[0001] Die Erfindung betrifft ein Zylinderschloß mit Zylinderkern, in dessen Schlüsselkanal
ein Schlüssel einschiebbar ist, durch den im Zylinderkern ein Schieberelement verschiebbar
und, dessen Stellung durch eine Sperrleiste abtastbar ist, die wahlweise mit einem
Rastelement in eine Rastausnehmung des Zylindergehäuses eingreift und das Schloß blockiert
oder aus der Rastausnehmung ausrückbar ist und das Schloß freigibt.
[0002] Bei Zylinderschlössern liegt stets die Aufgabe vor, eine möglichst hohe Variationszahl
zuzulassen und dennoch die nötige Verschleißfestheit, Sicherheit gegen unbefugtes
Aufsperren und Funktionssicherheit im täglichen Gebrauch zu gewährleisten. Durch das
Erfordernis, die Variationszahl zu erhöhen, kommt es zu der Schwierigkeit, daß die
mechanischen Abtast- und Sperrelemente dimensionsmäßig kleiner werden, sodaß der Verschleiß-
und Funktionssicherheit erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet werden muß. Insbesondere
besteht die Gefahr, daß bei filigranen Abtast- und Sperrelementen die Schloßkonstruktion
beschädigt wird, wenn mit einem falschen Schlüssel oder nicht richtig eingeschobenem
richtigen Schlüssel versucht wird, den Zylinderkern zu verdrehen. Die relativ hohen
Drehkräfte können derartige Schloßelemente beschädigen oder sogar zerstören.
[0003] Der Stand der Technik kennt bereits mehrere Konstruktionen, um zu hohe Drehkräfte
von Schloßteilen fern zu halten bzw. durch robustere Schloßteile abzufangen. Aus der
AT-PS 367 844 ist es bekannt geworden, Schiebeelemente, die am Schlüssel schräg seitlich
angreifen, durch eine axialverschiebbare Abtastleiste abzutasten. Die Verschiebestellung
der Abtastleiste wird durch eine radialverschiebbare Sperrleiste abgetastet. Übermäßig
hohe Drehkräfte bewirken ein nur geringfügiges Verdrehen des Zylinderkerns, wobei
durch einen Rastring die Grenzdrehkraft definiert ist. In weiterer Folge wird die
Drehkraft von der massiven Sperrleiste aufgefangen. Die Drehkräfte werden somit weitgehend
von den filigranen Schiebeelementen ferngehalten.
[0004] Ähnliche Grenzkraftbegrenzungen sind auch durch die AT-PS 371 883 oder AT-PS 381
132 bekannt geworden. Die bekannte Anordnung einer Kombination einer axialverschiebbaren
Abtastleiste und einer radialverschiebbaren Rastleiste ist im Aufbau relativ kompliziert
und teuer. Die Rastringe als Drehkraftbegrenzer sind sehr toleranzempfindlich und
erschweren die Montage.
[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt unter anderem die Aufgabe zugrunde, einen mechanischen
Überlastschutz für die Abfrage von Schieberelementen oder Sperrstiften etc. vorzusehen,
der den zuvor geschilderten Anforderungen genügt, möglichst günstig in der Herstellung
und verschleißsicher ist, sowie leicht montiert werden kann.
[0006] Das eingangs genannte Zylinderschloß ist gemäß vorliegender Erfindung dadurch gekennzeichnet,
daß die Sperrleiste wenigstens einen Steuerschieber und einen Abfrageschieber umfaßt,
die gegen Federkraft relativ zueinander verschiebbar sind, daß der Steuerschieber
wenigstens eine Auflauffläche besitzt, die beim Verdrehen auf einer der Steuerkanten
der Rastausnehmung aufläuft und die Sperrleiste in den Zylinderkern drückt, und daß
der Abfrageschieber ein Abfrageelement zum Abfragen der Verschiebestellung des Schieberelementes
aufweist, wobei in blockierender Stellung des Schieberelementes das radiale Eintauchen
des Abfrageschiebers verhindert und das weitere Verdrehen des Zylinderkernes blockiert
ist.
[0007] Weitere Merkmale der Erfindung sind den Ansprüchen, den Zeichnungen und der nachfolgenden
Beschreibung zu entnehmen.
[0008] Im folgenden wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispieles näher erläutert.
