[0001] Antriebseinheit mit Motor und Getriebe für einen Aufzug, insbesondere für den Eigenantrieb
einer, an Führungen laufenden Kabine für den Tranport von Personen oder Gütern, wobei
die Antriebseinheit mit der Kabine bzw. mit der Kabinentragstruktur verbunden ist.
[0002] Eine Antriebseinrichtung der beschriebenen Art offenbart die GB 956,332. In den Fig.9-13
werden verschiedene Antriebsdispositionen gezeigt. Gemeinsames Merkmal aller Darstellungen
ist ein Motor mit einem oder zwei Wellenenden, auf welchen eine Schnecke vorhanden
ist. Die Schnecke bzw. die Schnecken stehen in Wirkverbindung mit Schneckenrädern,
welche mit Triebrädern zusammengeflanscht sind. Bei einer Rucksackanordnung der Kabine
befindet sich der Antrieb unterhalb der Kabine und treibt gemäss Fig.9 und 10 ab einem
Wellenende mit Schnecke eine Achse mit zwei Treibrädern an. Bei einer zweiten Antriebsdisposition
ist der Antrieb auf der Kabine angeordnet mit einem Motor mit zwei Wellenenden, dessen
Schnecken gemäss Fig.12 und 13 über Schneckenräder je eine Achse mit zwei Triebrädern
antreiben. Bei einer dritten Art gemäss Fig.11 ist der Motor unterhalb der Kabine
in vertikaler Position und treibt über ein Riemengetriebe eine Achse mit zwei Schnecken
an, welche ihrerseits zwei gegenläufige und zueinander versetzte Triebräder antreiben.
[0003] Die Antriebselemente Motor, Getriebe, Achsen und Triebräder sind bei allen diesen
Lösungen separat angeordnet und müssen bei der Installation zusammengestellt und gekuppelt
werden. Es sind dabei mehrere Achslager, Kupplungen, Supporte und separat gekapselte
Getriebe zu montieren und aufeinander auszurichten. Eine solche Installation vor Ort
ist zeitaufwendig und erfahrungsgemäss mit technischen Problemen begleitet. Die Antriebe
weisen zudem nicht die für Aufzugsantriebe vorgeschriebene Bremse auf. Schneckengetriebe
weisen zudem einen nicht optimalen Wirkungsgrad auf, was im Effekt mehr Leistung,
mehr Gewicht und mehr Kosten bedeutet.
[0004] Es ist deshalb die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Antriebseinheit für einen
Aufzug zu schaffen, welche die erwähnten Nachteile nicht aufweist und insbesondere
ein geringes Gewicht aufweist. Die Antriebseinheit ist einfach und kostengünstig herzustellen
und kann als komplette Einheit vormontiert werden, ohne spezielle Installationsarbeiten
zu erfordern.
[0005] Diese Aufgabe wird durch die im Anspruch 1 gekennzeichnete und in Zeichnungen und
Beschreibung dargestellte Erfindung gelöst.
[0006] Die Erfindung zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass alle Elemente des Antriebes konzentriert
in einem gemeinsamen Gehäuse angeordnet sind und nur einen minimalen Aufwand für Gehäuse
und kraftübertragende Elemente erfordert. Dies führt neben hoher Betriebssicherheit
zu einer erheblichen Gewichtsreduktion, insbesondere die Kombination von Motorgehäuse
und Achsrohr.
[0007] Vorteilhafte Weiterbildungen und Verbesserungen sind in den Unteransprüchen aufgeführt.
[0008] Ein Hochleistungs-Abwälzgetriebe optimiert den Gesamtwirkungsgrad der Antriebseinheit,
wobei dessen platzsparende Anordnung auf der Antriebsachse ein kleines Bauvolumen
ergibt. Zudem werden über ein einziges Getriebe zwei Triebräder angetrieben.
[0009] Ein multifunktionales Gehäuse umgibt den Motor mit Bremse und Getriebe und trägt
mit beidseitigen das Achsrohr bildenden rohrartigen Verlängerungen zudem noch die
Achslager für die Triebräder.
[0010] Eine spezielle Ausbildung des Motorrotors erlaubt dessen koaxiale Anordnung auf der
Triebradwelle.
[0011] Als Bremse kann sowohl eine elektromagnetische Scheibenbremse am Motor oder je eine
Backenbremse an den Triebrädern oder eine Kombination beider Bremsen vorgesehen werden.
