[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein neues Verfahren zur Herstellung von aus Lösungsmitteln
gesponnenen Cellulosefasern mit verringerter Neigung zum Fibrillieren durch Behandlung
der Fasern mit bestimmten reaktiven Verbindungen.
[0002] Aus der GB-A-2 043 525 ist die Herstellung von Cellulosefasern durch Spinnen einer
Celluloselösung in einem geeigneten Lösungsmittel, z.B. einem N-Oxid eines tertiären
Amins, wie N-Methylmorpholin-N-oxid, bekannt. In einem solchen Spinnprozeß wird die
Celluloselösung durch eine geeignete Düse extrudiert und die resultierende Faservorstufe
in Wasser gewaschen und danach getrocknet. Solche Fasern werden als "aus Lösungsmittel
gesponnene Fasern" bezeichnet.
[0003] Solche aus Lösungsmitteln gesponnenen Cellulosefasern bieten viele anwendungstechnische
Vorteile, neigen aber zum Fibrillieren. Darunter versteht man das Abspleißen feinster
Faserfibrillen, die bei der Verarbeitung der Cellulosefasern in der Textilherstellung
zu Problemen führen können.
[0004] Die WO-A-92/07124 empfiehlt zur Lösung dieses Problems die Behandlung der Cellulosefasern
mit einer wäßrigen Lösung oder Dispersion eines Polymers, das über eine Vielzahl kationisch
ionisierbarer Gruppen verfügt, z.B. ein Polyvinylimidazolin.
[0005] Weiterhin lehrt die EP-A-538 977 die Verwendung von Verbindungen, die 2 bis 6 funktionelle
Gruppen aufweisen, die mit Cellulose reagieren können, z.B. Produkte auf Basis von
Dichlortriazin, für diesen Zweck.
[0006] Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es, ein neues Verfahren zur Herstellung von
aus Lösungsmitteln gesponnenen Cellulosefasern mit verringerter Neigung zum Fibrillieren
bereitzustellen, das von anderen chemischen Defibrillierungsreagenzien ausgeht.
[0007] Es wurde nun gefunden, daß die Herstellung von aus Lösungsmitteln gesponnenen Cellulosefasern
mit verringerter Neigung zum Fibrillieren vorteilhaft gelingt, wenn man die Fasern
mit einer oder mehreren Verbindungen aus der Gruppe der hydrophil modifizierten Polyisocyanate
behandelt.
[0008] Die hydrophil modifizierten Polyisocyanate werden in der Regel in Form von wäßrigen
Dispersionen, welche im wesentlichen frei von organischen Lösungsmitteln und weiteren
Emulgatoren sind, beim erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzt.
[0009] Als Basis für die erfindungsgemäß verwendeten hydrophil modifizierten Polyisocyanate
dienen übliche Diisocyanate und/oder übliche höher funktionelle Polyisocyanate mit
einer mittleren NCO-Funktionalität von 2,0 bis 4,5. Diese Komponenten können alleine
oder im Gemisch vorliegen.
[0010] Beispiele für übliche Diisocyanate sind aliphatische Diisocyanate wie Tetramethylendiisocyanat,
Hexamethylendiisocyanat (1,6-Diisocyanatohexan), Octamethylendiisocyanat, Decamethylendiisocyanat,
Dodecamethylendiisocyanat, Tetradecamethylendiisocyanat, Trimethylhexandiisocyanat
oder Tetramethylhexandiisocyanat, cycloaliphatische Diisocyanate wie 1,4-, 1,3- oder
1,2-Diisocyanatocyclohexan, 4,4'-Di(isocyanatocyclohexyl)methan, 1-Isocyanato-3,3,5-trimethyl-5-(isocyanatomethyl)cyclohexan
(Isophorondiisocyanat) oder 2,4- oder 2,6-Diisocyanato-1-methylcyclohexan sowie aromatische
Diisocyanate wie 2,4- oder 2,6-Toluylendiisocyanat, Tetramethylxylylendiisocyanat,
p-Xylylendiisocyanat, 2,4'- oder 4,4'-Diisocyanatodiphenylmethan, 1,3- oder 1,4-Phenylendiisocyanat,
1-Chlor-2,4-phenylendiisocyanat, 1,5-Naphthylendiisocyanat, Diphenylen-4,4'-diisocyanat,
4,4'-Diisocyanato-3,3'-dimethyldiphenyl, 3-Methyldiphenylmethan-4,4'-diisocyanat oder
Diphenylether-4,4'-diisocyanat. Es können auch Gemische der genannten Diisocyanate
vorliegen. Bevorzugt werden hiervon aliphatische Diisocyanate, insbesondere Hexamethylendiisocyanat
und Isophorondiisocyanat.
