(19)
(11) EP 0 704 398 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
03.04.1996  Patentblatt  1996/14

(21) Anmeldenummer: 95113668.8

(22) Anmeldetag:  31.08.1995
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6B65H 9/10
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT CH DE FR GB IT LI

(30) Priorität: 28.09.1994 DE 4434624

(71) Anmelder: Heidelberger Druckmaschinen Aktiengesellschaft
D-69115 Heidelberg (DE)

(72) Erfinder:
  • Fricke, Andreas, Dr.
    D-69412 Eberbach (DE)
  • Luxem, Heiner
    D-69259 Wilhelmsfeld (DE)

(74) Vertreter: Stoltenberg, Baldo Heinz-Herbert 
c/o Heidelberger Druckmaschinen AG Kurfürsten-Anlage 52-60
D-69115 Heidelberg
D-69115 Heidelberg (DE)

   


(54) Vorrichtung zur Passerkorrektur und zum Ausgleich verspannter Bogen im Anleger einer Bogendruckmaschine


(57) Die Erfindung bezieht sich auf eine Vorrichtung zur Passerkorrektur und zum Ausgleich verspannter Bogen am Vorgreifer im Anleger einer Bogenrotationsdruckmaschine, bei der zur elastischen Durchbiegung eine mit ihren beiden Enden verwindungssteif auf einer Vorgreiferwelle (1) abgestützten und Schwenkbewegungen in Richtung des Bogentransports und zurück ausführenden Greiferbrücke (3) in Richtung des Bogentransports vor der Bogenerfassung durch auf der Greiferbrücke (3) nebeneinander angeordnete, um eine Greiferwelle (5) schwenkbare Bogengreifer (4) eine etwa mittig zwischen den Endabstützungen an der Greiferbrücke (3) angeordnete, gestellfeste Abstützung (10) auf der Vorgreiferwelle (1) aufweist und mit einer Kurvenrolle (12) auf eine gestellfest abgestützte und einstellbare Kurve (13) aufläuft. Bei dieser Anordnung ist die mittige Abstützung der Greiferbrücke (3) auf der Vorgreiferwelle (1) gelenkig mit einem Exzenter (9) ausgebildet, wobei die Kurvenrolle (12) mittels eines Armes (11) in einem Abstand von der Exzentermitte gelagert ist.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Vorrichtung zur Passerkorrektur und zum Ausgleich verspannter Bogen am Vorgreifer im Anleger einer Bogenrotationsdruckmaschine nach dem Oberbegriff des Patentanspruches 1.

[0002] Dieser Stand der Technik ergibt sich aus DE 88 16 641 U1. In der Figur 3 dieser Druckschrift ist eine Ausführungsform dargestellt, bei der die Kurvenrolle an einem Dreipunkthebel gelagert und dieser Dreipunkthebel einerseits schwenkbar an einem etwa mittig zwischen den beiden Endabstützungen der Greiferbrucke angeordneten, ebenfalls fest mit der Greiferbrücke verbundenen Stützarm gelagert ist und sich andererseits zwischen diesem Schwenklager und der Greiferbrücke gegen den Stützarm abstützt. Die Kurve befindet sich auf einem die Vorgreiferwelle umschließenden, in seiner Winkellage durch ein Stellglied einstellbaren Ring, so daß die Kurvenrolle bei der Schwenkbewegung des Vorgreifers vor dem Erreichen der Endposition, in der die Bogengreifer den Bogen an seiner Vorderkante erfassen, je nach Einstellung der Kurve früher oder später und weniger oder mehr auf die Kurve aufläuft und die Greiferbrücke dadurch in ihrer Mitte eine Durchbiegung in Richtung des Bogentransports erfährt. Der Bogen wird dadurch in der Mitte gegenüber den Enden deformiert, um eine Passerkorrektur oder einen Spannungsausgleich zu bewirken. Bei der bekannten Anordnung ist die Auslenkung der Kurvenrolle kleiner als die gewünschte Durchbiegung der Greiferbrücke, so daß die von der Kurve und der Kurvenrolle ausgehende Kraft größer sein muß als die zur Verformung der Greiferbrücke erforderliche Kraft. Das erhöht die Empfindlichkeit des Systems gegenüber dynamischen Einflüssen und erfordert einen sehr empfindlichen Einstellmechanismus.

