[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Müllentsorgungseinheit, mit einem den Müll aufnehmenden
Behälter, welcher mit Hilfe einer Kurzhubpresse von einem Behälterende aus mit Müll
füllbar ist.
[0002] Als allgemeiner Stand der Technik sind bereits Müllaufnahmecontainer bekannt, welche
mit einer Kurzhubpresse (Stopfpresse) von einem Containerende aus gefüllt werden.
Derartige Müllentsorgungseinheiten sind beispielsweise auf einem Müllentsorgungsfahrzeug
stationiert, welches einen den Müll aufnehmenden Wechselbehälter, ein Fahrerhaus und
einen dazwischen angeordneten Einfülltrichter aufweist, der mit einer stirnseitigen
Öffnung des Wechselbehälters verbunden ist (DE 43 15 506 A1).
[0003] Nachteilig ist bei den bekannten Konstruktionen, daß die Innenseiten der Müllaufnahmecontainer
im Zusammenwirken mit dem einzupressenden Müll einen hohen Wand-Haftreibungskoeffizienten
µ
W von ca. 0,37 aufweisen, welche das Füllen und Ausschieben des Mülls erheblich erschwert.
[0004] Als Folge des Mülleigengewichts und des axialen Preßdrucks vor dem Pressenstößel
bildet sich ein Müllpfropf mit hoher Verdichtung aus, der den ganzen Containerquerschnitt
ausfüllt und auch quer zur axialen Preßkraft senkrecht auf die Längsinnenwände drückt.
Die daraus resultierende, axial wirkende wandreibungskraft, die der Pressenstößelkraft
entgegenwirkt, kann bei hohem Wandreibungskoeffizienten so groß werden, daß sie die
gesamte zur Verfügung stehende Preßkraft aufzehrt mit der Folge, daß gar kein Müll
mehr an die gegenüberliegende Stirnwand des Containers gelangt, der Mülldruck also
gegen Null geht.
[0005] Die sich daraus ergebenden Nachteile sind:
a) kleine Nutzmasse, schlechter Füllungsgrad
b) geringe durchschnittliche Müllverdichtung
c) ungünstige Massenverteilung; Massenschwerpunkt zu nahe an der Presse
d) hohe Ausschiebekraft erforderlich.
[0006] Entsprechend besteht die Aufgabe der vorliegenden Erfindung darin, eine Konstruktion
der eingangs genannten Art zu schaffen, welche die beschriebenen Nachteile auf einfache
Weise nahezu vermeidet bzw. sehr effektiv reduziert.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß der Behälter innenseitig mit
einer den Wand-Haftreibungskoeffizient reduzierenden Beschichtung versehen ist. Hierdurch
ergibt sich der Vorteil, daß die Wandreibung in einem großen Müllbehälter, insbesondere
für Hausmüll erheblich vermindert wird. Die Losbrechkraft beim periodischen Einpressen
des Mülls in den Container sowie beim Ausschieben des gepreßten Mülls aus dem Container
ist wesentlich kleiner als bei bekannten Konstruktionen, da die Container-Innenwand
mit einer Beschichtung versehen ist, welche insbesondere nach einem weiteren Merkmal
ein abriebfester Einkomponenten-Dickschichtgleitlack auf Polyurethan-Basis ist.
[0008] Diese Gleitlackschicht kann durch Streichen oder Aufsprühen auf der Innenseite des
Müllsammelbehälters aufgebracht werden. Durch das Aufbringen der innenseitigen Gleitlackbeschichtung
beträgt der Wand-Haftreibungskoeffizient zum gepreßten Hausmüll µ
W ca. 0,16.
[0009] Vorteilhafte Weiterbildungen ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0010] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels
näher beschrieben. In der Zeichnung zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Seitenansicht eines Müllentsorgungsfahrzeugs, teils gebrochen;
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung eines Müllsammelbehälters mit Preßstempel in Seitenansicht,
mit Kurven für den axialen Preßdruck und den auf die Containerwand wirkenden Mülldruck,
wobei der Behälter keine innenseitige Gleitlackbeschichtung aufweist;
- Fig. 3
- eine Darstellung analog der nach Fig. 2, wobei der Container innenseitig mit einer
Gleitlackbeschichtung versehen ist.
