[0001] Die Erfindung betrifft einen Stuhl, Hocker oder dergleichen mit einem Sitz, der auf
einem Untergestell nach mehreren Seiten neigbar befestigt ist, wobei die Neigbarkeit
durch mindestens vier elastisch verformbare Pufferelemente sichergestellt ist, die
zwischen den Sitz bzw. mit dem Sitz fest verbundene Teile und das Untergestell bzw.
mit dem Untergestell fest verbundene Teile eingesetzt sind.
[0002] Bekannt ist schon (EP 0 579 097 A1) die Verbindung eines Sitzes mit seinem Untergestell,
das auf einer Säule eine Kugel trägt, die als Verbindungsgelenk zu einer mit dem Sitz
verbundenen Befestigungsplatte dient. Dabei sind außerhalb der Kugel vertikale Zugstangen
eingesetzt, die über elastisch verformbare Pufferelemente eine Neigbarkeit des Sitzes
gegenüber dem Untergestell in alle Richtungen unter Einfluß der Bewegungskräfte des
Benutzers ermöglichen. Diese Aufhängung ist aber steif und läßt deshalb nur geringe
Neigungen unter erheblichen Kräften zu. Trotzdem ist die Konstruktion der Verbindung
zwischen Untergestell und Sitz aufwendig und kompliziert.
[0003] Aufgabe der Erfindung ist es, eine einfache und preisgünstige Form einer solchen
Verbindung vorzuschlagen, die dennoch eine komfortable Beweglichkeit bietet. Diese
Aufgabe wird durch die in den Ansprüchen gekennzeichnete Erfindung gelöst.
[0004] Man erkennt, daß hier eine äußerst einfache Konstruktion gewählt ist, bei der
- von der Unterseite des Sitzes zu einem Abstand voneinander angeordnete und zueinander
parallele Flansche nach unten vorstehen,
- vom Untergestell zu einem Abstand voneinander angeordnete und zueinander parallele
Flansche nach oben vorstehen,
- die Sitzflansche und die Untergestellflansche auch untereinander parallel sind und
einen Abstand voneinander aufweisen,
- und die elastischen Pufferelemente mit ihrer Achse zumindest nahezu horizontal jeweils
zwischen einem Sitzflansch und einem Untergestellflansch angeordnet sind.
[0005] Es ist also unabhängig davon, ob die Flansche einstückig mit der Sitzplatte oder
dem Untergestell ausgebildet oder als eigene Teile geformt und mit diesen verbunden
sind, ein äußerst einfacher Aufbau erzielt. Dennoch ergeben die vier elastischen Pufferelemente
dabei eine komfortable Beweglichkeit des Sitzes. Dieser kann durch entsprechende Krafteinleitung
durch den Benutzer und unter entsprechender Verformung der elastischen Pufferelemente
nach vorne gekippt, nach hinten abgesenkt, aber auch seitlich gekippt werden. Bei
Ende der Krafteinwirkung stellt sich der Sitz von selbst zurück. Eine pendelnde Beweglichkeit
des Sitzes wird u. a. von Schulmedizinern empfohlen. Sie ermöglicht einen durchblutungsfördernden
Haltungswechsel und andererseits über die Vorneigung des Sitzes eine lordosierende
Aufrichtung der Wirbelsäule.
[0006] Besonders zweckmäßig ist es natürlich, wenn die Flansche in Längsrichtung des Sitzes
und die Pufferelemente quer zu dieser angeordnet sind. Handelt es sich bei den Pufferelementen
um die bekannten zylindrischen Metallgummilager (Megipuffer), dann ergibt sich bei
dieser Anordnung eine Neigbarkeit nach vorne (Sitzvorderkante) bzw. hinten (Rückenlehne)
von + 7° bis ./. 7°. Die Neigbarkeit nach den Seiten ist geringer. Hier wird aber
auch ein derart großer Bewegungsspielraum nicht benötigt.
[0007] Besonders preisgünstig ist die erfindungsgemäße Verbindung von Sitz und Untergestell
dann, wenn auf der Unterseite des Sitzes eine im Querschnitt U-förmige Befestigungsplatte
befestigt wird und am oberen Ende des Untergestells ein im Querschnitt ebenfalls U-förmiger
Sitzträger angeordnet wird. Die Teile können einfach und preiswert hergestellt und
assembliert werden. Überdies ist bei dieser Ausbildung durch das Eingreifen des einen
Teils in den anderen gleichzeitig für die Begrenzung der Pendelbewegung durch Anschlag
gesorgt. Es kann dabei der Kippwinkel durch entsprechende Wahl der Befestigungsanordnung
für die elastischen Pufferelemente frei vorbestimmt werden.
[0008] Häufig wird gewünscht, daß die Rückenlehne die Pendelbewegungen des Sitzes mitmacht.
