[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Ausformungen in Flächengebilden
aus Aramiden, besonders in textilen Flächengebilden aus Aramidfasern.
[0002] Aramidfasern finden in einer Reihe von Einsatzgebieten, in denen hohe Festigkeiten,
geringe Brennbarkeit oder gute antiballistische Wirksamkeit gefordert werden, Verwendung.
Von großer Bedeutung sind unter diesen Einsatzgebieten alle diejenigen, die dem Schutz
von Personen gegen die Einwirkung von Geschossen, Splittern und dgl. dienen.
[0003] So werden Kugel- und Splitterschutzwesten aus mehreren Lagen übereinander angeordneter
Gewebe aus Aramidfasern hergestellt. Auch in antiballistsichen Helmen finden solche
Gewebe Einsatz, weiter in verschiedenen Einsatzgebieten des Objektschutzes.
[0004] Durch den vermehrten Einsatz weiblicher Sicherheitskräfte muß Schutzkleidung zur
Verfügung gestellt werden, die den weiblichen Körperformen möglichst gut angepaßt
ist. Die bisher hierfür vorgeschlagenen Problemlösungen, wie sie beispielsweise in
US-A 4 183 097, GB-A 2 231 481, US-A 5 020 157 oder US-A 4 578 821 beschrieben sind,
lassen sich nur kostenaufwendig herstellen und bieten darüberhinaus nicht den von
weiblichen Sicherheitskräften geforderten Tragekomfort.
[0005] Weiter finden Flächengebilde aus Aramiden, besonders Gewebe aus Aramidfasern, sehr
häufig in antiballistischen Helmen Einsatz. Hier erfolgt die Formgebung teilweise
durch Tiefziehen der in ein Matrixharz eingebetteten Gewebe, wie dies beispielsweise
in US-A 3 956 447 beschrieben ist. Bei solchen Verfahren müssen jeweils die Behandlungsbedingungen
auf das Harz der Matrix abgestimmt werden. Dies bedeutet, daß, je nach Art des Harzes,
bei verhältnismäßig tiefen Temperaturen gearbeitet wird. Hierbei gelingt es meistens
nicht, irreversible Verformungen der in Harze eigebetteten oder mit Harzen imprägnierten
Armierungsgewebe, die die eigentlichen antiballistischen Schutzlagen bilden, zu erzielen.
[0006] Ein Verformungsverfahren für Folien und Filme aus Aramiden wurde in US 5 273 705
beschrieben. Hier wird unter Mitverwendung einer hohen Menge eines Quellmittels, das
die Verformung ermöglicht, gearbeitet. Dieses Verfahren ist nicht nur sehr kostenaufwendig,
es ist auch wegen einiger der vorgeschlagenen Quellmittel aus ökologischer Sicht bedenklich.
[0007] Deshalb bestand die Aufgabe, ein Verfahren zur Verfügung zu stellen, mit dessen Hilfe
auf eine kostengünstige Weise ohne zusätzliche Hilfsmittel eine Verformung von Flächengebilden
aus Aramiden, besonders Geweben aus Aramidfasern, möglich ist und das an den verformten
Stellen die gleiche antiballistische Wirksamkeit zeigt wie an den nicht verformten
Stellen.
[0008] Überraschend wurde gefunden, daß diese Aufgabe in besonders vorteilhafter Weise gelöst
werden kann, wenn die Verformungen der Flächengebilde aus Aramiden mittels eines MoldingVerfahrens
vorgenommen werden. Neben der Möglichkeit, auf diese Weise zum Beispiel antiballistische
Schutzkleidung für Damen kostengünstig ohne Verlust an antiballistischer Wirksamkeit
herstellen zu können, wird die Aufgabenstellung durch die mittels Moldens an die Körperformen
gut angepaßten antiballistischen Materialien und damit der Schaffung eines erhöhten
Tragekomforts, in besonders vorteilhafter Weise gelöst.
[0009] Für antiballistische Schutzkleidung finden häufig Flächengebilde aus Aramiden Einsatz.
Die Aramide liegen hierfür üblicherweise in Form von Fasern, die zu textilen Flächengebilden,
besonders Geweben verarbeitet worden sind, vor. Für solche Fasern ist auch die Bezeichnung
aromatische Polyamidfasern, gebräuchlich. Entsprechende Fasern sind beispielsweise
unter dem Markennamen Twaron
R im Handel.
