[0001] Die Erfindung betrifft die Verwendung von Rohren mit Abschnitten unterschiedlicher
Wanddicke zur Herstellung von Karosserieteilen oder Fahrwerkskomponenten.
[0002] Durch die DE 33 43 709 A1 gehört ein Verfahren zur Formung von Rahmenteilen für Kraftfahrzeuge
zum Stand der Technik, bei dem ein Metallblech zunächst so gewalzt wird, daß parallele
Vertiefungen gebildet werden. Diese unterschiedlichen Wanddicken sollen sich dadurch
ergeben, daß die Walze im Durchmesser unterschiedlich große Abschnitte hat.
[0003] Das gewalzte Metallblech wird anschließend zugeschnitten und die einzelnen Stücke
in Längsrichtung gebogen. Auf diese Weise können Rahmenteile geschaffen werden, die
im Querschnitt zwar unterschiedliche Wanddicken haben, jedoch über die Länge gesehen
stets gleich bleibende Querschnitte aufweisen. Es ist nicht möglich, in Längsrichtung
der Rahmenteile in der Wanddicke partiell reduzierte Bereiche zu schaffen, um den
jeweiligen örtlichen Spannungsspitzen gezielt Rechnung zu tragen. Hierauf zielt jedoch
die Erfindung ab.
[0004] Durch die EP-A-0 620 056 ist ein Rohr bekannt mit in Achsrichtung unterschiedlichen
Wanddicken, welches als Strukturbauteil Verwendung findet. Die Fertigung des Rohrs
erfolgt aus einzelnen Rohrabschnitten unterschiedlichen Innendurchmessers, die aneinander
geschweißt werden. Dies ist mit einem hohen Fertigungsaufwand verbunden. Zudem stellen
die radialen Schweißnähte in den Übergangsbereichen zwischen den unterschiedlich dicken
Rohrabschnitten potentielle Schwachstellen dar.
[0005] Der Erfindung liegt ausgehend vom Stand der Technik die Aufgabe zugrunde, die Herstellung
von Karosserieteilen oder Fahrwerkskomponenten, welche über ihre Länge gesehen unterschiedlichen
Belastungen ausgesetzt sind, in material- und gewichtssparender Bauweise wirtschaftlicher
zu gestalten.
[0006] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Verwendung eines Rohrs mit in Längsrichtung
unterschiedlichen Wanddicken aufweisenden Abschnitten zur Herstellung von Karosserieteilen
oder Fahrwerkskomponenten von Kraftfahrzeugen gelöst, bei dem zunächst eine gezielte
walzende Verformung des Ausgangsblechs mit in Walzrichtung bereichsweise wechselnden
Blechdicken vorgenommen worden ist. Anschließend wird das gewalzte Blech bedarfsgerecht
beschnitten. Das so entstandene Zwischenprodukt wird dann zu einem Rohr geformt und
entlang der Stoßkanten fügetechnisch verbunden.
[0007] Das verwendete Rohr weist in Längsachsrichtung Abschnitte unterschiedlicher Wanddicke
auf. Dieses bereichsweise wanddickenreduzierte Rohr wird für die Herstellung von Bauteilen
verwendet, die unter äußerer Belastung stehen, bei denen aber die auftretenden Spannungen
aufgrund der Bauteilkonstruktion verteilt über das Bauteil in unterschiedlicher Höhe
vorliegen. Beispiele für derart unterschiedlich stark belastete Bauteile sind Karosserieteile
oder Fahrwerkskomponenten von Kraftfahrzeugen. Werden die Bauteile nach der Maximalbelastung
dimensioniert, führte dies bisher nicht nur zu einem unnötigen Materialeinsatz, sondern
vor allem auch zu einem unnötigen Gewicht. Diese Nachteile werden erfindungsgemäß
dadurch vermieden, daß die Rohre, die zur Herstellung der Bauteile verwendet werden,
entsprechend der späteren Belastung in den einzelnen Bereichen der Bauteile unterschiedlich
dimensioniert sind. Damit wird man den zu erwartenden späteren Belastungen gerecht
und kann darüberhinaus auch Material und damit Gewicht einsparen.
