(19)
(11) EP 0 705 549 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
10.04.1996  Patentblatt  1996/15

(21) Anmeldenummer: 95114982.2

(22) Anmeldetag:  22.09.1995
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6A47C 3/16, A47C 4/54, A47C 9/00
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DK LI NL SE

(30) Priorität: 06.10.1994 DE 9416126 U

(71) Anmelder: Gebrüder Obermaier oHG
D-83209 Prien-Bachham (DE)

(72) Erfinder:
  • Obermaier, Anton
    D-83209 Prien (DE)

(74) Vertreter: Müller-Boré & Partner Patentanwälte 
Grafinger Strasse 2
D-81671 München
D-81671 München (DE)

   


(54) Hohlkörper für die Benutzung als Sitzunterlage


(57) Hohlkörper für die Benutzung als Sitzunterlage, mit einem Auflagebereich (20), einem Sitzbereich (10) und einem dazwischen angeordneten Übergangsbereich (30), wobei der Auflagebereich (20) und der Sitzbereich (10) im wesentlichen flach sind und der Übergangsberei ch (30) wulstförmig ist.




Beschreibung


[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Hohlkörper für die Benutzung als Sitzunterlage mit einem Auflagebereich, einem Sitzbereich und einem dazwischen angeordneten Übergangsbereich.

[0002] Es sind allgemein Sitzunterlagen bekannt, welche kissenförmig (Sitzkissen) ausgestaltet sind. Diese Sitzunterlagen sind einerseits mit elastischem bzw. federndem Füllmaterial gefüllt, z.B. mit Federn, Schaumstoff oder dgl., und andererseits als Luftkissen ausgestaltet, wobei die Steifigkeit der Sitzunterlage durch ein in der Sitzunterlage eingeschlossenes Gasvolumen erreicht wird.

[0003] Diese bekannten Sitzunterlagen führen jedoch zu einer Sitzstellung, welche ergonomisch inkorrekt ist und zu Dauerfehlbelastungen des Körpers führt. Verkrampfungen, Verspannungen oder gar bleibende gesundheitliche Schäden (z.B. Verkrümmungen der Wirbelsäule) können dadurch verursacht werden.

[0004] Es ist andererseits bekannt, daß Sitzbälle eine ergonomisch vorteilhafte Sitz-Stellung herbeiführen, indem der Körper zu andauernden Ausgleichbewegungen (dem sogenannten "dynamischen Sitzen") angeregt wird.

[0005] Wegen ihrer Form brauchen solche Sitzbälle eine Unterlage bzw. Haltekonstruktion, damit sie nicht wegrollen. Staatliche Institutionen, z.B. Schulen, haben insbesondere wegen der Wegrollgefahr solcher Sitzbälle deren Einsatz in öffentlich zugänglichen Bereichen untersagt. Falls eine Rückenlehne für den Sitz erwünscht ist, ist die Haltekonstruktion aufwendiger und somit teurer.

[0006] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine Sitzunterlage mit einer einfachen Ausgestaltung und Handhabung bereitzustellen, welche beim Gebrauch eine ergonomisch vorteilhafte Sitzstellung bzw. -haltung, insbesondere ein dynamisches Sitzen, der darauf sitzenden Person herbeiführt.

[0007] Diese und weitere Aufgaben werden durch einen Hohlkörper für die Benutzung als Sitzunterlage mit einem Auflagebereich, einem Sitzbereich und einem dazwischen angeordneten Übergangsbereich gelöst, wobei der Auflagebereich und der Sitzbereich im wesentlichen flach sind und der Übergangsbereich wulstförmig ist.

[0008] Ein Hohlkörper gemäß der vorliegenden Erfindung führt zu einem dynamischen Sitzen der auf dem Hohlkörper sitzenden Person, wodurch Verspannungen, Dauerfehlbelastungen, Nervenreizungen und Schmerzzustände im Lenden- und Wirbelsäulenbereich vermieden oder z.T. gemindert oder geheilt werden.

