[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Sortieren von Gegenständen in mindestens
zwei Sortierklassen aufgrund einer Mehrzahl von durch mindestens eine Prüfeinrichtung
an den Gegenständen festgestellten Eigenschaften. Ferner betrifft die Erfindung eine
Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens sowie eine Anwendung des Verfahrens.
[0002] In den verschiedensten Anwendungsgebieten kann sich das Problem stellen, dass Gegenstände
aufgrund ihrer Eigenschaften sortiert werden müssen. Insbesondere wenn bei den Gegenständen
jeweils eine Vielzahl von Eigenschaften geprüft werden, und wenn Eigenschaften geprüft
werden, bei denen das Messresultat auf vielfältige Weise variieren kann, und wenn
zudem der Entscheid über die Sortierung rasch gefällt werden muss, z.B. weil pro Zeiteinheit
viele Gegenstände anfallen, so ist der maschinelle Aufwand für die Prüfung bzw. Sortierung
sehr hoch. Als Beispiel kann die Prüfung von Mehrweg-Getränkeflaschen bei ihrem Rücklauf
angeführt werden. Dabei wird durch Prüfeinrichtungen ermittelt, ob in der Flasche
eine unzulässige Verunreinigung vorhanden ist, wozu z.B. das Massenspektrum einer
Gasprobe aus jeder Flasche ermittelt wird. Ein entsprechendes Verfahren und eine Vorrichtung
dazu sind aus EP-A-0 579 952 bekannt. Zusätzlich zu der Analyse mit einem Massenspektrometer
kann z.B. ein Detektor für polyaromatische Kohlenwasserstoffe eingesetzt sein und
es kann z.B. ferner das Farbspektrum von Restflüssigkeit in der Flasche ermittelt
werden. Weitere Prüfeinrichtungen prüfen z.B. die Höhe der Flasche, das Vorhandensein
eines Deckels, das Vorliegen eines Lecks, das Vorhandensein von zulässigen Etiketten
usw. Als Resultat dieser Prüfung stehen also eine Vielzahl von Messwerten als Spektren
oder Einzelmesswerte zur Verfügung. Die Einzelmesswerte können dabei z.B. in die Spektren
integriert werden, um für die Auswertung ein einheitliches Messwertformat zu erhalten.
Ausgehend von den Messwerten muss nun der Sortierentscheid gefällt werden, ob die
jeweilige Flasche als "gute" Flasche zur erneuten Befüllung vorgesehen ist oder als
"schlechte" Flasche auszuscheiden ist. Es sind natürlich auch mehr als zwei Sortierkriterien
möglich, z.B. das Aussortieren von Flaschen, die einer erneuten oder weiteren Prüfung
zuzuführen sind und also noch nicht als gut oder schlecht definitiv sortiert sind.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Sortierverfahren der eingangs genannten
Art zu schaffen, das rasch und mit relativ geringem Aufwand durchgeführt werden kann,
und welches gute Sortierresultate bringt, d.h. die Klasse der schlechten Flasche soll
möglichst vollständig erfasst werden, und dabei sollen möglichst wenige gute Flaschen
fälschlicherweise als schlecht eingestuft werden.
[0004] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, dass durch eine Prüfeinrichtung zunächst vor dem
Sortierbetrieb die Eigenschaften bei einer grossen Zahl der Gegenstände festgestellt
werden und die dabei ermittelten Messwerte durch eine Auswerteinrichtung nach der
Häufigkeit des Vorkommens eingeteilt und gespeichert werden, und dass nachfolgend
im eigentlichen Sortierbetrieb durch eine Prüfeinrichtung die Eigenschaften der einzelnen
zu sortierenden Gegenstände festgestellt werden und der Sortierentscheid danach gefällt
wird, ob die am jeweiligen Gegenstand festgestellten Eigenschaften bei der grossen
Zahl von Gegenständen mit einer vorbestimmten Häufigkeit und Aehnlichkeit aufgetreten
sind oder nicht.
