[0001] Die Erfindung betrifft Schutzkleidung, besonders antiballistische Schutzkleidung
für Damen, bestehend aus einer oder mehreren übereinander angeordneten und eventuell
miteinander verbundenen Schutzlagen, wobei diese Schutzlagen aus textilen Flächengebilden
aus antiballistisch wirksamen Fasern bestehen.
[0002] Geschoß- und splitterhemmende Schutzkleidung, besonders geschoß- und splitterhemmende
Westen, gehören in neuerer Zeit in vielen Ländern zur Standardausrüstung von Militär,
Polizei und sonstigen Sicherheitskräften. Da in diesen Bereichen vermehrt Frauen eingesetzt
werden, ist es notwendig, daß diese Schutzkleidung den weiblichen Körperformen angepaßt
wird. Die herkömmliche, auf das Tragen durch Männer ausgerichtete Schutzkleidung,
ist für Frauen problematisch und lediglich mit einer erheblichen Einbuße an Tragekomfort
möglich. Besonders bei einem Einsatz, der mit hohen körperlichen Belastungen verbunden
ist, erweist sich dieser geringe Tragekomfort der für Männer entwickelten Schutzwesten
äußerst behindernd.
[0003] Die bisherigen Problemlösungen sind teilweise sehr kostenaufwendig und bieten außerdem
häufig nicht den notwendigen Tragekomfort. So wurden in US-A 4 183 097 und GB-A 2
231 481 spezielle Zuschneidetechniken für antiballistische Damen-Kleidung beschrieben.
Neben erhöhten Kosten bei der Herstellung der Schutzkleidung und einer oftmals verringerten
antiballistischen Wirkung haben diese Techniken den Nachteil, daß die hier genannten
Schutzwesten den weiblichen Körperformen nicht ausreichend angepaßt sind.
[0004] US 4 457 985 offenbart antiballistische Gegenstände, die ein Netzwerk von Polyolefinfasern
enthalten. Neben Verfestigten Fasernetz werken, Komposits und laminierte Strukturen,
sind auch textile Flächengebilde aus Polyolefinfasern offenbart, wobei mehrere lagen
unter Druck und wärme ohne ein Matrix material mit einander verbunden sind.
[0005] Eine andere bislang ausgeführte Arbeitsweise ist das Ausschneiden des Brustteils
aus antiballistischen Lagen und das Einnähen eines entsprechend vorgefertigten Brustteils.
Neben dem extrem hohen Kostenaufwand bietet auch dieses Verfahren keine befriedigende
Lösung, da die Nahtstellen teilweise auftragen und außerdem der antiballistische Effekt
an Nahtstellen verschlechtert wird.
[0006] Weiter wurde ein spezieller Brustschutz, der unter einer Weste getragen werden kann,
entwickelt und in US-A 5 020 157 beschrieben. Hier wird zwar ein zusätzlicher Schutz
der Brust erreicht, der Tragekomfort bleibt aber weiterhin unbefriedigend, da dieser
Brustschutz üblicherweise unter einer konventionellen Weste, daß heißt unter einer
Weste, die keine auf die weiblichen Körperformen abgestimmten antiballistischen Lagen
enthält, getragen wird.
[0007] Schließlich wird in US-A 4 578 821 Schutzkleidung beschrieben, bei der auf ein Trägermaterial
eine spezielle Brustausformung für Damen aufgesetzt werden kann. Als Trägermaterial
kann beispielsweise eine konventionelle Weste Verwendung finden. Auch hier wird keine
Lösung angeboten, die einen ausreichenden Tragekomfort bietet, weil die Schutzkleidung
nicht insgesamt in ausreichender Weise den weiblichen Körperformen angepaßt ist.
[0008] Deshalb bestand die Aufgabe, Schutzkleidung, besonders antiballistische Schutzkleidung
für Damen, zu entwikkeln, die den Körperformen gut angepaßt ist und somit einen hohen
Tragekomfort ohne Verlust an Schutzwirkung bietet und die darüberhinaus sehr kostengünstig
hergestellt werden kann.
