[0001] Die Erfindung betrifft ein Bewegungsmöbel.
[0002] Ein Bewegungsmöbel ist ein Möbelstück, dessen an einem Nutzelement ausgebildete Nutzfläche,
beispielsweise eine Sitz- oder Arbeitsfläche, gegenüber dem Boden, auf dem das Bewegungsmöbel
steht, verlagerbar ist. Bei Schaukelstühlen und Kinderwiegen ist beispielsweise die
Lage der Sitz- bzw. Liegefläche dadurch veränderbar, daß ein eine gekrümmte Kufe aufweisendes,
starres Gestell auf dieser Kufe abrutscht und abrollt. Das Abrutschen führt jedoch
dazu, daß das Möbelstück beim Schaukeln über den Boden wandert. Außerdem stehen an
einem Stuhl angebrachte Kufen weit von dem Stuhl ab, um eine ausreichende Sicherheit
gegen Umstürzen zu gewährleisten. Sie erfordern dabei nicht nur eine große Standfläche,
sondern stehen auch als Stolperhindernisse im Weg.
[0003] Die Lage einer Nutzfläche kann aber auch alternativ zu den beschriebenen Schaukelstühlen
mit einem Bewegungsgestell verändert werden. Ein Bewegungsstuhl mit einem einstellbaren
Bewegungsgestell ist aus DE-PS 369 907 bekannt. Das Bewegungsgestell dieses Bewegungsstuhls,
das als im wesentlichen ebenes Nutzelement eine Sitzschale trägt, weist ein vorderes
und ein hinteres Beinpaar auf, die jeweils gelenkig mit der Sitzschale an Anlenkpunkten
verbunden sind. Zwei unterhalb der Sitzschale als Verstrebung angeordnete Koppelstangen
verbinden die vorderen mit den rückwärtigen Beinen, wobei die Koppelstangen an den
Beinen gelenkig angreifen. Der Abstand der Koppelpunkte der Koppelstangen ist dabei
gleich dem Abstand der Anlenkpunkte und der Abstand der vorderen Koppelpunkte zu den
vorderen Anlenkpunkten ist gleich dem Abstand der rückwärtigen Koppelpunkte zu den
rückwärtigen Anlenkpunkten, so daß das Gestell in einer Seitenansicht die Form eines
Parallelogramms beschreibt. Durch eine Bewegung der Beinpaare zueinander, bei der
sich die Winkel zwischen den Beinpaaren und der Sitzfläche bzw. der Koppelstangen
ändern, wird die Sitzfläche unter Beibehaltung ihrer Winkellage gegenüber dem Boden
verschoben.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Bewegungsmöbel zur Verfügung zu stellen,
das nur eine kleine Fläche einnimmt, das bei der Ausführung einer Schaukelbewegung
nicht wandert und von dessen Gestell keine Gefahren ausgehen.
[0005] Die Lösung dieser Aufgabe erfolgt erfindungsgemäß mit den Merkmalen des Patentanspruchs
1.
[0006] Gemäß der Erfindung ist der durch die Verstrebung definierte Kopplungsabstand ungleich
dem Abstand der Anlenkpunkte der Beine an dem Nutzelement. Dadurch beschreibt das
Bewegungsgestell aus Beinen und Verstrebung ein unregelmäßiges Viereck. Das an einer
der Seiten des Vierecks angeordnete Nutzelement erfährt daher bei einer Relativbewegung
der Beine zueinander eine Schaukelbewegung. Bei dieser Schaukelbewegung ändert sich
die Winkelstellung des Nutzelements gegenüber dem Boden. Wenn das Bewegungsmöbel beispielsweise
ein Schaukelstuhl ist, wird eine auf der Sitzfläche des Schaukelstuhls sitzende Person
durch eine Bewegung des Gestells einer wiegenden Bewegung ausgesetzt. Während das
Gestell bei einer Bewegung in eine seiner Endlagen das Nutzelement derart positioniert,
daß es gegenüber dem Boden besonders steil geneigt ist, ist es in einer Mittellage
der Beine in einer Position, in der sich das Nutzelement im wesentlichen parallel
zum Boden erstreckt. Die Position des Bewegungsmöbels auf dem Boden ändert sich dabei
nicht, da die Beine nur verschwenkt, nicht aber verschoben werden.
