(19)
(11) EP 0 754 552 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
22.01.1997  Patentblatt  1997/04

(21) Anmeldenummer: 96110882.6

(22) Anmeldetag:  05.07.1996
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6B41F 35/02, B41F 35/04
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT CH DE DK FR GB IT LI SE

(30) Priorität: 20.07.1995 DE 19526574

(71) Anmelder: MAN Roland Druckmaschinen AG
63075 Offenbach (DE)

(72) Erfinder:
  • Herold, Manfred
    63791 Karlstein (DE)
  • Hartung, Georg
    63500 Seligenstadt (DE)
  • Jung, Ulrich, Dr.
    65551 Limburg (DE)

(74) Vertreter: Stahl, Dietmar 
MAN Roland Druckmaschinen AG, Abteilung FTB/S, Postfach 101264
63012 Offenbach
63012 Offenbach (DE)

   


(54) Verfahren und Vorrichtung zum Waschen eines Formzylinders und einer zugeordneten Auftragwalze in einer Druckmaschine


(57) Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Waschen eines Formzylinders und einer zugeordneten Auftragwalze. Aufgabe der Erfindung ist es eine Lösung zu entwickeln, die das Antrocknen von schnelltrocknenden Medien (Lack, Farbe) auf der Auftragwalze als auch auf dem Formzylinder reduziert. Gelöst wird das dadurch, daß die Waschvorrichtung (5) zwei gekrümmte Flächen aufweist, wobei eine erste Fläche dem Formzylinder (2) und eine zweite Fläche der Auftragwalze (3) in je einem Spalt (12) beabstandet zugeordnet ist und daß jede Fläche eine Sprüheinrichtung (10) und eine Absaugeinrichtung (11) aufweist, die mit Zuführungen (6) und Abführungen (7) und einem Behälter (9) einen Kreislauf bilden. Das Waschverfahren erfolgt in Druckan-Stellung, indem ein Reinigungsfluid auf den rotierenden Formzylinder (2) aufgesprüht wird und von dessen Mantelfläche abgesaugt wird. Bei Druckabstellung wird das Reinigungsfluid auf die rotierende Auftragwalze und auf den rotierenden Formzylinder aufgesprüht, wobei die Auftragwalze (3) vom Formzylinder (2) getrennt ist.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Waschen eines Formzylinders und einer zugeordneten Auftragwalze in einer Druckmaschine, vorzugsweise in einer Offsetdruckmaschine mit mindestens einer Lackiereinheit.

[0002] Eine Waschvorrichtung dieser Art ist aus der WO 95/01876 bekannt. Die Waschvorrichtung ist achsparallel zur Achse eines zu reinigenden Klischeezylinders verfahrbar. Mit einem Reinigungsmedium in Form von Druckluft mit wahlweise kornförmigen Zusätzen oder in Form einer Reinigungsflüssigkeit mit wahlweise kornförmigen Zusätzen kann die Waschvorrichtung betrieben werden. Die Vorrichtung besitzt dabei eine Zuführung für das Reinigungsmedium und eine Absaugung. Das Reinigungsmedium wird dabei auf das Klischee aufgesprüht und danach abgesaugt. Dabei werden auch Verunreinigungen und Farbe abgesaugt. Bei Verwendung von kornförmigen Zusätzen wird die Qualität des Klischees negativ beeinflußt.

[0003] Aufgabe der Erfindung ist es, eine Lösung zu entwickeln, die das Antrocknen von schnelltrocknenden Medien auf der Auftragwalze und bei Bedarf auf dem Formzylinder reduziert.

[0004] Gelöst wird dies durch die Ausbildungsmerkmale der Ansprüche 1 und 5. Das erfindungsgemäße Verfahren, in Verbindung mit der Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens, gestattet das kombinierte Waschen von Formzylinder mit aufgespannter Druckform und der Auftragwalze, insbesondere einer gerasterten Auftragwalze. Das bei gerasterten Auftragwalzen bekannte "Zusetzen" der Näpfchen, was eine undefinierte Reduzierung des Schöpfvolumens bewirkt, wird dadurch verhindert. Die erfindungsgemäße Lösung gestattet das automatisierte Waschen von Auftragwalze und Formzylinder innerhalb der Druckmaschine bei verschiedenen Betriebszuständen. Die Reinigungszeiten werden durch das kombinierte Waschen verkürzt. Als Reinigungsmittel wird vorzugsweise Wasser verwendet. Alternativ dazu sind auch Lösemittel einsetzbar, die im wesentlichen Wasser enthalten.

[0005] Als schnelltrocknende Medien werden vorzugsweise Farbe bzw. Lack verwendet.

