[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Ergänzung von Phosphatierungslösungen zur
Erzeugung von Phosphatüberzügen auf Oberflächen von Stahl, Zink und/oder Aluminium
mit Hilfe von wässrigen Ergänzungsmitteln, die in Wasser schwerlösliche basische Verbindungen,
ausgewählt aus der Gruppe der Oxide, Hydroxide und/oder Karbonate von phosphatierungswirksamen
Metallen enthalten, sowie dessen Anwendung auf die Ergänzung von insbesondere gemäß
der Niedrigzink-Technologie arbeitende Zinkphosphatlösungen, vorzugsweise mit Peroxid
als Beschleuniger.
[0002] Es ist bekannt, Phosphatüberzüge auf Metalloberflächen von Stahl, verzinktem Stahl
sowie Aluminium aufzubringen, die für eine nachfolgende konventionelle Lackierung,
Pulverlackierung oder elektrophoretische Tauchlackierung eine geeignete Lackgrundlage
bilden oder - soweit es sich um Werkstücke aus Stahl handelt - der Vorbereitung der
Kaltumformung dienen. Die hierfür eingesetzten Phosphatierungslösungen enthalten üblicherweise
Zink- und Phosphat-Ionen, beschleunigend wirkende Zusätze, wie Nitrit, Chlorat, Bromat,
Peroxid, m-Nitrobenzolsulfonat, Nitrophenol oder Kombinationen hiervon, ggfs. auch
Nickel-, Mangan-, Magnesium-, Kadmium-, Kupfer-, Kobalt-, Kalzium-, Alkali- und/oder
Ammonium-Ionen.
[0003] Bei Phosphatierverfahren, die auf der Eisenseite arbeiten und beispielsweise Nitrat
oder Hydroxylamin als Beschleuniger enthalten, enthält die Lösung zusätzlich Eisen-II-Ionen.
Für die Behandlung von Aluminium, dessen Legierungen und galvanisch verzinktem Stahl
weisen die Phosphatierungslösungen vorzugsweise Gehalte an einfachen und/oder komplexen
Fluoriden auf. Anionen, wie Chlorid und Sulfat, dienen der Wahrung der Elektroneutralität.
Gegebenenfalls können die Phosphatierungslösungen noch schichtverfeinernde Zusätze
wie Hydroxycarbonsäuren, Aminocarbonsäuren oder kondensierte Phosphate, enthalten.
[0004] Zur Gleiterleichterung ist es üblich, Phosphatüberzüge mittels Phosphatierungslösungen
auf Basis Manganphosphat aufzubringen.
[0005] Weiterhin ist es bekannt, daß in Chlorat-, Bromat-, Peroxid- oder Eisen-II-haltigen
Phosphatierungslösungen mit zunehmendem Werkstückdurchsatz die Freie Säure bzw. das
Säureverhältnis der arbeitenden Phosphatierungslösung ansteigt und die Lösung aus
dem Gleichgewicht gerät. In der Praxis begegnet man dieser Erscheinung durch Abstumpfen
der überschüssigen Säure mit Natriumhydroxid, Natriumcarbonat, Ammoniumhydroxid oder
anderen Alkalien.
[0006] Die letztgenannte Art der Neutralisation hat jedoch den Nachteil, daß dabei Ionen
in die Phosphatierungslösung gelangen, die bei der Erzeugung der Phosphatüberzüge
nicht verbraucht werden, sich anreichern und einen abwasserfreien Betrieb der Phosphatierungsanlage
durch einen geschlossenen Kreislauf nicht ermöglichen. Diese Nachteile werden vermieden,
indem man eine wässrige Suspension von Verbindungen zusetzt, die einerseits neutralisierende
Wirkung besitzen, andererseits aber ohnhin zur Ergänzung der beim Phosphatierungsvorgang
zur Schichtausbildung verbrauchten Badkomponenten erforderlich sind. Dies geschieht
üblicherweise durch Zugabe der Badkomponenten als Oxide, Hydroxide oder Carbonate
in fester oder in Wasser dispergierter Form (DE-A-3927613, DE-A-3927614).
[0007] Die Zugabe in fester Form ist unbefriedigend, da entweder die verschiedenen Komponenten
einzeln dosiert werden müssen oder aber - bei vorheriger Vermischung der einzelnen
Komponenten im bestimmten Verhältnis - eine Entmischung des festen Ergänzungskonzentrates
unvermeidbar ist.
[0008] Die Zugabe als Suspension bereitet insofern Schwierigkeiten, als nur durch ständiges
Rühren oder Umpumpen eine Phasentrennung in fest und flüssig oder zumindest eine allmähliche
Sedimentation der Feststoffe verhindert werden kann.
