Technisches Gebiet
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren gemäss Oberbegriff des Anspruchs
1.
Stand der Technik
[0002] Bei Kraftwerksanlagen, insbesondere bei Kombianlagen (Gas/Dampf-Kraftwerksanlagen),
muss eine Reinigung, insbesondere der Dampfleitung, des Verdampfers, Ueberhitzers,
etc., vorgesehen werden. Der finale Zweck solcher normalerweise vor der ersten Inbetriebsetzung
stattfindender Reinigungen ist an sich der Schutz der Aggregate, insbesondere der
Strömungsmaschinen, beispielsweise der Dampfturbine, vor dem Schmutz, der unweigerlich
während der Montage oder bei Revisionen der genannten Systeme anfällt. Die hier gebräuchliche
Terminologie für diesen Prozess wird "Ausblasen" genannt.
[0003] Grundsätzlich sind zwei Verfahren bekanntgeworden: Entweder wird kontinuierlich mit
einem hohen Staudruckverhältnis gereinigt, oder es werden durch zyklische Ausblasestösse
grosse Thermoschocks ausgelöst.
[0004] Beim kontinuierlichen Ausblasen mit hohen Staudrücken wird schnell ein guter Reinigungseffekt
erzielt. Wenn aber das beispielsweise zu reinigende Dampfsystem abkühlt und anschliessend
wieder zur weiteren Reinigung mit Dampf beaufschlagt wird, wird durch Thermoschock
ein effektvoller, zusätzlicher Reinigungseffekt festgestellt. Dies kann als Zeichen
taxiert werden, dass noch Schmutz im System vorhanden war. Das Verfahren mit hohem
Staudruckverhältnis versucht einen Thermoschock mittels Wassereinspritzung vor oder
im Ueberhitzer selbst zu bewerkstelligen. Die Auslösung dieses Effekts eines Thermoschocks
stromab des Ueberhitzers in der Dampfleitung ist als gering einzustufen. Was überdies
gewichtig gegen ein solches Vorgehen spricht, ist die Tatsache, dass sich viele Abhitzekesselhersteller
in den Spezifikationen gegen eine Wassereinspritzung vor oder zwischen dem Ueberhitzer
wenden. Beim Ausblasen mit Thermozyklen darf darüber hinaus nicht verkannt werden,
dass der entscheidende Nachteil hierzu der grosse Zeitaufwand für die Durchführung
des Verfahrens darstellt.
[0005] Bei einer Kombianlage mittlerer Leistung und herkömmlicher Art mit zwei Abhitzekesseln
müsste beim Ausblasen mit Thermozyklen eine Reinigungszeit von ca. 20 Tagen vorgesehen
werden. Beim kontinuierlichen Ausblasen mit hohen Staudruckver-hältnissen benötigt
man demgegenüber bloss ca. 3 bis 5 Tage, wobei hier der Reinigungseffekt nicht mehr
so gross ist.
Darstellung der Erfindung
[0006] Hier will die Erfindung Abhilfe schaffen. Der Erfindung, wie sie in den Ansprüchen
gekennzeichnet ist, liegt die Aufgabe zugrunde, bei einem Verfahren der eingangs genannten
Art die Renigungswirkung zu maximieren und die Ausblasezeit zu minimieren.
[0007] Der wesentliche Vorteil der Erfindung ist darin zu sehen, dass lediglich die Vorteile
der obengenannten Verfahren aktiviert werden, ohne dass ihre Nachteile miteinbezogen
werden müssen.
[0008] Beim Verfahren gemäss Erfindung wird mit hohen Staudrücken während mehrerer Stunden
ausgeblasen. Die Ausblasezeit hängt hier vom Demi-Wasservorrat resp. dessen Produktion
ab, der für die Dampfproduktion gebraucht wird. Danach wird beispielsweise über Nacht
das Ausblasen eingestellt, damit das System während dieser Zeit abkühlen und die Wasseraufbereitungsanlage
neues Demi-Wasser für das nächste Ausblasen zur Verfügung stellen kann. Die darauffolgende
Ausblasung bewirkt dann einen Thermoschock, der, wie oben beschrieben, einen grossen
Reinigungseffekt auslöst. Das anschliessende Wiederholen des kontinuierlichen Ausblasens
mit hohen Staudrücken nach der jeweiligen Abkühlung verstärkt mitunter den grossen
Reinungseffekt des vorangehenden Thermoschocks, wobei für eine effektvolle Reinigung
wenige Zyklen vonnöten sind.
