(19)
(11) EP 0 775 886 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
28.05.1997  Patentblatt  1997/22

(21) Anmeldenummer: 96117063.6

(22) Anmeldetag:  24.10.1996
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6F42B 5/15
(84) Benannte Vertragsstaaten:
DE FR GB SE

(30) Priorität: 22.11.1995 DE 19543489

(71) Anmelder: Buck Werke GmbH & Co
73337 Bad Überkingen (DE)

(72) Erfinder:
  • Wardecki, Norbert, Dr.-Ing.
    79194 Heuweiler (DE)

(74) Vertreter: Goddar, Heinz J., Dr. 
FORRESTER & BOEHMERT Franz-Joseph-Strasse 38
80801 München
80801 München (DE)

   


(54) Schutzeinrichtung für sich rasch bewegende Objekte


(57) Werfereinrichtung zum Schützen von sich rasch bewegenden Objekten, wie Flugzeugen oder dergleichen, geben auf von dem Flugzeug abgegebene Strahlung, insbesondere Infrarotstrahlung, ansprechende, eine Zerstörungsladung aufweisende Zielsuchköpfe, mit mindestens einem an dem zu schützenden Objekt angeordneten Dispenser und mindestens einem daraus verschießbaren Wirkkörper (Flare), wie Spotflare oder dergleichen, der mindestens eine Täuschladung aufweist, die zumindest teilweise im Abstand von dem Objekt anzündbar ist und bei ihrer Zerlegung temporär einen die Zielsignatur des zu schützenden Objektes zielsuchkopfrelevant spektral simulierenden Scheinzielkörper bildet, dadurch gekennzeichnet, daß der Wirkkörper (Flare) mindestens eine mit dem Dispenser an einem freien Ende verbindbare, beim Abschießen des Wirkkörpers (Flares) sich aus dem Dispenser entfaltende Fangleine aufweist, deren ihrem freien Ende abgewandtes Ende mit dem Wirkkörper (Flare) im wesentlichen fest verbunden ist.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft eine Schutzeinrichtung für sich rasch bewegende Objekte, wie Flugzeuge, geben auf abgegebene Strahlung, insbesondere Infrarotstrahlung, ansprechende Zielsuchköpfe, mit einem am zu schützenden Objekt angeordneten Dispenser, aus dem mindestens eine Täuschladung aufweisender Wirkkörper ausstoßbar ist.

[0002] Bei bekannten Schutz- bzw. Werfereinrichtungen dieser Art, wie sie beispielsweise aus der DE-PS 29 36 861 bekannt sind, ist an dem zu schützenden Flugzeug ein Werfersystem angeordnet, aus dem Wirkkörper (Flares) verschossen werden, die in einem vorgehbaren Sicherheitsabstand von dem zu schützenden Objekt, insbesondere Flugzeuge, wirksam werden. Dabei kann es sich insbesondere um sogenannte Spotflares handeln, die bei ihrem Wirksamwerden ein Infrarotscheinziel bilden.

[0003] Da zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der betreffenden Täuschladung, nachdem also der Wirkkörper bzw. das Spotflare den Sicherheitsabstand vom Flugzeug erreicht hat, keine mechanische Verbindung zwischen dem Wirkkörper (Flare) und dem Dispenser, der an dem zu schützenden Flugzeug oder dergleichen angebracht ist, mehr besteht, entsteht zwischen dem Scheinziel und dem zu schützenden Flugzeug rasch eine derartige Relativbewegung, mit schnell anwachsender Distanz zwischen dem Scheinziel und dem Flugzeug, daß der Zielsuchkopf das Scheinziel als Falschziel erkennen und somit verwerfen wird. Infolgedessen nimmt die Wirksamkeit von Scheinzielen gegen Zielsuchköpfe neuerer Generationen stark ab. Auch durch bereits vorgeschlagene Maßnahmen zur Verbesserung der spektralen Charakteristik des Scheinzieles läßt sich dem vorgenannten Problem nicht begegnen, da hierfür einzig die relative Kinematik des Scheinzieles bzw. Spotflares gegenüber dem zu schützenden Objekt verantwortlich ist.

