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EP 0 744 477 B1 |
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EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT |
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Hinweis auf die Patenterteilung: |
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26.01.2000 Patentblatt 2000/04 |
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Anmeldetag: 14.05.1996 |
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Internationale Patentklassifikation (IPC)7: D01B 1/14 |
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Verfahren zur Entfaserung bzw. Entholzung von Bastfasergewächsen
Method for the defibration respectively decorticating of bast fiber plants
Procédé pour la défibrage respectivement, le décorticage de végétaux faites de fibres
libériennes
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Benannte Vertragsstaaten: |
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AT BE CH DE ES FR GB GR LI NL PT |
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Priorität: |
21.05.1995 DE 19518188
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Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
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27.11.1996 Patentblatt 1996/48 |
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Patentinhaber: Hesch, Rolf, Prof. Dr. |
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32657 Lemgo (DE) |
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Erfinder: |
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- Hesch, Rolf, Prof. Dr.
32657 Lemgo (DE)
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Vertreter: Schirmer, Siegfried, Dipl.-Ing. |
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Patentanwalt
Osningstrasse 10 33605 Bielefeld 33605 Bielefeld (DE) |
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Entgegenhaltungen: :
EP-A- 0 271 405 GB-A- 2 251 002
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EP-A- 0 398 421
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- PATENT ABSTRACTS OF JAPAN vol. 16, no. 298 (C-0958), 2.Juli 1992 & JP 04 082907 A
(TOSUKO KK), 16.März 1992,
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| Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die
Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen
das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich
einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr
entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen). |
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Entfaserung bzw. Entholzung von Bastfasergewächsen,
wie zum Beispiel Flachs Hanf, Kenaf und Jute.
[0002] Nachwachsende Rohstoffe erfreuen sich wachsender Beliebtheit, da sie nicht nur die
vorhandenen Ressourcen schonen, sondern auch einen Beitrag zur Verminderung des als
Treibhausgoses bekannten CO2 liefern. Bekannt sind einige Verfahren zur Textilfasererzeugung,
die darauf abzielen, möglichst lange Fasern zu gewinnen. Diese können bei Flachs ca.
500 · 1000 mm, bei Hanft auch 1000 - 2000 mm Länge aufweisen. Traditionell werden
die verwendeten Bastfasergewächse vor der Gewinnung der Fasern, vielfach auch Entholzung
genannt, geröstet. Durch einen solchen Röstvorgang wird die Pektinschicht, welche
Fasern und Holz miteinander verbindet, abgebaut oder zumindest geschwächt. Der Abbau
erfolgt entweder enzymatisch durch Röstbakterien oder chemisch. Bekannt sind insbesondere
folgende Systeme: Flußröste, Teichröste, Bassinröste sowie Tauröste, wobei letztere
die unvollkommenste ist.
[0003] Hauptanwendungsgebiet für dieses vorzugsweise als Langfaser erzeugte Material ist
die Herstellung von Textilien. Bei Jute steht die Herstellung von Säkken und Geweben
für dan Nichtkleidungsbereich im Vordergrund.
[0004] In kleinerem Maße wird die Entfaserung/Entholzung auch ohne vorhergehenden Röstvorgang
durchgeführt. Dabei wird jedoch eine ungleichmäßigere Faser erzielt, die zusätzlich
auch noch derber und weniger geschmeidig ist.
[0005] Bei konventionellen Verfahren wird das Stroh der Bastfasergewächse durch Brechen
geführt. Diese Brechen haben die Aufgabe, den holzigen Kern des Strohs in kleine Stücke
zu zerbrechen, die anschließend in Schwingen oder Turbinen durch eine Art Schleuderbewegung
von den Langfasern abgeschleudert werden.
[0006] Es sind in jüngster Zeit auch fahrbare Entfaserungs- bzw. Entholzungsmaschinen entwickelt
worden, die die Fasern und die Samen für die Ölgewinnung unmittelbar auf den Feldern
abernten, die für wertlos erachteten, gebrochenen Holzteile der Bastfaserstengel,
auch "Schäben" genannt, aber achtlos liegenlassen.
[0007] Insgesamt ist der betriebene Aufwand für die Gewinnung einer Langfaser ganz erheblich,
obwohl für technische Zwecke eine solche Langfaser oftmals nicht erforderlich, in
den meisten Fällen sogar nicht einmal verwertbar ist. Dieser Aufwand zur Gewinnung
von Fasern bedeutet deshalb Kosten, die für den Zweck einer technischen Verwendung
unvertretbar sind.
