[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Schallabsorber für einen schotterlosen Eisenbahnoberbau,
bestehend aus zwischen und neben den Schienen auf der Tragplatte des Oberbaues angeordneten
Formkörpern mit schallabsorbierenden Eigenschaften.
[0002] Bei den künftig zu erwartenden hohen Zuggeschwindigkeiten und großen Zugdichten auf
den Eisenbahnfahrwegen muß eine äußerst hohe Verfügbarkeit, eine höhere Lebensdauer
und eine längere Beibehaltung der Lagegenauigkeit des Gleiskörpers als bisher erreicht
werden. Um diesen Anforderungen zu genügen, wurden und werden sogenannte feste Fahrbahnen
entwickelt, die ein schotterloses Oberbausystem darstellen.
[0003] Es hat sich gezeigt, daß feste Fahrbahnen bei Zugfahrten eine deutlich höhere Schallabstrahlung
aufweisen als Schotterbauten. Die Ursachen dafür liegen systembedingt in der weicheren
Ankopplung der Schienen an den Stützpunkten und in der verstärkten Schallreflexion
an der glatten Oberfläche der festen Fahrbahn. Im Bereich von Bebauungen sind daher
effektive Lärmschutzmaßnahmen erforderlich.
[0004] In der DE 37 36 943 C1 wird diesbezüglich vorgeschlagen, auf einer Tragplatte aus
Stahlbeton neben und zwischen den Schienen ein schallabsorbierendes Material, wie
z. B. Haufwerkbeton, anzuordnen. Dieses Material absorbiert aufgrund seiner Grobporigkeit
den Luftschall und ist zudem wasserdurchlässig, was für die Ableitung von Regen- bzw.
Oberflächenwasser von Vorteil ist. Allerdings setzen sich die Poren des Haufwerkbetons
im Laufe der Zeit mit Schmutzpartikeln zu, so daß eine wirksame Gleisentwässerung
auf Dauer nicht gegeben ist und die Schallabsorption gemindert wird.
[0005] Weiterhin ist es nach dem Stand der Technik (DE 94 17 008.8 U1) für feste Fahrbahnen
bekannt, Formkörper aus Haufwerkbeton zwischen und neben den Schienen anzuordnen.
Diese Formkörper lagern, ggf. auf angeformten Füßen, direkt auf der Tragplatte der
festen Fahrbahn auf. Dadurch können die Formkörper in Schwingung geraten und selbst
Luftschall entwickeln.
[0006] Ein weiterer Nachteil dieser Lösung ist darin zu sehen, daß die Festigkeit der Formkörper
aufgrund ihrer Porigkeit zu wünschen übrigläßt. Diese mangelnde Festigkeit hat zur
Folge, daß die Formkörper beim Befahren der Gleise durch Kraftfahrzeuge, sei es für
Reparaturzwecke oder im Rettungsfall, mit der Zeit zerstört werden.
[0007] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, einen weiteren, verbesserten Schallabsorber
für feste Fahrbahnen zur Verfügung zu stellen.
[0008] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe mittels eines Schallabsorbers der eingangs genannten
Art dadurch gelöst, daß die Formkörper aus einer wasserundurchlässigen tragenden Betonschicht
und einer darüber angeordneten schallabsorbierenden Schicht aus gebundenem Haufwerk
bestehen, wobei eine Vielzahl von Öffnungen vorgesehen ist, die beide Schichten oder
nur die tragende Betonschicht im wesentlichen vertikal durchsetzen, und die Formkörper
elastisch auf der Tragplatte aufgelagert sind.
[0009] Bei dem erfindungsgemäßen Verbund-Formkörper bringt die wasserundurchlässige tragende
Betonschicht die erforderliche Festigkeit und die schallabsorbierende Schicht die
gewünschte Lärmminderung, wobei die tragende Betonschicht zur Ableitung des durch
die schallabsorbierende Schicht hindurchsickernden Regen- bzw. Oberflächenwassers
mit einer Vielzahl von Öffnungen durchsetzt ist.
[0010] Aufgrund der vorgesehenen elastischen Auflagerung der Formkörper auf der Tragplatte
sind diese von letzterer etwas beabstandet, so daß das Wasser unter den Formkörpern
abfließen kann. Insbesondere sorgt aber die elastische Auflagerung, für die vorzugsweise
Streifen oder Flecken aus einem elastischen Kunststoff oder Filz vorgesehen sind,
für eine Entkoppelung der Formkörper von der Tragplatte im Niederfrequenzbereich.
Dadurch werden Eigenschwingungen der Formkörper und eine damit verbundene Lärmabstrahlung
vermieden.
[0011] Der Abstand zwischen den Formkörpern und der Tragplatte (Beton oder Asphalt) kann
durch Aufständerungen erhöht werden, wie das bei aufgelagerten Systemen notwendig
ist, wobei dann die elastische Zwischenschicht unter den Aufständerungsflächen angeordnet
ist.
