TECHNISCHES GEBIET
[0001] Bei der Erfindung wird ausgegangen von einer Eisen-Nickel-Superlegierung vom Typ
IN 706. Die Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Herstellung eines hochtemperaturbeständigen
Werkstoffkörpers aus einem von dieser Legierung gebildeten Ausgangskörpers. Eisen-Nickel-Superlegierungen
von Typ IN 706 zeichnen sich bei Temperaturen um 700°C durch hohe Festigkeit aus und
werden daher in thermischen Maschinen, wie insbesondere Gasturbinen, mit Vorteil eingesetzt.
Die Zusammensetzung der Legierung IN 706 kann innerhalb der nachfolgend angegebenen
Grenzbereiche schwanken:
max. 0,02 Kohlenstoff
max. 0,10 Silicium
max. 0,20 Mangan
max. 0,002 Schwefel
max. 0,015 Phosphor
15 bis 18 Chrom
40 bis 43 Nickel
0,1 bis 0,3 Aluminium
max. 0,30 Kobalt
1,5 bis 1,8 Titan
max. 0,30 Kupfer
2,8 bis 3,2 Niob
Rest Eisen.
STAND DER TECHNIK
[0002] Die Erfindung nimmt Bezug auf einen Stand der Technik von Eisen-Nickel-Superlegierungen
von Typ IN 706 wie er etwa von J.H.Moll et al. "The Microstructure of 706, a New Fe-Ni-Base
Superalloy" Met. Trans. 1971, vol.2, pp.2143-2151, und "Heat Treatment of 706 Alloy
for Optimum 1200°F Stress-Rupture Properties" Met. Trans. 1971, vol.2, pp.2153-2160,
beschrieben ist.
[0003] In diesem Stand der Technik wird darauf hingewiesen, dass die Duktilität der Legierung
IN 706 bei Temperaturen um 650°C relativ gering ist, und dass es durch bestimmte Wärmebehandlungsverfahren
möglich ist, die Duktilität von Schmiedeteilen aus der Legierung IN 706 zu erhöhen.
Typische Wärmebehandlungsverfahren umfassen je nach Gefügestruktur eines aus der Legierung
IN 706 geschmiedeten Ausgangskörpers folgende Verfahrensschritte:
Lösungsglühen des Ausgangskörpers bei einer Temperatur von 980°C über einen Zeitraum
von 1h,
Abkühlen des lösungsgeglühten Ausgangskörpers mit Luft,
Ausscheidungshärten bei einer Temperatur von 840 über einen Zeitraum von 3h,
Abkühlen mit Luft,
Ausscheidungshärten bei einer Temperatur von 720°C, über einen Zeitraum von 8h,
Abkühlen mit einer Abkühlrate von ca. 55°C/h auf 620°C,
Ausscheidungshärten bei einer Temperatur von 620°C über einen Zeitraum von 8h, und
Abkühlen mit Luft, bzw.
Lösungsglühen des Ausgangskörpers bei Temperaturen um 900°C über 1h,
Abkühlen mit Luft,
Ausscheidungshärten bei 720°C über einen Zeitraum von 8h,
Abkühlen mit einer Abkühlrate von ca. 55°C/h auf 620°C,
Ausscheidungshärten bei 620°C über 8h, und
Abkühlen mit Luft.
[0004] Aus dem Aufsatz von D.A. Woodford "Environmental Damage of a Cast Nickel Base Superalloy"
Met.Trans.A, Feb. 1981, vol. 12A, pp.299-307, ist es ferner bekannt, dass durch Zusätze
von Bor und Hafnium zur Nickelbasis-Superlegierung vom Typ IN 738 die Anfälligkeit
gegenüber Schäden vermindert wird, die durch Sauerstoffzutritt bedingt sind. Durch
diese Zusätze wird eine unerwünschte Materialversprödung vermindert.
KURZE DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0005] Der Erfindung, wie sie in den Patentansprüchen 1 und 4 definiert ist, liegt die Aufgabe
zugrunde, eine Eisen-Nickel-Superlegierung vom Typ IN 706 zu schaffen, welche sich
bei hoher Warmfestigkeit durch grosse Duktilität auszeichnet, und zugleich ein Verfahren
anzugeben, mit dem die Duktilität eines aus dieser Legierung gebildeten Werkstoffkörpers
zusätzlich verbessert werden kann.
[0006] Die erfindungsgemässe Legierung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie gegenüber
einer zusatzfreien Eisen-Nickel-Superlegierung vom Typ IN 706 bei nur geringfügig
herabgesetzter Warmfestigkeit praktisch eine doppelt so grosse Langzeitduktilität
aufweist. Durch geeignet bemessene Zusätze an Bor und/oder Hafnium wird die durch
Spannungskräfte unterstützte Oxidation der Korngrenzen des Legierungsgefüges vermindert.
