Insgesamt ist der Stand der Technik auf dem hier angesprochenen Fachgebiet sehr heterogen
und ein in jeder Hinsicht befriedigendes Verfahren zur Kontrolle von Stickies bislang
nicht realisiert. Nach wie vor gilt die Feststellung von H.L. Baumgarten: "Ein Blick
auf die Problemkette "Klebende Verunreinigungen" im Altpapier" ... macht deutlich,
daß neben den Herstellern von Altpapier-Aufbereitungsanlagen insbesondere die Hersteller
der meist kunststoffhaltigen Papierveredlungsund Papierverarbeitungs-Hilfsmittel sowie
die chemische Industrie als ihr Grundstoff-Lieferant aufgefordert sind, der Papierindustrie
intensiv zu helfen" (Das Papier,
1984, Heft 10A, Seite V124). Es besteht daher ein ständiger Bedarf an neuen bzw. alternativen
Problemlösungen zur Kontrolle der Stickies bei der Papierherstellung.
[0032] Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es daher, ein Verfahren zur Kontrolle des
Absetzens klebender Verunreinigungen bei der Papierherstellung zu entwickeln, das
die Nachteile des bekannten Standes der Technik vermeidet. Dieses Verfahren sollte
generell auf die verschiedensten Typen klebender Verunreinigungen anwendbar sein,
speziell jedoch auf Haftklebstoffe, Dispersionsklebstoffe und Schmelzklebstoffe (hotmelts).
Darüber hinaus war anzustreben, daß die bei dem Verfahren einzusetzenden Hilfsstoffe
weitgehend biologisch verträglich sind und daher unter ökologischen Gesichtspunkten
den Anforderungen entsprechen, die heutzutage in der papierverarbeitenden Industrie
zunehmend wichtiger werden. Schließlich bezieht sich die Aufgabenstellung der vorliegenden
Erfindung insbesondere auf die Problematik der sekundären Stickies.
[0033] Diese Aufgabe wurde erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren zur Kontrolle des
Absetzens klebender Verunreinigungen (Stickies) aus Papierstoff-Suspensionen bei der
Papierherstellung, wobei man der Papierstoff-Suspension eine wirksame Menge eines
Abbauproduktes von nativer Stärke zudosiert.
[0034] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist daher ein Verfahren zur Kontrolle des Absetzens
klebender Verunreinigungen (Stickies) aus Papierstoff-Suspensionen bei der Papierherstellung,
das dadurch gekennzeichnet ist, daß man der Papierstoff-Suspension eine wirksame Menge
eines Abbauproduktes von nativer Stärke zudosiert.
[0035] Unter Abbauprodukten von nativer Stärke sind im Rahmen der vorliegenden Erfindung
diejenigen Produkte zu verstehen, die durch thermischen, hydrolytischen oder enzymatischen
Abbau von nativer Stärke zugänglich sind und ein niedrigeres mittleres Molgewicht
als die zugrundeliegende native Stärke sowie ein höheres mittleres Molgewicht als
Glucose, dem Produkt eines vollständigen Abbaus aufweisen. Ausdrücklich sei jedoch
festgestellt, daß die Produkte einer chemischen Derivatisierung wie der Versterung,
Veretherung, Acetylierung, usw. nicht unter die hier verwendete Definition der Abbauprodukte
von nativer Stärke fallen.
[0036] Im Rahmen dieser Erfindung sind diejenigen Abbauprodukte nativer Stärke bevorzugt,
die ein mittleres Molgewicht im Bereich von 1.200 bis 600.000 aufweisen. Die bevorzugte
Art der Herstellung dieser Produkte ist die saure und die enzymatische Hydrolyse oder
eine Kombination dieser Methoden.
[0037] Die Art der nativen Stärke, die der zur Herstellung der erfindungsgemäß geeigneten
Abbauprodukte herangezogen wird, unterliegt an sich keiner besonderen Einschränkung.
So können z.B. Kartoffelstärke, Maisstärke, Reisstärke oder Cannastärke als Ausgangsstoffe
herangezogen werden. Es ist jedoch besonders bevorzugt, Abbauprodukte von Kartoffelstärke
einzusetzen.
