[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren sowie eine Vorrichtung zum Reinigen einer Druckmaschinenzylinderoberfläche,
oder auch eines Zylinderaufzuges oder einer Folie gemäß den Oberbegriffen von Haupt-
und Nebenanspruch.
[0002] In Druckmaschinen ist es üblich Verschmutzungen aufweisende Walzen bzw. Zylinder
mit einem Reinigungsfluid zu benetzen und dadurch die Verschmutzungen abzulösen. Als
Reinigungsfluide sind dabei Wasser, vorzugsweise kohlenwasserstoffhaltige Lösemittel
sowie vegetabile Waschmittel gebräuchlich. Um diese Verschmutzungen zu beseitigen
sind Waschvorrichtungen bekannt, wie beispielsweise aus der EP 0 419 289 A2 oder der
EP 0 414 909 B1. Diese Waschvorrichtungen dienen der Beseitigung von Verschmutzungen,
die häufig von Papierstaub und Druckfarbe gebildet werden.
[0003] Beispielsweise aus den DE 4 207 119 A1 oder DE 4 230 567 A1 sind Mantelflächen mit
Oberflächenstrukturen bei Druckmaschinenzylindern, insbesondere Gegendruckzylindern
bekannt, die aufgrund ihrer Struktur zum Verschmutzen neigen. Die Verschmutzungen
setzen sich in den Strukturtälern ab und bestehen dabei häufig aus Rückständen von
Papierstaub und ausgehärteten Druckfarbenresten, die beim turnusmäßigen Waschvorgang
mit üblichen Waschvorrichtungen nicht mehr beseitigt werden können.
[0004] Werden diese ausgehärteten Rückstände nicht beseitigt, wirkt sich dies negativ auf
die Druckqualität, insbesondere bei Schön- und Widerdruck, aus. Die Folge ist, daß
der Zylinderaufzug oder die Folie gewechselt werden müssen. Gegebenenfalls muß ein
Druckmaschinenzylinder mit ausgehärteter Druckfarbe sogar ausgetauscht werden, was
zwangsläufig sehr aufwendig ist.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Reinigung einer
Druckmaschinenzylinderoberfläche bzw. eines Zylinderaufzuges oder einer Folie von
stark anhaftenden Verschmutzungen, wie Papierstaub und ausgehärteten Druckfarben,
zu entwickeln, die auch Oberflächenstrukturen mit Strukturtälern ausreichend reinigen.
[0006] Gelöst wird dies durch die Ausbildungsmerkmale der Patentansprüche 1 und 10.
[0007] Vorteil des Verfahrens ist es, daß je nach Verschmutzungsgrad das Reinigen in den
turnusmäßigen Reinigungsprozeß integriert werden kann oder auch bei besonders starker
Verschmutzung bei Druckmaschinenstillstand erfolgen kann. So erhöht sich bei einer
längeren Einwirkungszeit des Reinigungsmittels auf die Druckmaschinerzylinderoberfläche
bzw. den Aufzug bzw. die Folie auch der Reinigungseffekt. Dies kann insbesondere bei
Wartungsstillstand oder bei sonstigem Maschinenstillstand vorteilhaft ausgenutzt werden.
Das Reinigungsmittel kann manuell oder auch automatisiert auf die Druckmaschinenzylinderoberfläche
aufgetragen werden. Nach einer definierten Einwirkzeit wird das Reinigungsmittel unter
Einsatz eines Reinigungsfluides, vzw. von Wasser oder Wasserdampf, von der Mantelfläche
abgewaschen. Das Abwaschen kann dabei bevorzugt mit einer Walzen-, einer Tuchwaschvorrichtung
oder einer Hochdruckwaschvorrichtung erfolgen.
[0008] Bei dem Reinigungsmittel handelt es sich um ein alkalisches Reinigungsgel auf wäßriger
Basis mit folgenden möglichen Rezepturen:
- Rezeptur 1 :
- - anorganische Lauge, vzw. 10 - 25 Gew.-% NaOH,
- Glykolether, vzw. 2-10 Gew.-% 1-Methoxy-2-propanol,
- Tenside,
- Verdickungsmittel .
- Rezeptur 2 :
- - anorganische Lauge, vzw. 10 - 25 Gew.-% NaOH,
- Tenside,
- Verdickungsmittel .
