[0001] Die Erfindung liegt auf dem Gebiete der Weiterverarbeitung von Druckereierzeugnissen
und begeht sich auf ein Verfahren und eine Vorrichtung gemäss dem Oberbegriff der
entsprechenden, unabhängigen Patentansprüche.
[0002] Das erfindungsgemässe Verfahren und die Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens
dienen zum Klebebinden, das heisst zum Verbinden einer Mehrzahl von aufeinander gestapelten
Teilprodukten im Bereiche einer Stapelfläche zur Herstellung von Fertigprodukten mit
geklebtem Rücken, wobei ein Teilprodukt aus einem einzelnen Blatt, aus einem einfach
oder mehrfach gefalteten Bogen oder aus mehreren ineinander gelegten, einfach gefalteten
Bogen bestehen kann. Die Produkte bestehen dabei aus einem faserhaltigen Material,
beispielsweise aus Papier. Die durch die Klebebindung hergestellten Produkte sind
beispielsweise Zeitschriften, Broschüren, Bücher oder ähnliches. Der Kleberücken kann
weiter mit einem Rückenstreifen, der ein Teil der Deckblätter des fertigen Produktes
sein kann, überdeckt werden.
[0003] Solange einzelne Blätter oder einfach gefaltete Teilprodukte, das heisst je zwei
durch eine Faltkante miteinander verbundene Seiten, miteinander durch einen Kleberücken
zu verbinden sind, kann dies ohne grossen Aufwand getan werden. Es ist lediglich dafür
zu sorgen, dass der verwendete Klebstoff derart zwischen die Teilprodukte eindringt,
dass einerseits die Teilprodukte genügend aneinander gehalten werden und dass andererseits
das Öffnen des fertigen Produktes durch die gegenseitige Verklebung der Teilprodukte
nur minimal behindert wird, wobei eine minimale derartige Behinderung nicht vermieden
werden kann.
[0004] Sind aber mehrlagige, gefaltete Teilprodukte, also beispielsweise mehrfach gefaltete
Bogen oder eine Mehrzahl von ineinander liegenden, einfach gefalteten Bogen mittels
eines Kleberückens miteinander zu verbinden, ergibt sich ein weiteres, zu lösendes
Problem: zusätzlich dazu, dass Kanten oder Faltkanten von Teilprodukten miteinander
zu verbinden sind, muss die verbindende Wirkung des Klebstoffes auch durch die äusseren
Faltkanten hindurch die inneren Faltkanten erreichen, derart, dass auch die inneren
Teile jedes Teilproduktes am Kleberücken festgehalten werden.
[0005] Gemäss dem Stande der Technik werden Kleberücken für aus mehrlagigen Teilprodukten
bestehende Produkte hergestellt, indem die durch die Faltkanten der mehrlagigen Teilprodukten
gebildete Rückenfläche abgefräst wird derart tief, dass alle Faltkanten (gegebenenfalls
ohne die innerste Faltkante) entfernt werden und dadurch eigentlich ein Stapel von
ungefalteten Einzelblättern entsteht, der dann wie ein solcher verleimt wird. Zwischen
Fräsen und Leimen wird die Rückenfläche meist noch entstaubt. Derartige Verfahren
sind weitverbreitet, obschon sie vorrichtungsmässig relativ aufwendig sind und auch
verfahrensmässig mindestens zwei Nachteile mit sich bringen: erstens erzeugen sie
eine sehr hohe Menge von Abfall, der in Form von Fräs-Spänen anfällt und aus dem Verfahren
abgesaugt werden muss, und zweitens verlieren die einzelnen Seiten jedes Teilproduktes
durch das Fräsen ihren inhärenten Zusammenhang, der durch die Faltkante gegeben war,
derart, dass die Klebeverbindung bedeutend stärker sein muss als wenn die einzelnen
Seiten mindestens teilweise zusätzlich über Faltkanten miteinander verbunden sind.
