Stand der Technik
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Mikrowellenfilter, bestehend aus mehreren
in einer Ebene angeordneten rechteckigen Hohlraumresonatoren, die über induktive Blenden
miteinander gekoppelt sind, wobei mindestens eine Überkopplung zwischen zwei zu einem
Hauptkoppelweg gehörenden, darin aber nicht benachbarten Hohlraumresonatoren vorhanden
ist.
[0002] Es ist bekannt, daß mit Filtern, bei denen nur Kopplungen zwischen elektrisch benachbarten
Resonanzkreisen bestehen (das heißt, es gibt nur einen Hauptkoppelweg), allenfalls
Tschebyscheff- oder Potenzfiltercharakteristika mit relativ geringer Sperrwirkung
realisiert werden können.
Cauer-Filter, welche unterhalb und oberhalb des Filter-Transmissionsbereichs Dämpfungspole
aufweisen und deshalb eine hohe Sperrwirkung haben, bieten den Vorteil, daß sie mit
einem niedrigen Filtergrad (Zahl der Resonanzkreise) realisiert werden können im Vergleich
zu den obengenannten ausschließlich sequentiell gekoppelten Filtern. Voraussetzung
für die Realisierung von Filtercharakteristika mit Dämpfungspolen zu beiden Seiten
des Transmissionsbereichs ist das Einfügen von Überkopplungen zwischen elektrisch
nicht benachbarten Resonanzkreisen; das heißt, es gibt neben dem Signalpfad im Hauptkoppelweg
Signalanteile, die zwischen elektrisch nicht benachbarten Resonanzkreisen überkoppelt
werden.
[0003] Die Realisierung eines einleitend dargelegten Mikrowellenfilters ist aus IEEE Transactions
on Microwave Theory and Techniques, Januar 1996, Band MTT-14, S. 46, 47 bekannt. Bei
diesem Filter sind jedoch nur gewisse Überkopplungen zwischen elektrisch nicht benachbarten
Hohlraumresonatoren realisierbar, womit nur ein Dämpfungspol oberhalb des Nutzfrequenzbandes
erzeugt werden kann. Gemäß der DE 36 21 298 sind Hohlraumresonatoranordnungen nach
Art einer dichtesten Zylinderpackung bekannt, bei denen Überkopplungen zwischen zylindrischen
Hohlraumresonatoren realisiert sind, die im Hauptkoppelweg nicht benachbart sind.
Dadurch, daß die Resonatoren, welche direkt an einer Überkopplung beteiligt sind,
sowohl gleich als auch entgegengesetzt gerichtete Feldkomponenten aufweisen, können
je nach dem positive oder negative Überkopplungen realisiert werden.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Mikrowellenfilter mit planarer Struktur
und induktiven Kopplungen der eingangs genannten Art anzugeben, das vielfältige Möglichkeiten
für die Realisierung von Filtercharakteristika bietet.
Vorteile der Erfindung
[0005] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte
Ausführungen gehen aus den Unteransprüchen hervor.
[0006] Die Erfindung geht von einem Filter aus, bei dem alle Hohlraumresonatoren in einer
Ebene angeordnet sind. Bei einem solchen planaren Filter können alle Hohlräume von
einer Seite her aus einem Block gefräst werden. Die Hohlräume werden dann mit einem
die Abstimmelemente tragenden Deckel oder einer zweiten Halbschale verschlossen. Fertigungstechnisch
ist es zudem besonders wenig aufwendig, wenn ausschließlich induktive Kopplungen vorgesehen
werden, die durch Öffnungen in den Seitenwänden der Hohlraumresonatoren realisierbar
sind. Durch den Einsatz von mindestens einem H10m- oder Hm01- (m>1) Hohlraumresonator
innerhalb des Hauptkoppelwegs einer planaren Filterkonfiguration kann indirekt die
Phasenlage einer Überkopplung, an der dieser H10m- oder Hm01-Hohlraumresonator nicht
beteiligt ist, so eingestellt werden, daß die Filtercharakteristik unterhalb und oberhalb
des Nutzfrequenzbandes Dämpfungspole aufweist.
Beschreibung von Ausführungsbeispielen
[0007] Anhand mehrerer in der Zeichnung dargestellter Ausführungsbeispiele wird nachfolgend
die Erfindung näher erläutert. Es zeigen:
Figur 1 eine planare Filterstruktur, bestehend aus drei H101-Hohlraumresonatoren und
einem H201-Hohlraumresonator, und das entsprechende Koppelschema zur Realisierung
einer Filtercharakteristik mit konstanter Gruppenlaufzeit,
Figur 2 eine planare Filterstruktur, bestehend aus drei H101-Hohlraumresonatoren und
einem H201-Hohlraumresonator, und das entsprechende Koppelschema zur Realisierung
einer Cauer-Filtercharakteristik und
Figur 3 eine planare Filterstruktur zur Realisierung einer Cauer-Charakteristik betehend
aus vier
H201-Hohlraumresonatoren.