[0005] In einem ersten Schritt werden somit vor dem eigentlichen Sortierbetrieb an einer
grossen Zahl von Objekten, die den später zu sortierenden Objekten wesensgleich sind,
deren Eigenschaften festgestellt und es wird eine "Bibliothek" erstellt, die die Eigenschaften
in geordneter Weise festhält. Zur Feststellung der Eigenschaften bzw. der Messwerte
der Objekte kann dieselbe Prüfanordnung verwendet werden, die später auch die Sortierung
ausführt oder es kann eine andere Prüfeinrichtung verwendet werden, die aber dieselben
Messwerte erfasst wie die später zur Sortierung verwendete Prüfeinrichtung. Die auf
diese Weise geschaffene Bibliothek bietet dann die Basis für das eigentliche Sortieren
von Objekten. Die zu sortierenden Objekte werden im normalen Betrieb der Prüfeinrichtung
geprüft und die Messwerte bzw. Eigenschaften der Objekte werden mit der Bibliothek
verglichen. Das Sortierkriterium ist dann, ob in der Bibliothek schon ein gleicher
Eintrag - oder ein genügend ähnlicher Eintrag - vorhanden ist und wenn ja, mit welcher
Häufigkeit. Ist der Eintrag mit vorbestimmter genügender Häufigkeit vorhanden, so
fällt das Objekt unter eine erste Sortierklasse, andernfalls in eine zweite Sortierklasse.
Natürlich könnte auch zwischen mehreren vorbestimmten Häufigkeitsbereichen unterschieden
werden, wodurch sich mehr als zwei Sortierklassen ergeben. Das Kriterium für das eigentliche
Sortieren ist also, mit welcher Häufigkeit dieselbe oder eine genügend ähnliche Messwertkombination
schon einmal bei der Erstellung der Bibliothek vorgekommen ist. Angewandt auf das
eingangs erwähnte Beispiel der Mehrwegflaschen wird die mit den genannten Prüfeinrichtungen
erstellte Bibliothek mit grosser Häufigkeit Messwerte enthalten, die einer üblichen
Flasche und einem der üblichen in der Flasche vorkommenden Getränk, z.B. Orangensaft,
entsprechen; mit geringer Häufigkeit werden Messwerte bzw. Eintragungen vorhanden
sein, die auf eine unzulässige Flasche oder eine unzulässige Verunreinigung hindeuten,
z.B. auf das Vorhandensein von Benzin. Beim nachfolgenden Sortieren beim Betrieb einer
Flaschenprüfanlage wird dann bei einer Flasche, die nur Getränkespuren, bzw. Orangensaftspuren,
enthält festgestellt, dass die ermittelten Messwerte der Flasche mit hinreichender
Aehnlichkeit einer der Bibliothekseintragungen, nämlich derjenigen für Orangensaftgetränk
gleichen und dass der als hinreichend ähnlich angesehene Bibliothekseintrag über einer
vorbestimmten Häufigkeitsschwelle liegt, was dahingehend interpretiert wird, dass
die geprüfte Flasche als gut zu sortieren ist. Bei einer Benzinspuren enthaltenden
Flasche wird hingegen festgestellt werden, dass ein hinreichend ähnlicher Eintrag
in der Bibliothek unterhalb einer vorbestimmten Häufigkeitsschwelle liegt und die
Flasche wird somit als schlechte Flasche ausgeschieden werden. Mit anderen Worten,
die Entscheidung, wie ein Gegenstand beim Sortieren einzureihen ist, wird aus der
Statistik einer vorgängig geprüften Anzahl Gegenstände abgeleitet; auf das Problem
der Flaschen übertragen wird geschlossen, dass eine Flasche mit einer häufig vorkommenden
Messwertkombination immer eine gute Flasche ist bzw. eine häufig vorkommende Flasche
kann nicht eine schlechte Flasche sein. Zur Optimierung der Bibliothek können auch
Messspektren von speziell präparierten Flaschen oder von im natürlichen Flaschenvorkommen
gefundenen Schlechtflaschen in die Bibliothek eingelesen werden.