[0008] Zweckmäßigerweise wird als Ausgangsmaterial ein Metallblech eingesetzt mit einer
der größten Wanddicke des zu fertigenden Rohrs entsprechenden Dicke. Selbstverständlich
kann aber auch das Ausgangsmaterial mit einem entsprechenden Übermaß bereitgestellt
werden. Vorteilhaft wird das Ausgangsmaterial von einem Coil abgezogen und der walztechnischen
Weiterverarbeitung zugeführt.
[0009] Auf die spätere Verwendung der hergestellten Rohre abgestimmt erfolgt dann eine gezielte
partielle Wanddickenreduktion durch Walzen. In diesem Zusammenhang erlaubt es die
Erfindung durchaus, die Walzrichtung den jeweiligen Konfigurationen des späteren Rohrs
anzupassen. Dabei können die Ausgangsbleche auch zweimal oder ggf. mehrfach in verschiedenen
Richtungen partiell gewalzt werden. Dadurch kann die jeweilige Dicke entsprechend
den Erfordernissen beliebig auch stufenweise variiert werden. Verschiedene Abstreckraten
und unterschiedliche Übergangsbereiche zwischen den dickeren und dünneren Bereichen
sind möglich.
[0010] Die Übergänge von einem Blechdickenbereich zum anderen können stufenlos oder gestuft
sein.
[0011] Das Walzen kann in einem Zweiwalzengerüst erfolgen. Durch Variation der Walzengeometrie
im Walzeneinlauf kann die Symmetrie bezüglich der Mittelquerebene in vorgebbaren Grenzen
beeinflußt werden.
[0012] Das so gezielt verformte Blech weist bewußt variierende Querschnitte auf, um entsprechend
dem Einsatzfall diversen Bereichen genau diejenigen Wanddicken zu vermitteln, welche
auf die jeweiligen Belastungen und damit auch die örtlich voneinander abweichenden
Spannungsspitzen abgestimmt sind, denen diese Bereiche im praktischen Einsatz ausgesetzt
werden.
[0013] Im Anschluß an die walztechnische Verformung wird das Blech auf Maß geschnitten,
um die Längsachse zu einem Rohr umgeformt und entlang der Stöße fügetechnisch verbunden.
Dies geschieht üblicherweise durch Verschweißen der Stöße. Hierzu stehen unterschiedliche
Verfahren zur Verfügung, beispielsweise Laser-, Schutzgas-, Induktiv- oder Widerstandsschweißen.
[0014] Da mit dem Abstreckverfahren sowohl symmetrische als auch stark unsymmetrische Geometrien
erzeugt werden können, empfiehlt es sich, die mit den weniger stark ausgebildeten
Absätzen versehene Seite oder die annähernd glatt ausgebildete Seite auf die Außenseite
des Rohrs zu legen.
[0015] Das gewalzte Blech kann vor der umformtechnischen Weiterverarbeitung in parallel
zur Walzrichtung verlaufende Blechstreifen geteilt werden. Auf diese Weise lassen
sich aus einer großen Ausgangsplatine mehrere Rohre gleicher Konfiguration herstellen.
[0016] Die Umformung der Bleche oder Blechstreifen zu Rohren kann in einem Einrollwalzwerk
vorgenommen werden. Eine weitere vorteilhafte Ausführungsform sieht vor, aus den gewalzten
Blechen in einem Gesenk zunächst ein Halbkreisprofil zu prägen und anschließend in
einem weiteren Prägeschritt die Fertigformung zum Rohr vorzunehmen.
[0017] Im Bedarfsfall kann auch eine Teilung eines Rohrs in kürzere Längenabschnitte vorgenommen
werden.