- Rezeptur 3 :
- - anorganische Lauge, vzw. 10 - 25 Gew.-% NaOH,
- Verdickungsmittel .
[0009] Die Erfindung soll an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert werden.
[0010] Dabei zeigen:
- Fig. 1
- eine Druckeinheit einer Offsetdruckmaschine,
- Fig. 2
- eine Rasterwalze.
[0011] Die gemäß Fig. 1 dargestellte Druckeinheit besteht in bekannter Weise aus einem Farbwerk
1, einem Feuchtwerk 2 und einem Plattenzylinder 3. Dem Plattenzylinder 3 ist ein Gummituchzylinder
4 benachbart und dem Gummituchzylinder 4 ist weiterhin ein Druckmaschinenzylinder
5 als Gegendruckzylinder zugeordnet. Gummituchzylinder 4 und Druckmaschinenzylinder
5 besitzen je eine an sich bekannte Waschvorrichtung 6. Im vorliegenden Fall ist dies
eine Bürstenwalzen-Waschvorrichtung. Dem Druckmaschinenzylinder 5 ist weiterhin eine
Reinigungsvorrichtung 7 an- und abstellbar zugeordnet, welche im Bereich des Zylinderkanals
außer Kontakt mit dem Druckmaschinenzylinder 5 bringbar ist. Die Reinigungsvorrichtung
7 besteht aus einer antreibbaren Auftragwalze 9, vzw. einer Rasterwalze, die auf der
Mantelfläche verteilt eine Vielzahl von Näpfchen 11 und Stegen 10 aufweist. Die Auftragwalze
9 besitzt weiterhin eine elastomere Oberfläche und ist von einem Kammerrakel umschlossen,
welches durch die Rakel 8 als Dosiereinrichtung und das Gehäuse 12 für die Zuführung
des Reinigungsmittels gebildet ist. Rakel 8 sind als Arbeits- und Schließrakel je
nach Drehrichtung der Auftragwalze 9 angestellt. Das Kammerrakel besitzt Leitungen
für die Zuführung und Abführung von Reinigungsmittel.
[0012] In weiteren Ausbildungen kann der Auftragwalze 9 auch ein Behälter zur Aufnahme des
Reinigungsmittels oder eine Zuführeinrichtung für das Reinigungsmittel mit je einem
Arbeitsrakel 8 zugeordnet sein.
[0013] Die Wirkungsweise ist wie folgt: Ist die strukturierte Oberfläche des Druckmaschinenzylinders
5 verschmutzt, wird diese vorzugsweise mit einer Waschvorrichtung vorgereinigt. Anschließend
wird dem Gehäuse 12 des Kammerrakels das Reinigungsmittel vorzugsweise unter Druck
zugeführt. Verwendet wird im vorliegenden Beispiel das Reinigungsmittel gemäß o.g.
Rezeptur 1. Die Auftragwalze 9, hier als Rasterwalze, rotiert und nimmt mit den Näpfchen
11 Reinigungsmittel aus dem Gehäuse 12 auf Das Arbeitsrakel 8 dosiert an den Stegen
10 das überschüssige Reinigungsmittel, die Näpfchen 11 transportieren das gewünschte
Reinigungsmittel weiter auf den Druckmaschinenzylinder 5 zu. Die Reinigungsvorrichtung
7, speziell die rotierende gerasterte Auftragwalze 9 wird an den Druckmaschinenzylinder
5 angestellt, so daß die Näpfchen 11 das Reinigungsmittel an die Oberfläche des Druckmaschinenzylinders
5 übergeben können. Der Druckmaschinenzylinder 5 wird dabei ebenfalls in Rotation
versetzt. Mittels einer winkelkorrelierten Maschinensteuerung wird bei Durchgang eines
Zylinderkanals die Reinigungsvorrichtung 7 von der Oberfläche des Druckmaschinenzylinders
5 außer Kontakt gebracht. Zum Auftragen des Reinigungsmittels auf die Oberfläche reicht
eine Zylinderumdrehung, wobei je nach verwendeter Auftragwalze 9 und aufzutragender
Schichtdicke auch mehrere Zylinderumdrehungen für den Auftrag des Reinigungsmittels
möglich sind. Ist die Oberfläche des Druckmaschinenzylinders 5 vollständig mit Reinigungsmittel
versehen, so wird die Reinigungsvorrichtung 7 abgestellt, der Druckmaschinenzylinder
5 wird stillgesetzt. Das Reinigungsmittel bildet aufder Zylinderoberfläche einen gelartigen
Film und wirkt nun eine Zeit von beispielsweise 2 Stunden auf die strukturierte Oberfläche
des Druckmaschinenzylinders 5 ein. Dabei verbleibt das Reinigungsmittel auf dem Umfang
des Druckmaschinenzylinders 5 haften. Nach Beendigung der Einwirkzeit wird die Waschvorrichtung
6 an den Mantel des Druckmaschinenzylinders 5 angestellt und wäscht mittels Wasser
das Reinigungsmittel von der Oberfläche ab. Für das das Reinigungsmittel aufnehmende
Waschwasser (Gemisch aus Reinigungsfluid, z.B. Wasser, und Reinigungsmittel gem. Rezeptur
1) ist ein separates Leitungssystem für die Abfuhr angeordnet.
