[0001] Die Erfindung betrifft einen Thermistor mit einer Halbleiterkeramik mit einem Oxid-Spinell.
[0002] Thermistoren, auch NTC-Widerstände genannt, haben einen negativen Temperaturkoeffizienten
(NTC), ihr spezifischer Widerstand nimmt mit der Temperatur annähernd exponentiell
ab. Als widerstandsbestimmende Materialien werden üblicherweise halbleitende Oxidkeramiken
verwendet. Keramische Thermistoren sind als Temperatursensoren weitverbreitet, z.
B. in der Lebensmittel- und Kunststoffindustrie, in der Kfz-Elektronik, in transportablen
Betriebsmeßgeräten und in der medizinischen Technik, auch als Fieberthermometer. Ein
Teil der Anwendungen betrifft die Temperaturkompensation von Spulen, die Arbeitspunktstabilisierung
von Transistoren und die Übertemperatursicherung von elektronischen Geräten. Vorteilhafte
Anwendungen ergeben sich auch in der Tieftemperatur-Meßtechnik, als Strahlungsempfänger
in Pyrometern und als Geber in Strömungsanemometern.
[0003] Es existiert eine Vielzahl von halbleitenden Oxidkeramiken mit NTC-Characteristik.
Für die praktische Anwendbarkeit müssen neben der Temperaturabhängigkeit des Widerstandes
weitere Bedingungen wie gute Sinterbarkeit, mechanische und chemische Stabilität erfüllt
sein.
[0004] Eine wichtige Gruppe von keramischen Werkstoffen für die Herstellung von Thermistoren
sind die Oxid-Spinelle. Dabei handelt es sich um Ionenkristalle der Zusammensetzung
AB
2O
4, deren Aufbau durch die kubisch dichteste Kugelpackung der großen negativ geladenen
Sauerstoffionen O
2-, bestimmt wird. Die größeren Kationen A besetzen Oktaederlücken des Anionengitters,
die Kleineren Kationen B die Tetraederlücken des Anionengitters. Heutige Thermistor-Bauelemente
basieren fast ausschließlich auf Mischkristallen mit Spinellstruktur, die sich im
allgemeinen aus 2 bis 4 Kationen der Gruppe Mangan, Nickel, Cobalt, Eisen, Kupfer
und Titan zusammensetzen. Ein Problem ist jedoch die thermische Stabilität dieser
Verbindungen. Um einheitliche Spinellphasen zu erhalten, ist schon beim Herstellungsverfahren
eine genaue Prozeßführung notwendig. Außerdem dürfen die Arbeitstemperaturen bestimmte
obere Grenzwerte nicht überschreiten.
[0005] Es ist in der DE 42 13 629 vorgeschlagen worden, NTC-Widerstände mit der allgemeinen
Formel Zn
zFe
x-zIIINi Mn
2-x-zIIIMn
zIVO
4 mit 0 > z < x herzustellen. Diese Oxidspinelle bilden eine einheitliche Spinellphase,
sie verfallen bei der Herstellung nicht in separate Oxidphasen und lassen sich daher
mit reproduzierbarer Einstellung der Thermistorparameter herstellen.
[0006] Im Gebrauch verändert sich jedoch in diesen Spinellphasen durch Wechselwirkung mit
der Atmosphäre die Oxidationsstufen des Eisens und damit auch die Themistorparameter.
Außerdem lassen sich so nur Spinelle mit bestimmten Thermistorparameterbereichen herstellen.
[0007] Es ist daher eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen Thermistor mit einer
Halbleiterkeramik mit einem Oxid-Spinell zu schaffen, der thermisch stabil ist und
hohe Thermistorparameter aufweist.
[0008] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe gelöst durch einen Thermistor mit einer Halbleiterkeramik
mit einem Oxid-Spinell, der die Elemente Mangan, Nickel und Indium enthält.
[0009] Ein Thermistor mit einer Halbleiterkeramik mit einem Oxid-Spinell, der die Elemente
Mangan, Nickel und Indium enthält, ist thermodynamisch sehr stabil, weil Indium nur
in einer Oxidatonsstufe (+3) auftritt und daher nicht mit dem Sauerstoff der Atmospäre
reagiert. Er zeichnet sich weiterhin durch hohe Werte für den spezifischen Widerstand
und den B-Wert aus.
[0010] Es ist im Rahmen der vorliegenden Erfindung besonders bevorzugt, daß der Oxid-Spinell
die Zusammensetzung Mn
2,33-xIn
xNi
0,67O
4 mit 0,05 ≤ x ≤ 0,75 hat. Spinelle mit dieser Zusammensetzung zeichnen sich durch
eine besondere Stabilität bei hohen Arbeitstemperaturen aus, weil ihre Kristallstruktur
monomorph ist, d.h. sie verändert sich nicht bei höheren Temperaturen.
[0011] Es ist bevorzugt, daß der Spinell die Zusammensetzung Mn
2,33-xIn
xNi
0,67O
4 mit 0,5 ≤ x ≤ 0,66 hat.
[0012] Es ist besonders bevorzugt, daß der Spinell die Zusammensetzung Mn
2,33-xIn
xNi
0,67O
4 mit x =0.58 ± 0,02 hat. Ein Thermistor mit einer derartigen Zusammensetzung hat eine
überraschend hohe thermische Stabilität des Widerstandswertes im Langzeittest.