[0004] Um der vorstehend beschriebenen Bedrohung gerecht zu werden, wurden bereits sogenannte Propelled Flares, die über einen eigenen Antrieb verfügen, sowie Towed Decoys, nämlich festinstallierte geschleppte Falschsignalgeber, entwickelt. Beide haben jedoch den Nachteil, daß sie unvergleichlich aufwendiger und teurer als die bislang bekannten Scheinzielkörper in Form von Spotflares sind.

[0005] Aus der DE-PS 41 25 355 ist es zwar bereits bekannt, zwischen dem Wurfkörper und dem Wurfbecher einer Selbstschutz-Werfereinrichtung eine mechanische Verbindung in Form einer Fangleine vorzusehen, jedoch reißt die dort beschriebene Fangleine bestimmungsgemäß von dem zu schützenden Objekt bzw. dem dort befindlichen Wurfbecher ab, sobald sie in durch die Fangleine definiertem Abstand von dem zu schützenden Objekt das Anzünden der Täuschladung eines Nebelwurfkörpers oder dergleichen bewirkt hat. Anschließend kommt es auch hier zu einer Änderung der Distanz zwischen dem zu schützenden Objekt und der aufblühenden Täuschladung, wobei dies allerdings wegen der relativ geringen Geschwindigkeit, nämlich eines Panzers, nicht zu merklichen Problemen hinsichtlich Zielsuchköpfen oder dergleichen führt.

[0006] Aus der DE-OS 23 57 769 ist bereits eine Einrichtung an einem Düsenflugzeug zum Irreleiten von Infrarotsuchköpfen ausgestatteten Bekämpfungsraketen bekannt, bei der im Schlepp des Flugzeugs Täuschladungen zum Aufblühen gebracht werden, die jedoch bereits im Augenblick ihres Aufblühens eine ganz erhebliche Relativgeschwindigkeit zum zu schützenden Objekt haben, so daß auch hier die Gefahr besteht, daß der Zielsuchkopf das Scheinziel als Falschziel erkennt und verwirft.

[0007] Aus der JP I 203899 (A) ist bereits bekannt, hinter einem Flugzeug ein thermisches Energie ausstrahlendes Scheinziel herzuschleppen, jedoch besteht dabei nicht die Möglichkeit, nach dem Aufschalten eines Zielsuchkopfes eine große Distanz zwischen das Scheinziel und das zu schützende Flugzeug zu legen, nämlich durch entsprechende Manöver des Flugzeugs oder dergleichen, so daß die Gefahr besteht, daß der Zielsuchkopf, sofern die Manövriermöglichkeit des Flugzeuges durch das Scheinziel nicht allzusehr beeinträchtig werden soll, wie dies bei sehr langer Schleppleine der Fall ist, in zu großer Nähe zum Flugzeug zur Detanation kommt, wodurch eine Beschädigung oder Störung des eigentlichen Zieles nicht zuverlässig ausgeschlossen werden kann.

[0008] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die gattungsgemäße Schutzeinrichtung dahingehend weiterzubilden, daß auch kinematikempfindliche Zielsuchköpfe das damit erzeugbare Scheinziel selbst bei schnell bewegtem zu schützenden Objekt nicht oder nur schwer als Falschziel erkennen können.

[0009] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch eine Schutzeinrichtung der eingangsgenannten Art mit folgenden Merkmalen gelöst: Einem am zu schützenden Objekt angeordneten Dispenser aus dem mindestens ein eine Täuschladung aufweisender Wirkkörper (Flare) ausstoßbar ist und einer den Wirkkörper mit dem Dispenser verbindenden Fangleine, wobei der Wirkkörper beim Verlassen des Dispensers angezündet, kurzfristig im brennendem Zustand mitgeschleppt und danach durch Abtrennen der Fangleine im brennendem Zustand freigegeben wird.

[0010] Dabei kann vorgesehen sein, daß die Fangleine dehnbar ausgebildet ist.