[0006] Die Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens ist gekennzeichnet durch die Merkmale
des Patentanspruchs 4. Eine bevorzugte Anwendung des Verfahrens ist im Patentanspruch
5 definiert.
[0007] Im folgenden werden Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand der Figuren näher erläutert.
Dabei zeigt
Figur 1 grobschematisch ein Diagram mit der Häufigkeitsverteilung von Messwertkombinationen;
und
Figur 2 grobschematisch das Blockschaltbild einer Vorrichtung zur Durchführung des
Verfahrens.
[0008] Nachfolgend wird das Verfahren anhand einer speziellen Behälterart, nämlich anhand
von Mehrweg-PET-Flaschen beschrieben, bei denen das Verfahren besonders vorteilhaft
anwendbar ist, da dabei eine Vielzahl von Messwerten anfallen und in kurzer Zeit,
z.B. in 100 ms bei einem Flaschendurchsatz von 600 Flaschen/Minute ein Sortierentscheid
gefällt werden muss. Natürlich lässt sich das Verfahren bei irgendwelchen anderen
Gegenständen anwenden.
[0009] Bei rücklaufenden Mehrwegflaschen, insbesondere bei PET-Flaschen, findet eine Untersuchung
der Flasche selber und der in den Flaschen enthaltenen Reststoffe statt. In EP-A-0
579 952 ist dargelegt, wie aus auf einer Fördereinrichtung in rascher Kadenz geförderten
Flaschen Gasproben entnommen werden, die einem Massenspektrometer für die Prüfung
zugeführt werden. Neben der Prüfung einer Gasprobe aus dem Behälter können noch, wie
bereits erwähnt, weitere Prüfungen vorgenommen werden. Zum Beispiel kann das Farbspektrum
der Restflüssigkeit im Behälter ermittelt werden. Ferner können Behältereigenschaften
wie z.B. die Dichtigkeit, die Behälterhöhe usw. geprüft werden. Die auf diese Weise
durch mindestens eine Prüfeinrichtung erhobenen Messresultate werden nun als Beurteilungsgrundlage
verwendet, um die Behälter in mehrere Gruppen zu sortieren, z.B. in wiederverwendbare,
gute Flaschen, in beschränkt verwendbare und in nicht mehr verwendbare, schlechte
Flaschen. Gemäss der Erfindung wird das Sortierverfahren nun auf die beanspruchte
spezielle Art und Weise durchgeführt. Zur Sortierung der Flaschen wird zunächst eine
Sammlung der Flascheneigenschaften an einer grossen Stichprobe von Flaschen vorgenommen.
Diese Sammlung kann als Bibliothek bezeichnet werden und deren Erstellung erfolgt
vor dem Sortierbetrieb. Die Erstellung der Bibliothek kann dabei im normalen Betrieb
einer Flaschenprüfanlage durchgeführt werden, die die Flaschen aufgrund bisheriger
Sortieralgorithmen sortiert. Die Bibliothek kann aber auch in einem speziellen Flaschendurchlauf
erstellt werden. Jedenfalls wird aus einer grossen Stichprobe, welche z.B. 10'000
Flaschen umfassen kann, die Statistik aller Flaschen, d.h. des gesamten Flaschenflusses
dadurch hinreichend genau abgebildet, dass die Flaschen basierend auf der Messung
in verschiedene Klassen mit entsprechenden Prozentzahlen eingeteilt werden. Man kann
dabei von Selbstlernresultaten sprechen, da die Flaschen durch die Prüfeinrichtung
laufen und die Bibliothek durch die Steuereinrichtung - in der Regel durch einen Digitalrechner
- selbständig aufgebaut wird. Figur 1 zeigt schematisch die Darstellung der Häufigkeitsverteilung
der Messwertkombinationen bei der Aufnahme der Stichprobe. Auf der Ordinate ist dabei
die Häufigkeit einer bestimmten Messwertkombination aufgetragen. Wie in Figur 1 ersichtlich,
ergibt sich eine Kurve 1 der Häufigkeitsverteilung der Messwertkombinationen. Die
verschiedenen Kombinationen von Messwerte können dabei in verschiedene Klassen eingeteilt
werden, was im gezeigten Beispiel auf der Abszisse mit den Klassen 1 bis 19 dargestellt
ist. In der Klasse 10 z.B. können solche Messwertkombinationen vorhanden sein, deren
Massenspektrum auf ein Getränk hindeutet, z.B. Orangensaft und deren Farbspektrum
