[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Bekämpfung von Seeminen nach dem
Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Schiffe werden durch Minen, wie Treibminen - speziell in Küstennähe - stark gefährdet.
Minenräumfahrzeuge stehen im akuten Fall nicht zur Verfügung. Deshalb benötigen Schiffe
eine eigene Abwehrwaffe. Bislang gibt es noch keine effektive Lösung. Der Einsatz
von Kanonen wird durch die Relativbewegung des Schiffes in Bezug auf die Mine sowie
durch das Abtauchen und durch das Verdecken der Mine durch Wellen sehr erschwert.
[0003] Bekannt ist durch die DE-A1-42 43 444 eine Einrichtung zum Außer-Gefecht-Setzen einer
Seemine. Ein ferngesteuertes Trägerfahrzeug weist eine Vernichtungsladung auf Damit
werden sowohl Ankertauminen als auch eingesandete Minen bekämpft. Zur Bekämpftung
von Treibminen ist diese Einrichtung nicht geeignet und auch zu teuer.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Bekämpfung von Seeminen
vorzuschlagen, das kostengünstig, sicher und von jedermann handhabbar ist.
[0005] Die Erfindung löst diese Aufgabe entsprechend den kennzeichnenden Merkmalen des Anspruchs
1.
[0006] Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind den Unteransprüchen zu entnehmen.
Erfindungsgemäß wird eine Seemine nur bekämpft, wenn sie vom Abschußort aus, wie Schiff,
indirekt oder direkt gesehen wird.
[0007] Aus einem Abschußrohr, das auf der Schulter eines Schützen oder auf einem kardanisch
aufgehängten Gestell liegt, wird ein Geschoß in die Nähe der Mine geschossen. Das
Rohr, das Bestandteil dieser Waffe ist, ist entsprechend großkalibrig. Das eingesetzte
Waffenprinzip - Minenfaust genannt - entspricht dem einer Panzerfaust, d. h., der
Abschuß ist nahezu rückstoßfrei und kann - wie bereits beschrieben - von einer Person
sicher abgeschossen werden. Dabei ist der Abschußort sekundär, d. h., dies kann zum
Beispiel ein Schiff oder auch ein Schlauchboot sein.
[0008] Nachdem das Geschoß das Rohr verlassen hat und in das Wasser eingetaucht ist, wird
die Umhüllung von dem Geschoß abgetrennt und ein Schlauchboot aufgeblasen. Unter dem
Schlauchboot hängt ein Gefechtskopf mit einer Wirkladung.
[0009] Der Gefechtskopf hat aus Gewichtsgründen keine Stahlhülle; er ist sprengstoffverdämmt
und sitzt in einer Kunststoffhülle. In der Kunststoffhülle ist heckseitig ein Antriebsagregat
eingeschäumt. Der Gefechtskopf besitzt einen Abstandszünder, der bei Aufschlag an
einer Treibmine eine stachel- oder projektilbildende Hohlladung zündet. Der Hohlladungsstachel
bzw. das Hohlladungsprojektil durchdringen die Hülle der Treibmine und zünden deren
Sprengladung.
[0010] In einer anderen Ausführungsform ist ein splitterbildender Gefechtskopf mit einer
splitterbildenden Stahlhülle in einem Ausstoßbehälter gelagert. Der Ausstoßbehälter
hängt unterhalb des Schlauchbootes. Ein Annäherungszünder zündet eine Ausstoßladung.
Der Gefechtskopf tritt aus dem Ausstoßbehälter, durchschlägt die Hülle der Treibmine
als Ganzes. Der Gefechtskopf detoniert im Innern der Treibmine. Die Splitter und der
detonierende Sprengstoff des Gefechtskopfes führen zur Explosion der Treibmine.
[0011] Das Boot trägt zum besseren Erkennen seiner Ausrichtung verschieden farbige Positionslichter.
Wenigstens ein Positionslicht ist dem Zünder des Gefechtskopfes zugeordnet. Damit
wird das Schlauchboot bis zum Aufschlag des Zünders des Gefechtskopfes an der Mine
visuell gesteuert.
[0012] Das Boot wird entweder ferngesteuert per Funk oder Draht und zwar entweder direkt
vom Schützen oder über Monitor und Drohne. Andererseits ist das Boot auch in einen
autonomen Zustand zu versetzen, indem es mit entsprechenden Sensoren, wie Infrarot,
Mikrowellensensor, Echolot, Magnetsensor oder Videokamera ausgestattet ist.
[0013] Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in der Zeichnung dargestellt.
[0014] Es zeigen:
- Fig. 1 - 3
- Phasenbilder mit dem Abschuß eines Behälters bis zum Aufblasen eines Schlauchbootes,
- Fig. 4, 5
- in schematischer Darstellung eine bereits aktivierte Einrichtung zur Bekämpfung einer
Seemine,
- Fig. 6
- ein splitterbildendes Geschoß für die Einrichtung nach Fig. 5 und
- Fig. 7
- einen Querschnitt VII - VII nach Fig. 6.