[0012] Es ist von Vorteil, wenn sich die in der tragenden Betonschicht vorgesehenen öffnungen
durch die schallabsorbierende Schicht hindurch fortsetzen. Die dadurch geschaffenen
Durchgangsöffnungen sorgen nämlich dafür, daß die Sogwirkung von Hochgeschwindigkeitszügen
auf die Formkörper wesentlich abgeschwächt wird, da Luft nachfließen kann.
[0013] Ein weiterer Vorteil der Durchgangsöffnungen ist darin zu sehen, daß zumindest ein
Teil des Oberflächenwassers durch diese öffnungen direkt abfließt, also nicht den
Weg durch die schallabsorbierende Schicht hindurch nimmt, und daß das Spülen bei erforderlicher
Reinigung der Formkörper erleichtert wird.
[0014] Die die Formkörper völlig durchsetzenden Öffnungen mindern das Schallschluckverhalten
der Formkörper nicht; im Gegenteil, dieses wird sogar durch die vergrößerte Oberfläche
der schallabsorbierenden Schicht noch etwas verbessert.
[0015] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung ergeben sich aus
den Unteransprüchen.
[0016] Die Erfindung wird nachstehend anhand von in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispielen
näher erläutert. Es zeigt:
- Fig. 1
- eine Draufsicht auf eine Gleistrasse mit verlegten erfindungsgemäßen Formkörpern,
- Fig. 2
- einen Schnitt II-II durch die in Fig. 1 dargestellte Draufsicht,
- Fig. 3
- einen Querschnitt durch einen Formkörper gemäß der Darstellung in der rechten Bildhälfte
von Fig. 2 mit sich nach unten konisch erweiternden Durchgangsöffnungen,
- Fig. 4
- eine Darstellung analog Fig. 3 mit sich konisch nach unten erweiternden Öffnungen
nur in der tragenden Betonschicht, und
- Fig. 5
- einen Querschnitt durch einen gegenüber den Formkörpern gemäß Fig. 1 verkürzten Formkörper
parallel zu den Schienen.
[0017] Fig. 2 zeigt einen Querschnitt durch eine feste Fahrbahn, welche eine Stahlbetonplatte
2 aufweist, die auf einer hydraulisch gebundenen Tragschicht 3 durchlaufend bewehrt
und betoniert wird. Den unteren Abschluß des schotterlosen Oberbaues bildet eine Frostschutzschicht
4. Alle Schichten des Oberbaues sind seitlich durch eine Schotteraufschüttung 5 abgedeckt.
Die Schienen 6 sind über Einzelstützpunkte 7 auf der Stahlbetonplatte 2 befestigt.
[0018] Die Stahlbetonplatte 2 ist mit erfindungsgemäßen Formkörpern 1 abgedeckt, die über
elastische Kunststoffstreifen 8, z.B. Neopren oder Kautschuk, mit entsprechendem Dämpfungsverhalten
auf dieser aufgelagert sind. Je Formkörper 1 sind drei Kunststoffstreifen 8 vorgesehen
- je einer am Rand und ein Streifen 8 in der Mitte. Die Kunststoffstreifen 8 sind
quer zu den Schienen angeordnet, um den Wasserabfluß unterhalb der Formkörper 1 nicht
zu behindern.
[0019] Die Formkörper 1 bestehen aus einer wasserundurchlässigen tragenden Betonschicht
9, die auch armiert sein kann, und einer schallabsorbierenden Schicht 10. Diese Schicht
10 kann beispielsweise aus Porenbeton, einer Mischung aus Porenbeton und großkörnigem
Gummigranulat oder anderen porigen Baustoffen bestehen. Die Formkörper 1 werden als
Fertigteile hergestellt.
[0020] Aus den Figuren geht hervor, daß die schallabsorbierende Schicht 10 etwas stärker
als die tragende Betonschicht 9 ausgeführt ist. Bei der Dimensionierung der Schichtstärken
ist darauf zu achten, daß die tragende Betonschicht 9 zur Erfüllung ihrer Funktionen,
nämlich für die nötige Festigkeit der Formkörper 1 und beim Befahren mit Kraftfahrzeugen
für die Lastaufnahme zu sorgen, eine gewisse Mindeststärke aufweisen muß. Bei einer
Formkörperhöhe von ca. 23 cm sollte die Höhe der tragenden Betonschicht 9 beispielsweise
wenigstens 10 cm betragen.
[0021] Aus den Figuren 1 und 2 ist ersichtlich, daß jeweils ein Formkörper 1 außen neben
den Schienen 6 und zwei Formkörper 1 zwischen den Schienen 6 angeordnet sind, so daß
die gesamte Breite der festen Fahrbahn abgedeckt ist. Nur die Bereiche unmittelbar
neben den Schienen 6, an den Einzelstützpunkten 7, Bereiche für Signal- und sicherungstechnische
Elemente sowie Befestigungspunkte für Schienenerder werden freigelassen.
[0022] Die Formkörper 1 sind alle völlig identisch aufgebaut, wodurch sich die Lagerhaltung
und auch das Verlegen vereinfacht. Jeder Formkörper 1 umfaßt mehrere Einzelstützpunkte
7, wobei ihre Länge an deren Raster angepaßt ist. Natürlich können auch kürzere Formkörper
1 verwendet werden.