[0009] Vorteilhafte und zweckmässige Weiterbildungen der erfindungsgemässen Aufgabenlösung
sind in den weiteren Ansprüchen gekennzeichnet.
[0010] Im folgenden wird anhand der Zeichnungen ein Ausführungsbeispiel der Erfindung dargestellt
und näher erläutert, wobei zur Abgrenzung sowie zum besseren Verständnis gegenüber
dem Stand der Technik zwei Verfahren miteinbezogen werden. Alle für das unmittelbare
Verständnis der Erfindung nicht erforderlichen Angaben sind fortgelassen worden. Gleiche
Verfahrensschritte sind in den verschiedenen Figuren mit den gleichen Bezugszeichen
versehen.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0011] Es zeigt:
Fig. 1a, 1b eine graphische Darstellung eines zum Stand der Technik gehörenden Ausblaseverfahrens,
Fig. 2a, 2b eine graphische Darstellung eines weiteren zum Stand der Technik gehörenden
Ausblaseverfahrens,
Fig. 3a, 3b eine graphische Darstellung des erfindungsgemäs-sen Ausblaseverfahrens.
Wege zur Ausführung der Erfindung, gewerbliche Verwendbarkeit
[0012] Fig. 1a und 1b zeigen ein zum Stand der Technik gehörendes Verfahren zum Reinigen
von Aggregaten einer Kraftwerkanlage im eingebauten Zustand mittels kurzer zyklischer
Ausblasestösse, welche an sich einen grossen Thermoschock auslösen. Die einzelnen
Ausblasestösse A, B mittels eines geeigneten Mediums finden ca. alle 12 Stunden statt,
wie dies die Abszisse t zum Ausdruck bringt. Während die Temperatur T des eingesetzten
Mediums ca. 500-550°C beträgt, wird der Staudruckverhältnis p auf > 1 gefahren. Hinsichtlich
der verschiedenen Vor- und Nachteile eines solchen Ausblaseverfahrens wird auf die
Beschreibungseinleitung verwiesen. Kurz rekapituliert kann festgehalten werden, dass
das Ausblasen mit Thermoschockzyklen einen guten Reinigungseffekt auslöst, die dazu
benötigte Zeitspanne erscheint aber nach modernen Kriterien im Hinblich auf eine Maximierung
der Verfügbarkeit der Kraftwerksanlage als prohibitiv zu sein.
[0013] Fig. 2a und 2b zeigen ein weiteres zum Stand der Technik gehörendes Verfahren zum
Reinigen von Aggregaten einer Kraftwerksanlage im eingebauten Zustand mittels eines
kontinuierlichen Ausblasens, wie dies die Kurven C, D auf Abszisse t, in Stunden aufgetragen,
zeigen. Während die Temperatur T des zum Einsatz kommenden Mediums relativ tief bleibt,
unterhalb 400°C wird hier mit einem hohen Staudruckverhältnis p von ca. 3 gearbeitet.
Bezüglich der Vor- und Nachteile dieses Ausblaseverfahrens wird auch hier auf die
Beschreibungseinleitung verwiesen. Kurz zusammengefasst kann gesagt werden, dass beim
kontinuierlichen Ausblaseverfahren mit relativ hohen Staudruckverhältnissen an sich
sehr schnell ein guter Reinigungseffekt erzielt wird, die entscheidende Losbrechung
von festhaftenden Schmutzteilen wird indessen wegen der fehlenden Auslösung eines
Thermoschocks nicht erreicht.
[0014] Fig. 3a und 3b zeigen das erfindungsgemässe Verfahren zum Reinigen von Aggregaten
einer Kraftwerksanlage im eingebauten Zustand. Bei diesem Verfahren wird bei mittlerer
Temperatur T, oberhalb 400°C, mit einem hohen Staudruckverhältnis p von ca. 4 und
höher gearbeitet. Dies geschieht, indem über mehrere Stunden, wie die Teilung auf
der Abszisse t versinnblichen will, ausgeblasen wird, wie dies auch aus den Kurven
E, F hervorgeht. Dabei hängt die Ausblasezeit im wesentlichen vom Demi-Wasservorrat
resp. dessen Produktion ab, der für die Dampfproduktion benötigt wird. Danach wird
beispielsweise über Nacht das Ausblasen eingestellt, damit das System während dieser
Zeit abkühlen und die Wasseraufbereitungsanlage neues Demi-Wasser für das nachfolgende
Ausblasen zur Verfügung stellen kann, bevor das Verfahren wieder aufgenommen wird.