[0018] Die Erfindung ist nachfolgend mit Bezug auf die Zeichnungen beschrieben. Es zeigen:
- Figur 1
- in perspektivischer Darstellungsweise ein abgestrecktes Blech mit bereichsweise unterschiedlichen
Blechdicken;
- Figur 2
- ein Blech gemäß der Figur 1 in der Draufsicht;
- Figur 3
- eine weitere Ausführungsform eines Blechs in der Seitenansicht und
- Figur 4
- den Umformvorgang einer Platine zu einem Rohr in drei Teildarstellungen.
[0019] In der Figur 1 ist ein Ausschnitt eines Blechs 1 dargestellt, bei dem durch eine
gezielte walzende Verformung Bereiche 2-5 abgestreckt worden sind mit in Walzrichtung
WR wechselnden Blechdicken s
2 bis s
5.
[0020] In den Übergangsbereichen 6, 7 und 8 gehen die Bereiche 2-5 jeweils durch eine Schräge
9, 10, 11 nahezu stufenlos ineinander über.
[0021] Auf der Unterseite 12 weist das Blech 1 eine annähernd glatte Oberfläche 13 auf.
Die Figur 2 zeigt ein Blech 1 in der Draufsicht. Bei dem verformten Blech 1 weisen
die Bereiche 2-5 gezielt solche Wanddicken auf, die abgestimmt sind auf die jeweiligen
Belastungen und Spannungsspitzen, denen ein aus dem Blech 1 gefertigtes Rohr unterliegt
bzw. die sich aus dessen praktischer Verwendung als Konstruktionsbauteil ergeben.
[0022] In der Figur 3 ist ein Blech 14 dargestellt, welches über eine unsymmetrische Geometrie
verfügt, bezogen auf seine Mittelquerebene MQ mit Bereichen 15-18 unterschiedlicher
Blechdicke s
15-s
16· Sowohl die Oberseite 19 als auch die Unterseite 20 vom Blech 14 variieren dementsprechend
stufenweise in unterschiedlichen Abstreckraten.
[0023] Da die Oberfläche 19 die größeren Abstufungen aufweist, wird die Umformung des Blechs
14 zu einem Rohr zweckmäßigerweise so vorgenommen, daß die Oberseite 19 die Innenseite
des Rohrs und die Unterseite 20 die Außenseite des Rohrs bilden.
[0024] Die Herstellung eines Rohrs aus einer Platine 21 ist anhand der Figur 4 technisch
generalisiert beschrieben.
[0025] Auf diese Weise lassen sich Rohre wirtschaftlich und mit hoher Genauigkeit herstellen.
Vor der Umformung zum Rohr ist die anfangs ebene Platine bereichsweise in ihrer Wanddicke
walzend reduziert und anschließend entsprechend beschnitten worden. Die unterschiedliche
Dimensionierung der Wanddicke ist auf die spätere Belastung des weiter verarbeiteten
Rohrs im praktischen Betrieb abgestimmt.
[0026] Die Platine 21 wird in eine Matrize 22 eingelegt (Figur 4, oben) und durch einen
Stempel 23 belastet, wie dies durch den Pfeil F angedeutet ist. Dabei wird die Platine
21 in die Matrizenform 24 gezwungen und ein Halbkreisprofil 25 geprägt (Figur 4, Mitte).
[0027] Im nächsten Schritt erfolgt die Umformung zu einem Rohr 26 in der Matrizenform 24
mit Hilfe des Stempels 27, der eine entsprechend auf das Rohr 26 abgestimmte Konfiguration
mit einer Gegenform 28 aufweist (Figur 4, unten).
[0028] Im Anschluß daran werden die Stoßkanten 29, 30 mittels automatischem Laserschweißens
mit Nahterkennung und -nachführung gefügt.
[0029] Das so fertiggestellte Rohr 26 steht dann für die weitere Verarbeitung zur Verfügung.
Es weist in, Achsrichtung Abschnitte mit unterschiedlichen Wanddicken auf. Diese Konfiguration
ist präzise abgestimmt auf die spätere Verwendung des Rohrs und die dabei auftretenden
Belastungen und Spannungen, denen das Rohr 26 dann unterliegt.