[0010] Unter Aramiden sind Polyamide zu verstehen, die mindestens teilweise aus aromatischen
Verbindungen aufgebaut sind. Bei der Bildung der Polyamide, die beispielsweise durch
Polykondensation von Säuren bzw. deren Chloriden mit Aminen erfolgt, kann sowohl die
Säurekomponente als auch die Aminkomponente ganz oder teilweise aus einer aromatischen
Verbindung bestehen. Unter Aramiden im Sinne der Erfindung sollen aber auch Polyamide
verstanden werden, bei denen nur eine der beiden Grundkomponenten ganz oder teilweise
aus aromatischen Verbindungen gebildet wird.
[0011] Ein in der Faserindustrie gut bekanntes und besonders häufig eingesetztes Aramid
besteht aus p-Phenylenterephthalamid, d.h. die Säurekomponente ist in diesem Fall
die Terephthalsäure und die Aminkomponente das p-Phenylendiamin.
[0012] Die zur Herstellung von antiballistischen Materialien bevorzugt verwendeten Fasern
aus Aramiden finden vor allem als Filamentgarne Einsatz. Die Titer dieser Garne liegen
üblicherweise in einem Bereich zwischen 400 und 3 400 dtex. Garne aus Spinnfasern
können zwar ebenfalls Verwendung finden, diese ergeben aber im Vergleich zu Filamentgarnen
eine geringere Festigkeit, womit auch ein Verlust an antiballistischer Wirksamkeit
in Kauf genommen werden muß.
[0013] In antiballistischer Schutzkleidung finden häufig Gewebe aus Aramidfasern Anwendung.
Die erfindungsgemäße Verformung soll aber nicht auf die Verwendung von Geweben beschränkt
bleiben, da sich andere textile und nichttextile Flächengebilde wie Folien, Maschenwaren,
Vliesstoffe, Fadengelege etc. aus Aramiden ebenfalls mit diesem Verfahren verformen
lassen. Unter textilen Flächengebilden sind alle aus Fasern gebildeten Flächengebilde
wie Gewebe, Maschenwaren, Vliesstoffe, Fasergelege etc. zu verstehen. Gewebe werden
für die Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens bevorzugt.
[0014] Das Molden ist ein dem Tiefziehen ähnliches Verfahren, das in der Miederwarenindustrie
allgemein bekannt ist. Die hierfür eingesetzten Moldingmaschinen, auch als Moldingpressen
bezeichnet, sind ebenfalls dem Fachmann der Miederwarenindustrie gut bekannt.
[0015] Zum Tiefziehen bzw. Molden eignen sich besonders Flächengebilde aus thermoplastischen
Materialien. Aramide zählen aber nicht zu den Thermoplasten, da sie keinen definierten
Schmelz- und Erweichungspunkt aufweisen und sich vor dem Schmelzen zersetzen. Es war
deshalb sehr überraschend, daß es gelang, mit dem erfindungsgemäßen Verfahren Flächengebilde
aus Aramiden so zu verformen, daß eine permanente neue Form ohne Verlust an antiballistischer
Wirksamkeit erreicht werden konnte und daß so eine irreversible Verformung, zum Beispiel
der antiballistischen Lagen von Damen-Schutzbekleidung, möglich wurde.
[0016] Der wesentliche Teil einer Moldingmaschine ist das sogenannte Werkzeug. Hierunter
versteht der Molding-Fachmann die für die Formgebung vorgesehene Vorrichtung, also,
im Falle einer Ausformung eines Büstenteils für Damenbekleidung, eine der weiblichen
Brust nachgebildete Form, wobei diese aus einem Positiv- und einem Negativteil besteht.
Der Positivteil ist der der Brustform angepaßte Vorrichtungsteil mit einer konvexen,
also nach außen gewölbten Form, während der Negativteil konkav, also vertieft bzw.
nach innen gewölbt ist. Positiv- und Negativteil sind in der Größe aufeinander abgestimmt.