[0038] Das erfindungsgemäße Verfahren ist generell auf die verschiedensten Typen klebender
Verunreinigungen anwendbar. Es eignet sich jedoch ganz besonders zur Lösung der Probleme,
die durch Haftklebstoffe, Dispersionsklebstoffe und Schmelzklebstoffe (hotmelts) verursacht
sind.
[0039] In einer bevorzugten Ausführungsform bezieht sich das erfindungsgemäße Verfahren
auf solche Papierstoff-Suspensionen, die aus Altpapier oder aus Papierprodukten, die
Altpapierbestandteile enthalten, hergestellt wurden.
[0040] Es hat sich ferner herausgestellt, daß die Wirkung der erfindungsgemäß geeigneten
Abbauprodukte von nativer Stärke dadurch verbessert werden kann, daß man das Verfahren
zusätzlich in Gegenwart eines Cellulosederivats durchführt. Dabei sind als Cellulosederivat
Carboxymethylcellulose, Methylhydroxypropylcellulose sowie Mischungen dieser Stoffe
besonders bevorzugt.
[0041] Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist die Verwendung von Abbauprodukten
von nativer Stärke zur Kontrolle des Absetzens klebender Verunreinigungen (Stickies)
aus Papierstoff-Suspensionen bei der Papierherstellung.
[0042] Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich prinzipiell für die Kontrolle des Absetzens
und Verklebens von Stickies unterschiedlicher Art und damit auch unterschiedlicher
chemischer und physikalisch-chemischer Natur. Die Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens
kommen jedoch ganz besonders bei Stickies auf Basis von Haftklebstoffen und Schmelzklebstoffen
(hotmelts) zur Geltung.
[0043] Die erfindungsgemäßen Abbauprodukte von nativer Stärke können im Prinzip an jeder
Stelle des gesamten Prozesses der Papierherstellung zudosiert werden. Sie werden dabei
entweder in Form fester Teilchen oder in Form einer wäßrigen Lösung oder Dispersion
zudosiert. Die jeweils erforderliche wirksame Menge der nativen Stärke hängt dabei
davon ab, in welchem Ausmaß die zu verarbeitenden Altpapiere bzw. Papiersorten, die
Altpapierbestandteile enthalten, klebende Verunreinigungen enthalten. In der Regel
werden die erfindurgsgemäßen Abbauprodukte nativer Stärke jedoch in einer Menge im
Bereich von 0,001 bis 5,0 Gew.-%, vorzugsweise 0,1 bis 1,0 Gew.-%,-bezogen auf den
Faserstoff - eingesetzt.
[0044] Die folgenden Beispiele dienen der Erläuterung der Erfindung und sind nicht einschränkend
zu verstehen.
Beispiele
1. Verwendete Substanzen und Materialien
1.1. Polymere
[0045]
a) MHPC: Methylhydroxypropylcellulose (MHPC 50, Fa. Aqualon)
b) AKS: abgebaute Kartoffelstärke (Noredux 118, Fa. Henkel)
1.2. Haftklebstoffe
[0046]
a) Styrol/Butadien
b) Vinylester
c) Acrylat
2. Durchführung der Entklebungs-Versuche
2.1. Prinzip der Methode
[0047] Der hier angewandte Entklebungstest ist dem Fachmann vom Prinzip her bereits aus
der amerikanischen Patentanmeldung US 4,886,575 sowie dem o.g. Artikel von B.Brattka
(a.a.O. S.311) bekannt. Die Methode besteht darin, daß ein ausgewähltes Klebeband
in eine wäßrige Lösung mit der zu prüfenden Substanz getaucht wird. Die Bänder werden
anschließend unter definierten Bedingungen miteinander verklebt und anschließend die
(noch vorhandene) Klebkraft in einer Universalprüfmaschine bestimmt.
