[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft neue Hybridgarne, die sich durch einen besonders
niedrigen Thermoschrumpf auszeichnen. Derartige Garne lassen sich in vorteilhafter
Weise zu Verbundwerkstoffen oder zu textilen Flächengebilden, wie Gelegen verarbeiten.
[0002] Hybridgarne, also Garne aus Verstärkungs- und Matrixfilamenten, sind an sich bekannt.
Derartige Garne dienen beispielsweise als Vorprodukte zur Herstellung von Verbundwerkstoffen.
Dazu wird üblicherweise zunächst ein textiles Flächengebilde aus dem Hybridgarn hergestellt;
die Matrixfilamente dieser Hybridgarne werden anschließend durch Auf- oder Anschmelzen
in eine Matrix übergeführt, welche die Verstärkungsfilamente einbettet oder umfließt
und zusammen mit diesen den Verbund aufbaut.
[0003] An die Matrixfilamente werden im allgemeinen keine hohen Anforderungen bezüglich
der Festigkeit und anderer mechanischer Eigenschaften gestellt, da diese ohnehin in
späteren Verarbeitungsschritten aufgeschmolzen werden. Somit entfällt bei der Herstellung
derartiger Filamente eine aufwendige Nachbehandlung nach dem Verspinnen, wie das Verstrecken
oder das Fixieren. Matrixfilamente weisen daher von Haus aus einen erheblichen Thermoschrumpf
auf, der sich bei den späteren Verarbeitungsschritten nachteilig auf das Produkt auswirken
kann.
[0004] Es besteht ein Bedarf an Hybridgarnen, die einen geringen Schrumpf aufweisen. Derartige
Garne schrumpfen naturgemäß nicht oder nur in einem sehr geringen Ausmaße beim Erhitzen
zwecks Ausbildung der Matrix. Folglich wird die Lage der Verstärkungsfilamente beim
Erzeugen der Matrix nicht oder nur unwesentlich gestört. Auch wird mit diesen neuen
Garnen die Herstellung von Gelegen wesentlich vereinfacht. Bislang mußten beim Fixieren
der übereinandergelegten Garne bei der Gelegeherstellung aufwendige Maßnahmen getroffen
werden, um den durch das Erhitzen ausgelösten Schrumpf der Garne abzufangen und das
Primärgelege zu stabilisieren. Mit den neuen Hybridgarnen können diese Maßnahmen weitgehend
entfallen.
[0005] Es sind zwar sogenannte Zweikomponenten-Schlingengarne mit hoher Festigkeit und geringem
Schrumpf bekannt. Derartige Garne wurden insbesondere für den Einsatz als Nähgarne
entwickelt und beispielsweise in der EP-B-363,798 beschrieben. Derartige Garne weisen
allerdings üblicherweise keine Matrixfilamente aus tieferschmelzenden Filamenten auf,
sondern sind aus Filamenten eines Typs aber unterschiedlicher Festigkeiten, die in
einer Kern-Mantel-Struktur angeordnet sind, aufgebaut.
[0006] Es wurde jetzt ein Verfahren zur Herstellung von schrumpfarmen Hybridgarnen gefunden,
daß zu Produkten mit dem oben geschilderten Eigenschaftsprofil führt. Die erfindungsgemäßen
Garne zeichnen sich durch einen über ein relativ großes Temperaturintervall sehr niedrigen
Thermoschrumpf aus.
[0007] Die vorliegende Erfindung betrifft schrumpfarme Hybridgarne enthaltend Verstärkungsfilamente
und Matrixfilamente aus thermoplastischen Polymeren, die einen tieferen Schmelzpunkt
als der Schmelz- oder Zersetzungspunkt der Verstärkungsfilamente aufweisen. Die erfindungsgemäßen
Hybridgarne sind dadurch gekennzeichnet, daß diese einen Thermoschrumpf, gemessen
an einer Garnprobe unter einer Belastung von 0,0004 cN/dtex bei einer Lufttemperatur
von 160 °C, von kleiner gleich 2 %, insbesondere von kleiner gleich 1 %, und bei einer
Lufttemperatur von 200 °C von kleiner gleich 5 %, insbesondere von kleiner gleich
3 %, aufweisen.
[0008] Zur Ermittlung des Thermoschrumpfes der erfindungsgemäßen Hybridgarne werden an den
beiden Enden von sechs Garnproben von jeweils 60 cm Länge Schlaufen gebildet und diese
Garnproben an ihren Schlaufen an einer Schrumpfstange eingehängt. Diese Garnproben
werden jeweils mit einem Gewicht einer Vorspannkraft von 0,0004 cN/dtex ausgesetzt.
Die Schrumpfstange mit den Garnproben wird in einen Umluftofen eingehängt und sodann
15 Minuten lang mit Heißluft definierter Temperatur behandelt. Die Längenänderung
der Garnprobe vor und nach dem Erhitzen in % stellt den Thermoschrumpf dar.
[0009] Die mechanischen Eigenschaften der erfindungsgemäßen Hybridgarne sind in Abhängigkeit
der Zusammensetzung, wie Art und Anteil der Verstärkungsfilamente oder der Matrixfilamente
in Abhängigkeit des physikalischen Aufbaus der Garne, wie z.B. Grad der Verwirbelung,
in weiten Grenzen variierbar. Üblicherweise beträgt der Anteil der Matrixfilamente
5 bis 60 Gew.%, vorzugsweise 10 bis 50 Gew. %, bezogen auf das Gewicht des Hybridgarns.
[0010] Der Begriff "Hybridgarn" ist im Rahmen dieser Beschreibung in seiner breitesten Bedeutung
zu verstehen. Darunter ist demnach jede Kombination enthaltend Verstärkungsfilamente
und die oben definierten Matrixfilamente zu verstehen.
[0011] Beispiele für mögliche Hybridgarntypen sind Filamentgarne aus verschiedenen Typen
von Filamenten, welche miteinander verwirbelt oder mittels einer anderen Technologie,
wie beispielsweise Zwirnen, miteinander kombiniert sind. Alle diese Hybridgarne sind
durch die Anwesenheit von zwei oder mehreren Typen von Filamenten gekennzeichnet,
wobei mindestens eine Filamenttype ein Verstärkungsfilament und mindestens eine Filamenttype
ein Matrixfilament im Sinne der oben gegebenen Definitionen darstellt.
[0012] Besonders bevorzugt eingesetzt werden durch Intermingling- oder Commingling-Techniken
hergestellte Hybridgarne; dabei kann es sich um Schlingengarne handeln, vorzugsweise
jedoch um Glattgarne.