[0007] Dadurch, daß bei jedem Bein der Aufsetzpunkt auf dem Boden, der Gelenkpunkt der Verstrebung
und der Gelenkpunkt am Nutzelement im wesentlichen auf einer Geraden liegen, wird
erreicht, daß das Bewegungsmöbel bei der Schaukelbewegung nicht auf dem Boden wandert.
Der Aufsetzpunkt auf dem Boden führt nur sehr geringe Horizontalbewegungen durch,
die nicht zu Verschiebungen des Bewegungsmöbels führen.
[0008] Die Beine können, um Standfestigkeit zu gewährleisten, mit einem breiten Fuß versehen
sein. Es ist auch möglich, die Beine als Platten- oder U-Elemente auszuführen oder
ein vorderes und ein rückwärtiges Beinpaar vorzusehen.
[0009] Vorzugsweise ist an dem Gestell eine Federanordnung vorgesehen, die das vordere und
das rückwärtige Bein jeweils in die zwischen den Endlagen liegende Mittellage bewegt.
Durch die Federanordnung wird bewirkt, daß sich die Beine des Gestells, sofern keine
äußeren Kräfte einwirken, von einer beliebigen Lage in die Mittellage bewegen, so
daß das Nutzelement, beispielsweise die Sitz- oder Liegefläche, leicht zugänglich
ist. Auch erlaubt es die Federanordnung, dem Bewegungsmöbel durch eine einmalige oder
wiederkehrende Auslenkung eine Pendelbewegung zu vermitteln, so daß das Nutzelement
ähnlich einer Schaukel pendelt.
[0010] Die Federanordnung kann zwischen dem vorderen und dem rückwärtigen Bein oder zwischen
einem der Beine und der Verstrebung angeordnet sein. Vorzugsweise greift sie jedoch
an dem Nutzelement an, so daß bei einer Demontage des Nutzelements von dem Gestell
gleichzeitig die Federanordnung gelöst wird. Dadurch sind das Bewegungsgestell und
das Nutzelement einfach lagerbar. Die Federanordnung kann eine Torsionsfeder, insbesondere
ein gummielastisches Federelement, aufweisen, wodurch sich eine geringe Baugröße erzielen
läßt.
[0011] An dem Bewegungsgestell kann eine Dämpferanordnung vorgesehen sein, die Bewegungen
der Beine in bezug auf das Nutzelement bremst. Mit einer solchen Dämpferanordnung
wird verhindert, daß das Bewegungsmöbel nach einem einmaligen Anstoßen übermäßig lang
schaukelt.
[0012] Mit einer an dem Bewegungsgestell angeordneten Arretieranordnung ist die relative
Lage des Nutzelements gegenüber dem Bewegungsgestell, und damit gegenüber dem Boden,
feststellbar. Dadurch ist es möglich, das Bewegungsmöbel, beispielsweise einen Bewegungsstuhl
in einer für den Benutzer besonders angenehmen Position, festzulegen, so daß der Sitzkomfort
gesteigert wird.
[0013] Eine besonders einfache Konstruktion der Arretieranordnung ergibt sich, wenn an dem
Gestell eine Bremse vorgesehen ist, deren erstes Bremselement mit dem Bewegungsgestell
und deren zweites Bremselement mit dem Nutzelement verbunden ist. Die Bremselemente,
die vorzugsweise scheibenartig ausgebildet sind, werden dabei in ihrer gegenseitigen
Lage mit einer Klemmvorrichtung, beispielsweise einer Art Schraubzwinge oder einer
Klemmschraube, fixiert.
[0014] Das Bewegungsmöbel ist vorzugsweise ein Schaukelstuhl, bei dem das Nutzelement eine
Sitzschale ist. An einer solchen Sitzschale ist vorzugsweise eine Rückenlehne angeordnet,
die einstückig mit der Sitzschale geformt sein kann. Auch ist es möglich, an dem Bewegungsstuhl
Armlehnen vorzusehen. Die Armlehnen können mit den Beinen des Gestells verbunden sein
und dabei die Verstrebung bilden. Bei einer solchen Ausgestaltung ist die Verstrebung
dann oberhalb des Nutzelements angeordnet. Anstelle zweier Beine mit einer separaten
Koppelstange zwischen dem vorderen und dem rückwärtigen Bein ist es auch möglich,
ein etwa U-förmiges Element zu verwenden, bei dem die aufragenden Schenkel die Beine
bilden. An dem die aufragenden Schenkel verbindenden Steg können Fußbereiche oder
Füße angeordnet sein. Um die Schwenkbarkeit der Beine zu gewährleisten, besteht der
Übergang von dem Steg zu den Schenkeln aus Biegeholz.
