[0001] Die Erfindung betrifft einen gegossenen Verbundgußzylinder oder -zylinderblock nach
dem Oberbegriff der Ansprüche 1 oder 2.
[0002] Aluminium-Legierungen sind unter heutigen Gesichtspunkten die wichtigsten Zukunftswerkstoffe
im Kraftfahrzeugbau mit steigender Anwendungstendenz. Primär wird dabei neben anderen
Vorzügen der Gewichtsvorteil gegenüber Eisenwerkstoffen ausgenutzt. Dies hat spürbare
Auswirkungen nicht nur beim Kolben sondern ganz besonders auch beim Zylinder bzw.
Zylinderblock als dem schwersten Einzelteil eines Kraftfahrzeugs. So sind Gewichtsreduzierungen
von 40 bis 60 % durch die Umstellung des Zylinderblocks von Grauguß auf Aluminium-Silizium-Legierungen
für den Motorblock realisierbar bzw. bereits realisiert. In der Z.: MTZ Motortechnische
Zeitschrift
35 (1974), S. 33-41, ist ein aus einer übereutektischen Aluminium-Silizium-Legierung
des Typs AlSi17Cu4 im Niederdruckgußverfahren hergestellter Zylinder beschrieben.
Die in der Zylinderlauffläche durch Primärausscheidung aus der übereutektischen Aluminium-Silizium-Legierung
erzeugten, gleichmäßig verteilten und gleichmäßig ausgebildeten Siliziumkörner besitzen
eine Korngröße zwischen 30 und 80 µm. Nach dem Gießen des Zylinders bzw. Zylinderblocks
wird die Zylinderbohrung durch Vor- und Feinbohren mechanisch bearbeitet und anschließend
vor- und feingehont, so daß die Siliziumkörner in der Zylinderlaufbahn geglättet sind
und zunächst mit der umgebenden Legierungsmatrix eine Ebene bilden. Nach dem Honvorgang
wird die Legierungsmatrix zwischen den Siliziumkörnern durch elektrochemische Bearbeitung
leicht zurückgesetzt, so daß die Siliziumkörner als Traggerüst für die Kolbenringe
und den Kolbenschaft aus der unbewehrten Zylinderlaufbahn geringfügig, d.h. um 0,5
bis 2,0 µm, vorzugsweise 0,8 bis 1,5 µm, herausragen. Eine solche Zylinderlauffläche
kann nur in der Kombination mit einem wenigstens am Kolbenschaft mit einer Eisenschicht
von etwa 20 µm Dicke beschichteten Leichtmetallkolben benutzt werden, um bei extremen
Laufbedingungen und unter allen Umständen einen Kontakt zwischen der Legierungsmatrix,
der Zylinderlauffläche und dem Leichtmetall des Kolbens zu vermeiden. Durch die Eisenbeschichtung
des Kolbenschafts wird der Kolbenschaftverschleiß erheblich gesenkt und die Freßneigung
zwischen Kolbenschaft und Zylinderlaufbahn eliminiert. Der Nachteil eines solchen
Zylinders bzw. Zylinderblocks besteht darin, daß der gesamte Zylinderblock aus einer
mit beachtlichem Aufwand herzustellenden übereutektischen Aluminium-Silizium-Legierung
gegossen werden muß.
[0003] Bekannt ist auch ein Zylinder bzw. Zylinderblock aus Aluminium-Legierung des Typs
AlSi9Cu3, bei dem auf die Oberfläche der Zylinderbohrung eine auf galvanischem Wege
erzeugte, 50 bis 80 µm dicke Grundschicht aus Nickel mit darin dispergierten Siliziumcarbidteilchen
einer Größe von 1 bis 3 µm aufgebracht ist. Die Zylinderlaufbahn wird anschließend
gehont. Die Herstellung der Nickel-Dispersionsbeschichtung ist mit einem nicht unerheblichen
Verfahrensaufwand verbunden. Insbesondere sind im Rahmen der Galvanikanlage Entgiftungseinrichtungen
für die Vorbehandlungsbäder notwendig. Der bei der Entsorgung anfallende Schlamm muß
gesammelt und vorschriftsmäßig beseitigt werden, und in den Arbeitsbereichen der Beschichtungsbäder
müssen Abzüge mit eingebauten Waschanlagen installiert sein. Hinzu kommt, daß im Reparaturfall
die Handhabung der Regenerierung der Beschichtung aufwendig und umständlich ist.