[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung zur Passerkorrektur und zum Ausgleich verspannter Bogen im Anleger einer Bogenrotationsdruckmaschine mit den eingangs genannten Merkmalen hinsichtlich ihrer Empfindlichkeit gegen dynamische Einflüsse günstiger und bei laufender Maschine auf einfache weise einstellbar auszubilden.

[0004] Die Erfindung löst diese Aufgabe durch Ausbildungsmerkmale nach dem Kennzeichen des Patentanspruches 1.

[0005] Gegenüber der bekannten Lösung hat diese Ausbildung den Vorteil, daß eine vergleichsweise große Auslenkung der mit einem Hebelarm am Exzenter befestigten Kurvenrolle eine relativ kleine Verformung des Trägers der Greiferbrücke und damit der Greiferbrücke selbst bewirkt. Durch diese übersetzung der Kräfte kann die zur Verformung der Greiferbrücke notwendige Querkraft verringert werden. Bei der erfindungsgemäßen Anordnung ist die erforderliche Rollenkraft gegenüber der Querkraft erheblich kleiner als bei der bekannten Anordnung. Die in der Rolle wirksame Kraft wird über den Kurvenkörper unmittelbar in das Maschinengestell eingeleitet. Bei der erfindungsgemäßen Ausbildung kann wegen der reduzierten Gestellkraft von kleineren Deformationen kinetostatischen und dynamischen Ursprungs ausgegangen werden. Die dynamischen Rückwirkungen der Greiferbrücke auf den Mechanismus zur Passerkorrektur bzw. zum Spannungsausgleich im Bogen werden zweckmäßig durch die Wirkung einer Feder zusätzlich abgefangen, die die Ausgangslage der Greiferbrücke im unverformten Zustand sichert und deren Kraft durch den Mechanismus verstärkt wird. Erreicht wird dadurch eine höhere Qualität der Passerkorrektur. Vorteilhaft wird die Kurve um eine parallel zur Exzenterachse ausgerichtete Achse schwenkbar am Gestell der Maschine gelagert und in ihrer Schwenklage durch ein Stellglied einstellbar gehalten, wobei dieses Stellglied bei laufender Maschine veränderbar ist, um eine Regulierung der Kurvenlage durchführen zu können.

[0006] Vorteilhafte Merkmale zur weiteren Ausgestaltung der Erfindung enthalten die Ansprüche 2 bis 7.

[0007] In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindungsmerkmale schematisch dargestellt. Es zeigen:
Figur 1
eine Seitenansicht mit einem Querschnitt durch die Greiferbrücke
Figur 2
eine gegenüber Figur um 90° versetzte Ansicht mit teilweisem Schnitt entlang der Linie II - II in Figur 1.


[0008] Die Vorgreiferwelle 1 ist mit ihren beiden Enden im Maschinengestell 2 in Richtung des Bogentransports hin und her schwenkbar gelagert. Auf der Vorgreiferwelle 1 ist die Greiferbrücke 3 mit ihren Enden verwindungssteif abgestützt, wobei diese an sich bekannte Abstützung in der Zeichnung nicht dargestellt ist. An der Greiferbrücke sind mit Abstand nebeneinander über die Breite des Bogens verteilt schwenkbare Bogengreifer 4 auf einer Greiferwelle 5 gelagert, die mit einer Greiferauflage 6 an der Greiferbrücke 3 zusammenwirken und den zu transportierenden Bogen auf dem Anlegetisch 7 an seiner Vorderkante erfassen und zwischen sich und der Greiferauflage 6 einklemmen. Mit einer Schwenkbewegung des Vorgreifers in Richtung des Bogentransports wird der Bogen vom Anlegetisch 7 transportiert und am Ende der Schwenkbewegung an das Greifersystem eines Zuführzylinders 8 übergeben.