[0015] Das Bewegungsmöbel kann auch als Kinderwiege oder als Schreib- und Maltisch für Kinder
ausgebildet werden.
[0016] Bei einer Ausführung als Schreib- und Maltisch für Kinder ist eine Arretieranordnung
zweckmäßig, um die Bewegungs- und Verstellmöglichkeit des Bewegungsmöbels nutzen zu
können, ohne eine in diesem Fall unzweckmäßige Schaukelbewegung in Kauf nehmen zu
müssen.
[0017] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich
aus den Unteransprüchen sowie aus der Zeichnung im Zusammenhang mit der Beschreibung.
In der Zeichnung, die eine besonders bevorzugte Ausführungsform des Bewegungsmöbels
betrifft, zeigen:
- Fig. 1
- einen Bewegungsstuhl in einer Seitenansicht,
- Fig. 2
- einen Schnitt durch den Bewegungsstuhl in Fig. 1 gemäß der Linie II-II in Fig. 1,
- Fig. 3
- einen Ausschnitt aus Fig. 2, der eine Federanordnung zeigt,
- Fig. 4
- einen Schnitt durch den Bewegungsstuhl in Fig. 1 gemäß der Linie IV-IV in Fig. 1,
- Fig. 5
- den Bewegungsstuhl in Fig. 1 in vereinfachter Darstellung in einer Mittellage,
- Fig. 6
- den Bewegungsstuhl in Fig. 1 in vereinfachter Darstellung in einer ersten Endlage,
- Fig. 7
- den Bewegungsstuhl in Fig. 1 in vereinfachter Darstellung in einer zweiten Endlage,
- Fig. 8
- eine zweite Ausführungsform eines Bewegungsstuhls mit einer Koppelstange aus Federstahl
im Schnitt,
- Fig. 9
- einen Ausschnitt aus Fig. 8,
- Fig. 10
- einen Schnitt durch den Bewegungsstuhl in Fig. 8 gemäß der Linie X-X,
- Fig. 11
- eine Koppelstange aus Federstahl zur Verwendung bei einem Bewegungsstuhl gemäß der
zweiten Ausführungsform in perspektivischer Darstellung,
- Fig. 12
- ein drittes Ausführungsbeispiel des Bewegungsmöbels,
- Fig. 13
- eine Einzelheit des Ausführungsbeispiels nach Fig. 12,
- Fig. 14
- eine Seitenansicht der Drehfeder,
- Fig. 15
- eine Rückansicht des Bewegungsmöbels zur Verdeutlichung der Funktion des Zugelements,
und
- Fig. 16
- ein viertes Ausführungsbeispiel.
[0018] Fig. 1 zeigt als bevorzugte Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Bewegungsmöbels
einen Bewegungsstuhl 10, der ein auf dem Boden 12 aufgestelltes Bewegungsgestell 14
und ein von dem Bewegungsgestell 14 getragenes Nutzelement 16 aufweist. Das Nutzelement
16 weist eine Sitzschale 18 auf, an deren hinterem Ende eine Rückenlehne 20 einstückig
angeformt ist.
[0019] Das die Sitzschale 18 tragende Bewegungsgestell 14 weist ein erstes vorderes Bein
22 und ein zweites vorderes Bein 24 auf, die über einen Querholm 26 (Fig. 2) verbunden
sind und ein im wesentlichen nach unten offenes U-förmiges vorderes Stützelement bilden.
Außerdem weist das Bewegungsgestell 14 ein erstes rückwärtiges Bein 28 auf, das zusammen
mit einem zweiten rückwärtigen Bein und einem Querholm ein zweites im wesentlichen
U-förmiges rückwärtiges Stützelement bildet.
[0020] Die beiden vorderen Beine 22,24 sind mit den beiden rückwärtigen Beinen 28 über eine
Verstrebung 30 verbunden, die eine erste Koppelstange 32 und eine zweite Koppelstange
34 aufweist. Die beiden Koppelstangen 32,34 verbinden jeweils ein vorderes Bein mit
einem rückwärtigen Bein, wobei die Koppelstangen an den vorderen Beinen 22,24 an ersten
Drehzapfen 36 und an den rückwärtigen Beinen 28 an zweiten Drehzapfen 38 angreifen.