Fig. 1 zeigt einen Querschnitt durch das erfindungsgemäße Zylinderschloß nach der
Linie I-I in Fig. 3. Fig. 2 zeigt einen Teilschnitt gemäß der Linie II-II in Fig.
3. Fig. 3 ist eine teilweise geschnittene Seitenansicht auf den Zylinderkern und Fig.
4 eine teilweise geschnittene Aufsicht. Die Figuren 5, 6, 7 und 8 zeigen Schnitte
analog den Figuren 1,2 bei verschiedenen Funktionsstellungen.
[0009] Gemäß Fig. 1 weist das Zylinderschloß in bekannter Weise ein Zylindergehäuse 1 auf,
in dessen Kernbohrung 2 der Zylinderkern 3 verdrehbar ist. Die Verdrehung erfolgt
um die Drehachse 4, durch die die Mittellängsebene 5 des Zylinderkerns verläuft. Wenn
in der Beschreibung von axialer Richtung gesprochen wird, dann bedeutet dies eine
Richtung in oder parallel zur Drehachse 4.
[0010] Im axialen Schlüsselkanal 6 ist der Schlüssel 7 aufgenommen, der hier an seinen beiden
Flachseiten 8 je eine Steuerausnehmung 9 trägt.
[0011] In den Zeichnungen sind die weiteren Schloßteile, die von den Steuerausnehmungen
9 des Schlüssel gesteuert werden, nur auf einer Seite der Mittellängsebene 5 eingezeichnet.
Alle diese Teile können auch auf der anderen Seite der Mittellängsebene 5 angeordnet
sein, oder auch zu beiden Seiten, also doppelt, vorgesehen sein.
[0012] Die Steuerausnehmung 9 des Schlüssels steuert über einen Abfragebolzen 10 das Schieberelement
11, das in der Schieberausnehmung 12 etwa parallel zum Schlüsselkanal 6 innerhalb
des Zylinderkerns 3 verschiebbar ist. Das Schieberelement 11 weist seinerseits zwei
Steuerausnehmungen 13, 14 auf, wobei die eine Steuerausnehmung 13 dem Abfrageelement
15 einer radialen Sperrleiste 16 gegenüberliegt. Die radiale Sperrleiste umfaßt wenigstens
zwei massive Körper, nämlich den Abfrageschieber 17 und einen oder mehrere Steuerschieber
18. Die radiale Sperrleiste 16 ist in einer axialen Ausnehmung 19 des Zylinderkerns
3 angeordnet und innerhalb dieser axialen Ausnehmung in radialer Richtung verschiebbar.
[0013] Der Abfrageschieber 17 trägt innen in Richtung zu dem oder (den) Schieberelement(en)
das Abfrageelement 15, wobei es sich bevorzugt um eine Leiste handelt. Auf der anderen
Seite trägt der Abfrageschieber 17 einen Sperrkopf 20, der in Funktionsstellung gemäß
Fig. 1 in die Rastausnehmung 21 des Zylindergehäuses 1 ragt. Die radiale Sperrleiste
16 ist insgesamt durch die Druckfeder 22 nach außen vorgespannt, wobei bevorzugt mehrere
solcher Druckfedern vorgesehen werden. Die Druckfeder 22 ist an der Innenwand der
Ausnehmung 19 im Zylinderkern abgestützt, wie der Fig. 1 zu entnehmen ist.
[0014] An ein oder mehreren Stellen des bevorzugt leistenförmig ausgebildeten Abfrageschiebers
17 sitzt jeweils ein Steuerschieber 18, wie in Fig. 2 dargestellt ist. Der Steuerschieber
18 ist als Bestandteil der radialen Sperrleiste 16 gemeinsam mit dem Abfrageschieber
17 innerhalb der axialen Ausnehmung 19 verschiebbar und weiters ist der Steuerschieber
18 gegenüber dem Abfrageschieber 17 gegen die Kraft der Steuerfeder 23 verschiebbar.
Durch den Haltebolzen 24 ist der Steuerschieber in seiner Endlage gegenüber dem Abfrageschieber
17 begrenzt und gehalten. Die Verschiebbarkeit innerhalb der axialen Ausnehmung 19
entspricht der Wegstrecke 25, die zumindest der Tiefe der Begrenzung 26 der Rastausnehmung
21 entsprechen soll. Jedenfalls muß die Strecke 25 so weit das Eintauchen der radialen
Sperrleiste 16 zulassen, daß diese vollständig in den Zylinderkern eingeschoben werden
kann. Die Steuerfedern 23 haben gemeinsam eine höhere Federkraft als die Gemeinsamkeit
aller Druckfedern 22.
