[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zur Beeinflussung der periodischen
Hubbewegung des Schließorganes eines Ventils, insbesonders der Ventilplatte(n) eines
Ventils eines Kolbenkompressors, mit zumindest einem in Hubrichtung auf das Schließorgan
einwirkenden Steuerzylinder, der über ein Steuerorgan periodisch mit Druckmedium beaufschlagbar
und entlastbar ist.
[0002] Für hauptsächlich in Hubkolbenmaschinen, wie Verbrennungsmotoren und dgl. einerseits
und Pumpen, Verdichter und dgl. andererseits, zur Steuerung des Arbeitsablaufes notwendige,
entsprechend des Arbeitszyklusses periodisch offene bzw. geschlossene Ventile sind
verschiedene Varianten der Betätigung bekannt. Diese reichen von starrer, mechanischer
Zwangsbetätigung in beiden Hubrichtungen (z.B. desmodromische Ventilsteuerung bei
Verbrennungskraftmotoren) über federbelastete und mittels Nocken oder dgl. betätigte
Zwischenformen bis hin zu nur einseitig in Schließrichtung federbelasteten Verdichterventilen,
die vom Druck des durchströmenden Gases geöffnet werden. Die zuletzt angesprochenen,
insbesonders bei Kolbenkompressoren gängigen selbsttätigen Ventile arbeiten also mit
einer freien Bewegung der Ventilringe bzw. Ventilplatte, die ausschließlich durch
das Wechselspiel der angreifenden Strömungs- bzw. Druck- und Federkräfte bedingt ist.
Die Auslegung eines derartigen Ventils bedingt daher stets Kompromisse zwischen minimalem
Strömungsverlust und maximaler Lebenserwartung und erfordert viel Erfahrung bzw. entsprechend
ausgefeilte Berechnungsmethoden, da ansonsten die Gefahr unvorhergesehener Betriebsstörungen
bzw. unerwünschten Betriebsverhaltens der Ventile besteht.
[0003] In der Geschichte des Baus von Kolbenkompressoren wurden daher immer wieder Versuche
unternommen, die beispielsweise im Motorenbau bewährten zwangsgesteuerten Ventile
einzusetzen, die prinzipiell eine Entkoppelung der oben angesprochenen widersprüchlichen
Auslegungserfordernisse zulassen. Derartige zwangsgesteuerte Ventile bedingen aber
eine relativ komplexe Steuerlogik zufolge der erforderlichen variablen Steuerzeitpunkte
für die Verdichterregelung und sind mit Unzulänglichkeiten der eingesetzten mechanischen
oder auch hydraulischen Konstruktionen sowie mit hohen Kosten für mechanische Stellglieder
(wie Nockenwellen, Kipphebeln, Steuerstangen usw.) behaftet, was bisher eine weitere
Verbreitung derartige Konstruktionen verhindert hat.
[0004] So ist beispielsweise eine elektromagnetisch betätigte Regelung der Saugventile von
Kolbenkompressoren seit langem bekannt, bei der ein am Dichtelement der Saugventile
angreifender Abhebegreifer über einen am Ventildeckel angebrachten Elektromagneten
bewegt wird, dessen periodische Erregung durch einen Kollektor erfolgt, der sich synchron
mit der Kurbelwelle des Verdichters dreht. Zufolge der teilweise sehr gropen Rückströmkräfte,
die am Dichtelement der Saugventile wirken, sind große Elektromagneten mit entsprechender
Stromaufnahme erforderlich, was zumeist nachteilig und unerwünscht ist. Weiters ist
auch bereits seit langem eine pneumatische Regeleinrichtung zum Offenhalten von Saugventilen
während eines Teiles des Druckhubes bekannt, bei der die Beeinflußung der offenzuhaltenden
Ventile durch das zu verdichtende Gas selbst erfolgt. Die Steuerung erfolgt mittels
Drehschieber, über den mehrere einzelne Zylinder, in denen Greiferkölbchen arbeiten,
periodisch angesteuert werden. Auch dabei stand die Kompliziertheit der Vorrichtung
einer weiteren Verbreitung offenbar entgegen.
