[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines Formteils aus mindestens
einer Mischung mit mindestens den Bestandteilen Sand, Zuschlagstoffe, Zement und Wasser.
Ferner betrifft die Erfindung eine Presse zum Ausführen des genannten Verfahrens sowie
ein nach dem genannten Verfahren hergestelltes Formteil.
[0002] Im Bausektor im weiteren Sinne sowie in der Feuerfestindustrie werden zementgebundene
Erzeugnisse im Betongießverfahren bzw. durch Vibrationsverdichtung oder unter Anwendung
von Preßdrücken in der Größenordnung von 2 kN/cm
2 hergestellt.
[0003] Die zu verarbeitende Masse beim Gieß- bzw. Rüttelverfahren enthält im allgemeinen
grobstückige mineralische Rohstoffe, wie Kies, Tonerde, Splitt etc. und einen dem
Anwendungsfall entsprechenden Gehalt an Zement. Das Trockengemisch wird mit Wasser
und ggf. weiteren Zuschlagstoffen angemacht, um eine pastöse bis flüssige Betonmasse
zu erhalten. Mit Hilfe von Abbindebeschleunigern bzw. -verzögerern können Anpassungen
an die Herstellungstechnologie vorgenommen werden. Die Aushärte- und Trockenzeit bis
zur Transportfähigkeit der Teile beträgt in der Regel mehr als 10 bis 15 Stunden.
[0004] Von entscheidender Bedeutung ist der Wassergehalt bezogen auf die zugegebene Zementmenge.
Das Wasser reagiert nämlich im Laufe des Abbinde- und Aushärteprozesses mit dem Zement.
Dabei bilden sich sogenannte Hydratphasen, d.h. chemische und mineralogische Reaktionsprodukte,
die für die Festigkeit und die Härte des Betonwerkstoffs sorgen. Um zu einer vollständigen
Reaktion insbesondere des Zements zu kommen, wird im allgemeinen mit einem überstöchiometrischen
Wassergehalt gearbeitet. Dieser hohe Wassergehalt und die damit einhergehende Konsistenz
der Masse sorgt darüber hinaus bei der Rüttel- und Vibrationsverdichtung für eine
gute Verdichtbarkeit der Masse. Entscheidend für die Festigkeit und Härte des Betonwerkstoffs
ist darüber hinaus die Einbindung der mineralischen Grobkomponenten in die Bindematrix,
die aus dem Zement resultiert. Auf der anderen Seite sind die Rohstoffeinstandskosten
umso preiswerter, je geringer der Zementgehalt ist, d.h. je weniger Bindematrix vorhanden
ist. Mit anderen Worten führt ein Sparen an Zementgehalt zu schlechten technologischen
Prüfwerten. Die Vibrations- bzw. Rüttelverdichtung fördert zudem die Entmischungsneigung.
Ferner lassen sich mit der vorstehend beschriebenen herkömmlichen Technologie Stoffe
mit einer Partikelgröße von weniger als 2 mm (Durchmesser) nicht zu einer hinreichenden
Gründichte und Grünfestigkeit verdichten. Schließlich müssen bei Anwendung der vorstehend
beschriebenen herkömmlichen Technologie in bezug auf die Maßhaltigkeit, besonders
aber in bezug auf die Oberflächenbeschaffenheit von Bauteilen allzu hohe Erwartungen
gedämpft werden.
[0005] Bei Vibrations- bzw. Rüttelverfahren handelt es sich um Verdichtungstechnologien
mit enormem Maschinenverschleiß. Darüber hinaus sind die damit hergestellten Betonformteile
nach der Abformung aufgrund der Massenkonsistenz nicht mit Absetzanlagen abnehmbar.
Sie müssen vielmehr auf einem Blech aufgesetzt zunächst aushärten, um später in einer
Trockenkammer von dem überstöchiometrischen Wasseranteil befreit zu werden.
[0006] Ein weiterer Nachteil der genannten herkömmlichen Verdichtungsverfahren durch Rütteln
bzw. Vibrieren liegt in dem extremen Lärmpegel.
