[0001] Die Erfindung betrifft eine Schutzeinrichtung für sich rasch bewegende Objekte, wie
Flugzeuge, geben auf abgegebene Strahlung, insbesondere Infrarotstrahlung, ansprechende
Zielsuchköpfe, mit einem am zu schützenden Objekt angeordneten Dispenser, aus dem
mindestens eine Täuschladung aufweisender Wirkkörper ausstoßbar ist.
[0002] Bei bekannten Schutz- bzw. Werfereinrichtungen dieser Art, wie sie beispielsweise
aus der DE-PS 29 36 861 bekannt sind, ist an dem zu schützenden Flugzeug ein Werfersystem
angeordnet, aus dem Wirkkörper (Flares) verschossen werden, die in einem vorgehbaren
Sicherheitsabstand von dem zu schützenden Objekt, insbesondere Flugzeuge, wirksam
werden. Dabei kann es sich insbesondere um sogenannte Spotflares handeln, die bei
ihrem Wirksamwerden ein Infrarotscheinziel bilden.
[0003] Da zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der betreffenden Täuschladung, nachdem also der
Wirkkörper bzw. das Spotflare den Sicherheitsabstand vom Flugzeug erreicht hat, keine
mechanische Verbindung zwischen dem Wirkkörper (Flare) und dem Dispenser, der an dem
zu schützenden Flugzeug oder dergleichen angebracht ist, mehr besteht, entsteht zwischen
dem Scheinziel und dem zu schützenden Flugzeug rasch eine derartige Relativbewegung,
mit schnell anwachsender Distanz zwischen dem Scheinziel und dem Flugzeug, daß der
Zielsuchkopf das Scheinziel als Falschziel erkennen und somit verwerfen wird. Infolgedessen
nimmt die Wirksamkeit von Scheinzielen gegen Zielsuchköpfe neuerer Generationen stark
ab. Auch durch bereits vorgeschlagene Maßnahmen zur Verbesserung der spektralen Charakteristik
des Scheinzieles läßt sich dem vorgenannten Problem nicht begegnen, da hierfür einzig
die relative Kinematik des Scheinzieles bzw. Spotflares gegenüber dem zu schützenden
Objekt verantwortlich ist.
[0004] Um der vorstehend beschriebenen Bedrohung gerecht zu werden, wurden bereits sogenannte
Propelled Flares, die über einen eigenen Antrieb verfügen, sowie Towed Decoys, nämlich
festinstallierte geschleppte Falschsignalgeber, entwickelt. Beide haben jedoch den
Nachteil, daß sie unvergleichlich aufwendiger und teurer als die bislang bekannten
Scheinzielkörper in Form von Spotflares sind.
[0005] Aus der DE-PS 41 25 355 ist es zwar bereits bekannt, zwischen dem Wurfkörper und
dem Wurfbecher einer Selbstschutz-Werfereinrichtung eine mechanische Verbindung in
Form einer Fangleine vorzusehen, jedoch reißt die dort beschriebene Fangleine bestimmungsgemäß
von dem zu schützenden Objekt bzw. dem dort befindlichen Wurfbecher ab, sobald sie
in durch die Fangleine definiertem Abstand von dem zu schützenden Objekt das Anzünden
der Täuschladung eines Nebelwurfkörpers oder dergleichen bewirkt hat. Anschließend
kommt es auch hier zu einer Änderung der Distanz zwischen dem zu schützenden Objekt
und der aufblühenden Täuschladung, wobei dies allerdings wegen der relativ geringen
Geschwindigkeit, nämlich eines Panzers, nicht zu merklichen Problemen hinsichtlich
Zielsuchköpfen oder dergleichen führt.
[0006] Aus der DE-OS 23 57 769 ist bereits eine Einrichtung an einem Düsenflugzeug zum Irreleiten
von Infrarotsuchköpfen ausgestatteten Bekämpfungsraketen bekannt, bei der im Schlepp
des Flugzeugs Täuschladungen zum Aufblühen gebracht werden, die jedoch bereits im
Augenblick ihres Aufblühens eine ganz erhebliche Relativgeschwindigkeit zum zu schützenden
Objekt haben, so daß auch hier die Gefahr besteht, daß der Zielsuchkopf das Scheinziel
als Falschziel erkennt und verwirft.
[0007] Aus der JP I 203899 (A) ist bereits bekannt, hinter einem Flugzeug ein thermisches
Energie ausstrahlendes Scheinziel herzuschleppen, jedoch besteht dabei nicht die Möglichkeit,
nach dem Aufschalten eines Zielsuchkopfes eine große Distanz zwischen das Scheinziel
und das zu schützende Flugzeug zu legen, nämlich durch entsprechende Manöver des Flugzeugs
oder dergleichen, so daß die Gefahr besteht, daß der Zielsuchkopf, sofern die Manövriermöglichkeit
des Flugzeuges durch das Scheinziel nicht allzusehr beeinträchtig werden soll, wie
dies bei sehr langer Schleppleine der Fall ist, in zu großer Nähe zum Flugzeug zur
Detanation kommt, wodurch eine Beschädigung oder Störung des eigentlichen Zieles nicht
zuverlässig ausgeschlossen werden kann.