[0006] Die Erfindung soll an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert werden. Dabei zeigt:
Fig. 1
eine Waschvorrichtung in Seitenansicht (schematisch).


[0007] In einer Offsetdruckmaschine ist dem in Maschinenlaufrichtung letzten Druckwerk eine Lackiereinheit nachgeordnet und dient der Inline-Lackierung von Bedruckstoffen. Die Lackiereinheit besteht dabei im wesentlichen aus einem den Bedruckstoff führenden Druckzylinder 1, dem ein an- und abstellbarer Formzylinder 2 zugeordnet ist. Der Formzylinder 2 trägt eine Hochdruckform, die im wesentlichen aus einem flexiblen Elastromer gebildet ist. Dem Formzylinder 2 ist eine an- und abstellbare Auftragwalze 3 zugeordnet. Die Auftragwalze 3 besitzt eine Rasternäpfchenstruktur und ist in Keramik ausgeführt. An die Auftragwalze 3 an- und abstellbar ist eine Zuführeinrichtung 4, die in vorliegender Ausbildung ein Kammerrakel ist, angeordnet. Die Zuführeinrichtung 4 besitzt ein Leitungssystem für die Zuführung bzw. die Abführung des zu verarbeitenden Mediums, im vorliegenden Beispiel ist dies ein Dispersionslack. Druckzylinder 1, Formzylinder 2, Auftragwalze 3 und die Zuführeinrichtung 4 sind in bekannter Weise in Seitengestellen gelagert. Zwischen Formzylinder 2 und Auftragwalze 3 ist eine Waschvorrichtung 5 angeordnet, welche an einer in den Seitengestellen fixierten Traverse achsparallel zum Formzylinder 2 und der Auftragwalze 3 verfahrbar ist. Die Waschvorrichtung 5 weist zwei gekrümmte Flächen auf, die in je einem Spalt 12 beabstandet von Formzylinder 2 und Auftragwalze 3 angeordnet sind. Die Flächen verlaufen dabei vorzugsweise konzentrisch zu den Mantelflächen von Formzylinder 2 und Auftragwalze 3. Jede Fläche weist eine Sprüheinrichtung 10 auf, der in Drehrichtung der Auftragwalze 4 oder des Formzylinders 2 eine Absaugeinrichtung 11 jeweils nachgeordnet ist. Die Sprüheinrichtungen 10 sind mit je einer Reinigungsfluidzufühtung 6 verbunden. Die Absaugeinrichtung 11 sind mit je einer Reinigungsfluidabführung 7 verbunden. Die Reinigungsfluidzuführungen 6 sowie die Reinigungsfluidabführungen 7 enden in einem gemeinsamen Behälter 9 zur Aufnahme des Reinigungsfluides und bilden somit ein Kreislaufsystem. Bei Verwendung mehrerer Reinigungsfluide, z.B. Lösemittel mit Wasser oder ausschließlich Wasser, können auch mehrere Behälter 9 in den Kreislauf integriert werden. In dieses Kreislaufsystem ist eine Steuereinheit 8 schaltungstechnisch integriert, die das Waschverfahren steuert.

[0008] Die Wirkungsweise ist wie folgt:
Im Druckbetrieb (Druck an-Stellung) wird der gerasterten Auftragwalze 3 von der Zuführeinrichtung 4 das Medium Lack zugeführt. Die Auftragwalze 3 überträgt dosiert diesen Lack an den Formzylinder 2, welcher den Bedruckstoff in Verbindung mit dem Druckzylinder 1 veredelt. Während der Formzylinder 2 Lack rührt, wird das Reinigungsfluid an den Formzylinder 2 mittels Sprüheinrichtung 10 in Impulsen gesteuert aufgesprüht und mittels Absaugeinrichtung 11 kontinuierlich abgesaugt. Dabei wird die Waschvorrichtung 5 parallel zum Formzylinder 2 axial hin- und herverfahren. In der Druck an-Stellung ist die der Auftragwalze 3 benachbarte Fläche der Waschvorrichtung 5 nicht aktiviert. Im druckfreien Betrieb (Druck ab-Stellung) wird der Formzylinder 2 von der Auftragwalze 3 entkoppelt. Das Reinigungsfluid wird durch die Sprüheinrichtungen 10 in Impulsen gesteuert auf den Formzylinder 2 und auf die Auftragwalze 3 gesprüht und kontinuierlich von den Mantelflächen des Formzylinders 2 sowie der Auftragwalze 3 abgesaugt. Im druckfreien Betrieb kann dabei der rotierenden Auftragwalze 3 weiterhin Lack kontinuierlich zugeführt werden, während deren Mantelfläche gewaschen wird. In einer weiteren Ausführung ist bei druckfreiem Betrieb die Zuführung von Lack an die Auftragwalze 3 gestoppt, während deren Mantelfläche gewaschen wird. Der Formzylinder 2 kann dabei wahlweise mit gewaschen werden. Die Auftragwalze 3 kann weiterhin separat gewaschen werden, indem der Formzylinder still gesetzt oder für andere Arbeiten benutzt wird und von der Auftragwalze 3 getrennt ist. Das Reinigungsfluid wird dann ausschließlich an die rotierende Auftragwalze aufgesprüht und von deren Mantelfläche abgesaugt. Der Formzylinder 2 steht dann z.B. für einen Druckformwechsel bereit.
In bevorzugter Weise wird die Lackiereinheit synchron mit den vorgeordneten Druckwerken und/oder weiteren Lackiereinheiten gewaschen, es ist jedoch auch ein separates Waschen in der Lackiereinheit möglich.

