[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Abkühlen von aus einem Wärmeofen angelieferten
metallischen Werkstücken, insbesondere zum Härten, in einer von Heizeinrichtungen
freien, durch mindestens ein gasdichtes Absperrventil abschließbaren Kühlkammer mittels
unter überatmosphärischem Druck stehender durch ein Gebläse in einem druckfesten Kreislauf
über einen äußeren Kühler geführter Gase.
[0002] Metallische Werkstücke wie insbesondere Wälzlagerteile (Außenringe, Innenringe, Kugeln,
Zylinderrollen, Kegelrollen, etc.) werden zur Sicherstellung hoher Gebrauchsfestigkeit
und Gebrauchsdauer gehärtet.
[0003] Es ist bekannt, Werkstücke aus härtbaren Legierungen auf Temperaturen von etwa 850
°C zu erwärmen, eine vorgegebene Zeitspanne auf dieser Temperatur zu halten und danach
in einem Ölbad oder Salzwärmbad abzuschrecken.
[0004] Eine der herkömmlichen Anlagentechniken hierfür ist beispielsweise ein sogenannter
Rollenherdofen, in dem die Erwärmung und Durchwärmung unter Stickstoff durchgeführt
wird. Hinter diesem Rollenherdofen befindet sich ein Öl- oder Salzbad. Die Werkstücke
können hierbei entweder einzeln in das Abschreckbad fallen oder chargenweise in das
Bad eingetaucht werden. Kugellagerteile werden in einer einzigen Lage durch den Ofen
befördert, und zwar innerhalb eines sogenanntes Feldes, Teil an Teil dicht gepackt.
Das Eintauchen in das Bad geschieht im Falle einer derartigen Charge diskontinuierlich,
nachdem jeweils ein Feld aus Ringteilen aus dem Ofen heraus über das Abschreckbad
befördert worden ist. Die betreffende Technologie führt nicht nur zur Bildung von
schädlichen Gasen und/oder Dämpfen, sondern auch zu verbrauchten Abschreckbädern,
die nach mehr oder weniger langer Betriebszeit in aufwendigen Verfahren entsorgt werden
müssen. Ganz besonders aufwendig hat sich hierbei die Entsorgung der sogenannten Salzbäder
erwiesen.
[0005] Aus Umweltschutzgründen sollen in zunehmendem Maße die Öl- und Salzbäder eliminiert
und durch die gleichfalls bekannte Abschrecktechnik durch gekühlte Gase ersetzt werden.
Bei dieser Abschrecktechnik wird die rasche Abkühlung der Werkstücke in beispielsweise
10 Sekunden von 800 °C auf 500 °C durch Anströmen mit gekühlten Inertgasen wie beispielsweise
Stickstoff erreicht. Es versteht sich, daß hierbei die Abschreckwirkung um so größer
ist, je niedriger die Temperatur und je höher der Druck der Abschreckgase sind.
[0006] Durch die EP 0 313 889 A1 ist es bekannt, metallische Werkstücke mit Inertgasen in
einem Vakuumofen abzuschrecken, der alternierend als Heizvorrichtung und als Kühlvorrichtung
mittels eines einzigen Gebläses betrieben werden kann. In der Heizphase wird zunehmend
aufgeheiztes Inertgas durch Heizrohre in den Chargenraum des Ofens gedrückt. In der
Abkühlphase wird der Ofen zusätzlich mit kaltem Inertgas beschickt, bis ein Überdruck
entstanden ist. Das Inertgas wird jetzt über einen im gleichen Ofengehäuse angeordneten
Kühler geleitet und danach über die gleichen Rohre in den Chargenraum des Ofens gedrückt,
die zuvor als Heizrohre gedient haben. Zwischen diesen Rohren und dem Kühler befindet
sich eine hohlzylindrische Wärmedämmung, vor deren Stirnseiten sich kreisscheibenförmige
Wärmedämmplatten befinden. Durch Öffnen und Schließen der Wärmedämmung kann der Ofenbetrieb
von "Heizen" auf "Kühlen" bzw. "Abschrecken" umgesteuert werden.
[0007] Obwohl sich die vorstehend beschriebene Technologie bisher gut bewährt hat, sind
dennoch Verbesserungen erstrebenswert: Zum einen erfolgt der notwendige Gasaustausch
zwischen dem Ofen und außenliegenden Vorratsbehältern über verhältnismäßig enge Rohrleitungen,
so daß eine nicht unerhebliche Zeitverzögerung eintritt. Zum anderen müssen zwischen
der Heizphase und der Abkühl- bzw. Abschreckphase sämtliche Einbauteile des Ofens
bzw. der Ofenkammer an diesem erheblichen Temperaturwechsel teilnehmen, was nicht
nur eine gewisse Zeit erfordert, sondern auch erhebliche Energieverluste mit sich
bringt. Zum dritten hat die Ofenkammer wegen der vorstehend beschriebenen Einbauteile
(Heizeinrichtung` Kühleinrichtung, Wärmedämmung und deren Steuerelemente sowie Gebläse)
ein ganz beträchtliches Volumen, in dem auch bei Druckabsenkung auf Atmosphärendruck
unter teilweiser Rückgewinnung des Inertgasen ein ganz beträchtliches Gasvolumen verbleibt,
das nach dem Öffnen des Ofens zu Chargierzwecken an die Atmosphäre entweicht und damit
für weitere Prozesse verloren geht.
[0008] Es ist auch bekannt, die Abschreckung von härtbaren Werkstücken mit Kühlgasen durchzuführen,
die unter einem Druck von mehr als 20 bar stehen. Daraus ergibt sich, daß Vakuumöfen,
die in der Abkühlphase mit derartigen Drücken betrieben werden, schon wegen ihres
großen Volumens eine ganz erhebliche Wandstärke aufweisen müssen, um solchen Drücken
widerstehen zu können. Besonders hohe Anforderungen sind hierbei an die Dichtungsflansche
zwischen der Ofenkammer und der Ofentür zu stellen.
[0009] Die DE 28 44 843 A1 offenbart einen Industrieofen, der eine Einheit aus Heizkammer
und Abkühlvorrichtung bildet und sowohl Heizeinrichtungen als auch einen Gaskühler
und ein Gebläse innerhalb des Ofengehäuses enthält. Das Ofengehäuse besitzt ein großes
Volumen mit der Notwendigkeit entsprechend druckfester Gehäusewandungen. Durch die
ständige Aufheizung und Abkühlung sämtlicher innerhalb einer Wärmedämmung liegenden
Einbauteile entstehen beträchtliche Energieverluste und Aufheiz- und Abkühlzeiten.