[0006] Den beiden oben genannten, verfahrensmässigen Nachteilen wird gemäss anderen, bekannten
Verfahren begegnet dadurch, dass nicht die ganze Rükkenfläche abgefräst wird, sondern
nur Teilbereiche davon, welche Teilbereiche sich über die ganze Rückenbreite (Richtung
der Dicke des fertigen Produktes) erstrecken und üblicherweise mehr oder weniger regelmässig
über die Rückenhöhe (Länge der durch den Kleberücken miteinander verbundenen Teilprodukte-Kanten)
verteilt sind. Verliebte derartige Teilbereiche wirken innerhalb jedes mehrlagigen
Teilproduktes wie Heftklammern oder Heftfäden, mit denen ineinander gefaltete Bogen
ebenfalls nur an bestimmten Stellen miteinander verbunden werden. Zwischen den verklebten
Teilbereichen bleiben die Faltkanten und damit der Zusammenhalt von je zwei Seiten
im fertigen Produkt bestehen, welcher Zusammenhalt mit zur Stabilität des Endproduktes
beiträgt.
[0007] In ähnlicher Weise wirken Verfahren, nach denen durch die mehrlagigen Faltkanten
gebohrt oder gestochen wird und in die derart hergestellten Öffnungen Klebstoff eingebracht
wird. Auch derartige Klebestellen wirken wie Heftungen (Klebeheftungen) und halten
die einzelnen Lagen der Teilprodukte zusammen, derart, dass diese klebegehefreten
Teilprodukte in einem darauffolgenden Verfahrensschritt oder mit einer in den Klebeheft-Schritt
integrierten Rückenverleimung mit einem Kleberücken versehen und damit miteinander
verbunden werden. Klebeheftverfahren sind beispielsweise beschrieben in den Publikationen
EP-0628429 (F357), EP-0664226 (F364) und EP-0662440 (F365). Gemäss Publikation EP-390734
(P0319) wird der Klebstoff auch durch die lagen geschossen, ohne dass mit einem Werkzeug
eine entsprechende Öffnung eingebracht werden muss.
[0008] Ferner ist in den Publikationen EP-390733 (oder US-5350268, P0305) und EP-409770
(oder US-5193851, P0334) ein Verfahren beschrieben, in dem eine Mehrzahl von einfach
gefalteten Produkten gesammelt wird, wobei zwischen den einzelnen Sammelschritten
die jeweils äusserste Faltkante mit Klebstoff behandelt wird, so dass die im folgenden
Sammelschritt darauf positionierte Faltkante daran haftet, wodurch heftförmige Teilprodukte
entstehen, die zu einem Teilprodukt zusammengefügt werden, indem sie wie einfach gefaltete
Bogen mit einem Kleberücken versehen werden.
[0009] Alle beschriebenen Verfahren zur Herstellung von Kleberücken zur Verbindung von Teilprodukten
mit mehrlagigen Faltkanten sind recht aufwendig und teilweise auch nur für ganz bestimmte
Teilprodukte anwendbar. Es ist deshalb die Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren und
eine Vorrichtung zur Verbindung von Teilprodukten mittels Kleberücken zu schaffen,
mit denen in einer bedeutend einfacheren Art insbesondere Teilprodukte mit mehrlagigen
Faltkanten miteinander verbindbar sind. Verfahren und Vorrichtung sollen für eine
Hochleistungsverarbeitung geeignet sein. Ferner sollen sie möglichst universell anwendbar
sein, das heisst, sie sollen beispielsweise ebenso vorteilhaft anwendbar sein zur
Verbindung von Einzelblättern, zur Verbindung von einfach gefalteten Teilprodukten
(mit einer einlagigen Faltkante) oder zur Verbindung der einzelnen lagen eines einzigen
Produktes mit einer mehrlagigen Faltkante und sie sollen in allen Anwendungsbereichen
Produkte ergeben, die bezuglich Qualität den nach dem Stande der Technik erzeugten
Produkten mindestens ebenbürtig sind und die sich insbesondere mindestens gleich gut
öffnen lassen.