[0005] Im Zusammenhang mit der Liefermengenregelung von mit konstanter Drehzahl laufenden
Kolbenverdichtern hat sich zumindest zu einem Teil die sogenannte Rückströmregelung
durch Offenhalten zumindest eines Saugventils je Zylinder über einen bestimmten Bereich
des Verdichtungshubes bewährt, wobei die Druckkräfte bzw. Strömungskräfte des über
das offengehaltene Saugventil rückgeschobenen Gases das Schließorgan des jeweiligen
Saugventils erst nach Überwindung eines gewissen Teiles des Kolbenhubes schließen
können, da von der anderen Seite her dieses Schließorgan mit einer entsprechend der
gewünschten Fördermengenreduzierung eingestellten Gegenkraft beaufschlagt wird. Je
größer diese Gegenkraft ist, desto später schließt das jeweilige Saugventil im Verdichtungshub,
womit die Liefermenge sinkt. Da bei zu groß eingestellter Gegenkraft das Saugventil
irgendwann plötzlich überhaupt nicht mehr schließt, muß der Regelbereich bei dieser
Art der Verdichterregelung nach unten hin begrenzt werden, um einen zwischenzeitlichen
Leerlauf des Verdichters mit allen damit verbundenen Problemen zu vermeiden.
[0006] Im zuletzt genannten Zusammenhang sind auch Ausführungen bekannt, bei denen die Belastungseinrichtung
für das offenzuhaltende Saugventil einfach hydraulisch oder pneumatisch vorgespannt
ist, wobei durch Variation des entsprechenden Vorspanndruckes Einfluß auf die Fördermenge
des Verdichters genommen werden kann.
[0007] Schließlich sind beispielsweise aus der US-PS 3,104.801 bzw. der US-PS 1,798.435
oder der US-PS 2,657.850 Anordnungen der eingangs genannten Art bekannt, bei denen
über zentral angeordnete Drehschieber bzw. Aggregate, die in ihrem Aufbau den bekannten
Dieseleinspritzpumpen ähnlich sind, dem auf das Schließorgan einwirkenden Steuerzylinder
periodisch Druckmedium zugeführt wird, welches am Ende der gewünschten Einflußnahme
auf das Schließorgan des Ventils entsprechend abgesteuert wird. Es sind dabei auch
Ausführungen bekannt, bei denen die Druckmediumzufuhr mittels eines Rückschlagventils
für die Druckentlastung gesperrt ist, sodaß die Entlastung über einen separaten, größeren
Strömungswiderstand aufweisenden Abfluß gedrosselt bzw. gedämpft verläuft.
[0008] Nachteilig bei den bekannten, zuletzt angesprochenen und eingangs erwähnten Vorrichtungen
ist insbesonders der Umstand, daß die erforderlichen hohen Drücke für die periodische
Beeinflußung der Hubbewegung des Schließorganes Probleme im Hinblick auf die zumeist
doch relativ großen Drehzahlen und damit kurzen Perioden der Hubbewegung des Schließorganes
bedingen. So ist leicht einsichtig, daß etwa eine hohe Verdichter- bzw. Kompressordrehzahl
nur sehr kurze Zeitspannen für die periodische Hubbewegung des Schließorganes eines
wie beschrieben zu beeinflußenden Ventils läßt, was bei gewünschten gropen Öffnungsquerschnitten
und einem damit einhergehenden großen Hub des Schließorgans große Hubgeschwindigkeiten
und damit z.B. die Gefahr von Beschädigungen und Brüchen des Schließorganes am Ende
der Hubbewegung mit sich bringt. Die hochperiodischen Druckwellen im über den Steuerzylinder
auf das Schließorgan einwirkenden Druckmedium können über Druckwellenerscheinungen
in den Leitungen zusätzliche Probleme bringen, die insgesamt bis dato einer Verwendung
der bekannten Technologie entgegenstanden.
[0009] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine Vorrichtung sowie ein Verfahren der
eingangs genannten Art so zu verbessern, daß die erwähnten Nachteile der bekannten
Vorrichtungen und Verfahren vermieden werden und daß insbesonders mit einfachen Mitteln
eine Beeinflußung der periodischen Hubbewegung des Schließorganes so erfolgen kann,
daß auch bei großen erforderlichen Drücken des den Steuerzylinder beaufschlagenden
Druckmediums und hochdynamischen Steuervorgängen eine zuverlässige Anordnung geschaffen
wird, die auch über eine lange Betriebsdauer nicht zu den angesprochenen Störungen
neigt.
[0010] Diese Aufgabe wird mit einer Vorrichtung der eingangs genannten Art dadurch gelöst,
daß das Steuerorgan zumindest ein in Zu- und/oder Ableitung des Druckmediums eingeschaltetes
und dieses bzw. dessen Druckauf- und/oder Abbau und damit die Hubbewegung des Schließorgans
zumindest stufenweise variabel beschleunigendes bzw. verzögerndes Steuerelement aufweist.
