(57) Verfahren zur Herstellung eines Kratzen- oder Bürstendrahtes mit erhöhter Verschleißfestigkeit,
bei dem ein gewalzter Stahldraht mit einem Kohlenstoffgehalt von etwa 0,6 bis 0,7%
und einem Durchmesser von etwa 6 mm und kleiner durch mindestens einen Ziehvorgang
auf Enddurchmesser gebracht wird, wobei vor dem Ziehen oder zwischen aufeinanderfolgenden
Ziehvorgängen der Draht patentiert und nach dem Ziehen vergütet wird, wobei ein mit
Chrom legierter Stahldraht verwendet wird, dessen Anteil 0,3% oder kleiner ist.
[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung eines Kratzen- oder
Bürstendrahtes nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] Für die Herstellung von Drahtbürsten, Kratzenbändern, Drahtstiften und dergleichen
sind Drähte mit besonderen Eigenschaften erforderlich. Der Draht soll eine hohe Festigkeit
aufweisen und gleichwohl elastisch sein. Herkömmliche Verfahren verwenden unlegierte
Walzdrähte aus härtbarem Kohlenstoffstahl, die mit Hilfe von Ziehwerkzeugen auf einen
vorgegebenen Durchmesser gezogen werden. Vor dem Ziehverfahren bzw. zwischen aufeinanderfolgenden
Ziehschritten erfolgt ein Patentieren, eine Wärmebehandlung zur Wiederherstellung
der Ziehfähigkeit des Drahtes. Nach dem Ziehen auf Enddurchmesser wird der Draht vergütet,
d.h. austenitisiert, abgedruckt und angelassen, um ihm die notwendige Festigkeit und
Geradheit zu verleihen.
[0003] Aus wirtschaftlichen Gründen besteht die Notwendigkeit, daß der Draht vor dem Ziehen
einen möglichst kleinen Durchmesser aufweist. Der Rohdraht wird durch Walzbearbeitung
hergestellt. Der Durchmesser liegt daher vorzugsweise bei 6 mm oder geringer.
[0004] Die Standzeit von Bürsten oder Kratzen mit dem auf konventionelle Weise hergestellten
Draht erfüllt die bei Hochleistungsmaschinen gesetzten Erwartungen ungenügend. Nun
könnte daran gedacht sein, die Verschleißfestigkeit und damit die Standzeit eines
Drahtes dadurch zu verbessern, daß ein legierter Stahl eingesetzt wird. Dem stehen
jedoch Nachteile entgegen. Die Erzielung eines ziehfähigen rein perlitisch/sorbitischen
Gefüges nach dem Walzen durch das Verfahren nach der Stelmorkühlung ist bei den üblicherweise
verwendeten Legierungsgehalten für Abmessungen <6 mm nicht möglich. Bei den üblicherweise
verwendeten Legierungsgehalten ist aufgrund der langen Umwandlungszeiten das Patentieren
ebenfalls nicht möglich bzw. nicht mehr wirtschaftlich durchzuführen. Dies ist aber
notwendig, um ein ziehfähiges Gefüge zu erzeugen.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung eines Kratzen-
oder Bürstendrahtes anzugeben, das ohne wesentlichen wirtschaftlichen Mehraufwand
zu einem Draht führt, der eine höhere Standzeit aufweist.
[0006] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Patentanspruchs 1 gelöst.
[0007] Erfindungsgemäß wird ein mit Chrom legierter Walzdraht verwendet, wobei der Chromanteil
kleiner als 0,3% ist.
[0008] Kleine Legierungsanteile enthaltende Stähle werden auch als mikrolegierte Stähle
bezeichnet. So ist zum Beispiel bekannt, für Spannstahl mit Chrom und Vanadium mikrolegierte
Stähle vorzusehen, um die Zugfestigkeit zu erhöhen. Spannstähle haben jedoch andere
Eigenschaften aufzuweisen als Bürsten- oder Kratzendraht. Im übrigen sind derartige
für zum Beispiel Spannstahl verwendete Stahllegierungen nicht auf den gewünschten
Durchmesser mit einem ziehfähigen rein perlitisch/sorbitischen Gefüge walzbar. Zudem
würde das Vanadium beim Patentieren durch Kornwachstum seine Wirkung verlieren.
[0009] Nach einer Ausgestaltung der Erfindung beträgt der Chromanteil vorzugsweise zwischen
0,2 und 0,25 %. Nach einer anderen Ausgestaltung der Erfindung wird der gezogene Draht
so vergütet, daß das Vergütungsgefüge über die Karbidausscheidung aus dem Martensit
zur Bainitstufe hin verschoben wird.
[0010] Es versteht sich, daß der verwendete Ausgangsstahldraht geringfügige Anteile weiterer
Legierungsmetalle enthält, wie zum Beispiel Mangan und/oder Silicium.
