[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Vermeiden von Klebern beim Glühen von Kaltband
nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Kaltband wird in Form von Festbunden in Topf-,Hauben-oder Rollendurchlauföfen geglüht.Beim
rekristallisierenden Glühen in geschlossenen Ofenanlagen, wie z. B. Haubenöfen, insbesondere
Hochkonvektionsöfen, entstehen zwischen den Windungen des Kaltbandes oft Diffusions
- Verschweißungen, sogenannte Bandkleber. Diese verursachen im Nachwalzwerk einen
erhöhten Abwickelwiderstand, wodurch auf der Bandoberfläche Knicke bzw. Werkstoffaufrisse
entstehen.
[0003] In der DE 42 07 394 C1 ist ein Verfahren zum Vermeiden dieser Bandkleber beschrieben.
Nach diesem Verfahren wird die Oberfläche des zu Festbunden (Coils) aufgewickelten
Kaltbandes oberhalb 600°C durch definierte Oxidationsvorgänge mit einer dünnen Deckschicht,
die das Kleben der Windungen verhindert, belegt. Während der Abkühlphase, unterhalb
600°C wird diese Deckschicht durch Reduktion der Oxide wieder entfernt. Dies erfolgt
durch Änderung des Wassergasgleichgewichtes. Der gesamte Glühprozeß findet in einem
Glühofen, insbesondere Haubenofen unter N
2 - H
2-Schutzgasgemisch mit maximal 5% H
2 und Zugabe von definierten CO
2-Mengen statt. Der gesamte Reaktionsprozeß ist der Wassergasreaktion
H
2 + CO
2 = CO + H
2O
zugeordnet. Die Reaktion zwischen Wasserstoff und Kohlendioxid verursacht eine intensive
Wasserdampfbildung, die von dem thermodynamischen Zustand des Systems abhängt. Sie
wird von einer hohen H
2 bzw. CO
2 -Konzentration und hohen Temperaturen begünstigt. Tabelle 2 und Bild 2 zeigen z.
B. die temperaturabhängige Konzentrationsänderung in einem Ausgangsgemisch von 5%
H
2 und 1% CO
2. Die H
2O- und CO-Kurven decken sich. Auf der Abzisse ist die Temperatur und auf der Ordinate
die Konzentration der Gasanteile aufgetragen. Die Wasserdampfbildung nimmt mit steigender
Temperatur zu. Bei 700°C liegen diese Werte noch unter 1 Vol.%. Eine höhere CO
2-Konzentration im Ausgangsgemisch erhöht die Wasserdampfbildung bis zu ca. 2 Vot.%.
Die CO
2-Menge ist festgelegt und hängt von der behandelten Glühgutoberfläche ab. Ein entsprechend
oxidierendes Verhältnis der CO
2- und CO-Partialdrücke wird durch eine Änderung des stationären Gleichgewichtes der
Wassergasreaktion erreicht. Dies erfolgt durch einen höheren Duchsatz des Schutzgases.
[0004] Ein Schutzgas mit einem Anteil von 92,6 % Wasserstoff ist der Tabelle 3, Bild 3 zu
entnehmen. Wie diese Tabelle zeigt, entstehen bei H
2- Anteilen > 5% unzumutbare Wasserdampfkonzentrationen von bis zu ca. 6,6 Vol.% (bei
700°C). Das entsprechend oxidierende CO
2 - CO Verhältnis wird in keinem Temperaturbereich erreicht. Bei hohen CO
2-Konzentrationen erfolgt die Oxidation unkontrolliert im H
2 - H
2O System bei niedrigen, also ungewollten Temperaturen, wobei die Möglichkeit einer
anschließenden Reduktion der Bandoberfläche nicht gegeben ist. Diese, in der Tabelle
3 aufgeführten Ergebnisse wurden in durchgeführten Laborversuchen eindeutig bestätigt.
Eine Beimischung von 5 bis 10 Vol.% CO
2 zum Wasserstoff bei Behandlungstemperaturen von 680°C verursachte eine so starke
Wasserbildung, daß diese Versuche unterbrochen werden mußten, um eine Zerstörung der
Analysen-Geräte zu verhindern. Der Anteil des Wasserstoffs in dem Schutzgas bei kleberfreiem
Glühen von Kaltband ist daher in der DE 42 07 374 C1 auf max. 5 Vol.% begrenzt.
[0005] Nun treten Bandkleber bei der Behandlung von Kaltband in Hochkonventionsöfen unter
Wasserstoff > 5% enthaltenden Schutzgasen weiter auf.Es wäre daher ein Verfahren zum
Glühen von Kaltband wünschenswert, mit dem Bandkleber auch beim Einsatz von Schutzgasen
mit bis zu 100 % H
2 vermieden werden könnten.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Vermeiden der Bandkleber
beim Glühen von Kaltband unter Schutzgasen mit einem Anteil des Wasserstoffs > 5%
zu schaffen.