[0009] Überraschend wurde nun gefunden, daß diese Aufgabe in besonders vorteilhafter Weise
gelöst werden kann, wenn die für die Anpassung an die Körperformen nötigen Verformungen,
wie beispielsweise die Ausformung des Büstenteiles in Damenschutzkleidung, mittels
eines Moldverfahrens vorgenommen werden und wobei die Ausformung des Schutzlagen an
Einzellagen ohne Mitverwendung eines Harzes erfolgt. Neben der Möglichkeit, auf diese
Weise Schutzkleidung, besonders antiballistische Schutzkleidung für Damen kostengünstig
ohne Verlust an Schutzwirkung herstellen zu können, wird die Aufgabenstellung der
Verbesserung des Tragekomforts durch die den Körperformen gut angepaßte Schutzkleidung,
vor allem das den weiblichen Körperformen gut angepaßte Büstenteil, in besonders vorteilhafter
Weise gelöst.
[0010] Thermische Verformungen von antiballistischen Paketen sind bereits beschrieben worden.
So erwähnt DE-A 3 426 458 diese Möglichkeit für ein Laminat, das aus Aramidfaser-Geweben
gebildet wird und einen hohen Anteil polymerer Bindemittel wie beispielsweise Polyethylen,
Polyvinylharze u.a. enthält. Die hier vorgeschlagenen Temperaturen sind auf die verwendeten
Harze abgestimmt. Obgleich die Möglichkeit, die Verformung der mit Harzen verfestigten
Laminate so zu gestalten, daß eine Anpassung an die Körperformen erzielt wird, Erwähnung
findet, wird andrerseits in derselben Druckschrift aber vorgeschlagen, zur Herstellung
biaxial gewölbter Laminatpakete Einschnitte vorzunehmen, womit eine Arbeitsweise analog
der herkömmlichen Abnähertechnik empfohlen wird.
[0011] Eine ähnliche Technik, die ebenfalls mit Laminaten und mit niedrigen, auf die verwendeten
Harze abgestimmten Temperaturen arbeitet, ist auch aus der Herstellung von antiballistischen
Helmen bekannt. Als Beispiel hierfür sei AT-B 372 524 genannt.
[0012] Die bis jetzt beschriebenen Verfahren arbeiten mit Laminaten. Die niedrigen, auf
die verwendeten Harze abgestimmten Temperaturen bei den bisherigen Verfahren zur Herstellung
antiballistischer Schutzkleidung lassen nur eine Verformung von textilen Flächengebilden
aus beispielsweise Aramidfasem im Laminat-Verbund zu. Im Interesse eines guten Tragekomforts
ist es aber anzustreben, nicht laminierte Gewebe in antiballistischer Schutzkleidung
einzusetzen, wobei, wenn diese Schutzkleidung für Damen vorgesehen ist, eine dauerhafte
Verformung dieser textilen Flächengebilde, zum Beispiel in Form von Einzelgeweben
ohne Mitverwendung eines Harzes, erfolgen muß.
[0013] Für antiballistische Schutzkleidung, besonders für kugel-und splitterhemmende Westen,
finden in den Schutzlagen häufig Aramidfasern, die auch unter der Bezeichnung aromatische
Polyamidfasern bekannt sind, Einsatz. Solche Fasern sind beispielsweise unter dem
Markennamen Twaron
R im Handel. Aramidfasern sind Polyamidfasern, die mindestens teilweise aus aromatischen
Verbindungen aufgebaut sind. Bei der Bildung der Polyamide, die beispielsweise durch
Polykondensation eines aromatischen Amins mit einer aromatischen Säure bzw. deren
Chloride entstehen, kann sowohl die Säurekomponente als auch die Aminkomponente ganz
oder teilweise aus aromatischen Verbindungen bestehen. Unter Aramidfasern sind im
Sinne der Erfindung Fasern zu verstehen, deren Hauptanteil aus aromatischen, Amide
bildenden Verbindungen aufgebaut ist.
[0014] Außer Aramidfasern finden für antiballistische Schutzkleidung auch Polyolefinfasern,
besonders nach dem Gelspinnverfahren hergestellte Polyethylenfasern, Verwendung. Auch
diese sind zur Herstellung der erfindungsgemäßen antiballistischen Schutzkleidung
geeignet. Gleiches gilt für andere antiballistisch wirksame Fasern, wie beispielsweise
sogenanntes antiballistisches Nylon.
[0015] Unter antiballistisch wirksamen Materialien sind solche zu verstehen, die dem Eindringen
von Geschossen, Splittern etc. Widerstand entgegen setzen und deren Geschwindigkeit
beim Auftreffen auf diese Materialien abbremsen.
