[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Detektieren von Schmierfilm auf Schienen.
Schmierfilm verursacht bei den Bahnen große Probleme in der Betriebsführung und erhebliche
Schäden an Fahrweg und Fahrzeugen.
[0002] Durch Schmierfilm wird der Reibwert zwischen Rad und Schiene so weit reduziert, daß
als Folge davon Züge in leichten Steigungen "liegenbleiben" und Verspätungen und Betriebsstörungen
verursachen. Das Problem tritt besonders bei Güterzügen, vereinzelt auch bei Reisezüge
auf. Kritisch ist hierbei in hohem Maße der Zeitpunkt des Anfahrens.
[0003] Weitere, noch schwerwiegendere Folgen können entstehen, wenn die Bremsen von Zügen
blockieren. Dabei wird der Bremsweg länger und es können Betriebsgefahren entstehen.
[0004] Durch das Blockieren der Bremsen entstehen darüber hinaus an den Radsätzen von Triebfahrzeugen
und Wagen Flachstellen, deren Behebung erheblichen Aufwand verursacht.
[0005] Bei Schmierfilm handelt es sich um einen Belag, der aus Immissionen von Industrie,
Haushalten und dem Straßenverkehr und je nach Lage der Schmierfilmstelle auch aus
Substanzen aus der Natur, wie Bodenerosionen und Laub besteht. Dabei wird Laub in
erster Linie als Katalysator eingestuft. Auslösende Faktoren sind Temperatur und Feuchtigkeit
und die durch ungünstige Temperaturdifferenzen zwischen Schiene und bodennahen Luftschichten
entstehende Taupunktunterschreitung.
[0006] Als Gegenmaßnahme ist es erforderlich, den Schmierfilm zu detektieren und mit Hochdruckwasser
zu entfernen.
[0007] Bislang wird das Auftreten von Schmierfilm lediglich vom Fachpersonal (z. B. Triebfahrzeugführer)
gemeldet.
[0008] Eine gezielte Detektion wird nicht durchgeführt.
[0009] Schmierfilmstellen lassen sich möglicherweise durch ein Reibrad, das am Fahrzeug
mitläuft, durch Nachlassen der Haftung zwischen Rad und Schiene registrieren. Nachteilhaft
bei diesem Verfahren ist, daß der Schmierfilm nur im akuten Zustand erkannt wird.
Darüber hinaus kann es durch die permanente "fast gleitende" Berührung des Reibrades
mit der Schiene zu Schäden an der Schiene und am Reibradsystem kommen.
[0010] Die Verwendung von Video- und Wärmebildkamera scheidet aus, da sich die hierbei anfallenden
Datenmengen in einer Größenordnung bewegt, die eine wirtschaftliche Auswertung und
vor allem eine unmittelbare Überprüfung des Schienenzustandes ausschließt.
[0011] Mustererkennungssysteme scheiden ebenfalls aus, da die Schmierfilmsubstanz in Form
und Ausdehnung vollkommen unterschiedlich auftritt und auch hier eine wirtschaftliche
Auswertung und Reproduzierbarkeit nicht möglich ist.
[0012] Die DE 43 12 876 A1 beschreibt ein Meßsystem zur Messung und Bestimmung der Veränderung
an der Lauffläche eines Rades von Schienenfahrzeugen auf der Basis von geometrischen
Abstandsmessungen. Sowohl Aufgabenstellung als auch Meßprinzip unterscheiden sich
dabei grundsätzlich von der Erfindung, da es weder um die Bestimmung von Schmierfilm
auf Schienenoberflächen geht, noch das Prinzip der Intensitätsmessung von direkt und
diffus reflektiertem Laserlicht eingesetzt wird.
[0013] Die Literaturstelle Measuring engine oil films In: Automotive Engineering, Jan. 1992,
Vol. 100, Nr. 1, S. 15 - 18, beschreibt ein Meßsystem zur Bestimmung der Dicke von
Ölfilm auf Motorzylinderinnenflächen mittels laserinduzierter Fluoreszenz. Dabei wird
die zu untersuchende Substanz selektiv mit einem Laser angeregt und das daraus resultierende
Fluoreszenzlicht beobachtet. Es handelt sich auch in diesem Fall nicht um eine Intensitätsmessung
von direkt und diffus reflektiertem Laserlicht.
[0014] Was die Aufgabenstellung betrifft, so ermöglicht laserinduzierte Fluoreszenz mit
einer Apparatur nur die Untersuchung einer eng begrenzten Substanzklasse, wie hier
z.B. Motorenöl. Beide Schriften basieren zwar auf Lasermeßtechnik, beinhalten aber
zwei völlig andersgeartete Meßaufgaben.
[0015] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zu schaffen, das witterungsunabhängig
das Vorhandensein der den Schmierfilm bildenden unterschiedlichen Substanzen auf der
Schiene erkennt, so daß eine gezielte Reinigung der Fahrfläche der Schienen, d. h.
Entfernen des Schmierfilms, vorgenommen werden kann, bevor es zu den beschriebenen
Störungen kommt.
[0016] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch die in Anspruch 1 aufgeführten Merkmale
gelöst.
[0017] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen dargestellt.
[0018] Alle Einrichtungen, wie die Wasserhochdruckanlage, die Sensorik sowie die Steuer-
und Auswerteelektronik werden auf einein speziellen Schienenfahrzeug installiert.
[0019] Dieses Fahrzeug fährt die kritischen Streckenbereiche ab, kontrolliert dabei permanent
die Schienenoberflächen und detektiert die Schmierfilmstellen. Im Endzustand des Systems
wird bei Detektion von Schmierfilm dieser während der Fahrt sofort durch die Reinigungsausstattung
entfernt und durch eine weitere Detektion bei derselben Fahrt die Reinigungsqualität
festgestellt.