Die entsprechende Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist dadurch gekennzeichnet,
daß die Druckbeaufschlagung und/oder Entlastung des Schließorgans über dessen Hub
zumindest in Stufen variabel erfolgt. Das genannte Steuerelement kann im einfachsten
Fall beispielsweise bei einem über den Steuerzylinder einen gewissen Teil des Verdichtungshubes
lang offengehaltenen Saugventil eines Kolbenkompressors, die Druckentlastung beispielsweise
so steuern, daß zu Beginn der den Strömungskräften freigegebenen Schließbewegung der
Ventilplatte des Saugventils diese Druckentlastung weitgehend ungedrosselt und damit
die entsprechende Ventilplattenbewegung sehr schnell erfolgt, wogegen vor dem Aufschlagen
der Ventilplatte auf dem Sitz durch Umschaltung eine Drosselung der Druckentlastung
dahingehend stattfinden kann, daß dann ein gebremster und zumindest in Grenzen sanfter
Aufschlag der Ventilplatte auf dem Ventilsitz erfolgt. Ähnliche Bewegungsbeeinflussungen
des Schließorgans des Ventils können aber natürlich auch in Öffnungsrichtung der Ventilplatte
beispielsweise dann sinnvoll sein, wenn das ungebremste Anschlagen der öffnenden Ventilplatte
auf einem Fänger verhindert werden soll.
[0011] Insgesamt kann mit den beschriebenen Merkmalen bzw. Maßnahmen nach der Erfindung
eine weitgehend freie Einflußnahme auf den Druckauf- bzw. -abbau im auf den Steuerzylinder
einwirkenden Druckmedium durchgeführt werden, was eine breite Palette von Beeinflußungsmöglichkeiten
der Bewegungscharakteristik des Schließorganes des zugehörigen Ventils bietet.
[0012] Das Steuerorgan weist in bevorzugter weiterer Ausgestaltung der erfindungsgemäßen
Vorrichtung zumindest ein variabel steuerbares Schaltelement, beispielsweise ein Piezoventil,
mit mehreren Schaltstellungen auf, welches gleichzeitig auch das Steuerelement bildet.
Gemäß einer anderen Weiterbildung der Erfindung kann das Steuerorgan aber auch zumindest
ein separates Schaltelement, vorzugsweise ein Magnetventil oder ein Piezoventil, mit
mehreren Schaltstellungen und ein davon unabhängiges Steuerelement aufweisen. Im ersten
Falle bildet das steuerbare Schaltelement, z.B. über die damit unmittelbar beeinflußbaren
Durchströmquerschnitte zum auf das Schließorgan einwirkenden Steuerzylinder, selbst
auch gleichzeitig das Steuerelement für die variable Beschleunigung bzw. Verzögerung
des Druckauf- bzw. -abbaues, was vorrichtungsmäßig eine relativ einfache und damit
kostengünstige und zuverlässige Konstruktion ermöglicht. Im zweiten Fall ist die Ausbildung
bzw. Anordnung des separaten Schaltelementes eher unkritisch, da damit nur verschiedene
Druckmittelwege angesteuert werden. Erst über das vom Schaltelement konstruktiv unabhängige
Steuerelement werden dann entsprechend der über das Schaltelement vorgenommenen Druckmittelzuleitung
die gewünschten Einwirkungen auf Druckauf-bzw. -abbau vorgenommen. Diese Variante
ist bezüglich Aufbau der Vorrichtung und Ablauf des Verfahrens kostengünstiger und
mit gegenwärtigen Technologien einfacher zu realisieren.
[0013] In besonders bevorzugter weiterer Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Vorrichtung
ist vorgesehen, daß das Steuerelement zumindest einen mittels des Druckmediums bewegbaren
Verdrängerkolben aufweist, welcher ein Umschaltelement zur Umschaltung des Druckmittelstromes
zwischen zumindest zwei unterschiedlich gedrosselten Wegen betätigt. Dies ist eine
sehr einfache mechanische Ausgestaltung des Steuerelementes, mit der beispielsweise
die oben angesprochene Abbremsung der Ventilplatte eines vorerst offen gehaltenen
Saugventils vor dem Auftreffen auf den Ventilsitz bestens bewerkstelligt werden kann.
[0014] Zwischen Steuerorgan und einer vorgeschalteten Druckmittelquelle ist in bevorzugter
weiterer Ausbildung der erfindungsgemäßen Vorrichtung ein Rückschlagventil vorgesehen,
was den Vorteil bietet, daß etwa der Eingangspumpendruck nicht der größten über das
Schließorgan rückwirkenden Kraft entsprechen muß, womit die installierte Pumpenleistung
und auch der Energieverbrauch gesenkt werden können.