[0015] Nach Fig. 1 erfolgt von einem Wasserfahrzeug 1 aus ein Abschuß eines Behälters 2
durch einen Schützen 3 mittels eines Abschußrohres 4 bzw. mittels einer Minenfaust
4.1 in die Nähe einer gesichteten Treibmine 5.
[0016] Nach dem Wassereintritt 6 werden nach Fig. 2 die Hüllenteile 15 sowie die Ogive 16
abgelöst, beispielsweise durch einen im Behälter 2 untergebrachten Gasgenerator, der
nicht näher bezeichnet ist.
[0017] Dieser Gasgenerator bläst dann nach Fig. 3 das Schlauchboot auf und aktiviert einen
Empfänger 17 mit Antenne 18. Wenn das Schlauchboot 20 entsprechend dem Pfeil 10 aufgetaucht
ist, kann sofort mit der Bekämpfung der Treibmine 5 begonnen werden.
[0018] Das Schlauchboot 20 (Fig. 4) weist unterhalb seines Bodens 21 eine Bekämpfungs- und
Antriebseinheit 19 auf Diese besteht aus einem, über Halterungen 22 befestigten Gefechtskopf
25 mit Thermalbatterie und integrierter Sicherungs- und Zündeinrichtung 26 und aus
einem Elektromotor 27 mit einer schwenkbaren Schraube 28. Bei nicht schwenkbarer Schraube
28 sind Ruder 29 vorgesehen.
[0019] Der Gefechtskopf 25 besitzt stirnseitig einen Abstandszünder 30 und eine strahlbildende
Hohlladung 31 mit entsprechender, nicht gezeichneter Sicherungs- und Zündeinrichtung.
[0020] Per Funk wird das Schlauchboot 20 an die Treibmine 5 gefahren. Zur Orientierung und
Ausrichtung des Schlauchbootes 20 in Bezug auf die Treibmine 5 dienen dem Gefechtskopf
25 zugeordnete, verschieden farbige Positionslichter 23, 24. Das Positionslicht 23
ist direkt über der Hohlladung 31 bzw. dem Aufschlagzünder 30 angeordnet, während
das Positionslicht 24 der Schraube 28 zugeordnet ist.
[0021] Die Hohlladung 31 wird bei Aufschlag an der Mine 5 an der Stelle 32 durch den Abstandszünder
30 initiiert. Ein Hohlladungsstrahl 33 penetriert eine Hülle 7 der Treibmine 5 und
zündet den darin gelagerten Sprengstoff 8.
[0022] Anstelle der zu Fig. 4 beschriebenen Hohlladung 31 weist nach Fig. 5 ein Gefechtskopf
50 einer Bekämpfüngs- und Antriebseinheit 19 in einem Ausstoßbehälter 51 mit Ausstoßladung
52 mit integrierter Zündeinrichtung 54 eine Splitterladung 35 mit einem Aufschlagzünder
36 und Wirkladung 37 auf. Der Ausstoßbehälter 51 ist durch eine auftrennbare Folie
53 wasserdicht verschlossen. Nach Fig. 6 ist eine Zünd- und Sicherungseinrichtung
für die Wirkladung 37 mit 38 bezeichnet. Bogenförmige Abschnitte 41, entsprechend
dem DE-B1-34 01 249, bewirken bei Detonation der Wirkladung 37 Schneidladungseffekte,
die den Sprengstoff 8 der Treibmine 5 zusammen mit der Blastwirkung (Detonationsschwadendruck)
initiieren, oder - falls die Treibmine 5 inert ist - die Treibmine 5 mechanisch zerstören
und versenken. - Der Sprengstoff 8 der Treibmine 5 kann seine Funktionsfähigkeit durch
Umwelteinflüsse verloren haben. -
[0023] Um die Trefferwahrscheinlichkeit der Splitterladung 35 wesentlich zu erhöhen, liegen
die kreisförmig angeordneten bogenförmigen Abschnitte 41 in dreifach gestaffelter
Anordnung 42 vor. Die Anordnung kann auch einfach oder mehrfach sein.
[0024] Das Schlauchboot 20 wird bis zum Ansprechen des Annäherungs-Zünders 36 an der Treibmine
5 gefahren. Dieser Zünder 36 kann auch als Abstandszünder 30 mit Aufschlagfunktion
und/oder aufgrund anderer Kriterien arbeiten, z. B. Echolot oder Magnet.
Der Zünder 36 aktiviert die Zündeinrichtung 54. Diese initiiert die Ausstoßladung
52. Dadurch wird der Gefechtskopf 50 mit großer Energie ausgetrieben und durchschlägt
die Hülle 7 der Treibmine 5. Hierbei hat der Gefechtskopf 50 die notwendige Anlaufstrecke
55 damit seine Geschwindigkeit größer ist als die Penetrationsgeschwindigkeit. Entsprechend
einer voreingestellten Zeitverzögerung detoniert der Gefechtskopf 50 in der Treibmine
5. Der durchgehende, zentrale Zündkanal 43 in der Wirkladung 37 gewährleistet eine
optimale Splitterwirkung. Die hochenergetischen Splitter 41 und/oder die Blast-Wirkung
der Wirkladung 37 des Gefechtskopfes 50 initiieren den Sprengstoff 8 der Treibmine
5 und zerstören diese.
[0025] In Friedenszeiten ist bei der geforderten Räumentfernung von ca. 1000 m ein Detektieren
der Mine quasi parallel zur Wasseroberfläche 9 praktisch ausgeschlossen. Dem ist dadurch
abzuhelfen, daß ein