Unerwünschte Materialermüdungsphänomene, wie Kerbversprödung und Spannungsrisswachstum,
werden so ganz wesentlich reduziert. Daher eignet sich diese Legierung besonders als
Werkstoff für Rotoren grosser Gasturbinen. Die Legierung verfügt über eine ausreichend
hohe Warmfestigkeit. Beim Auftreten von lokal wirkenden Temperaturgradienten wirken
sich wegen der hohen Duktilität der Legierung unerwünschte Spannungskräfte nur sehr
gering in der Gefügestruktur aus. Durch geignete Wärmebehandlungsschritte, die Lösungsglühen,
Abkühlen und Ausscheidungshärten umfassen, kann die Duktilität der erfindungsgemässen
Legierung zusätzlich noch weiter verbessert werden.
[0007] Bevorzugte Ausführungsbeispiele der Erfindung und die damit erzielbaren weiteren
Vorteile werden nachfolgend näher erläutert.
WEGE ZUR AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG
[0008] In einem Vakuumofen wurden drei Eisen-Nickel-Superlegierungen A, B und C vom Typ
IN 706 erschmolzen. Die Zusammensetzungen dieser Legierungen sind nachfolgend tabellarisch
zusammengestellt:
| Legierung |
A |
B |
C |
| Kohlenstoff |
0,01 |
0,01 |
0,01 |
| Silicium |
0,04 |
0,04 |
0,04 |
| Mangan |
0,12 |
0,12 |
0,12 |
| Schwefel |
<0,001 |
<0,001 |
<0,001 |
| Phosphor |
0,005 |
0,005 |
0,005 |
| Chrom |
16,03 |
16,03 |
16,03 |
| Nickel |
41,9 |
41,9 |
41,9 |
| Aluminium |
0,19 |
0,19 |
0,19 |
| Kobalt |
0,01 |
0,01 |
0,01 |
| Titan |
1,67 |
1,67 |
1,67 |
| Kupfer |
<0,01 |
<0,01 |
<0,01 |
| Niob |
2,95 |
2,95 |
2,95 |
| Bor |
- |
0,2 |
- |
| Hafnium |
- |
- |
1,0 |
| Eisen |
Rest |
Rest |
Rest |
[0009] Diese Legierungen wurden bei einer Temperatur von 980°C während 1h lösungsgeglüht,
anschliessend mit Luft auf Raumtemperatur abgekühlt und sodann einer Ausscheidungshärtung
unterzogen, welche in einer 10-stündigen Wärmebehandlung bei 730°C, einer nachfolgenden
Abkühlung im Ofen auf 620°C und einer sich anschliessenden 16-stündigen Wärmebehandlung
bei 620°C bestand. Die hierbei gebildeten Werkstoffkörper A', B', C' wurden mit Luft
auf Raumtemperatur abgekühlt. Aus dem Werkstoffkörpern wurden rotationssymmetrische
Probekörper für Zugversuche gedreht. Diese Versuchskörper waren an ihren beiden Enden
jeweils mit einem in eine Prüfmaschine einsetzbaren Gewinde versehen und wiesen jeweils
einen zwischen zwei Messmarken verlaufenden rundstabförmigen Abschnitt von 5 mm Durchmesser
und ca. 24,48 mm Länge auf. Bei einer Temperatur von 705°C wurden die Probekörper
mit Dehnungsraten von 7,09·10
-5 [s
-1] und 7,09·10
-7 [s
-1] bis zum Bruch gedehnt. Die hierbei ermittelten Werte von Zugfestigkeit und Bruchdehnung
sind nachfolgend tabellarisch zusammengestellt.
| Werkstoffkörper |
Dehnungsrate [s-1] |
Zugfestigkeit [MPa] bei 705°C |
Bruchdehnung [%] bei 705°C |
| |
7,09·10-5 |
7,09·10-7 |
|
|
| A' |
x |
|
705 |
16,4 |
| A' |
|
x |
597 |
6,7 |
| B' |
x |
|
765 |
13,6 |
| B' |
x |
|
752 |
11,1 |
| B' |
|
x |
541 |
12,0 |
| C' |
x |
|
708 |
14,4 |
| C' |
|
x |
570 |
10,6 |
[0010] Aus den ermittelten Werten ist ersichtlich, dass bei einer Temperatur von 705°C und
bei langsamer Dehnung die Bruchdehnungen bei den von den erfindungsgemässen Legierungen
gebildeten Werkstoffkörpern B' und C' ca. 50 bis 80% höher sind als die Bruchdehnung
bei dem von der Legierung nach dem Stand der Technik gebildeten Werkstoffkörper A'.
Entsprechend sind bei einer Temperatur von 705°C und bei schneller Dehnung die Zugfestigkeiten
bei den von den erfindungsgemässen Legierungen gebildeten Werkstoffkörpern B' und
C' mindestens ebenso gut wie die Zugfestigkeit bei dem von der Legierung nach dem
Stand der Technik gebildeten Werkstoffkörper A'.
[0011] Bei der langsamen Dehnungsrate hat der Werkstoff ausreichend Zeit zu relaxieren.