zu dem ebenfalls Orangensaft entspricht und bei dem die Flaschen kein Leck aufweisen
und eine korrekte Höhe haben. In der Stichprobe des Flaschenrücklaufs befinden sich
eine grosse Anzahl solcher intakten und mit keiner Verunreinigung versehenen Flaschen,
die ehemals mit Orangensaft gefüllt waren und daher ist die Häufigkeit von Messwerten
in dieser Klasse 10 hoch. Dasselbe gilt z.B. für Messwertkombinationen, welche eher
auf mit einem Cola-Getränk gefüllte Flaschen hinweisen, welche z.B. in der Klasse
9 eingeordnet sein können. Selten werden in der Stichprobe, die eine zufällige, repräsentative
Stichprobe ist, solche Flaschen vorkommen, deren Messwertkombination z.B. ein Massenspektrum
aufweist, das auf das Vorhandensein von einem organischen Lösungsmittel hinweist.
Solche rücklaufenden Flaschen kommen indes vereinzelt vor, da leere PET-Flaschen mit
gewisser Häufigkeit zur Aufbewahrung von irgendwelchen nicht zur Konsumation bestimmten
Flüssigkeiten verwendet werden. Es ist z.B. möglich, dass eine auf bestimmte Lösungsmittel
hinweisende Messwertkombination mit einer relativ geringen Häufigkeit auftritt und
in der Kurve 1 an deren rechten Randbereich zu finden ist. Diese speziellen Messwertkombinationen
können in einer Klasse 18 zusammengefasst sein. Die Verteilung der Kurve 1 ergibt
sich aus der Stichprobe. Die Einteilung in die Klassen 1 bis 19 ist natürlich willkürlich
und kann je nach der Art der gemessenen Objekte verschieden sein. Die Einteilung in
neunzehn gleichmässige Klassen ist nur als Beispiel zu verstehen. Zur Vervollständigung
der Bibliothek werden nun, basierend auf der allgemein bekannten statistischen Verteilung
der Gegenstände bzw. Retourflaschen, Regeln angewandt bzw. festgelegt, welche die
verschiedenen Klassen in mindestens zwei Gruppen einteilt. Auf die Flaschen bezogen
ist die Gruppeneinteilung mindestens in eine gute Gruppe und in eine schlechte Gruppe
vorzunehmen. In der Figur 1 ist dies auf der rechts dargestellten Abszisse mit der
Bezeichnung Entscheidung dargestellt, bei der oberhalb einer bestimmten Häufigkeit
die Entscheidung "gut" angegeben ist, d.h. die unter dieses Kriterium fallenden Flaschen
werden zur Wiederbefüllung freigegeben, während die anderen Flaschen, die unter das
Entscheidungskriterium "schlecht" fallen, ausgesondert werden. Die Entscheidung wird
dabei aufgrund der Häufigkeit der Stichprobenverteilung gefällt. In dem dargestellten
Beispiel fallen diejenigen Flaschen unter das Sortierkriterium schlecht, deren Messwertkombinationen
weniger häufig als z.B. 15 % der Fälle auftauchen. Es sind dies die Messwertkombinationen,
die in die Klassen 1, 2 und 3 sowie in die Klassen 17, 18 und 19 fallen. Mit anderen
Worten, diejenigen Messwertkombinationen, die in der Stichprobe mit mehr als 15 %
der Fälle vertreten sind, erhalten das Sortierkriterium "gut" zugeteilt, die anderen
das Sortierkriterium "schlecht". Natürlich könnte eine Unterteilung nach mehr als
nur zwei Sortierkriterien vorgenommen werden. In Figur 1 ist als Variante eine weitere
Unterteilung durch die gestrichelte Linie 2 dargestellt, die bei einer Häufigkeit
der Messwertkombination von z.B. 25 % gezogen ist. Denjenigen Messwertkombinationen,
die zwischen 15 % und 25 % liegen, kann z.B. ein weiteres Sortierkriterium zugeordnet
werden, welches eine Nachprüfung der Flasche mit speziellen Mitteln beinhaltet. Diese
Flaschen werden also weder als gut noch als schlecht eingestuft, sondern als nachzuprüfende
Flaschen. Mit der Aufnahme der Messwertkombination der grossen Stichprobe und der
Einteilung in Klassen, wobei auch nur eine oder zwei Klassen für die gesamte Verteilung
vorgesehen sein kann, ist der Aufbau der Bibliothek abgeschlossen. Diese Bibliothek
bildet die Grundlage für das Sortieren der Flaschen im eigentlichen Sortierbetrieb.