[0013] Die erfindungsgemäßen Glattgarne zeichnen sich durch eine besonders gute Verarbeitbarkeit
mit flächenbildenden Technologien sowie durch gute Stoffmuster aus.
[0014] Die erfindungsgemäßen Hybridgarne weisen vorzugsweise eine statische Schrumpfkraft,
gemessen nach DIN 53866, Teil 12, bei Temperaturen von bis zu 200 °C von bis zu 0,01
cN/dtex auf.
[0015] Zur Messung der statischen Schrumpfkratt werden je fünf Garnproben von 60 cm Länge
unter einer Vorspannung von 0,01 cN/dtex in zwei Klemmen eingespannt. Anschließend
wird die eingespannte Garnprobe mit Luft der gewünschten Temperatur eine Minute lang
behandelt. Die bei Erwärmung in Fadenlängsrichtung auftretende Kraft ist die statische
Schrumpfkratt und erreicht nach einem kurzen Zeitintervall einen Sättigungswert.
[0016] Die Anzahl der Verwirbelungspunkte in den erfindungsgemäßen Hybridgarnen läßt sich
durch die Wahl der Verwirbelungsbedingungen in weiten Bereichen einstellen. Je höher
der Anteil an der mechanisch relativ labilen Matrixkomponente ist, umso weniger intensiv
läßt sich die Verwirbelung ausführen und demzufolge ist der Abstand der Verwirbelungspunkte
bei derartigen Garnen normalerweise relativ groß.
[0017] Bevorzugte Hybridgarne weisen einen Verwirbelungsabstand von weniger als 60 mm, vorzugsweise
weniger als 30 mm auf; dieser Wert bezieht sich auf eine Messung mit dem Nadeltestgerät
Rothschild Entanglement Tester 2050.
[0018] Die Matrixfilamente der erfindungsgemäßen Hybridgarne bestehen aus thermoplastischen
Polymeren. Diese weisen vorzugsweise einen Schmelzpunkt auf, der mindestens 30 °C
unter dem Schmelz- oder Zerstetzungspunkt der jeweils eingesetzten Verstärkungsfilamtente
liegt.
[0019] Bei den in den erfindungsgemäßen Hybridgarnen zum Einsatz kommenden Verstärkungsfilamenten
kann es sich um Filamente aus einer Vielzahl von Materialien handeln. Neben organischen
Polymeren können auch anorganische Materialien zum Einsatz kommen. Verstärkungsfilamente
im Sinne dieser Beschreibung bedeuten Filamente, welche in dem angestrebten textilen
Flächengebilde bzw. Verbundwerkstoff eine verstärkende Funktion übernehmen.
[0020] In einer ersten bevorzugten Ausführungsform sind die Verstärkungsfilamente aus Einzelfilamenten
aufgebaut, die einen Anfangsmodul von mehr als 50 GPa aufweisen.
[0021] Bevorzugte Verstärkungsfilamente dieses Typs bestehen aus Glas; Kohlenstoff; Metallen
bzw. Metallegierungen, wie Stahl, Aluminium oder Wolfram; Nichtmetallen, wie Bor;
Metall-, Halbmetall- oder Nichtmetalloxiden, -carbiden oder nitriden, wie Aluminiumoxid,
Zirkonoxid, Bornitrid, Borcarbid, Siliziumcarbid, Siliziumdioxid (Quarz); Keramik,
oder Hochleistungspolymeren (d.h. Fasern, die ohne oder nur bei geringer Verstreckung
einen sehr hohen Anfangsmodul und eine sehr hohe Reißfestigkeit liefern), wie flüssigkristallinen
Polyestern (LCP), Poly-(bis-benzimidazo-benzophenanthrolinen (BBB), Poly-(amid-imiden)
(PAI), Polybenzimidazolen (PBI), Poly-(p-phenylenbenzo-bisoxazolen (PBO), Poly-(p-phenylenbenzo-bisthiazolen)
(PBT), Polyetherketonen (PEK, PEEK, PEEKK), Polyetherimiden (PEI), Polyethersulfonen
(PESU), Polyimiden (PI), Poly-(p-phenylenen) (PPP), Polyarylensulfiden (PPS), Polysulfonen
(PSU), Polyolefinen, wie Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP), und Aramiden (HMA),
wie Poly-(m-phenylen-isophthalamid), Poly-(m-phenylen-terephthalamid), Poly-(p-phenylen-isophthalamid),
Poly-(p-phenylen-terephthalamid), oder aus organischen Lösungsmitteln, wie N-Methylpyrrolidon,
spinnbare Aramide abgeleitet von Terephthalsäuredichlorid und einer Mischung von zwei
oder mehr aromatischen Diaminen, beispielsweise der Kombination p-Phenylendiamin,
1,4-Bis-(4-aminophenoxy)-benzol, 3,3'-Dimethylbenzidin, oder p-Phenylendiamin, 1,4-Bis-(4-aminophenoxy)-benzol,
3,4'-Diaminodiphenylether, oder p-Phenylendiamin, m-Phenylendiamin, 1,4-Bis-(4-aminophenoxy)-benzol.
[0022] Besonders bevorzugt werden Verstärkungsfilamente aus Glas, Kohlenstoff oder aromatischem
Polyamid.
[0023] In einer zweiten besonders bevorzugten Ausführungsform kommen Verstärkungs- und Matrixfilamente
zum Einsatz, die aus polymeren Materialien aus einer Polymerklasse, beispielsweise
aus Polyolefinen, aus Polyamiden oder vorzugsweise aus Polyestern bestehen.
[0024] In dieser Ausführungsform weisen die Einzelfilamente der Verstärkungsfilamente einen
Anfangsmodul von mehr als 10 GPa auf. Verstärkungsfilamente für diese Ausführungsform
sind vorzugsweise hochfeste und schrumpfarme Polyesterfilamentgarne, insbesondere
mit einem Garntiter von kleiner gleich 1100 dtex, einer Feinheitsfestigkeit von größer
gleich 55 cN/tex, einer Höchstzugkraftdehnung von größer gleich 12 % und einem Heißluftschrumpf
(gemessen bei 200 °C) von kleiner gleich 9 %.
[0025] Die Messung der Höchstzugkraft und der Höchstzugkraftdehnung der zum Einsatz kommenden
Polyestergarne erfolgt in Anlehnung an DIN 53 830, Teil 1.