[0011] Die Erfindung schlägt ferner vor, daß die Entfaltungsgeschwindigkeit der Fangleine, insbesondere mittels einer an dem Wirkkörper und/oder an dem Dispenser vorgesehenen Abroll-Bremseinrichtung oder dergleichen, einstellbar ist.

[0012] Außerdem kann vorgesehen sein, daß die Fangleine an dem Dispenser und/oder an dem Wirkkörper abreißbar angebracht ist.

[0013] Die Erfindung sieht vor, daß der Zeitpunkt des Abtrennens der Fangleine einstellbar ist.

[0014] Schließlich kann auch vorgesehen sein, daß die bis zum Abtrennen der Fangleine den Abstand dem zu schützenden Objekt und dem Wirkkörper definierende wirksame Länge der Fangleine einstellbar ist.

[0015] Die Erfindung sieht auch vor, daß die Entfaltungsgeschwindigkeit der Fangleine, insbesondere mittels einer an dem Wirkkörper (Flare) und / oder an dem Dispenser vorgesehenen Abroll-Bremseinrichtung oder dergleichen, einstellbar ist.

[0016] Es kann auch vorgesehen sein, daß die Fangleine an dem Dispenser und/oder an dem Wirkkörper (Flare) abreißbar angebracht ist.

[0017] Die Erfindung sieht auch vor, daß der Zeitpunkt des Abreißens der Fangleine und damit die Freigabe des Wirkkörpers (Flares) von dem zu schützenden Objekt einstellbar ist.

[0018] Dabei kann auch vorgesehen sein, daß die bis zur Freigabe des Wirkkörpers (Flares) den Abstand zwischen dem zu schützenden Objekt und dem Wirkkörper (Flare) definierende wirksame Länge der Fangleine einstellbar ist.

[0019] Die Erfindung sieht vor, daß die Täuschladung des Wirkkörpers (Flares) teilweise bereits beim Abschießen aus dem Dispenser anzündbar ist.

[0020] Der Erfindung liegt die überraschende Erkenntnis zugrunde, daß es gelingt, auch für Zielsuchköpfe neuerer Generation, insbesondere Infrarotzielsuchköpfe, das Erkennen eines Scheinzieles als Falschziel selbst bei schnell bewegtem zu schützendem Objekt drastisch zu erschweren, indem zwischen dem zu schützenden Objekt und dem Wirkkörper (Flare) eine Fangleine vorgesehen wird, die das Scheinziel mit dem zu schützenden Objekt kurzfristig mitschleppt, so daß das Scheinziel sich vorübergehend im wesentlichen mit derselben Geschwindigkeit bewegt wie das zu schützende Flugzeug oder dergleichen. Nach dem Überbrücken des Sicherheitsbereiches, das sich zwischen dem Wirkkörper (Flare) bzw. dem Spotflare und dem Werfersystem und damit dem zu schützenden Objekt befindet, wird der Wirkkörper (Flare) über die Fangleine abgefangen, wobei er gegebenenfalls auch über die Fangleine angezündet werden kann. Die weitere Separation des Wirkkörpers (Flares) bzw. des aufblühenden Scheinzieles von dem zu schützenden Objekt bis zur vollständigen Freigabe kann durch zeitlich und räumlich gezieltes Abspulen der Fangleine gesteuert werden. Alternativ hierzu kann auch eine elastische Fangleine vorgesehen sein, die nach Straffung durch ihre Dehnung eine weitere Separation bis zur Freigabe ermöglicht, wobei die Freigabe natürlich auch durch definierten Abriß erfolgen kann.

[0021] Erfindungsgemäß wird erreicht, daß die mittels der Schutzeinrichtung erzeugten Scheinziele räumlich und zeitlich eine Separationsbewegung machen, die vom Zielsuchkopf nicht detektierbar ist. Weiterhin besteht der Vorteil, daß der Verschuß der Wirkkörper (Flares) aus vorhandenen Werfersystemen erfolgen kann, so daß sich die bekannte Flaretechnologie, gegebenenfalls in spektraler Modifizierung, auch weiterhin einsetzen läßt.