[0016] Zur Bildung der antiballistisch wirksamen Schutzlagen werden häufig Gewebe aus Aramidfasern
eingesetzt. Diese Fasern werden bevorzugt als Filamentgarne zu Geweben verarbeitet,
der Einsatz von Spinnfasergarnen ist aber ebenfalls möglich. Mit Filamentgarnen wird
jedoch eine höhere Festigkeit und eine bessere antiballistische Wirkung erzielt.
[0017] Unter Schutzlagen werden in antiballistisch wirksamer Kleidung die Lagen verstanden,
die antiballistisch wirksame Materialien im obengenannten Sinne enthalten. Sehr häufig
handelt es sich bei diesen Schutzlagen in antiballistischer Kleidung um Gewebe aus
Aramidfasern.
[0018] Unter antiballistischer Schutzkleidung ist somit Kleidung zu verstehen, die einen
wirksamen Schutz des Körpers gegen das Eindringen von Geschossen, Splittern, Fragmenten
von Sprengkörpern etc. ermöglicht.
[0019] Werden zur Herstellung von Geweben Filamentgarne eingesetzt, so kommen diese in Titern
von 400 - 3400 dtex zum Einsatz. Der Filamenttiter liegt bevorzugt unter 1,7 dtex.
[0020] Die Garne können auf allen in der Webereitechnik üblichen Maschinen zu Geweben verarbeitet
werden. Bevorzugt wird eine Gewebeherstellung in Leinwandbindung, aber auch andere
Bindungen, wie beispielsweise eine Panamabindung, sind möglich. Die einzusetzenden
Fadenzahlen richten sich nach dem Titer des Garnes und nach der gewünschten Gewebedichte.
Die nachstehenden Angaben für Fadenzahlen zur Herstellung von Geweben in Leinwandbindung
aus Aramidfasern für antiballistische Schutzlagen sind als Beipiele zu betrachten:
| Garntiter |
Fadenzahlen pro 10 cm |
Gewebegewicht |
| dtex |
in Kette u. Schuß |
g/m2 |
| 420 |
80 - 110 |
65 - 100 |
| 840 |
90 - 110 |
175 - 185 |
| |
120 - 130 |
210 - 220 |
| 930 |
105 - 115 |
200 - 220 |
| 1 100 |
85 - 120 |
190-280 |
| 1 260 |
75 - 100 |
190 - 250 |
| |
100 - 110 |
250 - 280 |
| 1 680 |
65 - 80 |
220 - 260 |
| 3 360 |
40 - 50 |
300 - 460 |
[0021] Die Erfindung soll jedoch nicht auf den Einsatz von Geweben für die Schutzlagen beschränkt
bleiben. In gleicher Weise können auch andere Flächengebilde wie Folien, Fadengelege,
Vliesstoffe oder Maschenwaren Verwendung finden. Für aus Fasermaterialien hergestellte
Flächengebilde findet hier der Ausdruck textile Flächengebilde Verwendung. Unter diesen
sind Gewebe, Maschenwaren, Vliesstoffe, Fadengelege etc. zu verstehen. Gewebe werden
für die Herstellung der erfindungsgemäßen Schutzkleidung bevorzugt.
[0022] Für den Einsatz von Schutzwesten im militärischen und Polizei-Bereich wird eine gute
antiballistische Wirksamkeit auch in nassem Zustand gefordert. Üblicherweise läßt
diese Wirksamkeit etwas nach, wenn sich beispielsweise Wasser zwischen den einzelnen
Gewebe-Lagen aus Aramidfasern anlagert. Um auch in nassem Zustand bzw. nach einer
Wasseranlagerung eine gute antiballistische Wirksamkeit zu gewährleisten, ist es in
vielen Fällen üblich, Gewebe aus Aramidfasern vor ihrer Weiterverarbeitung zu kugel-
oder splitterhemmenden Westen einer wasserabweisenden Ausrüstung, häufig auch als
Hydrophobierung bezeichnet, zu unterziehen. Hierzu finden bevorzugt Ausrüstungsmittel
auf Basis von Fluorcarbon-Polymeren Einsatz. Die Verfahren hierfür sind in der Textilveredlungsindustrie
bekannt.
[0023] Bei Kugelschutzwesten für den Polizeieinsatz kann diese Ausrüstung eventuell entfallen,
weil üblicherweise die Pakete aus antiballistischen Lagen zwischen PVC-Folien eingeschweißt
und damit wasserdicht abgeschlossen werden.