[0010] Diese Aufgabe wird gelöst durch das Verfahren und die Vorrichtung, wie sie in den
Patentansprüchen definiert sind.
[0011] Das erfindungsgemässe Verfahren beruht darauf, die durch Verleimung zu verbindenden
Kanten der aufeinander gestapelten Teilprodukte mit einem reissenden oder aufrauenden
Werkzeug (im Gegensatz zu einem schneidenden Werkzeug) derart zu behandeln, dass mehrlagige
Faltkanten mindestens bereichsweise ganz aufgerissen werden. Durch das Reissen oder
Rauhen entstehen zu verklebende Kantenbereiche, die aus Fasern bestehen, die nur noch
teilweise im Verbund des Papiers haften und über die effektive Papierkante vorstehen.
Diese Fasern verankern nicht nur die zu verleimenden Blätter gut im Klebstoff des
Kleberückens sondern stellen auch einen verklebten Bereich dar, der dünner und flexibler
ist als die ganze Papierlage, wodurch das fertig verleimte Produkt besser geöffnet
werden kann.
[0012] Durch entsprechende Wahl des reissenden oder aufrauhenden Werkzeuges und durch entsprechende
Einrichtung der relativen Bewegung zwischen reissendem Werkzeug und zu behandelnden
Kanten können die Eigenschaften der behandelten, zu verleimenden Kanten vorteilhaft
beeinflusst werden, dadurch, dass die Fasern des Kantenbereichs nach der Behandlung
mit dem reissenden Werkzeug möglichst vollständig und möglichst geordnet über die
Papierkante ragen.
[0013] Anhand der folgenden Figuren sollen das erfindungsgemässe Verfahren und die erfindungsgemässe
Vorrichtung mehr im Detail beschrieben werden. Dabei zeigen:
- Figur 1
- in schematischer Darstellung das erfindungsgemässe Verfahren anhand von aufeinanderfolgenden
Phasen eines beispielhaften entstehenden Produktes mit Kleberücken, das aus einer
Mehrzahl von mehrseitigen Teilprodukten hergestellt wird;
- Figur 2
- eine mit einem reissenden Werkzeug behandelte Blattkante in einem grösseren Massstab;
- Figur 3
- einen Schnitt durch einen nach dem erfindungsgemässen Verfahren hergestellten Kleberücken;
- Figuren 4a bis 4c
- drei verschiedene beispielhafte Kleberücken hergestellt nach dem erfindungsgemässen
Verfahren;
- Figur 5
- eine beispielhafte Ausführungsform der erfindungsgemässen Vorrichtung zur Durchführung
des erfindungsgemässen Verfahrens mit einer rotierenden Bürste als reissendem Werkzeug;
- Figur 6
- eine weitere beispielhafte Ausführungsform der erfindungsgemässen Vorrichtung mit
einer Mehrzahl von rotierenden Büsten als reissendes Werkzeug;
- Figur 7
- eine weitere beispielhafte Ausführungsform der erfindungsgemässen Vorrichtung mit
einer Mehrzahl von gezahnten Scheiben als reissendes Werkzeug.
[0014] Figur 1 zeigt schematisch das erfindungsgemässe Verfahren anhand einer Darstellung aufeinanderfolgender
Stadien eines entstehenden Produktes mit Kleberücken, das aus einer Mehrzahl von mehrseitigen
Teilprodukten, bestehend aus je drei ineinandergefalteten Bogen hergestellt wird.
Die Figur kann auch als schematische Momentaufnahme eines kontinuierlichen Prozesses
verstanden werden, in dem eine Vielzahl von entstehenden Produkten in Förderrichtung
F kontinuierlich an verschiedenen Bearbeitungswerkzeugen vorbei geführt werden und
dabei auf einer Rückenfläche vorbehandelt, mit Klebstoff und einem Rückenstreifen
versehen und verpresst werden.