Die Drehzapfen 36,38 greifen in Drehöffnungen der ersten oder zweiten Koppelstange
32,34 ein, wobei der Mittelpunktsabstand der Drehöffnungen den Abstand der Koppelpunkte
an jeweils der ersten bzw. der zweiten Koppelstange definiert.
[0021] Um eine Bewegbarkeit des Bewegungsgestells 14 zu gewährleisten, sind die vorderen
und hinteren Beine 22,24,28 nicht nur gegenüber den Koppelstangen 32,34 drehbar, sondern
auch jeweils gegenüber der Sitzschale 18. Diese Drehbarkeit wird durch vier Drehgelenke
40 definiert, die an der Sitzschale 18 angeordnet sind und an dieser Anlenkpunkte
für die Beine 22,24,28 definieren. Die Drehgelenke 40 verbinden die Sitzschale 18
mit den Querholmen des vorderen und hinteren Stützelements. Die Drehgelenke 40, von
denen eines in Fig. 3 im Detail gezeigt ist, weisen jeweils zwei sitzschalenseitige
Befestigungsblöcke 42 und einen gestellseitigen Lagerblock 44 auf. Die Befestigungsblöcke
42 sind mit der Sitzschale 18 verklebt und/oder verschraubt und halten einen durch
beide Befestigungsblöcke 42 hindurchgehenden Lagerzapfen 46. Der Lagerzapfen 46 definiert
eine Drehachse 48, um die herum der Lagerblock 44, der eine Lageröffnung 50 zum Durchgriff
für den Lagerzapfen 46 aufweist, schwenkbar ist.
[0022] Die Länge der vorderen beiden Beine 22,24 ist gleich der Länge der hinteren beiden
Beine 28 und auch der Abstand der Angriffspunkte für die Drehgelenke 40 zu den ersten
bzw. zweiten Drehzapfen 36,38 ist gleich. Dadurch und durch den unterschiedlichen
Abstand der Anlenkpunkte gegenüber dem Kopplungsabstand beschreibt das Bewegungsgestell
14 in jeder Lage ein Trapez, bei dem die Sitzschale stets fest parallel zu den Koppelstangen
verläuft. In ihrer Mittellage (Fign. 1 und 5) beschreiben die vorderen und rückwärtigen
Beine 22,24,28 zusammen mit den Koppelstangen 32,34 und der Sitzschale 18 in einer
Seitenansicht ein Trapez, bei dem die Sitzschale 18 parallel zu den Koppelstangen
verläuft und die vorderen und rückwärtigen Beine 22,24,28 ein einander betragsmäßig
gleiche, aber entgegengesetzte Neigung gegenüber dem Boden 12 aufweisen. Um die Drehbarkeit
der Beine 22,24,28 gegenüber der Sitzschale 18 zu begrenzen, sind Endanschläge vorgesehen.
[0023] Zwischen einem der Befestigungsblöcke 42 und dem Lagerblock 44 ist eine aus gummielastischem
Werkstoff bestehende Torsionsfeder 52 angeordnet. Die Torsionsfeder ist ein mit einer
zentralen kreisförmigen Öffnung versehener Rotationskörper und mit seiner einen Stirnseite
mit dem Befestigungsblock 42 und mit seiner anderen Stirnseite 56 mit dem Lagerblock
44 verklebt. Während auf die Sitzschale 18 wirkende Kräfte über die Befestigungsblöcke
42, den Lagerzapfen 46 und den Lagerblock 44 in das Bewegungsgestell 14 eingeleitet
werden, dient die Torsionsfeder 52 lediglich als Rückstellelement, wenn die Beine
22,24,28 der Sitzschale 18 verdreht werden. Bei einer solchen Verdrehung (Fign. 6,7)
wird in der Torsionsfeder 52 eine innere Spannung aufgebaut, die den Befestigungsblock
42 und den Lagerblock 44 in ihre Mittellage (Fig. 5) zurückbewegt.
