[0001] Die Erfindung betrifft ein Mehrzweckgewehr, bestehend aus einem Großkaliber-Selbstladegewehrmodul,
das neben dem üblichen Lauf und Schaft bzw. Gehäuse eine Nachladeeinrichtung, etwa
ein Kastenmagazin, und ein durch eine Schlagfeder spannbares Schlagstück, etwa einen
Hahn oder einen nach vorne schnellbaren Schlagbolzen, aufweist und mit einem weiteren
Funktionsmodul versehen ist.
[0002] Ein derartiges Mehrzweckgewehr ist aus der DE 32 02 806 C2 der Anmelderin bekannt.
Dieses bekannte Mehrzweckgewehr besteht im wesentlichen aus einem herkömmlichen Schnellfeuergewehr
mit einem Griffstück und einer diesem zugeordneten, herkömmlichen Abzugseinrichtung,
bei dem statt des Vorderschaftes ein Granatwerferlauf, ein Verschluß und eine zweite
Abzugseinrichtung angebracht sind.
[0003] Der Granatwerferlauf dieses bekannten Mehrzweckgewehrs kann zum Entnehmen der abgeschossenen
Patronenhülse und zum Nachladen mit seiner Rückseite nach unten geschwenkt werden
und ist in der Nähe dieser Rückseite mit einer gerillten Außenoberfläche versehen,
welche die Funktion des Vorderschaftes übernimmt. Oberhalb dieser gerillten Außenoberfläche
sind Bedienungselemente in Form eines Sicherungsschiebers und eines Abzuges vorgesehen.
Diese Bedienungselemente können mit der die gerillte Außenoberfläche umgreifenden
Hand bedient werden, während die andere Hand das Griffstück des Schnellfeuergewehres
umgreift und zur Bedienung des Abzugs, der Sicherungshandhaben und gegebenenfalls
weiterer Bedienungselemente des Schnellfeuergewehres bereit bleiben kann.
[0004] Bei diesem bekannten Mehrzweckgewehr liegt der Lauf des Schnellfeuergewehres in Bezug
auf dessen Schulterstütze in einer solchen Höhe, daß die Aufnahme des Rückstoßes durch
den Schützen bestens gewährleistet ist. Der Lauf des Granatwerfers hingegen, dessen
Rückstoß aber viel stärker ist, liegt unterhalb des Laufes des Schnellfeuergewehrs,
also nicht optimal in Bezug auf die Schulterstütze. Der Rückstoß bei Granatwerferbetrieb
wird demzufolge nicht optimal auf die Schulterstütze übertragen, was den Schützen
zu Ziel- und Abzugsfehlern verleitet.
[0005] Ferner ist der Ladevorgang des Granatwerferlaufes problematisch, denn die in den
nach unten abgekippten und somit schräggestellten Lauf eingeführte Patrone neigt dazu,
wieder aus dem Patronenlager herauszurutschen, bevor man den Lauf nach oben gekippt
hat. Versucht der Schütze, die Patrone beim Kippen des Laufes festzuhalten, kann er
sich die Finger am Verschluß verletzen.
[0006] Wenn außerdem am Magazin des Schnellfeuergewehres zum schnelleren Magazinwechsel
ein zweites Magazin mit Isolierband o. dgl. Seite an Seite befestigt ist, wie dies
oft im Einsatz der Fall ist, dann steht dieses zweite Magazin zwangsläufig nach unten
über und behindert das Nachladen des Granatwerferlaufes.
[0007] Der Granatwerferlauf mit seinem Verschluß ist fest am Schnellfeuergewehr bzw. Sturmgewehr
angebracht und kann und soll nicht vom Schützen abgenommen werden. Das Granatwerfersystem
könnte wegen seines hohen Rückstoßes ohne den Schaft des Sturmgewehres auch nicht
abgeschossen werden, ohne den Schützen zu verletzen.
[0008] Auch bei einem Mehrzweckgewehr, das in der Europäischen Patentanmeldung 0 294 346
beschrieben ist, sind die Systeme einer Mehrlade-Schrotflinte und einer Maschinenpistole
zu einem einheitlichen Mehrzweckgewehr praktisch untrennbar vereint, bei dem das Großkalibersystem
nur zum Verfeuern von Schrot, Gummigeschoßen o. dgl. eingerichtet ist und zum Verschießen
von nicht-drallstabilisierten Geschoßen auf nur sehr kurze Entfernung geeignet ist,
während das Maschinenpistolensystem trotz der geringen ballistischen Leistung der
verwendeten Pistolenpatrone für den Schuß auf größere Entfernung bestimmt ist.