[0009] Etwa mittig zwischen den beiden Endabstützungen der gegebenenfalls durch einen Träger verstärkten Greiferbrücke 3 ist unter dieser ein Exzenter 9 gelagert, dessen anderes Lager sich in einem auf der Vorgreiferwelle 1 ausgebildeten Stützarm 10 abstützt. An einem mit dem Exzenter 9 fest verbundenen Arm 11 ist eine Kurvenrolle 12 frei drehbar gelagert, die sich mit ihrem Umfang gegen eine Kurve 13 eines Kurvenkörpers 14 anlegt, die um eine parallel zur Lagerachse 15 des Exzenters 9 ausgerichtete Achse 16 schwenkbar am Gestell 2 gelagert und durch eine Stellschraube 17 in ihrer Schwenklage einstellbar ist. Eine Druckfeder 18 belastet die Kurvenrolle 12 in Richtung gegen die Kurve 13 und damit den Kurvenkörper 14 in Richtung gegen die Stellschraube 17. Die in einem gestellfesten Gewinde angeordnete Stellschraube 17 ist bei laufender Maschine einstellbar. Außerhalb des Bereiches der Anlage der Kurvenrolle 12 an der Kurve 13 bewirkt ein Anschlag 19 eine Anschlaglage gegen eine ebenfalls in einem gestellfesten Gewinde verschraubbare Stellschraube 20.

[0010] Nach dem Transport eines Bogens vom Anlegetisch 7 zum Zuführzylinder 8 durchläuft der Vorgreifer eine Umkehrlage und bewegt sich anschließend zum Anlegetisch 7 zurück. Kurz vor dem Erreichen des Anlegetisches läuft die Kurvenrolle 12 auf die Kurve 13 des Kurvenkörpers 14 auf. Die Kurvenflanke ist nicht äquidistant zur Mittelpunktsbahn 21 der Kurvenrolle 12, so daß die Kurvenrolle aus der durch die mittels der Stellschraube 20 einstellbaren und durch die Feder 18 bewirkten Anschlaglage gegen die Wirkung der Feder 18 stetig ausgelenkt wird. Bei der dadurch bewirkten Verdrehung des Exzenters 9 um seine Lagerachse 15 wird die Greiferbrücke 3 im wesentlichen tangential zur Bogenbahn der Lagerachse 15 verschoben und dabei verformt. Durch diese Verformung verbiegt auch die Greiferwelle 5, so daß auch die auf der Greiferwelle angeordneten Bogengreifer 4 entsprechend verschoben werden. Die Lagerung des Exzenters 9 in der Greiferbrücke 3 bzw. in einem mit dieser verbundenen Brückenträger entspricht kinematisch einem Drehgelenk, so daß kein Torsionsmoment und lediglich eine Querkraft übertragen wird. Bei einer vorteilhaften Ausbildung dieser Lagerung wird die Querkraft durch den sogenannten Schubmittelpunkt des Greiferbrückenprofils geleitet, so daß sich die gewünschte mittige Durchbiegung der Greiferbrücke quer zur Bogenlaufrichtung ergibt und keine Brückentorsion eintritt. Wenn der Vorgreifer seine Endlage am Anlegetisch erreicht hat, liegt die maximale Durchbiegung der Greiferbrücke vor. Diese Durchbiegung läßt sich durch die Stellschraube 17 in erforderlichen Grenzen regulieren. Der Bogen wird dann an seiner Vorderkante von den Bogengreifern in der verformten Lage der Greiferbrücke und der Greiferwelle erfaßt. Beim Abschwenken des Vorgreifers vom Anlegetisch läuft die Kurvenrolle 12 von der Kurve 13 ab, so daß sich die Greiferbrücke entspannt und in ihre Ausgangslage zurückdeformiert. Bei der übergabe des Bogens an den Zuführzylinder 8 bleibt der Bogen weiterhin deformiert, weil die Greiferbrücke im unverformten, durch die Anlage des Anschlages 19 an der Stellschraube 20 fixierten Zustand verbleibt. Bei einer zur Ausbalancierung der Querkräfte in dem vorstehenden Sinne vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindungsmerkmale liegt die Lagerachse 15 des Exzenters 9 etwa in einer durch die Vorgreiferwellenachse und durch die Greiferbrückenmitte gedachten Ebene oder leicht seitenversetzt zu dies er Ebene, wie es zeichnerisch dargestellt ist. Die Lagerung des Exzenters 9 und seine Abstützung in dem Stützarm 10 erfolgt bei dem Ausführungsbeispiel dicht unterhalb der Greiferbrücke 3. Der seitliche Versatz der Lagerachse 15 gegenüber der durch die Mitte der Vorgreiferwelle 1 und durch die Mitte der Greiferwelle 5 gedachten Ebene vermeidet das Wirksamwerden von Torsionsmomenten auf die Greiferbrücke 3.