[0026] Matrixfilamente in den erfindungsgemäßen Hybridgarnen bestehen aus oder enthalten
thermoplastische Polymere. Dabei kann es sich um beliebige schmelzspinnbare Thermoplaste
handeln, solange die daraus hergestellten Filamente bei einer Temperatur schmelzen,
die niedriger ist als die Schmelz- oder Zersetzungstemperatur der im jeweiligen Fall
eingesetzten Verstärkungsfilamente.
[0027] Bevorzugt werden Matrixfilamente aus Polybutylenterephthalat und/oder aus Polyethylenterephthalat
und/oder aus chemisch modifiziertem Polyethylenterephthalat.
[0028] Ganz besonders bevorzugt werden Matrixfilamente aus einem thermoplastischen modifizierten
Polyester, insbesondere einem modifizierten Polyethylenterephthalat eingesetzt; die
Modifizierung bewirkt ein Absenken des Schmelzpunktes im Vergleich mit dem Filament
aus unmodifiziertem Polyester.
[0029] Besonders bevorzugte modifizierte Polyester dieses Typs enthalten die wiederkehrenden
Struktureinheiten der Formeln I und II
-O-OC-Ar
1-CO-O-R
1- (I),
-O-OC-R
2-CO-O-R
3- (II),
worin Ar
1 einen zweiwertigen ein- oder mehrkernigen aromatischen Rest darstellt, dessen freie
Valenzen sich in para-Stellung oder in einer zu dieser Stellung vergleichbaren parallelen
oder koaxialen Stellung zueinander befinden, vorzugsweise 1,4-Phenylen und/oder 2,6-Naphthylen
darstellt, R
1 und R
3 unabhängig voneinander zweiwertige aliphatische oder cycloaliphatische Reste darstellen,
insbesondere Reste der Formel -C
nH
2n-, worin n eine ganze Zahl zwischen 2 und 10 ist, insbesondere Ethylen, oder einen
von Cyclohexandimethanol abgeleiteten Rest darstellen, und R
2 einen zweiwertigen aliphatischen, cycloaliphatischen oder ein- oder mehrkernigen
aromatischen Rest darstellt, dessen freie Valenzen sich in meta-Stellung oder in einer
zu dieser Stellung vergleichbaren gewinkelten Stellung zueinander befinden, vorzugsweise
1,3-Phenylen darstellt.
[0030] Ganz besonders bevorzugte modifizierte Polyester dieses Typs enthalten 40 bis 95
Mol % der wiederkehrenden Struktureinheiten der Formel I und 60 bis 5 Mol % der wiederkehrenden
Struktureinheiten der Formel II, worin Ar
1 1,4-Phenylen und/oder 2,6-Naphthylen ist, R
1 und R
3 Ethylen bedeuten und R
2 1,3-Phenylen ist.
[0031] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform kommen Matrixfilamente zum Einsatz,
die aus einem thermoplastischen und elastomeren Polymeren bestehen oder dieses enthalten.
Dabei kann es sich ebenfalls um beliebige schmelzspinnbare und elastomere Thermoplaste
handeln, solange die daraus hergestellten Filamente bei einer Temperatur schmelzen,
die niedriger ist als die Schmelz- oder Zersetzungstemperatur der im jeweiligen Fall
eingesetzten Verstärkungsfilamente.
[0032] Unter "elastomerem Polymer" ist im Rahmen dieser Beschreibung ein Polymer zu verstehen,
dessen Glasübergangstemperatur weniger als 0 °C, vorzugsweise weniger als 23 °C beträgt.
[0033] Bevorzugte Beispiele für thermoplastische und elastomere Polymere sind elastomere
Polyamide, Polyolefine, Polyester und Polyurethane. Derartige Polymere sind an sich
bekannt.
[0034] Bedeuten in den oben definierten Strukturformeln irgendwelche Reste zweiwertige aliphatische
Reste, so ist darunter verzweigtes und insbesondere geradkettiges Alkylen zu verstehen,
beispielsweise Alkylen mit zwei bis zwanzig, vorzugsweise mit zwei bis zehn Kohlenstoffatomen.
Beispiele für derartige Reste sind Ethan-1,2-diyl, Propan-1,3-diyl, Butan-1,4-diyl,
Pentan-1,5-diyl, Hexan-1,6-diyl oder Octan-1,8-diyl.
[0035] Bedeuten in den oben definierten Strukturformeln irgendwelche Reste zweiwertige cycloaliphatische
Reste, so sind darunter Gruppen zu verstehen, die carbocyclische Reste mit fünf bis
acht, vorzugsweise sechs Ringkohlenstoffatomen enthalten. Beispiele für derartige
Reste sind Cyclohexan-1,4-diyl oder die Gruppe -CH
2-C
6H
10-CH
2-.
[0036] Bedeuten in den oben definierten Strukturformeln irgendwelche Reste zweiwertige aromatische
Reste, so handelt es sich dabei um ein- oder mehrkernige aromatische Kohlenwasserstoffreste
oder um heterocyclisch-aromatische Reste, die ein- oder mehrkernig sein können. Im
Falle von heterocyclisch-aromatischen Resten weisen diese insbesondere ein oder zwei
Sauerstoff-, Stickstoff- oder Schwefelatome im aromatischen Kern auf.
[0037] Mehrkernige aromatische Reste können miteinander kondensiert sein oder über C-C-Bindungen
oder über Brückengruppen, wie -O-, -S-, -CO- oder -CO-NH- Gruppen miteinander verbunden
sein.
[0038] Die Valenzbindungen der zweiwertigen aromatischen Reste können sich in para- oder
in vergleichbarer koaxialer oder paralleler Position zueinander befinden, oder auch
in meta- oder in vergleichbarer gewinkelter Position zueinander.
[0039] Die Valenzbindungen, die in koaxialer oder parallel zueinander befindlicher Stellung
stehen, sind entgegengesetzt gerichtet. Ein Beispiel für koaxiale, entgegengesetzt
gerichtete Bindungen sind die Biphen-4,4'-diyl Bindungen. Ein Beispiel für parallel,
entgegegesetzt gerichtete Bindungen sind die Naphthalin-1,5- oder -2,6-Bindungen,
während die Naphthalin-1,8-Bindungen parallel gleichgerichtet sind.
