[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Waschen eines Formzylinders
und einer zugeordneten Auftragwalze in einer Druckmaschine, vorzugsweise in einer
Offsetdruckmaschine mit mindestens einer Lackiereinheit.
[0002] Eine Waschvorrichtung dieser Art ist aus der WO 95/01876 bekannt. Die Waschvorrichtung
ist achsparallel zur Achse eines zu reinigenden Klischeezylinders verfahrbar. Mit
einem Reinigungsmedium in Form von Druckluft mit wahlweise kornförmigen Zusätzen oder
in Form einer Reinigungsflüssigkeit mit wahlweise kornförmigen Zusätzen kann die Waschvorrichtung
betrieben werden. Die Vorrichtung besitzt dabei eine Zuführung für das Reinigungsmedium
und eine Absaugung. Das Reinigungsmedium wird dabei auf das Klischee aufgesprüht und
danach abgesaugt. Dabei werden auch Verunreinigungen und Farbe abgesaugt. Bei Verwendung
von kornförmigen Zusätzen wird die Qualität des Klischees negativ beeinflußt.
[0003] Aufgabe der Erfindung ist es, eine Lösung zu entwickeln, die das Antrocknen von schnelltrocknenden
Medien auf der Auftragwalze und bei Bedarf auf dem Formzylinder reduziert.
[0004] Gelöst wird dies durch die Ausbildungsmerkmale der Ansprüche 1 und 5. Das erfindungsgemäße
Verfahren, in Verbindung mit der Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens, gestattet
das kombinierte Waschen von Formzylinder mit aufgespannter Druckform und der Auftragwalze,
insbesondere einer gerasterten Auftragwalze. Das bei gerasterten Auftragwalzen bekannte
"Zusetzen" der Näpfchen, was eine undefinierte Reduzierung des Schöpfvolumens bewirkt,
wird dadurch verhindert. Die erfindungsgemäße Lösung gestattet das automatisierte
Waschen von Auftragwalze und Formzylinder innerhalb der Druckmaschine bei verschiedenen
Betriebszuständen. Die Reinigungszeiten werden durch das kombinierte Waschen verkürzt.
Als Reinigungsmittel wird vorzugsweise Wasser verwendet. Alternativ dazu sind auch
Lösemittel einsetzbar, die im wesentlichen Wasser enthalten.
[0005] Als schnelltrocknende Medien werden vorzugsweise Farbe bzw. Lack verwendet.
[0006] Die Erfindung soll an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert werden. Dabei zeigt:
- Fig. 1
- eine Waschvorrichtung in Seitenansicht (schematisch).
[0007] In einer Offsetdruckmaschine ist dem in Maschinenlaufrichtung letzten Druckwerk eine
Lackiereinheit nachgeordnet und dient der Inline-Lackierung von Bedruckstoffen. Die
Lackiereinheit besteht dabei im wesentlichen aus einem den Bedruckstoff führenden
Druckzylinder 1, dem ein an- und abstellbarer Formzylinder 2 zugeordnet ist. Der Formzylinder
2 trägt eine Hochdruckform, die im wesentlichen aus einem flexiblen Elastromer gebildet
ist. Dem Formzylinder 2 ist eine an- und abstellbare Auftragwalze 3 zugeordnet. Die
Auftragwalze 3 besitzt eine Rasternäpfchenstruktur und ist in Keramik ausgeführt.
An die Auftragwalze 3 an- und abstellbar ist eine Zuführeinrichtung 4, die in vorliegender
Ausbildung ein Kammerrakel ist, angeordnet. Die Zuführeinrichtung 4 besitzt ein Leitungssystem
für die Zuführung bzw. die Abführung des zu verarbeitenden Mediums, im vorliegenden
Beispiel ist dies ein Dispersionslack. Druckzylinder 1, Formzylinder 2, Auftragwalze
3 und die Zuführeinrichtung 4 sind in bekannter Weise in Seitengestellen gelagert.