[0024] Eine zwischen dem Bewegungsgestell 14 und der Sitzschale 18 als Arretieranordnung
angeordnete Bremse 58 dient dazu, die relative Lage der Beine 22,24,28 zueinander
und gegenüber der Sitzschale 18 festzulegen. Die Bremse 58, die in Fig. 4 im Schnitt
gezeigt ist, weist einen mit der Sitzschale 18 verbundenen, im wesentlichen U-förmigen
Bügel 60 auf, wobei ein Schenkel des Bügels 60 ein flaches, scheibenartiges erstes
Bremselement 62 bildet. Der Bügel 60 der Bremse 58 ist derart mit der Sitzschale 18
verbunden, daß er für ein mit dem Gestell verbundenes zweites Bremselement 64, das
ein Flachprofil ist, eine allseitige Führung gewährleistet. Das zweite Bremselement
64 greift an dem Querholm des rückwärtigen Beinpaares an, wobei die Verbindung von
zweitem Bremselement 64 und rückwärtigem Querholm eine Drehung des zweiten Bremselements
64 relativ zu dem rückwärtigen Beinpaar erlaubt.
[0025] Um das zweite Bremselement 64 gegenüber dem ersten Bremselement 62 zu fixieren, ist
in dem Bügel 60 ein Gewinde 66 für eine Klemmschraube 68 vorgesehen, mit der das zweite
Bremselement 64 gegen das erste Bremselement 62 gedrückt werden kann. Durch Anziehen
der Klemmschraube 68 liegt der Abstand des rückwärtigen Querholms gegenüber dem an
der Sitzschale 18 befestigten Bügel 60 fest. Da auch die Abstände zwischen dem Befestigungspunkt
des ersten Bremselements 62 und den rückwärtigen Drehgelenken 40 sowie der Abstand
zwischen den rückwärtigen Drehgelenken 40 und dem Angriffspunkt des zweiten Bremselements
64 festliegt, ist eine Bewegung des Bewegungsgestells 14 dann nicht mehr möglich.
Alternativ zu der beschriebenen Bremse sind als Arretiervorrichtung auch verschiedene,
gerasterte Scheiben aufweisende Klemmvorrichtungen, die die Rotation der Drehgelenke
40 verhindern, als Arretieranordnungen möglich.
[0026] Eine Schaukelbewegung des Bewegungsstuhls 10 ist in den vereinfachten Darstellungen
der Fign. 5-7 verdeutlicht. Dabei zeigt Fig. 5 den Bewegungsstuhl 10 in einer Lage,
in der sich die Beine 22,24,28 jeweils in einer Mittellage befinden. Die Sitzschale
18 und die Verstrebung 30 verlaufen in dieser Lage im wesentlichen waagerecht und
parallel zum Boden. Wenn, wie in Fig. 6 gezeigt, die Rückenlehne 20 gemäß dem Pfeil
A nach hinten gedrückt wird, wird das Bewegungsgestell 14 verzerrt, so daß die Sitzschale
18 im Uhrzeigersinn gegenüber dem Boden 12 gedreht wird und gegenüber dem Boden 12
eine geneigte Lage einnimmt. Bei dieser Bewegung werden die vorderen Beine 22,24 derart
im Gegenuhrzeigersinn gedreht, daß sie aus ihrer in der Mittellage leicht nach hinten
geneigten Lage in eine im wesentlichen zum Boden 12 senkrechte Lage gedreht werden.
Auch die beiden rückwärtigen Beine 28 werden verdreht, wobei sich jedoch die ursprüngliche
Neigung der beiden rückwärtigen Beine 28 nach vorne noch verstärkt. Mit der Verdrehung
der Beine 22,24,28 werden die vorderen Drehgelenke 40 relativ zum Boden 12 angehoben,
wogegen die rückwärtigen Drehgelenke 40 abgesenkt werden.
[0027] Fig. 7 zeigt den Bewegungsstuhl in einer zweiten Endlage, in der die Sitzschale 18
eine gegenüber der in Fig. 6 gezeigten Endlage entgegensetzte Neigung aufweist. Das
Bewegungsgestell 14 ist in dieser Endlage derart verzerrt, daß die rückwärtigen Beine
28 im wesentlichen senkrecht zum Boden 12 verlaufen und die vorderen Beine 22,24 eine
gegenüber der in Fig. 5 gezeigten Mittellage verstärkte Neigung nach hinten aufweisen.
Wenn also nach hinten geschaukelt wird, neigt sich der Oberkörper nach vorne, wogegen
beim Schaukeln nach vorne der Oberkörper nach hinten geneigt wird.
