[0001] Die Erfindung betrifft eine Aufklärungseinrichtung gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs
1. Derartige Aufklärungseinrichtungen sind beispielsweise als sogenannte Drohnen bekannt.
Bei diesen Drohnen handelt es sich um kleine fernsteuerbare Fluggeräte. Diese Fluggeräte
bedingen einen entsprechenden Produktionsaufwand. Außerdem sind solche Fluggeräte
relativ einfach bekämpfbar. Beispielsweise werden derartige Drohnen in der DE-Z "Armada
International" 5/95, Seite 70 beschrieben.
[0002] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Aufklärungseinrichtung der eingangs
genannten Art zu schaffen, die einfach aufgebaut ist, die in einfacher Weise und mit
einfachen Mitteln auf eine entsprechende Beobachtungshöhe verbringbar ist, die eine
relativ langzeitige Aufklärung in der Größenordnung bis 10 Minuten erlaubt, und die
quasi bekämpfungs-unempfindlich ist.
[0003] Diese Aufgabe wird bei einer Aufklärungseinrichtung der eingangs genannten Art erfindungsgemäß
durch die Merkmale des kennzeichnenden Teiles des Anspruchs 1 gelöst. Bevorzugte Aus-
und Weiterbildungen der erfindungsgemäßen Aufklärungseinrichtung sind in den Unteransprüchen
gekennzeichnet.
[0004] Die erfindungsgemäße Aufklärungseinrichtung wird mit Hilfe eines Träger- bzw. Artilleriegeschosses
in das Zielgebiet verbracht und dort in geeigneter Höhe mittels eines Zeitzünders
oder dergleichen aus dem Artilleriegeschoß ausgestoßen. Unmittelbar danach wird mittels
der Entdrallvorrichtung die Drehzahl und mit Hilfe des Bremsschirmes die Fluggeschwindigkeit
der Aufklärungseinrichtung abgebremst. In der entsprechenden vorgegebenen Höhe wird
bei definiertem Flugzustand der Aufklärungseinrichtung die Auftriebseinrichtung aktiviert.
Die Auftriebseinrichtung ist dazu geeignet, die Aufklärungseinrichtung größenordnungsmäßig
bis 10 Minuten über einem Ziel zu halten oder längs einer gewünschten Flugbahn über
das Zielgebiet zu bewegen. Hierbei ist es möglich, entsprechende Ziele zu detektieren
und zu lokalisieren, das Feuer zu beobachten und die entsprechenden Daten an die Feuerleitstelle
zu senden. Die erfindungsgemäße Aufklärungseinrichtung bildet somit einen optimalen
Ersatz eines sogenannten vorgeschobenen Beobachters. Dabei ist es in vorteilhafter
Weise möglich, die Koordinaten entsprechender Ziele mit Hilfe eines gerätefesten Koordinatensystems
auszumessen. Zu diesem Zwecke können die Koordinaten und die Orientierung der Aufklärungseinrichtung
mit Hilfe eines GPS-Empfängers, mit Hilfe eines Schwerkraftsensors, mit Hilfe eines
Höhenmeßsensors oder dergleichen bestimmt werden. Die mit der Sensoreinheit der erfindungsgemäßen
Aufklärungseinrichtung aufgenommenen Informationen, beispielsweise in Form von TV-Bildern,
können On-line oder über Video ausgewertet werden.