Je nach Art der Maschine ist der Positiv- oder der Negativteil verfahrbar. Das zu
verformende Stück wird hierbei zwischen Positiv- und Negativteil gelegt und durch
Runter- oder Hochfahren des verfahrbaren Maschinenteils wird dieses Stück in die Form
gedrückt und in dieser entsprechend verformt.
[0017] Das Werkzeug an den Moldingpressen ist auswechselbar, so daß die verschiedensten
Formgebungen erfolgen können. Im Falle von Damenschutzkleidung kann durch Wechseln
des Werkzeugs jede gewünschte Brustgröße ausgeformt werden.
[0018] Zu den wichtigsten Parametern der Formgebung auf Moldingmaschinen zählen die Temperatur
und der Druck beim Verformen. Für Flächengebilde aus Aramiden hat sich ein Temperaturbereich
von 180 - 300 °C als günstig erwiesen. Bevorzugt wird ein Temperaturbereich von 200
- 280 °C, besonders bevorzugt 210 - 270 °C.
[0019] Der Druck beim Verformen soll zwischen 4 und 8 bar (400 - 800 kPa) liegen. Bevorzugt
wird ein Bereich zwischen 5 und 7 bar (500 - 700 kPa). Bei diesen Druckangaben handelt
es sich um den an der Maschine eingestellten Druck. Der effektiv auf das zu verformende
Material einwirkende Druck ist an Moldingmaschinen nicht meßbar.
[0020] Das Verformen kann diskontinuierlich oder kontinuierlich erfolgen. Bei der erstgenannten
Arbeitsweise werden beispielsweise die für Damen-Schutzkleidung vorgesehenen antiballistischen
Lagen aus Aramiden zugeschnitten und dann auf einer Molding-Presse einzeln verformt.
In gleicher Weise kann das Verformen auch an Stücken, aus denen nach der Molding-Behandlung
die Zuschnitte angefertigt werden, erfolgen.
[0021] Die Erfindung soll aber nicht auf das Verformen von Einzellagen beschränkt bleiben.
Versuche haben gezeigt, daß auch mehrere Lagen gleichzeitig verformt werden können.
Dies ist bis zu 10 Lagen möglich, bevorzugt sollten die zu verformenden Pakete bis
zu 4 Lagen aufweisen, besonders bevorzugt wird das einlagige Molden. Durch entsprechende
Umrüstung der Maschinen ist es aber möglich, Pakete, die bis zu 20 Lagen enthalten,
zu verformen.
[0022] Unter Paketen sind im Sinne der Erfindung übereinander liegende Flächengebilde zu
verstehen. Diese sind nicht mit Hilfe eines Kunstharzes miteinander verfestigt.
[0023] Neben der diskontinuierlichen ist auch eine kontinuierliche Arbeitsweise möglich,
wenn entsprechende Maschinen, die in der Molding-Industrie bekannt sind, zur Verfügung
stehen. Auf diesen Maschinen wird eine Gewebebahn oder eine Bahn eines anderen Flächengebildes
dem Molding-Werkzeug zugeführt und dort intermittierend verformt. Bei der kontinuierlichen
Arbeitsweise erfolgt das Zuschneiden üblicherweise nach dem Verformen.
[0024] Wie oben bereits ausgeführt, war es überraschend, daß an den verformten Stellen eines
Gewebes aus Aramidfasern die Gewebe-Eigenschaften gegenüber den unverformten Stellen
weitgehend unverändert bleiben. Untersuchungen haben gezeigt, daß sich auch die Gewebedicke
durch das Verformen nur unwesentlich verringert. Dies dürfte darauf zurückzuführen
sein, daß durch den Verformungsvorgang die sogenannte Einarbeitung des Gewebes verringert
wird. Unter Einarbeitung ist das Verhältnis der Länge des Garnes in gestrecktem Zustand
zur Länge des in das Gewebe eingearbeiteten Garnes zu verstehen, wobei bei Zahlenangaben
auf die Länge des gestreckten Garnes bezogen wird. Die hierbei durchzuführenden Messungen
und Berechnungen sind in DIN 53 852 festgelegt.
[0025] Die durch das Verformen weitgehend unverändert gebliebenen Eigenschaften von Geweben
aus Aramidfasern zeigen sich vor allem beim Beschußversuch. Durch diesen wird die
Wirksamkeit von Kugel- oder Spitterschutzkleidung getestet.