[0028] Durch Ausüben einer einmaligen oder wiederkehrenden, im wesentlichen parallel zum
Boden 12 gerichteten Kraft kann der Bewegungsstuhl 10 zum Schaukeln angeregt werden.
Bei dieser Schaukelbewegung durchläuft die Sitzschale 18 gegenüber dem Boden 12 unterschiedlichen
Neigungswinkel, so daß eine auf dem Bewegungsstuhl 10 sitzende Person eine wiegende
Bewegung erfährt. Da bei diesem Wiegen jedoch eine Abwälzbewegung - beispielsweise
auf Kufen eines üblichen Schaukelstuhls - nicht erfolgt, bleibt der Bewegungsstuhl
10 ortsfest und wandert nicht über den Boden 12.
[0029] Fig. 8 zeigt eine zweite Ausführungsform eines Bewegungsstuhls 110, der im wesentlichen
dem Bewegungsstuhl 10 gemäß den Fign. 1-7 entspricht. Teile des Bewegungsstuhl 110
gemäß der zweiten Ausführungsform, die Teilen des Bewegungsstuhls 10 entsprechen,
sind daher mit Bezugszeichen versehen, die im 100 erhöht sind. Zur Vermeidung von
Wiederholungen wird hinsichtlich der Beschreibung übereinstimmender Teile auf die
Beschreibung der Fign. 1-7 verwiesen.
[0030] Der Bewegungsstuhl 110 gemäß Fig. 8 unterscheidet sich von dem Bewegungsstuhl 10
gemäß Fig. 1 durch die Gestaltung der Koppelstangen 132. Diese Koppelstangen 132,
die jeweils ein vorderes Bein 122 mit einem rückwärtigen Bein 128 verbinden, bestehen
aus einem etwa 8 mm starken, im Querschnitt kreisförmigen Federstahl. Die Koppelstangen
132 weisen an ihren beiden Endbereichen 170 jeweils eine erste Abwinklung 172 und
eine zweite Abwinklung 174 auf. An der ersten Abwinklung 172 sind die Enden des Federstahls
jeweils in der gleichen Richtung um 90° abgebogen, so daß die abgewinkelten Federstahlstücke
etwa 40 bis 45 mm lange Torsionsabschnitte 176 bilden. Im Anschluß an diese Torsionsabschnitte
176 ist der Federstahl um etwa 90° nach unten abgewinkelt, so daß Hebelabschnitte
178 gebildet sind. Diese Hebelabschnitte 178 liegen in einer gemeinsamen Ebene, weisen
jedoch zueinander eine Winkelstellung auf, die der Winkelstellung der Beine 122,128
des Bewegungsstuhls 110 in seiner Mittellage entspricht.
[0031] Die Koppelstangen 132 aus Federstahl verhindern an dem Bewegungsstuhl 110 nicht nur
ein Auseinandergehen der Beine 122,128, sondern sie spannen das Gestell 114 auch in
eine Mittellage vor. Dazu sind in den Beinen 122,128 längs der Beine 122,128 verlaufende
Nuten 180 eingefräst, in die die Koppelstangen 132 mit ihren Hebelabschnitten 178
eingesetzt sind. Die Hebelabschnitte 178 verlaufen dabei parallel zu den Beinen 122,128
und sind gegen Herausfallen durch ein in die jeweilige längsverlaufende Nut 180 eingesetztes
keilartiges Verschlußstück 182 gesichert. Die Torsionsabschnitte 176 verlaufen quer
zur Längserstreckung der Beine 122,128 und bilden für einen Zugabschnitt 184 der betreffenden
Koppelstange 132 gegenüber dem jeweiligen Bein 122,128 ein Scharnier, so daß die Winkellage
des jeweiligen Beins 122,128 gegenüber dem Zugabschnitt 184 der Koppelstange 132 veränderbar
ist. Bei einer solchen Veränderung der Winkellage eines Beines 122,128 gegenüber dem
Zugabschnitt 184 einer Koppelstange 130 wird der Torsionsabschnitt 176 tordiert, so
daß die Koppelstange 132 über ihre Hebelabschnitte 178 und ihren Zugabschnitt 184
eine Rückstellkraft ausübt. Die Funktion des Bewegungsstuhls 110 entspricht der Funktion
des Bewegungsstuhls gemäß den Fign. 1-7.