[0040] Beispiele für bevorzugte zweiwertige aromatische Reste, deren Valenzbindungen sich
in para- oder in vergleichbarer koaxialer oder paralleler Position zueinander befinden,
sind einkernige aromatische Reste mit zueinander para-ständigen freien Valenzen, insbesondere
1,4-Phenylen oder zweikernige kondensierte aromatische Reste mit parallelen, entgegengesetzt
gerichteten Bindungen, insbesondere 1,4-, 1,5- und 2,6-Naphthylen, oder zweikernige
über eine C-C Bindung verknüpfte aromatische Reste mit koaxialen, entgegengesetzt
gerichteten Bindungen, insbesondere 4,4'-Biphenylen.
[0041] Beispiele für bevorzugte zweiwertige aromatische Reste, deren Valenzbindungen sich
in meta- oder in vergleichbarer gewinkelter Position zueinander befinden, sind einkernige
aromatische Reste mit zueinander meta-ständigen freien Valenzen, insbesondere 1,3-Phenylen
oder zweikernige kondensierte aromatische Reste mit zueinander gewinkelt gerichteten
Bindungen, insbesondere 1,6- und 2,7-Naphthylen, oder zweikernige über eine C-C Bindung
verknüpfte aromatische Reste mit zueinander gewinkelt gerichteten Bindungen, insbesondere
3,4'-Biphenylen.
[0042] Alle diese aliphatischen, cycloaliphatischen oder aromatischen Reste können mit inerten
Gruppen substituiert sein. Darunter sind Substituenten zu verstehen, die die ins Auge
gefaßte Anwendung nicht negativ beeinflussen.
[0043] Beispiele für solche Substituenten sind Alkyl, Alkoxy oder Halogen.
[0044] Unter Alkylresten ist verzweigtes und insbesondere geradkettiges Alkyl zu verstehen,
beispielsweise Alkyl mit ein bis sechs Kohlenstoffatomen, insbesondere Methyl.
[0045] Unter Alkoxyresten ist verzweigtes und insbesondere geradkettiges Alkoxy zu verstehen,
beispielsweise Alkoxy mit ein bis sechs Kohlenstoffatomen insbesondere Methoxy.
[0046] Bedeuten irgendwelche Reste Halogen, so handelt es sich dabei beispielsweise um Fluor,
Brom oder insbesondere um Chlor.
[0047] Die im erfindungsgemäßen Hybridgarn verwendeten Matrixfilamente können aus thermoplastischen
Polymeren aufgebaut sein, die üblicherweise eine intrinsische Viskosität von mindestens
0,5 dl/g, vorzugsweise 0,6 bis 1,5 dl/g aufweisen. Die Messung der intrinsischen Viskosität
erfolgt in einer Lösung des thermoplastischen Polymeren in Dichloressigsäure bei 25
°C.
[0048] Werden im erfindungsgemäß einzusetzenden Hybridgarn Verstärkungsfilamente aus Polyestern
verwendet, weisen diese Polyester üblicherweise eine intrinsische Viskosität von mindestens
0,5 dl/g, vorzugsweise 0,6 bis 1,5 dl/g auf. Die Messung der intrinsischen Viskosität
erfolgt wie voranstehend beschrieben.
[0049] Die erfindungsgemäßen Hybridgarne weisen üblicherweise Garntiter von 6000 bis 150
dtex auf, vorzugsweise von 4500 bis 150 dtex.
[0050] Der Einzelfasertiter der Verstärkungsfilamente und der Matrixfilamente bewegt sich
üblicherweise im Bereich von 2 bis 10 dtex, vorzugsweise 4 bis 8 dtex.
[0051] Die Querschnitte der Verstärkungsfilamente und der Matrixfilamente können beliebig
sein; beispielsweise ellipsenförmig, bi- oder multilobal, bändchenförmig oder vorzugsweise
rund.
[0052] Die Herstellung der thermoplastischen Polymeren erfolgt nach an sich bekannten Verfahren
durch Polykondensation der entsprechenden bifunktionellen Monomerkomponenten. Im Falle
der Polyester kommen üblicherweise Dicarbonsäuren oder Dicarbonsäureester und die
entsprechenden Diolkomponenten zum Einsatz. Derartige thermoplastische und gegebenenfalls
elastomere Polyester, Polyurethane, Polyamide und Polyolefine sind bereits bekannt.
[0053] Es wurde weiterhin gefunden, daß die Herstellung der erfindungsgemäßen Hybridgarne
mittels spezieller Blasverwirbelungsverfahren möglich ist.
[0054] Die Blasverwirbelung erfolgt mittels eines Fluids in einer Verwirbelungsdüse, z.B.
Wasser oder insbesondere durch ein gegenüber den Vorgarnsträngen inertes Gas, insbesondere
durch Luft, das gegebenenfalls befeuchtet ist.
[0055] Bei der Blasverwirbelung wird bekanntlich das Filamentmaterial der Blasdüse mit größerer
Geschwindigkeit zugeführt als aus ihr abgezogen. Der Geschwindigkeitsüberschuß der
Zuführung gegenüber dem Abzug, ausgedrückt in Prozenten bezogen auf die Abzugsgeschwindigkeit,
bezeichnet man als die Voreilung.
[0056] Durch unterschiedliche Voreilungen von Vorgarnsträngen lassen sich blasverwirbelte
Schlingen- oder Glattgarne herstellen.
[0057] In diesen Verfahren wird das an sich bekannte Blasverwirbelungsverfahren dahingehend
modifiziert, daß vor dem Einlaufen der hochschrumpffähigen Matrixfilamente in die
Verwirbelungsdüse deren Schrumpf teilweise oder vollständig durch Erhitzen ausgelöst
wird. Die Voreilung dieser Vorgarnkomponente vor dem Erhitzungsschritt ist bei dem
Verfahren also größer zu wählen als ohne einen solchen Erhitzungsschritt. Je nach
gewählter Voreilung beim Einlauf in die Verwirbelungsdüse und den gewählten Verwirbelungsbedingungen
lassen sich Schlingenhybridgarne oder insbesondere Hybridglattgarne erhalten.
[0058] Zur Verwirbelung können herkömmliche Verwirbelungsdüsen verwendet werden. Der Verwirbelungsabstand
bzw. die Verwirbelungsdichte wird in erster Linie durch den Druck des Verwirbelungsmediums
und den jeweils gewählten Düsentyp bestimmt. Um einen erwünschten Verwirbelungsabstand
zu erzielen, muß für einen bestimmten Düsentyp ein entsprechender Verwirbelungsdruck
gewählt werden. Zweckmäßigerweise liegt der Arbeitsdruck im Bereich von 1 bis 8 bar,
vorzugsweise von 1,5 bis 6 bar, insbesondere von 1,5 bis 3 bar.