[0012] Die Relation der Durchmesser von Triebrad und Antriebsgehäuse ist so gewählt, dass
der Ein- und Ausbau der Antriebseinheit dadurch erleichtert wird.
[0013] Die Erfindung wird im folgenden anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert
und in den Zeichnungen dargestellt, es zeigen:
- Fig.1
- die Anordnung der Antriebseinheit an einem Aufzug,
- Fig.2
- eine Antriebseinheit im Schnitt mit elektromagnetischer Scheibenbremse beim Motor,
- Fig.3
- eine Antriebseinheit im Schnitt mit Backenbremsen in den Triebrädern und
- Fig.4
- die Antriebseinheit mit einem Hilfsantrieb.
[0014] In der Fig.1 ist mit 30 eine Kabine bezeichnet, welche in einer Kabinentragstruktur
16 eingebaut ist. Ein frei laufendes Stützrad 28 ist mit unverschiebbarer Achse an
der Kabinentragstruktur 16 angeordnet. Eine Antriebseinheit 1 ist über eine an einem
feststehenden Achsrohr 11 befestigten Schwinge 15 schwenkbar mit dem unteren Ende
der Kabinentragstruktur 16 verbunden und ein zur Antriebseinheit 1 gehörendes Triebrad
10 auf einer Radwelle 8 wird über eine Anpresseinrichtung in Form einer Feder 29,
welche etwa in einem rechten Winkel zur Schwinge 15 angeordnet ist, an eine Führung
27 gezogen. Der Befestigungspunkt der Feder 29 an der Kabinentragstruktur 16 befindet
sich etwas oberhalb des Stützrades 28. Bei der Antriebseinheit 1 greift die die Feder
29 ebenfalls am Achsrohr 11 an. Mit 31 ist ein Motorgehäuse bezeichnet, dessen Durchmesser
kleiner ist als jener des Triebrades 10.
[0015] In der Fig.2 ist mit 31 das Motorgehäuse bezeichnet, welches beidseitig mit einem
Motorflansch 12 abgeschlossen ist. Koaxial mit einer Systemachse X sind die Motorflansche
12 je nach links und rechts aussen als Achsrohre 11 fortgesetzt, welche je am äusseren
Ende ein Radwellenlager 13 angeordnet haben. Im Motorgehäuse 31 ist etwa in der Mitte
ein Stator 2 eines Elektromotors eingeschoben und fest mit dem Gehäuse 31 verbunden.
Beidseitig des Stators 2 sind Rotorwellenlager 14 vorhanden in welchen eine Rotorwelle
4 gelagert ist. Die Rotorwelle 4 trägt einen Rotor 3, wobei über einen Rotorluftspalt
26 eine induktive Wirkverbindung mit dem Stator 2 vorhanden ist. Die Rotorwelle 4
ist als Hohlwelle ausgebildet und koaxial über der Radwelle 8 angeordnet. Die Rotorwelle
4 trägt am linken Ende ein verzahntes Sonnenrad 5 und am linken Ende eine Bremsscheibe
17. Das Sonnenrad 5 greift in Planetenräder 6 ein, welche aussenseitig in einem mit
dem Gehäuse 31 fest verbundenen Innenzahnkranz 9 im Eingriff stehen. Die Zentren der
Planetenräder 6 sind von einem Planetenstern 7 an ihren Winkelpositionen gehalten,
wobei der Planetenstern 7 als abtreibendes Element fest mit der Radwelle 8 verbunden
ist. Hiermit wird die Radwelle 8 mit einer entsprechend dem Übersetzungsfaktor eines
Planetengetriebes 33 reduzierten Motordrehzahl vom Motor über das Sonnenrad 5, die
Planetenräder 6 und den Planetenstern 7 angetrieben.
[0016] Auf der rechten Motorseite ist eine Bremse 32 in Form einer elektromagnetischen Federdruckscheibenbremse
angeordnet. Mittels einer Feder 20 wird in der Ruhelage eine Bremsplatte 18 an die
Bremsscheibe 17 gedrückt. Bei elektrischer Erregung eines an der Innenseite des rechten
Motorflansches 12 befestigten kreisringförmigen Elektromagnetes 19 wird die Bremsplatte
18 magnetisch zurückgezogen und gibt der Motorwelle 4 freien Lauf. Es ist ferner aus
dieser schematischen Darstellung ersichtlich, dass die Antriebseinheit 1 über zwei
parallele Schwingen 15 mit der Kabinenratstruktur 16 verbunden ist. Die Radwelle 8
dient gemeinsam für beide Triebräder 10 und ist homogen einstückig und durchgehend
durch die ganze Antriebseinheit 1 ausgebildet.