[0008] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die gattungsgemäße Schutzeinrichtung dahingehend
weiterzubilden, daß auch kinematikempfindliche Zielsuchköpfe das damit erzeugbare
Scheinziel selbst bei schnell bewegtem zu schützenden Objekt nicht oder nur schwer
als Falschziel erkennen können.
[0009] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch eine Schutzeinrichtung der eingangsgenannten
Art mit folgenden Merkmalen gelöst: Einem am zu schützenden Objekt angeordneten Dispenser
aus dem mindestens ein eine Täuschladung aufweisender Wirkkörper (Flare) ausstoßbar
ist und einer den Wirkkörper mit dem Dispenser verbindenden Fangleine, wobei der Wirkkörper
beim Verlassen des Dispensers angezündet, kurzfristig im brennendem Zustand mitgeschleppt
und danach durch Abtrennen der Fangleine im brennendem Zustand freigegeben wird.
[0010] Dabei kann vorgesehen sein, daß die Fangleine dehnbar ausgebildet ist.
[0011] Die Erfindung schlägt ferner vor, daß die Entfaltungsgeschwindigkeit der Fangleine,
insbesondere mittels einer an dem Wirkkörper und/oder an dem Dispenser vorgesehenen
Abroll-Bremseinrichtung oder dergleichen, einstellbar ist.
[0012] Außerdem kann vorgesehen sein, daß die Fangleine an dem Dispenser und/oder an dem
Wirkkörper abreißbar angebracht ist.
[0013] Die Erfindung sieht vor, daß der Zeitpunkt des Abtrennens der Fangleine einstellbar
ist.
[0014] Schließlich kann auch vorgesehen sein, daß die bis zum Abtrennen der Fangleine den
Abstand dem zu schützenden Objekt und dem Wirkkörper definierende wirksame Länge der
Fangleine einstellbar ist.
[0015] Die Erfindung sieht auch vor, daß die Entfaltungsgeschwindigkeit der Fangleine, insbesondere
mittels einer an dem Wirkkörper (Flare) und / oder an dem Dispenser vorgesehenen Abroll-Bremseinrichtung
oder dergleichen, einstellbar ist.
[0016] Es kann auch vorgesehen sein, daß die Fangleine an dem Dispenser und/oder an dem
Wirkkörper (Flare) abreißbar angebracht ist.
[0017] Die Erfindung sieht auch vor, daß der Zeitpunkt des Abreißens der Fangleine und damit
die Freigabe des Wirkkörpers (Flares) von dem zu schützenden Objekt einstellbar ist.
[0018] Dabei kann auch vorgesehen sein, daß die bis zur Freigabe des Wirkkörpers (Flares)
den Abstand zwischen dem zu schützenden Objekt und dem Wirkkörper (Flare) definierende
wirksame Länge der Fangleine einstellbar ist.
[0019] Die Erfindung sieht vor, daß die Täuschladung des Wirkkörpers (Flares) teilweise
bereits beim Abschießen aus dem Dispenser anzündbar ist.
[0020] Der Erfindung liegt die überraschende Erkenntnis zugrunde, daß es gelingt, auch für
Zielsuchköpfe neuerer Generation, insbesondere Infrarotzielsuchköpfe, das Erkennen
eines Scheinzieles als Falschziel selbst bei schnell bewegtem zu schützendem Objekt
drastisch zu erschweren, indem zwischen dem zu schützenden Objekt und dem Wirkkörper
(Flare) eine Fangleine vorgesehen wird, die das Scheinziel mit dem zu schützenden
Objekt kurzfristig mitschleppt, so daß das Scheinziel sich vorübergehend im wesentlichen
mit derselben Geschwindigkeit bewegt wie das zu schützende Flugzeug oder dergleichen.
Nach dem Überbrücken des Sicherheitsbereiches, das sich zwischen dem Wirkkörper (Flare)
bzw. dem Spotflare und dem Werfersystem und damit dem zu schützenden Objekt befindet,
wird der Wirkkörper (Flare) über die Fangleine abgefangen, wobei er gegebenenfalls
auch über die Fangleine angezündet werden kann. Die weitere Separation des Wirkkörpers
(Flares) bzw. des aufblühenden Scheinzieles von dem zu schützenden Objekt bis zur
vollständigen Freigabe kann durch zeitlich und räumlich gezieltes Abspulen der Fangleine
gesteuert werden. Alternativ hierzu kann auch eine elastische Fangleine vorgesehen
sein, die nach Straffung durch ihre Dehnung eine weitere Separation bis zur Freigabe
ermöglicht, wobei die Freigabe natürlich auch durch definierten Abriß erfolgen kann.