[0020] Durch die Erfindung wird somit erreicht, daß Sensoren unter Einsatz der Lasertechnik
in der Lage sind, Schienenbereiche mit kritischer Verschmutzung zu erkennen.
[0021] Dem Konzept des Sensors (Laser-Assisted-Rail-Sensor-LARS) liegt die Überlegung zugrunde,
daß das Reflexionsverhalten der Schienenoberfläche stark von der Oberflächenbeschaffenheit
abhängt. Die Reflexion des Laserstrahls wird daher auf charakteristische Weise beeinflußt.
[0022] Eine Strahlaufweitung auf einen Durchmesser von ca. 10 mm unterdrückt dabei den Einfluß
lokaler Unebenheiten der Schiene.
Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in Form einer prinzipiellen Anordnung in
der Zeichnung dargestellt.
[0023] Diese Anordnung ist in einem Meßkopf 1 am Schienenfahrzeug zusammengefaßt, der mit
dem Schienenfahrzeug in geeigneter Weise so verbunden ist, daß die Schiene 2 z. B.
über ein Fenster 3 und Gummischürze 4 mittels des parallelen Laserstrahls 5 abgetastet
werden kann, der von einem Laser 6 ausgehend über eine Faseroptik 7 und amorphotische
Kollimatoroptik 8 einer Aufweitungsoptik 9 zugeleitet und aufgeweitet wird.
[0024] Der aufgeweitete parallele Laserstrahl 5 (z. B. eines HeNe-Lasers oder Diodenlasers)
trifft unter einem bestimmten Winkel auf die Schiene 2. Das reflektierte Laserlicht
wird über zwei Linsen 10, 11 auf zwei Detektoren 12, 13 abgebildet (spiegelnd reflektierter
Strahl = spiegende Reflexion, diffus reflektierter Strahl = diffuse Reflexion).
[0025] Die Signale der beiden Detektoren 12, 13 werden über Vorverstärker 14, 15 einer Auswerteeinheit
16 z. B. einem Auswerterechner im Leitstand des Schienenfahrzeuges zugeführt.
[0026] Folgende Fälle können bei der Auswertung der Signale der beiden Detektoren 12, 13
auftreten:
Fall A: trockene, saubere Schiene
Fall B: trockene, leicht verschmutzte Schiene
Fall C: nasse, weitgehend saubere Schiene
Fall D: trockene Schiene mit Schmierfilmsubstanzen
Fall E: feuchte bis nasse Schiene mit Schmierfilmsubstanzen
[0027] Der Sensor ist in der Lage, die Fälle A, B und C (kein Schmierfilm) von den Fällen
D und E (Schmierfilm vorhanden) zu unterscheiden.
[0028] Dies erfolgt dadurch, daß die reflektierte Strahlung mit Hilfe von zwei Detektoren
registriert wird, wobei die Detektoren so angeordnet sind, daß ein Detektor die Laserstrahlung
in spiegelnder Reflexion und ein zweiter Detektor die Laserstrahlung in diffuser Reflexion
empfängt.
[0029] Folgende Signale lassen sich auswerten:
- Signal des ersten Detektors (S1), spiegelnde Reflexion
- Signal des zweiten Detektor (S2), diffuse Reflexion
- Summensignal (S1 + S2)
- Signalverhältnis (S1/S2 bzw. S2/S1).
[0030] Versuche haben gezeigt, daß Schmierfilm immer dann vorliegt, wenn die spiegelnde
Reflexion im Verhältnis zur diffusen Reflexion stark abnimmt. Dies erklärt sich aus
der Zunahme von Streuzentren auf der Schiene, welche das Streulicht begünstigen.
[0031] Folgender systematischer Zusammenhang ergibt sich:
Fall |
S1 |
S2 |
S1 + S2 |
S2/S1 |
A |
hoch |
niedrig |
hoch |
< 1 |
B |
mittel |
mittel |
mittel |
≡ 1 |
C |
hoch |
mittel |
hoch |
< 1 |
D |
sehr niedrig |
mittel |
niedrig |
> 1 |
E |
niedrig |
mittel |
niedrig |
> 1 |
[0032] Wie die Tabelle zeigt, sind ausreichend Kriterien vorhanden, um die relevanten Schienenzustände
zu unterscheiden.
[0033] Zur Unterdrückung von Falschlicht an den Detektoren 12, 13 ist es von Vorteil, mit
geeigneten Filtern oder einem amplitudenmodulierten Laserstrahl zu arbeiten.
[0034] Der Schaltschrank mit z. B. 19'' - Einschubrahmen 17 für die Anordnung mit Netzteil
18, Mikrokontroller 19, Verstärkungselektronik 20, PC-Interface 21 und Stromversorgung
22 für den Laser 6 ist an geeigneter Stelle im Schienenfahrzeug angeordnet.
1. Verfahren zum Detektieren von Schmierfilm auf Schienen, dadurch gekennzeichnet, daß ein von einem Laser (6) entsandter über die Schienenoberfläche reflektierter
Laserstrahl (5) von einem Detektor (12) in spiegelnder Reflexion und von einem zweiten
Detektor (13) in diffuser Reflexion empfangen wird und die Signale von einer Auswerteeinheit
(16) ausgewertet werden und daß zur Auswertung die Einzelsignale beider Detektoren
(12, 13) sowie das Summensignal und die Signalverhältnisse herangezogen werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Laserstrahl (5) vor der Reflexion aufgeweitet und parallelisiert (8, 9)
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß zur Unterdrückung von Falschlicht aus der Umgebung geeignete Filter vor den
Detektoren (12, 13) oder ein amplitudenmodulierter Laserstrahl vorgesehen wird.