Wie bereits erwähnt, kann der Aufbau der Bibliothek während des Betriebes einer Flaschenprüfungsanlage
erfolgen. Die Bibliothek kann im Betrieb in periodischen oder zufälligen Abständen
oder stetig dem Flaschenfluss angepasst werden, in dem der gegenwärtige Flaschenfluss
als Stichprobe betrachtet wird, der die Häufigkeitsverteilung der Bibliothek beeinflusst.
[0010] Im eigentlichen Sortierbetrieb wird nun durch eine Vergleichseinrichtung jedem Satz
von Messungen bzw. jeder Messwertkombination an einem Objekt der ähnlichste Bibliothekseintrag
bzw. die ähnlichste Klasse der Klassen 1 bis 19 zugeordnet, sofern überhaupt eine
Klasse mit hinreichend genauer Uebereinstimmung gefunden werden kann. Wird eine solche
Klasse gefunden, so wird dem Objekt bzw. der Flasche das entsprechende Sortierkriterium
zugeordnet. Wenn also im eigentlichen Sortierbetrieb eine intakte Flasche auftritt,
deren Messwertkombination auf Orangensaft hin deutet, so wird bei genügender Uebereinstimmung
mit der Messwertkombination der Klasse 10 die Flasche dieser Klasse zugeordnet. Auf
diese Weise wird der Flasche weiter das zugehörige Sortierkriterium "gut" zugeordnet,
da alle Flaschen, deren Häufigkeit der Klasse 10 entspricht, als gut zu bewerten sind.
Es ist nämlich statistisch auszuschliessen, dass bei rücklaufenden Mehrwegflaschen
als schlecht zu bezeichnende Flaschen mit einer derartigen Häufigkeit auftreten. Hingegen
wird im eigentlichen Sortierbetrieb eine Flasche, deren Messwertkombination in der
Bibliothek nur mit einer geringen, im gezeigten Beispiel unter 15 % liegenden Häufigkeit
auftritt, als schlecht bewertet. Diese Flasche kann z.B. eine Messwertkombination
aufweisen, die in der Klasse 2 zu finden ist. Diese Flasche wird aus dem Mehrweg-Umlauf
ausgeschieden, da die geringe Häufigkeit der ihr zukommenden Messwertkombination statistisch
darauf schliessen lässt, dass eine als schlecht zu beurteilende Flasche vorliegt.
Flaschen, die gar keiner Klasse zugeordnet werden können, werden ebenfalls als schlechte
Flaschen ausgeschieden.
[0011] Es wird nun noch einmal auf den Aufbau der Bibliothek eingegangen, wobei verschiedene
Möglichkeiten gezeigt werden, wie die verschiedenen Messwerte in einer Messwertkombination
vereinheitlicht werden können. Jeder Messvorgang an einem Behälter ergibt eine Vielzahl
von Messwerten (z.B. Massenspektrum, Farbspektrum, Messung des PAK-Detektors (PAK
= polyaromatische Kohlenwasserstoffe), Messung der Füllhöhe, Höhe der Flasche, Deckel,
etc.). Die Menge aller Messwerte bilden ein Messspektrum. Die Messspektren verschiedener
Messinstrumente können in verschiedenen Varianten verarbeitet werden:
1. Alle Messdaten werden in einem Messspektrum zusammengefasst (z.B. Massenspektrum
und PAK) und verarbeitet.