[0017] In der Fig.3 sind anstelle einer Federdruckscheibenbremse 32 Backenbremsen 34 an
den Triebrädern 10 vorgesehen. Die Triebräder 10 sind mit Bremstrommeln 21 versehen,
in welchen im Ruhezustand Bremsbacken 23 mittels Federn 22 an die Bremsfläche gedrückt
werden. Ein aussen am Motorgehäuse 31 befestigter Aktuator 25 bewirkt bei dessen Aktivierung
ein Lösen der Bremsbacken 23 über ein Gestänge 24. Im passiven Zustand des Aktuators
25 liegen die Bremsbacken 23 mit Federdruck an und bremsen die Triebräder 10.
[0018] In der Fig.4 ist die Antriebseinheit mit einem angebauten Hilfsantrieb für eine Evakuierungsfahrt
bei Spannungsausfall ausgerüstet. Als Hilfsantrieb dient ein Anlassermotor 35 mit
einem Anlasserritzel 36. Bei Spannungsausfall, besetzter und blockierter Kabine zwischen
zwei Stockwerken wird eine nicht dargestellte Evakuiersteuerung aktiv, welche den
Anlassermotor 35 und den Bremslüftmagnet 19 aktiviert. Das Anlasserritzel 36 wird
nach dem Einschalten des Hilfsantriebes nach rechts verschoben und greift in einen
auf der Bremsscheibe 17 eingefrästen Zahnkranz 37.
[0019] In der dargestellten beispielhaften Ausführung ist als drehzahlreduzierendes Element
der Einfachheit halber ein übliches Planetengetriebe 33 eingesetzt. Es kann jedoch
auch jeder andere Getriebetyp verwendet werden, wenn die folgenden beiden Bedingungen
erfüllt sind:
- Der Eingang und der Ausgang des Getriebes sind koaxial angeordnet und
- das Zentrum weist einen Durchlass für die Radwelle 8 auf, bzw. kann mit einem Durchlass
versehen werden.
[0020] Getriebearten, welche diese Bedingungen, eventuell mit Anpassungen, erfüllen können
sind beispielsweise "Harmonic-Drive"-Getriebe oder "Cyclo"-Getriebe.
[0021] Als Motor wird vorzugsweise ein frequenzregulierter Mehrphasen-Induktionsmotor verwendet.
Grundsätzlich kann jedoch praktisch jegliche Art von Elektromotor eingesetzt werden.
Prinzipiell ist auch die Verwendung eines Hydraulik- oder Pneumatikmotors möglich.
[0022] Zur Gewichtseinsparung trägt insbesondere die koaxiale Anordnung von Motor 2, 3,
26, Getriebe 33, Achsrohr 11 und Radwelle 8 bei, wobei eine im Motorgehäuse 31 vorhandene
Bremse 32 automatisch ebenfalls koaxial zur Radwelle 8 angeordnet wird. Durch diese
Anordnung wird die Antriebseinheit 1 kompakt und leicht kommt einer konsequent verfolgten
Modulbauweise entgegen. Das Motorgehäuse 31 mit den festverbundenen Motorflanschen
12 und den mit diesen ebenfalls fest verbundenen Achsrohren 11 bilden zusammen eine
stabile tragende Struktur für die ganze Antriebseinheit 1. Die kompakten Aussenmasse
des Motorgehäuses 31 ergeben einen Aussendurchmesser, der kleiner ist als jener der
Triebräder 10. Dadurch kann durch einseitige Abstützung des Motorgehäuses 31 auf der
Getriebeseite oder auf der Bremsseite gegen die Kabinentragstruktur 16 die entsprechende
Seite, bei ebenfalls abgestützter Kabine 30, im Bedarfsfallle problemlos demontiert
und gewartet werden. Die Abstützung gegen die Kabinentragstruktur 16 dient dem Abheben
bzw. Entlasten des entsprechenden Triebrades 10 von der Führung 27 kann beispielsweise
mit einem gewöhnlichen Wagenheber erfolgen.