[0015] In das erfindungsgemässe Verfahren wird ein Stapel 1 von beispielsweise vier gefalteten
Teilprodukten durch geeignete Haltemittel 3 gehalten eingeführt, wobei die gestapelten
Teilprodukte mit aneinanderliegenden Faltkanten angeordnet sind und die Faltkanten
eine zu einem Kleberücken zu bearbeitende Rückenfläche 2 bilden. Der Stapel 1 von
Teilprodukten wird zur Vorbehandlung der Rückenfläche 2 an einem reissenden oder aufrauhenden
Werkzeug 4 vorbeigefördert, das beispielsweise eine rotierende Bürste ist, wobei das
reissende Werkzeug 4 derart angeordnet ist, dass seine Wirkung eine Tiefe hat, die
sich mindestens bis vor die innerste Lage der Faltkanten erstreckt.
[0016] Durch die Wirkung des reissenden oder aufrauhenden Werkzeuges werden die auf der
Rückenfläche 2 angeordneten Kanten aufgerissen, wenn es sich um Faltkanten handelt,
oder sie werden von geschnittenen Kanten in gerissene Kanten verwandelt, wenn es sich
nicht um Faltkanten handelt.
[0017] Das rotierende Werkzeug wird dabei vorteilhafterweise derart angetrieben (Pfeil R),
dass es mit der Förderrichtung F des entstehenden Produktes im Gleichlauf läuft. Durch
diese Rotationsrichtung werden die Fasern der gerissenen Kantenbereiche aus den Kantenbereichen
hinaus gekämmt, wodurch die vorteilhafte Wirkung noch verstärkt wird (siehe auch Figuren
2 und 3 und dazugehörende Beschreibung).
[0018] Durch das Reissen und Kämmen aus der Rückenfläche entfernte Fasern werden mit geeigneten
Mitteln 5 abgesaugt und/oder mechanisch aus dem Werkzeug 4 entfernt.
[0019] Durch die Vorbehandlung mit dem reissenden Werkzeug entsteht aus dem Stapel 1 von
gefalteten Teilprodukten ein Stapel von Teilprodukten mit aufgerissenen Kanten, beispielsweise
ein Stapel von Einzelblättern mit gerissenen Kanten, die die vorbehandelte Rückenfläche
2 des Teilproduktestapels bilden Auf diese vorbehandelte Rückenfläche 2 wird mit geeigneten
Mittein 7 ein Klebstoff 8 aufgebracht, durch den die gerissenen Kanten miteinander
zu einem geliebten Rücken verbunden werden Auf den Klebstoff kann gegebenenfalls ein
Rückenstreifen 9 aufgebracht und mit einem geeigneten Pressmittel 10 angepresst werden
(Pfeil P). Für die Aushärtung oder Trocknung des Klebstoffes 8 ist gegebenenfalls
auch Wärme zuzuführen.
[0020] Varianten zu dem in der Figur 1 dargestellten Rückenstreifen 9 sind über den Rücken
reichende Deckblätter oder Deckblätterpaare. Die Abdeckung des verklebten Rückens
mit einem Rückenstreifen ist eine Massnahme zur Verbesserung des ästhetischen Eindrucks
des fertigen Produkts. Diese Massnahme kann selbstverständlich auch weggelassen werden,
derart, dass der verklebte Rücken am fertigen Produkt als solcher sichtbar ist.
[0021] Es ist aus der Figur 1 auch erkennbar, dass das erfindungsgemässe Verfahren nicht
nur zur Verbindung einer Mehrzahl von Teilprodukten sondern auch zur Verbindung der
einzelnen Lagen eines einzelnen mehrlagigen Teilproduktes anwendbar ist, wobei das
erfindungsgemässe Verfahren die Funktion einer Heftung übernimmt.