[0011] Als übliche höher funktionelle Polyisocyanate eignen sich beispielsweise Triisocyanate
wie 2,4,6-Triisocyanatotoluol oder 2,4,4'-Triisocyanatodiphenylether oder die Gemische
aus Di-, Tri- und höheren Polyisocyanaten, die durch Phosgenierung von entsprechenden
Anilin/Formaldehyd-Kondensaten erhalten werden und Methylenbrücken aufweisende Polyphenylpolyisocyanate
darstellen.
[0012] Von besonderem Interesse sind übliche aliphatische höher funktionelle Polyisocyanate
der folgenden Gruppen:
(a) Isocyanuratgruppen aufweisende Polyisocyanate von aliphatischen und/oder cycloaliphatischen
Diisocyanaten. Besonders bevorzugt sind hierbei die entsprechenden Isocyanato-Isocyanurate
auf Basis von Hexamethylendiisocyanat und Isophorondiisocyanat. Bei den vorliegenden
Isocyanuraten handelt es sich insbesondere um einfache Tris-isocyanatoalkyl- bzw.
Triisocyanatocycloalkyl-Isocyanurate, welche cyclische Trimere der Diisocyanate darstellen,
oder um Gemische mit ihren höheren, mehr als einen Isocyanuratring aufweisenden Homologen.
Die Isocyanato-Isocyanurate haben im allgemeinen einen NCO-Gehalt von 10 bis 30 Gew.-%,
insbesondere 15 bis 25 Gew.-%, und eine mittlere NCO-Funktionalität von 2,6 bis 4,5.
(b) Uretdiondiisocyanate mit aliphatisch und/oder cycloaliphatisch gebundenen Isocyanatgruppen,
vorzugsweise von Hexamethylendiisocyanat oder Isophorondiisocyanat abgeleitet. Bei
Uretdiondiisocyanaten handelt es sich um cyclische Dimersierungsprodukte von Diisocyanaten.
(c) Biuretgruppen aufweisende Polyisocyanate mit aliphatisch gebundenen Isocyanatgruppen,
insbesondere Tris(6-isocyanatohexyl)biuret oder dessen Gemische mit seinen höheren
Homologen. Diese Biuretgruppen aufweisenden Polyisocyanate haben im allgemeinen einen
NCO-Gehalt von 18 bis 25 Gew.-% und eine mittlere NCO-Funktionalität von 3 bis 4,5.
(d) Urethan- und/oder Allophanatgruppen aufweisende Polyisocyanate mit aliphatisch
oder cycloaliphatisch gebundenen Isocyanatgruppen, wie sie beispielsweise durch Umsetzung
von überschüssigen Mengen an Hexamethylendiisocyanat oder an Isophorondiisocyanat
mit einfachen mehrwertigen Alkoholen wie Trimethylolpropan, Glycerin, 1,2-Dihydroxypropan
oder deren Gemischen erhalten werden können. Diese Urethan- und/oder Allophanatgruppen
aufweisenden Polyisocyanate haben im allgemeinen einen NCO-Gehalt von 12 bis 20 Gew.-%
und eine mittlere NCO-Funktionalität von 2,5 bis 3.