Eine Vorratshaltung nennenswerter vorgekühlter und unter Druck stehender Gasmengen
ist nicht möglich.
[0010] Dabei sind vorhandene Sperrschieber keine gasdichten Absperrventile, die einer merklichen
Druckdifferenz widerstehen können. Es handelt sich also vielmehr nur um verschiebbare
Wandungsteile der Wärmedämmung.
[0011] Auf beiden Seiten der Sperrschieber herrscht stets Druckgleichheit solange wie keine
hohen Gasgeschwindigkeiten auftreten. Damit ist es nicht möglich, während der Zeit
der Wärmebehandlung große Mengen vorgekühlter Kühlgase bereit zu stellen und damit
den Abkühlvorgang schlagartig einzuleiten. Eine externe Kreislaufleitung hat nur ein
verschwindend geringes Volumen und enthält selbst weder ein Gebläse noch einen Kühler,
und sie steht auch mit ihrem einen Ende ständig mit dem Innenraum des Ofengehäuses
in Verbindung, so daß in der Kreislaufleitung stets der gleiche Druck herrscht wie
im Ofengehäuse selbst. Ein weiterer Nachteil liegt in der Tatsache, daß das Gebläse
erst dann angestellt wird, wenn der Abschreckvorgang eingeleitet werden soll. Motor
und Gebläse haben eine erhebliche Massenträgheit, so daß das Gebläse in seiner Drehzahl
erst allmählich "hochläuft" und damit auch die Kühlwirkung entsprechend langsam und
zeitverzögert einsetzt. Dies ist für die Härtung von Werkstücken aus niedrig legierten
Stählen und/oder mit größerer Wandstärke ein unbrauchbarer Zustand.
[0012] Der Aufsatz von Hoffmann u.a. "Möglichkeiten und Grenzen der Gasabkühlung" in HTM
47 (1992) 2, Seiten 112 bis 122, offenbart lediglich die Anwendung von Gasdrücken
bis 20 bar, entsprechend hohen Gasgeschwindigkeiten und Gasmengen. Die Eintritts-
und Austrittsöffnungen für das Kühlgas sind in der Decke und im Boden der Heizkammer
angebracht. Auch sind die Heizwiderstände stets im Innern einer Wärmedämmung angeordnet.
[0013] Der Hinweis darauf, daß die Bereitstellung von Kühlgas zum Fluten der kleinvolumigen
Kühlschleuse keine großen Speicheranlagen erforderlich macht, führt von der Erfindung
weg, denn die Erfindung besteht gerade darin, eine verhältnismäßig große Kühlgasmenge
zur Verfügung zu stellen.
[0014] Durch die EP 0 562 250 ist ein gattungsgemäßer Rollenherdofen bekannt, dessen Ofenkammer
eine Kühlkammer zum Abschrecken von Werkstücken unmittelbar nachgeschaltet ist. Die
Kühlkammer besitzt keine Heizeinrichtungen und ein möglichst kleines Volumen. Der
Druckbereich der Gase kann dabei zwischen 0,5 und 20 bar liegen. Die Kühlkammer ist
nach dem Einbringen der Werkstücke einseitig durch einen Deckel verschließbar, während
der äußere Gaskreislauf, der ein Gebläse und einen Gaskühler enthält, gegenüber der
Kühlkammer nicht gesondert absperrbar ist. In der Kühlkammer und im Gaskreislauf herrschen
also stets gleiche Drücke. Über den Querschnitt oder das Speichervolumen der Kreislaufleitungen
ist nichts ausgesagt, und im Hinblick auf Gasverluste nach dem Öffnen der Kühlkammer
ist davon auszugehen, daß der Gaskreislauf möglichst geringe Gasmengen enthält. Ein
dort vorhandener Gasentspannungsbehälter ist nicht Teil des Kühlkreislaufs, sondern
dient lediglich zur Aufnahme der entspannten Gase. Es wird also keine unter Druck
stehende Kühlgasmenge bereit gehalten, sondern es wird zunächst der Deckel geschlossen
und danach das Gebläse eingeschaltet. Hierbei wird durch das Anlaufen des Gebläses
sowohl in der Kreislaufleitung als auch in der Abkühlkammer erst allmählich ein Druck
aufgebaut. Die Abschreckwirkung wird beim Stande der Technik dadurch erreicht, daß
die Werkstücke gezielt durch Gasstrahlen angeblasen werden. Diese Maßnahme eignet
sich nur für genau positionierte Werkstücke, bei denen es sich entweder um einzelne
Ringe oder um aufeinander gestapelte Ringe handelt, an die die Kühlkammer und die
Lage der Düsen besonders angepaßt ist. Selbst wenn ein Werkstück auch aus mehreren
kleinen Einzelteilen bestehen kann, die in kleiner gleichmäßiger Schütthöhe auf einem
gasdurchlässigen Träger angeordnet sind, dann muß immer noch die Kühlkammer mit dem
Düsenfeld der Raumlage der Werkstücke angepaßt sein.
[0015] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs beschriebenen
Gattung anzugeben, das technisch vorteilhaft und wirtschaftlich betrieben werden kann,
d.h. bei dem ein Temperaturwechsel innerhalb kurzer Zeit und bei geringen Energie-
und Gasverlusten durchgeführt werden kann.
[0016] Die Lösung der gestellten Aufgabe erfolgt bei dem eingangs angegebenen Verfahren
erfindungsgemäß dadurch, daß man ein Kreislaufsystem verwendet, dessen geometrisches
Volumen größer ist als das geometrische Volumen der Kühlkammer, daß man in dem beidseitig
gegenüber der Kühlkammer abgesperrten Kreislaufsystem eine unter Druck stehende kalte
Gasmenge bei laufendem Gebläse bereithält, die Kühlkammer mit den Werkstücken beschickt,
danach die Kühlkammer auf gegenüberliegenden Seiten schlagartig gegenüber dem Kreislaufsystem
öffnet und die Gasmenge zur Kühlung über die Werkstücke leitet.