[0026] Beim Testen der Schutzwirkung gegen den Beschuß mit Kugeln wird das zu prüfende,
auf einer Moldingpresse verformte Material in mehreren Lagen übereinander liegend
beschossen. Die Zahl der Lagen wird so gewählt, daß sie den Verhältnissen, wie sie
in der Schutzweste vorliegen, entspricht. Der Beschuß wird mit 9 mm Para-Munition
aus 10 m Entfernung in einem Beschußwinkel von 90° durchgeführt. Die Prüfung des antiballistischen
Effektes erfolgt einmal durch Feststellen eines eventuellen Durchschußes, zum anderen
durch Prüfung der Veränderung einer hinter dem zu beschießenden Material angebrachten
Plastilinmasse. Hierzu wird die Eindrucktiefe des Geschosses in der Plastilinmasse
festgestellt, womit ein ungefähres Maß für die Energiewirkung eines Geschosses auf
den menschlichen Körper im Falle eines Beschusses ermittelt werden soll. Als Eindringtiefe
in die PlastilinMasse werden von den Polizei-Dienststellen, je nach Spezifikation,
bis zu 44 mm zugelassen.
[0027] Die Beschußversuche wurden an Geweben aus Aramidfasern, an denen zuvor mit Hilfe
eines Moldingverfahrens ein Büstenteil ausgeformt worden war, vorgenommen. Der Beschuß
erfolgte an den ausgeformten Stellen. Bei allen durchgeführten Versuchen wurde, wie
durch die Ausführungsbeispiele noch gezeigt wird, an den mittels Moldens umgeformten
Stellen kein Durchschuß festgestellt. Die Eindringtiefe in Plastilin lag zwischen
26 und 42 mm und damit unterhalb der zulässigen Höchstgrenze.
[0028] Die mittels Moldens umgeformten Flächengebilde aus Aramiden finden bevorzugt in Form
von Geweben als antiballistische Lagen in Damen-Kugelschutzwesten Verwendung. Der
Aufbau und die Herstellung solcher Kugelschutzwesten ist in der zeitgleich beim Deutschen
Patentamt ersthinterlegten Patentanmeldung P 44 23 198.9 beschrieben. Die oben genannten
Beschußergebnisse sowie die Ergebnisse der Ausführungsbeispiele zeigen, daß die erfindungsgemäß
hergestellten Flächengebilde als antiballistische Lagen für Damen-Schutzwesten den
gleichen Schutz bieten wie nicht verformte antiballistische Lagen.
[0029] Dies gilt auch für Splitterschutzwesten für Damen, die besonders im militärischen
Bereich Verwendung finden. Zur Prüfung des für solche Westen geforderten Schutzeffektes
werden insgesamt 14 Lagen von Geweben aus Aramidfasern, an denen nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren ein Büstenteil ausgeformt wurde, zu einem Paket zusammengelegt und zur Vorbereitung
für den Beschußversuch längs der Ränder miteinander vernäht. Das so hergestellte antiballistische
Paket wird einem Splitterbeschuß nach den Bedingungen von STANAG 2920 ausgesetzt.
Der Beschuß erfolgt mit 1,1 g-Splittern. Hierbei wird der V50-Wert registriert. Dieser
Wert bedeutet, daß bei der genannten Geschwindigkeit eine Penetrationswahrscheinlichkeit
von 50 % besteht. Bei Splitterschutzwesten wird auch eine gute antiballistische Wirksamkeit
in nassem Zustand gefordert. Deshalb wird zur Prüfung des Schutzeffektes bei Materialien
für Splitterschutzwesten der V50-Wert auch in nassem Zustand ermittelt.
[0030] Die ermittelten Ergebnisse der Beschußversuche zeigen, daß die antiballistische Wirksamkeit
von Flächengebilden aus Aramiden durch das Molden nicht beeinträchtigt wird und daß
überraschenderweise an den durch Molden veränderten Stellen der gleiche Schutzeffekt
erzielt werden kann wie an den nicht veränderten Stellen. Damit ist die besondere
Eignung von Flächengebilden aus Aramiden, die durch Molden verformt worden sind, für
die Herstellung von Kugel- und Splitterschutzkleidung für Damen sowie für antiballistische
Helme bewiesen. Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren wird also ein deutlicher Fortschritt
in der Herstellung von Schutzkleidung, soweit diese Verformungen zur Anpassung an
die Körperformen erfordert, erzielt. Ohne Verlust an Schutzwirkung läßt sich somit
auf einem kostengünstigen Wege mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens Schutzkleidung
herstellen, die ein hohes Maß an Tragekomfort bietet und besonders hierin gegenüber
der nach den bisherigen Herstellungsweisen produzierten Schutzkleidung einen deutlichen
Vorteil aufweist.