[0024] In den für die antiballistischen Schutzlagen vorgesehenen Flächengebilden, besonders
in Geweben aus Aramidfasern, wird mittels eines Moldverfahrens ein Büstenteil ausgeformt.
Moldverfahren und die entsprechenden Maschinen sind in der Miederindustrie bekannt.
Ein für die Herstellung von Schutzlagen für antiballistisch wirksame Schutzkleidung
besonders geeignetes Molding-Verfahren wird in der zeitgleich beim Deutschen Patentamt
ersthinterlegten Patentanmeldung P 44 23194.6 beschrieben. Das dort beschriebene Verfahren
sieht für Flächengebilde aus Aramiden Temperaturen von 180 - 300 °C bei einem Maschinendruck
von 4 - 8 bar (400 - 800 kPa) vor.
[0025] Zum Molden eignen sich laut bisherigem Stand der Technik besonders Flächengebilde
aus thermoplastischen Materialien. Aramidfasern, die bevorzugt Einsatz für antiballistische
Schutzkleidung finden, zählen aber nicht zu den Thermoplasten, da sie keinen definierten
Schmelz- und Erweichungspunkt aufweisen und sich vor dem Schmelzen zersetzen. Es war
deshalb überraschend, daß es gelang, mittels eines Moldverfahrens eine Verformung
von Flächengebilden aus diesen Fasern vorzunehmen und auf diese Weise eine Möglichkeit
zu schaffen, die aus solchen Materialien herzustellende Schutzkleidung in besonders
günstiger Weise an die Körperformen, besonders an die weiblichen Körperformen, anpassen
zu können. Mit dem in der zeitgleich beim Deutschen Patentamt ersthinterlegten Patentanmeldung
P 44 23 194.6 beschriebenen Verfahren gelingt es, Flächengebilde aus Aramidfasern
so mittels eines Moldingverfahrens zu verformen, daß eine permanente neue Form erreicht
und so beispielsweise das Büstenteil der antiballistischen Lagen für Damen-Schutzkleidung
irreversibel ausgeformt werden kann.
[0026] Die antiballistischen Schutzlagen zeigen nach dem Ausformen eines Büstenteils an
den mittels eines Moldingverfahrens verformten Stellen keinen Verlust an antiballistischer
Wirksamkeit, wie die nachstehend aufgeführten Beschußversuche zeigen.
[0027] Bei diesen Beschußversuchen wurde das zu prüfende Material in mehreren Lagen übereinander
liegend beschossen. Die Zahl der Lagen wurde so gewählt, daß sie den Verhältnissen,
wie sie in der Schutzweste vorliegen, entspricht. Das Beschiessen wurde mit 9 mm Para-Munition
aus 10 m Entfernung in einem Beschußwinkel von 90° durchgeführt. Die Prüfung des antiballistischen
Effektes erfolgte einmal durch Feststellen eines eventuellen Durchschusses, zum anderen
durch Prüfung der Veränderung einer hinter dem zu beschießenden Material angebrachten
Plastilinmasse. Hierzu wurde die Eindrucktiefe des Geschosses in der Plastilinmasse
ermittelt, womit ein ungefähren Maß für die Energiewirkung eines Geschosses auf den
menschlichen Körper im Falle eines Beschusses festgestellt werden sollte. Als Eindringtiefe
in die Plastilin-Masse werden von den Polizei-Dienststellen, je nach Spezifikation,
bis zu 44 mm zugelassen.
[0028] Die Beschußversuche wurden an Geweben aus Aramidfasern, an denen zuvor mittels des
in der zeitgleich beim Deutschen Patentamt ersthinterlegten Patentanmeldung P 44 23
194.6 beschriebenen Molding-Verfahrens ein Büstenteil ausgeformt worden war, vorgenommen.
Das Beschiessen erfolgte an den ausgeformten Stellen. Bei allen durchgeführten Versuchen
wurde an den mittels Moldens umgeformten Stellen kein Durchschuß festgestellt. Die
Eindringtiefe in Plastilin lag zwischen 26 und 42 mm und damit unterhalb der zulässigen
Höchstgrenze.
[0029] Die mittels Moldens verformten antiballistischen Schutzlagen finden bevorzugt für
Kugelschutzwesten für Damen Verwendung. Hierzu werden zwischen 20 und 30 dieser Lagen
so übereinander gelegt, daß die ausgeformten Büstenteile genau übereinander liegen.