[0013] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Beispielen und einer Zeichnung weiter erläutert.
[0014] Fig. 1: Spezifischer Widerstand und B-Wert als Funktion des Indium-Gehaltes x in Mn
2.33-xIn
xNi
0.67O
4.
[0015] Der erfindungsgemäße Thermistor enthält eine Halbleiterkeramik mit einem Oxid-Spinell,
der die Elemente Mangan, Nickel und Indium enthält, insbesondere solche der Zusammensetzung
Mn
2,33-xIn
xNi
0,67O
4 mit 0,05 ≤ x ≤ 0,75. Durch die geringe Elektronenaffinität und das hohe Ionisationspotential
des Indiums(+3) ist dieser Oxid-Spinell redoxstabil und verändert sich nicht durch
Wechselwirkung mit der Atmosphäre bei erhöhten Temperaturen.
[0016] Die Zusammensetzung des Spinell wird bevorzugt so gewählt, daß sie in der Nähe des
Phasenüberganges von der kubischen zur tetragonalen Spinell-Struktur liegt und die
Zusammensetzung Mn
2,33-xIn
xNi
0,67O
4 mit 0,05 ≤ x ≤ 0,75 hat. Überraschenderweise wurde gefunden, daß diese Zusammensetzungen
minimale Alterung zeigen.
[0017] Die Herstellung des Thermistors erfolgt nach den üblichen keramischen Fertigungsmethoden,
wobei je nach den angestrebten Toleranzen und dem Anwendungsgebiet zahlreiche Varianten
möglich sind. Als Ausgangsverbindungen kann man von Oxiden, Hydroxiden, Carbonaten,
Oxalaten u. ä. verwenden. Diese werden gemäß der gewünschten Zusammensetzung eingewogen,
naß gemahlen, getrocknet und granuliert. Anschließend kann man das Oxid- Gemisch bei
900°C bis 1000°C kalzinieren, um eine Vorverdichtung und chemische Homogenisierung
zu erreichen. Die kalzinierte Mischung wird erneut gemahlen und mit einer Bindemittelzusammensetzung
suspendiert. Daran schließt sich die Formgebung an. Die Pulversuspension kann zu Folien
gegossen werden oder für Schaltungen in Dickschichttechnik auf ein Substrat siebgedruckt
werden. Die Suspension kann auch zu Granulat verarbeitet werden, aus dem dann beliebige
Formkörper gepreßt werden können. Anschließend erfolgt zunächst der Binderausbrand
und dann die abschließende Sinterung, bei dem die Spinellphase gebildet wird. In einem
weiteren Verfahrensschritt werden die Kontakte aufgebracht.
[0018] Es bilden sich einphasige Oxid-Spinelle, die die Elemente Mangan, Nickel und Indium
enthalten. Dies wird durch röntgenographische Untersuchungen bestätigt.
Ausführungsbeispiel
[0019] Es werden Halbleiterkeramiken mit Oxidspinellen hergestellt, die Zusammensetzung
Mn
2,33-xIn
xNi
0,67O
4 mit x= 1/12, 1/6,1/3 und 2/3 haben . Die entsprechenden Ausgangsoxide werden im stöchiometrischen
Mischungsverhältnis gemischt und 16 Stunden mit Zirkon-Mahlkugeln gemahlen. Das vorgemischte
Pulver wird mit einer konventionellen Bindemittelzubereitung granuliert. Aus dem Granulat
werden Tabletten mit einem Durchmesser von 6mm und einer Dicke von 1mm gepreßt. Diese
Tabletten werden sechs Stunden bei 1250°C an der Luft gesintert. Röntgenbeugungsaufnahmen
zeigen, daß die so erhaltene Halbleiterkeramik ein einphasiges Material mit Spinell
- Struktur ist. Die relative Dichte der Mischkristalloxide ist größer als 97 % der
theoretischen Dichte.
Testergebnisse
[0020] Fig. 1 zeigt, daß wichtigsten Thermistorparameter, d.h. der spezifische Widerstand
(R
25) und der B-Wert mit wachsendem Indium-Gehalt zunehmen.
[0021] Die Alterungsversuche wurden bei 150°C über 1800 h durchgeführt. Dabei wurden in
Abständen die Thermistorparameter R
25 und die thermische Konstante B gemessen. Die Versuche ergaben, daß die Alterung nach
150 h praktisch abgeschlossen ist. Die Versuche ergaben weiterhin, daß die relative
Änderung des Widerstandes R/R
0 mit der Zeit in der Nähe der Phasengrenze zwischen kubischer und tetragonaler Phasengrenze
ein Minimum hat.
1. Thermistor mit einer Halbleiterkeramik mit einem Oxid-Spinell, der die Elemente Mangan,
Nickel und Indium enthält.
2. Thermistor nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Oxid- Spinell die Zusammensetzung Mn2,33-xInxNi0,67O4 mit 0,05 ≤ x ≤ 0,75 hat.
3. Thermistor nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Oxid- Spinell die Zusammensetzung Mn2,33-xInxNi0,67O4 mit 0,5 ≤ x ≤ 0,66 hat.
4. Thermistor nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Oxid- Spinell die Zusammensetzung Mn2,33-xInxNi0,67O4 mit x =0.58 ± 0,02 hat.