(e) Oxadiazintriongruppen enthaltende Polyisocyanate, vorzugsweise von Hexamethylendiisocyanat
oder Isophorondiisocyanat abgeleitet. Solche Oxadiazintriongruppen enthaltenden Polyisocyanate
sind aus Diisocyanat und Kohlendioxid herstellbar.
(f) Uretonimin-modifizierte Polyisocyanate.
[0013] Für die erfindungsgemäße Verwendung werden aliphatische Diisocyanate und aliphatische
höher funktionelle Polyisocyanate besonders bevorzugt.
[0014] Die beschriebenen Diisocyanate und/oder höher funktionalisierten Polyisocyanate werden
zur Überführung in nicht-ionisch hydrophil modifizierte Polyisocyanate, die für die
erfindungsgemäße Verwendung besonders bevorzugt werden, mit NCO-reaktiven Verbindungen
umgesetzt, die hydrophil machende Strukturelemente mit nichtionischen Gruppen oder
mit polaren Gruppen, die nicht in Ionengruppen übergeführt werden können, enthalten.
Dabei liegt das Diisocyanat bzw. Polyisocyanat im stöchiometrischen Überschuß vor,
damit das resultierende hydrophil modifizierte Polyisocyanat noch freie NCO-Gruppen
aufweist.
[0015] Als solche NCO-reaktive Verbindungen mit hydrophil machenden Strukturelementen kommen
vor allem hydroxylgruppenterminierte Polyether der allgemeinen Formel VII
R
8-E-(DO)
n-H (VII)
in der
- R8
- für C1- bis C20-Alkyl, insbesondere C1- bis C4-Alkyl, oder C2- bis C20-Alkenyl, Cyclopentyl, Cyclohexyl, Glycidyl, Oxethyl, Phenyl, Tolyl, Benzyl, Furfuryl
oder Tetrahydrofurfuryl steht,
- E
- Schwefel oder insbesondere Sauerstoff bezeichnet,
- D
- Propylen oder vor allem Ethylen bedeutet, wobei auch insbesondere blockweise gemischt
ethoxylierte und propoxylierte Verbindungen auftreten können, und
- n
- für eine Zahl von 5 bis 120, insbesondere 10 bis 25 steht,
in Betracht.
[0016] Der Einsatz von nicht-ionisch hydrophil modifizierten Polyisocyanaten, welche die
Polyether VII eingebaut enthalten, stellt daher auch eine bevorzugte Ausführungsform
dar.
[0017] Hierbei handelt es sich besonders bevorzugt um auf C
1- bis C
4-Alkanol gestartete Ethylenoxid- oder Propylenoxid-Polyether mit mittleren Molekulargewichten
von 250 bis 7000, insbesondere 450 bis 1500.
[0018] Man kann aus den beschriebenen Diisocyanaten und/oder höher funktionalisierte Polyisocyanaten
auch zuerst durch Umsetzung mit einem Unterschuß an hydroxylgruppenterminierten Polyestern,
an anderen hydroxylgruppenterminierten Polyethern oder an Polyolen, z.B. Ethylenglykol,
Trimethylolpropan oder Butandiol, Präpolymere erzeugen und diese Präpolymere dann
anschließend oder auch gleichzeitig mit den Polyethern VII im Unterschuß zu den hydrophil
modifizierten Polyisocyanaten mit freien NCO-Gruppen umsetzen.
[0019] Es ist auch möglich, nicht-ionisch hydrophil modifizierte Polyisocyanate aus Diisocyanat
bzw. Polyisocyanat und Polyalkylenglykolen der Formel HO-(DO)
n-H, in der D und n die oben genannten Bedeutungen haben, herzustellen. Dabei reagieren
beide endständigen OH-Gruppen des Polyalkylenglykols mit Isocyanat ab.
[0020] Die aufgezählten Arten nicht-ionisch hydrophil modifizierter Polyisocyanate sind
in den Schriften DE-A 24 47 135, DE-A 26 10 552, DE-A 29 08 844, EP-A 0 13 112, EP-A
019 844, DE-A 40 36 927, DE-A 41 36 618, EP-B 206 059, EP-A 464 781 und EP-A 516 361
näher beschrieben.