[0009] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zur Ergänzung von Phosphatierlösungen
zur Erzeugung von Phosphatüberzügen auf Oberflächen von Stahl, Zink und/oder Aluminium
mit Hilfe von wässrigen Ergänzungsmitteln bereitzustellen, das die Nachteile der bekannten,
insbesondere vorgenannten Verfahren nicht aufweist, einfach und wenig kostenaufwendig
durchführbar ist und insbesondere eine präzise Dosierung der Ergänzungschemikalien
ermöglicht.
[0010] Die Aufgabe wird gelöst, indem das Verfahren der eingangs genannten Art entsprechend
der Erfindung in der Weise ausgestaltet wird, daß man den Phosphatierungslösungen
wässrige Ergänzungsmittel zusetzt, die zur Stabilisierung der schwerlöslichen basischen
Verbindungen Biopolymer enthalten.
[0011] Das erfindungsgemäße Verfahren ist bei praktisch allen Phosphatierverfahren einsetzbar,
d.h. bei Verfahren, die mit Lösungen auf Basis Zinkphosphat, modifizierten Phosphatierungslösungen
auf Basis Zinkphosphat und mit Phosphatierungslösungen auf Basis Manganphosphat arbeiten.
Die Phosphatierungslösungen können auf der Eisenseite gefahren werden oder eisenfrei
sein. Unter modifizierten Phosphatierungslösungen auf Basis Zinkphosphat werden solche
verstanden, die der Normalzink- oder der Niedrigzink-Technologie angehören und die
z.B. durch Zusätze von Nickel, Mangan, Magnesium, Kalzium, Barium, Kupfer und/oder
einfachen oder komplexen Fluoriden sowie Wolframat modifiziert sind.
[0012] Das erfindungsgemäße Verfahren ist anwendbar auf die Phosphatierung von Oberflächen
aus Stahl, Zink und/oder Aluminium. Die Stähle können un- oder niedriglegiert sein.
Die Oberfläche aus Zink kann von Werkstücken herrühren, die aus massivem Zink oder
massiven Zinklegierungen oder verzinktem Material bestehen. Zu letzteren zählen Werkstücke,
die z.B. auf dem Schmelztauchwege oder im elektrolytischen Prozeß mit Zink- bzw. Zink-Legierungsüberzügen,
wie Reinzink, Zink-Nickel, Zink-Eisen, Zink-Aluminium, überzogen wurden. Unter den
Begriff Aluminium im Sinne der Erfindung fallen u.a. Reinaluminium sowie Legierungen
des Aluminiums mit Magnesium, Zink, Kupfer, Silizium, Mangan etc. oder hiermit überzogene
Materialien.
[0013] Vorzugsweise werden den Phosphatierungslösungen Ergänzungsmittel zugesetzt, die als
basische Verbindungen Oxide, Hydroxide und/oder Karbonate der Metalle Zink, Mangan,
Nickel, Kobalt, Kupfer und/oder Magnesium enthalten.
[0014] Neben der Stabilisierung der schwerlöslichen, basischen Verbindungen im Ergänzungsmittel
haben die Biopolymere die zusätzliche Wirkung, daß sie - über das Ergänzungsmittel
in die Phosphatierungslösung eingebracht - in den Phosphatieranlagen, insbesondere
in Rohrleitungen, Düsen und Heizaggregaten, die üblicherweise unvermeidliche Krustenbildung
wesentlich reduzieren. Dieser zusätzliche Vorteil ist insofern erheblich, als beispielsweise
bei Spritzanlagen der Fluß der Phosphatierungslösung durch Krustenbildung erniedrigt
wird, so daß infolge veränderter Spritzbedingungen eine befriedigende Phosphatschichtausbildung
gestört werden kann. Die Verkrustung an Heizelementen bedingt einen ungenügenden Wärmeübergang
und damit Probleme bei der Einhaltung der Temperaturkonstanz im Phosphatierungsbad,
was sich in der Regel wiederum auf die Qualität der gebildeten Phosphatschicht auswirkt.
[0015] Eine bevorzugte Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, der Phosphatierungslösung
Ergänzungsmittel zuzusetzen, die als Biopolymere Kohlenhydrate bzw. Polysaccharide,
wie Stärke, Amylose, Amylopektin, Inulin, Agar-Agar und Carboxymethylzellulose enthalten.
Diese Verbindungen zeichnen sich dadurch aus, daß sie den Ergänzungskonzentraten eine
besonders hohe Transport- und Lagerstabilität vermitteln und hinsichtlich der Vermeidung
einer Krustenbildung besonders wirksam sind.