[0004] In der DE-A-3 725 495 ist ein Zylinderblock für Verbrennungskraftmaschinen vorgesehen,
bei der die Zylinderlaufbahn aus einem zylindrischen, faserverstärkten Abschnitt aus
einer Mischung aus einer auf Aluminiumoxid basierenden Faser mit einem Volumenanteil
von 8 bis 20 % und einer Kohlenstoffaser mit einem Volumenanteil von 0,3 bis 15 %
mit einer Leichtmetallmatrix besteht, wobei die auf Aluminiumoxid basierende Faser
bis zu 25 % Siliziumoxid enthält. Bei einer derartig ausgebildeten Zylinderlauffläche
ist nach wie vor der Einsatz eines Leichtmetallkolbens erforderlich, dessen Mantel
eine galvanisch abgeschiedene, durch eine ebenfalls galvanisch abgeschiedene Zinnschicht
abgedeckte Eisenschicht aufweist, um einen Kontakt zwischen der Legierungsmatrix des
Zylinderblocks und dem Leichtmetallkolben zu vermeiden. Die in der Zylinderlauffläche
infiltrierte Hybrid-Faser ist teuer und die tribologischen Eigenschaften unter Betriebsbedingungen
sind schlechter als diejenigen der aus übereutektischen Aluminium-Silizium-Legierungen
hergestellten Zylinderlaufflächen.
[0005] Bekannt ist aus der EP-A-0 449 356 ein Zylinderblock, der aus einer untereutektischen
Aluminium-Silizium-Legierung gegossen ist, wobei in den Zylinder ein mit der Aluminiummatrix
des Zylinderblocks penetrierter, hohlzylinderförmiger Körper aus keramischen Fasern
mit darin eingesetzten Siliziumkörnern eingegossen ist. Der Faserformkörper hat keinerlei
tribologische Funktion, sondern dient lediglich als Halterung für die Siliziumkörner.
[0006] Gegenstand der DE-C-4 020 268 ist ein Zylinder-Kurbelgehäuse aus einer Aluminium-Silizium-Legierung
mit 3 bis 12 % Silizium und 3 bis 5 % Kupfer, wobei in die Zylinder Zylinderlaufbüchsen
aus einer übereutektischen Aluminium-Legierung eingelassen sind.
[0007] Es ist die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen verbesserten gegossenen Verbundgußzylinder
bzw. -zylinderblock aus untereutektischer Aluminium-Silizium-Legierung mit umgossener
Laufbüchse aus übereutektischer Aluminium-Silizium-Legierung bereitzustellen, der
die Vorteile eines Verbundgußzylinders bzw. -zylinderblocks mit eingegossener Grauguß-Laufbüchse
mit den Vorteilen eines aus Aluminium-Silizium-Legierung gegossenen Zylinders bzw.
Zylinderblocks ohne Laufflächenschutz verbindet.
[0008] Die Lösung dieser Aufgabe erfolgt durch die im Anspruch 1 oder Anspruch 2 angegebenen
Maßnahmen.
[0009] In den Ansprüchen 3 bis 7 sind weitere Ausgestaltungen der Gegenstände gemäß Anspruch
1 oder Anspruch 2 angegeben.
[0010] Durch die Anwendung des Schleuderformgußverfahrens kommt es zu einer starken Anreicherung
von primärerstarrten Siliziumkristallen auf der Innenseite der aus übereutektischer
Aluminium-Silizium-Legierung hergestellten Laufbüchse, wobei die Anreicherung um so
größer ist, je höher der Siliziumgehalt der übereutektischen Aluminium-Silizium-Legierung
ist.
[0011] Bedingt durch die Zentrifugalkraft kommt es während des Schleuderns zu einer Art
Phasentrennung mit der Folge, daß sich auf der Innenseite der Laufbüchse eine stark
mit Silizium angereicherte abgegrenzte Zone, die von der Aluminiummatrix umgeben ist,
bildet. Das sich auf der Innenseite der Laufbüchse ergebende Gefüge entspricht etwa
einer AlSi35-Legierung.
[0012] Beim Flüssigpreßgießverfahren wird die Aluminium-Silizium-Legierungsschmelze in die
Gießform gefüllt und anschließend unter einem Druck von 100 bis 1000 bar mit hoher
Geschwindigkeit zur Erstarrung gebracht, so daß ein feines Gefüge mit Erhöhung des
Anteils an Korngrenzenverfestigung und eine ausgezeichnete Dichtespeisung, die praktisch
Porenfreiheit gewährleistet, erreicht werden. Da die Erstarrungsgeschwindigkeit steuerbar
ist, läßt sich die Größe der Siliziumkörner anwendungsbezogen hinreichend genau einstellen.
[0013] Darüber hinaus kann die Ausscheidung der primärerstarrten Siliziumkristalle in beiden
Fällen auch durch die Verschiebung des Eutektikums durch Zulegieren von Nickel und
Mangan zu Legierungen mit einem vergleichsweise geringeren Siliziumgehalt erhöht werden.
Bei der Anwendung des Schleuderformgußverfahrens wird der Dichteunterschied zwischen
der Aluminiummatrix von ca. 2,7 g/cm³ und dem ausgeschiedenen Silizium von ca. 2,3
g/cm³ ausgenutzt.
[0014] Die Laufflächen der auf diese Weise hergestellten Laufbüchsen müssen nach dem Eingießen
nur gehont und nicht mehr einer elektrochemischen Bearbeitung zum Zwecke der Zurücksetzung
der die Siliziumkörner umgebenden Legierungsmatrix unterworfen werden. Die Zylinderlauffläche
ist demzufolge weniger rauh und übt deshalb eine geringere Oberflächenspannung auf
das Schmieröl aus, so daß sich eine gute Ölverteilung und ein sehr dünner Ölfilm ergibt.