[0011] Durch das Verfahren nach der Erfindung wird ein Kratzen- und Bürstendraht erhalten,
der mit einem perlitisch/sorbitischen Gefüge walzbar, patentierbar und vergütbar ist,
ohne daß durch die Wärmebehandlung die Verschleißfestigkeit negativ beeinflußt wird.
Im Gegenteil, die Verschleißfestigkeit ist dem herkömmlichen Kratzen- und Bürstendraht
deutlich überlegen. Andererseits ist die Verformbarkeit des Drahtes nicht ungünstiger.
Zum Beispiel ist für die Herstellung von Borsten für Drahtbürsten oder Zähnen für
Kratzenbänder oder dergleichen eine Biegeverformung erforderlich, die sich mit dem
erfindungsgemäß hergestellten Draht problemlos durchführen läßt.
[0012] Bei dem Verfahren nach der Erfindung wird erreicht, daß das Legierungselement Chrom
fein dispers als Karbid im Stahl ausgeschieden ist und somit deutlich verschleißmindernd
wirkt. Die Herstellung eines Walzdrahtes auf den erforderlichen kleinen Druchmesser,
zum Beispiel mittels des sogenannten Stelmorverfahrens mit perlitisch/sorbitischem
Gefüge, bereitet keine Schwierigkeiten. Die Karbide lösen sich oberhalb der Austenisierungstemperatur
auf und scheiden bei Abkühlung fein dispers aus. Dies ist deshalb entscheidend, da
der festigkeitssteigernde und verschleißmindernde Effekt von den durch die Legierungselemente
gebildeten Karbiden durch Teilchenwachstum nicht zerstört werden darf. Dies wäre zum
Beispiel bei den Chrom-Vanadiumlegierten Spannstählen der Fall, wenn sie wärmebehandelt
würden. Die Vanadiumkarbide würden durch Teilchenwachstum ihre festigkeitssteigernden
Eigenschaften verlieren.
[0013] Bei einem Beispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens wurde ein Walzdraht von 5,5 mm
Durchmesser verwendet mit einem Kohlenstoffanteil von 0,68 %, einem Siliciumanteil
von 0,25%, einem Mangananteil von 0,75% und einem Chromanteil von 0,2 bis 0,25%.
[0014] Der Walzdraht zeigte ein perlitisches Gefüge und konnte ohne Probleme an die Patentierabmessung
von 2,10 mm gezogen werden. Nach der Patentierung wurde der Draht auf die Endabmessung
von 0,52 mm gezogen.
[0015] Für einen Bürstendraht wurden folgende Ergebnisse erzielt:
| Zugfestigkeit |
2500 N/mm2 |
| Streckgrenzenverhältnis |
45 - 55% |
| Dehnung |
> 5% |
[0016] Gegenüber einem Standarddraht von gleicher Zugfestigkeit wurde ein günstigeres Streckgrenzenverhältnis
und eine höhere Dehnung erzielt. Ersteres bewegt sich beim Standarddraht zwischen
70 und 90% und letztere bei 3 bis 5%. Somit zeigt der erfindungsgemäße Draht bei gleicher
Zugfestigkeit deutlich bessere Werte bezüglich Festigkeit und Verformbarkeit.
[0017] Das Zeitstandverhalten eines Bürstendrahtes kann nur in der Bürste beurteilt werden.
Es wurden Bürsten mit verschiedenen Drähten als Besatz gefertigt, um die Standzeit
zu testen, wobei eine auf dem Markt befindliche Bürste mit 100% bewertet wurde. Gegenüber
einer derartigen Bürste ergab der Versuch eine Standzeitverlängerung um 40%.
[0018] Auch bei einem erfindungsgemäß hergestellten Kratzendraht zeigten die Versuche ein
höheres Zeitstandverhalten durch höhrere Verschleißfestigkeit. Die verschleißmindernden
Eigenschaften der Chromkarbide kommen offensichtlich auch hier zum Tragen. Es wurde
ein Versuchsdraht von 0,405 x 0,305 mm gefertigt. Die Setzergebnisse waren gut. Standzeitergebnisse
liegen derzeit nicht vor.
1. Verfahren zur Herstellung eines Kratzen- oder Bürstendrahtes, bei dem ein gewalzter
Stahldraht mit einem Kohlenstoffgehalt von etwa 0,6 bis 0,7% und einem Durchmesser
von etwa 6 mm und kleiner durch mindestens einen Ziehvorgang auf Enddurchmesser gebracht
wird, wobei vor dem Ziehen oder zwischen aufeinanderfolgenden Ziehvorgängen der Draht
patentiert und nach dem Ziehen vergütet wird, dadurch gekennzeichnet, daß ein mit
Chrom legierter Stahldraht verwendet wird, dessen Anteil 0,3% oder kleiner ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Chromanteil zwischen 0,2
und 0,25% liegt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Vergütungsgefüge
über die Karbidausscheidung aus dem Martensit zur Bainitstufe hin verschoben wird.