[0059] Die Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Herstellung der oben definierten schrumpfarmen
Hybridgarne umfassend die Maßnahmen
a) Zuführen von zwei oder mehreren sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegenden
Vorgarnsträngen zu einer Verwirbelungsdüse, wobei zumindest eine Teil der Vorgarnstränge
(Verstärkungsvorgarn) aus Verstärkungsfilamenten besteht und ein weiterer Teil der
Vorgarnstränge (Matrixvorgarn) aus tieferschmelzenden Matrifilamenten aus thermoplastischen
Polymeren besteht, die einen Thermoschrumpf bei 200 °C von mehr als 20 % aufweisen,
b) Erwärmen des Matrixvorgarnes während des Zuführens in die Verwirbelungsdüse auf
eine derartige Temperatur, daß zumindest ein Teil des Schrumpfes ausgelöst wird,
c) Verwirbeln der Vorgarnstränge in der Verwirbelungsdüse unter derartigen Bedingungen,
daß sich ein primäres Hybridgarn ausbildet,
d) Abziehen des erhaltenen primären Hybridgarnes gegebenenfalls unter Zulassung von
Schrumpf und/oder zusätzliches, vorzugsweise berührungsloses Erhitzen.
[0060] Das Auslösen des Schrumpfes des Matrixvorgarnes vor dem Einlaufen in die Verwirbelungsdüse
kann nach an sich bekannten Methoden erfolgen. Beispielsweise durch Erhitzen mittels
Galetten, durch Kontakt mit einer Heizschiene bzw. einem Heizstift, berührungslos
durch Durchleiten durch eine Heizvorrichtung, beispielsweise durch eine Vorrichtung,
wie in der EP-A-579,092 beschrieben oder durch ein Dampfstauchkammerverfahren.
[0061] Als Verstärkungsvorgarne können entweder bereits hochfeste Multifilamentgarne der
Verwirbelungsvorrichtung vorgelegt werden oder die Multifilamentgarne können unmittelbar
vor dem Einlauf in die Verwirbelungsdüse verstreckt und gegebenenfalls fixiert werden.
[0062] Vorzugsweise werden Verstärkungsvorgarne eingesetzt, die eine Höchstzugkraft, bezogen
auf den Endtiter, von mindestens 60 cN/tex aufweisen.
[0063] Weitere bevorzugte Verstärkungsvorgarne weisen einen Thermoschrumpf bei 200°C von
2 bis 8 % auf.
[0064] Weitere bevorzugte Verstärkungsvorgarne weisen eine Höchstzugkraftdehnung von 0,5
bis 25 % auf.
[0065] An die mechanischen Eigenschaften der Matrixvorgarne werden keine hohen Anforderungen
gestellt. Diese müssen zumindest den Verwirbelungsschritt überstehen.
[0066] Nach dem Verlassen der Verwirbelungsdüse wird das primäre Hybridgarn abgezogen, wobei
üblicherweise höchstens eine geringe Spannung auftreten darf. Je nach den Differenzen
in der Voreilung der Vorgarne und den Verwirbelungsbedingungen in der Düse kann sich
ein Primärhybridgarn mit keinem, geringem oder hohem Anteil von Schlingen ausbilden.
Wird ein Glattgarn gewünscht, so kann das Primärgarn mit geringem oder hohem Anteil
von Schlingen unter Schrumpfzulassung erhitzt werden. Dabei ziehen sich die Schlingen
zusammen und die Garnstruktur wird weitgehend geglättet. Bereits in der Verwirbelungsdüse
entstandene Glattgarne werden üblicherweise direkt abgezogen und aufgespult.
[0067] Die Verwirbelung der Hybridgarne aus Verstärkungs- und Matrixfilamenten der oben
beschriebenen ersten Ausführungsform erfolgt vorzugsweise mittels eines speziellen
Warm-Verwirbelungsverfahrens, das in EP-B-0,455,193 beschrieben ist. Hierbei werden
zur Vermeidung von Filamentbrüchen beim Verwirbeln die Verstärkungsfilamente vor deren
Verwirbeln bis nahe dem Erweichungspunkt erwärmt (bei Glas ca. 600 °C). Die Erwärmung
kann durch Galetten und/oder Heizrohr erfolgen, während die niedrigschmelzenden thermoplastischen
Einzelfilamente aus Polyester ebenfalls vorerwärmt werden, um den Schrumpf auszulösen,
und der übergeordneten Verwirbelungsdüse zugeführt werden. Die resultierenden glatten,
mit hohem Fadenschluß ausgestatteten Hybridgarne sind problemlos webtauglich.
[0068] Es wurde gefunden, daß die Herstellung der Hybridgarne aus Verstärkungs- und Matrixfilamenten
der oben beschriebenen zweiten Ausführungsform überraschenderweise nach an sich üblichen
Verwirbelungstechniken, beispielsweise durch Intermingling- oder Commingling-Techniken
erfolgen kann, wie beispielsweise in Chemiefasern/Textilindustrie, (7/8) 1989, T 185-7
beschrieben; allerdings durch den oben beschrieben Erhitzungsschritt des Matrixvorgarnes
modifziert.
[0069] Die erfindungsgemäßen Hybridgarne können nach an sich bekannten Verfahren zu textilen
Flächengebilden verarbeitet werden. Beispiele dafür sind Gewebe, Gestricke, Gewirke
und insbesondere Gelege. Derartige textile Flächengebilde können durch Aufschmelzen
der Matrixkomponente in Verbundwerkstoffe übergeführt oder stabilisiert werden.
[0070] Die Erfindung betrifft auch die Verwendung der Hybridgarne zu diesen Zwecken.
[0071] Die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen die Erfindung ohne diese zu begrenzen.
Beispiele
1) Herstellung von schrumpfarmen Hybridgarnen
[0072] Auf einem Spulengatter wurde eine Spule mit Verstärkungsvorgarn und eine Spule mit
Matrixvorgarn vorgelegt. Die Natur der Vorgarne sowie die verwendeten Garntiter sind
in der nachstehenden Tabelle 1 aufgeführt.
[0073] Das Verstärkungsvorgarn wurde über ein Lieferwerk bestehend aus drei Galetten direkt
einer Verwirbelungsdüse zugeführt. In einigen Versuchen wurde zwischen die Liefergaletten
eine Heizvorrichtung dazwischengeschaltet. Dabei handelte es sich um eine Vorrichtung
zum berührungslosen Beheizen von laufenden Fäden, wie sie in der EP-A-569,082 beschrieben
worden ist.