[0015] Der Steuerschieber 18 weist zwei Steuerkanten 27, 28 auf, die mit schrägen Auflaufflächen
29 des Steuerschiebers 18 zusammenwirken. Wie der Fig. 1 zu entnehmen ist, sind die
Auflaufflächen 29 seitlich zu Anschlagflächen 30 des Sperrkopf 20 angeordnet und die
Funktion wird weiter unten erklärt.
[0016] Wie den Figuren 3, 4 zu entnehmen ist, weist der Zylinderkern 3 parallel zum Schlüsselkanal
eine Reihe von vier Schieberausnehmungen 12 auf, die jeweils ein Schieberelement 11
aufnehmen. Die Abfragebolzen 10 sind strichliert angedeutet, die durch eine geschwungene
Steuernut 31 des Schlüssels 7 in die entsprechende Schiebestellung gebracht sind.
Die radiale Sperrleiste 16 erstreckt sich über alle vier Schieberausnehmungen 12 und
deren Schieberelemente 11. Der Abfrageschieber 17 ist als Leiste vorgesehen und trägt
einen leistenförmigen Sperrkopf 20. Die Druckfedern 22 sitzen an den beiden Enden
des leistenförmigen Abfrageschiebers 17.
[0017] Auf dem Abfrageschieber 17 sitzen zwei Steuerschieber 18 mit den Auflaufflächen 29,
den Haltebolzen 24 und jeweils einer Steuerfeder 23.
[0018] Bei der Funktionsstellung gemäß den Figuren 1 und 2 befindet sich der Zylinderkern
in 0-Stellung, also in der unverdrehten Stellung, wie sie beim Einschieben des Schlüssels
in den Schlüsselkanal gegeben ist. Der Schlüssel ist ein richtiger Schlüssel, sodaß
der Zylinderkern verdreht werden kann.
[0019] Beim Verdrehen des Zylinderkerns 3 (Fig. 5) laufen die beiden Auflaufflächen 29 der
beiden Steuerschieber 18 (an dessen einer Seite) auf die zugehörige Steuerkante 27
der Rastausnehmung 21 auf, und drücken die gesamte radiale Sperrleiste 16 gegen den
Druck der schwächeren Druckfedern 22 in die axiale Ausnehmung 19 des Zylinderkerns.
die Abfrageelemente 15 (bevorzugt eine durchgehende Leiste) treten dabei in die Steuerausnehmung
13 aller Schiebelemente 11 des Zylinderschlosses an dieser einen Seite des Zylinderschlosses.
Dieses Eintauchen ist nur möglich, wenn alle Steuerausnehmungen 13 fluchten, was nur
dann zutrifft, wenn der richtige Schlüssel verwendet ist.
[0020] Die Figuren 5 und 6 zeigen die Situation beim Verdrehen mit dem richtigen Schlüssel
und wie der Sperrkopf 20 unter die Steuerkante 27 taucht, sodaß der Zylinderkern frei
verdreht werden kann.
[0021] Die Figuren 7 und 8 zeigen die Funktionsstellung, wenn ein falscher Schlüssel eingeschoben
ist, bei dem die Schieberelemente oder eines der Schieberelmente in Sperrstellung
stehen. Das Abfrageelement 15 kann nicht in eine der Steuerausnehmungen 13, 14 eintauchen,
wodurch auch der Abfrageschieber 17 insgesamt gehindert ist, unter der Steuerkante
27 der Rastausnehmung 21 durchzutauchen. Der Rastkopf 20 schlägt mit seiner Anschlagfläche
30 an der Begrenzung 26 der Rastausnehmung 21 an, und die relativ hohen Drehkräfte
werden von der gesamten Materialstärke des Sperrkopfes 20 aufgefangen.
[0022] Wie der Fig. 8 zu entnehmen ist, wird der Steuerschieber 18 beim anfänglichen Verdrehen
des Zylinderkerns zufolge seiner Auflauffläche 29, die auf der Steuerkante 27 aufläuft,
in die zugehörige Ausnehmung 19 im Zylinderkern hineingeschoben. Diese Verschiebung
erfolgt gegen die Kraft der starken Steuerfeder 23, sodaß es zu einer Relativverschiebung
zwischen Steuerschieber und Abfrageschieber kommt.