[0007] Ausgehend von dem im Oberbegriff des Anspruches 1 berücksichtigten Stand der Technik
ist diese Aufgabe erfindungsgemäß gelöst mit den im kennzeichnenden Teil des Anspruches
1 angegebenen Merkmalen. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen
angegeben.
[0008] Erst durch die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren gebildete Deckschicht wird ein
Schutz gegen das Zusammenkleben der einzelnen Windungen des Kaltbandes unter einem
Schutzgas mit einem Wasserstoffanteil größer 5%, vorzugsweise mit einem Wasserstoffanteil
größer 70%, insbesondere 100%, erreicht. Die Voraussetzung dafür ist eine extrem starke
Zerstörung des thermodynamischen Gleichgewichtes der homogenen Wassergasreaktion.
Dies bedeutet fast eine Unterbindung des Reaktionsablaufes nach H
2 + CO
2 = CO + H
2O Betriebsversuche mit etwa 60t Glühchargen haben überraschend ergeben, daß man Kaltband
in geschlossenen Ofenanlagen, wie z. B. in Haubenöfen, mit Hochkonvektion auch unter
100% H
2-haltigem Schutzgas bei Zugabe von CO
2 mit einer Deckschicht belegen und damit kleberfrei behandeln kann.
[0009] Durch eine hohe Leistung der in Hochkonvektionsöfen eingesetzten Umwälzventilatoren,
sind die Strömungsgeschwindigkeiten des umgwälzten H
2-Schutzgases bei Temperaturen von 600 bis 750°C so hoch, daß die homogene Wassergasreaktion
kaum noch stattfinden kann und das stationäre Gleichgewicht vom thermodynamischen
sehr stark abweicht. Erfindungsgemäß wird hier mit stationären Gleichgewichten von
K « 0,01 gearbeitet. Unter stationärem Gleichgewicht wird dabei ein Ist-Zustand verstanden,
der anhand der Analyse der Gaszusammensetzung mathematisch durch folgende Formel berechnet
wird:

[0010] DerQuotientKwird<<0,01 nur dann, wenn der Divisor sehr groß und der Divident sehr
klein sind, was ein fast-Stillstand der Reaktion bedeutet. Dadurch wird das Erreichen
eines oxidierenden Partialdruckverhältnisses (P) Kohlendioxid (CO
2)/Kohlenmonoxid (CO) überraschenderweise möglich. Die Wasserdampfbildung wird dabei
stark begrenzt.
[0011] Die homogene Wassergasreaktion ist dabei für die Steuerung des erfindungsgemäßen
Verfahrens unbrauchbar. Die Steuerung erfolgt vielmehr über den Zerfall (Dissoziation)
der beigemischten, definierten CO
2-Menge nach:
CO
2 = CO + 0,5 O
2
[0012] Aus dieser Reaktion resultierender Sauerstoffpartialdruckwird in der Schutzgasatmosphäre
nach Bedarf eingestellt. Der Prozeß der Belegung der Bandoberfläche mit einer Deckschicht,
die das Kleben der Windungen verhindert, wird unter einem definiertem O
2-Partialdruck durchgeführt. Dieser kann als Quotient der Partialdrücke (P) von CO
2 und CO definiert werden und darf beim Oxidationsvorgang oberhalb 600°C nicht kleiner
1 werden.
[0013] n Figur 1 sind die Änderungen des SauerstoffPartialdrucks (PO
2) graphisch dargestellt. Dabei ist hier PO
2 als Logaritmus-Funktion temperatur- und zeitabhängig dargestellt. Deutlich zu erkennen
ist hier die Phase der CO
2-Beimischung. Diese wird mit Beginn der Abkühlphase beendet. So aufgebaute Deckschichten
mit einer CO
2-Menge von 0,3 bis 0,6 g pro m
2 Glühgutoberfläche verhindern das Kleben der einzelnen Windungen im Coil. Eine starke
Reduzierungskraft des Wasserstoffs in der Abkühlphase sorgt unterhalb der 600°C für
den Abbau dieser Deckschicht.
[0014] Während der Haltezeit in reinen Wasserstoffatmosphären kommt es zu einer starken
Methan-Bildung, weil H
2 den Kohlenstoff, der als Crackprodukt aus der Abdampfphase (Aufheizen) stammt, nach
H
2 + C = CH
4 umsetzt.