[0008] Das in Figur 1 gezeigte Mikrowellenfilter besteht aus vier nebeneinander angeordneten
rechteckigen Hohlraumresonatoren R1, R2, R3 und R4, von denen die Hohlraumresonatoren
R1, R3 und R4 so dimensioniert sind, daß darin der Grundwellentyp H101 existiert,
und der Resonator R2 ist so dimensioniert, daß darin ein H10m oder Hm01-Wellenmode
mit m = 2 existiert. Die Nomenklatur der Resonatoren R1 .... R4 entspricht dem Hauptkoppelweg
des Filters.
[0009] In der Zeichnung sind in allen Hohlraumresonatoren R1 ... R4 die magnetischen Feldlinien
der darin existierenden Wellenmoden durch strichlierte Linien angedeutet. Zwischen
den Ein- und Ausgangshohlleitern I und O und den Resonatoren R1, R4 sind Blendenöffnungen
Ki1, bzw. K4o vorhanden. Zudem befinden sich Blendenöffnungen zur Realisierung der
Hauptkopplungen zwischen den Resonatoren R1 ... R4 im sequentiellen Signalpfad. Und
zwar ist die Blendenöffnung K12 in der Seitenwand zwischen den Hohlraumresonatoren
R1 und R2, die Blendenöffnung K231 in der Seitenwand zwischen den Hohlraumresonatoren
R2 und R3 und die Blendenöffnung K34 in den Seitenwänden zwischen den Hohlraumresonatoren
R3 und R4 angeordnet. Eine weitere Blendenöffnung K14 befindet sich zwischen den elektrisch
nicht benachbarten Resonatoren R1 und R4, welche die Überkopplung eines Teils der
Signalenergie vom Hohlraumresonator R1 zum Hohlraumresonator R4 erlaubt. Alle Kopplungen
sind in dieser planaren Filterstruktur induktiv.
[0010] Für die Realisierung verschiedenster Filtercharakteristika sind die Phasenlagen (Vorzeichen)
der Kopplungen zwischen Hohlraumresonatoren entscheidend, die zu einer überkoppelten
Filtersektion gehören. Bei dem in Figur 1 dargestellten Ausführungsbeispiel sind es
die Phasenlagen der Kopplungen zwischen den Hohlraumresonatoren R1 und R2, R2 und
R3, R3 und R4. Ein Hohlraumresonator im Hauptkoppelweg stellt einen Resonanzkreis
und einen idealen Übertrager mit dem Übertragungsverhältnis -1 dar. Dies bedeutet
physikalisch, daß die Drehrichtung der an einer Hauptkopplung beteiligten Feldkomponenten
zweier Resonatoren entgegengesetzt ist.
[0011] Das Übertragungsverhältnis für die Überkopplungen in einer solchen planaren Struktur
ergibt sich aus dem Drehsinn der an der entsprechenden Überkopplung beteiligten magnetischen
Feldkomponenten. Demnach ergibt sich für die Kopplung zwischen den Hohlraumresonatoren
R1 und R4 über die Blendenöffnung K14 ein Übersetzungsverhältnis von -1 aufgrund des
ebenfalls entgegengesetzten Drehsinns der magnetischen Feldkomponenten in den beiden
Hohlraumresonatoren R1 und R4 und damit ein negativer Koppelwert.
[0012] Die vorangehend dargelegte Filterstruktur läßt sich durch das in Figur 1 gezeigte
Koppelschema beschreiben. Damit ist eine Filtercharakteristik mit konstanter Gruppenlaufzeit
im Nutzfrequenzband realisierbar.
[0013] An dem in Figur 2 dargestellten Ausführungsbeispiel wird nun erläutert, welche Bedeutung
dem H102- bzw. H201-Resonator R2 in Bezug auf die Phasenlage (Vorzeichen) der Überkopplung
K14 zwischen den Resonatoren R1 und R4 zukommt. Wesentlich hierbei ist die Lage der
Koppelöffnung K23c, die im Gegensatz zu der Koppelöffnung K231 in Figur 1 die magnetische
Feldkomponente der rechten Halbwelle des H102-Wellenmodes im Hohlraumresonator R2
mit dem Grundwellenmode des Hohlraumresonators R3 koppelt.
[0014] Die an der Kopplung beteiligten magnetischen Feldkomponenten in den Hohlraumresonatoren
R2 und R3 weisen, wie auch in Figur 1 einen entgegengesetzten Drehsinn auf, weshalb
auch hier die Kopplung K23c negativ ist. Ein Vergleich der magnetischen Felder in
Figur 1 und 2 zeigt jedoch, daß durch die unterschiedliche Lage der Blendenöffnung
K231 bzw. K23c der Drehsinn der magnetischen Feldkomponenten in den Hohlraumresonatoren
R3 und R4 transformiert, das heißt umgekehrt wird. Man spricht also von einer Transformation,
wenn durch eine Kopplung die magnetischen Feldlinien in zwei Hohlraumresonatoren eine
entgegengesetzte Drehrichtung erhalten, so wie das bei den Hohlraumresonatoren R1
und R3 in Figur 2 der Fall ist. Dagegen findet zwischen den Hohlraumresonatoren R1
und R3 der Figur 1 keine Transformation statt, weil die magnetischen Feldlinien dieselbe
Drehrichtung haben. Also bewirkt der Hohlraumresonator R2 beim Filter gemäß Figur
2 eine Transformation, beim Filter gemäß Figur 1 jedoch nicht.