[0009] Eine weiteres, der Anmelderin bekanntes Mehrzweckgewehr ist von einem einfachen Repetiergewehr
gebildet, wie es etwa im ersten Weltkrieg als Militärgewehr verwendet wurde, und in
das ein Maschinenpistolensystem integriert ist. Auch hier darf das Maschinenpistolensystem
nicht vom Schützen ausgebaut werden, da sonst jedesmal die aufwendige Einjustierung
dieses Maschinenpistolensystems auf die Visierung des Repetiergewehrsystems hinfällig
wäre. Außerdem kann man unter einem Infanteriegewehr kein "Großkalibergewehr" verstehen,
für das im Rahmen der Erfindung ein Kaliber in der Größenordnung von etwa 20 mm in
Frage kommt.
[0010] Unabhängig von Schnellfeuergewehr und Granatwerfer wurden inzwischen großkalibrige
Büchsenpatronen für Militärzwecke entwickelt, die als "intelligente Munition" bezeichnet
werden. Eine derartige "intelligente Munition", gegebenenfalls zusammenwirkend mit
einem an der Waffe selbst angebrachten Leitsystem, verbessert die Wirkung im Ziel
erheblich, da sie selbständig auf dieses Ziel anspricht.
[0011] Die Projektile dieser "intelligenten Munition" haben eine Anfangsgeschwindigkeit,
die viel höher ist als die der Patronen für den eingangs erwähnten Granatwerferlauf,
und eine Wirkung im Ziel, welche die eines Schnellfeuergewehrgeschosses um ein vielfaches
übersteigt.
[0012] Bekannterweise hängt die in einer Handfeuerwaffe erreichbare Mündungsenergie ab von
dem Impuls, dem der Schütze noch standhalten kann. Dieser Impuls kann dann verringert
werden, wenn seine Einwirkungsdauer erhöht wird, etwa durch einen Verschlußrücklauf
nach dem Schuß.
[0013] Um den Schützen demzufolge nicht zu sehr zu belasten, erfordert die erwähnte großkalibrige
Büchsenpatrone somit ein Gewehr mit Verschlußrücklauf, also eine Selbstladebüchse.
An die Abgabe von Feuerstößen ist wegen des hohen Rückstoßes nicht zu denken.
[0014] Wegen der guten Ballistik der genannten, großkalibrigen Büchsenpatrone ist neben
der hohen Wirkung im Ziel auch die Trefferleistung innerhalb von etwa 1000 m sehr
gut, so daß es durchaus zweckmäßig ist, etwa in einer Infanteriegruppe einen oder
zwei Mann mit einer solchen überschweren Großkaliber-Selbstladebüchse auszurüsten.
Aufgrund des hohen Munitionsgewichtes ist die Feuerkraft einer solchen Selbstladebüchse
allerdings beschränkt. Zudem wird die Feuerkraft einer Infanteriegruppe empfindlich
geschwächt, wenn zwei Mann nicht imstande sind, im Dauerfeuer zu schießen. Die Ausrüstung
der entsprechenden Schützen mit einer Pistole ist zwar möglich, bedeutet aber die
Mitführung mit einer getrennt handzuhabenden Waffe mit zugehöriger weiterer Patronensorte.
Die Ausrüstung dieser Schützen mit einer Maschinenpistole oder mit einem Schnellfeuergewehr
bzw. Sturmgewehr ist ebenfalls nicht zu empfehlen, da derartige Zusatzausrüstungen
zu schwer und zu sperrig sind, und die Aktivitäten der Schützen stark einschränken
würden.
[0015] Ausgehend von dieser Problemlage hat die Erfindung zum Ziel, ein Mehrzweckgewehr
der gattungsgemäßen Art so weiterzubilden, daß die allgemeine Verteidigungsbereitschaft
des Schützen auf einfache und zuverlässige Weise verbessert wird.
[0016] Erreicht wird dieses Ziel dadurch, daß
- ein Großkaliber-Selbstladegewehrmodul zum Verschießen drallstabilisierter Geschoße
vorgesehen ist, und
- ein Funktions- bzw. Zusatzmodul abnehmbar am Großkalibermodul anbringbar ist, so daß
baukastenartig und erst im Einsatz das Mehrzweckgewehr den Erfordernissen entsprechend
zusammengestellt werden kann (Großkalibergewehr alleine, Sturmgewehr alleine, beide
kombiniert).
[0017] Quasi als Grundmodul wird also eine Großkaliber-Selbstladebüchse verwendet, die nach
Lage des Laufes, Lage und Ausbildung der Schulterstütze, sowie gegebenenfalls des
Griffstückes optimiert ist, sodaß ein Präzisionsschießen ohne ungebührliche Überbeanspruchung
des Schützen möglich ist.