[0005] Die erfindungsgemäße Aufklärungseinrichtung weist die Vorteile einer sicheren zuverlässigen
Wirkungsweise, einer einfachen Handhabung und einer einfachen Logistik auf. Außerdem
ist die erfindungsgemäße Aufklärungseinrichtung in vorteilhafter Weise problemlos
mit eingeführten Waffen- und Feuerleitsystemen kompatibel auszubilden. Nachdem die
bei der erfindungsgemäßen Aufklärungseinrichtung zum Einsatz gelangenden elektronischen
Baugruppen für die Sensoreinheit, für den Sender zur Datenübermittlung an eine Feuerleitstelle,
für den Empfänger zum Empfang von Lenkdaten, der GPS-Empfänger, der Rechner zur Bildauswertung
der Sensoreinheit usw. handelsüblich zur Verfügung stehen und im Bedarfsfall nur leicht
modifiziert zu werden brauchen, ergibt sich der weitere Vorteil einer entsprechend
preiswerten Realisierbarkeit der erfindungsgemäßen Aufklärungseinrichtung. Entsprechendes
gilt für die mechanischen Komponenten der erfindungsgemäßen Aufklärungseinriclltung
wie die Lenkeinrichtung und insbesondere die Auftriebseinrichtung, die in vorteilhafter
Weise als Gleitschirm ausgebildet ist. Der Auftriebskörper kann beispielsweise auch
als Drachen ausgebildet sein. Insbesondere für relativ kleine leichtgewichtige Aufklärungseinrichtungen
wäre es auch möglich, den Auftriebskörper als Ballon auszubilden. Ein Drachen hat
beispielsweise eine Fläche von größenordnungsmäßig 1 m
2 und ein Gleitschirm hat beispielsweise eine Auftriebsfläche von größenordnungsmäßig
2,5 m
2, wenn mit einem derartigen Auftriebskörper eine Nutzlastmasse von ca. 10 kg mit entsprechend
geringer Sinkgeschwindigkeit transportiert werden soll. Sowohl ein Drachen als auch
ein Gleitschirm der genannten Flächenabmessungen sind in einem entsprechenden Artilleriegeschoß
problemlos verstaubar. Dabei weist ein Auftriebskörper in Gestalt eines Gleitschirms
die Vorteile eines kleineren Packvolumens und einer einfacheren Konstruktion auf.
Außerdem läßt er sich in der Luft besser entfalten als ein Drachen. Ein Drachen hat
demgegenüber die Vorteile einer besseren Aerodynamik, er fliegt länger und schneller.
Gemeinsam ist einem Gleitschirm und einem Drachen als Auftriebskörper der erfindungsgemäßen
Aufklärungseinrichtung der Vorteil geringen technischen Aufwands.
[0006] Wird bei der erfindungsgemäßen Aufklärungseinrichtung als Auftriebskörper ein Ballon
oder ein Drachen angewandt, so ist in vorteilhafter Weise auch eine gezielte Bewegung
der Aufklärungseinrichtung ohne Antriebseinrichtung möglich. Die Benutzung einer Antriebseinrichtung
ermöglicht jedoch eine Erweiterung des Einsatzbereiches, d.h. des Aufklärungsgebietes.
Außerdem ist der Windeinfluß kompensierbar. Desweiteren ist die Beschußsicherheit
durch stochastische Bewegungen um eine vorgebene Position erhöhbar. Diese Beschußsicherheit
wird insbesondere dadurch gewährleistet, daß die projizierte Fläche der Auftriebseinrichtung
relativ klein ist, was sowohl für die Ausbildung der Auftriebseinrichtung als Gleitschirm
oder Drachen bzw. als Heißluftballon gilt, bzw. weil kleine Löcher in der vorzugsweise
aus einem Textilmaterial bestehenden Auftriebseinrichtung keinen Absturz derselben
herbeiführen und/oder die Aufklärungseinrichtung bekämpfende Geschosse mit einem Aufschlagzünder
durch die Auftriebseinrichtung nicht ansprechen und/oder die Aufklärungseinrichtung
bekämpfende Geschosse mit Zeitzündern nicht einsetzbar sind, weil die jeweilige genaue
Zielentfernung nicht erfaßbar ist.