Ausführungsbeispiele
Beispiel 1
[0031] Aus einem Gewebe aus Aramidfasern, für dessen Herstellung Garne mit einem Titer 930
dtex eingesetzt wurden, mit einem Gewicht von 202 g/m
2 und einer Dicke von 0,30 mm wurden Zuschnitte für Schutzwesten ausgeschnitten. An
diesen Zuschnitten wurde einzeln ein Büstenteil mittels Moldens ausgeformt. Die Temperatur
betrug hierbei 240 °C, der Maschinendruck lag bei 6 bar (600 kPa). Insgesamt 28 Lagen
dieser Zuschnitte wurden zu einem Paket zusammengelegt und in eine PVC-Hülle, an der
zuvor ebenfalls mittels Moldens ein Büstenteil ausgeformt worden war, eingeschweißt.
Das so hergestellte antiballistische Paket wurde einem Beschußversuch nach den oben
angegebenen Bedingungen unterzogen, wobei der Beschuß an den mittels Moldens für das
Büstenteil ausgeformten Stellen erfolgte. Bei insgesamt vier Treffern wurde in keinem
Fall ein Durchschuß an diesen Stellen festgestellt. Die Werte für die Eindringtiefe
in Plastilin lagen zwischen 28 und 37 mm. Somit wurden die Forderungen der deutschen
Polizei für die Verwendung als Schutzkleidung voll erfüllt.
Beispiel 2
[0032] Beispiel 1 wurde wiederholt, wobei beim Molden eine Temperatur von 210 °C und ein
Maschinendruck von 5 bar (500 kPa) eingestellt wurde. Der Beschußversuch erfolgte
in der gleichen Weise wie bei Beispiel 1 mit 28 Lagen, die in eine PVC-Hülle eingeschweißt
worden waren. Auch hier wurde bei insgesamt vier Treffern in keinem Fall ein Durchschuß
an den durch Molden verformten Stellen festgestellt. Die Werte für die Eindringtiefe
in Plastilin lagen zwischen 26 und 33 mm. Somit wurden die Forderungen der deutschen
Polizei für die Verwendung als Schutzkleidung auch bei diesem Versuch voll erfüllt.
Beispiel 3
[0033] Beispiel 1 wurde wiederholt, wobei beim Molden eine Temperatur von 270 °C und ein
Maschinendruck von 7 bar (700 kPa) eingestellt wurde. Der Beschußversuch erfolgte
in der gleichen Weise wie bei Beispiel 1 mit 28 Lagen, die in eine PVC-Hülle eingeschweißt
worden waren. Auch hier wurde bei insgesamt vier Treffern in keinem Fall ein Durchschuß
an den durch Molden verformten Stellen festgestellt. Die Werte für die Eindringtiefe
in Plastilin lagen zwischen 33 und 42 mm. Somit wurden die Forderungen der deutschen
Polizei für die Verwendung als Schutzkleidung auch bei diesem Versuch voll erfüllt.