[0017] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird ein verhältnismäßig großes Volumen von unter
Druck stehendem Kühlgas in Bereitstellung gehalten, und zwar dadurch, daß man das
Kreislaufsystem beidseitig gegenüber der Kühlkammer absperrt. Weiterhin erfolgt die
Bereitstellung des Kühlgases bei laufendem Gebläse, so daß auch die Anlaufzeit des
mit einer Massenträgheit behafteten Gebläses wegfällt. Durch schlagartiges Öffnen
der auf beiden Seiten der Kühlkammer angeordneten gasdichten Absperrventile wird die
Kühlkammer gleichfalls schlagartig mit dem Kühlgas beaufschlagt. Hierbei ist von Bedeutung,
daß durch das laufende Gebläse auf dessen Druckseite ein höherer Druck vor dem Absperrventil
der Kühlkammer ansteht als auf der Saugseite. Naturgemäß entsteht durch das schlagartige
Öffnen der Absperrventile kurzzeitig ein Zusammenprall der Gase. Durch die Druckdifferenz
zwischen Druckseite und Saugseite erfolgt aber praktisch unverzögert sofort eine Gasströmung
mit hoher Geschwindigkeit. Zur Unterstützung der erfindungsgemäßen Maßnahme kann man
sogar durch eine kurzzeitige sequentielle Aufeinanderfolge der Öffnung der beiden
Absperrventile dafür sorgen, daß die Kühlkammer sofort in einer Richtung von dem unter
hohen Druck stehenden Kühlgas durchströmt wird.
[0018] Von besonderer Bedeutung ist hierbei auch das Vorhandensein einer Kühlkammer, die
ausschließlich zu Kühlzwecken verwendet wird und auch entsprechend konstruiert ist.
So besitzt diese Kühlkammer keine innenliegenden Heizeinrichtungen und insbesondere
auch keine innenliegende Wärmedämmung; sie wird vielmehr im Zusammenhang mit einem
Wärme- oder Glühofen verwendet, der jedoch nicht Gegenstand der Erfindung ist. Damit
kann zunächst einmal die Kühlkammer ein relativ kleines Volumen erhalten, das im wesentlichen
nur der Chargengröße bzw. der Größe des weiter oben beschriebenen "Feldes" an Werkstücken
entsprechen muß. Eine solche Kühlkammer läßt sich bei einer schlagartigen Verbindung
mit dem an sie angeschlossenen Kreislaufsystem außerordentlich kurzzeitig mit dem
unter Druck stehenden Kühlgas beaufschlagen, das infolge eines entsprechenden Überdrucks
extrem kurzzeitig nicht nur die gesamte Kühlkammer ausfüllt, sondern auch mit hoher
Strömungsgeschwindigkeit über die Werkstücke geleitet wird.
[0019] Da hierbei keine Einbauteile wie Heizeinrichtungen, Wärmedämmungen und deren Steuerelemente
sowie Gebläse abgekühlt werden müssen, geht für diesen Vorgang weder Zeit verloren,
noch sind unnötige Energieverluste in Kauf zu nehmen; vielmehr wird das im Kreislauf
umgewälzte Kühlgas sofort und mit voller Intensität wirksam. Das entsprechend geringe
Volumen der Kühlkammer führt weiterhin dazu, daß nach einer Druckabsenkung auf Atmosphärendruck
durch Abpumpen des Kühlgases nur ein verhältnismäßig geringer Rest an Kühlgas an die
Atmosphäre gelangen kann, wenn die genärtete Charge der Kühlkammer entnommen und eine
neue erhitzte Charge in die Kühlkammer eingeführt wird. Durch die Ersparnis an Zeit,
Energie und Gas werden die Betriebskosten ganz erheblich gesenkt.
[0020] Das erfindungsgemäße Verfahren kann insbesondere im Zusammenhang mit Wärme- und Glühofen
durchgeführt werden, die ihre erhitzte Charge bisher an Salz- oder Ölbäder abgegeben
haben. Dadurch entsteht ein kontinuierlich bzw. quasi-kontinuierlich ablaufendes In-line-Verfahren,
das speziell in der Kugellagerfertigung zu einer hohen Wirtschaftlichkeit führt. Darauf
ist die Erfindung aber keineswegs beschränkt.
[0021] Es ist dabei besonders vorteilhaft, wenn die Menge des im Kreislaufsystem bereitgehaltenen
kalten Kühlgases besonders groß ist im Verhältnis zum geometrischen Volumen der Kühlkammer.
Dieses Ziel kann sowohl durch ein entsprechend groß gewähltes Verhältnis der geometrischen
Volumina von Kreislaufsystem einerseits und Kühlkammer andererseits erreicht werden,
allerdings auch additiv oder alternativ dadurch, daß man das im Kreislaufsystem bereitgehaltene
Kühlgas unter einem möglichst hohen überatmosphärischen Druck hält, vorzugsweise auf
einem Druck von mindestens 5 bar, besonders vorzugsweise auf einem Druck von mindestens
8 bar. Die idealen Verhältnisse ergeben sich aus der Überlegung, daß bei der strömungstechnischen
Verbindung des Kreislaufsystems mit der Kühlkammer ein Druckausgleich erfolgt. Da
der Druck in der Kühlkammer neben der Gasgeschwindigkeit und der Gastemperatur entscheidend
ist für den Abkühl- bzw. Abschreckverlauf, sind entsprechend die geometrischen Volumina
und die Druckverhältnisse im Kreislaufsystem zu wählen.
[0022] Bei Verwendung von Inertgas als Kühlgas, beispielsweise von Stickstoff, empfiehlt
sich auch eine Füllung der Kühlkammer mit diesem Inertgas unter gleichzeitiger Verdrängung
oder Ausspülung der beim Chargieren in die Kühlkammer eingetretenen Luft. Auf diese
Weise wird die Reinheit des Kühlgases über lange Zeit erhalten. Es ist natürlich alternativ
auch möglich, die Kühlkammer vor der Verbindung mit dem Kreislaufsystem zu evakuieren,
um die Umgebungsluft zu entfernen.
[0023] In besonders vorteilhafter Weise beträgt dabei das Verhältnis der geometrischen Volumina
von Kreislaufsystem und Kühlkammer mindestens 5.