[0018] Das quasi Zusatzmodul zu dem Grundmodul ist von einem Kurz-Sturmgewehr gebildet,
das sich dem Prinzip nach von einem einfachen Sturmgewehr dadurch unterscheidet, daß
es eine einklappbare, einschiebbare oder insbesondere erfindungsgemäß abnehmbare Schulterstütze
aufweist. Durch Weglassen der Schulterstütze ist das Gewicht dieses Sturmgewehres
verringert und seine Länge noch weiter verkürzt.
[0019] Das Kurz-Sturmgewehr ist relativ zur Abstützung, die von der Schulterstütze der Großkaliber-Selbstladebüchse
dargestellt wird, weniger günstig angebracht als der Großkaliberlauf. Der Rückstoß
des Kurz-Sturmgewehrs, das für eine moderne Patrone wie etwa .223 oder kleiner ausgelegt
ist, ist jedoch viel geringer als der des Großkaliberlaufes. Obgleich also der Rückstoß
des Kurz-Sturmgewehres in schräger Richtung zur Schulterstütze verläuft, wirkt er
sich vorteilhaft bei dem erfindungsgemäßen Mehrzweckgewehr aufgrund seiner geringen
Stärke daher nur geringfügig aus.
[0020] Ein weiterer Vorteil der Erfindung besteht darin, daß das Kurz-Sturmgewehr winkel-
und lagefest an der Großkaliber-Selbstladebüchse angebracht ist , also in einer Weise,
die sicherstellt, daß die verwendete Halterung nicht ausschlägt oder sonstwie lose
wird.
[0021] Diese winkel- und lagefeste Anbringung war beim gattungsbildenden Mehrzweckgewehr
nicht in vollem Ausmaß möglich, weil die Abmessungen und der Rückstoß des dort verwendeten
Granatwerfers viel zu groß waren, um eine eine solche Anbringung auch über einen längeren
Benutzungszeitraum hinweg zu gestatten.
[0022] Sowohl die Großkaliber-Selbstladebüchse als auch das Kurz-Sturmgewehr können bei
dem erfindungsgemäßen Mehrzweckgewehr jeweils ein Magazin aufweisen, das quer zur
Schußrichtung an das jeweilige Modul angesetzt bzw. von ihm abgenommen wird. Die Magazine
können somit nicht in störenden gegenseitigen Eingriff gelangen, selbst wenn der Schütze
mittels Isolierbandes o. dgl. am jeweiligen Magazin noch ein zweites befestigt.
[0023] Bevorzugt ist das Kurz-Sturmgewehr abnehmbar an der Großkaliber-Selbstladebüchse
angebracht . Zu diesem Zweck können an diesen beiden Modulen etwa komplementäre Schwalbenschwanzausbildungen
bzw. Montagen angeordnet sein, mittels derer die Module aufeinander aufschiebbar sind.
Eine Arretierung hält die Module dann in ihrer Endlage. Auch andere Montagen sind
möglich, wie sie etwa von Zielfernrohren her bekannt sind. Diese Weiterbildung der
Erfindung hat zum Vorteil, daß nicht nur defekte Module ausgetauscht, sondern daß
an den jeweiligen Montagehälften auch andere Einrichtungen als das jeweilige andere
Modul angesetzt werden können.
[0024] So kann die Großkaliber-Selbstladebüchse auch an einem Zweibein oder einem lafettenartigen
Stativ angebracht werden. Das Kurz-Sturmgewehr kann an einer anderen Waffe, etwa einer
Panzerfaust oder am Rohr eines leichten oder rückstoßfreien Geschützes angebracht
werden und die Aufgabe eines Koaxial-Maschinengewehres übernehmen, oder kann als stationäre
Waffe etwa an einem Panzerfahrzeug angebracht werden, um Zonen bestreichen zu können,
die im Feuerschatten der Bordwaffen liegen.
[0025] Die oben beschriebene, das Griffstück ersetzende Abzugseinrichtung des Kurz-Sturmgewehres
ist hierbei bevorzugt ihrerseits durch eine andere, für die Fernauslösung durch elektrischen
Impuls oder Seilzug eingerichtete Abzugseinrichtung ersetzt.
[0026] Gemäß weiterer Ausgestaltungen der Erfindung kann es vorteilhaft sein, das Kurz-Sturmgewehr
entweder unter dem Lauf der Großkaliber-Selbstladebüchse (Bockdoppelbüchsenanordnung)
oder neben diesem (Doppelbüchsenanordnung) anzubringen. Bei der Bockdoppelbüchsenanordnung
ist das erfindungsgemäße Mehrzweckgewehr flach und damit bequem zu tragen, baut aber
hoch. Soweit das Kurz-Sturmgewehr einen seitlichen Ladehebel und einen seitlichen
Patronenauswurf aufweist, braucht es nicht modifiziert zu werden.