[0015] Die Transformation durch den Hohlraumresonator R2 ist insbesondere für die Überkopplung
K14 von Bedeutung, da sich in der in Figur 2 dargestellten Filterstruktur eine positive
Überkopplung im Gegensatz zur Figur 1 ergibt. Die in Figur 2 dargestellte Filterkonfiguration,
welche im Gegensatz zu der Filterkonfiguration der Figur 1 eine positive Überkopplung
hat, das heißt die magnetischen Feldlinien der Hohlraumresonatoren R1 und R4 haben
dieselbe Drehrichtung, erzeugt z.B. eine Cauer-Charakteristik, die sowohl oberhalb
als auch unterhalb des Filter-Transmissionsbereichs einen oder mehrere Dämpfungspole
besitzt. Bei einem vierkreisigen Filter entsteht z.B. eine solche Cauer-Filtercharakteristik
entsteht, wenn der erste Hohlraumresonator R1 und der vierte Hohlraumresonator R4
gekoppelt (d.h. die Hohlraumresonatoren R2 und R3 sind überkoppelt)sind und wenn für
alle Kopplungen gilt:

. Filtercharakteristika mit Dämpfungspolen unterhalb und oberhalb des Transmissionsbereichs
lassen sich auch mit mehr als vier Hohlraumresonatoren verwirklichen. Entscheidend
dabei ist die Phasenlage einer oder mehrerer Überkopplungen, die aber auf einfache
Weise, wie vorangehend beschrieben, durch entsprechende Ankopplung eines Hm01- bzw.
H10m- (m > 1) Resonators einstellbar ist.
[0016] In der Figur 3 ist eine Filterstruktur dargestellt, die ausschließlich aus Hohlraumresonatoren
R5, R6, R7 und R8 besteht, in denen H10m oder Hm01 Wellenmoden existent sind, wobei
in dem gezeigten Ausführungsbeispiel m = 2 ist. Die Blendenöffnungen für die induktiven
Kopplungen zwischen den einzelnen Hohlraumresonatoren R5 ... R8 und den Ein- und Ausgangshohlleitern
I, O sind mit Ki5, K56, K67, K78, K58 und K8o bezeichnet. Auch bei diesem Filter kann
durch Ändern der Ankopplung des Hohlraumresonators R7 an die benachbarten Hohlraumresonatoren
R6 und R8 das Vorzeichen der Überkopplung zwischen den Hohlraumresonatoren R5 und
R8 (Blendenöffnung K58) umgekehrt werden. So ist beim Filter der Figur 3 die Überkopplung
positiv, womit eine Cauer-Filtercharakteristik mit Dämpfungspolen oberhalb und unterhalb
des Transmissionsbereichs entsteht.
[0017] Die Verwendung von Hohlraumresonatoren für H10m-, Hm01- (m > 1) Wellenmoden eröffnet
eine Vielzahl von verschiedenen Kopplungsvarianten, um positive wie negative Überkopplungen
zu verwirklichen.
1. Mikrowellenfilter, bestehend aus mehreren in einer Ebene angeordneten rechteckigen
Hohlraumresonatoren, die über induktive Blenden miteinander gekoppelt sind, wobei
mindestens eine Überkopplung zwischen zwei zu einem Hauptkoppelweg gehörenden, darin
aber elektrisch nicht benachbarten Hohlraumresonatoren vorhanden ist, dadurch gekennzeichnet,
daß mindestens einer der im Hauptkoppelweg liegenden Hohlraumresonatoren (R1 ... R8)
ein H10m- bzw. Hm01- (m > 1) Wellenmoderesonator (R2, R7) ist und daß die Blenden
(K12, K23l, K23c, K67, K78) für die Ankopplung des H10m- bzw. Hm01-Hohlraumresonators
(R2, R7) an seine beiden im Hauptkoppelweg direkt benachbarten Hohlraumresonatoren
(R1, R3, R6, R8) im Bereich derjenigen Teilwelle(n) des H10m- bzw. Hm01-Wellenmodes
plaziert sind, daß die Überkopplung eine solche Phasenlage erhält, daß eine Filtercharakteristik
entsteht, die unterhalb und oberhalb des Filter-Transmissionsbereichs mindestens einen
Dämpfungspol aufweist.
2. Mikrowellenfilter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß alle im Hauptkoppelweg
liegenden Hohlraumresonatoren außer dem (den) die Phasenlage der Überkopplung bestimmenden
Hohlraumresonator(en) (R2) H101-Wellenmoderesonatoren (R1, R3, R4) sind.
3. Mikrowellenfilter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß alle im Hauptkoppelweg
liegenden Hohlraumresonatoren (R5 ... R8) H10m- bzw. Hm01-(m > 1) Wellenmoderesonatoren
sind.