[0011] Fig. 1 stellt als Müllentsorgungseinheit 1 ein Müllentsorgungsfahrzeug dar, welches
einen hinter dem Fahrerhaus 10 angeordneten Müllsammelbehälter 2 aufweist. In diesen
Müllsammelbehälter 2 ragt ein Pressenstößel 6 einer Kurzhubpresse hinein, welche z.
B. als Kolbenzylindereinheit ausgebildet ist.
[0012] Als pressenseitige Container-Stirnwand dient ein schematisch dargestellter Ausschiebeschild
8 mit einer verschließbaren Öffnung, durch die der Pressenstößel 6 den Müll in den
Container 2 schiebt und preßt.
[0013] Mit Hilfe der Kolbenzylindereinheit schiebt der Pressenstößel 6 den in einen Einfülltrichter
3 eingebrachten Müll 9 in den Müllsammelbehälter 2. In diesem Müllsammelbehälter 2
wird der Müll zusammengepreßt. Es ergibt dabei ein schematisch dargestellter Müllverdichtungs-Pyramidenstumpf
5, oberhalb dessen sich loser Müll 4 und unterhalb dessen sich Müll 4' befindet, welcher
durch Eigengewicht verdichtet wird.
[0014] Nach Beendigung des Preßvorganges fährt das Müllsammelfahrzeug 1 zu einer Abgabestelle,
wo der Behälter 2 rückseitig geöffnet und der gepreßte Müll mit Hilfe des Ausschiebeschildes
8 aus dem Behälter 2 entfernt wird.
[0015] Erfindungsgemäß ist der Müllsammelbehälter 2 innenseitig mit einer Beschichtung 7
versehen, um den Wand-Haftreibungskoeffizient µ
W zu reduzieren. Diese Beschichtung 7 kann ein Gleitlack, insbesondere ein abriebfester
Einkomponenten-Dickschichtgleitlack auf Polyurethan-Basis sein. Hierdurch wird der
Wand-Haftreibungskoeffizient µ
w auf den Wert von ca. 0,16 gesenkt. Durch die den Wand-Haftreibungskoeffizient reduzierende
Beschichtung ergibt sich der Vorteil, daß die Wandreibung in einem großen Müllbehälter
2, insbesondere für Hausmüll erheblich verringert wird. Die Losbrechkraft beim periodischen
Einpressen des Mülls 9 in den Behälter 2 sowie beim Ausschieben des gepreßten Mülls
aus dem Behälter ist erheblich kleiner als bei bekannten Konstruktionen.
[0016] Fig. 2 zeigt in schematischer Seitenansicht einen Behälter 2, sowie einen Pressenstößel
6, welcher den in den Behälter 2 eingebrachten Müll zusammenpreßt. Bei der Ausführungsform
nach Fig. 2 ist der Müllsammelbehälter 2 innenseitig nicht mit einer Gleitlackschicht
versehen: es ergeben sich als Kurve I der axiale Preßdruck, als Kurve II der Mülldruck
auf die Behälterwand und als Kurve III der Druck auf den Deckel am Behälterende 12.
Wie ersichtlich, fällt zunächst die Kurve I steil ab, da die bezogene Querschnittsfläche
des Pressenstößels 6 bei gleicher Preßkraft kleiner als die Querschnittsfläche des
Behälters 2 ist.
[0017] Als Folge des Mülleigengewichts und des axialen Preßdrucks vor dem Pressenstößel
6 bildet sich ein Müllpropf mit hoher Verdichtung aus, welcher den ganzen Querschnitt
des Behälters 2 ausfüllt und auch quer zur axialen Preßkraft senkrecht auf die Längsinnenwände
(Kurve II) drückt. Die Wand-Haftreibungskraft infolge des Wanddrucks (Kurve II), welche
der Pressenstößelkraft entgegenwirkt, kann bei hohem Haltreibungskoeffizienten hierbei
so groß werden, daß sie die gesamte, zur Verfügung stehende Preßkraft aufzehrt und
folglich kein Müll mehr an die gegenüberliegende Stirnwand des Behälters gelangt (Kurve
III).