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten Art
anzugeben, mit dem auf preiswerte Art und Weise und ohne größere Lärmbelästigung Formteile
mit großer Festigkeit und großer Harte sowie mit guter Maßhaltigkeit und guter Oberflächenbeschaffenheit
hergestellt werden können, wobei das Verfahren ohne Verzögerungen durchgeführt werden
können soll.
[0008] Erfindungsgemäß wird die gestellte Aufgabe dadurch gelöst, daß die zu einer rieselfähigen
Mischung vermischten Bestandteile mit Drücken von mindestens 5 kN/cm
2 zu einem Formteil verpreßt werden.
[0009] Mit anderen Worten liegt der Erfindung der Gedanke zugrunde, das durch Absenkung
des Wassergehaltes auf einen Wert, der die Mischung rieselfähig macht, die aus der
Trockenpreßtechnologie bekannten Herstellungsverfahren auf zementgebundene Baustoffe
übertragen werden können. Die Erfindung geht dabei von der verblüffend einfachen Erkenntnis
aus, daß durch Verpressen einer rieselfähigen Mischung mit Drücken von mindestens
5 kN/cm
2 der Kontakt zwischen Zement und Wasser bzw. Bindephase und grobkörnigem Material
sehr intensiv ist. Dadurch können die Abbindereaktionen und die Verkittung des Systems
wesentlich leichter und intensiver ablaufen, wodurch insbesondere die Menge an kostenintensiven
Rohstoffkomponenten, wie Zement reduziert werden kann, ohne Einbußen in bezug auf
die Härte und die Festigkeit in Kauf nehmen zu müssen.
[0010] Die Flexibilität der Preßtechnologie erlaubt die Darstellung geometrisch anspruchsvoller
Formkörper, die mit der eingangs beschriebenen konventionellen Technologie nicht herstellbar
sind. Da der Wassergehalt so weit reduziert ist, daß die Mischung rieselfähig bleibt,
kann das vorhandene Wasser - unter Unterstützung durch den aufgebrachten Druck - vollständig
und unverzüglich mit dem Zement reagieren, weshalb keine Nachbehandlungsschritte,
wie Aushärten, Zwischenlagerung und Trocknung erforderlich sind.
[0011] Spezifische Preßdrücke hydraulischer Pressen von bis zu 25 kN/cm
2 verdichten die entsprechenden rieselfähigen Mischungen ohne Vibration und ohne Rütteln
zu Formteilen mit hoher Grünfestigkeit.
[0012] Der hohe Preßdruck von mindestens 5 kN/cm
2 führt zu einem innigen Kontakt aller Versatzkomponenten. Insbesondere die Zement-Wasser-Verbindung
und -verteilung in der kompaktierten Preßmasse sind so intensiv, daß auch bei reduziertem
Zementgehalt hohe Festigkeiten erreicht werden können. Dadurch werden erhebliche Kosten
gespart. Die Kaltdruckfestigkeit von mit dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten
Formteilen erreicht Werte, die mit konventioneller Technologie oder niedrigen Preßdrücken
nicht erreicht werden können.
[0013] Die Grünfestigkeiten der Formteile sind bereits unmittelbar nach dem Pressen so hoch,
daß mit einem Roboter ein Abnehmen aus der Presse und Absetzen auf Paletten problemlos
möglich ist. Die Grünstandsfestigkeiten erlauben ein Stapeln der Formteile in bis
zu sieben Schichten, was mit bisherigen Verfahren wegen der mangelnden Festigkeiten
nicht möglich war.
[0014] Die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren erreichten Dichtewerte der Formteile liegen
über denjenigen, die auf Rüttel- bzw. Vibrationspressen hergestellt worden sind. Die
Porösitäten liegen bei Grobversätzen unter 1%. Diese Werte sind mit herkömm lichen
Verfahren nicht erreichbar und bringen Frostbeständigkeiten, die denen von Natursteinen
gleichkommen. Feinversätze, die konventionell nicht darstellbar sind, lassen sich
mit dem erfindungsgemäßen Verfahren problemlos verdichten. Damit sind erstmals Sande
mit Zementbindung in dieser Art herstellbar. Insgesamt ist die Oberflächengüte von
Formteilen nach dem erfindungsgemäßen Verfahren deutlich besser als bei bekannten
Verfahren.