[0027] Bei der Doppelbüchsenanordnung liegen die beiden Läufe auf gleicher Höhe. Der Abstand
zwischen der Visierlinie und der Seelenachse des Sturmgewehrlaufes ist geringer, was
die Möglichkeit von Fehlschüssen verringert. Allerdings kann es die Anbringung des
Kurz-Sturmgewehres an der rechten oder linken Seite der Großkaliber-Selbstladebüchse
erforderlich machen, daß der Ladehebel und/oder die Auswurfeinrichtung des standardmäßigen,
verwendeten Sturmgewehres modifiziert werden müssen. Soweit der Ladehebel des Kurz-Sturmgewehres
allerdings obenliegend angeordnet ist und der Auswurf nach oben erfolgt, kann dieses
ohne weiteres auf der rechten oder linken Seite der Großkaliber-Selbstladebüchse angebracht
werden.
[0028] Bei einer weiteren, besonders vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist die Visiereinrichtung
der Großkaliber-Selbstladebüchse zusätzlich für die Verwendung für das Kurz-Sturmgewehr
ausgelegt. Bei dem Mehrzweckgewehr kann also ein üblicherweise notwendiges zweites
Visier entfallen, was besondere Vorteile bezüglich des Gewichts, der Handhabbarkeit
und der Wartung des Gewehrs mit sich bringt. Zudem kann der Schütze zwei von der Art
her vollkommen unterschiedliche Schüsse abgeben, ohne seine Stellung relativ zum Gewehr
zu ändern. Nun erst ist es möglich, eine üblicherweise zu verwendende Visiereinrichtung
einer Großkaliber-Selbstladebüchse so weiterzubilden, daß sie auch für ein zusätzlich
vorhandenes Kurz-Sturmgewehr verwendet werden kann, das ja zu einem Präzisionsschuß
über eine Distanz von wenigen hundert Metern imstande ist.
[0029] Weiter vorteilhaft in dieser Hinsicht ist die erfindungsgemäße Ausgestaltung, wenn
die Abzugseinrichtung für das Kurz-Sturmgewehr Druckknöpfe aufweist. Hierdurch verringert
sich die Wahrscheinlichkeit, daß der Schütze während des Anvisierens eines Ziels dieses
Ziel aus dem Visier verliert, aufgrund einer von ihm nicht in Laufrichtung aufzubringenden
Kraft zur Betätigung der Abzugseinrichtung.
[0030] Besonders vorteilhaft besteht die Abzugseinrichtung aus Sicherung und Abzug in Form
von Druckknöpfen, die in Querrichtung zum Lauf des Kurz-Gewehrs bewegbar sind. Zur
Betätigung müssen dann letztendlich nur die Finger eines Schützen bewegt werden und
nicht der Arm beispielsweise längs der Laufrichtung. Hierdurch können ungewollte Schwenkbewegungen
des Mehrzweckgewehrs beim Anvisieren und bei gleichzeitiger Betätigung der Abzugseinrichtung
gering gehalten werden.
[0031] Vorteilhaft ist die Abzugseinrichtung als Austauschmodul zur Anbringung anstelle
des üblichen Griffstücks ausgelegt.
[0032] In einer Ausführungsvariante weist das Funktionsmodul den Abzug für das Großkaliber-Selbstladegewehrmodul
auf, das seinerseits nur den zur Zündung und zum Unterbrechen erforderlichen Teil
seiner Abzugseinrichtung aufweist. Zwischen dem Funktionsmodul und dem Großkalibermodul
ist eine Kupplung angeordnet, die die Bewegung des Abzugs und gegebenenfalls der Sicherung
(beide sind am Funktionsmodul angebracht) auf das Großkalibermodul überträgt. Die
Kupplung kann etwa darin bestehen, daß aus dem Funktionsmodul beim Betätigen des Abzugs
eine Stange auswärts bewegt wird, die gegen eine abgefederte Gegenstange im Großkalibermodul
drückt. Durch Kontakte können elektrische Signale zwischen den beiden Moduln übertragen
werden.
[0033] Soweit das Mehrzweckgewehr nur als Großkalibergewehr verwendet werden soll, ist das
Funktionsmodul lediglich ein Griffstück, das Abzug und Sicherung sowie Bedienungselemente
für die Elektronik und Visierung des Großkalibermoduls aufweist.
[0034] Ist das Funktionsmodul als Kurz-Sturmgewehr ausgebildet, dann weist dessen Griffstück
eine Umschaltung auf, mittels deren der Abzug wahlweise auf das Großkalibermodul oder
auf das Sturmgewehr umgeschaltet werden kann. Ferner sind Sicherungen für beide Moduln,
die Schnellfeuer/Einzelfeuer-Umschaltung des Sturmgewehres und gegebenenfalls Bedienungselemente
für die Elektronik vorgesehen. In diesem Fall kann das die soeben genannten Bedienungselemente
aufweisende Griffstück bevorzugt gegen ein einfaches Griffstück ausgetauscht werden,
das dann verwendet wird, wenn das Sturmgewehrmodul alleine verwendet werden soll.