[0021] Die beschriebenen Diisocyanate und/oder höher funktionalisierten Polyisocyanate werden
zur Überführung in anionisch hydrophil modifizierte Polyisocyanate mit NCO-reaktiven
Verbindungen umgesetzt, die hydrophil machende anionische Gruppen, insbesondere Säuregruppen
wie Carboxylgruppen, Sulfonsäuregruppen oder Phosphonsäuregruppen, enthalten. Dabei
liegt das Diisocyanat bzw. Polyisocyanat im stöchiometrischen Überschuß vor, damit
das resultierende hydrophil modifizierte Polyisocyanat noch freie NCO-Gruppen aufweist.
[0022] Als solche NCO-reaktiven Verbindungen mit anionischen Gruppen kommen vor allem Hydroxycarbonsäuren
wie 2-Hydroxyessigsäure, 3-Hydroxypropionsäure, 4-Hydroxybuttersäure oder Hydroxylpivalinsäure
sowie 2,2-Bis- und 2,2,2-Tris(hydroxymethyl)alkansäuren, z.B. 2,2-Bis(hydroxymethyl)essigsäure,
2,2-Bis(hydroxymethyl)propionsäure, 2,2-Bis(hydroxymethyl)buttersäure oder 2,2,2-Tris(hydroxymethyl)essigsäure,
in Betracht. Die Carboxylgruppen können teilweise oder vollständig durch eine Base
neutralisiert sein, um in einer wasserlöslichen oder wasserdispergierbaren Form vorzuliegen.
Als Base tritt hierbei vorzugsweise ein tertiäres Amin auf, welches bekanntermaßen
gegenüber Isocyanat inert ist.
[0023] Die beschriebenen Diisocyanate und/oder höher funktionalisierten Polyisocyanate können
auch mit einer Mischung aus nicht-ionisch hydrophil modifizierenden und anionisch
hydrophobil modifizierenden Verbindungen, welche nacheinander oder gleichzeitig zugegeben
werden, umgesetzt werden, beispielsweise mit einem Unterschuß aus den Polyethern VII
und den beschriebenen Hydroxycarbonsäuren.
[0024] Die aufgezählten Arten anionisch hydrophil modifizierter Polyisocyanate sind in den
Schriften DE-A 40 01 783, DE-A 41 13 160 und DE-A 41 42 275 näher beschrieben.
[0025] Die beschriebenen Diisocyanate und/oder höher funktionalisierten Polyisocyanate werden
zur Überführung in kationisch hydrophil modifizierte Polyisocyanate mit NCO-reaktiven
Verbindungen umgesetzt, die chemisch eingebaute alkylierbare oder protonierbare Funktionen
unter Ausbildung eines kationischen Zentrums enthalten. Insbesondere sind solche Funktionen
tertiäre Stickstoffatome, welche bekanntermaßen gegenüber Isocyanat inert sind und
sich leicht quaternieren oder protonieren lassen. Bei der Umsetzung von Diisocyanat
bzw. Polyisocyanat mit diesen NCO-reaktiven Verbindungen liegen erstere im Überschuß
vor, damit das resultierende hydrophil modifizierte Polyisocyanat noch freie NCO-Gruppen
aufweist.
[0026] Als derartige NCO-reaktive Verbindungen mit tertiären Stickstoffatomen kommen vorzugsweise
Aminoalkohole der allgemeinen Formel VIII

in der
- R9 und R10
- lineares oder verzweigtes C1- bis C20-Alkyl, insbesondere C1- bis C5-Alkyl, bedeuten oder zusammen mit dem N-Atom einen fünf- oder sechsgliedrigen Ring
bilden, der noch ein O-Atom oder ein tertiäres N-Atom enthalten kann, insbesondere
einen Piperidin-, Morpholin-, Piperazin-, Pyrrolidin-, Oxazolin- oder Dihydrooxazin-Ring,
wobei die Reste R2 und R3 noch zusätzlich Hydroxylgruppen, insbesondere jeweils eine Hydroxylgruppe, tragen
können, und
- R11
- eine C2- bis C10-Alkylengruppe, insbesondere eine C2- bis C6-Alkylengruppe, die linear oder verzweigt sein kann, bezeichnet,
in Betracht.