[0024] Es ist dabei weiterhin von Vorteil, wenn man das Kühlgas in der Bereitstellungsphase
durch ein laufendes Gebläse im Wärmekontakt mit einem Kühler hält. Hierdurch wird
einmal gewährleistet, daß das Kühlgas die optimal niedrige Temperatur beim schlagartigen
Eintritt in die Kühlkammer aufweist, zum anderen wird eine Erwärmung des Kühlgases,
die durch den Betrieb des Gebläses erfolgt, vermieden. Diese Verfahrensmaßnahme ist
dann besonders wirksam, wenn man das Kühlgas in der Bereitstellungsphase durch eine
By-pass-Leitung im Kreislauf über den Kühler führt.
[0025] Da die Kühlkammer nach Beendigung der Abkühlphase notwendigerweise mit unter Druck
stehendem Kühlgas gefüllt ist, ist es zur Vermeidung unnötiger Kühlgasverluste besonders
vorteilhaft, wenn man nach dem Abkühlen der Werkstücke das in der Kühlkammer befindliche,
unter Überdruck stehende Kühlgas bis zum Druckausgleich mit der Atmosphäre in einen
Sammelbehälter einleitet und aus diesem mittels eines Kompressors in das Kreislaufsystem
zurückfördert. Hierdurch werden ganz erhebliche Kühlgasmengen wiedergewonnen, und
nur die unter Normaldruck stehende und dem Innenvolumen der Kühlkammer entsprechende
Kühlgasmenge geht durch den Chargenaustausch verloren.
[0026] Es ist weiterhin von Vorteil, wenn man die Werkstücke mittels einer aus Rollen bestehenden
Transportbahn fördert und die in der Kühlkammer angeordneten Rollen während des Abkühlvorganges
mit alternierendem Drehsinn antreibt, insbesondere dann, wenn der Drehwinkel für die
alternierende Drehbewegung zu mindestens 180 Grad gewählt wird. Hierdurch wird verhindert,
daß die für die Halterung der Werkstücke beim Abkühlvorgang benötigte Auflage, die
ohnehin durchbrochen ausgebildet sein muß, eine örtliche Behinderung der Kühlwirkung
am Werkstück erzeugt oder gar die Kühlluft an dem betreffenden Oberflächenteil des
Werkstücks vorbeiführt. Durch die alternierende Drehbewegung der Transportrollen wird
eine oszillierende Bewegung der Werkstücke senkrecht zu den Achsen der Transportrollen
erreicht, wobei die Oszillationsfrequenz so hoch gewählt werden sollte, daß eine möglichst
gleichmäßige Kühlwirkung über die gesamte Werkstückoberfläche erzielt wird.
[0027] Die Verwendung von Rollen für die Auflage der Werkstücke ist dann besonders vorteilhaft,
wenn man die Kühlluft von unten her durch die Rollenbahn gegen die Werkstücke bläst.
In diesem Falle wirken nämlich die Zwischenräume zwischen den Rollen als Düsen, die
nicht nur eine hohe Strömungsgeschwindigkeit erzeugen, sondern auch eine hohe Vergleichmäßigung
der Strömungsgeschwindigkeit in den einzelnen, aus den Düsen austretenden Gasstrahlen.
[0028] Die Erfindung betrifft auch eine Vorrichtung zum Abkühlen, insbesondere zum Abschrecken,
von Werkstücken durch unter Druck stehende Kühlgase mit einer druckfesten, von Heizeinrichtungen
freien Kühlkammer zur Aufnahme der Werkstücke, mit einer an die Kühlkammer angeschlossenen
druckfesten Kreislaufleitung, in der ein Kühler und ein Gebläse für die Kühlgase angeordnet
sind, und mit Ventilen für die Steuerung der Zufuhr und der Abfuhr der Kühlgase.
[0029] Zur Lösung der gleichen Aufgabe ist eine solche Vorrichtung erfindungsgemäß dadurch
gekennzeichnet, daß die Kühlkammer gegenüber der Kreislaufleitung auf mindestens zwei
gegenüberliegenden Seiten der Kühlkammer durch die Ventile druckdicht absperrbar ist,
daß die Kreislaufleitung ein geometrisches Volumen aufweist, das größer ist als das
geometrische Volumen der Kühlkammer, und daß die Ventile zumindest im wesentlichen
gleichzeitig in ihre Offenstellung bringbar sind, derart, daß die Kühlkammer schlagartig
von der Kreislaufleitung aus unter Druck setzbar und vom Kühlgas für eine vorgebbare
Abkühldauer durchströmbar ist.
[0030] Die mit einer solchen konstruktiven Ausbildung der Vorrichtung verbundenen Vorteile
ergeben sich aus den bereits oben im Zusammenhang mit der Verfahrensführung beschriebenen
Vorteile.
[0031] Es ist dabei weiterhin von Vorteil, wenn die Kreislaufleitung einerseits an die Oberseite
und andererseits an die Unterseite der Kühlkammer angeschlossen ist und wenn die Ventile
im Bereich der Anschlußstellen der Kreislaufleitung an die Kühlkammer angeordnet sind.
[0032] Mit einer solchen Vorrichtung sind zwei Betriebsarten möglich, nämlich einmal diejenige,
bei der das Kühlen im Parallelstrom von oben nach unten erfolgt, und zum anderen eine
solche Betriebsweise, bei der das Kühlen im Parallelstrom von unten nach oben erfolgt.
Die zuletzt genannte Betriebsweise ist besonders dann vorteilhaft, wenn als Transportbahn
die bereits weiter oben beschriebene Rollenbahn verwendet wird. Dadurch, daß die Ventile
im Bereich der Anschlußstellen der Kreislaufleitung an die Kühlkammer angeordnet sind,
wird bei gegebenen Volumina von Kühlkammer einerseits und Kreislaufsystem andererseits
ein besonders günstiges Volumensverhältnis erzeugt.
[0033] Es ist dabei weiterhin von Vorteil, wenn die Ventile als Absperrklappen ausgebildet
sind. Mit solchen Ventilen ist es in ganz besonders vorteilhafter Weise möglich, einen
schlagartigen Druckausgleich und einen schlagartigen Einsatz der Kühlgasströmung herbeizuführen.
[0034] Es ist weiterhin von Vorteil, wenn die Kühlkammer quaderförmig ausgebildet ist und
die Absperrklappen der Ventile in ihrer Schließstellung parallel zur Oberseite und
zur Unterseite der Kühlkammer ausgerichtet sind. Insbesondere ist es von Vorteil,
wenn die Ventilquerschnitte einen möglichst großen Teil der Flächen von Oberseite
und Unterseite der Kühlkammer einnehmen. In diesem Falle erfaßt die schlagartig einsetzende
Kühlgasströmung einen möglichst großen Querschnitt der Kühlkammer.