[0074] Das Matrixvorgarn wurde über ein Lieferwerk bestehend aus zwei Galetten und einer
dazwischen angeordneten Heizvorrichtung ebenfalls der Texturierdüse zugeführt. Anstelle
oder zusätzlich zur dazwischengeschalteten Heizvorrichtung wurden die Liefergaletten
erhitzt. Bei der Heizvorrichtung handelte es sich um eine Vorrichtung zum berührungslosen
Beheizen von laufenden Fäden, wie sie in der EP-A-579,092 beschrieben worden ist.
[0075] Das Verhältnis der Überlieferung vor der Verwirbelungsdüse und dem nachgeschalteten
Abzugswerk bei den Verstärkungsvorgarnen und bei den Matrixvorgarnen werden ebenfalls
in der unten aufgeführten Tabelle angegeben.
[0076] Die Temperaturen der Galetten der Lieferwerke betrugen wahlweise zwischen 80 und
130 °C.
[0077] Nach dem Verlassen der Verwirbelungsdüse wurde das primäre Hybridgarn mittels einer
weiteren Galette abgezogen, wobei die Oberflächengeschwindigkeit der Galette so eingeregelt
wurde, daß die Garnstruktur auf die textilen Gebrauchseigenschaften optimiert wurde.
Einzelheiten zur Durchführung des Verfahrens finden sich in der nachfolgenden Tabelle.
[0078] In einer weiteren Tabelle 2 werden die Eigenschaften der erhaltenen Hybridgarne dargestellt.
Tabelle 1
| Herstellungsbedingungen der Hybridgarne |
| Beispiel Nr. |
Verstärkungsvorgarn (Typ; Titer dtex) |
Matrixvorgarn (Typ; Titer dtex) |
Überlieferung |
Heizer-/Galettentemperatur Verst.vorgarn (°C) |
Heizer-/Galetten temperatur Matr.vorgarn (°C) |
| |
|
|
Verst. vorgarn |
Matrix vorgarn (%) |
|
|
| 1 |
PET 1100 |
mod.PET 280 |
- |
60 |
- |
110 (Gal) |
| 2 |
PET 550 |
mod.PET 280 |
- |
30 |
- |
110 (Gal) |
| 3 |
Glas 3000 |
mod.PET 840 |
- |
30 |
500 |
110 (Gal) |
| 4 |
Glas 3000 |
mod.PET 840 |
- |
10 |
- |
160 |
| 5 |
Glas 3000 |
mod.PET 830 |
- |
30 |
500 |
110 (Gal) |
| 6 |
Glas 3000 |
mod.PET 750 |
- |
60 |
500 |
210 60 (Gal) |
| 7 |
Aramid 1100 |
mod.PET 280 |
- |
50 |
100 (Gal) |
110 (Gal) |
| 8 |
C-Faser 3000 |
mod.PET 840 |
- |
50 |
110 (Gal) |
110 (Gal) |
PET = Polyethylenterephthalat
mod.PET = isophthalsäure-modifiziertes PET |
Tabelle 2
| Eigenschaften der Hybridgarne |
| Beispiel Nr. |
eff. Titer (dtex) |
Festigkeit (cN/tex) |
Dehnung (%) |
Schrumpf bei 200°C |
Schrumpf bei 160 °C |
| 1 |
1600 |
50,2 |
18,1 |
3,5 |
1,1 |
| 2 |
930 |
37,9 |
21,8 |
3,9 |
1,0 |
| 3 |
4067 |
45,9 |
0,7 |
0 |
0 |
| 4 |
3880 |
46,5 |
0,8 |
0 |
0 |
| 5 |
4180 |
36,7 |
0,8 |
0,5 |
0 |
| 6 |
4590 |
39,8 |
0,8 |
3,1 |
0,6 |
| 7 |
1583 |
124,6 |
3,6 |
0,3 |
0 |
| 8 |
3219 |
56,1 |
1,3 |
0,1 |
0 |
2) Herstellung von schrumpfarmen Hybridgarnen (Variation der Voreilung des Matrixvorgarnes)
[0079] Analog zu Beispiel 1 wurden Hybridgarne durch Verwirbeln hergestellt. Als Verstärkungsvorgarne
wurden hochfeste PET-Multifilamentgarne des Titers 1100 dtex eingesetzt und als Matrixvorgarne
Filamentgarne des Titers 280 dtex auf der Basis von isophthalsäure-modifiziertem PET.
Einzelheiten zu den Herstellungsbedingungen sind in Tabelle 3 aufgelistet. Die Eigenschaften
der erhaltenen Garne sind in Tabelle 4 dargestellt.
Tabelle 3
| Herstellungsbedingungen der Hybridgarne |
| Beispiel Nr. |
Überlieferung |
Heizer-/Galettentemperatur Verst.vorgarn (°C) |
Heizer-/Galetten temperatur Matr.vorgarn (°C) |
| |
Verst. vorgarn |
Matrix vorgarn |
|
|
| 9 |
- |
- |
- |
- |
| 10 |
- |
10 % |
100 (Gal) |
110 (Gal) |
| 11 |
- |
20 % |
100 (Gal) |
110 (Gal) |
| 12 |
- |
30 % |
100 (Gal) |
110 (Gal) |
| 13 |
- |
40 % |
100 (Gal) |
110 (Gal) |
| 14 |
- |
50 % |
100 (Gal) |
110 (Gal) |
| 15 |
- |
60 % |
100 (Gal) |
110 (Gal) |
Tabelle 4
| Eigenschaften der Hybridgarne |
| Beispiel Nr. |
eff. Titer (dtex) |
Festigkeit (cN/tex) |
Dehnung (%) |
Schrumpf bei 200°C |
Schrumpf bei 160 °C |
| 9 |
1430 |
56,4 |
18,9 |
8,9 |
7 |
| 10 |
1455 |
55,8 |
18,0 |
5,4 |
1,9 |
| 11 |
1483 |
55,3 |
18,1 |
4,4 |
1,5 |
| 12 |
1517 |
53,7 |
18,2 |
4,2 |
1,4 |
| 13 |
1537 |
53,5 |
18,6 |
3,9 |
0,6 |
| 14 |
1577 |
50,5 |
17,9 |
3,7 |
1,1 |
| 15 |
1600 |
50,2 |
18,1 |
3,5 |
1,1 |
[0080] Diese Beispiele zeigen, daß der Schrumpf des verwirbelten Garnes sich bei der Vergrößerung
der Voreilung des Matrixvorgarnes verringert.
