[0001] Die Erfindung betrifft ein Federwerk zur Verbesserung des Fahrzeuglaufes, das bei
Ankopplung an die Fahrwerke eines Schienenfahrzeuges im geraden Gleis die Amplituden
des Sinuslaufes bei Streckung der Wellenlänge vermindert und im Gleisbogen die Radialeinstellung
nicht behindert. Bei beidseitiger Ankoppelung des Federwerkes zwischen den Enden kurzer
Gliederzugteile wird eine Beruhigung des Fahrzeuglaufes im geraden Gleis herbeiführt,
ohne daß im Gleisbogen unzulässige Richtkräfte erzeugt werden.
[0002] Zur Lösung dieses Problemes werden häufig starke hydraulische Dämpfer mit spezieller
Kennlinie, sogenannte Schlingerdämpfer, eingesetzt. Diese vermögen nicht die Länge
der Sinusbahn zu strecken, sie vermindern nur die Sinusamplituden.
[0003] In der DE 31 45 666 Al wird eine mit hydraulischer Flüssigkeit gefüllte in zwei Kammern
unterteilte Vorrichtung vorgeschlagen, in der zwei Federn mit Abstandselementen zum
Einstellen der Vorspannung angeordnet sind. Nachteilig ist hierbei, daß die Federn
bei größeren Amplituden klappern, und die Drosselstelle zwischen Zylinderbohrung und
Kolben bzw. Scheibe infolge Federkräfte und Abnutzung je nach Beanspruchung zwischen
einem gewollten ringförmigen Dämpfungsspalt oder einem sichelförmigen Spalt, mit geringerer
Dämpfungswirkung wechselt.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Federwerk der eingangs genannten Art mit spezieller
Kennlinie zu schaffen, das mit großer Federsteifigkeit die Amplituden des Sinuslaufes
bei Streckung der Wellenlänge vermindert und mit geringer Federsteifigkeit die Radialeinstellung
der Radsätze im Gleisbogen gestattet. Die gleiche Aufgabe besteht bei Gliederzügen
an den Kuppelstellen, wo im geraden Gleis eine hohe Federsteifigkeit zur Beruhigung
des Fahrzeuglaufes erforderlich ist und im Gleisbogen die Federsteifigkeit zur Einhaltung
zulässiger Richtkräfte geringer sein muß.
[0005] Außerdem sollen Klappergeräusche vermieden und eine verschleißunempfindliche Lösung
geschaffen werden.
[0006] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merklmale des Patentanspruches gelöst,
d.h. durch die besondere Anordnung von teilweise gegeneinander verspannten Federn.
Hierbei kann es sich um Schrauben-, Teller- oder Gummifedern handeln.
[0007] Bei hohen Fahrgeschwindigkeiten wird die parallele Anordnung von hydraulischen Dämpfern
erforderlich.
[0008] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden anhand der Zeichnungen näher erläutert.
Die Zeichnungen zeigen in:
- Fig. 1:
- ein konstruktives Beispiel eines Federwerkes im Längsschnitt, bei dem Gummifedern
Anwendung finden,
- Fig. 2:
- ein Schema des Federwerkes in Ruhestellung,
- Fig. 3:
- ein Schema des Federwerkes, das um die größte Amplitude des Sinuslaufes ausgelenkt
ist,
- Fig. 4:
- ein Schema des Federwerkes, das um den größten Betrag der Wegamplitude, die beim Durchlaufen
im engen Gleisbogen entsteht, ausgelenkt ist,
- Fig. 5:
- die beiden Federkennlinien der beiden Federn des Federwerkes,
- Fig. 6:
- die wirksame Kennlinie des Federwerkes,
- Fig. 7:
- die prinzipielle Anordnung des Federwerkes im 2achsigen Fahrzeug bzw. zweiachsigen
Fahrwerk,
- Fig. 8:
- die Draufsicht auf zwei miteinander gekuppelten kurzen Wagenglieder eines Gliederzuges.
[0009] Gemäß Fig. 1 sind in einem Federwerk 10 Federn 3, 3' als Gummifedern wegen der guten
Isolation hochfrequenter Schwingungen ausgeführt. Eine Anlenkstange 1 besitzt an ihrem
Ende ein Anlenkauge 6', mit dem es beispielsweise an einem Fahrzeug- bzw. Fahrwerksrahmen
11 angekoppelt wird. Weiterhin befindet sich auf der Anlenkstange 1 ein Stangenwiderlager
2', die erste Feder 3', ein Gehäusewiderlager 5, die zweite Feder 3 und ein Stangenwiderlager
2. Diese Teile werden mit einem Vorspannweg f
V vorgespannt und beispielsweise mittels eines Verschlußringes 7 gehalten. Die Anlenkstange
1, die Stangenwiderlager 2; 2', die Federn 3; 3' und der Verschlußring 7 werden von
einem Gehäuse 4 umfaßt, das in seiner Mitte mit dem Gehäusewiderlager 5 verschraubt
ist. Dabei entsteht beidseitig zwischen einem Gehäuseanschlag 8, 8' ein Abstand a.
Dieser Abstand a ist geringfügig kleiner als eine Wegamlitude f' bzw. kleiner als
der halbe Vorspannweg f
V. Hierdurch wird ein Klappern der fast völlig entspannten Feder 3 und Widerlager 2
bei Bewegungsamplituden, die größer als eine Wegamplitude f sind, vermieden.
[0010] Die Fig. 2 zeigt das Schema des Federwerkes 10 in Ruhebzw. Normalstellung. Die Anlenkstange
1 begrenzt mit ihrem Stangenwiderlager 2; 2' die vorgespannten Federn 3; 3', die innerhalb
des Gehäuses 4 an dem Gehäusewiderlager 5 anliegen. Zwischen den Gehäuseanschlägen
8; 8' besteht der Abstand a.