[0032] Der Bewegungsstuhl nach dem Ausführungsbeispiel der Fign. 12-15 ist im wesentlichen
in gleicher Weise ausgebildet, wie das erste Ausführungsbeispiel. Die vorderen Beine
22 sind durch einen Querstab 70 untereinander verbunden, der unter der Sitzschale
18 mit zwei Drehgelenken 40 befestigt ist. In der Mitte des Querstabes 70 greift eine
Torsionsfeder 71 an, die aus einem gebogenen Draht besteht, dessen beide Endschenkel
72 in Löcher des Querstabes 70 eingesteckt sind. Die Endschenkel 72 sind durch rechtwinklig
abgebogene Torsionsabschnitte 73 mit einer Schleife 74 verbunden, welche rechtwinklig
von den Torsionsabschnitten 73 abgeht. Die Schleife 74 liegt flach unter dem Sitz
18 und sie wird dort durch eine an der Unterseite der Sitzschale befestigte Lasche
75 fixiert. Bei einer Schwenkbewegung der Vorderbeine 22 ist die Torsionsfeder 71
bestrebt, die Beine 22 in die Ruhestellung gemäß Fig. 12 zurückzutreiben.
[0033] Jedes der Drehgelenke 40 besteht aus einem Sandwichpaket aus zwei Platten 76,77,
zwischen denen eine Elastomerschicht 78 angeordnet ist, die normalerweise aus Gummi
besteht. Die obere Platte 76 ist mit Schrauben 79 an der Unterseite der Sitzschale
18 befestigt, während die untere Platte 77 mit einer Schraube 80 an dem Querstab 70
oder dem betreffenden Bein 22 verschraubt ist. Das sandwichartige Drehgelenk 40 bietet
den Vorteil, daß es geräuschlose Schwenkbewegungen der Beine zuläßt.
[0034] Der Bewegungsstuhl nach den Fign. 12-15 weist ferner ein Zugelement 81 auf, das aus
einem Drahtbügel besteht, welcher die Vorwärtsbewegung und/oder Rückwärtsbewegung
der Sitzschale 18 begrenzt. Gemäß Fig. 15 weist das Zugelement 81 zwei Endabschnitte
82 auf, die an den hinteren Beinen 28 befestigt sind, und zwar etwa in gleicher Höhe
wie die Verstrebungen 30. Der mittlere Teil des Zugelements 81 ragt gemäß Fig. 12
schräg nach oben auf und verläuft durch eine Längsführung 83, die unter der Sitzschale
18 im mittleren Bereich der Sitzfläche befestigt ist. Diese Längsführung 83 erlaubt
eine nach vorne und hinten begrenzte Bewegung des mittleren Bereichs des Zugelements
81 in Bezug auf die Sitzfläche 18. Sie wirkt als Stoppelement zur Begrenzung der Schaukelbewegung
nach vorne und/oder hinten. Die Längsführung kann auch als Antriebselement zum Feststellen
der jeweiligen Positionen der Sitzschale ausgebildet sein. In diesem Fall ist ein
entsprechendes Betätigungselement vorgesehen.
[0035] Das Ausführungsbeispiel von Fig. 16 entspricht dem vorhergehenden Ausführungsbeispiel.
Zusätzlich sind Armlehnen 85 vorgesehen, die jeweils mit einem der vorderen Beine
22 fest verbunden sind. Die Armlehnen 85 sind hier einstückig mit den Beinen 22 ausgebildet
und sie ragen bogenförmig von dem Ende eines Beines 22 in Richtung auf die Rückenlehne
20. Die Armlehne 85 bildet einen von dem Bein 22 frei abstehenden Ausleger. Sie wirkt
gewissermaßen als Hebel, an dem die Sitzperson zum Schaukeln angreifen kann. Alternativ
besteht auch die Möglichkeit, die Armlehne 85 nicht an den vorderen Beinen 22, sondern
an den hinteren Beinen 28 zu befestigen.