2.2. Einzelheiten der Durchführung der Versuche
[0048] Es wurden je 200 ml Lösung aus verschiedenen Polymeren hergestellt und in 200-ml-Bechergläser
gefüllt. In diese Lösungen wurden verschiedene Klebebänder für einen Zeitraum von
exakt 30 Sekunden eingetaucht. Die Bänder wurden anschließend innerhalb von 4 Stunden
bei einer Temperatur von 23 ± 1 °C getrocknet. Je zwei in gleicher Weise behandelte
Bänder wurden nun miteinander verklebt. Der Anpreßdruck wurde dabei mit einer Presse
konstant auf einen Wert von 1 N/mm
2 eingestellt. Die an einem Ende durch Einlegen zweier Trennpapiere offenen Klebestreifen
wurden in einer Universalprüfmaschine eingespannt und mit einer Geschwindigkeit von
250 mm/min voneinander geschält (analog zu DIN 53282 "Winkelschälversuch"). Die dabei
in Abhängigkeit von der gewählten Konzentration der Polymeren ermittelten
Schälkräfte sind in den nachfolgenden Tabellen zusammengestellt. Die Schälkraft ist dabei als
ein Indikator für die Fähigkeit des jeweiligen Polymeren anzusehen, einen kontrollierenden
Einfluß auf die Stickie-Bildung auszuüben: je geringer die gemessene Kraft, umso besser
verhindert das Polymer ein Ankleben der Bänder aneinander und damit eine Agglomeration
von Klebstoffteilchen, die letztlich die Sticky-Probleme verursachen. Die in den Tabellen
angegebenen Werte stellen jeweils Mittelwerte aus fünf Messungen dar.
Vergleichsversuch 1
[0049]
| geprüftes Polymer: MHPC |
| Polymer-Konzentration (Gew.-%) |
Schälfestigkeit (N/cm) bei |
| |
Styrol/Butadien |
Vinylester |
Acrylat |
| 0 |
3,6 |
2,9 |
2,5 |
| 0,5 |
1,3 |
1,1 |
1,2 |
| 1,0 |
1,0 |
0,9 |
1,0 |
| 2,0 |
0,8 |
0,8 |
0,9 |
Beispiel 1
[0050]
| geprüftes Polymer: AKS |
| Polymer-Konzentration (Gew.-%) |
Schälfestigkeit (N/cm) bei |
| |
Styrol/Butadien |
Vinylester |
Acrylat |
| 0 |
3,6 |
2,9 |
2,5 |
| 0,5 |
1,0 |
1,1 |
0,8 |
| 1,0 |
0,7 |
0,8 |
0,7 |
| 2,0 |
0,7 |
0,6 |
0,7 |
2.3. Diskussion der Ergebnisse
[0051] Aus den obigen Tabellen wird deutlich, daß mit den erfindungsgemäßen Abbauprodukten
nativer Stärken bessere Resultate erzielt werden, als mit MHPC, dem ihnen strukturell
nächststehenden nativen Polymeren, das aus dem Stand der Technik bekannt ist.
[0052] Die Vorteile, die mit den erfindungsgemäßen Produkten erzielt werden, waren in ihrem
Ausmaß nicht vorhersehbar und machen deutlich, daß sich modifizierte Stärken durchaus
anders verhalten als modifizierte Cellulosen.
3. Anwendungsbeispiel
[0053] In einer Papierfabrik, die Tissue-Papiere aus 100% Altpapier herstellt, wurde ein
3-wöchiger Praxisversuch durchgeführt. Dabei wurde eine 5 Gew.-%ige Lösung abgebauter
Kartoffelstärke (AKS, vergl. Beispiel 1) mit einer Dosierrate von 16 kg/Stunde zudosiert.
Die Papiermaschine erzeugte 4.000 kg Papier pro Stunde. Die Zahl der Löcher auf der
Papierbahn ging dabei von durchschnittlich 0,2/m
2 auf 0,05/m
2 zurück. Gleichzeitig verringerten sich die Ablagerungen auf den Sieben und Filzen,
so daß die Maschinenlauf zeiten zwischen den Reinigungsintervallen verlängert werden
konnten. Die Zahl der Abrisse sank von 4 pro Woche auf 2.