[0021] Erfindungsgemäß wird erreicht, daß die mittels der Schutzeinrichtung erzeugten Scheinziele
räumlich und zeitlich eine Separationsbewegung machen, die vom Zielsuchkopf nicht
detektierbar ist. Weiterhin besteht der Vorteil, daß der Verschuß der Wirkkörper (Flares)
aus vorhandenen Werfersystemen erfolgen kann, so daß sich die bekannte Flaretechnologie,
gegebenenfalls in spektraler Modifizierung, auch weiterhin einsetzen läßt.
[0022] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachstehenden Beschreibung,
in der ein Ausführungsbeispiel anhand der Zeichnung im einzelnen erläutert ist.
[0023] Dadurch zeigt die aus einer einzigen Figur bestehende Zeichnung in schematischer
Darstellung eine Werfereinrichtung nach der Erfindung in verschiedenen Betriebszuständen.
[0024] Bei dem in der Zeichnung gezeigten Zustand der Schutzeinrichtung ist aus einem Dispenser
10, der an einem zu schützenden Flugzeug angebracht ist, ein Wirkkörper (Flare) 12,
der eine infrarotstrahlungserzeugende Täuschladung aufweist, soeben ausgestoßen worden,
wobei das Anzünden der Täuschladung in der in a) gezeigten Position erfolgt. Eine
Fangleine 14 rollt, wie a) erkennen läßt, aus dem Dispenser 10 aus. Die Fangleine
14 ist mit einem Ende an dem Dispenser 10 und mit ihrem anderen Ende an dem Wirkkörper
(Flare) 12 befestigt.
[0025] In der Zeichnung bezeichnet b) einen Zustand, in dem der Wirkkörper (Flare) 12 den
Sicherheitsbereich zwischen dem Dispenser 10 bzw. dem zu schützenden Flugzeug verlassen
hat, wobei der Wirkkörper (Flare) in der in b) gezeigten Position durch die sich straffende
Fangleine 14 abgefangen wird.
[0026] In der Position c) ist gezeigt, wie die Fangleine 14 sich auch nach dem anfänglichen
Abfangen gemäß Position b) noch verlängern kann, gegebenenfalls durch Vorsehen einer
geeigneten Abrolleinrichtung am Dispenser 10 und/oder am Wirkkörper (Flare) 12 oder
auch durch Verwendung einer elastisch dehnbaren Fangleine, so daß also der Wirkkörper
(Flare) 12 dem zu schützenden Flugzeug nicht mit der identischen Geschwindigkeit des
letzteren, sondern beispielsweise auch mit geringerer Relativgeschwindigkeit nachgeführt
werden kann.
[0027] In Position d) schließlich nämlich wird der Wirkkörper (Flare) 12 durch Abreißen
der Fangleine 14 freigegeben.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0028]
- 10
- Dispenser
- 12
- Wirkkörper (Flare)
- 14
- Fangleine
1. Schutzeinrichtung für sich rasch bewegende Objekte, wie Flugzeuge, geben auf abgegebene
Strahlung, insbesondere Infrarotstrahlung, ansprechende Zielsuchköpfe, mit folgenden
Merkmalen: Einem am zu schützenden Objekt angeordneten Dispenser (10) aus dem mindestens
eine Täuschladung aufweisender Wirkkörper (Flare) (12) ausstoßbar ist und einer den
Wirkkörper (12) mit dem Dispenser (10) verbindenden Fangleine (14), wobei der Wirkkörper
(12) beim Verlassen des Dispensers (10) angezündet, kurzfristig im brennendem Zustand
mitgeschleckt und danach durch Abtrennen der Fangleine (14) im brennendem Zustand
freigegeben wird.
2. Schutzeinrichtung nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß die Fangleine (14) dehnbar
ausgebildet ist.
3. Schutzeinrichtung nach Anspruch 1 oder 2 dadurch gekennzeichnet, daß die Entfaltungsgeschwindigkeit
der Fangleine (14), insbesondere mittels einer an dem Wirkkörper (10) und/oder an
dem Dispenser (12) vorgesehenen Abroll-Bremseinrichtung oder dergleichen, einstellbar
ist.
4. Schutzeinrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, daß
die Fangleine (14) an dem Dispenser (10) und/oder an dem Wirkkörper (12) abreißbar
angebracht ist.
5. Schutzeinrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß der Zeitpunkt des Abtrennens der Fangleine (14) einstellbar ist.
6. Schutzeinrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die bis zum Abtrennen der Fangleine (14) den Abstand dem zu schützenden Objekt
und dem Wirkkörper (12) definierende wirksame Länge der Fangleine (14) einstellbar
ist.