[0008] Aus der EP-A-0 398 421 ist ein Verfahren zur Entfaserung bzw. Entholzung von Bastfasergewächsen
bekannt, bei welchem mit den Wirkweisen Brechen und Schwingen gearbeitet wird.
[0009] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zur Entfaserung bzw. Entholzung von Bastfasergewächsen
zur Verfügung zu stellen, welches Material für technische Zwecke, nicht notwendigerweise
zur textilen Weiterverarbeitung liefert, wobei das Verfahren selbst wirtschaftlicher,
effektiver und weitgehend automatisierbarer arbeiten soll, als die bekannten Verfahren
zur Erzeugung von Langfasern.
[0010] Die Lösung dieser Aufgabe ergibt sich erfindungsgemäß aus den Merkmalen des kennzeichnenden
Teils des Hauptanspruches.
[0011] Als besonders vorteilhaft erweist sich der erste Verfahrensschritt der Vorzerkleinerung
des Bastfaserstrohs auf die angestrebte Faser- bzw. Stapellänge. Hierbei wird das
Stroh einerseits auf eine gleichmäßige Länge abgeschert und andererseits in ein Schüttgut
verwandelt, um den weiteren Verfahrensweg besser automatisieren zu können, um die
Kosten zu minimieren. Weiterhin schafft diese Vorzerkleinerung die Voraussetzung dafür,
daß im weiteren Verfahrensweg in schnall laufenden bzw. rotierenden Maschinen keine
Umwicklungen um drehende oder stehende Maschinenteile auftreten können. Würde das
Stroh- und Halmmaterial nicht gekürzt in solche hochtourig rotierenden Maschinen eingebracht,
so würden sich die Bastfaserstränge um Werkzeuge, Wellen oder Achsen wickeln und zu
erhöhter Reibung bis zum Stillstand oder der Zerstörung der Maschine oder aber durch
Erhitzung möglicherweise bis zum Brand führen.
[0012] Für die Vorzerkleinerung sind erfindungsgemäß Maschinen vorgesehen, die eine gleichmäßige
oder ziemlich gleichmäßige Länge der Halmabschnitte gewährleisten können, insbesondere
Häcksler wie Rotor-, Scheiben- oder Sichelhäcksler oder bei zu Ballen gepreßtem Erntegut
oder Rundballen Schneidmühlen, die in der Kunststoffindustrie auch Granulatoren genannt
werden. Ferner Querschneider, wie sie in der Furnier- Papierverarbeitung üblich sind.
[0013] Die Entfaserung im zweiten Verfahrensschritt findet vorteilhafterweise in einer hochtourig
drehenden Mühle statt, in der die Entfaserung/ Entholzung durch Scherung, Reibung,
Prall und Schlag erfolgt. Hierbei handelt es sich um schnell drehende Maschinen, wie
sie in der Holz- und Kunststoffindustrie bereits bekannt sind. In der Holzindustrie
finden sie überwiegend als Spanzerleger Verwendung, in der Kunststoffindustrie werden
sie zur Herstellung von Granulaten und Pulvern verwendet. In der pharmazeutischen
Industrie und der Lebensmitteltechnologie werden sie in abgewandelter Form überwiegend
zur Herstellung von Pulvern eingesetzt.
[0014] Diese Mühlen eignen sich auch hervorragend dazu, um die Fasern des vorzerkleinerten
Materials von den Holzbestandteilen zu lösen. Dabei löst sich die hochfeste, zähe,
flexible Faser vom brüchigen, unflexiblen, holzigen Kern und die holzigen Teile werden
je nach Drehzahl der Maschine und Werkzeugausstattung in Schöben unterschiedlicher
Größe zerbrochen. So wird auch mit ungeröstetem Material eine Feinheit und Geschmeidigkeit
der Fasern erzielt, welche derjenigen von geröstetem Material bei Anwendung konventioneller
Entfaserungstechnologien in etwa gleich kommt. Das gewonnene Fasermaterial ist dagegen
dem sogenannten Grünwerg aus ungeröstetem Stroh unter Anwendung konventioneller Technologien
in Feinheit und Geschmeidigkeit weit überlegen. Die abgetrennten Holzteile weisen
indessen eine Partikelgröße auf, die sie als Rohstoff für die Herstellung von Platten
und Wärmedämmstoffen, insbesondere für Schüttdämmungen, sehr gut qualifizieren.