[0014] Die Wirkungsweise ist für Reinigungsmittel gemäß den Rezepturen 2 und 3 analog, wobei
je nach Zusammensetzung die Einwirkzeit veränderlich ist..
Bezugszeichenliste
[0015]
- 1
- Farbwerk
- 2
- Feuchtwerk
- 3
- Plattenzylinder
- 4
- Gummituchzylinder
- 5
- Druckmaschinenzylinder
- 6
- Waschvorrichtung
- 7
- Reinigungsvorrichtung
- 8
- Rakel
- 9
- Auftragwalze
- 10
- Stege
- 11
- Näpfchen
- 12
- Gehäuse
1. Verfahren und Vorrichtung zum Reinigen einer Druckmaschinenzylinderoberfläche,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein wäßriges alkalisches Reinigungsmittel auf die Oberfläche aufgetragen wird,
das Reinigungsmittel eine definierte Zeit auf die Oberfläche einwirkt und anschließend
mit einem Reinigungsfluid von der Oberfläche entfernt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Zeitdauer der Einwirkung mindestens 60 Minuten beträgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Reinigungsmittel mindestens aus einer anorganischen Lauge und einem Verdickungsmittel
gebildet wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Reinigungsmittel Tenside enthält.
5. Verfahren nach Anspruch 3 und 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Reinigungsmittel Glykolether enthält.
6. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die anorganische Lauge in einer Konzentration von 10 bis 25 Gew.-% NaOH vorliegt.
7. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Glykolether in einer Konzentration von 2 bis 10 Gew.-% 1-Methoxy-2-propanol
vorliegt.
8. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß vor dem Auftragen des Reinigungsmittels auf die Oberfläche des Druckmaschinenzylinders
die Oberfläche mit einem Reinigungsfluid gewaschen wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Reinigungsfluid ein vegetabiles Waschmittel ist.
10. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Vorrichtung durch eine an die Oberfläche des Druckmaschinenzylinders, des
Aufzuges, der Folie an- und abstellbare und im Bereich eines Zylinderkanals außer
Kontakt bringbare Auftragwalze mit Zuführeinrichtung für das Reinigungsmittel und
einer Dosiereinrichtung für die Menge des Reinigungsmittels gebildet ist.
11. Vorrichtung nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Auftragwalze eine Rasterwalze mit einer elastomeren Oberfläche mit auf der
Mantelfläche verteilt angeordneten Näpfchen (11) und Stegen (10) aufweist.
12. Vorrichtung nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Zuführeinrichtung ein Behälter für die Aufnahme des Reinigungsmittels ist,
in dem die Auftragwalze eintaucht und die Dosiereinrichtung ein Rakel (8) ist.
13. Vorrichtung nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Auftragwalze als Rasterwalze von einem Kammerrakel mit einem Arbeits- und
einem Schließrakel umgeben ist und ein Leitungssystem für die Zuführ und Abfuhr des
Reinigungsmittels aufweist.
14. Vorrichtung nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
daß dem Druckmaschinenzylinder eine weitere Waschvorrichtung (6) benachbart zugeordnet
ist.