Häufig besteht eine solche Weste aus 28 Schutzlagen. Diese werden nach dem Einbringen
der Ausformungen durch eine Kreuzsteppnaht miteinander verfestigt, wobei jede der
beiden über Kreuz verlaufenden Nähte ca. 10 cm Länge aufweist. Diese Kreuzsteppnaht
wird unterhalb des ausgeformten Büstenteils angebracht. Zum Versteppen findet ein
Nähfaden, zum Beispiel aus Aramidfaser, Verwendung. Das so gebildete antiballistische
Paket wird dann zur Herstellung einer Kugelschutzweste in eine vorgefertigte Hülle
aus PVC-Folie mit ebenfalls durch Molden ausgeformtem Büstenteil eingeschweißt. Das
Verformen der PVC-Hülle erfolgt so, daß in einer dopellagigen, an einem Rand bereits
verschweißten und an drei Rändern noch offenen PVC-Folie mittels Moldens das Büstenteil
entsprechend der Form der antiballistischen Schutzlagen ausgeformt wird. In diese
Hülle, die dann sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite ein Büstenteil aufweist,
wird das antiballistische Paket eingebracht und die noch offenen Ränder werden wasserdicht
verschweißt. Anschließend wird das in PVC-Folie eingeschweißte Paket beispielsweise
in ein gefärbtes oder bedrucktes Baumwolle- oder Baumwolle-Polyestergewebe, das den
Ausformungen des antiballistischen Paketes angepaßt wird, eingebracht. Im Interesse
einer leichten Entnahmemöglichkeit des antiballistischen Paketes, zum Beispiel bei
einer notwendigen Reinigung, wird das Paket nicht in den Oberstoff voll eingenäht,
sondern es wird eine Öffnungs- und Entnahmemöglichkeit mittels eines Reiß- oder Klettverschlusses
geschaffen.
[0030] Die antiballistischen Schutz lagen sind in der Kleidung in Form des sogenannten antiballistischen
Paketes enthalten. Dieses Paket ist durch Abdecklagen, die verschiedener Art sein
können, auf beiden Seiten abgedeckt. Unter Abdecklagen sind im Sinne der Erfindung
Lagen von textilen oder nichttextilen Flächengebilden, die unter oder über dem Paket
der Schutzlagen angeordnet sind, zu verstehen.
[0031] Abdecklagen sind beispielsweise auch PVC-Folien, die zum Einschweißen der antiballistischen
Schutzlagen Verwendung finden. Die Erfindung soll aber nicht auf die Verwendung von
PVC-Folien beschränkt bleiben, auch andere hierfür geeignete Materailien können in
gleicher Weise eingesetzt werden. Wird mit PVC-Folien gearbeitet, so erfolgt das Ausformen
des Büstenteils mittels eines Moldingverfahrens bei Temperaturen von 60 - 100 °C,
bevorzugt bei 70 - 90 °C. Der Maschinendruck beträgt hierbei 2 - 5 bar (200 - 500
kPa), bevorzugt 3 - 4 bar (300 - 400 kPa).
[0032] Zur Herstellung von Splitterschutzwesten für Damen, die besonders im militärischen
Bereich Verwendung finden, werden beispielsweise 14 Lagen so übereinander gelegt,
daß die ausgeformten Büstenteile genau übereinander liegen. Die Lagen werden an den
Rändern miteinander vernäht. Das so gebildete antiballistische Paket wird dann in
eine vorgefertigte Hülle, zum Beispiel aus mit Neopren beidseitig beschichtetem Polyestergewebe,
mit ebenfalls mittels Moldens ausgeformtem Büstenteil eingenäht oder eingeschweißt.
Das Verformen des beschichteten Polyestergewebes erfolgt so, daß in einem doppellagigen,
an einem Rand bereits vernähten oder verschweißten und an drei Rändern noch offenen
beschichteten Polyestergewebe mittels Moldens das Büstenteil entsprechend der Form
der antiballistischen Lagen ausgeformt wird. Als Hüllmaterial können neben beschichteten
Polyestergeweben auch andere beschichtete textile Flächengebilde Einsatz finden. Bei
Verwendung von beschichteten Polyestergeweben erfolgt die Ausformung des Büstenteils
mittels eines Moldingverfahrens bei Temperaturen von 180 - 220 °C, bevorzugt bei 190
- 210 °C. Der eingestellte Maschinendruck beträgt hierbei 5 - 7 bar (500 - 700 kPa),
bevorzugt 5,5-6,5 bar (550-650 kPa). In diese Hülle, die dann sowohl auf der Vorder-
als auch auf der Rückseite ein Büstenteil aufweist, wird das antiballistische Paket
eingebracht und die noch offenen Ränder werden vernäht oder verschweißt. Anschließend
wird das in die Hülle aus beschichtetem Polyestergewebe oder einem anderen beschichteten
textilen Flächengebilde eingeschweißte oder eingenähte Paket beispielsweise in ein
gefärbtes oder bedrucktes Baumwolle- oder Baumwoll-Polyestergewebe, das den Ausformungen
des antiballistischen Paketes angepaßt wird, eingebracht.
