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EP 0 713 926 A1 |
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EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG |
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Veröffentlichungstag: |
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29.05.1996 Patentblatt 1996/22 |
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Anmeldetag: 23.10.1995 |
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Internationale Patentklassifikation (IPC)6: C23C 8/58 |
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Benannte Vertragsstaaten: |
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DE FR GB |
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Priorität: |
29.11.1994 DE 4442328
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Anmelder: Durferrit GmbH Thermotechnik |
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D-68169 Mannheim (DE) |
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Erfinder: |
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- Wahl, Georg
D-63517 Rodenbach (DE)
- Willing-Lepenies, Rainer
D-63517 Rodenbach (DE)
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Vertreter: Weber, Wolfgang |
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Degussa AG
Fachbereich Patente
Postfach 1345 63403 Hanau 63403 Hanau (DE) |
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Verfahren zur Vorbehandlung von Stahlteilen vor dem Salzbadnitrieren |
(57) Einwandfreie Nitrierschichten beim Nitrocarburieren von Bauteilen aus Passivschichten
bildenden Stählen in Salzbädern erhält man, wenn man diese Bauteile vor dem Nitrocarburieren
bei 300 bis 500
o C in einer oxidierenden Salzschmelze vorbehandelt.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Vorbehandlung von Bauteilen aus Passivschichten
bildenden Stählen, insbesondere aus Stählen mit mehr als 10 Gew.% Chrom und/oder mehr
als 4 Gew.% Nickel vor dem Nitrocarburieren in Salzbädern.
[0002] Legierte Stähle, die größere Mengen Chrom, Nickel und/oder sonstige Zusätze enthalten,
bilden an der Luft Passivschichten aus, die vor allem aus Oxiden der Zusatzmetalle
bestehen. Diese Passivschichten bedingen zwar eine erhöhte Korrosionsbeständigkeit
dieser Stähle, sind aber hinderlich bei einer Nitrocarburierung solcher Bauteile in
cyanid- und cyanathaltigen Salzbädern, da die Passivschichten die Eindiffusion von
Stickstoff und Kohlenstoff aus dem Salzbad in die Stahloberfläche erschweren und zu
fehlerhaften Nitrierschichten führen.
[0003] Diese Nachteile versuchte man bisher dadurch zu beseitigen, indem man bei der Nitrocarburierung
hochlegierter Stähle hochcyanidhaltige Salzbäder einsetzt, die reduzierend auf die
Passivschichten einwirken. Diese hochcyanidhaltigen Salzbäder sind jedoch stark umweltbelastend.
[0004] Es war daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zur Vorbehandlung
von Bauteilen aus Passivschichten bildenden Stählen, insbesondere aus Stählen mit
mehr als 10 Gew.% Chrom und/oder mehr als 4 Gew.% Nickel vor dem Nitrocarburieren
in Salzbädern zu entwickeln, mit dem trotz der vorhandenen Passivschichten eine einwandfreie
Nitrocarburierung erreicht wird.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die Teile in einer oxidierenden
Salzschmelze bei 300 bis 500
o C behandelt werden.
[0006] Vorzugsweise verwendet man als oxidierende Salzschmelze ein Gemisch von Alkalinitrat,
Alkalihydroxid und Alkalicarbonat. Bewährt haben sich vor allem Salzschmelzen mit
5 bis 30 Gew.% Alkalinitrat, Rest Alkalihydroxid und Alkalicarbonat.
[0007] Vorteilhafterweise betreibt man die Salzschmelzen bei 330 bis 420
o C, wobei für die Behandlungsdauer eine Zeitspannne von 5 bis 30 Minuten sich als
günstig erwiesen hat.
[0008] Es ist sehr überraschend, daß trotz einer Verstärkung der Passivschichten in einer
oxidierenden Salzschmelze anschließend einwandfrei Nitrocarburierschichten in cyanid-
und cyanathaltigen Salzbädern erreicht werden.
[0009] Oxidierende Salzbäder sind beim Nitrocarburieren von Eisenwerkstoffen an sich bekannt
(z.B. DE-PS 29 34 113), doch werden sie bisher nur nach dem Nitrocarburieren zur Erhöhung
des Korrosionswiderstandes eingesetzt.
[0010] Folgende Beispiele sollen das erfindungsgemäße Verfahren näher erläutern:
1. Bauteile aus einem Stahl mit 23 % Chrom und 8 % Nickel wurden in einem Salzbad
(etwa 4 Gew.% Cyanid, etwa 37 Gew.% Cyanat, Rest Alkali) 90 Minuten bei 580o C nitrocarburiert. Es bildete sich eine fehlerhafte Nitrocarburierschicht aus, die
unterschiedliche Schichtstärken aufwies. Wurden diese Bauteile vor dem Nitrocarburieren
25 Minuten bei 370o C in eine Alkalihydroxidschmelze getaucht, die 10 Gew.% Natriumnitrat enthielt, erzielte
man beim Nitrobarburieren einwandfreie, überall die gleiche Dicke aufweisende Schichten.
2. Die gleichen Versuche wurden mit Bauteilen aus den Stählen 1.4028 (13 % Chrom)
und 1.4112 (18 % Chrom) durchgeführt. Die metallographische Auswertung ergab bei den
in der oxidierenden Salzschmelze vorbehandelten Proben eine gleichmäßige Ausbildung
der Nitrierschicht, während die nichtvorbehandelten Proben eine ungleichmäßige, wellige
Nitrierschicht zeigten.
1. Verfahren zur Vorbehandlung von Bauteilen aus Passivschichten bildenden Stählen, insbesondere
aus Stählen mit mehr als 10 Gew.% Chrom und/oder mehr als 4 Gew.% Nickel vor dem Nitrocarburieren
in Salzbädern,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Teile in einer oxidierenden Salzschmelze bei 300 bis 500o C behandelt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die oxidierende Salzschmelze aus einem Gemisch von Alkalinitrat, Alkalihydroxid
und Alkalicarbonat besteht.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Salzschmelze 5 bis 30 Gew.% Alkalinitrat, Rest Alkalihydroxid und Alkalicarbonat
enthält.
4. Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Teile bei Temperaturen von 330 bis 420o C in der oxidierenden Salzschmelze behandelt werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Behandlungsdauer 5 bis 30 Minuten beträgt.