Beispiel 4
[0034] Für die Weiterverarbeitung zu Splitterschutzwesten wurde aus Garnen aus Aramidfasern
mit einem Garntiter 1 100 dtex ein Gewebe mit einem Gewicht von 190 g/m
2 und einer Dicke von 0,30 mm hergestellt. Aus diesem Gewebe wurden Zuschnitte für
Splitterschutzwesten ausgeschnitten. An den Zuschnitten wurde einzeln ein Büstenteil
mittels Moldens ausgeformt. Die Temperatur betrug hierbei, wie in Beispiel 1, 240
°C, der Maschinendruck lag bei 6 bar (600 kPa). Die Zuschnitte wurden zu einem Testpaket
für Splitterschutzwesten verarbeitet. Hierzu wurden insgesamt 14 Lagen dieser Zuschnitte
zu einem Paket zusammengelegt und für den Beschußversuch längs der Ränder miteinander
vernäht. Das so hergestellte antiballistische Paket wurde an den durch Molden verformten
Stellen einem Splitterbeschuß nach den Bedingungen von STANAG 2920 ausgesetzt. Der
Beschuß erfolgte mit 1,1 g-Splittern. Hierbei wurde beim Beschuß des trockenen Paketes
ein V50-Wert von 467 m/sec registriert. An den nicht verformten Stellen lag der V50-Wert
bei 466 m/sec. Auch beim Beschuß in nassem Zustand wurden an ausgeformten und nicht
verformten Stellen nahezu die gleichen Werte erzielt. An den ausgeformten Stellen
lag der V50-Wert bei 437 m/sec und an den nicht verformten Stellen bei 436 m/sec.
Beispiel 5
[0035] Mit Zuschnitten aus dem gemäß Beispiel 4 hergestellten Gewebe wurde ein weiterer
Verformungsversuch durchgeführt, wobei die Bedingungen analog Beispiel 2 eingestellt
wurden (Temperatur 210 °C, Maschinendruck 5 bar). Die nach diesen Bedingungen verformten
Gewebezuschnitte wurden zu Testpaketen für Splitterschutzwesten verarbeitet und einem
Splitterbeschuß unterzogen. Hier wurde an den ausgeformten Stellen in trockenem Zustand
ein V50-Wert von 465 m/sec festgestellt, in nassem Zustand lag der V50-Wert bei 437
m/sec.
Beispiel 6
[0036] In einem weiteren Versuch wurden Zuschnitte aus dem gemäß Beispiel 4 hergestellten
Gewebe nach den Bedingungen von Beispiel 3 verformt (Temperatur 270 °C, Maschinendruck
7 bar). Die nach diesen Bedingungen verformten Gewebezuschnitte wurden zu Testpaketen
für Splitterschutzwesten verarbeitet und einem Splitterbeschuß unterzogen. Hier wurde
an den ausgeformten Stellen in trockenem Zustand ein V50-Wert von 461 m/sec und in
nassem Zustand von 432 m/sec festgestellt.
1. Verfahren zur Herstellung von Ausformungen in Flächengebilden aus Aramiden, besonders
in textilen Flächengebilden aus Aramidfasern, die in Form von Einzellagen oder in
Form von Paketen übereinander liegender, nicht mit einem Kunstharz miteinander verfestigter
Flächengebilde vorliegen, dadurch gekennzeichnet, daß das Ausformen durch Molden auf
einer Moldingmaschine in einem Temperaturbereich von 180 - 300 °C und bei einem Maschinendruck
von 4 - 8 bar (400 - 800 kPa) vorgenommen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Molden in einem Temperaturbereich
von 200 - 280 °C vorgenommen wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Molden in einem Temperaturbereich
von 210 - 270 °C vorgenommen wird.
4. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 - 3, dadurch gekennzeichnet, daß das
Molden bei einem Maschinendruck von 5 - 7 bar (500 - 700 kPa) vorgenommen wird.
5. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 - 4, dadurch gekennzeichnet, daß die
Flächengebilde Gewebe aus Aramidfasern sind.
6. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 - 5, dadurch gekennzeichnet, daß das
Molden diskontinuierlich an einzelnen Lagen der Flächengebilde vorgenommen wird.
7. Verfahren nach mindestens einem der Anspruch 1 - 5, dadurch gekennzeichnet, daß das
Molden diskontinuierlich an Paketen mit 2 - 10 Lagen gleichzeitig vorgenommen wird.
8. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 - 5, dadurch gekennzeichnet, daß das
Molden kontinuierlich erfolgt.
9. Flächengebilde aus Aramiden, hergestellt nach mindestens einem der Ansprüche 1-8,
dadurch gekennzeichnet, daß es ganz oder teilweise durch Molden verformt worden ist.
10. Flächengebilde aus Aramiden, besonders Gewebe aus Aramidfasern, hergestellt nach mindestens
einem der Ansprüche 1 - 8, dadurch gekennzeichnet, daß es ein für Damenbekleidung
mittels Moldens ausgeformtes Büstenteil enthält.