Bezugszeichenliste



[0011] 
1
Vorgreiferwelle
2
Gestell
3
Greiferbrücke
4
Bogengreifer
5
Greiferwelle
6
Greiferauflage
7
Anlegetisch
8
Zuführzylinder
9
Exzenter
10
Stützarm
11
Arm
12
Kurvenrolle
13
Kurve
14
Kurvenkörper
15
Lagerachse
16
Achse
17
Stellschraube
18
Feder
19
Anschlag
20
Stellschraube
21
Mittelpunktsbahn



Ansprüche

1. Vorrichtung zur Passerkorrektur und zum Ausgleich verspannter Bogen am Vorgreifer im Anleger einer Bogenrotationsdruckmaschine, bei der zur elastischen Durchbiegung einer mit ihren beiden Enden verwindungssteif auf einer Vorgreiferwelle abgestützten und Schwenkbewegungen in Richtung des Bogentransports und zurück ausführenden Greiferbrücke in Richtung des Bogentransports vor der Bogenerfassung durch auf der Greiferbrücke nebeneinander angeordnete, um eine Greiferwellenachse schwenkbare Bogengreifer eine etwa mittig zwischen den Endabstützungen an der Greiferbrücke angeordnete, gestellfeste Abstützung auf der Vorgreiferwelle aufweist und mit einer Kurvenrolle auf eine gestellfest abgestützte und einstellbare Kurve aufläuft,
dadurch gekennzeichnet,
daß die mittige Abstützung der Greiferbrücke (3) auf der Vorgreiferwelle (1) ein Gelenk mit einem Exzenter (9) aufweist, an dem die Kurvenrolle (12) in einem Abstand von der Exzentermitte mit einem Hebelarm (11) gelagert ist.
 
2. Vorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Exzenterachse etwa mittig in einer durch die Vorgreiferwellenachse und durch die Greiferbrückenmitte gedachten Ebene angeordnet ist.
 
3. Vorrichtung nach den Ansprüchen 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Exzenter (9) aus einer einstellbaren Anschlaglage heraus gegen die Wirkung einer Feder (18) durch das Zusammenwirken der Kurve (13) und der an dieser anliegenden, an dem mit dem Exzenter (9) verbundenen Arm (11) gelagerten Kurvenrolle (12) verdrehbar ist.
 
4. Vorrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Kurve (13) um eine parallel zur Exzenterachse ausgerichteten Achse (16) schwenkbar am Gestell (2) der Maschine gelagert und in ihrer Schwenklage durch ein Stellglied (17) einstellbar ist.
 
5. Vorrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Stellglied aus einer in einem gestellfesten Muttergewinde verschraubbaren und mit einem Ende gegen den Kurvenkörper (14) wirksamen Stellschraube (17) und aus einer die Kurve gegen das Ende der Stellschraube haltenden Feder (18) besteht.
 
6. Vorrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Exzenter (9) in einem sich auf der Vorgreiferwelle (1) abstützenden Lager eines Stützarmes (10) dicht unterhalb der Greiferbrücke (3) gelagert ist.
 
7. Vorrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Exzenterachse gegenüber einer durch die Greiferbrückenmitte und durch die Vorgreiferwellenachse gedachten Ebene zur Kurve hin versetzt angeordnet ist.
 




Zeichnung