[0033] Die erfindungsgemäße Schutzkleidung bietet für weibliche Sicherheitskräfte durch
ein in den Schutz- und Abdecklagen mittels Moldens ausgeformten Büstenteiles einen
hohen Tragekomfort und wirkt nicht einengend auf die Bewegungsfreiheit. Mit der erfindungsgemäßen
Schutzkleidung wird also ein erheblicher Fortschritt bei der Herstellung von Schutzkleidung,
besonders bei der Herstellung von Schutzwesten für weibliche Sicherheitskräfte, ohne
Einbußen an Schutzwirksamkeit erzielt.
Ausführungsbeispiele
Beispiel 1
[0034] Aus einem Filamentgarn aus Aramidfasern mit einem Titer von 930 dtex wurde in Leinwandbindung
ein Gewebe hergestellt. Die Fadenzahlen betrugen in der Kette 10,7/cm und im Schuß
10,5/cm. Das erhaltene Gewebe hatte ein Gewicht von 202 g/m
2 und eine Dicke von 0,30 mm. Aus diesem Gewebe wurden Zuschnitte für Schutzwesten
ausgeschnitten. An diesen Zuschnitten wurde einzeln ein Büstenteil unter Einsatz des
in der zeitgleich beim Deutschen Patentamt ersthinterlegten Patentanmeldung P 44 23194.6
beschriebenen Moldingverfahrens ausgeformt. Insgesamt 28 Lagen dieser Zuschnitte wurden
zu einem Paket zusammengelegt und in eine PVC-Hülle, an der zuvor ebenfalls mittels
Tiefziehens ein Büstenteil ausgeformt worden war, eingeschweißt. Das so hergestellte
antiballistische Paket wurde einem Beschußversuch nach den oben angegebenen Bedingungen
unterzogen, wobei der Beschuß auch an den ausgeformten Stellen erfolgte. Bei insgesamt
vier Treffern wurde in keinem Fall ein Durchschuß an. den durch Molden veränderten
Stellen festgestellt. Die Werte für die Eindringtiefe in Plastilin lagen zwischen
26 und 37 mm. Somit wurden die Forderungen der deutschen Polizei für die Verwendung
als Schutzkleidung voll erfüllt.
[0035] Weitere Beschußversuche, jeweils an den durch Molden ausgeformten Stellen, erfolgten
an Paketen mit verschiedenen Zahlen antiballistischer Lagen. Hierbei wurden folgende
Ergebnisse ermittelt:
| Zahl der Lagen |
Durchschuß |
Eindringtiefe mm |
| 30 |
nein |
30 |
| 28 |
nein |
31 |
| 26 |
nein |
36 |
[0036] Diese Ergebnisse zeigen, daß selbst bei der Verringerung der Zahl der antiballistischen
Lagen in einer Weste die an Kugelschutzwesten gestellten Forderungen auch von den
ausgeformten Stellen noch voll erfüllt werden.
Beispiel 2
[0037] Aus einem Filamentgarn aus Aramidfasern mit einem Titer von 1 100 dtex wurde in Leinwandbindung
ein Gewebe hergestellt. Die Fadenzahlen betrugen in der Kette 8,7/cm und im Schuß
8,3/cm. Das erhaltene Gewebe hatte ein Gewicht von 189 g/m
2 und eine Dicke von 0,30 mm. Aus diesem Gewebe wurden Zuschnitte für Schutzwesten
angefertigt. An diesen Zuschnitten wurde einzeln ein Büstenteil unter Einsatz des
in der zeitgleich beim Deutschen Patentamt ersthinterlegten Patentanmeldung P 44 23
194.6 beschriebenen Molding-Verfahrens ausgeformt. Insgesamt 14 Lagen dieser Zuschnitte
wurden zu einem Paket zusammengelegt und für den Beschußversuch längs der Ränder miteinander
vernäht. Das so hergestellte antiballistische Paket wurde einem Splitterbeschuß nach
den Bedingungen von STANAG 2920 ausgesetzt. Der Beschuß erfolgte mit 1,1 g-Splittern.