[0015] Bei Rüttelverdichtungen setzen sich meist Feinbestandteile und Flüssigkeiten an der
Formkörperoberfläche ab. Solche Entmischungen sind aufgrund der rieselfähigen Konsistenz
der Mischung nach der Erfindung weder vor dem Verpressen noch während des Verpressens
möglich.
[0016] Bei nach herkömmlichen Verfahren hergestellten Formteilen tritt bisweilen ein Verziehen
der Formteile nach dem Verdichten auf. Da aber der Wassergehalt erfindungsgemäß auf
ein Mindestmaß reduziert ist und wegen der besseren Festigkeitswerte auch der Zementgehalt
reduziert sein kann, sind solcherlei Effekte bei dem erfindungsgemäßen Herstellungsverfahren
nicht zu beobachten. Vielmehr sind die hochverdichteten Formteile mit der präzisen
Steuertechnik von modernen Pressen mit höchster Maßgenauigkeit herstellbar.
[0017] Die Verarbeitung der Mischung in rieselfähigem, d.h. wasserarmen Zustand machen Trocknungsprozesse
nach dem Abbindevorgang überflüssig. Die hohe Grünstandsfestigkeit der Formteile erlaubt
ein Aushärten an der Luft ohne besondere Vorkehrungen. Tatsächlich sind die Formteile
bereits nach dem Verdichtungsprozeß nicht nur palettierbar, sondern auch transportierbar.
Entscheidende Produktionsschritte wie Zwischenlagerung und Nachtrocknung können eingespart
werden. Damit verbunden ist ein hoher Platz- und Zeitgewinn. Darüber hinaus werden
auch die Kosten entsprechend verringert.
[0018] Mithin ermöglichen Formschnellwechselsystem an Hochdruckpressen eine "Just-in-Time"-Produktion
und -Lieferung.
[0019] Wegen der erheblichen Lärmentwicklung bei herkömmlichen Herstellungsverfahren waren
Lärmschutzeinrichtungen sowie besondere Fundamentauslegungen im Hinblick auf die Vibrationen
erforderlich. Da nach dem erfindungsgemäßen Verfahren keine Rüttler oder Vibratoren
eingesetzt werden, sind derlei Vorkehrungen nicht erforderlich. Hier bieten die in
der Hochdruckpreßtechnik verwendeten fixierten Unterstempel entscheidende Vorteile.
[0020] Rüttler und Vibratoren unterliegen erheblichem Verschleiß. Mithin sind auch die Standzeiten
entsprechend gering. Auch hier bietet das erfindungsgemäße Verfahren den erheblichen
Vorteil, daß die Preßformen keinem solchen Verschleiß unterliegen.
[0021] Nach einer besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist das Mischungsverhältnis
von Wasser und Zement annähernd stöchiometrisch. Dadurch wird sichergestellt, daß
auf dar einen Seite nicht unnötig viel Zement beigemischt wird, wodurch die Kosten
gering gehalten werden. Auf der anderen Seite ist sichergestellt, daß das beigemischte
Wasser vollständig reagiert, weshalb keinerlei Trocknung hinterher notwendig ist.
[0022] Als besonders vorteilhaft und mit herkömmlichen Verfahren nicht darstellbar wird
erfindungsgemäß weiter bevorzugt, daß der Anteil von Stoffen mit einer Partikelgröße
von weniger als 2 mm (Durchmesser) in der Ausgangsmischung mehr als 40% der Gesamtmasse
beträgt.
[0023] Insbesondere bei feinkörnigen Rezepturen kann erfindungsgemäß ein Entflüftungsschritt
während des Verpressens vorgesehen sein.