[0023] Des weiteren weisen die Formkörper 1 jeweils zwei Montageöffnungen 11 auf, in die
mit Haken etc. beim Verlegen oder Aufnehmen eingegriffen werden kann, wodurch diese
Tätigkeiten erleichtert werden.
[0024] Die Seitenflächen der Formkörper 1 sind nach außen geneigt, so daß der unmittelbar
neben den Schienen 6 freizuhaltende Bereich sehr klein gehalten werden kann. Im Bereich
der Einzelstützpunkte 7 sind die den Schienen 6 zugewandten Seitenflächen der Formkörper
1 versetzt, um auch hier einen nicht allzu breiten Spalt zu den Schienen 6 und gleichzeitig
genügend Platz für die Grundplatte der Einzelstützpunkte 7 zu haben. Diese Ausbildung
gewährleistet, daß alle Schrauben und Spannklemmen der Einzelstützpunkte 7 eingesehen
und ggf. ausgetauscht werden können.
[0025] Aufgrund der geneigten Seitenflächen der Formkörper 1 differgieren die zwischen ihnen
gebildeten Längsspalte 12 und Querspalte 13, wodurch der Wasserabfluß und auch die
Reinigungsmöglichkeit verbessert wird. Insbesondere kann es in den Längs- und Querspalten
12 bzw. 13 aufgrund dieser sich nach unten erweiternden Spaltform zu keinen Verstopfungen
durch größere Gegenstände, wie Laub etc. kommen.
[0026] In den in den Figuren 1, 2 und 3 gezeigten Ausführungsformen weisen die Formkörper
1 eine Vielzahl von öffnungen 14 mit kreisrundem Querschnitt auf, die die Formkörper
1 als Durchgangsöffnungen vollständig durchsetzen. Der Einfachheit halber sind diese
Öffnungen 14 in Fig. 1 nur bei einem der linken Formkörper dargestellt. Aus Fig. 3
geht hervor, daß diese Öffnungen 14 wie auch die Längs- und Querspalte 12 bzw. 13,
nach unten divergieren, wodurch ebenfalls Verstopfungen dieser Öffnungen 14 entgegengewirkt
wird. Die Konizität der Öffnungen 14 erleichtert zudem das Ausformen der Formkörper
1 bei der Herstellung, was im übrigen auch auf die Neigung der Seitenflächen der Formkörper
1 zutrifft.
[0027] In Fig. 4 ist eine weitere Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Formkörpers 1
dargestellt. Hier sind nur in der tragenden Betonschicht 9 Öffnungen 14 mit ebenfalls
konischem Querschnitt vorgesehen, während die schallabsorbierende Schicht 10 geschlossen
ist. Regen- oder Oberflächenwasser durchsickert die Schicht 10 und fließt dann über
die Öffnungen 14 und den Spalt zwischen der Unterseite der Formkörper 1 und der Stahlbetonplatte
2 ab.
[0028] Fig. 5 zeigt eine Ausführungsform, bei der in der schallabsorbierenden Schicht 10
Rinnen 15 vorgesehen sind, die sich in Einbaulage der Formkörper 1 quer zu den Schienen
6 erstrecken. Diese Querrinnen 15 weisen ein Gefälle zu den Längsspalten 12 bzw. nach
außen auf. Da die Querrinnen 15 recht kurz sind, fließt bei Regen ein Teil des Wassers
über die Rinnen 14 ab, da es nicht genügend Zeit hat, in die schallabsorbierende Schicht
10 einzusickern. Der Formkörper 1 ist bei diesem Ausführungsbeispiel auf zwei seitlichen
Randstreifen 8 aus Kunststoff gelagert.
1. Schallabsorber für einen schotterlosen Eisenbahnoberbau, bestehend aus zwischen und
neben den Schienen auf der Tragplatte des Oberbaues angeordneten Formkörpern mit schallabsorbierenden
Eigenschaften, dadurch gekennzeichnet, daß die Formkörper (1) aus einer wasserundurchlässigen tragenden Betonschicht (9)
und einer darüber angeordneten schallabsorbierenden Schicht (10) aus gebundenem, grobporigem
Haufwerk bestehen, wobei eine Vielzahl von die Schicht (9) oder beide Schichten (9,
10) im wesentlichen vertikal durchsetzenden Öffnungen (14) vorgesehen und die Formkörper
(1) elastisch auf der Tragplatte (2) aufgelagert sind.
2. Schallabsorber nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die elastische Auflagerung aus zwischen den Formkörpern (1) und der Tragplatte
(2) angeordneten Streifen (8) oder Flecken aus einem elastischen Kunststoff, insbesondere
Neopren, oder aus Filz besteht.
3. Schallabsorber nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Seitenflächen der Formkörper (1) nach außen geneigt sind, derart, daß die
Unterseite der Formkörper (1) kleiner ist als deren Oberseite.
4. Schallabsorber nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die schallabsorbierende Schicht (10) an ihrer Oberfläche Querrinnen (15) aufweist,
und nur die tragende Betonschicht (9) mit Öffnungen (14) versehen ist.
5. Schallabsorber nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Querrinnen (15) ein Gefälle aufweisen.