[0027] Als Aminoalkohole VIII eignen sich vor allem N-Methyldiethanolamin, N-Methyldi(iso)propanolamin,
N-Butyldiethanolamin, N-Butyldi(iso)propanolamin, N-Stearyldiethanolamin, N-Stearyldi(iso)propanolamin,
N,N-Dimethylethanolamin, N,N-Dimethyl(iso)propanolamin, N,N-Diethylethanolamin, N,N-Diethyl(iso)propanolamin,
N,N-Dibutylethanolamin, N,N-Dibutyl(iso)propanolamin, Triethanolamin, Tri(iso)propanolamin,
N-(2-Hydroxyethyl)morpholin, N-(2-Hydroxypropyl)morpholin, N-(2-Hydroxyethyl)piperidin,
N-(2-Hydroxypropyl)piperidin, N-Methyl-N'-(2-hydroxyethyl)piperazin, N-Methyl-N'-(2-hydroxypropyl)piperazin,
N-Methyl-N'-(4-hydroxybutyl)piperazin, 2-Hydroxyethyl-oxazolin, 2-Hydroxypropyl-oxazolin,
3-Hydroxypropyl-oxazolin, 2-Hydroxyethyl-dihydrooxazin, 2-Hydroxypropyldihydrooxazin
oder 3-Hydroxypropyl-dihydrooxazin.
[0028] Weiterhin kommen als derartige NCO-reaktive Verbindungen mit tertiären Stickstoffatomen
vorzugsweise Diamine der allgemeinen Formel IXa oder IXb

in der R
9 bis R
11 die oben genannten Bedeutungen haben und R
12 C
1- bis C
5-Alkyl bezeichnet oder mit R
9 einen fünf- oder sechsgliedrigen Ring, insbesondere einen Piperazin-Ring, bildet,
in Betracht.
[0029] Als Diamine IXa eigenen sich vor allem N,N-Dimethyl-ethylendiamin, N,N-Diethyl-ethylendiamin,
N,N-Dimethyl-1,3-diamino-2,2-dimethylpropan, N,N-Diethyl-1,3-propylendiamin, N-(3-Aminopropyl)morpholin,
N-(2-Aminopropyl)morpholin, N-(3-Aminopropyl)piperidin, N-(2-Aminopropyl)piperidin,
4-Amino-1-(N,N-diethylamino)pentan, 2-Amino-1-(N,N-dimethylamino)propan, 2-Amino-1-(N,N-diethylamino)propan
oder 2-Amino-1-(N,N-diethylamino)-2-methylpropan.
[0030] Als Diamine IXb eignen sich vor allem N,N,N'-Trimethyl-ethylendiamin, N,N,N'-Triethyl-ethylendiamin,
N-Methylpiperazin oder N-Ethylpiperazin.
[0031] Weiterhin können als NCO-reaktive Verbindungen auch Polyether(poly)ole mit eingebauten
tertiären Stickstoffatomen, die durch Propoxylierung und/oder Ethoxylierung von Aminstickstoff
aufweisenden Startermolekülen herstellbar sind, eingesetzt werden. Derartige Polyether(poly)ole
sind beispielsweise die Propoxylierungs- und Ethoxylierungsprodukte von Ammoniak,
Ethanolamin, Diethanolamin, Ethylendiamin oder N-Methylanilin.
[0032] Andere verwendbare NCO-reaktive Verbindungen sind tertiäre Stickstoffatome aufweisende
Polyester- und Polyamidharze, tertiäre Stickstoffatome aufweisende urethangruppenhaltige
Polyole sowie tertiäre Stickstoffatome aufweisende Polyhydroxypolyacrylate.