2. Die Messdaten werden als unabhängige Messspektren (z.B. Farbmessung) behandelt
und die verschiedenen einzelnen Messspektren in einer höheren logischen Ebene zusammen
verarbeitet.
3. Die Messdaten werden als unabhängige Messspektren (z.B. Farbmessung) behandelt
und die verschiedenen einzelnen Messspektren in einer Kreuzkorrelation verarbeitet.
4. Eine Kombination der Varianten 1.-3.
[0012] Mehrere Referenz-Messspektren werden in einem Datenfile abgespeichert und als Referenz-Bibliothek
verwendet und zusammen mit jedem Messspektrum wird auch eine Zusatzinformation abgespeichert,
welche die Sortierkriterien definiert, z.B. "GUT", "SORTIEREN" oder "SCHLECHT" für
gute, weiterzusortierende und auszuscheidende Flaschen. In dieser Referenz-Bibliothek
ist auch eine Referenzmessung abgespeichert, welche die veränderlichen Umwelteinflüsse
kompensiert (Hintergrundsignale). Die Bibliothek kann unverändert bleiben, oder periodisch
resp. kontinuierlich der Statistik des Objektflusses (Flaschenflusses) angepasst werden.
Bei selbstadaptiven Bibliotheken kommt der Vermeidung einer Fehlerfortpflanzung besondere
Bedeutung zu (Stabilität der Bibliothek).
[0013] Der Aufbau und die Anpassung einer Bibliothek erfolgt vorzugsweise selbstlernend.
Die Anzahl von möglichen Inhaltsstoffen in Behältern ist äusserst vielfältig und wird
zusätzlich vergrössert durch verschiedenste Umwelteinflüsse (Gefrieren, Schimmel,
Fermentierung, Fremdstoffe, etc.) Aus diesem Grund ist der Aufbau von einzelnen Messspektren
nur über empirische Messung möglich. Da für eine repräsentative Statistik eine grosse
Zahl von Messspektren erforderlich ist, die manuell nicht zu handhaben ist, wird für
den Aufbau oder die Anpassung einer Bibliothek in einem Selbstlernverfahren die ganze
oder eine definiert eingeschränkte Auswahl der Gesamtheit aller Messspektren abgespeichert
und nach statistischen Gesichtspunkten angeordnet. Statische Informationen und andere
Kriterien erlauben die manuelle oder automatische Zuordnung der Messspektren zu einem
der Sortierkriterien. Für diese Zuordnung werden bekannte Informationen der statistischen
Verteilung der verschiedenen Behältereigenschaften zugrundegelegt. Die Zuordnung der
Klasse 3 zum Sortierkriterium "SCHLECHT" erfolgt also aufgrund solcher Kriterien.
[0014] Bei der eigentlichen Sortierung müssen die Messwerte ausgewertet werden. Zur Charakterisierung
eines Behälters oder seines Inhalts wird sein Messspektrum mit dem Inhalt der Bibliothek
verglichen oder beliebig verrechnet und dann einem bestimmten Bibliothekseintrag zugeordnet
(positive Erkennung) und seiner entsprechenden Sortierklasse zugeordnet. Ueber diese
Zuordnung wird durch einen Rechner eine Entscheidung getroffen und der Behälter entsprechend
sortiert.
[0015] Die Verrechnung des Messspektrums mit der Referenzbibliothek kann mit folgenden Verfahren
erfolgen:
- Mustererkennung
- Schwellwerte
- Kombination von Mustererkennung und Schwellwert
- Clusteranalyse
[0016] In einer Variante können die Bibliotheksdaten in eine "Look-up Table" umgewandelt
werden. Dabei wird der Bibliotheksinhalt in eine mehrdimensionale "Landkarte" abgebildet,
welche die statistische Verteilung der Objekte wiedergibt. In diesem Fall müssen beim
Zugriff auf die Bibliothek nicht sämtliche Daten geprüft werden. Stattdessen reicht
es aus, die Dichteverteilung in der "Umgebung" der zu prüfenden Einzelmessung zu prüfen,
um eine relevante Aussage über das Einzelobjekt machen zu können. Als Vorteil ergibt
sich erhöhte Geschwindigkeit durch kürzere Rechenzeiten.