Daher sind die hierbei ermittelten Festigkeitswerte nicht so aussgekräftig wie die
bei der schnelleren Dehnungsrate ermittelten. Bei der langsamen Dehnungsrate hat der
in der Umgebung enthaltene Sauerstoff hingegen ausreichend Zeit, um versprödend wirkende
Korngrenzeneffekte zu verursachen. Daher sind die bei der langsamen Dehnungsrate ermittelten
Bruchdehnungswerte aussagekräftiger als die bei der schnellen Dehnungsrate ermittelten.
Die von den erfindungsgemässen Legierungen gebildeten Werkstoffkörper B' und C' übertreffen
daher bei 705°C hinsichtlich ihrer Duktilität den von der Legierung nach dem Stand
der Technik hergestellten Werkstoffkörper A' bei weitem und sind ihm hinsichtlich
seiner Warmfestigkeit mindestens ebenbürtig. Von den erfindungsgemässen Legierungen
gebildete Werkstoffkörper können mit grossem Vorteil als Rotoren grosser Gasturbinen
verwendet werden, da sie über eine ausreichend hohe Warmfestigkeit verfügen, und da
wegen der hohen Duktilität des Materials nicht zu vermeidende lokale Temperaturgradienten
lokal nur geringe Spannnungen aufbauen können.
[0012] Die vorgenannten Eigenschaften werden mit den erfindungsgemässen Legierungen erreicht,
wenn der Anteil an Bor 0,02 bis 0,3 Gewichtsprozent und derjenige an Hafnium 0,05
bis 1,5 Gewichtsprozent beträgt. Bei einem geringeren Anteil an Bor bzw. Hafnium werden
die Korngrenzen der Legierungen nicht mehr beeinflusst und tritt Versprödung ein.
Bei einem zu grossen Anteil an Bor bzw. Hafnium wird die Warmverformbarkeit der Legierungen
verschlechtert.
[0013] Für viele Anwendungen ausreichend gute Werkstoffkörper lassen sich erreichen, wenn
bei Temperaturen zwischen 900°C und 1000°C lösungsgeglüht und anschliessend in einer
ersten Stufe bei Temperaturen zwischen 700°C und 760°C und in einer zweiten Stufe
bei Temperaturen zwischen 600°C und 650°C ausscheidungsgehärtet wird.
[0014] Durch geeignetes Abkühlen kann die Duktilität der erfindungsgemässen Legierung noch
erheblich verbessert werden. Zu bevorzugen ist hierbei eine zwischen 0,5 und 20 [
°C/min] liegenden Abkühlrate, mit der das Material von der beim Lösungsglühen vorgesehenen
Glühtemperatur auf die bei der Ausscheidungshärtung vorgesehene Temperatur geführt
wird.
[0015] zu empfehlen ist es, dass auch der Übergang von der ersten auf die zweiten Stufe
beim Ausscheidungshärten durch Abkühlen im Ofen ausgeführt wird.
[0016] Das Lösungsglühen sollte je nach Grösse des Ausgangskörpers über einen Zeitraum von
höchstens 15h bei Temperaturen zwischen 900 und 1000°C ausgeführt werden.
[0017] Das durch Halten bei bestimmten Temperaturen bewirkte Ausscheidungshärten sollte
bevorzugt über einen Zeitraum von mindestens 10h und höchstens 70h ausgeführt werden.
Beim Ausscheidungshärten sollte der lösungsgeglühte Ausgangskörper in der ersten Stufe
über einen Zeitraum von mindestens 10h und höchstens 50h und in der zweiten Stufe
über einen Zeitraum von mindestens 5h und höchstens 20h auf Temperatur gehalten werden.
1. Eisen-Nickel-Superlegierung vom Typ IN 706 mit einem Zusatz von 0,02 bis 0,3 Gewichtsprozent
Bor und/oder 0,05 bis 1,5 Gewichtsprozent Hafnium.
2. Legierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Borgehalt ca. 0,2 Gewichtsprozent
beträgt.
3. Legierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Hafniumgehalt ca. 1 Gewichtsprozent
beträgt.
4. Verfahren zur Herstellung eines hochtemperaturbeständigen Werkstoffkörpers aus einem
von der Legierung gemäss Patentanspruch 1 gebildeten Ausgangskörper, dadurch gekennzeichnet,
dass der Ausgangskörper in einem Ofen bei Temperaturen zwischen 900°C und 1000°C lösungsgeglüht
und anschliessend in einer ersten Stufe bei Temperaturen zwischen 700°C und 760°C
und in einer zweiten Stufe bei Temperaturen zwischen 600°C und 650°C ausscheidungsgehärtet
wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der lösungsgeglühte Ausgangskörper
vor dem Ausscheidungshärten mit Luft auf Raumtemperatur abgekühlt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der lösungsgeglühte Ausgangskörper
mit einer zwischen 0,5 und 20 [°C/min] liegenden Abkühlrate von der beim Lösungsglühen
vorgesehenen Glühtemperatur auf die bei der Ausscheidungshärtung vorgesehene Temperatur
geführt wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Übergang
von der ersten auf die zweiten Stufe durch Abkühlen im Ofen ausgeführt wird.