[0033] Die beschriebenen Diisocyanate und/oder höher funktionalisierten Polyisocyanate können
auch mit einer Mischung aus nicht-ionisch hydrophil modifizierenden und kationisch
hydrophil modifizierenden Verbindungen, welche nacheinander oder gleichzeitig zugegeben
werden, umgesetzt werden, beispielsweise mit einem Unterschuß aus den Polyethern VII
und den Aminoalkoholen VIII oder den Diaminen IXa bzw. IXb. Auch Mischungen aus nicht-ionisch
hydrophil modifizierenden und anionisch hydrophil modifizierenden Verbindungen sind
möglich.
[0034] Die aufgezählten Arten kationisch hydrophil modifizierter Polyisocyanate sind in
den Schriften DE-A 42 03 510 und EP-A 531 820 näher beschrieben.
[0035] Da die genannten hydrophil modifizierten Polyisocyanate in der Regel in wäßrigen
Medien eingesetzt werden, ist für eine ausreichende Dispergierbarkeit der Polyisocyanate
zu sorgen. Vorzugsweise wirken innerhalb der Gruppe der beschriebenen hydrophil modifizierten
Polyisocyanaten bestimmte Umsetzungsprodukte aus Di- bzw. Polyisocyanaten und hydroxylgruppenterminierten
Polyethern (Polyetheralkoholen) wie den Verbindungen VII als Emulgatoren für diesen
Zweck.
[0036] Die erzielten guten Ergebnisse mit den hydrophil modifizierten Polyisocyanaten in
wäßrigen Medien sind um so überraschender, da zu erwarten war, daß Isocyanate sich
in wäßrigem Milieu rasch zersetzen. Trotzdem weisen die erfindungsgemäß eingesetzten
Polyisocyanate in der wäßrigen Flotte eine Topfzeit von mehreren Stunden auf, d.h.
die vorliegenden Polyisocyanat-Dispersionen sind im Rahmen der üblichen Verarbeitungsdauer
stabil. Von einer Dispersion wird gesagt, daß sie stabil ist, wenn ihre Komponenten
ineinander dispergiert bleiben, ohne daß sie sich in diskrete Schichten trennen. Mit
dem Ausdruck "Topfzeit" ist die Zeit gemeint, während der die Dispersionen verarbeitbar
bleiben, bevor sie gelieren und abbinden. Wäßrige Isocyanat-Dispersionen gelieren
und binden ab, weil eine Reaktion zwischen dem Wasser und dem Isocyanat stattfindet,
wobei ein Polyharnstoff entsteht.
[0037] Die Verbindungen können beim erfindungsgemäßen Verfahren zur Herstellung von Cellulosefasern
generell in einem wäßrigen System, vorzugsweise in wäßriger Lösung oder Emulsion,
zur Anwendung gelangen, wobei das wäßrige System im allgemeinen, bezogen auf das Gewicht
des wäßrigen Systems, 0,1 bis 20 Gew.-%, vorzugsweise 0,5 bis 10 Gew.-%, der Verbindungen
aufweist.
[0038] Die Herstellverfahren für aus Lösungsmittel gesponnene Cellulosefasern laufen in
der Regel in 4 Stufen ab.
- Stufe 1:
- Lösen der Cellulose in einem mit Wasser mischbaren Lösungsmittel
- Stufe 2:
- Extrudieren der Lösung durch eine Düse unter Bildung der Faservorstufe.
- Stufe 3:
- Behandlung der Faservorstufe mit Wasser um Lösungsmittel zu entfernen und die Cellulosefaser
auszubilden
- Stufe 4:
- Trocknung der Faser
[0039] Als Lösungsmittel in Stufe 1 wird vorzugsweise N-Methylmorpholin-N-oxid verwendet.
