[0001] Die Erfindung betrifft eine Motorbremse für eine Dieselbrennkraftmaschine gemäß den
im Oberbegriff des Patentanspruchs 1 angegebenen Merkmalen.
[0002] Motorbremssysteme für Nutzfahrzeugbrennkraftmaschinen mit einer in der Abgasleitung
gesteuerten Motorbremsklappe sind hinreichend bekannt. Darüber hinaus sind zur weiteren
Steigerung der Motorbremsleistung Konstantdrosseln als Dekompressionsventile bekannt,
die während der Motorbremsphase ständig geöffnet sind.
[0003] In der DE 39 04 497 C1 ist eine Dekompressionsbremse beschrieben, die aus einer hydraulischen
Betätigungsvorrichtung mit einem Hydraulikkolben und Hydraulikzylinder zur Steuerung
eines auslaßseitigen Gaswechselventiles der Brennkraftmaschine besteht. Die Betätigung
der hydraulischen Vorrichtung und damit des Auslaßventiles erfolgt durch die motoreigene
Einspritzpumpe, indem die Strömungsverbindung zur Einspritzdüse durch eine Wegesteuerung
unterbrochen, jedoch zur hydraulischen Vorrichtung beim Verdichtungstakt des Zünd-0T
freigegeben wird. Das Auslaßventil wird um einen Spalt geöffnet und die durch die
Brennkraftmaschine während des Kompressionshubes absorbierte Energie nicht an die
Brennkraftmaschine während des Expansionshubes zurückgegeben.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, das Motorbremssystem der gattungsgemäßen
Art dahingehend zu verbessern, daß über den gesamten Drehzahlbereich der Brennkraftmaschine
eine den Erfordernissen optimal angepaßte und frei wählbare Bremsleistung erreicht
wird.
[0005] Zur Lösung der Aufgabe dienen die im Kennzeichen des Patentanspruchs 1 angegebenen
Merkmale.
[0006] Zur Betätigung des Dekompressionsventiles einen für magnetventilgesteuerte Einspritzventile
vorgesehenen gemeinsamen Kraftstoffhochdruckspeicher (Common-Rail) heranzuziehen,
der zugleich auch Teil des Einspritzsystems der Brennkraftmaschine darstellt, wird
eine frei wählbare Bremsleistung durch Steuerung des Öffnungs- bzw. Schließzeitpunktes
des Dekompressionsventiles oder durch Regelung des Raildrucks ermöglicht, wobei vorausgesetzt
wird, daß in der Motorbremsphase keine Einspritzungen erfolgen. Ferner ist eine selektive
Aktivierung einzelner Zylinder der Brennkraftmaschine durchführbar. Somit ist durch
eine gezielte Ansteuerung des Dekompressionsventiles über den ganzen Drehzahlbereich
der Brennkraftmaschine eine optimale Bremsleistung erreichbar.
[0007] In den Unteransprüchen sind noch förderliche Weiterbildungen der Erfindung angegeben.
[0008] Die Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und anhand von drei Ausführungsbeispielen
im folgenden näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- ein erfindungsgemäßes Motorbremssystem mit einem separaten Dekompressionsventil in
Einfachausführung,
- Fig. 2
- das Motorbremssystem mit einem zusätzlichen Steuerkolben, der mit dem Dekompressionsventil
in Wirkverbindung steht und
- Fig. 3
- das Dekompressionsventil, das zugleich auslaßseitiges Gaswechselventil ist.
[0009] In Fig. 1 ist ein einfaches Motorbremssystem für eine Dieselbrennkraftmaschine gezeigt,
bei der eine geregelte Hochdruckpumpe 1 Kraftstoff unter hohem Druck ständig in einen
Kraftstoffhochdruckspeicher fördert, der als gemeinsame Versorgungsleitung 2 (Common-Rail)
für magnetventilgesteuerte Einspritzventile 3 ausgebildet ist.
[0010] Für jeden Zylinder ist neben dem Einspritzventil 3 und den den Gaswechsel steuernden
Einlaß- und Auslaßventilen (nicht näher dargestellt) ein Dekompressionsventil 4 als
zusätzliches Auslaßventil vorgesehen, das auf seiner Rückseite einen Betätigungskolben
5 mit einer das Dekompressionsventil 4 in seine Schließlage rückführenden Rückstellfeder
6 aufweist. Der Betätigungskolben 5 begrenzt einen Arbeitsraum 7, der durch ein von
einem Steuergerät 8 elektronisch betätigtes Steuerventil 9 als 3/2-Wegeventil mit
der gemeinsamen Versorgungsleitung 2 über eine Steuerleitung 10 verbindbar ist.