[0009] Zusätzlich zu diesen orthopädischen Vorteilen kann der erfindungsgemäße Hohlkörper wegen seiner Formgestaltung auch in öffentlich zugänglichen Bereichen eingesetzt werden, da durch die flache Auflagefläche keine Wegrollgefahr besteht.

[0010] Der erfindungsgemäße Hohlkörper kann wegen seiner Ausgestaltung weiterhin als Auflage für bekannte Stühle mit Rückenlehne dienen, wodurch z.B. eine für die Sitzbälle unabdingbare teure Unterkonstruktion bzw. Tragestruktur nicht mehr notwendig ist und der Hohlkörper wird somit umproblematisch eingesetzt. Es wird außerdem insbesondere ein "Nachrüsten" der schon vorhandenen Sitzmöglichkeiten bzw. Stühle möglich, da insbesondere die maximale Abmessung des Hohlkörpers bevorzugt an die Größe der Sitzfläche gängiger Stühle angepaßt ist.

[0011] Bevorzugt umfaßt der Hohlkörper gemäß der vorliegenden Erfindung eine Hohlkörperhaut aus einem Kunststoff, welcher bevorzugt, insbesondere weichgemachtes, Polyvinylchlorid (PVC) enthält.

[0012] In einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung weist die Hohlkörperhaut eine Stärke im Bereich von 1 bis 10 mm, weiterhin bevorzugt von 2 bis 8 mm und am bevorzugtesten von 4 bis 6 mm auf.

[0013] In einer weiterhin bevorzugten Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Hohlkörpers weist die Hohlkörperhaut in vorbestimmten Bereichen vorspringenden Anformungen auf, welche bevorzugt eine Stärke im Bereich von 0,05 bis 0,5 mm, weiterhin bevorzugt von 0,1 bis 0,4 mm und am bevorzugtesten von 0,2 bis 0,3 mm haben.

[0014] In einer bevorzugten Ausführungsform weist der Hohlkörper im Querschnitt (und zwar im wesentlichen parallel zur Ebene des Sitz- oder Auflagebereiches) eine runde oder ovale Form auf. Der Hohlkörper weist weiterhin bevorzugt eine Höhe auf, welche 1/10 bis 1/2, weiterhin bevorzugt 1/8 bis 1/3 und am bevorzugtesten 1/5 bis 1/4 der maximalen Breite des Hohlkörpers beträgt.

[0015] In einer weiterhin bevorzugten Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung weist der Hohlkörper eine maximale Breite im Bereich von 20 bis 60 cm, weiterhin bevorzugt von 30 bis 50 cm und am bevorzugtesten von etwa 35 cm auf.

[0016] Der Hohlkörper ist bevorzugt mit einem Fluid gefüllt, welches bevorzugt Luft oder eine Flüssigkeit, besonders bevorzugt Wasser, ist.

[0017] Bevorzugt ist, daß die Anformungen (42, 42', 42'', 44, 44', 44'') eine Stärke im Bereich von 0,2 bis 0,3 mm aufweisen. Bevorzugt ist, daß der Hohlkörper eine Höhe (H) aufweist, welche 1/10 bis 1/2 der maximalen Breite (D) des Hohlkörpers beträgt. Bevorzugt ist, daß der Hohlkörper eine Höhe (H) aufweist, welche 1/8 bis 1/3 der maximalen Breite (D) des Hohlkörpers beträgt. Bevorzugt ist, daß der Hohlkörper eine Höhe (H) aufweist, welche 1/5 bis 1/4 der maximalen Breite (D) des Hohlkörpers beträgt. Bevorzugt ist, daß der Hohlkörper eine maximale Breite (D) im Bereich von 20 bis 60 cm aufweist. Bevorzugt ist, daß der Hohlkörper eine maximale Breite (D) im Bereich von 30 bis 50 cm aufweist.