[0035] Es ist dabei weiterhin von Vorteil, wenn zwischen den Ventilen und dem Innenraum
der Kühlkammer Gasleiteinrichtungen für die Homogenisierung der Gasströmung in Bezug
auf eine von den Werkstücken eingenommene Fläche, das sogenannte "Feld", angeordnet
sind. Derartige Gasleiteinrichtungen haben die Wirkung sogenannter Diffusoren; sie
können aus Leitblechen, Lochsieben oder dergleichen bestehen. Eine besonders vorteilhaft
wirkende Gasleiteinrichtung entsteht jedoch dann, wenn sich in der Kühlkammer eine
aus untereinander parallelen zylindrischen Rollen bestehende Transportbahn für die
Werkstücke befindet und wenn die Druckseite der Kreislaufleitung unterhalb der Transportbahn
in die Kühlkammer mündet. In diesem Fall wird die Strömung von unten nach oben durch
die Kühlkammer geführt, und die besagte Rollenbahn dient als eine Reihenanordnung
von schlitzförmigen Düsen, die in Verbindung mit der oszillierenden Bewegung der Werkstücke
zu einer besonders intensiven und gleichmäßigen Kühlung führt.
[0036] Der Erfindungsgegenstand ist nicht auf Neukonstruktionen beschränkt, vielmehr lassen
sich auch bereits bestehende Wärme- und Glühöfen durch Zuschaltung einer erfindungsgemäßen
Vorrichtung nachrüsten.
[0037] Der Erfindungsgegenstand ermöglicht wegen der Vermeidung von Umweltbelastungen auch
eine lückenlose Integration in die Fertigung der Werkstücke, so daß eine mechanische
Fertigung und die Härterei in ein und demselben Fertigungsbereich durchgeführt werden
können, insbesondere im Sinne einer In-line-Fertigung. Hierdurch lassen sich die Betriebskosten
weiter senken.
[0038] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen des Erfindungsgegenstandes ergeben sich aus
den übrigen Unteransprüchen.
[0039] Zwei Ausführungsbeispiele des Erfindungsgegenstandes werden nachfolgend anhand der
Figuren 1 bis 4 näher erläutert.
[0040] Es zeigen:
- Figur 1
- eine Seitenansicht einer vollständigen Anlage mit einem Schnitt durch die Kühlkammer
für eine von oben nach unten gerichtete Kühlgasströmung,
- Figur 2
- einen teilweisen Schnitt durch den Gegenstand von Figur 1 entlang der Linie II-II
in Figur 1,
- Figur 3
- eine Seitenansicht einer aus parallelen Zylinderrollen bestehenden Transportbahn mit
einem aufgelegten Außenring für ein Kugellager, und
- Figur 4
- eine Variante des Gegenstandes nach Figur 1 mit entgegengesetzter Strömungsrichtung
des Kühlgases für die Anwendung einer Rollenbahn nach Figur 3.
[0041] In den Figuren 1 und 2 ist eine Kühlkammer 1 dargestellt, zu der ein druckfestes
Gehäuse 2 gehört. Im Innern der Kühlkammer 1 befindet sich eine Transportbahn 3, die
aus einer waagrechten Reihenanordnung untereinander paralleler zylindrischer Rollen
4 besteht, wie dies aus Figur 3 deutlicher ersichtlich ist. Im Bereich beider Enden
der Transportbahn 3 besitzt das Gehäuse 2 auf gegenüberliegenden Seiten Absperrschieber
5 mit Hubeinrichtungen 6 für die Freigabe von Chargieröffnungen 7. Die außerhalb dieser
Chargieröffnungen vorhandenen Transportbahnen sind der Einfachheit halber nicht dargestellt.
Der Abstand zwischen den einzelnen Transportbahnen kann durch Rollen 4a überbrückt
werden, die gemeinsam mit den Absperrschiebern 5 heb- und senkbar sind. Die Transportrichtung
der Werkstücke ist durch Pfeile 8 angegeben. Ein in der Kühlkammer 1 befindliches
Feld 9 von einzelnen Werkstücken, die in einer Ebene in dichter Packung angeordnet
sind, ist nur strichpunktiert angedeutet (Figur 1). Oberhalb und unterhalb dieses
Feldes 9 befinden sich Gasleiteinrichtungen 10 und 11, die aus Leitblechen bestehen
und dazu dienen, die Gasströmung möglichst gleichmäßig auf das Feld 9 von Werkstücken
auszubreiten. Die obere Gasleiteinrichtung 11 ist zur Unterstützung ihrer Wirkung
noch mit einem waagrechten Lochblech 12 versehen.
[0042] Die Kühlkammer 1 besitzt eine Oberseite 13 und eine Unterseite 14, in denen Öffnungen
13a und 14a möglichst großen Querschnitts angeordnet sind, von denen die Gasleiteinrichtungen
11 und 10 ausgehen.
[0043] An die Kühlkammer 1 ist eine Kreislaufleitung 15 angeschlossen, und zwar einerseits
an die Oberseite 13 und andererseits an die Unterseite 14. Zu dieser Kreislaufleitung
15 gehören zwei waagrechte Leitungsabschnitte 16 und 17 und ein senkrechter Leitungsabschnitt
18 mit einem im Querschnitt erweiterten Abschnitt 19, in dem ein Kühler 20 untergebracht
ist, der aus einer Rohrleitung mit einer Vielzahl von Windungen besteht, die radial
und axial mit entsprechenden Zwischenräumen gestaffelt angeordnet sind, so daß für
das Kühlgas ausreichende Strömungswege zur Verfügung stehen. Zur Erhöhung des gasseitigen
Wärmeaustausches ist die Rohrleitung vorzugsweise mit außenseitigen Rippen versehen.
Im Innern des Kühlers 20 befindet sich ein Füllkörper 21, durch den die Strömung durch
den Kühler 20 gezwungen wird.
[0044] Unterhalb des Kühlers 20 befindet sich ein Gebläse 22, dessen Gebläserad 23 von einem
Elektromotor 24 angetrieben wird. Der untere waagrechte Leitungsabschnitt 17 mündet
in das Gebläse 22.