Hierbei wurde beim Beschuß des trockenen Paketes an den mittels Moldens verformten
Stellen ein V50-Wert von 467 m/sec registriert. Dieser Wert bedeutet, daß bei der
genannten Geschwindigkeit eine Penetrationswahrscheinlichkeit von 50 % besteht. An
den nicht verformten Stellen lag der V50-Wert bei 466 m/sec. Auch beim Beschuß in
nassem Zustand wurden an ausgeformten und nicht verformten Stellen nahezu die gleichen
Werte erzielt. An den ausgeformten Stellen lag der V50-Wert bei 437 m/sec und an den
nicht verformten Stellen bei 436 m/sec. Dieses Beispiel zeigt, ebenso wie das vorhergehende,
daß das Verformen der Schutzlagen mittels Moldens keinen negativen Einfluß auf den
antiballistischen Effekt der Schutzkleidung ausübt.
1. Schutzkleidung, besonders antiballistische Schutzkleidung für Damen, bestehend aus
einer oder mehreren übereinander angeordneten und eventuell miteinander verbundenen
Schutzlagen, wobei diese Schutzlagen aus textilen Flächengebilden aus antiballistisch
wirksamen Fasern bestehen, dadurch gekennzeichnet, daß die Schutzlagen mittels eines Moldverfahrens erzeugte Verformungen für die Anpassung
an die Körperformen, besonders eine mittels eines Moldverfahrens erzeugte Ausformung
des Büstenteils, enthalten und daß die Ausformung der Schutzlagen an Einzellagen ohne
Mitverwendung eines Harzes erfolgt ist.
2. Schutzkleidung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß diese zusätzlich Abdecklagen enthält.
3. Schutzkleidung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Abdecklagen mittels eines Moldverfahrens erzeugte Verformungen für die Anpassung
an die Körperformen, besonders eine mittels eines Moldverfahrens erzeugte Ausformung
des Büstenteils, enthalten.
4. Schutzkleidung nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Schutzlagen aus textilen Flächengebilden aus Aramidfasern bestehen.
5. Schutzkleidung nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Schutzlagen aus Geweben aus Aramidfasern bestehen.
6. Schutzkleidung für Damen nach Anspruch 1, besonders antiballistische Schutzkleidung
für Damen, dadurch gekennzeichnet, daß diese in den Schutzlagen eine mittels eines Moldverfahrens erzeugte Ausformung des
Büstenteils enthält.
7. Schutzkleidung für Damen nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß diese zusätzlich Abdecklagen enthält.
8. Schutzkleidung für Damen nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Abdecklagen eine mittels eines Moldverfahrens erzeugte Ausformung des Büstenteils
aufweisen.
9. Kugelhemmende Schutzkleidung für Damen, besonders Kugelschutzweste, nach Anspruch
3, mit antiballistisch wirksamen Schutzlagen, die in eine Hülle aus PVC-Folie eingeschweißt
sind, wobei diese Hülle die Abdecklagen bildet, dadurch gekennzeichnet, daß sowohl die Schutzlagen als auch die Hülle eine mittels eines Moldverfahrens erzeugte
Ausformung eines Büstenteils enthalten.
10. Splitterhemmende Schutzkleidung für Damen, besonders Splitterschutzweste, nach Anspruch
3, mit antiballistisch wirksamen Schutzlagen, die in eine Hülle aus einem beschichteten
textilen Flächengebilde eingenäht oder eingeschweißt sind, wobei diese Hülle die Abdecklagen
bildet, dadurch gekennzeichnet, daß sowohl die Schutzlagen als auch die Hülle eine mittels eines Moldverfahrens erzeugte
Ausformung eines Büstenteils enthalten.
1. Protective clothing, in particular antiballistic protective clothing for women, comprising
one or more protective layers arranged one above another and possibly joined to one
another, said protective layers consisting of textile flat structures made from antiballistically
acting fibres, characterised in that the protective layers contain contoured shapes imparted by a moulding process for
fitting to body shapes, in particular a contouring of a bust produced by means of
a moulding process, and that the contouring of the protective layers has been effected
on single layers without the additional use of a resin.