Zwischen Formzylinder 2 und Auftragwalze 3 ist eine Waschvorrichtung 5 angeordnet,
welche an einer in den Seitengestellen fixierten Traverse achsparallel zum Formzylinder
2 und der Auftragwalze 3 verfahrbar ist. Die Waschvorrichtung 5 weist zwei gekrümmte
Flächen auf, die in je einem Spalt 12 beabstandet von Formzylinder 2 und Auftragwalze
3 angeordnet sind. Die Flächen verlaufen dabei vorzugsweise konzentrisch zu den Mantelflächen
von Formzylinder 2 und Auftragwalze 3. Jede Fläche weist eine Sprüheinrichtung 10
auf, der in Drehrichtung der Auftragwalze 4 oder des Formzylinders 2 eine Absaugeinrichtung
11 jeweils nachgeordnet ist. Die Sprüheinrichtungen 10 sind mit je einer Reinigungsfluidzufühtung
6 verbunden. Die Absaugeinrichtung 11 sind mit je einer Reinigungsfluidabführung 7
verbunden. Die Reinigungsfluidzuführungen 6 sowie die Reinigungsfluidabführungen 7
enden in einem gemeinsamen Behälter 9 zur Aufnahme des Reinigungsfluides und bilden
somit ein Kreislaufsystem. Bei Verwendung mehrerer Reinigungsfluide, z.B. Lösemittel
mit Wasser oder ausschließlich Wasser, können auch mehrere Behälter 9 in den Kreislauf
integriert werden. In dieses Kreislaufsystem ist eine Steuereinheit 8 schaltungstechnisch
integriert, die das Waschverfahren steuert.
[0008] Die Wirkungsweise ist wie folgt:
Im Druckbetrieb (Druck an-Stellung) wird der gerasterten Auftragwalze 3 von der Zuführeinrichtung
4 das Medium Lack zugeführt. Die Auftragwalze 3 überträgt dosiert diesen Lack an den
Formzylinder 2, welcher den Bedruckstoff in Verbindung mit dem Druckzylinder 1 veredelt.
Während der Formzylinder 2 Lack rührt, wird das Reinigungsfluid an den Formzylinder
2 mittels Sprüheinrichtung 10 in Impulsen gesteuert aufgesprüht und mittels Absaugeinrichtung
11 kontinuierlich abgesaugt. Dabei wird die Waschvorrichtung 5 parallel zum Formzylinder
2 axial hin- und herverfahren. In der Druck an-Stellung ist die der Auftragwalze 3
benachbarte Fläche der Waschvorrichtung 5 nicht aktiviert. Im druckfreien Betrieb
(Druck ab-Stellung) wird der Formzylinder 2 von der Auftragwalze 3 entkoppelt. Das
Reinigungsfluid wird durch die Sprüheinrichtungen 10 in Impulsen gesteuert auf den
Formzylinder 2 und auf die Auftragwalze 3 gesprüht und kontinuierlich von den Mantelflächen
des Formzylinders 2 sowie der Auftragwalze 3 abgesaugt. Im druckfreien Betrieb kann
dabei der rotierenden Auftragwalze 3 weiterhin Lack kontinuierlich zugeführt werden,
während deren Mantelfläche gewaschen wird. In einer weiteren Ausführung ist bei druckfreiem
Betrieb die Zuführung von Lack an die Auftragwalze 3 gestoppt, während deren Mantelfläche
gewaschen wird. Der Formzylinder 2 kann dabei wahlweise mit gewaschen werden. Die
Auftragwalze 3 kann weiterhin separat gewaschen werden, indem der Formzylinder still
gesetzt oder für andere Arbeiten benutzt wird und von der Auftragwalze 3 getrennt
ist. Das Reinigungsfluid wird dann ausschließlich an die rotierende Auftragwalze aufgesprüht
und von deren Mantelfläche abgesaugt. Der Formzylinder 2 steht dann z.B. für einen
Druckformwechsel bereit.