[0015] Im Hinblick auf die oben bereits angesprochene Rückströmregelung eines Kolbenverdichters
durch Offenhalten zumindest eines Saugventils über zumindest einen Teilbereich des
Verdichtungshubes mittels Druckbeaufschlagung des Schließorgans des Saugventils ist
eine weitere Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens von Vorteil, gemäß welcher
am Ende des jeweils periodisch offengehaltenen Teilbereichs die Druckentlastung vorerst
zumindest weitgehend ungedrosselt und sodann stärker gedrosselt erfolgt. Damit ergibt
sich auch bei dieser Art der Verdichterregelung der Vorteil, daß das vorerst offengehaltene
Schließorgan nicht unter der Einwirkung der im Freigabezeitpunkt bereits großen Rückströmkräfte
mit allzu großer Geschwindigkeit ungebremst auf den Ventilsitz aufschlägt, was zur
Beschädigung von Ventilsitz und Ventilplatte bzw. auch zu Federbrüchen führen könnte.
[0016] Die zumindest stufenweise variable Druckbeaufschlagung des Schließorgans bzw. des
darauf einwirkenden Steuerzylinders kann in weiterer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen
Verfahrens auch in beide Hubrichtungen erfolgen. Damit ergibt sich praktisch eine
Zwangssteuerung des Schließorganes des jeweiligen Ventils, die aber wesentlich flexibler
und damit beispielsweise für Kolbenverdichter besser geeignet ist als etwa die eingangs
angesprochene mechanische Zwangssteuerung. Auch bei dieser Beeinflussung des Schließorganes
in beide Hubrichtungen bleibt natürlich der Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens,
daß Druckauf- und/oder -abbau und damit die periodische Hubbewegung des Schließorganes
sehr gezielt beeinflußt werden können.
[0017] Die Erfindung wird im folgenden noch anhand der Zeichnung näher erläutert. Fig. 1
bis 4 zeigen dabei schematische Ausführungen der Erfindung, bei der unterschiedliche
Durchflußquerschnitte der Druckmediuman- bzw. -absteuerung und damit variable Beschleunigung
bzw. Verzögerung des Druckauf- bzw. -abbaues über ein Magnetventil oder Piezoventil
mit mehreren Schaltstellungen und einem davon unabhängigen Steuerelement realisiert
werden. Fig. 5 zeigt Verläufe der Geschwindigkeit v bzw. des Druckes p für verschiedene
Arbeitspunkte einer Saugventilsteuerung nach der Erfindung einerseits und dem Stande
der Technik andererseits.
[0018] Bei den in den Fig. 1 bis 4 dargestellten Ausführungsformen wird die Bewegung des
Dichtelementes 12 eines Ventiles, beispielsweise eines nicht weiter dargestellten
Kolbenverdichters, mittels einer geeigneten Vorrichtung 11 (beispielsweise einem sogenannten
Abhebegreifer nach den Fig. 1 und 2) auf einen Steuerkolben 10 eines Steuerzylinders
übertragen. Je nachdem, ob Kräfte in nur einer Richtung oder in beiden möglichen Bewegungsrichtungen
übertragen werden sollen wird der Steuerzylinder 8 als einfach- bzw. doppeltwirkender
Zylinder mit Arbeitsräumen 9 in Fig. 1 und 2 bzw. 9a bzw. 9b in Fig. 3 und 4 ausgeführt.
[0019] Im folgenden sei zunächst nur die Funktion für eine einfach wirkende Variante erläutert,
bei der nur der obere Arbeitsraum 9 mit Druckmittel beaufschlagt wird (Fig. 1 und
2). Eine solche Anordnung ist beispielsweise dazu geeignet, das Schließen von Saugventilen
bzw. das Öffnen von Druckventilen von Kolbenkompressoren in der erfindungsgemäßen
Art zu beeinflußen.
[0020] Ein beispielsweise mit Pumpe, Motor, Tank und einstellbarem Druckbegrenzungsventil
ausgestattetes Hydraulikaggregat 1 versorgt über Zuleitungen 3 ein beispielsweise
magnetisch betätigtes 3/2-Wege-Ventil 5 mit Druckmittel. Solange der Magnet 6 unbestromt
bleibt, drückt eine Feder 7 das Ventil 5 in die gezeichnete Schaltposition. Damit
fließt Druckmittel in den Arbeitsraum 9 des Steuerzylinders 8 und wirkt auf den Steuerkolben
10. Dieser drückt die Kraftübertragungsvorrichtung 11 auf das Dichtelement 12 des
Kompressorventils.