[0045] Der andere senkrechte Abschnitt der Kreislaufleitung 15 wird nahezu vollständig durch
die Kühlkammer 1 und zwei Ventile 25 und 26 gebildet, deren Gehäuse gleichzeitig die
Anschlußstellen für die Kreislaufleitung 15 bilden.
[0046] Es ist aus Figur 1 ersichtlich, daß die Kreislaufleitung 15 im Verhältnis zum Volumen
der Kühlkammer 1 einen sehr großen Querschnitt aufweist und dadurch nicht nur einen
hohen Durchsatz an Kühlgas durch die Kühlkammer 1 ermöglicht, sondern auch als großes
Speichervolumen für das unter hohem Druck stehende Kühlgas dient, wenn die Ventile
25 und 26 geschlossen sind. Um in dieser Betriebsphase das Kühlgas auch weiterhin
durch das Gebläse 22 über den Kühler 20 führen zu können, ist zwischen den waagrechten
Leitungsabschnitten 16 und 17 eine By-pass-Leitung 27 mit einem Absperrventil 28 vorgesehen.
Durch diese Maßnahme kann eine etwaige Restwärme des Kühlgases auch bei geschlossenen
Ventilen 25 und 26, d.h. während der Chargierphase, abgeführt werden, und weiterhin
wird verhindert, daß sich das Kühlgas durch Gasverwirbelung mittels des Gebläserades
23 erwärmt.
[0047] Aus Figur 2 ist zu ersehen, daß die Ventile 25 und 26 mit Absperrklappen 29 ausgestattet
sind, die in Figur 2 in ihrer Offenstellung strichpunktiert dargestellt sind. Die
Absperrklappen sind doppelexzentrisch gelagert und werden durch Stellmotoren 30 angetrieben.
In der in Figur 2 dargestellten Offenstellung verlaufen die Ebenen der beiden Absperrklappen
29 senkrecht und bilden dadurch einen kleinstmöglichen Strömungswiderstand. In der
nicht dargestellten Schließstellung der Absperrklappen 29 verlaufen diese parallel
zur Oberseite 13 und zur Unterseite 14 der Kühlkammer 1. Die vorteilhafte Wirkung
derartiger Ventile mit Absperrklappen wurde bereits in der allgemeinen Beschreibung
erläutert. Es ist aus den Zeichnungen erkennbar, daß die Ventilquerschnitte einen
möglichst großen Teil der Flächen von Oberseite 13 und Unterseite 14 der Kühlkammer
1 einnehmen.
[0048] Figur 1 ist noch zu entnehmen, daß die Kühlkammer 1 über eine Leitung 31 mit einem
Absperrventil 32 an eine Sammelkammer 33 angeschlossen ist, die ihrerseits über einen
Kompressor 34 und ein weiteres Absperrventil 35 mit der Kreislaufleitung 15 verbunden
ist. Diese Maßnahme dient dazu, das nach Beendigung der Abkühlphase und nach dem Schließen
der Ventile 25 und 26 in der Kühlkammer 1 befindliche und noch unter hohem Druck stehende
Kühlgas in die Sammelkammer 33 zu überführen und dabei einen Druckausgleich bis auf
etwa Atmosphärendruck herbeizuführen. Nach dem Schließen des Absperrventils 32 kann
alsdann die Kühlkammer 1 mittels der Absperrschieber 5 geöffnet werden, so daß die
Kühlkammer 1 entladen und neu chargiert werden kann. Das in der Sammelkammer 33 befindliche
Kühlgas kann auch dazu verwendet werden, die nach dem Chargieren in der Kühlkammer
1 befindliche Luft zu verdrängen.
[0049] Es ergibt sich aus den Figuren 1 und 2, daß das gesamte System auf einen hohen Gasdruck,
hohe Gasdurchsätze bzw. Gasgeschwindigkeiten ausgelegt ist und insbesondere auch im
Hinblick auf eine hohe Stellgeschwindigkeit der Ventile 25 und 26. Es ergibt sich
weiterhin, daß das geometrische Volumen der Kühlkammer 1 kleinstmöglich und das geometrische
Volumen der Kreislaufleitung 15 unterhalb einer vertretbaren Obergrenze größtmöglich
ausgelegt sind, um beim Druckausgleich durch Öffnen der Ventile 25 und 26 einen möglichst
geringen Druckabfall in Kauf nehmen zu müssen. Je kleiner das geometrische Volumen
der Kreislaufleitung 15 ist, um so höher muß dort der Druck vor dem Druckausgleich
eingestellt werden, damit in der Kühlkammer 1 ein vorgegebener Druck für die Kühlphase
erreicht wird. Als Druckerzeuger für das Füllen des Systems kann beispielsweise der
Kompressor 34 verwendet werden, wenn in die Leitung 36 zwischen der Sammelkammer 33
und dem Kompressor 34 ein Zwei-Wege-Ventil eingebaut wird, dessen eine Eintrittsleitung
an eine Gasversorgungseinrichtung für Kühlgas angeschlossen ist, was hier jedoch nicht
im einzelnen dargestellt ist.
[0050] Die sogenannte Druckseite der Kreislaufleitung 15 befindet sich auf der Seite des
Ventils 25, was hier durch einen Pfeil 37 angedeutet ist. Dies bedeutet, daß bei dem
Ausführungsbeispiel nach den Figuren 1 und 2 die Werkstücke im Feld 9 von oben nach
unten angeströmt werden, so daß in diesem Falle das Lochblech 12 eine zweckmäßige
Ergänzung der oberen Gasleiteinrichtung 11 darstellt.
[0051] Figur 3 zeigt in erheblich vergrößertem Maßstab einen Ausschnitt aus der Transportbahn
3 innerhalb des Gehäuses 2 mit zylindrischen und parallel zueinander angeordneten
Rollen 4, auf denen ein Werkstück 38 aufliegt, das im vorliegenden Falle durch den
Außenring eines Wälzlagers gebildet wird. Ein solcher Ring hat beispielhaft einen
Außendurchmesser von 100 mm, einen Innendurchmesser von 80 mm und eine Höhe von 20
mm, so daß sich eine Wandstärke von 10 mm ergibt. Es ist Figur 3 insbesondere zu entnehmen,
daß zwischen den Rollen 4 Spalte gebildet werden, deren Breite etwa ein Drittel des
Durchmessers der Rollen 4 entspricht. Diese Spalte bilden gewissermaßen Schlitzdüsen,
durch die das Kühlgas in Richtung der Pfeile 39 hindurchgefördert werden kann, so
daß eine hohe Strömungsgeschwindigkeit entsteht. Diese Verfahrensführung ist insbesondere
dann von Vorteil, wenn die Richtung der Kühlgasströmung gegenüber Figur 1 umgekehrt
wird, d.h. wenn die Druckseite der Kreislaufleitung 15 unterhalb der Kühlkammer 1
liegt, worauf im Zusammenhang mit Figur 4 noch näher eingegangen wird.