[0024] Zur weiteren Optimierung ist es erfindungsgemäß bevorzugt, daß die Preßmasse vor
dem Vorpressen und/oder während des Verpressens mit Unterdruck, beispielsweise Vakuum
beaufschlagt wird.
[0025] Bevorzugt erfolgt ein Befüllen einer Preßform mit einem Bereich geringerer Dicke
im Vergleich mit einem anderen Bereich unter Unterstempelanhebung in dem Bereich geringerer
Dicke. Dadurch wird eine gleichmäßige Verdichtung des herzustellenden Formteils erreicht.
[0026] Ferner ist es erfindungsgemäß bevorzugt, daß zwei oder mehr Mischungen schichtweise
in Preßrichtung hintereinanderliegend verpreßt werden. Dadurch kann beispielsweise
im inneren des Formteils qualitativ minderwertiges Material oder optisch weniger ansprechendes
Material zur Verwendung kommen. Auch lassen sich beispielsweise für architektonische
Anwendungen Oberflächenmuster oder farbliche Kompositionen in der Außenschicht leicht
darstellen, ohne daß auch der innenliegende Kern entsprechend gestaltet sein müßte.
Ferner sind auch Reliefs reproduzierbar. Insbesondere im Hinblick auf die hohen Kosten
von Farbkörpern ist es nach dieser Ausgestaltung der Erfindung möglich, erheblich
preiswerter zu produzieren.
[0027] Dabei kann mindestens eine Schicht des Formteils ohne Bindemittelzusatz in die in
Preßrichtung dahinterliegende Schicht eingedrückt werden.
[0028] Die vorstehend beschriebene Schichtung kann auch alternativ oder zusätzlich in Richtung
quer zur Preßrichtung verwirklicht werden.
[0029] Eine Deckschicht des Formteils kann erfindungsgemäß als Slurry aufgebracht werden.
[0030] Für den Fall, daß mindestens zwei Formteile nacheinander hergestellt werden, sieht
die Erfindung bevorzugt vor, daß eine Abweichung der Höhe des von den beiden Formteilen
früher hergestellten Formteils von einer vorgegebenen Höhe ermittelt und die Füllung
für die Pressung des von den beiden Formteilen später herzustellenden Formteils auf
der Grundlage der Füllung für die Pressung des früher hergestellten Formteils und
der Abweichung vorgenommen wird. Durch diese Rückkopplung eines Prüfergebnisses ist
ein sehr einfacher Weg gefunden worden, die Maßhaltigkeit von Formteilen sicherzustellen.
[0031] Dabei kann die Füllung für die Pressung des später herzustellenden Formteils wie
die Füllung des früher hergestellten Formteils vorgenommen werden, wenn die Abweichung
innerhalb einer Bandbreite von +-2% der vorgegebenen Formteilhöhe liegt. Diese Maßnahme
vereinfacht das Herstellungsverfahren dann, wenn eine vorgegebene Bandbreite eingehalten
wird, weshalb in einem solchen Fall Korrekturschritte eingespart werden können. Selbstverständlich
sind auch größere und geringere Bandbreiten denkbar.
[0032] Wie bereits eingangs erwähnt, betrifft die Erfindung auch eine Presse zum Ausführen
des vorstehend erläuterten Verfahrens.
[0033] Zur Realisierung des schichtweisen Aufbaus des Formteils kann die erfindungsgemäße
Presse mindestens zwei Füllschieber aufweisen. Dadurch sind Formteilkosten alleine
auf Basis der Rezeptauslegung deutlich reduzierbar.
[0034] Schließlich kann die erfindungsgemäße Presse ein Formschnellwechselsystem aufweisen,
um eine "Just-in-Time"-Produktion und -Lieferung zu ermöglichen.
[0035] Die Erfindung betrifft ferner ein Formteil, das nach dem vorstehend beschriebenen
erfindungsgemäßen Verfahren hergestellt ist.
[0036] Das Formteil kann erfindungsgemäß eine Armierung enthalten, wobei es sich bevorzugt
um Fasern, Nadeln und/oder Späne handelt.