[0021] Im Falle des in Fig. 1 dargestellten Saugventiles wird dadurch das Ventil geöffnet
bzw. falls das Dichtelement 12 bereits am Fänger 14 anliegt in der offenen Position
fixiert. Am Ende des Ansaugtaktes des dem Ventil zugeordneten Kompressorzylinders,
d.h. bei Erreichen des unteren Totpunktes, kehren die auf das Dichtelement 12 vom
Arbeitsmedium des Verdichters ausgeübten Strömungskräfte in ihrer Wirkrichtung um
und versuchen nun das Dichtelement 12 zu schließen. Diese Kräfte werden durch die
Wirkung der allgemein üblichen Schließbefederung 15 des Ventils verstärkt. Der Druck
im Arbeitsraum 9 des Steuerzylinders 8 wächst an und übersteigt dann im allgemeinen
den vom Hydraulikaggregat 1 gelieferten Druck, weil das in der Zuleitung 3 vor dem
3/2-Wege-Ventil 5 eingeschaltete Rückschlagventil 4 den Rückfluß des Druckmittels
sperrt, sodaß die Stellung des Steuerkolbens 10 fixiert bleibt.
[0022] Erst bei Bestromung des Magneten 6 des Ventiles 5 steuert dieses um und gibt den
Rückfluß des Druckmittels frei. Das rückströmende Druckmittel fließt einem Hilfszylinder
16 zu, der einen Kolben 17 und Arbeitsräume 18, 19 aufweist. Der Arbeitsraum 18 des
Hilfszylinders 16 ist im dargestellten Beispiel so gewählt, daß bis auf Verluste über
den Nebenstrom durch die Drossel 21 die Hubbewegung des Kolbens 17 jenen Teil des
Druckmittels aufnimmt, der während des ersten Teils der Bewegung des Steuerkolbens
von diesem verdrängt wird. Das vom Kolben 17 aus dem Arbeitsraum 19 verdrängte Druckmittel
fließt über die Drossel 22 ab, die hier den Strömungswiderstand der Gesamtanordnung
symbolisiert und möglichst verlustarm ausgelegt ist.
[0023] Sobald der Kolben 17 seine Endlage erreicht hat, steht dem vom Steuerkolben 10 aus
dem Steueryzlinder 8 verdrängten Druckmittel nur mehr der Abfluß über die Drossel
21 zur Verfügung, welche hier einen erheblich höheren Widerstand als die Drossel 22
aufweist, sodaß ab diesem Zeitpunkt der Bewegung des Steuerkolbens 10 eine um ein
vielfaches erhöhte Kraft entgegengesetzt wird und damit eine erhebliche Verzögerung
der Bewegung des Dichtelementes 12 eingeleitet wird. Das Dichtelement 12 trifft damit
in der Folge nur mit stark verminderter Geschwindigkeit auf den Ventilsitz 13 auf.
[0024] Je nach Ausführung ist die Kraftübertragungsvorrichtung 11 mit dem Dichtelement 12
starr verbunden oder - wie gemäß Fig. 1 und 2 - nur fallweise in Berührung. In diesem
letzteren Fall hebt die Kraftübertragungsvorrichtung 11 vom Dichtelement 12 ab, sobald
dieses seine Endlage am Sitz 13 erreicht hat. Die Restbewegung der Kraftübertragungsvorrichtung
11 wird zufolge der starken Drosselung des Abströmens des Druckmittels stark gedämpft,
sodaß die Kraftübertragungsvorrichtung 11 sodann auf kürzestem Wege zum Stillstand
gelangt. Es kann damit sicher vermieden werden, daß der Steuerkolben 10 die ihm zugeordnete
Hubbegrenzung tatsächlich erreicht, womit eine Beschädigung des Steuerkolbens 10 bzw.
des zugehörigen Steuerzylinders 8 vermieden wird. Aus Sicherheitsgründen wird eine
derartige Hubbegrenzung beispielsweise konstruktiv so ausgebildet, daß eine hydraulische
Endlagendämpfung gewährleistet ist. Im praktischen Betrieb der Anordnung erreicht
der Steuerkolben 10 diese Endstellung jedoch nicht, sodap damit der bekannte Nachteil
hydraulischer Endlagendämpfungen, nämlich das erschwerte Losbrechen aus der Endlage
bei der Einleitung der Gegenbewegung, vermieden werden kann.
[0025] Sobald der Abfluß von Druckmittel aus dem Arbeitsraum 9 beendet ist, beginnt sich
der Kolben 17 unter der Wirkung der Feder 20 in seine Anfangslage zurückzubewegen.
Diese Feder 20 muß dabei einerseits die Druckkräfte zur Folge des Überströmens vom
Arbeitsraum 19 in den Arbeitsraum 18 durch die Drossel 21 und andererseits die Trägheit
des Kolbens 17 selbst überwinden. Damit ist dann ein Arbeitsspiel der Anordnung abgeschlossen.
[0026] Die Ruhestellung des 3/2-Wege-Ventils 5 ist den Sicherheitserfordernissen gemäß zu
wählen. Vorteilhafterweise gibt dabei das 3/2-Wege-Ventil 5 im stromlosen Zustand
die Verbindung zwischen Steuerzylinder 8 und Hydraulikaggregat 1 frei, sodaß der Steuerkolben
10 in der unteren Lage fixiert wird und der Kompressor im Leerlauf arbeitet.