[0052] Die Werkstücke 38 liegen unter linienförmiger Berührung auf den Rollen 4 auf, und
diese Rollen würden natürlich zu einer "Abschattung" des Kühleffekts führen, wenn
sich die Werkstücke 38 im Ruhezustand befinden würden. Um eine möglichst gleichförmige
Kühlung bei dennoch extrem hoher Strömungsgeschwindigkeit zu erzielen, sind sämtliche
Rollen 4 mit einem Reversierantrieb 40 verbunden, der in Figur 3 nur schematisch angedeutet
ist, aber natürlich auf alle Rollen 4 einwirkt. Mittels dieses Reversierantriebes
wird in der Abkühlphase eine periodische alternierende Drehrichtung der Rollen 4 erzwungen,
wobei der Drehwinkel mindestens 180 Grad beträgt. Bei entsprechend hoher Frequenz
der Drehrichtungsumkehr innerhalb des Abkühlzyklus werden dadurch alle Oberflächenelemente
des Werkstücks 38 bzw. aller Werkstücke 38 quasi-gleichmäßig vom Kühlgas beaufschlagt,
so daß im Effekt ein gleichförmiger Abschreckvorgang erzielt werden kann. Es versteht
sich, daß beim Beladen einerseits und beim Entladen der Kühlkammer 1 andererseits
der Reversierantrieb 40 auch auf eine gleichgerichtete Transportrichtung umgeschaltet
werden kann.
[0053] Aus Figur 4 ist ersichtlich, daß die Druckseite der Kreislaufleitung 15 im Bereich
des unteren Ventils 26 liegt, was durch den Pfeil 41 angedeutet ist. Dadurch gelten
für den Abkühlvorgang die in Figur 3 erläuterten Strömungsverhältnisse. Durch die
Düsenwirkung der Rollen 4 entfällt dadurch auch das in den Figuren 1 und 2 gezeigte
Lochblech 12. Durch die In Figur 4 umgekehrte Strömungsrichtung ergibt sich auch eine
umgekehrte Einbaulage von Gebläse 22 und Kühler 20, und zwar ist in diesem Falle das
Gebläse 22 über dem Kühler 20 angeordnet. Infolgedessen mündet der waagrechte Leitungsabschnitt
16 in das Gebläse 22, das gleichfalls als Radialgebläse ausgeführt ist, und dieses
mündet wiederum in den erweiterten Abschnitt 19 mit dem Kühler 20. Selbstverständlich
kann auch die Anordnung nach Figur 4 durch die By-pass-Leitung 27 mit dem Absperrventil
28 nach Figur 1 erweitert werden, und auch die Anlage nach Figur 4 wird zweckmäßigerweise
mit einer Sammelkammer 33 analog Figur 1 betrieben.
[0054] Es ergibt sich aus dem vorstehend geschilderten Zusammenhang, daß die Kühlgasströmung
schlagartig einsetzt, sobald die Ventile 25 und 26 geöffnet werden und das Absperrventil
28 geschlossen wird, sofern eine By-pass-Leitung 27 vorhanden ist. Durch die fortgesetzte
Rotation des Gebläserades 23 werden die Werkstücke auch schlagartig mit der Kühlgasströmung
beaufschlagt, d.h. es bedarf nicht erst eines zeitaufwendigen Hochlaufens des Elektromotors
24 mit dem Gebläserad 23. Will man eine Erwärmung des Gases in der Kreislaufleitung
15 bei geschlossenen Ventilen 25 und 26 vermeiden, so kann zwischen dem Gebläserad
23 und dem Elektromotor 24 eine hier nicht gezeigte Kupplung vorgesehen werden, d.h.
der Elektromotor 24 wird auf seiner Betriebsdrehzahl gehalten, und das Gebläserad
23 wird bei Beginn der Abkühlphase schlagartig zugeschaltet. Da die rotierende Masse
des Elektromotors 24 in der Regel sehr viel größer ist als die rotierende Masse des
Gebläserades 23, kann dieses Gebläserad schneller auf Betriebsdrehzahl gebracht werden,
als wenn die Kombination von Elektromotor und Gebläserad gemeinsam auf die Betriebsdrehzahl
hochgefahren werden müßte.
Beispiel:
[0055] In einer Vorrichtung nach den Figuren 3 und 4 wurden Felder 9 mit jeweils 5 x 5 in
möglichst enger Nachbarschaft zueinander angeordneten Außenringen von Kugellagern
abgeschreckt und gehärtet, wobei diese Außenringe die Dimensionen aufwiesen, die im
Zusammenhang mit Figur 3 beschrieben wurden. Die betreffenden Ringe bestanden aus
der Legierung 100Cr6, d.h. einem ausgesprochenen "Ölhärter". Zu Beginn der Abschreckphase
befanden sich die Werkstücke auf einer Temperatur von 850 °C, und der Außenumfang
des mit 5 x 5 Ringen bestückten Feldes betrug 550 mm x 550 mm. Dieses Feld von Kugellagerringen
wurde in der Abkühlphase bei einem Druck in der Kühlkammer von 10 bar und einer Gasgeschwindigkeit
von 12 m pro Sekunde und einer Gastemperatur von etwa 30 °C innerhalb einer Zeitspanne
von 30 Sekunden auf eine Endtemperatur von 100 °C abgeschreckt, wobei die geforderte
Härtung erzielt wurde. Es handelte sich um eine Abkühlgeschwindigkeit, wie sie üblicherweise
auch unter Verwendung von Abschrecköl erreicht wird. Die gemessene Härtequalität der
Ringe betrug an ihrer gesamten Oberfläche 64HR
c. Die gesamte Zykluszeit für das Öffnen der Absperrschieber 5, das Zusammenfahren
der Rollenbahnen, das Einfahren der Werkstücke 38, das Trennen der Rollenbahnen, das
Schließen der Absperrschieber 5, das Fluten der Kühlkammer bzw. Öffnen der Ventile
25 und 26, das Kühlen, das Ablassen des Kühlgases in den Sammelbehälter 33, das Öffnen
der Absperrschieber 5 und das Ausfahren der Werkstücke 38 betrug hierbei nur 66 Sekunden.