[0015] Höhere als etwa 2 Vol.% Methan-Gehalte, wirken negativ auf die Einstellung des erforderlichen
Sauerstoffpartialdruckes, der für die Belegung mit schützender Deckschicht ausschlaggebend
ist. Das beigemischte CO
2 reagiert dann mit Methan nach folgender Reaktion:
CH
4 + CO
2 = 2H
2 + 2CO
[0016] Somit wird das Kohlendioxid so stark abgebaut und CO neu gebildet, daß das Verhältnis
der Partialdrücke (P)
P (CO
2) / P (CO) < 1
eingestellt wird und dadurch eine definierte Belegung der Bandoberfläche mit schützenden
Deckschicht nicht oder nicht wirtschaftlich möglich ist.
[0017] Um den vorgeschlagenen Prozeß der Belegung störungsfrei durchzuführen darf der Methan-Gehalt
in der letzten Phase der Haltezeit, vor der CO
2-Beimischung, eine Konzentration von ca. 2 Vol.% der Schutzgasatmosphäre nicht überschreiten.
Werden mit dem erfindungsgemäßen Verfahren kohlenstoffarme und gegen Aufkohlung empfindliche
Stähle behandelt z. B. mit Titan mikrolegierte IF(Sondertiefziehstahl)-Stahl, so ist
eine Absenkung des C-Pegels der Schutzgasatmosphäre auf 0,003% erforderlich.
1. Verfahren zum Vermeiden von Klebern beim Glühen von Kaltband im Haubenofen, vorzugsweise
mit Hochkonvektion, unter einem Schutzgas aus größer 5% bis 100 % Wasserstoff, Rest
Stickstoff, mit den Phasen Aufheizen, Halten und Abkühlen, dadurch gekennzeichnet, dass während der Haltezeit das Kaltband durch Oxidation bei Temperaturen oberhalb von
600 °C mit einer dünnen Deckschicht belegt wird, indem ein oxidierendes Partialdruckverhältnis
P(C02)IP(CO)>1
durch Beimischung von 0,3 g bis 0,6 g Kohlendioxid pro m2 Glühgutoberfläche zu dem Schutzgas und eine starke Zerstörung des thermodynamischen
Gleichgewichts der homogenen Wassergasreaktionen (K << 0,01) durch hohe Strömungsgeschwindigkeiten
des Schutzgases eingestellt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass während der Abkühlphase beim Temperaturen unterhalb von 600°C durch Reduzierungskraft
von Wasserstoff ein Partialdruckverhältnis von
P(C02)/P(CO)>1
zur Reduktion der Deckschicht eingestellt wird.
1. Method for avoiding stickers when annealing cold strip in a bell-type furnace, preferably
with high convection, under a protective gas comprising greater than 5% to 100% of
hydrogen, remainder nitrogen, comprising the phases of heating, holding and cooling,
characterized in that during the holding time the cold strip is covered with a thin covering layer by oxidation
at temperatures of over 600°C, as a result of an oxidizing partial pressure ratio.
P(CO2)/P(CO)>1
by admixing from 0.3 g to 0.6 g of carbon dioxide per m2 of surface area of the material being annealed to the protective. gas and strongly
disrupting the thermodynamic equilibrium of the homogeneous water gas reaction (K<<0,01)
by means of high flow velocities of the protective gas.
2. Method according to Claim 1, characterized in that during the cooling phase, at temperatures below 600°C, a partial pressure ratio of
P(CO2)/P(CO)<1
is established by the reducing force of hydrogen in order to reduce the covering layer.
1. Procédé pour éviter les adhérences dans le recuit d'une bande d'acier dans un four
à hotte, de préférence avec une convection élevée, sous un gaz protecteur, constitué
de plus de 5 % à 100 % d'hydrogène, le resté étant de l'azote, avec les phases de
chauffage, arrêt et refroidissement,
caractérisé en ce qu'
au cours du temps d'arrêt on recouvre la bande d'acier par oxydation à des températures
supérieures à 600°C avec une couche de revêtement mince, en établissant un rapport
de pression partielle oxydante
P(CO2)/P(CO) > 1
par ajout au mélange de 0,3 g à 0,6 g d'anhydride carbonique et par m2 de surface de matière recuite, dans ce gaz protecteur, et en assurant une forte perturbation
de l'équilibre thermodynamique des réactions homogènes du gaz à l'eau (K << 0,01)
grâce à des vitesses d'écoulement élevées du gaz protecteur.
2. Procédé selon la revendication 1,
caractérisé en ce qu'
au cours de la phase de refroidissement à des températures inférieures à 600°C on
établit par la force de réduction de l'hydrogène une pression partielle de
P(CO2)/P(CO) <1
pour la réduction de la couche de recouvrement.