In diesem Fall ist es auch vorteilhaft, einen starren oder einklappbaren bzw. einschiebbaren
Hinterschaft am Sturmgewehrmodul anzubringen, sowie gegebenenfalls eine Visierung
und/oder einen Tragegriff.
[0035] Die Kupplung kann vom anzubringenden Hinterschaft abgedeckt werden oder vorteilhafter
dem Griffstück zugeordnet sein, das die Bedienungselemente für beide Moduln aufweist.
[0036] So ist es möglich, daß der mit dem erfindungsgemäßen Mehrzweckgewehr ausgestattete
Schütze sich je nach den Umständen die optimale Waffe aus einem im Fahrzeug mitgeführten
Bausatz selbst zusammenstellen kann: beim Marsch führt der Sshütze beispielsweise
das Sturmgewehrmodul mit sich, an dem gegebenenfalls ein übliches Griffstück und/oder
ein Hinterschaft angebracht wurde. Das empfindlichere und teuere Großkalibermodul
mit seiner Elektronik bleibt geschützt im Transportkasten.
[0037] Wenn aus gut vorbereiteten, festen Stellungen das Großkalibermodul eingesetzt werden
soll, dann genügt es, als Funktionsmodul ein Griffstückmodul zu wählen, da zum Abwehren
eines möglichen Sturmangriffes ohnehin Maschinengewehre vorhanden sind; der Einsatz
des Mehrzweckgewehres in Form eines reinen Großkaliber-Selbstladegewehres ist dann
vorteilhaft.
[0038] Wenn aber das erfindungsgemäße Mehrzweckgewehr zu einem Stoßtruppunternehmen etwa
zum Vernichten einer feindlichen Artilleriestellung eingesetzt werden soll, dann ist
das als Sturmgewehr ausgebildete Funktionsmodul vorzuziehen, da der Schütze dann weitgehend
auf sich alleine gestellt ist und mit dem so ausgerüsteten Mehrzweckgewehr jeder Situation
gewachsen ist.
[0039] Sollte schließlich z.B. der Schütze von der feindlichen Front überrollt werden und
gezwungen sein, sich zu seinen Linien durchzuschlagen, dann kann er notfalls das Großkalibermodul
zurücklassen, das ohne das Funktionsmodul alleine nicht schußfähig ist, und er hat
im Sturmgewehrmodul noch immer eine leichte Verteidigungswaffe, die ihn bei einem
längeren Marsch nicht belastet.
[0040] Auch die erste Ausführungsvariante kann im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf die oben
beschriebene Weise eingesetzt werden.
[0041] Ausführungsbeispiele sowie weitere Vorteile der Erfindung werden anhand der beigefügten,
schematischen Zeichnung beispielsweise noch näher erläutert; in dieser zeigt:
- Fig. 1
- die Ansicht der linken Seite eines ersten Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen
Mehrzweckgewehres,
- Fig. 2
- die Draufsicht auf das Gewehr der Fig. 1,
- Fig. 3
- die Frontansicht des Gewehres der Fig. 1,
- Fig. 4
- die Seitenansicht des zum ersten Ausführungsbeispiel passenden Kurz-Sturmgewehres,
für sich alleine gesehen,
- Fig. 5
- eine Ansicht eines Großkaliber-Selbstladegewehrmoduls gemäß einem zweiten Ausführungsbeispiel
des erfindungsgemäßen Mehrzweckgewehres, mit einem als Griffstück ausgebildeten, abgenommenen
Funktionsmodul,
- Fig. 6
- ein zum Großkalibermodul der Fig. 5 passendes, als Kurz-Sturmgewehr ausgebildetes
Funktionsmodul, umgerüstet zum Sturmgewehr, mit abgenommenem Handgriff mit Visierung
und mit abgenommener Schulterstütze, und
- Fig. 7
- das Großkalibermodul der Fig. 5, mit angebautem Kurz-Sturmgewehr.
[0042] Die verwendeten Lagebegriffe wie "vorne", "über" o. dgl. beziehen sich auf das in
horizontaler Anschlagslage befindliche Mehrzweckgewehr, das mit den Mündungen nach
vorne weist.
[0043] Das gesamte Mehrzweckgewehr gemäß einer ersten, vorteilhaften Ausführungsform ist
am besten aus Fig. 1 ersichtlich.