[0011] Das 3/2-Wegeventil steuert die Strömungsverbindung von der gemeinsamen Versorgungsleitung
2 zum Arbeitsraum 7 des Dekompressionsventiles 4 oder von dem Arbeitsraum 7 zum Niederdrucksystem
über eine Niederdruckleitung 11. Die gemeinsame Versorgungsleitung 2 ist mit sämtlichen
Einspritzventilen 3 zumindest einer Zylinderreihe der Brennkraftmaschine über Einspritzleitungen
12 und zusätzlich mit sämtlichen Dekompressionsventilen 4 dieser Zylinderreihe über
die von den Einspritzleitungen 12 abzweigenden Steuerleitungen 10 verbunden, welche
auch direkt von der Versorgungsleitung 2 wegführen können. Mit 13 ist eine von der
Hochdruckpumpe 1 ausgehende und zur gemeinsamen Versorgungsleitung 2 führende Kraftstoffzuführleitung
bezeichnet.
[0012] In Fig. 2 ist ein Ausführungsbeispiel gezeigt, bei dem ein mit dem Dekompressionsventil
4 in Wirkverbindung stehender Steuerkolben 14 angeordnet ist, dessen Kolbenboden 15
einen oberen Druckraum 16 begrenzt, welcher über das als 3/2-Wegeventil mit der gemeinsamen
Versorgungsleitung 2 verbindbar ist. Der Steuerkolben 14 weist einen stufig ausgebildeten
Steuerschieber mit einer ringförmigen Steuernut 18 im durchmessermäßig größeren Schieberteil
17 auf, während der dem Dekompressionsventil 4 zugewandte kleinere Schieberteil 19
gemeinsam mit einem Hydraulikzylinder 20 einen Ringzwischenraum 21 bildet, in den
ein Leitungsabschnitt 10a der gabelförmig verlaufenden Steuerleitung 10 einmündet.
Der andere Leitungsabschnitt 10b führt unter Zwischenschaltung des 3/2-Wegeventiles
9 in den Druckraum 16.
[0013] Der kleinere Schieberteil 19 weist eine kegelförmige Sitzfläche 23 auf, die auf einem
entsprechend angepaßten Ventilsitz 24 aufliegt. In der dargestellten Ausführung ist
die strömungsverbindung von dem Leitungsabschnitt 10a über eine Verbindungsleitung
25 zum Arbeitsraum 7 des Dekompressionsventiles 4 unterbrochen. Der Steuerkolben 14
wird in Schließstellung gehalten, da die Druckangriffsfläche des Kolbenbodens 15 größer
ist als die den Druckraum 16 begrenzende Druckschulter 26 am Kolbenschaft 17.
[0014] Wird der Druckraum 16 über das 3/2-Wegeventil 9 druckentlastet, was über die Verbindung
zur Niederdruckleitung 11 erfolgt, so öffnet der Steuerkolben 14 unterstützt durch
eine Druckfeder 27 den Zulauf zum Betätigungskolben 5 des Dekompressionsventiles 4,
das von seinem Ventilsitz 28 abhebt. Der Zylinderdruck wird abgebaut.
[0015] Der Rücklauf, der über eine mit der Steuernut 18 am Steuerschieber 17 zusammenwirkende
Rücklaufleitung 29 erfolgt, die einerseits mit der Verbindungsleitung 25 und andererseits
mit der Niederdruckleitung 11 verbunden ist, wird dabei durch den Schieberteil 17
unterbrochen.
[0016] Sobald das Magnetventil 9 wieder umgeschaltet wird, wird der Steuerkolben 14 mit
Druck beaufschlagt und der Zulauf zum Betätigungskolben 5 des Dekompressionsventiles
4 geschlossen und gleichzeitig der Rücklauf über die Steuernut 18 geöffnet. Der Arbeitsraum
7 wird druckentlastet und das Dekompressionsventil 4 durch die Rückstellfeder 6 geschlossen.
[0017] Diese Ausführung gemäß Fig. 2 hat gegenüber dem Beispiel nach Fig. 1 den Vorteil,
daß durch die zusätzliche Anordnung eines Steuerkolbens zur Beaufschlagung des Dekompressionsventiles
kleinere Steuermengen realisierbar und damit der Einsatz kleinerer Magnetventile möglich
ist.
[0018] Bei dem Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 3 entsprechen die Leitungsanordnungen und
-verbindungen dem Ausführungsbeispiel nach Fig. 2, jedoch ist das Dekompressionsventil
4 zugleich das auslaßseitige Gaswechselventil.
Die Betätigung des Ventiles als Gaswechselventil erfolgt in üblicher Weise rein mechanisch
über einen nockenbetätigten Kipphebel 30, der im Ventilschaft 31 zwischengeschaltet
und bei Aktivierung des Ventiles als Dekompressionsventil von der mechanischen Betätigung
abkoppelbar ist, das bedeutet, daß bei geöffnetem Ventil der Kipphebel 30 eine Ventilbetätigungsstellung
einnimmt, bei der die nockenbetätigte Stößelstange 31 leerläuft.