11. Flächengebilde aus Aramiden, besonders Gewebe aus Aramidfasern, hergestellt nach mindestens
einem der Ansprüche 1 - 8, dadurch gekennzeichnet, daß es eine durch Molden erzeugte
Kopfform, die das Flächengebilde für die Weiterverarbeitung zu Helmen geeignet macht,
enthält.
1. Process for forming contours in aramide flat structures, in particular in textile
flat structures made from aramide fibers, in the form of single layers or in the form
of superimposed packages of flat structures which are not joined together using synthetic
resin, characterized in that the contouring is performed by molding on a molding press
in a temperature range of 180-300°C and at a press pressure of 4-8 bar (400-800 kPa).
2. Process according to Claim 1, characterized in that said molding is conducted in a
temperature range of 200-280°C.
3. Process according to Claim 1, characterized in that said molding is conducted in a
temperature range of 210-270°C.
4. Process according to at least one of Claims 1-3, characterized in that said molding
is conducted at a press pressure of 5-7 bar (500-700 kPa).
5. Process according to at least one of Claims 1-4, characterized in that said flat structures
are woven fabrics made from aramide fibers.
6. Process according to at least one of Claims 1-5, characterized in that said molding
is conducted discontinuously on individual layers of the flat structure.
7. Process according to at least one of Claims 1-5, characterized in that said molding
is conducted discontinuously on packages with 2-10 layers concurrently.
8. Process according to at least one of Claims 1-5, characterized in that said molding
is conducted continuously.
9. Aramide flat structure manufactured according to at least one of Claims 1-8, characterized
in that it has been contoured wholly or in part by molding.
10. Aramide flat structure, in particular woven fabric made from aramide fibers, manufactured
according to at least one of Claims 1-8, characterized in that it contains a bust
for women's clothing and contoured by molding.
11. Aramide flat structure, in particular woven fabric made from aramide fibers, manufactured
according to at least one of Claims 1-8, characterized in that it contains a head
shape formed by molding, rendering the flat structure suitable for further processing
into helmets.
1. Procédé de réalisation de parties bombées dans des produits plats en aramide, en particulier
dans des produits plats textiles en fibre d'aramide, qui se présentent sous la forme
de couches individuelles ou sous la forme de paquets de produits plats superposés,
non liés entre eux à l'aide d'une résine synthétique, caractérisé par le fait que
les parties bombées sont réalisées par formage (moulage) sur une machine de formage
(moulage) dans une plage de températures de 180-300°C et sous une pression machine
de 4-8 bars (400-800 kPa).
2. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé par le fait que le formage est effectué
dans une plage de températures de 200-280°C.
3. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé par le fait que le formage est effectué
dans une plage de températures de 210-270°C.
4. Procédé suivant au moins l'une des revendications 1 à 3, caractérisé par le fait que
le formage est effectué sous une pression machine de 5-7 bars (500-700 kPa).
5. Procédé suivant au moins l'une des revendications 1 à 4, caractérisé par le fait que
les produits plats sont des tissus de fibre d'aramide.
6. Procédé suivant au moins l'une des revendications 1 à 5, caractérisé par le fait que
le formage est effectué de façon discontinue sur des couches individuelles du produit
plat.
7. Procédé suivant au moins l'une des revendications 1 à 5, caractérisé par le fait que
le formage est effectué de façon discontinue simultanément sur des paquets de 2-10
couches.
8. Procédé suivant au moins l'une des revendications 1 à 5, caractérisé par le fait que
le formage est effectué de façon continue.
9. Structure plate en aramide, réalisée suivant au moins l'une des revendications 1 à
8, caractérisée par le fait qu'elle est déformée entièrement ou partiellement par
formage.
10. Structure plate en aramide, en particulier tissu en fibre d'aramide, réalisée suivant
au moins l'une des revendications 1 à 8, caractérisée par le fait qu'elle comprend
une partie poitrine déformée par moulage, pour des vêtements pour femmes.
11. Structure plate en aramide, en particulier tissu en fibre d'aramide, réalisée suivant
au moins l'une des revendications 1 à 8, caractérisée par le fait qu'elle comprend
une forme de tête produite par moulage, en vue de la transformation en casques.