[0044] Dieses Mehrzweckgewehr weist als Basismodul eine Großkaliber-Selbstladebüchse 1 auf,
die mit einem herkömmlichen Griffstück 6, einer Schulterstütze 16 und einer optischelektronischen
Visiereinrichtung, etwa einem Zielfernrohr mit verstellbarem Leuchtpunktabkommen,
mit einem akustischen oder sonstigen Entfernungsmesser und mit einer Elektronik zur
Beeinflussung der abgeschossenen Großkaliber-Geschoße ausgestattet sein kann.
[0045] Vor dem Griffstück befindet sich in üblicher Lage ein Abzug 10, der zusammen mit
einer nicht gezeigten Sicherungseinrichtung die Abzugseinrichtung bildet. Vor dem
Abzug ist ein nach unten abstehendes Stangenmagazin 8 für die Großkaliberpatronen
angeordnet.
[0046] In die Schulterstütze 16 kann eine Stoßdämpfungseinrichtung etwa aus Gummipuffern
integriert sein. Die Verlängerung der Seelenachse des Großkaliberlaufes (kein Bezugszeichen)
schneidet die hintere Abstützfläche der Schulterstütze 16.
[0047] Ein Kurz-Sturmgewehr-Modul 4 ist in Fig. 4 dargestellt und weist einen Lauf, einen
Verschluß- und Nachlademechanismus mit einein nach unten abstehenden Stangenmagazin
12 sowie eine Abzugseinrichtung 14 auf. Schulterstütze und Griffstück fehlen.
[0048] Die Abzugseinrichtung 14 weist in Querrichtung bewegliche Druckknöpfe als Sicherung
und Abzug auf.
[0049] Ferner ist das Kurz-Sturmgewehrmodul 4 mit einem Gehäuse versehen, das rund um die
Einmündung des Stangenmagazines 12 sowie vor diesem eine Handauflage bildet.
[0050] Wie in Fig. 1 gezeigt, ist das Kurz-Sturmgewehr-Modul 4 an der Unterseite der Großkaliber-Selbstladebüchse
2 und zwar vor dessen Magazin 8 mittels einer Montage 18 fest, aber abnehmbar angebracht.
Diese Montage 18 kann etwa als Aufschubmontage ausgebildet sein, mit zwei komplementären
Nut-Steg-Anordnungen an der Unterseite der Großkaliber-Selbstladebüchse 2 und an der
Oberseite des Kurz-Sturmgewehres 4, mit einem Sperrstift, der das hintere Ende des
Kurz-Sturmgewehres 4 und das Großkaliber-Selbstladegewehr 2 quer durchsetzt (Fig.
2).
[0051] Beide Läufe liegen dicht übereinander und enden auf gleicher Höhe.
[0052] Beim Schießen umgreift die rechte Hand des rechthändigen Schützen das Griffstück
6. Der Zeigefinger der rechten Hand ist zur Bedienung des Abzugs 10 bereit, die linke
Hand umgreift das Sturmgewehrmagazin 12 und zieht das Mehrzweckgewehr mit der Schulterstütze
16 fest in die Schulter des Schützen ein.
[0053] Dabei liegt entweder der Daumen der das Stangenmagazin 12 umgreifenden linken Hand
des Schützen von der linken, in Fig. 1 und 4 sichtbaren Seite des Gewehres her oder
ein anderer Finger dieser linken Hand von der entgegengesetzten Seite her auf dem
Druckknopfabzug der Abzugseinrichtung 14 auslösebereit auf.
[0054] Bei einem Linksschützen sind die rechte und linke Hand in der Beschreibung auszutauschen.
Die Abzugseinrichtung 14 des Kurz-Sturmgewehrs 4 kann aber auch beidseitig angeordnet
sein, um sowohl einem Links- wie aber auch einem Rechtshänder bzgl. der Betätigung
des Mehrzweckgewehrs bestmöglich gerecht zu werden.
[0055] Ohne jeweils auch nur einen einzigen zusätzlichen Handgriff aufbringen oder ändern
zu müssen, ist der Schütze ständig bereit, entweder mit der Großkaliber-Selbstladebüchse
2 oder mit dem Kurz-Sturmgewehr 4 zu feuern. Die Visiereinrichtung 20 zeigt ihm dabei
ein für beide Waffen eingerichtetes Absehen, das mit jeder der beiden Waffen 2, 4
einen Präzisionsschuß ermöglicht.
[0056] Wie die Figuren 2 und 3 zeigen, ist die Mehrzweckwaffe insgesamt flach und kann daher
bequem am Schulterriemen (nicht gezeigt) getragen werden.
[0057] Beim Schießen mit einer Auflage wird das Mehrladegewehr mit dem Handschutz des Kurz-Sturmgewehres
4 aufgelegt und mit dessen Magazin 12 gegen die Auflage angedrückt. Die linke Hand
des Schützen ruht lose auf dem Magazin 8 und betätigt von dort die Abzugseinrichtung
14.