[0027] Der Vollständigkeit halber ist hier noch auf Druckmittelspeicher 2 bzw. 23 als Pulsationsdämpfer
in Vor- und Rücklauf des Druckmittels zu verweisen, die der Vermeidung von Flüssigkeitsschlägen
und damit verbundenen unerwünschten Rückwirkungen auf die Bewegung des Steuerkolbens
10 und damit auf die Kraftübertragungsvorrichtung 11 und das Dichtelement 12 dienen.
[0028] Im Falle der in Fig. 2 behandelten Ausführung für die Steuerung von Druckventilen
eines Kolbenverdichters wird die Bewegung des Dichtelementes 12 durch den Fänger 14
mittels der Kraftübertragungsvorrichtung 11 auf den Steuerkolben 10 übertragen. Das
3/2-Wege-Ventil 5 gibt in seiner Ruhestellung die Verbindung des Arbeitsraumes 9 des
Steuerzylinders zum Arbeitsraum 18 des Hilfszylinders 16 frei. Sobald die am Dichtelement
angreifenden Gaskräfte die Schließbefederung 15 des Ventiles überwinden, beginnt das
Druckmittel abzufließen. In ähnlicher Weise wie bei der obenstehend für das Saugventil
gemäß Fig. 1 erläuterten Funktion wird die Bewegung des Dichtelementes 12 zunächst
nur wenig gebremst. Erst knapp vor dem Auftreffen auf den Fänger 14 wird der schwach
gedrosselte Abfluß des Druckmittels unterbrochen. Das Druckmittel muß nun die Drossel
21 überwinden, wodurch eine starke Verzögerung der Bewegung des Dichtelementes 12
erreicht wird. In Analogie zur Beschreibung beim Saugventil kann auch hier das Kraftübertragungselement
11 stark gebremst auslaufen.
[0029] Zur Einleitung der Schließbewegung des Dichtelementes 12 wird zu einem zweckmäßig
gewählten Zeitpunkt vor Erreichen des oberen Totpunktes des Verdichterkolbens das
3/2-Wege-Ventil 5 durch Bestromen des Magneten 6 umgeschaltet. Damit kann Druckmittel
zuströmen und das Dichtelement gegen den Ventilsitz 13 drücken. Wesentlich ist dabei,
daß die Zustellbewegung der Kraftübertragungsvorrichtung 11 bei Erreichen des oberen
Totpunktes des Verdichterkolbens zum Großteil bereits erfolgt aber noch nicht ganz
beendet ist. Damit können eine Nachverdichtung des Arbeitsmediums des Kompressors
und dadurch bedingte Zusatzverluste vermieden werden. Andererseits wird damit auch
die Möglichkeit eines Spätschlusses des Dichtelementes 12 und die damit verbundene
Gefahr hoher Auftreffgeschwindigkeiten eingeschränkt. Bei Umkehr der Strömungsrichtung
des verdichteten Gases steht dadurch dem Dichtelement 12 nur mehr ein sehr kleiner
Resthub zur Verfügung, sodaß die aus einem allfälligen Spätschluß resultierende Schließgeschwindigkeit
im Hinblick auf eine allfällige Verschleißerhöhung unbedeutend ist.
[0030] Bezüglich sonstiger Merkmale und Funktionsdetails der in Fig. 2 dargestellten Anordnung
wird zur Vermeidung von Wiederholungen auf die obigen Ausführungen zu Fig. 1 verwiesen.
[0031] Fig. 3 und 4 zeigen Ausführungen mit doppelt wirkendem Steuerzylinder, wobei der
Steuerkolben 10 mit aktiven Arbeitsräumen 9a und 9b zusammenwirkt. In diesen Fällen
sind das Dichtelement 12, die Kraftübertragungsvorrichtung 11 und der Steuerkolben
10 starr miteinander verbunden und beide Bewegungsrichtungen des Steuerkolbens 10
im Steuerzylinder 8 einer variablen Dämpfung unterworfen. Die Einleitung der jeweiligen
Stellbewegung wird durch synchrones Umschalten der 3/2-Wege-Ventile 5a, 5b oder aber
durch Umschalten des 5/2-Wege-Ventils 5 in Fig. 4 eingeleitet. Den am Dichtelement
12 angreifenden Gaskräften wird dann die Stellkraft des mit Druckmittel beaufschlagbaren
jeweiligen Arbeitsraumes des Steuerzylinders hinzugefügt. Damit kann die Bewegung
des Dichtelementes 12 selbst weitgehend unabhängig vom zeitlichen Verlauf der Gaskräfte
eingestellt werden, womit beispielsweise eine vollständige Zwangssteuerung von Kompressorventilen
realisiert werden kann.