[0016] Entsprechend einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung setzt man
der Phosphatierungslösung Ergänzungsmittel zu, die das Biopolymer in einer Konzentration
von 0,1 bis 5 Gew%, vorzugsweise von 0,3 bis 1,5 Gew% enthalten. Bei Konzentrationen
unterhalb der unteren Grenze kann der Stabilisierungseffekt des Biopolymers u.U. nicht
ausreichen, um eine hinreichend große Homogenisierung der Dispersion zu gewährleisten.
Konzentrationen oberhalb der oberen Grenze bringen praktisch keine zusätzliche Verbesserung
der Stabilisierungswirkung.
[0017] Das erfindungsgemäße Verfahren ist mit besonderem Vorteil auf die Ergänzung von Phosphatierungslösungen
auf Basis Zinkphosphat, insbesondere von entsprechend der Niedrigzink-Technologie
arbeitenden Phosphatierverfahren anwendbar, da die bei diesen Verfahren üblicherweise
verwendeten Zusätze wie Nitrat, Chlorat, Peroxid, Hydroxylammoniumverbindungen oder
organische Nitroverbindungen, keinen oder keinen hinreichend alkalischen Charakter
besitzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Verfahren eisenfrei oder auf der Eisenseite
gefahren werden.
[0018] Der mit dem erfindungsgemäßen Verfahren verbundene Vorteil ist von besonderer Bedeutung,
wenn Phosphatierungslösungen ergänzt werden sollen, die ausschließlich solche Komponenten
enthalten, die bei der Phosphatschichtausbildung verbraucht werden bzw. mit Kalziumverbindungen,
insbesondere Kalziumhydroxid, fällbar sind. Bei derartigen Verfahren ist die Möglichkeit
gegeben, aus in Spülstufen anfallenden Spülwässern Fremdionen zu fällen und die Spülwässer
erneut zu Spülzwecken einzusetzen oder aber zur Deckung von Verdampfungsverlusten
den Phosphatierungslösungen zuzusetzen, ohne daß dadurch unerwünschte Ionen in die
Phosphatierungslösung gelangen. Phosphatierungslösungen der vorgenannten Art arbeiten
üblicherweise mit Peroxiden, insbesondere Wasserstoffperoxid, ggfs. zusammen mit sauerstoffhaltigen
Gasen oder Nitrosen Gasen als Beschleunigungsmittel.
[0019] Die Erfindung wird anhand der folgenden Beispiele beispielsweise und näher erläutert.
Beispiel 1
[0020] Zur Zinkphosphatierung im Tauchverfahren von Metalloberflächen, die zu 80 % aus Stahl
und 20 % aus verzinktem Stahl bestanden, wurde eine mit Wasserstoffperoxid beschleunigte
Phosphatierungslösung der nachstehenden Zusammensetzung verwendet:
| 1,4 g/l Zink |
Freie Säure 1,4 Pkte. |
| 1,0 g/l Mangan |
Gesamtsäure 25 Pkte. |
| 1,0 g/l Nickel |
S-Wert 0,10 |
| 13,0 g/l Phosphat (ber. als P2O5) |
|
| 25,0 mg/l H2O2 |
|
[0021] Die Lösung wurde bei einer Temperatur von 58 +/- 2°C für die Dauer von 3,5 min appliziert.
[0022] Durch den Einsatz einer vierstufigen Spülbadkaskade nach dem Phosphatierungsbad und
Einspeisung von vollentsalztem Wasser in einer Menge pro Zeiteinheit, die der Verdampfungsrate
des Phosphatierbades entsprach, wurde dieser Abschnitt völlig abwasserfrei geführt.
[0023] Die während des Materialdurchsatzes sich verbrauchenden Badkomponenten wurden mittels
dreier Ergänzungslösungen ergänzt. Die Zusammensetzung der Lösungen war wie folgt
(jeweils in Gew.-% angegeben):
| Lösung 1 (Ergänzungskonzentrat) |
Lösung 2 (Neutralisationsmittel) |
Lösung 3 (Beschleuniger) |
| 5,0 % Zn |
13,5 % bas. Zinkcarbonat |
35 % H2O2 |
| 1,3 % Ni |
0,7 % Biopolymer |
|
| 1,7 % Mn |
|
|
| 23,4 % P2O5 |
|
|
[0024] Die Lösungen 1 bis 3 wurden entsprechend dem nachstehenden Gewichtsverhältnis zudosiert:
| Ergänzungskonzentrat |
Neutralisationsmittel |
Beschleuniger |
| 20 |
5 |
1 |
[0025] Es entstanden gleichmäßig geschlossene, feinkristalline Phosphatschichten, die für
die Lackierung, insbesondere die Elektrotauchlackierung, besonders geeignet waren.