[0022] Das erfindungsgemässe Verfahren zeichnet sich aus durch die Vorbehandlung der Rückenfläche
2 des Stapels von Teilprodukten, während die anderen Schritte zur Erstellung des Kleberückens
an sich bekannt sind. Es zeigt sich, dass nach der Vorbehandlung mit dem reissenden
oder aufrauhenden Werkzeug keine weiteren Vorbehandlungsschritte notwendig sind, dass
also direkt nach der aufreissenden oder aufrauhenden Vorbehandlung der Klebstoff aufgetragen
werden kann. Das Endprodukt des Verfahrens ist ein mehrseitiges Druckprodukt 12.
[0023] Figur 2 zeigt in einem bedeutend grösseren Massstab ein Blatt 20 aus Papier oder aus einem
anderen faserhaltigen Material im Bereiche einer gerissenen Kante 21, die von über
die Kante gegen aussen gekämmten Fasern 22 überragt wird, während die Fasern im Blatt
20 selbst im wesentlichen ungerichtet sind. Durch Wegreissen eines Teils der Fasern
aus dem Kantenbereich und durch die Ausrichtung der in diesem Bereich verbleibenden
Fasern entsteht ein sich gegen aussen verjüngender Kantenbereich, wie er in der Figur
2 dargestellt ist.
[0024] Figur 3 zeigt im Schnitt quer zu den Hauptflächen der Blätter schematisch eine Mehrzahl von
Blättern 20, die durch einen Kleberücken 23 zusammengehalten sind. Aus dieser Figur
ist klar ersichtlich, wie der Klebstoff 8 im wesentlichen die sich verjüngenden Kantenbereiche
der Blätter 20 zusammenhält. Wegen der Verjüngung der Kantenbereiche sind diese auch
flexibler als geschnittene, das heisst sich nicht verjüngende Kantenbereiche, und
erleichtern dadurch das Öffnen des gebundenen Produktes. Wegen der Ausrichtung der
Fasern (siehe Figur 2) in den im Kleberücken gebundenen Kantenbereichen ist aber die
mechanische Festigkeit trotzdem nicht wesentlich gemindert, sodass ein Ausreissen
eines Blattes aus dem Kleberücken nicht gefördert wird.
[0025] Figuren 4a bis 4c zeigen verschiedene, beispielhafte Rückenflächen 2a bis 2c, wie sie nach dem erfindungsgemässen
Verfahren herstellbar sind. Die Rückenflächen 2a bis 2c haben eine Breite d und eine
Höhe h, wobei die Kanten der Teilprodukte parallel zur Höhe h verlaufen. Die Rückenfläche
2a gemäss Figur 4a weist ein Muster von gebundenen Bereichen 40 abwechselnd mit ungebundenen
Bereichen 41 auf. Die gebundenen Bereiche erstrecken sich über die ganze Rückenbreite
und über einen Teil der Rückenhöhe. In diesen Bereichen sind die Teilproduktekanten
vorbehandelt und mit Klebstoff verklebt. In den ungebundenen Bereichen 41 sind die
Kanten der Teilprodukte unverändert, das heisst, wenn es sich um Faltkanten handelt,
sind in diesen Bereichen die Faltteile immer noch miteinander verbunden, was wesentlich
zur Stabilität des gebundenen Produktes beiträgt.
[0026] Die Rückenfläche 2b gemäss Figur 4b zeigt mehr und schmalere gebundene Bereiche 40,
unterscheidet sich aber nicht prinzipiell von der Rückenfläche 2a gemäss Figur 4a.
Figur 4c zeigt ebenfalls eine Rückenfläche 2c mit schmalen gebundene Bereichen 40,
die nicht parallel zur Rückenbreite d, sondern schief dazu verlaufen. Es zeigt sich,
dass Kleberücken gemäss Figur 4c vorteilhaft flexibel und mit einem Minimum an Klebstoff
herstellbar sind. Auch Varianten mit sich kreuzenden, schiefen gebundenen Bereichen
sind denkbar.