[0032] Bezüglich der sonstigen Merkmale und Funktionsdetails der in den Fig. 3 und 4 dargestellten
Ausführungen wird zur Vermeidung von Wiederholungen auf die entsprechenden Ausführungen
zu den Fig. 1 und 2 verwiesen - mit a bzw. b sind jeweils die unterschiedlichen Ausführungen
bzw. Anordnungen der Schließorgane 12 für Saugventil einerseits bzw. Druckventil andererseits
angedeutet.
[0033] Fig. 5a stellt Verläufe der Geschwindigkeit v der Kraftübertragungsvorrichtung 11
bzw. des Dichtelementes 12 während eines Verdichtungstaktes der Dauer T für verschiedene
Arbeitspunkte einer Saugventilsteuerung dar. Kurven 1.1 und 1.2 gelten dabei für Vollast
- Kurven 2.1, 2.2 und 3.1 bzw. 3.2 für Teillast. Die Kurven sind auf die maximale
Auftreffgeschwindigkeit v-max des Dichtelementes 12 am Ventilsitz (ermittelt über
alle Lastfälle) bezogen.
[0034] In Fig. 5b sind die entsprechenden Verläufe des Druckes p im Arbeitsraum des Verdichters
über der Zeit t abgebildet. Die mit 1.1, 2.1 und 3.1 bezeichneten Kurven repräsentieren
dabei das Verhalten einer Kompressorstufe, deren Saugventile mit variabler Bewegungsdämpfung
ausgestattet sind. Die strichlierten Kurven, welche mit 1.2, 2.2 und 3.2 markiert
sind, stehen für Saugventile mit konstanter Bewegungsdämpfung (nach dem Stande der
Technik) wobei die Dämpfung so ausgelegt ist, daß die maximale Auftreffgeschwindigkeit
des Dichtelementes 12 auf den Ventilsitz für variable und konstante Dämpfung etwa
gleich groß ist.
[0035] Die Kurven 1.1 und 1.2 gelten für den Fall, daß die Schließbewegung des Dichtelementes
12 im unteren Totpunkt des jeweiligen Kompressorzylinders durch Umschalten des Steuerelementes
eingeleitet wird. Mit steigender Kolbengeschwindigkeit und beginnender Verdichtung
übt das Arbeitsmedium des Kompressors eine zunehmende Schließkraft auf das Dichtelement
12 aus, der die Kraft der Schließfedern 15 (siehe Fig. 1 und 2) überlagert ist. Im
Falle der variablen Dämpfung kann das Druckmittel zunächst nahezu ungedämpft abströmen,
sodaß die Schließkraft weitgehend zur Beschleunigung von Dichtelement und Kraftübertragungsvorrichtung
zur Verfügung steht. Bei konstanter Dämpfung muß die Drossel um ein vielfaches kleiner
gewählt werden, sodaß am Anfang ein Gutteil der Schließkraft zur Überwindung der Drosselwiderstände
benötigt wird. Dementsprechend nähert sich das Dichtelement bei variabler Dämpfung
gemäß der vorliegenden Erfindung rascher dem Ventilsitz als bei der konstanten Dämpfung
nach dem Stande der Technik.
[0036] In einem Abstand von etwa 20 % des Hubweges vom Sitz wird bei der variablen Dämpfung
die Drosselung des Druckmittelabflusses um ein Vielfaches erhöht, sodaß der Bewegung
plötzlich wesentlich mehr Widerstand entgegengesetzt und diese entsprechend verzögert
wird. Das Dichtelement fährt sodann mit erheblich reduzierter Geschwindigkeit auf
den Sitz, die Kraftübertragungsvorrichtung hebt vom Dichtelement ab und verliert danach
in beschriebener Weise rasch an Geschwindigkeit.
[0037] Gleiche Auftreffgeschwindigkeit des Dichtelementes in beiden Fällen vorausgesetzt
dauert also der Schließvorgang bei konstanter Dämpfung wesentlich länger als bei variabler
Dämpfung. Während der Dauer des Schließvorganges strömt das zu verdichtende Gas zurück,
wodurch sich einerseits ein unerwünschter Verlust an Liefermenge und andererseits
zusätzliche Arbeitsverluste ergeben, was beispielsweise aus Fig. 5b durch Vergleich
der Kurven 1.1 und 1.2 einfach entnommen werden kann.
[0038] Erfolgt die Betätigung des Steuerelementes zu einem späteren Zeitpunkt (Kurven 2.1,
2.2, 3.1 und 3.2) so reduziert sich die Fördermenge und damit die vom Kompressor aufgenommene
Antriebsleistung.