[0023] Somit müssen das Schieberelement 11 oder alle jene Schieberelemente 11, die sich
in blockierender Stellung befinden, lediglich die Kraft der Steuerfeder 23 (oder beider
Steuerfedern 23) aufnehmen, nicht aber die hohen Drehkräfte, die vom Sperrkopf 20
des Abfrageschiebers aufgefangen werden.
[0024] Die grundsätzliche Erfindungsidee ist nicht auf das dargestellte Ausführungsbeispiel
eingeschränkt. Die Abfrage der Steuerinformationen des Schlüssels durch Schieberelemente
kann auch anders erfolgen, z.B. durch Schrägstellung der Schieberelemente und Abtastung
des Schlüssels im Seitenbereich. Wesentlich ist, daß die Schieberelemente in einer
Richtung durch den Schlüssel verschoben werden und deren Schiebestellung durch eine
Sperrleiste abgefragt wird, deren Bewegung quer zu der ersten Richtung erfolgt. Die
Zahl der Schieberelemente ist beliebig wählbar. Sämtliche Sperrelemente können entweder
auf einer der Schloßseiten oder auf beiden Seiten vorgesehen sein. Die Abfrageschieber
können als eine durchgehende Leiste ausgebildet sein, wie hier dargestellt, oder als
jeweils einzelne Schieber gemeinsam mit jeweils einem Steuerschieber vorgesehen sein.
[0025] Die Federn 22,23 können durch elastische Elemente ersetzt werden. Anstelle der schwächeren
Federn 22 kann das Abfrageelement 15 durch schräge Anordnung der Seitenflächen im
Querschnitt keilförmig ausgebildet sein, sodaß bei analoger keilförmiger Ausbildung
der Ausnehmungen 13,14 die Sperrleiste beim Verdrehen nach außen gedrückt werden kann.
1. Zylinderschloß mit Zylinderkern, in dessen Schlüsselkanal ein Schlüssel einschiebbar
ist, durch den im Zylinderkern ein Schieberelement verschiebbar und, dessen Stellung
durch eine Sperrleiste abtastbar ist, die wahlweise mit einem Rastelement in eine
Rastausnehmung des Zylindergehäuses eingreift und das Schloß blockiert oder aus der
Rastausnehmung ausrückbar ist und das Schloß freigibt, dadurch gekennzeichnet, daß
die Sperrleiste (16) wenigstens einen Steuerschieber (18) und einen Abfrageschieber
(17) umfaßt, die gegen Federkraft relativ zueinander verschiebbar sind, daß der Steuerschieber
(18) wenigstens eine Auflauffläche (29) besitzt, die beim Verdrehen auf einer der
Steuerkanten (27,28) der Rastausnehmung (21) aufläuft und die Sperrleiste (16) in
den Zylinderkern (3) drückt, und daß der Abfrageschieber (17) ein Abfrageelement (15)
zum Abfragen der Verschiebestellung des Schieberelementes (11) aufweist, wobei in
blockierender Stellung des Schieberelementes (11) das radiale Eintauchen des Abfrageschiebers
(17) verhindert und das weitere Verdrehen des Zylinderkernes (3) blockiert ist.
2. Zylinderschloß nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Abfrageschieber (17)
als Leiste ausgebildet ist, auf der wenigstens zwei Steuerschieber (18) angeordnet
sind.
3. Zylinderschloß nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Abfrageschieber
(17) durch wenigstens eine, bevorzugt zwei, Druckfedern (22), und daß die Steuerschieber
(18) von einer Druckfeder als Steuerfeder (23) von dem Abfrageschieber (17) weg in
Richtung zum Zylindergehäuse (1) vorgespannt sind.
4. Zylinderschloß nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Federkraft der Steuerfeder(n)
(23) stärker ist als die gemeinsame Federkraft der Druckfedern (22).
5. Zylinderschloß nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
das Abfrageelement (15) als Leiste ausgebildet ist, die sich wenigstens über alle
Schieberelemente (11) an einer Schloßhälfte (an einer Seite der Mittellängsebene 5)
erstreckt.
6. Zylinderschloß nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
der Abfrageschieber (17) und der Steuerschieber mittels eines Haltebolzen (24) verbunden
sind.