[0026] Infolge des Biopolymergehaltes gestaltete sich die Dosierung der Lösung 2 mit Hilfe
von konventionellen Dosierpumpen einfach. Außerdem konnten infolge verminderter Krustenbildung
die Reinigungsintervalle für Badbehälter, Rohrleitungen und Plattenwärmetauscher gegenüber
einer Zugabe von Zinkcarbonat ohne Biopolymer erheblich vergrößert werden.
Beispiel 2
[0027] Zur Zinkphosphatierung von 100 % Stahl im Spritzverfahren wurde eine mit Wasserstoffperoxid
beschleunigte Phosphatierungslösung der nachstehenden Zusammensetzung verwendet:
| 2,8 g/l Zink |
Freie Säure 0,8 Pkte. |
| 0,22 g/l Ca |
Gesamtsäure 15 Pkte. |
| 0,01 g/l Ni |
S-Wert 0,08 |
| 7,7 g/l P2O5 |
|
| 70 mg/l H2O2 |
|
[0028] Die Lösung wurde bei 55 +/- 2°C für eine Behandlungsdauer von 1 min angewendet. Sowohl
das arbeitende Bad als auch das Spülbad nach der Phosphatierung enthielten ausschließlich
mittels Kalziumhydroxid fällbare Ionen.
| Lösung 1 (Ergänzungskonzentrat) |
Lösung 2 (Neutralisationsmittel) |
Lösung 3 (Beschleuniger) |
| 8,5 % Zn |
13,5 % bas. Zinkcarbonat |
35 % H2O2 |
| 0,03 % Ni |
0,7 % Biopolymer |
|
| 25,6 % P2O5 |
|
|
[0029] Die Lösungen 1 bis 3 wurden im nachstehenden Gewichtsverhältnis zudosiert.
| Ergänzungskonzentrat |
Neutralisationsmittel |
Beschleuniger |
| 20 |
5 |
1 |
[0030] Auch in diesem Falle wurden vorteilhafte Ergebnisse erzielt. Es entstanden gleichmäßig
geschlossene, feinkristalline Phosphatschichten, die sich für die konventionelle Lackierung
oder die Pulverlackierung in hervorragender Weise eigneten.
[0031] Die Vergrößerung der Reinigungsintervalle für Badbehälter, Rohrleitungen, Spritzdüsen
und Wärmetauscher entsprach den im Beispiel 1 mitgeteilten Ergebnissen.
1. Verfahren zur Ergänzung von Phosphatierungslösungen zur Erzeugung von Phosphatüberzügen
auf Oberflächen von Stahl, Zink und/oder Aluminium mit Hilfe von wässrigen Ergänzungsmitteln,
die in Wasser schwerlösliche basische Verbindungen, ausgewählt aus der Gruppe der
Oxide, Hydroxide und/oder Karbonate von phosphatierungswirksamen Metallen enthalten,
dadurch gekennzeichnet, daß man den Phosphatierungslösungen wässrige Ergänzungsmittel
zusetzt, die zur Stabilisierung der schwerlöslichen basischen Verbindungen Biopolymer
enthalten.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man den Phosphatierungslösungen
Ergänzungsmittel zusetzt, die als schwerlösliche basische Verbindungen Oxide, Hydroxide
und/oder Karbonate der Metalle Zink, Mangan, Nickel, Kobalt, Kupfer und/oder Magnesium
enthalten.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man den Phosphatierungslösungen
Ergänzungsmittel zusetzt, die als Biopolymer Kohlenhydrate bzw. Polysaccharide, wie
Stärke, Amylose, Amylopectin, Inulin, Agar-Agar und Carboxymethylzellulose, enthalten.
4. Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß man den Phosphatierungslösungen
Ergänzungsmittel zusetzt, die Biopolymer in einer Konzentration von 0,1 bis 5 Gew%,
vorzugsweise von 0,3 bis 1,5 Gew%, enthalten.
5. Anwendung des Verfahrens nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, auf die Ergänzung
von Phosphatierungslösungen auf Basis Zinkphosphat.
6. Anwendung gemäß Anspruch 5 auf die Ergänzung von gemäß der Niedrigzink-Technologie
arbeitenden Phosphatierungslösungen.
7. Anwendung des Verfahrens nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4 auf die Ergänzung
von peroxidbeschleunigten Phosphatierungslösungen, insbesondere auf gemäß der Niedrigzink-Technologie
arbeitenden Phosphatierungslösungen.