[0015] Das anschließende Trennen von Fasern und Schäben kann vorteilhaft mit Hilfe von Sieben
und/ oder Sichtern erfolgen, wobei die Fasern auch gleichzeitig nach Länge klassifiziert
und fraktioniert sowie Überkorn, Staub und Fremdkörper entfernt werden können. Weiterhin
kann zwischen dem ersten und dem zweiten Verfahrensschritt eine Silo- und Dosiereinrichtung
vorgeschaltet sein. Wenn doch ein Röstvorgang vorgesehen werden soll, kann dieser
dem zweiten Verfahrensschritt unmittelbar vorgeschaltet werden.
[0016] Die erzeugten kurzen Fasern können mit ihrer neuen Geometrie, mit einer bevorzugten
Länge zwischen 2 und 50 mm, längere Fasern bis etwa 100 mm sind aber ebenfalls denkbar,
in neue technische Anwendungsgebiete vorstoßen, in denen bis heute synthetische Fasern
vorherrschen, so daß insgesamt mit einem großen Comeback der Bastfasergewächse zu
rechnen ist. Diese Fasern, die früher überwiegend im Textil- und Bekleidungsbereich
eine große Rolle gespielt haben, finden nun sehr viel größere Anwendungsgebiete wie
zum Beispiel als Verstärkungsfasern, die In Kunststoffe eingearbeitet werden, als
Kurzfasern, die zu Vliesen und Filzen verarbeitet werden, als Kurzfasern, die zu tiefziehfähigen
Matten für die Herstellung von Formteilen verarbeitet werden oder als Kurzfasern,
die für die Herstellung von Wärmedämmstoffen für das Bauwesen benutzt werden.
[0017] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.
1. Verfahren zur Entfaserung bzw. Entholzung von Bastfasergewächsen, vorzugsweise von
nachwachsenden Rohstoffen, wobei das Ausgangsmaterial vor der Entfaserung bzw. Entholzung
vorzerkleinert wird, dadurch gekennzeichnet, daß das Ausgangsmaterial in Stücke von
schütt- und/oder fließfähiger Konsistenz vorzerkleinert und diese Stücke anschließend
in einer hochtourig rotierenden Mühle entfasert werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Entfaserung durch Einwirkung
von Prall und/oder Reibung und/oder Scherung erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Fasern und Schäben
unter Verwendung von Sieben und/oder Sichtern getrennt werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Ausgangsmaterial
annähernd in gleichlange Stücke vorzerkleinert wird.
5. Verfahren nac'h einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das vorzerkleinerte
Ausgangsmaterial geröstet wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5 zur Gewinnung von Fasern zwischen 1 und
100 mm, vorzugsweise zwischen 2 und 50 mm Länge.
1. Method for the removal of fibres or wood from bast fibre plants, preferably from regrowing
raw materials, wherein the starting material is preliminarily comminuted before the
removal of fibres or wood, characterised in that the starting material is preliminarily
comminuted into pieces of pourable and/or flowable consistency and these pieces subsequently
have their fibres removed in a mill rotating at high speed.
2. Method according to claim 1, characterised in that the removal of the fibres takes
place by the effect of impact and/or friction and/or shear.
3. Method according to claim 1 or 2, characterised in that the fibres and shavings are
separated by the use of sieves and/or graders.
4. Method according to one of the claims 1 to 3, characterised in that the starting material
is preliminarily comminuted into approximately equally long pieces.
5. Method according to one of the claims 1 to 4, characterised in that the preliminarily
comminuted starting material is roasted.
6. Method according to one of the claims 1 to 5 for the extraction of fibres of a length
between 1 and 100 millimetres, preferably between 2 and 50 millimetres.
1. Procédé pour le défibrage, respectivement le décorticage de végétaux faits de fibres
libériennes, de préférence de matières premières à repousse, le matériau de départ
étant broyé avant le défibrage, respectivement le décorticage,
caractérisé en ce que
le matériau de départ est pré-déchiqueté en morceaux, d'une consistance en vrac et/ou
fluide, et ces morceaux sont ensuite défibrés dans un moulin tournant à haute vitesse
de rotation.
2. Procédé selon la revendication 1,
caractérisé en ce que
le défibrage s'effectue par action d'un impact et/ou d'un frottement et/ou d'un cisaillement.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2,
caractérisé en ce que
les fibres et les bûchettes sont séparé(e)s par utilisation de tamis et/ou de séparateurs.
4. Procédé selon l'une des revendications 1 à 3,
caractérisé en ce que
le matériau de départ est pré-broyé à peu près en des morceaux de même longueur.
5. Procédé selon l'une des revendications 1 à 4,
caractérisé en ce que
le matériau de départ pré-broyé est roui.
6. Procédé selon l'une des revendications 1 à 5,
pour l'obtention de fibres d'une longueur comprise entre 1 et 100 mm, de préférence
entre 2 et 50 mm.