[0019] Das schnell schaltende 3/2-Wegeventil 9 wird von dem elektronischen Steuergerät 8
angesteuert, das Signale, wie Drehzahl n, Last L Synchronisation S, Druck P in der
gemeinsamen Versorgungsleitung 2 sowie sonstige Signal zu einem Steuersignal für die
Magnetsteuerung des Dekompressionsventiles 4 verarbeitet. Die entsprechenden Sensoren
sind mit 32, 33, 34 und 35 bezeichnet.
[0020] Die Regelung der Bremsleistung kann durch Regelung des Druckes im Kraftstoffdruckspeicher
bzw. des Raildruckes, durch Steuerung des Öffnungs- bzw. Schließzeitpunktes oder durch
selektive Aktivierung einzelner Zylinder der Brennkraftmaschine erfolgen.
1. Motorbremse für eine Dieselbrennkraftmaschine mit mindestens jeweils einem pro Zylinder
angeordneten und den Gaswechsel steuernden Einlaß- und Auslaßventil sowie mit einer
den Kraftstoff fördernden Hochdruckpumpe und einem Einspritzventil mit daran angeschlossener
Einspritzleitung und einer von dieser abzweigenden Steuerleitung mit einem von einem
Steuergerät schaltbaren Steuerventil zur Aktivierung eines Dekompressionsventiles
beim Verdichtungstakt im Bereich des Zünd-0T,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Dekompressionsventil (4) zur Aktivierung durch das stromab der Abzweigung
angeordnete Steuerventil (9) mit einem für alle magnetventilgesteuerten Einspritzventile
(3) bestimmten gemeinsamen Kraftstoffhochdruckspeicher (2) (Common-Rail) verbindbar
ist und die Verbindung vom Kraftstoffhochdruckspeicher zum jeweiligen Einspritzventil
(3) stets erhalten bleibt.
2. Motorbremse nach Anspruch 1, mit einem in einem Hydraulikzylinder geführten und einen
Arbeitsraum begrenzenden Betätigungskolben am Dekompressionsventil,
dadurch gekennzeichnet,
daß das als 3/2-Wegeventil ausgebildete Steuerventil (9) entweder eine Strömungsverbindung
von dem Kraftstoffhochdruckspeicher (2) zum Dekompressionsventil (4) oder eine Strömungsverbindung
von dem Dekompressionsventil (4) zum Niederdrucksystem freigibt.
3. Motorbremse nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein stromab des 3/2-Wegeventiles verlaufender Abschnitt der Steuerleitung (10)
direkt in den von dem Betätigungskolben (5) begrenzten Arbeitsraum (7) einmündet.
4. Motorbremse nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß sich die Steuerleitung (10) in Leitungsabschnitte (10a,10b) gabelt, von denen
der das 3/2-Wegeventil enthaltende erste Leitungsabschnitt (10b) in einen von einem
Steuerkolben (14) mit Steuerschieber (17,19) begrenzten Druckraum (16) und der zweite
Leitungsabschnitt (10a) in einen den Steuerschieber umgebenden und mit dem Dekompressionsventil
(4) verbindbaren Ringzwischenraum (21) mündet.
5. Motorbremse nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß der kleinere Schieberteil (19) des stufig ausgebildeten Steuerschiebers mit seiner
kegelförmigen Sitzfläche (23) eine zum Arbeitsraum (7) des Dekompressionsventiles
(4) führende Verbindungsleitung (25) verschließt, von der eine über die Steuernut
(18) zu dem Niederdrucksystem führende Rücklaufleitung (11) abzweigt.
6. Motorbremse nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß bei druckentlastetem Steuerkolben (14) der von seinem Ventilsitz (24) federkraftunterstützt
abhebende Steuerschieber einerseits eine Strömungsverbindung von dem Kraftstoffhochdruckspeicher
(2) über die Steuer- und Verbindungsleitung (10,25) zum Dekompressionsventil (4) herstellt
und andererseits den zuvor wirksamen Rücklauf durch den größeren Schieberteil (17)
unterbricht.
7. Motorbremse nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Dekompressionsventil (4) von dem Auslaßventil räumlich getrennt angeordnet
ist.
8. Motorbremse nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Dekompressionsventil (4) zugleich das den Gaswechsel mechanisch steuernde
Auslaßventil ist, dessen mechanischer Antrieb in der Dekompressionsphase abkoppelbar
ist.
9. Motorbremse nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß zwischen dem Betätigungskolben (5) und dem zugleich als Dekompressionsventil (4)
ausgebildeten Auslaßventil ein mechanisch angetriebener Kipphebel (33) zwischengeschaltet
ist, der bei aktiviertem Dekompresslonsventil (4) von einer nockenbetätigten Stößelstange
(31) entkoppelt ist.