Bezugszeichen:



[0009] 
1
Druckzylinder
2
Formzylinder
3
Auftragwalze
4
Zuführeinrichtung
5
Waschvorrichtung
6
Reinigungsfluidzuführung
7
Reinigungsfluidabführung
8
Steuereinheit
9
Behälter
10
Sprüheinrichtung
11
Absaugeinrichtung
12
Spalt



Ansprüche

1. Verfahren zum Waschen eines Formzylinders und einer mit einer Zuführeinrichtung gekoppelten, zugeordneten Auftragwalze in einer Druckmaschine, mit einer Waschvorrichtung mit Reinigungsfluidzuführung und Reinigungsfluidabführung,
dadurch gekennzeichnet,
daß im Druckbetrieb (Druck an-Stellung) während die Auftragwalze ein flüssiges Medium (Farbe, Lack) an den Formzylinder zuführt ein Reinigungsfluid auf den rotierenden Formzylinder aufgesprüht und von dessen Mantelfläche abgesaugt wird und daß im druckfreien Betrieb (Druck ab-Stellung) ein Reinigungsfluid auf die rotierende, vom Formzylinder getrennte Auftragwalze und auf den rotierenden Formzylinder aufgesprüht und von deren Mantelflächen abgesaugt wird.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß im druckfreien Betrieb (Druck ab-Stellung) der rotierenden Auftragwalze kontinuierlich das flüssige Medium (Farbe, Lack) zugeführt wird.
 
3. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß im druckfreien Betrieb (Druck ab-Stellung) die Zufuhr des flüssigen Mediums (Farbe, Lack) an die rotierende Auftragwalze gestoppt ist.
 
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Reinigungsfluid ausschließlich auf die Auftragwalze gesprüht und von deren Mantelfläche abgesaugt wird.
 
5. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Formzylinder eine Hochdruckform trägt.
 
6. Vorrichtung zum Waschen eines Formzylinders mit einer zugeordneten Auftragwalze und einer der Auftragwalze vorgeordneten Zuführeinrichtung, wobei parallel zur Formzylinderachse die Waschvorrichtung verfahrbar ist und eine Reinigungsfluidzuführung und eine Reinigungsfluidabführung aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Waschvorrichtung (5) zwei gekrümmte Flächen aufweist, wobei eine erste Fläche dem Formzylinder (2) und eine zweite Fläche der Auftragwalze (3) in je einem Spalt (12) beabstandet zugeordnet ist,
daß jede Fläche eine Sprüheinrichtung (10) und eine Absaugeinrichtung (11) aufweist,
daß jede Sprüheinrichtung (10) mit einer separaten Reinigungsfluidzuführung (6) gekoppelt ist,
daß jede Absaugeinrichtung (11) mit einer separaten Reinigungsfluidabführung (7) gekoppelt ist,
daß die Sprüheinrichtungen (10) und die Absaugeinrichtungen (11) von einer gemeinsamen Steuereinheit (8) einzeln ansteuerbar sind und
daß die Reinigungsfluidzuführungen (6) und die Reinigungsfluidabführungen (7) mit mindestens einem gemeinsamen Behälter (9) zur Aufnahme eines Reinigungsfluids verkettet sind.
 
7. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß in Drehrichtung von Auftragwalze (3) und Formzylinder (2) die Sprüheinrichtungen (10) den Absaugvorrichtungen (11) vorgeordnet sind.
 
8. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Auftragwalze eine Rasterwalze ist.
 
9. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Zuführeinrichtung (4) eine zur Auftragwalze an- und abstellbare Kammerrakel ist.
 
10. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Reinigungsfluid Wasser ist oder im wesentlichen enthält.
 




Zeichnung







Recherchenbericht