1. Bewegungsmöbel mit einem auf dem Boden (12) aufstellbaren Bewegungsgestell (14), an
dem ein Nutzelement (16) befestigt ist, welches z.B. eine Sitz- oder Arbeitsfläche
bildet, wobei das Bewegungsgestell (14) mindestens ein vorderes Bein (22,24) und mindestens
ein rückwärtiges Bein (28) aufweist, die jeweils über Anlenkpunkte definierende Drehgelenke
(40) mit dem Nutzelement (16) und untereinander durch eine Verstrebung (30) verbunden
sind, wobei der Abstand der Koppelpunkte der Verstrebung (30) den Kopplungsabstand
definiert,
dadurch gekennzeichnet,
daß der durch die Verstrebung (30) definierte Kopplungsabstand ungleich dem Abstand
der Anlenkpunkte an dem Nutzelement (16) ist, so daß das Nutzelement (16) bei einer
Relativbewegung der Beine (22,24,28) zueinander eine Schaukelbewegung erfährt, bei
der sich die Winkelstellung des Nutzelements (16) gegenüber dem Boden (12) ständig
ändert, wobei bei jedem Bein (22,24) der Aufsetzpunkt an dem Boden, der Gelenkpunkt
der Verstrebung (30) und der Gelenkpunkt am Nutzelement im wesentlichen auf einer
Geraden liegen.
2. Bewegungsmöbel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Bewegungsgestell (14)
eine Federanordnung aufweist, die das vordere und das rückwärtige Bein (22,24,28)
jeweils in eine zwischen zwei Endlagen liegende Mittellage bewegt.
3. Bewegungsmöbel nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Federanordnung an
dem Nutzelement (16) angreift.
4. Bewegungsmöbel nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Federanordnung
mindestens eine Torsionsfeder (52,71) aufweist.
5. Bewegungsmöbel nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die mindestens eine Torsionsfeder
(52) ein gummielastisches Federelement aufweist.
6. Bewegungsmöbel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Federanordnung
eine in die Verstrebung (130) integrierte Torsionsfeder aufweist.
7. Bewegungsmöbel nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Verstrebung (130)
zwei Koppelstangen (132) aufweist, die jeweils einen Zugabschnitt (184), zwei im wesentlichen
in einer Richtung senkrecht zu dem Zugabschnitt (184) verlaufende Torsionsabschnitte
(176) aus Federstahl und zwei in einer gemeinsamen im wesentlichen rechtwinklig zur
Ebene der Torsionsabschnitte (176) verlaufenden Ebene liegende Hebelabschnitte (178)
aufweist.
8. Bewegungsmöbel nach einem der Ansprüche 1-7, dadurch gekennzeichnet, daß das Bewegungsgestell
(14) eine Dämpferanordnung aufweist, die Bewegungen der Beine (22,24,28) in bezug
auf das Nutzelement (16) bremst.
9. Bewegungsmöbel nach einem der Ansprüche 1-8, dadurch gekennzeichnet, daß an dem Bewegungsgestell
(14) eine Arretieranordnung vorgesehen ist, mit der die relative Lage des Nutzelements
(16) gegenüber dem Bewegungsgestell (14) festlegbar ist.
10. Bewegungsmöbel nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Arretieranordnung
eine Bremse (58) mit einem mit dem Bewegungsgestell (14) verbundenen ersten Bremselement
(62) und einem mit dem Nutzelement (16) verbundenen zweiten Bremselemente (64) aufweist,
wobei die relative Lage der Bremselemente (62,64) mit einer Klemmvorrichtung fixierbar
ist.
11. Bewegungsmöbel nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Torsionsfeder (71)
an einem Querstab (70) angreift, welcher die oberen Enden zweier vorderer Beine (22)
oder zweier hinterer Beine (28) verbindet, und an dem Nutzelement (16) abgestützt
ist.
12. Bewegungsmöbel nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens
eines der Drehgelenke (40) ein Sandwichpaket aus zwei Platten (76,77) und einer dazwischen
angeordneten Elastomerschicht (78) aufweist, wobei die eine Platte (76) an dem Nutzelement
(16) und die andere Platte (77) an dem jeweiligen Bein (22,28) oder einem mit dem
Bein verbundenen Querstab (70) befestigt ist.
13. Bewegungsmöbel nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß an den
vorderen oder hinteren Beinen (22,28) ein Zugelement (81) befestigt ist, das in eine
Längsführung (83) des Nutzelements (16) eingreift, um die Schaukelbewegung des Nutzelementes
zu begrenzen.
14. Bewegungsmöbel nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß die
vorderen Beine (22) oder die hinteren Beine (28) mit Armlehnen (85) fest verbunden
sind.