[0018] Bevorzugt ist, daß der Hohlkörper eine maximale Breite (D) von etwa 35 cm aufweist. Bevorzugt ist, daß der Hohlkörper eine maximale Breite (D) aufweist, welche an die Größe der Sitzfläche (120) gewöhnlicher Stühle angepaßt ist. Bevorzugt ist, daß der Hohlkörper mit einem Fluid gefüllt ist. Bevorzugt ist, daß das Fluid Luft ist. Bevorzugt ist, daß das Fluid eine Flüssigkeit ist. Bevorzugt ist, daß die Flüssigkeit Wasser ist.

[0019] Weitere Aufgaben, Vorteile und Merkmale der vorliegenden Erfindung werden aus der folgenden beispielhaften Beschreibung eines bevorzugten Ausführungsbeispiels hervorgehen, unter Bezugnahme auf die beigefügte Zeichnung.
Fig. 1
ist eine perspektivische Ansicht eines Ausführungsbeispiels des Hohlkörpers gemäß der vorliegenden Erfindung;
Fig. 2
ist eine Schnittansicht entlang der Linie A-A in Fig. 1; und
Fig. 3
ist eine schematische Darstellung des Sitzverhaltens auf dem Ausführungsbeispiel von Fig. 1.


[0020] Die in Fig. 1 und 2 dargestellte Ausführungsform der vorliegenden Erfindung in Form eines Hohlkörpers bzw. Sitzscheibe bzw. Hohlscheibe umfaßt einen flachen Sitzbereich 10, einen flachen Auflagebereich 20 und einen dazwischen angeordneten, den Übergang zwischen dem Sitzbereich 10 und dem Auflagebereich 20 bildenden wulstförmigen Übergangsbereich 30. Wenn der Hohlkörper mit seinem Auflagebereich 20 z.B. auf einem (nicht dargestellten) Stuhl aufliegt, paßt sich die Form des Auflagebereiches 20 wegen der Elastizität der Hohlkörperhaut 42 an die Form des Stuhles an, welche im allgemeinen flach ist. Der Übergangsbereich 30 gleicht z.T. eventuell auftretende Unregelmäßigkeiten aus.

[0021] Sobald eine Person auf dem Hohlkörper sitzt, paßt sich der Sitzbereich 10 an die Anatomie der Person an. Der wulstförmige bzw. abgerundete Übergangsbereich 30 überträgt die Belastung auf den Auflagebereich 20, welcher auf dem Stuhl aufliegt und sich darauf abstützt. Der wulstförmige Übergangsbereich kann insbesondere einen halbrunden oder halb-elliptischen Querschnitt aufweisen oder spitz zulaufen.

[0022] Die Hohlkörperhaut 40, welche insbesondere aus zwei miteinander verbundenen, bevorzugt identischen Formteilen 40' und 40'' (Fig. 2), insbesondere aus weichgemachtem Polyvinylchlorid (PVC), gebildet ist, weist vorspringende Anformungen 42, 42', 42'' auf dem Sitzbereich 10 und/oder vorspringende Anformungen 44, 44', 44'' auf dem Auflagebereich 20 auf. Diese Anformungen dienen einerseits zur Versteifung des Hohlkörpers, und andererseits zur Erhöhung der Rutschfestigkeit des Sitz- und/oder des Auflagebereiches sowie auch zur ästhetischen Ausgestaltung des Hohlkörpers an sich.

[0023] Der Hohlkörper umfaßt weiterhin ein Ventil 50, durch welches der Druck im Innenraum bzw. das Innenvolumen des Hohlkörpers eingestellt werden kann. Der Hohlkörper weist insbesondere wegen des niedrigen Innendrucks bzw. einer geringen Dehnung der Hohlkörperhaut eine gute Reißfestigkeit auf.

[0024] In einer nicht dargestellten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung weist die Hohlkörperhaut auch in dem Übergangsbereich vorspringende Anformungen auf.