[0017] Es wird natürlich nicht immer möglich sein eine aktuelle Messwertkombination genau
einer der Messwertkombinationen der Bibliothek zuzuordnen, mit andern Worten, es bestehen
Grenzen der positiven Erkennung.
[0018] Bei jeder Beurteilung eines Messspektrums basierend auf der Referenz-Bibliothek kann
dem Behälter nicht nur ein Sortierkriterium, sondern auch eine Beurteilungssicherheit
(S) zugeordnet werden. Zum Beispiel: 100 % Uebereinstimmung mit einem Bibliothekseintrag:
S = 100. Je schlechter die Uebereinstimmung, desto kleiner der Wert S. Bei schlechter
Uebereinstimmung des Messspektrums mit einem Bibliothekseintrag kann die Flasche nicht
mehr mit genügender Sicherheit einer Bibliothekseintragung zugeordnet werden. Der
"Unbekannt-Grenzwert" definiert in diesem Falle die Eigenschaften eines Behälters
als "unbekannt", wodurch andere Sortierkriterien angewandt werden können.
[0019] Zum Beispiel: S = 85 < Unbekannt-Grenzwert = 90: Sortierentscheid: SCHLECHT. Mit
diesem Vorgehen wirdverhindert, dass nur als positiv gut erkannte Flaschenmit beliebigen
unbekannten Gemsichen und Fremdstoffen ausgeleitet werden.
[0020] Memory-Effekt-Kompensation:
[0021] Bei hohen Konzentrationen von Verunreinigungen kann es vorkommen, dass die Messkammer
nicht hinreichend schnell gespült werden kann, bis die nächste Flasche analysiert
wird. In diesem Fall können eine oder mehrere nachfolgende Flaschen falsch erkannt
werden. Durch Kontrolle der letzten paar Messspektren können solche Flaschen erkannt
und einer zweiten Prüfung zugeführt werden.
[0022] Figur 2 zeigt grob schematisch eine Prüfvorrichtung zur Durchführung des Verfahrens.
Dabei sind in der Regel mehrere Prüfeinrichtungen vorgesehen, welche Messwerte über
den Zustand des Gegenstandes an eine Auswerteinrichtung abgeben. Im gezeigten Beispiel
ist eine erste Prüfeinrichtung 3 gezeigt, an welcher die zu prüfenden Gegenstände
8 mittels einer Förderanlage 9 vorbeigefördert werden. Die Prüfeinrichtung 3 kann
z.B. eine Prüfeinrichtung zur Entnahme und Analyse von Gasproben aus Behältern sein,
wie sie in EP-A-0 579 952 gezeigt ist. In Figur 2 ist nur eine weitere Prüfeinrichtung
4 z.B. ein PAK-Detektor dargestellt, aber es können natürlich noch mehrere Prüfeinrichtungen
vorgesehen sein, wie vorstehend bereits erwähnt. Die Prüfeinrichtungen 3, 4 liefern
ihre Messdaten entweder als Rohdaten oder bereits in einer bearbeiteten Form an eine
Steuereinrichtung 5. Diese wird in der Regel von einem entsprechend programmierten
Rechner gebildet. Bei der Erstellung der Bibliothek sind die Behälter 8 die Behälter
der Stichprobe. Die Steuereinrichtung erstellt wie bereits beschrieben als Auswerteinrichtung
die Bibliothek mit den Sortierkriterien und legt diese in einem Speichermedium 6 ab.