[0018] Die Kurve II läßt erkennen, daß etwa im mittleren Bereich der Mülldruck auf die Behälterwand
am größten ist und sich gegen Ende des Behälters 2 dem gegenüber stark reduziert.
Beispielsweise können nur 19,5 t Nutzmasse bei einer derartigen Konstruktion mit unbehandelter
Containerinnenwand aufgenommen werden. Aus Kurve III geht hervor, daß infolge des
schlechten Müllfüllungsgrades und der schlechten Kraftverteilung der Deckel am Behälterende
12 kaum einen Wanddruck standzuhalten hat.
[0019] Gemäß Fig. 3 ist die Behälterinnenwand mit einer Gleitlackbeschichtung 7 im Sinne
der vorliegenden Erfindung versehen. Hier ist ersichtlich, daß bei gleicher Preßkraft
eine gleichmäßigere Massenverteilung vorliegt. Während bei der Ausführungsform gemäß
Fig. 2 der Wand-Haftreibungskoeffizient in dem Bereich von µ
w 0,35 bis 0,41 liegt, wurde ermittelt, daß bei der Konstruktion gemäß Fig. 3, d.h.
Innenbeschichtung des Müllsammelbehälters 2 mit Gleitlack der Wert µ
w 0,15 bis 0,19 beträgt.
[0020] Insbesondere die Kurve II läßt erkennen, daß etwa in Behältermitte ein Müllpfropf
mit hoher Verdichtung vermieden wird und daß der Mülldruck auf die Wand des Behälters
2 zu dessen Ende hin zunimmt, folglich ein höherer Füllungsgrad erzielt wird; Es können
nunmehr beispielsweise 23,3 t Nutzmasse in dem Container 2 aufgenommen werden. Aus
Kuve III ist ersichtlich, daß infolge dieses höheren Füllungsgrades ein höherer Druck
auf den Deckel am Behälterende 12 vorliegt.
[0021] Vorteilhafterweise ist die Losbrechkraft beim Ausschieben des gepreßten Mülls aus
dem Müllsammelbehälter nach Öffnen des Dekkels 12 gleichfalls kleiner, wenn die Innenwand
des Müllsammelbehälters 2 mit Gleitlack beschichtet ist. Dieser Gleitlack ist im ausgehärteten
Zustand wasserabweisend, so daß sich beispielsweise eingefrorener Hausmüll vorteilhafterweise
relativ leicht ablösen läßt.
[0022] Erfindungsgemäß wird bewirkt, daß auf einfache Weise ein Müllsammelbehälter allein
durch Beschichtung der Behälterinnenwand mehr Müll aufzunehmen vermag, wobei außerdem
das Ausschieben erheblich erleichtert wird.
1. Müllentsorgungseinheit, mit einem den Müll aufnehmenden Behälter, welcher mit Hilfe
einer Kurzhubpresse von einem Behälterende aus mit Müll füllbar ist,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Behälter (2) innenseitig mit einer den Wandreibungs-Koeffizient reduzierenden
Beschichtung (7) versehen ist.
2. Einheit nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Behälter (2) innenseitig eine Gleitlackbeschichtung (7) aufweist.
3. Einheit nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Gleitlack ein abriebfester Einkomponenten-Dickschicht-Gleitlack auf Polyurethan-Basis
ist.
4. Einheit nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß der mit innenseitiger Gleitlackbeschichtung versehene Behälter (2) ein Wechselcontainer
für Müllsammelfahrzeuge oder ein Preßcontainer ist.
5. Einheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß durch Aufbringen der innenseitigen Gleitlackbeschichtung der Wand-Haftreibungskoeffizient
(µw) 0,16 beträgt.
6. Einheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
gekennzeichnet durch Auftragen der Gleitlackbeschichtung über Streichen oder Aufsprühen.