Hierfür genügt es bei dem erfindungsgemäßen Stuhl, die Rückenlehne mit dem Sitz oder
der an dessen Unterseite vorgesehenen Befestigungsplatte zu verbinden. Selbstverständlich
kann hierfür die Rückenlehne mit dem Sitz auch einstückig sein. Weitere Einzelheiten,
Vorteile und Merkmale ergeben sich aus der folgenden Beschreibung der Figuren, die
ein Ausführungsbeispiel der Erfindung zeigen:
- Fig. 1
- zeigt eine perspektivisch von unten gesehene Explosionsansicht einer ersten Ausführungform,
- Fig. 2
- zeigt eine schematische Seitenansicht eines vollständigen Stuhls nach der Ausführungsform
von Fig. 1.
[0009] Die Figuren zeigen ein Untergestell 10 mit einer zentralen Säule 12 und Abstützung
auf dem Boden über ein fünfrolliges Sicherheitsgestell 14. Selbstverständlich kann
der Stuhl oder Hocker stattdessen auch ein Vierbeiner sein, einen starren Mittelfuß
oder irgendeine andere übliche Bodenabstützung über Bügel oder dergleichen haben.
Die Art der Bodenabstützung ist beliebig und hat mit der Erfindung nichts zu tun.
Selbstverständlich kann das Untergestell auch eine Höhenverstellung enthalten, wenn
dies gewünscht wird.
[0010] Am oberen Ende der Säule 12 ist ein Sitzträger 16 befestigt. Dieser ist im Querschnitt
U-förmig und weist entsprechend eine Bodenplatte 18 auf, von der sich zwei seitliche
Wangen 20, 20' nach oben erstrecken. Die Wangen stehen senkrecht auf der Bodenplatte
18 des Sitzträgers 16 und sind untereinander parallel. Aus Fig. 1 und 2 erkennt man
überdies, daß die Wangen 20, 20' auch zur Längsrichtung des Sitzes parallel angeordnet
sind.
[0011] Der Sitz 22 weist auf seiner Unterseite in Entsprechung hierzu eine Befestigungsplatte
24 auf. Auch die Befestigungsplatte 24 ist im Querschnitt U-förmig. Von ihrer mittigen
Dachplatte 26, die mit Hilfe von Schrauben 28 auf der Unterseite des Sitzes 22 befestigt
ist, erstrecken sich zwei seitliche Wangen 30, 30' senkrecht nach unten. Auch die
Wangen 30, 30' sind untereinander und zur Längsrichtung des Sitzes 22 parallel. Sie
weisen aber voneinander einen größeren Abstand auf als die seitlichen Wangen 20, 20'
des Sitzträgers 16. Dieser kann so mit seinen Wangen 20, 20' zwischen die Wangen 30,
30' der Befestigungsplatte 24 eingreifen.
[0012] Dabei ist der Abstand der Wangen 20, 20' des Sitzträgers 16 auf den Abstand der Wangen
30, 30' der Befestigungsplatte 24 so abgestimmt, daß auf beiden Seiten, also einerseits
zwischen die Wangen 20 und 30, andererseits zwischen die Wangen 20' und 30' noch je
ein elastisches Pufferelement 32 eingesetzt werden kann, wie das in Fig. 1 zu erkennen
ist.
[0013] Zur Befestigung der Pufferelemente 32 dienen von den Wangen 20, 20' bzw. 30, 30'
in Querrichtung vorstehende Stifte 34, die in eine Zentralbohrung des elastischen
Pufferelementes 32 eingreifen Eine besonders einfache Herstellung und Positionierung
ergibt sich natürlich auf die in der Figur gezeigte Weise dann, wenn die Stifte 34
Querbohrungen 36 der Wangen 20, 20', 30, 30' durchsetzen.
[0014] Die Positionierung der Querbohrungen 36 bzw. die Dimensionierung der Wangen 20, 20'
bzw. 30, 30' und ihrer Relativlage ergibt überdies ohne jeden zusätzlichen baulichen
Aufwand eine erwünschte Anschlagwirkung zur Begrenzung der Pendelbewegung. Damit werden
Überbeanspruchungen der Pufferelemente vermieden und es wird überdies auf einfachste
Weise eine Begrenzung der Pendelbewegung erreicht, die die Pufferelemente 32 ermöglichen.
Dies geschieht folgendermaßen: Beim gezeigten Ausführungsbeispiel greift der Sitzträger
16 mit seinen Wangen 20, 20' zwischen die Wangen 30, 30' der Befestigungsplatte 24
am Sitz 22 ein. Unabhängig davon, in welcher Richtung die Pendelbewegung gerade erfolgt,
laufen deshalb die Oberkanten der Wangen 20, 20' früher oder später auf der Dachplatte
26 auf, die die Wangen 30, 30' verbindet. Die Dachplatte 26 dient so als Anschlag
und begrenzt die Pendelbewegung.