[0022] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachstehenden Beschreibung, in der ein Ausführungsbeispiel anhand der Zeichnung im einzelnen erläutert ist.

[0023] Dadurch zeigt die aus einer einzigen Figur bestehende Zeichnung in schematischer Darstellung eine Werfereinrichtung nach der Erfindung in verschiedenen Betriebszuständen.

[0024] Bei dem in der Zeichnung gezeigten Zustand der Schutzeinrichtung ist aus einem Dispenser 10, der an einem zu schützenden Flugzeug angebracht ist, ein Wirkkörper (Flare) 12, der eine infrarotstrahlungserzeugende Täuschladung aufweist, soeben ausgestoßen worden, wobei das Anzünden der Täuschladung in der in a) gezeigten Position erfolgt. Eine Fangleine 14 rollt, wie a) erkennen läßt, aus dem Dispenser 10 aus. Die Fangleine 14 ist mit einem Ende an dem Dispenser 10 und mit ihrem anderen Ende an dem Wirkkörper (Flare) 12 befestigt.

[0025] In der Zeichnung bezeichnet b) einen Zustand, in dem der Wirkkörper (Flare) 12 den Sicherheitsbereich zwischen dem Dispenser 10 bzw. dem zu schützenden Flugzeug verlassen hat, wobei der Wirkkörper (Flare) in der in b) gezeigten Position durch die sich straffende Fangleine 14 abgefangen wird.

[0026] In der Position c) ist gezeigt, wie die Fangleine 14 sich auch nach dem anfänglichen Abfangen gemäß Position b) noch verlängern kann, gegebenenfalls durch Vorsehen einer geeigneten Abrolleinrichtung am Dispenser 10 und/oder am Wirkkörper (Flare) 12 oder auch durch Verwendung einer elastisch dehnbaren Fangleine, so daß also der Wirkkörper (Flare) 12 dem zu schützenden Flugzeug nicht mit der identischen Geschwindigkeit des letzteren, sondern beispielsweise auch mit geringerer Relativgeschwindigkeit nachgeführt werden kann.

[0027] In Position d) schließlich nämlich wird der Wirkkörper (Flare) 12 durch Abreißen der Fangleine 14 freigegeben.

BEZUGSZEICHENLISTE



[0028] 
10
Dispenser
12
Wirkkörper (Flare)
14
Fangleine



Ansprüche

1. Schutzeinrichtung für sich rasch bewegende Objekte, wie Flugzeuge, geben auf abgegebene Strahlung, insbesondere Infrarotstrahlung, ansprechende Zielsuchköpfe, mit folgenden Merkmalen: Einem am zu schützenden Objekt angeordneten Dispenser (10) aus dem mindestens eine Täuschladung aufweisender Wirkkörper (Flare) (12) ausstoßbar ist und einer den Wirkkörper (12) mit dem Dispenser (10) verbindenden Fangleine (14), wobei der Wirkkörper (12) beim Verlassen des Dispensers (10) angezündet, kurzfristig im brennendem Zustand mitgeschleckt und danach durch Abtrennen der Fangleine (14) im brennendem Zustand freigegeben wird.
 
2. Schutzeinrichtung nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß die Fangleine (14) dehnbar ausgebildet ist.
 
3. Schutzeinrichtung nach Anspruch 1 oder 2 dadurch gekennzeichnet, daß die Entfaltungsgeschwindigkeit der Fangleine (14), insbesondere mittels einer an dem Wirkkörper (10) und/oder an dem Dispenser (12) vorgesehenen Abroll-Bremseinrichtung oder dergleichen, einstellbar ist.
 
4. Schutzeinrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, daß die Fangleine (14) an dem Dispenser (10) und/oder an dem Wirkkörper (12) abreißbar angebracht ist.
 
5. Schutzeinrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Zeitpunkt des Abtrennens der Fangleine (14) einstellbar ist.
 
6. Schutzeinrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die bis zum Abtrennen der Fangleine (14) den Abstand dem zu schützenden Objekt und dem Wirkkörper (12) definierende wirksame Länge der Fangleine (14) einstellbar ist.
 




Zeichnung







Recherchenbericht