Zeppelin" (aufblasbare Drohne mit Propeller und Elektro-Motor) gefesselt dem Schiff
1 vorausfliegt . Der

Zeppelin" sensiert mit einer hochauflösenden Video-Kamera die Wasseroberfläche. Die
Information wird über die Fesselleine des

Zeppelins" - über die auch die Energie vom Schiff zum Elektro-Motor geleitet wird
- auf einen Monitor auf dem Schiff 1 übertragen.
[0026] Ist die Treibmine 5 detektiert, so wird mit der Minenfaust 4.1 des Schlauchboot 20
in die Nähe der Treibmine 5 geschossen und dann, überwacht durch den Monitor, zum
Ziel geführt.
[0027] Da alle Komponenten relativ langsam arbeiten, sogar warten können, ist das erfolgreiche
Bekämpfen der Treibmine 5 sehr wahrscheinlich. Wenn der

Zeppelin" aus mehreren separaten Gaszellen aufgebaut ist, übersteht er Treffer von
Splittern 41 der Minendetonation ohne Absturz, besonders wenn er

self-sealing"-Wandmaterial besitzt.
[0028] Anstelle einer Funkfernsteuerung des Schlauchbootes 20 ist auch eine Steuerung über
eine Fesselleine möglich.
1. Verfahren zur Bekämpfung von Seeminen (5) mittels eines Trägerfahrzeugs (20) und einer
daran angeordneten Munition (25),
dadurch gekennzeichnet,
daß von einem Abschußgestell (4) ein Behälter (2), enthaltend ein gefaltetes Schlauchboot
(20) mit Antrieb (26 bis 28) und Gefechtskopf (25) in die Nähe der gesichteten Seemine
(5) geschossen wird,
der Behälter (2) das Schlauchboot (20) freigibt oder auswirft,
das Schlauchboot (20) durch einen Gasgenerator aufgeblasen und der Antrieb (26 - 28)
aktiviert wird,
das Schlauchboot (20) durch einen Schützen (3) direkt oder indirekt oder auch autonom
die Seemine (5) anläuft, und
daß der Gefechtskopf (25, 50) in unmittelbarer Nähe der Seemine (5) oder direkt an
der Seemine (5) durch Aufschlag oder in ihrem Inneren gezündet wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Gefechtskopf (25, 50) nur durch Aufschlag des Zünders (30, 36) an der Mine
(5) gezündet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Mine (5) durch einen Hohlladungsstrahl (33) des Gefechtskopfes (25) zerstört
wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß aus einem Ausstoßbehälter (51) der Gefechtskopf (50) ausgestoßen wird, der Gefechtskopf
(50) in die Mine (5) eindringt und den Sprengstoff (8) der Mine (5) durch große und
schnelle Splitter (35, 4.1) und/oder Blastwirkung initiiert bzw. bei inertem Sprengstoff
(8) der Mine (5) deren Schwimmfähigkeit durch Aufreißen der Hülle (7) aufhebt.
5. Minenfaust zur Durchführung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1 - 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß der abschießbare Behälter (2) ein aufblasbares Schlauchboot (20) mit Funkfernsteuerung
(17, 18) mit verschieden farbigen Positionslichtern (23, 24) auf dem Schlauchboot
(20) und eine projektilseitig angeordnete Bekämpfungs- und Antriebseinheit (19) enthält.
6. Minenfaust nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Bekämpfungs- und Antriebseinheit (19) aus einem Gefechtskopf (25, 50) mit
Aufschlagzünder (30) und/oder Annäherungszünder (36), einem Energieblock (26) und
einem steuerbaren Antriebsmotor (27) mit Antrieb (28) enthält.
7. Minenfaust nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Gefechtskopf (25, 50) eine Hohlladung (31) aufweist oder als splitterbildendes,
aus einem Ausstoßbehälter (51) abschießbares Geschoß (49) ausgebildet ist.