[0023] Die mit der Antriebseinheit 1 verbundenen Schwingen 15 können entweder mit dem Motorgehäuse
31 oder mit den Motorflanschen 12 oder mit den Achsrohren 11 fest verbunden sein.
Die schwenkbewegliche Verbindung der Schwinge 15 mit der Kabinenstruktur 16 weist
vorzugsweise eine vibrationsdämpfende Lagerhülse auf.
[0024] Die geometrische Anordnung der Schwinge 15 und der Feder 29 beschränkt sich nicht
auf das gezeigte Beispiel. Die Befestigungs- und Drehpunkte von Feder 29 und Schwinge
15 können in gewissen Grenzen nach unten oder nach oben verschoben werden, je nach
dem, welche Krafteffekte erwünscht sind.
Teileliste
[0025]
- 1
- Antriebseinheit
- 2
- Stator
- 3
- Rotor
- 4
- Rotorwelle
- 5
- Sonnenrad
- 6
- Planetenrad
- 7
- Planetenradstern
- 8
- Radwelle
- 9
- Innenzahnkranz
- 10
- Triebrad
- 11
- Achsrohr
- 12
- Motorflansch
- 13
- Radwellenlager
- 14
- Rotorwellenlager
- 15
- Schwinge
- 16
- Kabinentragstruktur
- 17
- Bremsscheibe
- 18
- Bremsplatte
- 19
- Bremslüftmagnet
- 20
- Bremsfeder
- 21
- Bremstrommel
- 22
- Bremsfeder
- 23
- Bremsbacke
- 24
- Bremsgestänge
- 25
- Aktuator
- 26
- Motorluftspalt
- 27
- Führung
- 28
- Stützrad
- 29
- Feder
- 30
- Kabine
- 31
- Motorgehäuse
- 32
- Bremse
- 33
- Planetengetriebe
- 34
- Backenbremse
- X
- Systemachse
- 35
- Anlassermotor
- 36
- Anlasserritzel
- 37
- Zahnkranz
1. Antriebseinheit (1) mit Motor und Getriebe (33) für einen Aufzug, insbesondere für
den Eigenantrieb einer an Führungen (27) laufenden Kabine (30) für den Tranport von
Personen oder Gütern, wobei die Antriebseinheit (1) mit der Kabine (30) bzw. mit der
Kabinentragstruktur (16) verbunden ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Antriebseinheit (1) ein mit der Kabine (30) verbundenes Achsrohr (11) aufweist,
in dem eine Radwelle (8) drehbar gelagert (13) ist, dass ein Motor (3, 26, 2) koaxial
zu der Radwelle (8) angeordnet ist und dass die Radwelle (8) den Motor (3, 26, 2)
durchdringt.
2. Antriebseinheit nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein drehzahlreduzierendes Getriebe (33) koaxial zu der Radwelle (8) angeordnet
ist.
3. Antriebseinheit nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Antriebseinheit (1) an beiden Achsenden jeweils ein Triebrad aufweist und
dass beide Triebräder (10) durch nur ein Getriebe (33) und über die durchgehende Radwelle
(8) angetrieben werden.
4. Antriebseinheit nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Antriebseinheit (1) über mindestens eine Schwinge (15) und mindestens eine
Anpressvorrichtung (29) schwenkbeweglich mit der Kabinentragstruktur (16) der Kabine
(30) verbunden ist.
5. Antriebseinheit nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Motorgehäuse (31) und das Achsrohr (11) zu einer tragenden Struktur für
die Antriebseinheit (1) zusammengefügt sind.
6. Antriebseinheit nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Antriebseinheit (1) einen Hilfsantrieb (35, 36, 37) aufweist.
7. Antriebseinheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Motor (3, 26, 2) eine koaxial zur Radwelle (8) angeordnete Bremse (32)
aufweist.
8. Antriebseinheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Triebrad (10) eine durch einen Aktuator (25) lüftbare Bremse, insbesondere
Backenbremse (34) aufweist.
9. Antriebseinheit nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Motor (2, 3, 26) als ein mit variabler Frequenz ansteuerbarer Induktionsmotor
ausgebildet ist.
10. Antriebseinheit nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Triebrad (10) und ein gegenüberliegendes Stützrad (28) mit Reibschluss
erzeugender Kraft von der Feder (29) an eine Führungsschiene (27) gepresst werden.