Der jeweils mit jedem Ausblasen ausgelösten Thermoschock bewirkt einen grossen Reinigungseffekt.
Das anschlies-sende Ausblasen über mehrere Stunden (Vgl. Kurven E und F) mit hohen
Staudruckverhältnissen p verstärkt den grossen Reinigungseffekt des Thermoschocks.
Hohe Staudruckverhältnisse während des Ausblasens werden durch hohe Geschwindigkeiten
hervorgerufen. Hohe Geschwindigkeiten ergeben sich, wenn im zu reinigenden System
kleine Drücke und daraus folgend grössere spezifische Volumina vorherrschen. Vorzugsweise
werden diese Verhältnisse erstellt, indem in den provisorischen Rohrleitungen einen
Schalldämpfer mit sehr kleinem Druckverlust und dazu eine Wassereinspritzung vorgesehen
wird. Diese Wassereinspritzung direkt am Beginn der provisorischen Leitungen bewirkt
einen kleinen Druck im zu reinigenden System, bei einer gleichzeitig grossen Konditionierung
des Dampfes. Hieraus ergibt sich beim diesem Verfahren ein zusätzlicher Effekt, der
auch im Verfahren nach Fig. 2a, 2b zu finden ist: Die provisorischen Ausblaseleitungen
sind nicht wie bei den anderen zum Stand der Technik gehörenden Verfahren grossen
Spannungen unterworfen. Ein Vorteil gegenüber dem Verfahren nach Fig. 2a, 2b ist hier
der geringere Wasserverbrauch, denn vielfach zeigt es sich, dass das zur Verfügung
stehende Wasser beschränkt ist. Ein weiterer Vorteil dieses Verfahrens ist darin zu
sehen, dass die Gasturbine wesentlich geschont wird, indem diese hier, im Gegensatz
zum Verfahren nach Fig. 1a, 1b, bei welchem die Gasturbine bis zu 50 Mal an- und abgefahren
werden muss, bloss noch einer Belastung von etwa 5 An- und Abfahren unterworfen ist.
Bezugszeichenliste
[0015]
- T
- Temperatur der Anlage
- t
- Zeit, Dauer in Stunden
- p
- Staudruckverhältnis
- A
- Thermoschock, Anzahl, Dauer, in Relation zur Temperatur T
- B
- Thermoschock, Anzahl, Dauer, in Relation zum Staudruckverhältnis p
- C
- Kontinuierliches Ausblasen, Dauer, in Relation zur Temperatur T
- D
- Kontinuierliches Ausblasen, Dauer, in Relation zum Staudruckverhältnis p
- E
- Thermoschock/kontinuierliches Ausblasen, Anzahl, Dauer, in Relation zur Temperatur
T
- F
- Thermoschock/kontinuierliches Ausblasen, Anzahl, Dauer, in Relation zum Staudruckverhältnis
p
1. Verfahren zum Reinigen von Aggregaten einer Kraftwerksanlage im eingebauten Zustand
durch Einblasen eines Mediums, dadurch gekennzeichnet, dass das kalorisch aufbereitete
und unter Druck stehende Medium über mehrere Stunden eingeblasen wird, dass anschliessend
diesem Verfahrensschritt eine Ruhephase eingeschaltet wird, während welcher die Aggregate
abkühlen, und dass nach Abkühlung der Aggregate intermittierend mindestens ein weiteres
Einblasen vorgenommen wird, welches durch Thermoschock ein Reinigungseffekt auslöst.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Einblasen über eine Zeitspanne
von mindestens 6 Stunden vorgenommen wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Medium bei einer Temperatur
grösser 400°C und einem Staudruckverhältnis grösser 3 eingeblasen wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass als Medium für das Einblasen
Dampf eingesetzt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass dem Dampf eine Wassermenge
beigemischt wird.
6. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 4, dadurch gekennzeichnet, dass parallel zum Dampfeinblasen
und/oder vor resp. nach dem Dampfeinblasen eine Wassermenge in die zu reinigenden
Aggregate miteingesetzt wird.