[0058] Zwischen der Schulterstütze 16 und dem System der Großkaliber-Selbstladebüchse 2
oder deren Hinterschaft ist ein nur schematisch angedeuteter Stoßdämpfer 22 angeordnet,
der den Impuls des Rückstoßes verlängert und damit verkleinert. So ist ein Schütze
imstande, auch mit Munition noch präzise zu schießen, die ohne den Stoßdämpfer 22
die Erträglichkeitsgrenze überschreiten würde.
[0059] Der Stoßdämpfer 22 kann als Gummiblock oder als Reibungsdämpfer ausgebildet sein,
ist aber bevorzugt ein hydraulischer Stoßdämpfer.
[0060] Das zweite Ausführungsbeispiel ist in den Figuren 5 bis 7 gezeigt und unterscheidet
sich vom ersten der Figuren 1 bis 4 darin:
- das Großkalibermodul 2' weist keinen eigenen Handgriff und keinen eigenen Abzug/keine
eigene Sicherung auf, und
- das Sturmgewehrmodul 4' weist ein übliches Griffstück 6' auf.
[0061] Das Großkalibermodul 2' ist mit einer Visierung 20 versehen und weist ein Magazin
8 auf. Zwischen dem Großkalibermodul 2' und dem Funktionsmodul (Griffstückmodul 24
oder Sturmgewehrmodul 4') ist eine Kupplung (nicht gezeigt) vorgesehen, die beim Ansetzen
des Funktionsmoduls 4', 24 an das Großkalibermodul 2' wirksam wird und Stellbewegungen
eines Universalabzugs 34, der am Funktionsmodul 4', 24 angeordnet ist, auf das Großkalibermodul
2' überträgt.
[0062] Mit dem Großkalibermodul 2' alleine kann nicht geschossen werden, da es keinen eigenen
Abzug hat.
[0063] In Fig. 5 ist ein Griffstückmodul 24 gezeigt, das dort das Funktionsmodul bildet.
Dieses Griffstückmodul 24 weist ein Griffstück 6' mit einem Abzug, einem Sicherungshebel
und Steuerknöpfen 36 für elektronische Einrichtungen auf.
[0064] Wird dieses Griffstückmodul 24 am Großkalibermodul 2' angebracht, dann ergibt sich
eine Großkaliber-Selbstladebüchse; die oben erläuterte Kupplung und (nicht gezeigte)
Kontakte stellen eine steuernde Verbindung zwischen dem Abzug und dem Großkalibermodul
sowie zwischen den Steuerknöpfen 36 und den zugehörigen Einrichtungen des Großkalibermoduls
2' her.
[0065] In Fig. 6 ist ein Kurz-Sturmgewehrmodul 4' mit Magazin 12 gezeigt; bei diesem weist
das Griffstück 6' einen Universalabzug 34, die schon erwähnten Steuerknöpfe 36, einen
Modul-Wahlhebel 30 und einen Feuerwahlhebel 32 auf. Die jeweilige zweier Lagen des
Modul-Wahlhebels 30 bestimmt, ob der Universalabzug 34 mit dem Sturmgewehrmodul 4'
oder dem Großkalibermodul 2' zur jeweiligen Auslösung des Schusses verbunden ist.
Der Feuerwahlhebel bestimmt je nach Stellung die Betriebszustände Sicher, Einzelfeuer
oder Dauerfeuer (Dauerfeuer nur für das Sturmgewehrmodul 4').
[0066] An der Oberseite des Sturmgewehrmoduls 4' kann ein Sturmgewehr-Tragegriff 26 mit
herkömmlicher Visierung angebracht werden, wobei er die obenerwähnten Kontakte abdeckt.
An der Rückseite des Sturmgewehrmoduls 4' kann eine Sturmgewehr-Schulterstütze 28
angebracht werden, die die Teile der obenerwähnten Kupplung abdeckt, die im Sturmgewehrmodul
4' angeordnet sind. Somit kann aus dem Sturmgewehrmodul 4' ein vollwertiges Sturmgewehr
hergestellt werden, bei dem allerdings der Modul-Wahlhebel 30 auf das Sturmgewehrmodul
4' eingestellt bleiben muß.
[0067] Das Sturmgewehrmodul 4' kann allerdings auch unter dem Lauf des Großkalibermoduls
2' angebracht werden (Fig. 7), wobei je nach der Stellung des Modul-Wahlhebels 30
der Abzug entweder das Großkalibermodul 2' oder das Sturmgewehrmodul 2' betätigt.
[0068] Es kann somit gewissermaßen baukastenartig das jeweils optimale Mehrzweckgewehr zusammengestellt
werden.