Das hat zur Folge, daß sich der Ölverbrauch verringert und damit die HC-Emissionen
sinken.
[0015] Für die Herstellung des Verbundgußzylinders bzw. -zylinderblocks ist sowohl das Kokillengießen
als auch das Druckgießen geeignet.
[0016] Die Erfindung ist in den Zeichnungen beispielhaft dargestellt und wird nachfolgend
näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- einen ausschnittsweisen Längsschnitt durch einen Verbundzylinder,
- Fig. 2
- das Detail "X" der Fig. 1, eine vergrößerte Darstellung der umgossenen, schleuderformgegossenen
Laufbüchse,
- Fig. 3
- eine Abwandlung des Details "X" der Fig. 1 und
- Fig. 4
- einen vergrößerten Teilausschnitt aus einer umgossenen, preßgegossenen Laufbüchse.
[0017] In den aus einer untereutektischen Aluminium-Silizium-Legierung des Typs AlSi9Cu3
im Niederdruckgießverfahren gegossenen Zylinderblock (1) ist eine im Schleuderformgußverfahren
aus einer Aluminium-Silizium-Legierung des Typs AlSi17Cu4Mg hergestellte Laufbüchse
(2) eingegossen. Die Laufbüchse (2) besitzt eine Zone (3) mit einer radialen Tiefe
von 3 mm, in der eine Konzentration von primärerstarrten Siliziumkörnern (4) erfolgt,
die derjenigen einer Aluminium-Silizium-Legierung des Typs AlSi35 entspricht. Außerhalb
der mit Siliziumkörnern (4) angereicherten Zone (3) besitzt die Laufbüchse (2) eine
Schicht (5) aus weitgehend eutektischem Gefüge. Diese Schicht (5) kann, wie Fig. 3
zeigt, vor dem Umgießen der Laufbüchse (2) durch spanende Bearbeitung abgetragen werden.
Die eingegossene Laufbüchse (2) wird nach dem Vor- und Feinbohren vor-, zwischen-
und fertiggehont. Durch das Honen wird die auf den Siliziumkörnern (4) verschmierte
Aluminium-Silizium-Legierung abgetragen und zerstörte Siliziumkörner entfernt. Fig.
4 zeigt einen im Druckgußverfahren gegossenen Zylinderblock (6) mit eingegossener,
durch Preßgießen hergestellter Laufbüchse (7), bei der zwar keine Zone mit einer Konzentration
von primärerstarrten Siliziumkörnern (8) vorliegt, die aber frei von Poren ist. Im
Vergleich mit den Ausführungsformen gemäß Fig. 2 und Fig. 3 ist die Anzahl der Siliziumkörner
(8) geringer und ihre Korngröße kleiner.
1. Gegossener Verbundgußzylinder oder -zylinderblock (1) aus untereutektischer Aluminium-Silizium-Legierung
für Verbrennungskraftmaschinen mit umgossener Laufbüchse (2) aus übereutektischer
Aluminium-Silizium-Legierung, gekennzeichnet durch eine schleuderformgegossene Laufbüchse
(2).
2. Gegossener Verbundgußzylinder oder -zylinderblock (6) aus untereutektischer Aluminium-Silizium-Legierung
für Verbrennungskraftmaschinen mit umgossener Laufbüchse (7) aus übereutektischer
Aluminium-Silizium-Legierung, gekennzeichnet durch eine preßgegossene Laufbüchse (7).
3. Verbundgußzylinder oder -zylinderblock (1), (6) nach einem der Ansprüche 1 und 2,
gekennzeichnet durch eine untereutektische Aluminium-Silizium-Legierung des Typs AlSi6Cu,
AlSi9Cu oder AlSi10Mg.
4. Verbundgußzylinder oder -zylinderblock (1), (6) nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß die Laufbüchse (2), (7) aus einer übereutektischen Aluminium-Silizium-Legierung
des Typs AlSi17Cu4Mg, AlSi20-25Cu4Mg, AlSi30-40, AlSi17Cu4Ni3MnMg besteht.
5. Verbundgußzylinder oder -zylinderblock (1), (6) nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß die Laufbüchse (2), (7) auf der Außenseite eine Oberflächenrauhheit
in Form von Rillen, Riefen, Rippen oder Wellen aufweist.
6. Verbundgußzylinder oder -zylinderblock (1), (6) nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, daß die umgossene Laufbüchse (2), (7) nach der Bearbeitung
der Zylinderlauffläche eine Wanddicke von 1,5 bis 4,0 mm, vorzugsweise 2 bis 3 mm,
besitzt.
7. Verbundgußzylinder oder -zylinderblock (1), (6) nach einem oder mehreren der Ansprüche
1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Siliziumkörner der Laufbüchse (2), (7) eine
Korngröße von 15 bis 50 µm oder 30 bis 80 µm besitzen.