[0007] Bei der erfindungsgemäßen Aufklärungseinrichtung wird mit Hilfe der Auftriebseinrichtung
ein dynamischer Auftrieb bewirkt, der von der Geometrie der Auftriebseinrichtung abhängig
ist. Infolge dieses dynamischen Auftriebs ist die Sinkgeschwindigkeit der erfindungsgemäßen
Aufklärungseinrichtung relativ gering, so daß die Aufklärungseinrichtung im Aktivzustand
der Auftriebseinrichtung während einer ausreichend langen Verweildauer von größenordnungsmäßig
bis zu 10 Minuten über dem entsprechenden Zielgebiet zum Detektieren und Lokalisieren
von Zielen verbleiben kann. Weitere Vorteile bestehen im relativ geringen Packvolumen
für die Auftriebseinrichtung in ihrem zusammengelegten Ruhezustand, in der einfachen
Manövrierbarkeit der Aufklärungseinrichtung mit Hilfe der Auftriebseinrichtung, sowie
im einfachen Aufbau und in der einfachen Handhabung derselben. Außerdem bereitet die
Abschußbeschleunigung des Artilleriegeschosses, mit welchem die erfindungsgemäße Aufklärungseinrichtung
verschossen und auf eine bestimmte Höhe verbracht wird, keine Probleme. Ein weiterer
Vorteil besteht in der problemlosen Langzeit-Lagerfähigkeit der erfindungsgemäßen
Aufklärungseinrichtung.
[0008] Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
eines in der Zeichnung schematisch verdeutlichten Ausführungsbeispieles der Aufklärungseinrichtung.
Es zeigen:
- Figur 1
- längsgeschnitten ein Artilleriegeschoß mit einer schematisch verdeutlichten Aufklärungseinrichtung
im platzsparend zusammengelegten Ruhezustand, und
- Figur 2
- eine räumliche Darstellung der Aufklärungseinrichtung in dem aus dem Artilleriegeschoß
gemäß Figur 1 freigegebenen Aktivzustand.
[0009] Figur 1 zeigt ein Artilleriegeschoß 10 mit einem Gehäuse 12, an das vorderseitig
eine Geschoßhülle 14 anschließt und das rückseitig durch einen Geschoßboden 16 abgeschlossen
ist. An der Spitze der Geschoßhülle 14 ist ein Zünder 18 und im Inneren der Geschoßhülle
14 ist eine Ausstoßeinheit 20 mit einer Ausstoßhaube 22 angeordnet.
[0010] Im Artilleriegeschoß 10 ist eine Aufklärungseinrichtung 24 angeordnet, die mit einer
Auftriebseinrichtung 26 verbunden ist. Die Auftriebseinrichtung 26 ist beispielsweise
als Drachen oder vorzugsweise als Gleitschirm ausgebildet. In Figur 1 ist die Auftriebseinrichtung
26 schematisch in ihrem platzsparend zusammengelegten Ruhezustand angedeutet. Demgegenüber
zeigt die Figur 2 die Auftriebseinrichtung 26 in ihrem aus dem Artilleriegeschoß (sh.
Figur 1) freigegebenen Aktivzustand mit der an der Auftriebseinrichtung 26 mittels
Fangleinen 28 hängenden Aufklärungseinrichtung 24.
[0011] Wie in Figur 2 schematisch in einer Blockdarstellung verdeutlicht ist, weist die
Aufklärungseinrichtung 24 eine Sensoreinheit 30 zum Detektieren und Lokalisieren von
Zielen, einen Sender 32 zur Datenübermittlung an eine (nicht gezeichnete) Feuerleitstelle,
einen Rechner 34 zur Bildauswertung der Sensoreinheit 30 sowie eine Lenkeinrichtung
36 auf, die zur gesteuerten Lenkung der Auftriebseinrichtung 26 in deren Aktivzustand
vorgesehen ist. Zur Datenkompression ist der Rechner 34 mit einer Datenkompressionseinrichtung
38 ausgebildet. Die Lenkeinrichtung 36 ist mit einem Empfänger 40 verbunden, der zum
Empfang von Lenkdaten für die Lenkeinrichtung 36 vorgesehen ist. Zur Ermittlung des
gerätefesten Koordinationssystems ist ein GPS-Empfänger 42 vorgesehen.