1. Mehrzweckgewehr mit den folgenden Merkmalen:
- ein Großkaliber-Seibstladegewehr-Modul (2; 2') zum Verschießen drallstabilisierter
Geschoße, mit
- einem durch eine Schlagfeder spannbaren Schlagstück, und
- einer Nachladeeinrichtung (8), sowie
- einem Funktionsmodul (4; 4', 24), das am Großkaliber-Selbstladegewehrmodul (2; 2')
abnehmbar anbringbar ist.
2. Mehrzweckgewehr nach Anspruch 1, wobei das Funktionsmodul als Kurz-Sturmgewehr (4)
mit einer eigenen Abzugseinrichtung (14) ausgebildet ist.
3. Mehrzweckgewehr nach Anspruch 2, bei dem das Großkaliber-Selbstladegewehrmodul (2)
eine eigene Abzugseinrichtung aufweist, die die mit der einen Hand des Schützen bedienbar
ist, und bei dem die Abzugseinrichtung (14) des Kurz-Sturmgewehres (4) für die Bedienung
mit der anderen Hand des Schützen ausgebildet ist.
4. Mehrzweckgewehr nach einem der Ansprüche 1 oder 2, bei dem das Funktionsmodul (4',
24) ein Griffstück (6') mit einem Universalabzug (34) aufweist, der über eine Kupplung,
die beim Anbringen des Funktionsmoduls am Großkaliber-Selbstladegewehrmodul (2') herstellbar
ist, zum Auslösen des Schlagstückes eingerichtet ist.
5. Mehrzweckgewehr nach Anspruch 4, das als Großkaliber-Selbstladegewehr ausgebildet
ist, wobei das Funktionsmodul (24) das Griffstück (6') bildet.
6. Mehrzweckgewehr nach Anspruch 4, bei dem das Funktionsmodul als Kurz-Sturmgewehr (4')
mit dem Griffstück 6' ausgebildet ist, dessen Universalabzug (34) wahlweise zwischen
der Betätigung des Kurz-Sturmgewehres (4') oder der Betätigung des Großkaliber-Selbstladegewehrmoduls
(2') umschaltbar ist oder das zwei Abzüge aufweist.
7. Mehrzweckgewehr nach einem der Ansprüche 3 oder 4, bei dem das Kurz-Sturmgewehr (4;
4') winkel- und lagefest am Großkaliber-Selbstladegewehrmodul (2; 2') anbringbar ist.
8. Mehrzweckgewehr nach einem der Ansprüche 1 bis 7, bei dem das Funktionsmodul (4; 4')
über eine Montage (18) mit dem Großkaliber-Selbstladegewehrmodul (2; 2') verbindbar
ist.
9. Mehrzweckgewehr nach Anspruch 8, bei dem der zum Kurz-Sturmgewehrmodul (4') gehörige
Teil der Montage zur Aufnahme eines Tragegriff- und/oder Visierungsmoduls (26) eingerichtet
ist.
10. Mehrzweckgewehr nach einem der Ansprüche 1 bis 9, bei dem das Funktionsmodul (4; 4',
24) unterhalb des Laufes des Großkaliber-Selbstladegewehrmoduls (2; 2')anbringbar
ist.
11. Mehrzweckgewehr nach einem der Ansprüche 1 bis 9, bei dem das Funktionsmodul seitlich
neben dem Lauf des Großkaliber-Selbstladegewehrmoduls anbringbar ist.
12. Mehrzweckgewehr nach einem der Ansprüche 2 bis 11, bei dem das Großkaliber-Selbstladebüchsenmodul
(2; 2')eine Visiereinrichtung (20) aufweist, die auch für das Kurz-Sturmfeuergewehr
(4; 4') eingerichtet ist.
13. Mehrzweckgewehr nach Anspruch 3, bei dem die Abzugseinrichtung (14) des Kurz-Sturmgewehres
(4) mindestens einen Druckknopf aufweist.
14. Mehrzweckgewehr nach Anspruch 13, bei dem die Druckknöpfe zum Betätigen der Sicherung
und des Abzugs einrichtet sind.
15. Mehrzweckgewehr nach einem der Ansprüche 13 oder 14, bei dem die mit mindestens einem
Abzug (34) ausgestattete Abzugseinrichtung des Kurz-Sturmgewehres (4') gegen ein übliches
Griffstück (24) mit einem Abzugszüngel austauschbar ist.
16. Mehrzweckgewehr nach einem der Ansprüche 1 bis 15, bei dem das Großkaliber-Selbstladegewehrsystem
(2) eine Schulterstütze mit einem Stoßdämpfer (22) aufweist.
17. Mehrzweckgewehr nach Anspruch 16, bei dem der Stoßdämpfer (22) als hydraulischer Stoßdämpfer
ausgebildet ist.