In bevorzugter Weise wird die Lackiereinheit synchron mit den vorgeordneten Druckwerken
und/oder weiteren Lackiereinheiten gewaschen, es ist jedoch auch ein separates Waschen
in der Lackiereinheit möglich.
Bezugszeichen:
[0009]
- 1
- Druckzylinder
- 2
- Formzylinder
- 3
- Auftragwalze
- 4
- Zuführeinrichtung
- 5
- Waschvorrichtung
- 6
- Reinigungsfluidzuführung
- 7
- Reinigungsfluidabführung
- 8
- Steuereinheit
- 9
- Behälter
- 10
- Sprüheinrichtung
- 11
- Absaugeinrichtung
- 12
- Spalt
1. Verfahren zum Waschen eines Formzylinders und einer mit einer Zuführeinrichtung gekoppelten,
zugeordneten Auftragwalze in einer Druckmaschine, mit einer Waschvorrichtung mit Reinigungsfluidzuführung
und Reinigungsfluidabführung,
dadurch gekennzeichnet,
daß im Druckbetrieb (Druck an-Stellung) während die Auftragwalze ein flüssiges Medium
(Farbe, Lack) an den Formzylinder zuführt ein Reinigungsfluid auf den rotierenden
Formzylinder aufgesprüht und von dessen Mantelfläche abgesaugt wird und daß im druckfreien
Betrieb (Druck ab-Stellung) ein Reinigungsfluid auf die rotierende, vom Formzylinder
getrennte Auftragwalze und auf den rotierenden Formzylinder aufgesprüht und von deren
Mantelflächen abgesaugt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß im druckfreien Betrieb (Druck ab-Stellung) der rotierenden Auftragwalze kontinuierlich
das flüssige Medium (Farbe, Lack) zugeführt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß im druckfreien Betrieb (Druck ab-Stellung) die Zufuhr des flüssigen Mediums (Farbe,
Lack) an die rotierende Auftragwalze gestoppt ist.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Reinigungsfluid ausschließlich auf die Auftragwalze gesprüht und von deren
Mantelfläche abgesaugt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Formzylinder eine Hochdruckform trägt.
6. Vorrichtung zum Waschen eines Formzylinders mit einer zugeordneten Auftragwalze und
einer der Auftragwalze vorgeordneten Zuführeinrichtung, wobei parallel zur Formzylinderachse
die Waschvorrichtung verfahrbar ist und eine Reinigungsfluidzuführung und eine Reinigungsfluidabführung
aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Waschvorrichtung (5) zwei gekrümmte Flächen aufweist, wobei eine erste Fläche
dem Formzylinder (2) und eine zweite Fläche der Auftragwalze (3) in je einem Spalt
(12) beabstandet zugeordnet ist,
daß jede Fläche eine Sprüheinrichtung (10) und eine Absaugeinrichtung (11) aufweist,
daß jede Sprüheinrichtung (10) mit einer separaten Reinigungsfluidzuführung (6) gekoppelt
ist,
daß jede Absaugeinrichtung (11) mit einer separaten Reinigungsfluidabführung (7) gekoppelt
ist,
daß die Sprüheinrichtungen (10) und die Absaugeinrichtungen (11) von einer gemeinsamen
Steuereinheit (8) einzeln ansteuerbar sind und
daß die Reinigungsfluidzuführungen (6) und die Reinigungsfluidabführungen (7) mit
mindestens einem gemeinsamen Behälter (9) zur Aufnahme eines Reinigungsfluids verkettet
sind.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß in Drehrichtung von Auftragwalze (3) und Formzylinder (2) die Sprüheinrichtungen
(10) den Absaugvorrichtungen (11) vorgeordnet sind.
8. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Auftragwalze eine Rasterwalze ist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Zuführeinrichtung (4) eine zur Auftragwalze an- und abstellbare Kammerrakel
ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Reinigungsfluid Wasser ist oder im wesentlichen enthält.