2. Protective clothing according to Claim 1, characterised in that the protective clothing additionally includes cover layers.
3. Protective clothing according to Claim 2, characterised in that the cover layers contain contoured shapes imparted by a moulding process for fitting
to body shapes, in particular a contouring of the bust produced by means of a moulding
process.
4. Protective clothing according to Claims 1 to 3, characterised in that the protective layers consist of textile flat structures made from aramid fibres.
5. Protective clothing according to at least one of Claims 1 to 4, characterised in that the protective layers consist of woven fabrics made from aramid fibres.
6. Protective clothing for women according to Claim 1, in particular antiballistic protective
clothing for women, characterised in that it contains a bust contoured by a molding process in said protective layers.
7. Protective clothing for women according to Claim 6, characterised in that the protective clothing additionally includes cover layers.
8. Protective clothing for women according to Claim 7, characterised in that the cover layers exhibit a bust contouring produced by means of a moulding process.
9. Bullet-inhibiting protective clothing for women, in particular a bullet-proof vest,
according to Claim 3, with antiballistically acting protective layers which are sealed
into a jacket made from PVC sheeting, said jacket forming the cover layers, characterised in that both the protective layers and the jacket include a bust contouring produced by means
of a moulding process.
10. Splinter-inhibiting protective clothing for women, in particular a splinter-proof
vest, according to Claim 3, with antiballistically acting protective layers which
are sewn or sealed into a jacket made from a coated textile flat structure, said jacket
forming the cover layers, characterised in that both the protective layers and the jacket include a bust contouring produced by means
of a moulding process.
1. Vêtement de protection, en particulier vêtement anti-balistique pour femmes, composé
d'une ou de plusieurs couches de protection superposées et éventuellement reliées
entre elles, ces couches de protection étant constituées par des produits textiles
plats en fibres à effet anti-balistique, caractérisé par le fait que les couches de protection présentent des déformations produites à l'aide d'un procédé
de moulage, pour l'adaptation aux formes du corps, en particulier une déformation
bombée de la partie poitrine, produite à l'aide d'un procédé de moulage, et que la
déformation bombée des couches de protection est réalisée sur des couches individuelles,
sans utilisation d'une résine.
2. Vêtement de protection suivant la revendication 1, caractérisé par le fait qu'il comporte en outre des couches de parement.
3. Vêtement de protection suivant la revendication 2, caractérisé par le fait que les couches de parement présentent des déformations produites à l'aide d'un procédé
de moulage, pour l'adaptation aux formes du corps, en particulier une déformation
bombée de la partie poitrine.
4. Vêtement de protection suivant revendications 1 à 3, caractérisé par le fait que les couches de protection sont constituées de produits textiles plats en fibres aramide
5. Vêtement de protection suivant au moins l'une des revendications 1 à 4, caractérisé par le fait que les couches de protection sont constituées de tissus de fibres aramide.
6. Vêtement de protection pour femmes suivant la revendication 1, en particulier vêtement
anti-balistique pour femmes, caractérisé par le fait qu'il présente dans les couches de protection une déformation bombée de la partie poitrine,
produite à l'aide d'un procédé de moulage.
7. Vêtement de protection pour femmes suivant la revendication 6, caractérisé par le fait qu'il comporte en outre des couches de parement.
8. Vêtement de protection pour femmes suivant la revendication 7, caractérisé par le fait que les couches de parement présentent une déformation bombée de la partie poitrine produite
à l'aide d'un procédé de moulage.
9. Vêtement pare-balles pour femmes, en particulier gilet pare-balles, suivant la revendication
3, avec des couches de protection à effet anti-balistique, qui sont soudées dans une
enveloppe de feuille de PVC, cette enveloppe constituant les couches de parement,
caractérisé par le fait qu'aussi bien les couches de protection que l'enveloppe présentent une déformation bombée
d'une partie poitrine, produite à l'aide d'un procédé de moulage.
10. Vêtement pare-éclats pour femmes, en particulier gilet pare-éclats, suivant la revendication
3, avec des couches de protection à effet anti-balistique qui sont cousues ou soudées
dans une enveloppe en un produit textile plat enduit, cette enveloppe formant les
couches de parement, caractérisé par le fait qu'aussi bien les couches de protection que l'enveloppe présentent une déformation bombée
d'une partie poitrine, produite à l'aide d'un procédé de moulage.