[0040] Die feuchte Faser, die in Stufe 3 erhalten wird, wird als nichtgetrocknete Faser
bezeichnet und weist in der Regel, bezogen auf das Trockengewicht der Faser, 120 bis
150 Gew.-% Wasser auf.
[0041] Der Wassergehalt der getrockneten Faser beträgt im allgemeinen, bezogen auf das Trockengewicht
der Faser, 60 bis 80 Gew.-%.
[0042] Die erfindungsgemäße Behandlung mit den Verbindungen kann entweder an der feuchten
Faser (während oder nach Stufe 3) oder an der getrockneten Faser (nach Stufe 4) erfolgen.
Es ist aber auch eine Behandlung im Stadium der Faserherstellung (Stufe 2), z.B. in
einem Fällbad, möglich.
[0043] Wenn die Behandlung an der feuchten Faser erfolgt, so kann dies beispielsweise durch
Zugabe des wäßrigen Systems der Verbindungen zu einem zirkulierenden Bad geschehen,
das die Faservorstufe enthält. Die Faservorstufe kann dabei z.B. als Stapelfaser vorliegen.
[0044] Wenn die Behandlung an der getrockneten Faser erfolgt, so kann diese z.B. als Stapelfaser,
Vlies, Garn, Maschenware oder Gewebe vorliegen. Die Behandlung der Fasern in diesem
Fall kann z.B. in wäßriger Flotte erfolgen.
[0045] Im Gegensatz zu der in der EP-A-538 977 beschriebenen Methode kann im erfindungsgemäßen
Verfahren auf die Anwesenheit von Alkali verzichtet werden.
[0046] Die Behandlung wird in der Regel bei einer Temperatur von 20 bis 200°C, vorzugsweise
40 bis 180°C, vorgenommen. Dabei erfolgt eine chemische Reaktion der Verbindungen
mit den Hydroxygruppen der Cellulose, wobei auch eine chemische Verknüpfung zwischen
Hydroxygruppen verschiedener Cellulose-Fibrillen möglich ist. Dadurch wird die Stabilität
der Faser erhöht.
[0047] Die Zeitdauer der Behandlung beträgt üblicherweise 1 Sekunde bis 20 Minuten, vorzugsweise
5 bis 60 Sekunden und insbesondere 5 bis 30 Sekunden.
[0048] Beim Imprägnierverfahren kann die Behandlung sowohl bei Raumtemperatur (20°C) mit
anschließender Trocknung bis 100°C als auch bei Durchführung von Kondensationen bei
Temperaturen bis zu 200°C, insbesondere bei 150 bis 180°C, erfolgen.
[0049] Die Behandlung der feuchten oder getrockneten Faser kann mit 0,1 bis 10 Gew.-%, vorzugsweise
0,2 bis 5 Gew.-%, insbesondere 0,2 bis 2 Gew.-%, jeweils bezogen auf das Trockengewicht
der Faser, der Verbindungen erfolgen. In manchen Fällen kann es jedoch auch vorteilhaft
sein, die genannten Mengen noch zu erhöhen, z.B. bis auf ca. 20 Gew.-%.
[0050] Bei der Behandlung können weitere hierbei übliche Hilfsmittel in den hierfür üblichen
Mengen mitverwendet werden. Insbesondere sind hier Antimigrationsmittel, beispielsweise
auf Basis von Oxethylierungsprodukten, zu erwähnen.
[0051] Wie bereits ausgeführt, können die Verbindungen gegenüber den in der EP-A-538 977
beschriebenen Verbindungen rein thermisch (ohne Alkali) fixiert werden, wodurch sie
sich optimal in den Faserherstellungsprozeß integrieren lassen. Die Anfärbbarkeit
der so behandelten Fasern mit allen üblichen Cellulosefaserfarbstoffen, auch Reaktivfarbstoffen,
ist in der Regel möglich.
[0052] Unter Anwendung der in der EP-A-538 977 beschriebenen Testmethoden, auf die hier
ausdrücklich Bezug genommen wird, können vorteilhafte Ergebnisse erzielt werden.