[0027] Figur 5 zeigt, auf das wesentlichste beschränkt, eine beispielhafte Ausführungsform einer
Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens. Diese Vorrichtung
weist ein reissendes Werkzeug in der Form einer rotierenden Bürste 50 auf, deren achsiale
Ausdehnung im wesentlichen gleich gross ist wie oder grösser als die Rückerhöhe der
mit entsprechenden Fördermitteln (nicht dargestellt) in Förderrichtung F an ihr vorbeigeförderten
Stapel 1 von Teilprodukten. Die Bürste 50 ist derart angeordnet, dass ihre Achse A
im wesentlichen parallel zu den vorbeigeführten zu behandelnden Rückenflächen 2 ausgerichtet
ist und dass der Abstand zwischen den Rückenflächen 2 der einlaufenden Produkte 1
und der Bürstenachse A kleiner ist als der Bürstenradius und zwar im wesentlichen
um die Tiefe der Faltkanten (siehe Figur 1). Die Rotationsrichtung R der Bürste 50
ist vorteilhafterweise derart eingerichtet, dass die Bürste mit der Förderrichtung
F im Gleichlauf betrieben wird; es ist aber auch ein Betrieb im Gegenlauf möglich.
Die Bürste 50 ist vorteilhafterweise eine Drahtbürste.
[0028] Die Darstellung gemäss Figur 5 bezieht sich auf die Vorbehandlung von Stapeln 1 von
Teilprodukten, die in einem Hochleistungsförderstrom, das heisst also mit quer zur
Förderrichtung F ausgerichteten Hauptflächen gefördert werden. Für eine Vorbehandlung
von Produkten, die mit parallel zur Förderrichtung ausgerichteten Hauptflächen und
Rückenhöhen gefördert werden, ist die Bürste senkrecht zu den Höhen der vorbeigeförderten
Rückerflächen auszurichten. In jedem Falle ist die Achse der rotierenden Bürste also
im wesentlichen quer zur Förderrichtung anzuordnen.
[0029] Figur 6 zeigt aus der Vogelschau eine Vorrichtung mit drei koaxial angeordneten, rotierenden
Büsten 51, an denen die Rückenflächen 2 von in Förderrichtung F geförderten Stapeln
1 von Teilprodukten vorbeigefördert und auf drei Bereichen 40 vorbehandelt werden.
[0030] Figur 7 zeigt ebenfalls aus der Vogelschau eine Vorrichtung zur Herstellung von Kleberücken
gemäss Figur 4c. Für die reissende Vorbehandlung der Rückerflächen 2 sind eine Mehrzahl
von scheibenförmigen Werkzeugen 70 vorgesehen, beispielsweise Zahnscheiben, die koaxial
oder mit parallelen Achsen A angeordnet sind, wobei die Förderrichtung F senkrecht
zur Werkzeugachse A verläuft und die Höhen der Rückenflächen 2 schief zu den Scheiben
70 ausgerichtet sind.
[0031] Figuren 5, 6 und 7 zeigen in sehr vereinfachter Art Vorrichtungen, wie sie zur Vorbehandlung
von in einem Hochleistungsförderstrom (Förderrichtung F) geförderten Stapeln 1 von
Teilprodukten zur Anwendung kommen, in denen also mit einem im wesentlichen stationären
Werkzeug an diesem vorbei geförderte Rückenflächen 2 behandelt werden. Wie bereits
weiter oben erwähnt, sind auch in anderer Anordnung kontinuierlich geförderte Produkte
in analoger Weise vorbehandelbar. Es sind auch Anordnungen denkbar, in denen im wesentlichen
stationäre Produkte mit bewegten Werkzeugen behandelt werden oder Anordnungen m denen
sowohl Werkzeug als auch Produkte translatorische Bewegungen ausführen, wobei eine
Relativbewegung zwischen Produkten und Werkzeug entsteht.