1. Verfahren zum Abkühlen von aus einem Wärmeofen angelieferten metallischen Werkstücken,
insbesondere zum Härten, in einer von Heizeinrichtungen freien, durch mindestens ein
gasdichtes Absperrventil (25, 26) abschließbaren Kühlkammer (1) mittels unter überatmosphärischem
Druck stehender durch ein Gebläse (22) in einem druckfesten Kreislauf über einen äußeren
Kühler (20) geführter Gase, dadurch gekennzeichnet, daß man ein Kreislaufsystem verwendet, dessen geometrisches Volumen größer ist als
das geometrische Volumen der Kühlkammer (1), daß man in dem beidseitig gegenüber der
Kühlkammer (1) abgesperrten Kreislaufsystem eine unter Druck stehende kalte Gasmenge
bei laufendem Gebläse (22) bereithält, die Kühlkammer (1) mit den Werkstücken (38)
beschickt, danach die Kühlkammer (1) auf gegenüberliegenden Seiten schlagartig gegenüber
dem Kreislaufsystem öffnet und die Gasmenge zur Kühlung über die Werkstücke (38) leitet.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das geometrische Volumen der im Kreislaufsystem bereitgehaltenen gekühlten Gasmenge
mindestens das Fünf-fache des geometrischen Volumens der Kühlkammer (1) beträgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man in der Bereitstellungsphase das Kühlgas durch das laufende Gebläse (22)
im Wärmekontakt mit dem Kühler (20) hält.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß man das Kühlgas in der Bereitstellungsphase durch eine By-pass-Leitung (27)
im Kreislauf über den Kühler (20) führt.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man nach dem Abkühlen der Werkstücke (38) das in der Kühlkammer (1) befindliche,
unter Überdruck stehende Kühlgas bis zum Druckausgleich mit der Atmosphäre in einen
Sammelbehälter (33) einleitet und aus diesem mittels eines Kompressors (34) in das
Kreislaufsystem zurückfördert.
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die Werkstücke mittels einer aus Rollen (4) bestehenden Transportbahn (3)
durch die Kühlkammer (1) fördert und die in der Kühlkammer (1) angeordneten Rollen
(4) während des Abkühlvorganges mit alternierendem Drehsinn antreibt.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Drehwinkel für die alternierende Drehbewegung zu mindestens 180 Grad gewählt
wird.
8. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß man die Kühlluft von unten her durch die Rollenbahn (3) gegen die Werkstücke
(38) bläst.
9. Vorrichtung zum Abkühlen, insbesondere zum Abschrecken, von Werkstücken durch unter
Druck stehende Kühlgase mit einer druckfesten von Heizeinrichtungen freien Kühlkammer
(1) zur Aufnahme der Werkstücke (38), mit einer an die Kühlkammer angeschlossenen
druckfesten äußeren Kreislaufleitung (15), in der ein Kühler (20) und ein Gebläse
(22) für die Kühlgase angeordnet sind, und mit Ventilen (25, 26) für die Steuerung
der Zufuhr und der Abfuhr der Kühlgase, dadurch gekennzeichnet, daß die Kühlkammer (1) gegenüber der Kreislaufleitung (15) auf mindestens zwei gegenüberliegenden
Seiten der Kühlkammer (1) durch die Ventile (25, 26) druckdicht absperrbar ist, daß
die Kreislaufleitung (15) ein geometrisches Volumen aufweist, das größer ist als das
geometrische Volumen der Kühlkammer (1), und daß die Ventile (25, 26) zumindest im
wesentlichen gleichzeitig in ihre Offenstellung bringbar sind, derart, daß die Kühlkammer
(1) schlagartig von der Kreislaufleitung (15) aus unter Druck setzbar und vom Kühlgas
für eine vorgebbare Abkühldauer durchströmbar ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß das geometrische Volumen der Kreislaufleitung (15) mindestens das Fünffache,
vorzugsweise mindestens das Achtfache, des geometrischen Volumens der Kühlkammer (1)
beträgt.
11. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Kreislaufleitung (15) einerseits an die Oberseite (13) und andererseits
an die Unterseite (14) der Kühlkammer (1) angeschlossen ist und daß die Ventile (25,
26) im Bereich der Anschlußstellen der Kreislaufleitung (15) an die Kühlkammer (1)
angeordnet sind.
12. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Ventile (25, 26) als Absperrklappen (29) ausgebildet sind.
13. Vorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Kühlkammer (1) quaderförmig ausgebildet ist und daß die Absperrklappen (29)
der Ventile (25, 26) in ihrer Schließstellung parallel zur Oberseite (13) und zur
Unterseite (14) der Kühlkammer (1) ausgerichtet sind.
14. Vorrichtung nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß die Ventilquerschnitte einen möglichst großen Teil der Flächen von Oberseite
(13) und Unterseite (14) der Kühlkammer (1) einnehmen.
15. Vorrichtung nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen den Ventilen (25, 26) und dem Innenraum der Kühlkammer (1) Gasleiteinrichtungen
(10, 11) für die Homogenisierung der Gasströmung in Bezug auf eine von den Werkstücken
eingenommene Fläche angeordnet sind.
16. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß sich in der Kühlkammer (1) eine aus untereinander parallelen zylindrischen Rollen
(4) bestehende Transportbahn (3) für die Werkstücke (38) befindet und daß die Druckseite
der Kreislaufleitung (15) unterhalb der Transportbahn (3) in die Kühlkammer (1) mündet.
17. Vorrichtung nach Anspruch 16, dadurch gekennzeichnet, daß die Rollen (4) mit einem Reversierantrieb (40) verbunden sind.
18. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß sich zwischen Druckseite und Saugseite der Kreislaufleitung (15) eine absperrbare
By-pass-Leitung (27) befindet.
19. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Kühlkammer (1) über eine absperrbare Leitung (31) mit einer Sammelkammer
(33) für das Kühlgas verbunden ist, die ihrerseits über einen Kompressor (34) mit
der Kreislaufleitung (15) verbunden ist.