Die Steuereinrichtung 5 steuert weiter ein Sortierelement 7, das die Behälter aufgrund
ihrer gemessenen Eigenschaften aus dem Förderstrom aussortiert oder sie im Förderstrom
belässt. Die Sammlung der Daten für die Erstellung der individuellen Bibliothek kann
dabei während eines Betriebs erfolgen, bei dem das Sortieren der Gegenstände anhand
einer Standard-Bibliothek erfolgt. Sobald die individuelle Bibliothek im Speichermedium
6 erstellt ist, kann die Vorrichtung das Sortieren gemäss der Erfindung aufgrund dieser
Bibliothek ausführen, was ein schärferes Sortieren erlaubt als jenes mit einer Standard-Bibliothek.
Damit kann die fälschliche Erkennung von Gut-Flaschen als Schlecht-Flaschen (Falsch-Auswurf)
drastisch reduziert werden, wobei die fälschliche Erkennung von Schlecht-Flaschen
als Gut-Flaschen weiterhin unterdrückt wird. Die Steuereinrichtung 5 arbeitet dann
als Vergleichseinrichtung zum Vergleich der aktuellen Messwerte mit der Bibliothek.
Die Ermittlung der Bibliothek erfolgt entweder mit der gleichen Prüfvorrichtung die
auch das spätere Sortieren ausführt, oder die Prüfvorrichtung zur Aufnahme der Bibliothek
ist eine andere Prüfvorrichtung als die nachfolgende sortierende Prüfvorrichtung.
In diesem Fall werden die Bibliotheksdaten aus der ersten Prüfvorrichtung auf die
zweite Prüfvorrichtung übertragen.
1. Verfahren zum Sortieren von Gegenständen in mindestens zwei Sortierklassen aufgrund
einer Mehrzahl von durch mindestens eine Prüfeinrichtung (3, 4) an den Gegenständen
(8) festgestellten Eigenschaften, dadurch gekennzeichnet, dass durch die Prüfeinrichtung
zunächst vor dem Sortierbetrieb die Eigenschaften bei einer grossen Anzahl der Gegenstände
festgestellt werden und die dabei ermittelten Messwerte durch eine Auswerteinrichtung
(5) nach der Häufigkeit des Vorkommens eingeteilt und gespeichert werden, und dass
nachfolgend im eigentlichen Sortierbetrieb die Eigenschaften der einzelnen zu sortierenden
Gegenstände festgestellt werden und der Sortierentscheid durch eine Vergleichseinrichtung
(5) danach gefällt wird, ob die am jeweiligen Gegenstand festgestellten Eigenschaften
bei der grossen Zahl von Gegenständen mit einer vorbestimmten Häufigkeit und Aehnlichkeit
aufgetreten sind oder nicht.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Messwerte mindestens ein
Spektrum umfassen.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass den nach Häufigkeit
eingeteilten und gespeicherten Messwerten mindestens zwei Sortierkriterien hinzugefügt
und ebenfalls gespeichert werden.
4. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1 bis 3, gekennzeichnet
durch mindestens eine Prüfeinrichtung (3, 4) zur Feststellung der Eigenschaften von
zu prüfenden Gegenständen (8) eine Auswerteinrichtung (5, 6), die die von der Prüfeinrichtung
(3, 4) ermittelten Messwerte nach der Häufigkeit von deren Vorkommen einteilt und
speichert und eine Vergleichseinrichtung (5), die im Sortierbetrieb die am jeweiligen
Gegenstand (8) festgestellten Eigenschaften mit den gespeicherten Messwerten vergleicht
und einen Sortierentscheid aufgrund der Häufigkeitsverteilung der Messwerte fällt.
5. Anwendung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1 bis 3 beim Sortieren von rücklaufenden
Mehrweg-Flaschen.
6. Anwendung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass physische Eigenschaften der
Flaschen selber sowie Eigenschaften von aus den Flaschen entnommenen Fluidproben als
Messwerte nach der Häufigkeit des Vorkommens eingeteilt und gespeichert werden, und
dass mindestens ein Sortierkriterium Wiederverwenden und ein Sortierkriterium Ausscheiden
getrennt durch eine bestimmte Häufigkeitsschwelle hinzugefügt werden.