[0011] Die Wirkung einer Kraft F, die bei Wegamplituden f des Sinuslaufes des angekoppelten
Radsatzes im Federwerk 10 entsteht und der Sinusbewegung entgegenwirkt, zeigt Fig.
3. Die Feder 3' ist weiter zusammengedrückt und die Feder 3 fast völlig entspannt
und wird durch das Stangenwiderlager 2 vom Gehäuseanschlag 8 gehalten. Der Anstieg
der Kraft F beruht einmal auf der weiteren Zusammendrückung um den Betrag der Wegamplitude
f der Feder 3' und zum anderen auf der Entspannung um den gleichen Betrag der Wegamplitude
f der Feder 3. Da beide Federn 3, 3' eine gleiche Federkonstante c haben, ist eine
wirksame Federkonstante c
F des Federwerkes 10 bis zur Entspannung einer Feder 3, 3' c
F = 2c.
[0012] Bei der Radialstellung des Fahrwerkes im Gleisbogen entsteht eine erheblich größere
Wegamplitude f'.
[0013] Fig. 4 zeigt die zusätzlich zu der Vorspannung weiter um den Betrag der Wegamplitude
f' zusammengedrückte Feder 3'.
[0014] Die Feder 3' bleibt nahezu völlig kraftlos und wird weiterhin über das Stangenwiderlager
2 vom Gehäuseanschlag 8 gehalten. Das Federwerk 10 hat in diesem Bereich eine wirksame
Federkonstante c
F von c
F = c.
[0015] Fig. 5 zeigt oben die Federcharakteristik der Feder 3' und unten die der Feder 3.
Außerdem ist der Vorspannweg f
V beider Federn 3, 3' erkennbar, dieser entspricht der doppelten Wegamplitude f beim
Sinuslauf.
[0016] Fig. 6 zeigt die wirksame Federcharakteristik des Federwerkes 10. Die Kennlinie zeigt
das starke Abknicken der Kraft F nach der Wegamplitude f des Sinuslaufes und die Halbierung
der bis dahin wirksamen Federkonstante c
F des Federwerkes 10 in diesem Bereich.
[0017] Gemäß Fig. 7 ist das Federwerk 10 durch das Anlenkauge 6' an einem Fahrzeug- bzw.
Fahrzeugrahmen 11 angelenkt. Die dargestellte Anordnung von Federwerken 10 vermindert
die Amplituden des Sinuslaufes bei Streckung der Wellenlänge. Die Federwerke 10 können
zwischen Radsatzlagerungen 9 und dem Fahrzeug- bzw. Fahrwerksrahmen 11 bei 2achsigen
Fahrzeugen bzw. Fahrwerken bei 4achsigen Fahrzeugen angelenkt sein. Die Fig. 8 zeigt
in der Draufsicht zwei miteinander gekuppelte Enden 12, 12' eines Gliederzuges, der
aus kurzen Wagengliedern besteht. Diese Wagenglieder besitzen gegenüber neueren Reisezugwagen
ein für einen ruhigen Fahrzeuglauf zu geringes Massenträgheitsmoment. Durch eine straffe
Koppelung der einzelnen Wagenglieder läßt sich dieser Mangel beheben. Jedoch muß der
Gliederzug die Gleisbögen durchfahren können, ohne daß unzulässige Richtkräfte entstehen,
die den Verschleiß erhöhen und die Entgleisungssicherheit vermindern. Aus diesem Grund
müssen auch hier die wirksamen Federkonstanten c bei den Amplituden des Sinuslaufes
größer sein als bei der Amplitude im Gleisbogen. Die Federwerke 10 sind deshalb in
möglichst großem Abstand voneinander an den Enden 12, 12' der einzelnen Wagenglieder
angelenkt.
[0018] Aufstellung der verwendeten Bezugszeichen:
- 1
- Anlenkstange
- 2, 2'
- Stangenwiderlager
- 3, 3'
- Feder
- 4
- Gehäuse
- 5
- Gehäusewiderlager
- 6,6'
- Anlenkauge
- 7
- Verschlußring
- 8,8'
- Gehäuseanschlag
- 9
- Radsatzlagerung
- 10
- Federwerk
- 11
- Fahrzeug- bzw. Fahrwerksrahmen
- 12,12'
- Enden der Wagenglieder
- F
- Kraft
- f
- Wegamplitude beim Sinuslauf
- f'
- Wegamplitude beim Lauf durch einen Gleisbogen
- fv
- Vorspannweg beider Federn 3,3'
- c
- Federkonstante einer Feder
- cF
- wirksame Federkonstante des Federwerkes
- a
- Abstand
1. Federwerk für Schienenfahrzeugfahrwerke und für Kuppelstellen bei Gliederzügen, bei
dem in einem Gehäuse zwei Federn auf einer Anlenkstange zwischen Widerlagern angeordnet
sind, dadurch gekennzeichnet, daß Federn (3, 3') auf einer Anlenkstange (1) zwischen
äußeren Stangenwiderlagern (2, 2') und einem inneren Gehäusewiderlager (5) bis zu
einer Wegamplitude (f) gegenseitig verspannt angeordnet sind und bei größeren Wegamplituden
(f') nur die Feder (3' oder 3) weiter zusammengedrückt wird, während die Feder (3
oder 3') im nahezu entspannten Zustand zwischen dem Gehäusewiderlager (5), dem verschiebbaren
Stangenwiderlager (2) und dem Gehäuseanschlag (8) verbleibt.