[0025] Der Hohlkörper weist eine maximale Abmessung, insbesondere eine Breite D, auf, welche der Sitzfläche eines Stuhls angepaßt ist und etwa 35 cm beträgt. Bevorzugt ist der Hohlkörper ein in der Draufsicht rundes oder ovales Gebilde, wodurch ein vorteilhaft gutes "dynamisches Sitzverhalten" der auf dem Hohlkörper sitzenden Person erreicht wird.

[0026] Die Höhe H des Hohlkörpers beträgt insbesondere etwa 8 bis 10 cm und ist insbesondere derart, daß wenn der Hohlkörper auf einem Stuhl mit Rückenlehne benutzt wird, die darauf sitzende Person sich bequem an die Rückenlehne des Stuhles lehnen kann. Dieses Erfordernis erlaubt vorteilhaft den Einsatz z.B. in Schulen, in denen es zur Herabsetzung der Verletzungsgefahr der Kinder vorgeschrieben ist, daß die Stühle hinreichende Rückenlehnen haben sollen.

[0027] Fig. 3 stellt schematisch die durch eine auf dem Hohlkörper 100, 100' sitzende Person 110, 110' erzeugten Bewegungen dar. Die Bewegungen sind zur Veranschaulichung übertrieben dargestellt.

[0028] Die elastische Ausgestaltung der Haut des Hohlkörpers 100, 100', welche insbesondere aus weichgemachtem Polyvinylchlorid gebildet ist, bewirkt, wie auch bei den bekannten Sitzbällen, daß ein Teil der durch die Belastung der Person erzeugten Kräfte in Scherkräfte bzw. zu der Fläche 120 des Stuhls im wesentlichen parallele Kräfte umgesetzt werden. Diese Scherkräfte bewirken leichte Kipp- bzw. Wipp-Bewegungen (in Fig. 3 durch den Doppelpfeil B angedeutet) der auf dem Hohlkörpersitzenden Person 110, 110'. Der Hohlkörper 100 kann sich unter dieser verschiedenartigen Belastung verformen (vgl. unter 100') und folgt den Bewegungen der Person.

[0029] Dieses als "dynamische Sitzen" bekannte Verhalten führt zu den obengenannten orthopädischen und ergonomischen Vorteilen und erzeugt somit ein Wohlbehagen der auf dem Hohlkörper sitzenden Person.


Ansprüche

1. Hohlkörper für die Benutzung als Sitzunterlage, mit einem Auflagebereich (20), einem Sitzbereich (10) und einem dazwischen angeordneten Übergangsbereich (30), dadurch gekennzeichnet, daß der Auflagebereich (20) und der Sitzbereich (10) im wesentlichen flach sind und der Übergangsbereich (30) wulstförmig ist.
 
2. Hohlkörper gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Hohlkörper eine Hohlkörperhaut (40) aus Kunststoff umfaßt.
 
3. Hohlkörper gemäß Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Kunststoff weichgemachtes Polyvinylchlorid (PVC) enthält.
 
4. Hohlkörper gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Hohlkörper in der Draufsicht eine runde oder ovale Form aufweist.
 
5. Hohlkörper gemäß einen der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Hohlkörperhaut (40) eine Stärke im Bereich von 1 bis 10 mm aufweist.
 
6. Hohlkörper gemäß Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Hohlkörperhaut (40) eine Stärke im Bereich von 2 bis 8 mm aufweist.
 
7. Hohlkörper gemäß Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Hohlkörperhaut (40) eine Stärke im Bereich von 4 bis 6 mm aufweist.
 
8. Hohlkörper gemäß einen der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Hohlkörperhaut (40) in vorbestimmten Bereichen vorspringende Anformungen (42, 42', 42'', 44, 44', 44'') aufweist.
 
9. Hohlkörper gemäß Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Anformungen (42, 42', 42'', 44, 44', 44'') eine Stärke im Bereich von 0,05 bis 0,5 mm aufweisen.
 
10. Hohlkörper gemäß Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Anformungen (42, 42', 42'', 44, 44', 44'') eine Stärke im Bereich von 0,1 bis 0,4 mm aufweisen.
 




Zeichnung










Recherchenbericht