1. Verfahren zur Herstellung von mehrseitigen Druckprodukten mit einem Kleberücken aus
einer Mehrzahl von gestapelten, ein- oder mehrseitigen Teilprodukten oder aus einem
mehrseitigen Teilprodukt mit einer mehrlagigen Faltkante, wobei auf eine Rückenfläche
(2) des Teilproduktestapels oder des Teilprodukts, welche Rückenfläche durch aneinanderliegende
Teilproduktekanten oder durch die mehrlagige Faltkante eines Teilproduktes gebildet
ist, ein Klebstoff (8) aufgebracht wird dadurch gekennzeichnet, dass die Rückenfläche (2) vor dem Auftragen des Klebstoffes (8) mit einem reissenden
oder aufrauhenden Werkzeug (4) vorbehandelt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das reissende oder aufrauhende Werkzeug (4) eine rotierende Bürste (50) oder
eine Mehrzahl von rotierenden Bürsten (51) oder eine Mehrzahl von Zahnscheiben (70)
ist und dass die Rückenfläche (2) zur Vorbehandlung in einer Relativbewegung zum Werkzeug
(4) in einer Förderrichtung (F) an diesem vorbeigeführt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das rotierende, reissende oder aufrauhende Werkzeug (4) im Gleichlauf zur Förderrichtung
(F) betrieben wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die die Rückenfläche (2) bildenden Kanten mehrlagige Faltkanten sind und dass
das reissende Werkzeug (4) derart angewendet wird, dass die mehrlagigen Faltkanten
mindestens bis auf die innerste Faltkante aufgerissen werden.
5. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die die Rückenfläche (2) bildenden Teilproduktekanten in ihrer ganzen Länge
vorbehandelt werden oder in über ihre Lange verteilten Bereichen (40), die mit nicht
vorbehandelten Bereichen (41) abwechseln.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass rechtwinklig oder schiefwinklig über die Breite (d) der Rückenfläche (2) verlaufende
Bereiche (40) vorbehandelt werden.
7. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 6, welche
Vorrichtung mindestens ein Haltemittel (3) zum Halten eines Stapels (1) bestehend
aus einer Mehrzahl von gestapelten Teilprodukten oder zum Halten eines Teilproduktes
mit einer mehrlagigen Faltkante und Mittel (7) zum Auftragen eines Klebstoffs (8)
auf eine Rückenfläche (2) des gehaltenen Stapels (1) oder Teilproduktes aufweist, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung zusätzlich mindestens ein reissendes oder aufrauhendes Werkzeug
(4) zur Vorbehandlung der Rückenfläche (2) aufweist.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das reissende oder aufrauhende Werkzeug (4) eine oder eine Mehrzahl von rotierend
angetriebenen Bürsten (50, 51) oder eine Mehrzahl von angetriebenen Zahnscheiben (70)
ist, wobei das mindestens eine Haltemittel (3) und das Werkzeug (4) in einer Relativbewegung
derart zueinander bewegbar sind, dass das Werkzeug (4) über die Rückenfläche (2) des
von dem mindestens einen Haltemittel (3) gehaltenen Stapels (1) oder Teilproduktes
bewegbar ist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Haltemittel (3) Fördermittel sind, mit denen eine Mehrzahl von Teilproduktestapeln
oder einzelnen Teilprodukten in einer Förderrichtung (F) durch den Wirkungsbereich
des im wesentlichen stationär angeordneten, reissenden Werkzeuges (4) bewegbar sind.
10. Vorrichtung nach Anspruch 8 und 9, dadurch gekennzeichnet, dass das rotierende, reissende oder aufrauhende Werkzeug (4) im Gleichlauf (R) zur
Förderrichtung (F) antreibbar ist.