[0039] In allen dargestellten und besprochenen Ausführungsbeispielen ist nur die variable
Drosselung der Druckentlastung der Arbeitsräume des Steuerzylinders realisiert bzw.
angesprochen. Davon abgesehen wäre es natürlich auch möglich, den Druckaufbau im jeweiligen
Arbeitsraum des Steuerzylinders variabel zu gestalten, um beispielsweise am Beginn
des entsprechenden Arbeitshubes dieses Steuerzylinders eine größere Verstellgeschwindigkeit
als am Ende zur Verfügung zu haben. Auch kann es abweichend von den beschriebenen
Ausführungsformen durchaus für verschiedene Anwendungsfälle vorteilhaft sein, beispielsweise
am Anfang des jeweiligen Hubes des Steuerzylinders kleinere Verstellgeschwindigkeiten
und dann gegen Ende zu größere zur Verfügung zu haben. Auch Mischformen mit abgestuften
bzw. variablen Geschwindigkeitserhöhungen und Verringerungen über den gesamten Hub
des Steuerzylinders sind möglich und gemäß der vorliegenden Erfindung einfach zu realisieren.
[0040] Weiters können mit entsprechend schnell schaltenden Steuerorganen bzw. Schaltelementen
beispielsweise in Kombination mit geeigneten Drucksensoren auch Lösungen realisiert
werden, bei denen Druckwellen im Druckmedium entweder eliminiert oder entsprechend
beeinflußt bzw. auch verstärkt werden können, sodaß vielfältigste Einflußnahmen auf
die Bewegungscharakteristik der gesteuerten Schließorgane möglich sind.
1. Vorrichtung zur Beeinflußung der periodischen Hubbewegung des Schließorganes eines
Ventils, insbesonders der Ventilplatte(n) eines Ventils eines Kolbenkompressors, mit
zumindest einem in Hubrichtung auf das Schließorgan einwirkenden Steuerzylinder, der
über ein Steuerorgan periodisch mit Druckmedium beaufschlagbar und entlastbar ist,
dadurch gekennzeichnet, daß das Steuerorgan (5, 16) zumindest ein in Zu- und/oder Ableitung (3, 24) des
Druckmediums eingeschaltetes und dieses bzw. dessen Druckauf- und/oder -abbau und
damit die Hubbewegung des Schließorgans (12) zumindest stufenweise variabel beschleunigendes
bzw. verzögerndes Steuerelement (16) aufweist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Steuerorgan (5, 16) zumindest
ein variabel steuerbares Schaltelement (5), beispielsweise ein Piezoventil, mit mehreren
Schaltstellungen aufweist, welches gleichzeitig auch das Steuerelement (16) bildet.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Steuerorgan (5, 16) zumindest
ein separates Schaltelement (5), vorzugsweise ein Magnetventil oder ein Piezoventil,
mit mehreren Schaltstellungen und ein davon unabhängiges Steuerelement (16) aufweist.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Steuerelement (16) zumindest
einen mittels des Druckmediums bewegbaren Verdrängerkolben (17) aufweist, welcher
ein Umschaltelement zur Umschaltung des Druckmittelstromes zwischen zumindest zwei
unterschiedlich gedrosselten Wegen betätigt.
5. Vorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
daß zwischen Steuerorgan (5, 16) und einer vorgeschalteten Druckmittelquelle (1) ein
Rückschlagventil (4) vorgesehen ist
6. Verfahren zur Beeinflussung der periodischen Hubbewegung des Schließorgans eines Ventils,
insbesonders der Ventilplatte(n) eines Ventils eines Kolbenkompressors, wobei das
Schließorgan bzw. ein darauf einwirkender Steuerzylinder periodisch mit Druckmedium
beaufschlagt und entlastet wird, dadurch gekennzeichnet, daß die Druckbeaufschlagung
und/oder -entlastung des Schließorgans über dessen Hub zumindest in Stufen variabel
erfolgt.
7. Verfahren nach Anspruch 6 zur Rückströmregelung eines Kolbenverdichters durch Offenhalten
zumindest eines Saugventils über zumindest einen Teilbereich des Verdichtungshubes
mittels Druckbeaufschlagung des Schließorgans des Saugventils, dadurch gekennzeichnet,
daß am Ende des jeweils periodisch offengehaltenen Teilbereiches die Druckentlastung
vorerst zumindest weitgehend ungedrosselt und sodann stärker gedrosselt erfolgt.
8. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß die zumindest stufenweise
variable Druckbeaufschlagung des Schließorgans bzw. des darauf einwirkenden Steuerzylinders
in beide Hubrichtungen erfolgt.