[0012] Eine Antriebseinrichtung 44 dient dazu, eine Verlängerung der Beobachtungszeit durch
mindestens teilweise Kompensation des Strömungswiderstandes und folglich einer Reduktion
der Sinkgeschwindigkeit und durch Kompensation eines möglichen Seitenwindes und somit
einer geringeren Abdrift zu bewerkstelligen. Diese Antriebseinrichtung 44 kann beispielsweise
eine langsam abbrennende Rakete oder eine Reihenschaltung derartiger Raketen aufweisen.
[0013] Nach dem Abschuß des Artilleriegeschosses 10 wird der Geschoßboden 16 abgetrennt
und ein Bodenbremstuch geöffnet, um den Geschoßboden 10 abzubremsen. Danach wird die
Ausstoßeinheit 20 aus dem Artilleriegeschoß 10 herausgezogen und mittels eines Bremsschirmes
und einer Entdrallvorrichtung, die in der Zeichnung nicht dargestellt sind, auf eine
bestimmte Fluggeschwindikeit abgebremst und entdrallt. Daran anschließend wird die
Auftriebseinrichtung 26 von der platzsparend zusammengelegten Ruheposition in den
Aktivzustand aufgestellt, wobei StützrohrSchalenelemente 48 (sh. Figur 1) abgetrennt
und abgeworfen werden.
[0014] Figur 2 verdeutlicht die an der Auftriebseinrichtung 26 in Gestalt eines Gleitschirmes
hängende Aufklärungseinrichtung 24. Der Gleitschirm weist ein Obersegel 48 und ein
Untersegel 50 auf, die seitlich in Stabilisatoren 52 enden, und die durch Zellwände
54 in einzelne Zellen 56 unterteilt sind. Jede Zelle 56 ist anströmseitig mit einer
Ausgleichsöffnung 58 ausgebildet.
[0015] Die Fangleinen 28 sind in zwei Gruppen zusammengefaßt, die jeweils mit einem Fangleinenschloß
60 versehen sind. Die Aufklärungseinrichtung 24 ist mit den beiden Fangleinenschlössern
60 mittels Tragegurten 62 verbunden.
1. Aufklärungseinrichtung mit einer Sensoreinheit (30) zum Detektieren und Lokalisieren
von Zielen,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Aufklärungseinrichtung (24) in einem Artilleriegeschoß (10) vorgesehen ist,
das mit einer Entdrallvorrichtung und einem Bremsschirm versehen ist, und daß die
Aufklärungseinrichtung (24) mit einer Auftriebseinrichtung (26) verbunden ist, die
zwischen einem im Artilleriegeschoß (10) platzsparend zusammengelegten Ruhezustand
und einem aus dem Artilleriegeschoß (10) freigegebenen Aktivzustand veränderbar ist.
2. Aufklärungseinrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Auftriebseinrichtung (26) als Gleitschirm ausgebildet ist.
3. Aufklärungseinrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Auftriebseinrichtung (26) als Drachen ausgebildet ist.
4. Aufklärungseinrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß zur Datenübermittlung an eine Feuerleitstelle ein Sender (32) vorgesehen ist.
5. Aufklärungseinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Auftriebseinrichtung (26) mit einer Lenkeinrichtung (36) versehen ist, und
daß ein Empfänger (40) zum Empfang von Lenkdaten für die Lenkeinrichtung (36) der
Auftriebseinrichtung (26) vorgesehen ist.
6. Aufklärungseinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein GPS-Empfänger (42) vorgesehen ist.
7. Aufklärungseinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß zur Bildauswertung der Sensoreinheit (30) ein Rechner (34) vorgesehen ist.
8. Aufklärungseinrichtung nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Rechner (34) eine Datenkompressionseinrichtung (38) aufweist.
9. Aufklärungseinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß eine Antriebseinrichtung (44) vorgesehen ist.