[0015] Fig. 2 zeigt strichliert den sich dabei ergebenden möglichen Bewegungsspielraum.
Dabei ist in Fig. 2 ein Ausführungsbeispiel gezeigt, bei dem eine Rückenlehne 38 mit
dem Sitz 22 einstückig ist. Es kann deshalb in diesem Ausführungsbeispiel die Gesamtheit
von Sitz und Rückenlehne, wie strichliert angedeutet, in einem Bewegungsspielraum
von + 7° bis ./. 7° nach vorne bzw. hinten gekippt werden. Selbstverständlich ergibt
sich, wenn dies gewünscht wird, durch eine Relativkippbarkeit der Rückenlehne 38 bezüglich
des Sitzes 22 noch eine zusätzliche Beweglichkeit der Rückenlehne 38. Auch kann die
Rückenlehne statt mit dem Sitz 22 mit der Befestigungsplatte 24 verbunden sein.
[0016] Der gezeigte Stuhl weist somit trotz einfachster und preisgünstiger Konstruktionselemente
eine wohldefinierte erhebliche Beweglichkeit des Sitzes nach allen Seiten auf.
Bezugszeichenliste:
[0017]
- 10
- Untergestell
- 12
- Säule
- 14
- Sicherheitsgestell
- 16
- Sitzträger
- 18
- Bodenplatte
- 20, 20'
- Wangen (von 16)
- 22
- Sitz
- 24
- Befestigungsplatte
- 26
- Dachplatte
- 28
- Schrauben
- 30, 30'
- Wangen (von 24)
- 32
- Pufferelemente
- 34
- Stifte
- 36
- Querbohrungen
- 38
- Rückenlehne
1. Stuhl, Hocker oder dergleichen mit einem Sitz (22), der auf einem Untergestell (10)
nach mehreren Seiten neigbar befestigt ist, wobei die Neigbarkeit durch mindestens
vier elastisch verformbare Pufferelemente (32) sichergestellt ist, die zwischen den
Sitz bzw. mit dem Sitz fest verbundene Teile und das Untergestell bzw. mit dem Untergestell
fest verbundene Teile eingesetzt sind, dadurch gekennzeichnet,
daß von der Unterseite des Sitzes (22) zwei in Abstand voneinander angeordnete
und zueinander parallele Flansche (Wangen 30, 30') nach unten vorstehen,
daß vom Untergestell (10) zwei in Abstand voneinander angeordnete und zueinander
parallele Flansche (Wangen 20, 20') nach oben vorstehen,
daß die Sitzflansche und die Untergestellflansche auch untereinander parallel sind
und einen Abstand voneinander aufweisen,
und daß die elastischen Pufferelemente (32) mit ihrer Achse zumindest nahezu horizontal
jeweils zwischen einen Sitzflansch (30, 30') und einen Untergestellflansch (20, 20')
angeordnet sind.
2. Stuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die Flansche (20, 20'; 30, 30') in Längsrichtung des Sitzes (22) und die Pufferelemente
(32) quer zu dieser angeordnet sind.
3. Stuhl nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß die Pufferelemente (32) zylindrische Metallgummilager (Megipuffer) sind.
4. Stuhl nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß zur Verbindung der Pufferelemente
(32) mit Sitzflansch (30) und Untergestellflansch (20) an diesen vorgesehene Stifte
(34) dienen, deren über die Flanschwand vorstehende Länge die halbe Länge des zylindrischen
Metallgummilagers unterschreitet.
5. Stuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
daß die beiden Sitzflansche (30, 30') und die beiden Untergestellflansche (20,
20') jeweils Wangen einer im Querschnitt U-förmigen Befestigungsplatte (24) auf der
Unterseite des Sitzes (22) bzw. eines Sitzträgers (16) am oberen Ende des Untergestells
(10) sind.
6. Stuhl nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet,
daß die Wangen (20, 20') des Sitzträgers (16) voneinander einen Abstand haben,
der gleich dem Abstand der Wangen (30, 30') der Befestigungsplatte (24) abzüglich
der doppelten Länge eines elastischen Pufferelementes (32) ist.
7. Stuhl nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet,
daß die die beiden Wangen (30, 30') verbindende Dachplatte (26) der Befestigungsplatte
(24) am Sitz von der Oberkante der Wangen (20, 20') am Sitzträger (16) einen Abstand
hat, der einerseits die Pendelbewegung in alle Richtungen erlaubt, andererseits aber
als Begrenzungsanschlag dieser Pendelbewegung dient.
8. Stuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet,
daß die Rückenlehne (38) für die Pendelbewegung mit dem Sitz (22) gekoppelt ist.
9. Stuhl nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet,
daß die Rückenlehne (38) mit der Befestigungsplatte (24) verbunden ist.
10. Stuhl nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet,
daß die Rückenlehne (38) mit dem Sitz (22) einstückig ist.