3) Herstellung Von schrumpfarmen Hybridgarnen (Variation der Voreilung und der Erhitzung
des Matrixvorgarnes)
[0081] Analog zu Beispiel 1 wurden Hybridgarne durch Verwirbeln hergestellt. Als Verstärkungsvorgarne
wurden Glas-Multifilamentgarne des Titers 3000 dtex eingesetzt und als Matrixvorgarne
Filamentgarne des Titers 750 dtex auf der Basis von isophthalsäure-modifiziertem PET.
Einzelheiten zu den Herstellungsbedingungen sind in Tabelle 5 aufgelistet. Die Eigenschaften
der erhaltenen Garne sind in Tabelle 6 dargestellt.
Tabelle 5
| Herstellungsbedingungen der Hybridgarne |
| Beispiel Nr. |
Überlieferung |
Heizer-/Galettentemperatur Verst.vorgarn (°C) |
Heizer-/Galetten temperatur Matr.vorgarn (°C) |
| |
Verst. vorgarn |
Matrix vorgarn |
|
|
| 16 |
- |
- |
- |
210 |
| 17 |
- |
10 % |
- |
210 |
| 18 |
- |
20 % |
- |
210 |
| 19 |
- |
30 % |
- |
210 |
| 20 |
- |
40 % |
- |
210 |
| 21 |
- |
50 % |
- |
210 + 60 (Gal) |
| 22 |
- |
60 % |
- |
210 + 60 (Gal) |
Tabelle 6
| Eigenschaften der Hybridgarne |
| Beispiel Nr. |
eff. Titer (dtex) |
Festigkeit (cN/tex) |
Dehnung (%) |
Schrumpf bei 200°C |
Schrumpf bei 160 °C |
| 16 |
4181 |
36,1 |
1,1 |
65,5 |
n.b. |
| 17 |
4250 |
34,4 |
0,7 |
33,4 |
n.b. |
| 18 |
4310 |
28,7 |
0,9 |
29,5 |
n.b. |
| 19 |
4380 |
27,5 |
0,7 |
25,1 |
n.b. |
| 20 |
4450 |
29,3 |
1,1 |
18,8 |
n.b. |
| 21 |
4515 |
30,8 |
1,3 |
7,5 |
3,8 |
| 22 |
4590 |
39,8 |
0,8 |
3,1 |
0,9 |
| n.b. = nicht bestimmt |
[0082] Diese Beispiele zeigen, daß der Schrumpf des verwirbelten Garnes sich bei der Vergrößerung
der Voreilung sowie einer verstärkten Erhitzung des Matrixvorgarnes verringert.
4) Bestimmung des Schrumpfes eines Hybridgarnes bei unterschiedlicher Vorspannkraft
[0083] In Analogie zu den oben beschriebenen Beispielen wurde ein schrumpfarmes Hybridgarn
mit Verstärkungsvorgarn aus PET und mit Matrixvorgarn aus isophthalsäure-modifiziertem
PET hergestellt. Der Garntiter betrug 1380 dtex. Dieses Garn wurde mit unterschiedlichen
Vorspanngewichten belastet und jeweils für 15 Minuten im Umluftofen bei einer Lufttemperatur
von 100 °C bzw. von 160 °C behandelt. Es wurden folgende Thermoschrumpfwerte gemessen:
| Vorspanngewicht (cN) |
0,16 |
0,5 |
0,8 |
1,5 |
3 |
| Thermoschrumpf bei 100°C |
33,5 |
2,3 |
1 |
0,5 |
0,5 |
| Thermoschrumpf bei 160°C |
0,4 |
0,3 |
0,3 |
0,2 |
0,1 |
5) Bestimmung des Verwirbelungsabstandes von Hybridgarnes mit unterschiedlichem Anteil
an Matrixkomponente
[0084] In Analogie zu den oben beschriebenen Beispielen wurden verschiedene schrumpfarme
Hybridgarne mit Verstärkungsvorgarn aus hochfestem PET und mit Matrixvorgarn aus isophthalsäure-modifiziertem
PET hergestellt. Die Garne unterschieden sich durch den Mengenanteil der Matrixkomponente
und durch einen unterschiedlichen Verwirbelungsgrad. Der Verwirbelungsabstand wurde
mittels eines Rothschild Entanglement Testers ermittelt. Es wurden folgende Werte
gemessen:
| Volumen % Matrix im Hybridgarn |
90 |
90 |
80 |
80 |
70 |
70 |
60 |
60 |
50 |
50 |
| intensiv verwirbelt |
+ |
- |
+ |
- |
+ |
- |
+ |
- |
+ |
- |
| flach verwirbelt |
- |
+ |
- |
+ |
- |
+ |
- |
+ |
- |
+ |
| Verwirbelungsabstand (mm) |
57 |
101 |
41 |
87 |
32 |
70 |
28 |
59 |
19 |
51 |
6) Charakterisierung von Eigenschaften von Hybridgarnen mit einer Matrixkomponente
mit unterschiedlichem Schmelzpunkt
[0085] In Analogie zu den oben beschriebenen Beispielen wurden schrumpfarme Hybridgarne
aus Verstärkungsvorgarn aus PET und aus Matrixvorgarn aus unterschiedlichen isophthalsäure-modifizierten
PET-Typen hergestellt. Die Herstellungsbedingungen waren jeweils gleich. Die Matrixvorgarne
unterschieden sich im Schmelzbereich des PET-Typs. Der Anteil der Matrixkomponente
in den Hybridgarnen betrug jeweils 15 bis 20 Vol %. Die Überlieferung des Matrixvorgarnes
lag zwischen 50 und 100 %. Einige Eigenschaften der hergestellten Hybridgarne sind
in der folgenden Tabelle aufgelistet.
| Hybridgarn Probe |
A |
B |
C |
| Schmelzbereich mod.PET Komponente (°C) |
ca. 130 |
ca. 170 |
ca. 225 |
| Garntiter (dtex) |
1330 |
1313 |
1558 |
| Thermoschrumpf bei 160°C |
0,7 |
0,9 |
0,9 |
| Thermoschrumpf bei 200°C |
1,3 |
1,8 |
1,9 |
| Höchstzugkraftdehnung (%) |
16 |
16,5 |
15,8 |
| Höchstzugkraft (cN/tex) |
51 |
52,5 |
48,8 |
[0086] Es ist zu erkennen, daß sich Hybridgarne mit unterschiedlichen Schmelzbereichen der
Matrixkomponente aber vergleichbaren mechanischen Eigenschaften herstellen lassen.
1. Hybridgarne enthaltend Verstärkungsfilamente und Matrixfilamente aus thermoplastischen
Polymeren, die einen tieferen Schmelzpunkt als der Schmelz- oder Zersetzungspunkt
der Verstärkungsfilamente aufweisen, dadurch gekennzeichnet, daß die Hybridgarne einen
Thermoschrumpf, gemessen an einer Garnprobe unter einer Belastung von 0,0004 cN/dtex
bei einer Lufttemperatur von 160 °C, von kleiner gleich 2 %, insbesondere von kleiner
gleich 1 %, und bei einer Lufttemperatur von 200 °C von kleiner gleich 5 %, insbesondere
von kleiner gleich 3 %, aufweisen.
2. Hybridgarne nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß diese eine statische Schrumpfkraft,
gemessen nach DIN 53866, Teil 12, bei Temperaturen von bis zu 200 °C von bis zu 0,01
cN/dtex aufweisen.
3. Hybridgarne nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß diese einen Verwirbelungsabstand
von weniger als 60 mm, vorzugsweise weniger als 30 mm aufweisen, wobei dieser Wert
sich auf eine Messung mit dem Rothschild Entanglement Nadeltestgerät 2050 bezieht.
4. Hybridgarne nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es sich um Glattgarne handelt.
5. Hybridgarne nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Matrixfilamente aus thermoplastischen
Polymeren einen Schmelzpunkt aufweisen, der mindestens 30 °C unter dem Schmelz- oder
Zerstetzungspunkt der Verstärkungsfilamtente liegt.
6. Hybridgarne nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Verstärkungsfilamente
einen Anfangsmodul von größer als 50 Gpa aufweisen, und vorzugsweise aus Glas, Kohlenstoff
oder aromatischem Polyamid bestehen.
7. Hybridgarne nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Verstärkungsfilamente
einen Anfangsmodul von größer als 10 GPa aufweisen und aus Polyester, insbesondere
aus Polyethylenterephthalat, bestehen.
8. Hybridgarne nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Matrixfilamente auf Polybutylenterephthalat
und/oder aus Polyethylenterephthalat und/oder aus chemisch modifiziertem Polyethylenterephthalat
bestehen.
9. Hybridgarne nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß Verstärkungsfilamente und
Matrixfilamente aus einer Polymerklasse bestehen, vorzugsweise aus Kombinationen Polyamid/Polyamid,
Polyolefin/Polyolefin oder insbesondere aus Polyester/Polyester.
10. Hybridgarne nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Matrixfilamente aus einem
chemisch modifizierten Polyethylenterephthalat enthaltend die wiederkehrenden Struktureinheiten
der Formeln I und II bestehen
-O-OC-Ar1-CO-O-R1- (I),
-O-OC-R2-CO-O-R3- (II),
worin Ar1 einen zweiwertigen ein- oder mehrkernigen aromatischen Rest darstellt, dessen freie
Valenzen sich in para-Stellung oder in einer zu dieser Stellung vergleichbaren parallelen
oder koaxialen Stellung zueinander befinden, vorzugsweise 1,4-Phenylen und/oder 2,6-Naphthylen
darstellt, R1 und R3 unabhängig voneinander zweiertige alipahtische oder cycloaliphatische Reste darstellen,
insbesondere Reste der Formel -CnH2n-, worin n eine ganze Zahl zwischen 2 und 10 ist, insbesondere Ethylen, oder einen
von Cyclohexandimethanol agbeleiteten Rest darstellen, und R2 einen zweiwertigen aliphatischen, cycloaliphatischen oder ein- oder mehrkernigen
aromatischen Rest darstellt, dessen freie Valenzen sich in meta-Stellung oder in einer
zu dieser Stellung vergleichbaren gewinkelten Stellung zueinander befinden, vorzugsweise
1,3-Phenylen darstellt.
11. Hybridgarne nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Matrixfilamente aus
einem chemisch modifizierten Polyethylenterephthalat bestehen, das 40 bis 95 Mol %
der wiederkehrenden Struktureinheiten der Formel I und 60 bis 5 Mol % der wiederkehrenden
Struktureinheiten der Formel II enthält, worin Ar1 1,4-Phenylen und/oder 2,6-Naphthylen ist, R1 und R3 Ethylen bedeuten und R2 1,3-Phenylen ist.
12. Hybridgarne nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Matrixfilamente aus einem
thermoplastischen und elastomeren Polymeren bestehen, insbesondere aus einem Polyurethan,
einem Polyamid oder vorzugsweise aus einem Polyester.
13. Verfahren zur Herstellung der schrumpfarmen Hybridgarne nach Anspruch 1 umfassend
die Maßnahmen
a) Zuführen von zwei oder mehreren sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegenden
Vorgarnsträngen zu einer Verwirbelungsdüse, wobei zumindest eine Teil der Vorgarnstränge
(Verstärkungsvorgarn) aus Verstärkungsfilamenten besteht und ein weiterer Teil der
Vorgarnstränge (Matrixvorgarn) aus tieferschmelzenden Matrixfilamenten aus thermoplastischen
Polymeren besteht, die einen Thermoschrumpf bei 200 °C von mehr als 20 % aufweisen,
b) Erwärmen des Matrixvorgarnes während des Zuführens in die Verwirbelungsdüse auf
eine derartige Temperatur, daß zumindest ein Teil des Schrumpfes ausgelöst wird,
c) Verwirbeln der Vorgarnstränge in der Verwirbelungsdüse unter derartigen Bedingungen,
daß sich ein primäres Hybridgarn ausbildet, und
d) Abziehen des erhaltenen primären Hybridgarnes gegebenenfalls unter Schrumpf und/oder
zusätzlichem Erhitzen.
14. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß die Unterschiede in der Voreilung
der in die Verwirbelungsdüse einlaufenden Vorgarne so gewählt werden, daß sich beim
Verwirbeln ein Hybridglattgarn ausbildet.
15. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß die Unterschiede in der Voreilung
der in die Verwirbelungsdüse einlaufenden Vorgarne so gewählt werden, daß sich beim
Verwirbeln ein Hybridschlingengarn ausbildet, dessen Schlingen durch Auslösen des
Schrumpfes in einer oder mehreren darauffolgenden Erhitzungsstufen wieder weitgehend
geglättet werden.
16. Verwendung der schrumpfarmen Hybridgarne nach Anspruch 1 zur Herstellung von Verbundwerkstoffen
oder von textilen Flächengebilden, insbesondere zur Herstellung von Gelegen.