[0037] Ferner ist es bevorzugt erfindungsgemäß vorgesehen, daß das Material an mindestens
einer der Oberflächen des Formteils abriebfest ist. Da nämlich selbstverständlich
abriebfeste Materialien teurer als andere Materialien sind, können Kosten dadurch
gespart werden, daß eben nur eine besonders großen Belastungen ausgesetzte Oberfläche
aus abriebfestem Material ist. Selbstverständlich kann aber auch das gesamte für das
Formteil verwendete Material abriebfest ausgeführt sein.
[0038] Ferner kann erfindungsgemäß das Material an mindestens einer der Oberflächen des
Formteils elastisch sein. Diese Ausgestaltung kommt insbesondere für die Oberseite
des Formteils in Form eines Bausteins in Betracht. Es können aber auch benachbarten
Bausteinen zugewandte Seiten elastisch ausgeführt sein, um eventuelle Verschiebungen
ausgleichen zu können. Selbstverständlich gilt auch hier, daß auch das gesamte für
das Formteil verwendete Material elastisch sein kann.
[0039] Vorteilhaft enthält das Formteil Abfall- und/oder Recyclingprodukte, wobei es sich
um Reststoffe aus Verbrennungsanlagen, Aschen, Stäube usw. handeln kann.
[0040] Ferner kann die Mischung auch Schluffsande und/oder Alpha-Hydrat als einen Zuschlagstoff
enthalten.
[0041] Schließlich kann es sich bei dem Formteil nicht nur um einen Baustein, sondern auch
um einen Behälter und/oder ein Rohr handeln.
[0042] Nachstehend ist die Erfindung unter Bezugnahme auf die beiliegende Zeichnung mit
weiteren Einzelheiten näher erläutert. dabei zeigen
- Fig. 1
- schematisch eine Presse mit einem Formschnellwechselsystem,
- Fig. 2
- schematisch eine Presse mit drei Füllschiebern und
- Fig. 3
- eine schematische Erläuterung der Vorgehensweise bei der Unterstempelanhebung.
[0043] Bei der in Fig. 1 gezeigten Presse mit Formwechselsystem handelt es sich um das Formwechselkonzept
Hydrofast. Das System beinhaltet eine mit der Bezugszahl 10 bezeichnete Presse mit
einem Oberstempel 12, einem Formrahmen 14 und einem Unterstempel 16.
[0044] Dieses Formwechselsystem ermöglicht einen halbautomatischen Formwechsel des kompletten
Formpakets. Dazu wird nach dem Lösen des Oberstempels 12, des Unterstempels 16 und
des Formrahmens 14 das gesamte Formpaket über einen Hydraulikzylinder 18 auf einen
Rollbock 20 vor die Presse 10 geschoben.
[0045] Fig. 2 zeigt die teilweise geschnittene Draufsicht auf eine Presse, die von der Anmelderin
unter der Bezeichnung Sigma 650 ZS vertrieben wird. Die Presse ist mit der Bezugszahl
22 bezeichnet. Sie weist drei Füllschieber 24, 26 und 28 auf, die in jeweils durch
Doppelpfeile angedeuteten Richtungen relativ zu der Presse verschiebbar sind. Die
Füllschieber dienen dabei zum Einfüllen unterschiedlicher Deck- bzw. Grundmassen.
[0046] Fig. 3a zeigt ein Formteil, das zwei Bereiche unterschiedlicher Dicke hat, nämlich
einen dünneren Bereich (Zone A) und einen dickeren Bereich (Zone B).
[0047] Fig. 3b zeigt schematisch eine Preßform zur Herstellung des Formteils nach Fig. 3a.
[0048] Man erkennt, daß bei vollständiger Befüllung der Preßform, wie sie in Fig. 3b dargestellt
ist, und darauffolgender Verdichtung durch Herauffahren des Unterstempels in Richtung
Oberstempel im Bereich der Zone B eine Verdichtung mit einem Faktor 2 : 1 erfolgen
würde, während in der Zone A der Verdichtungsfaktor 3 : 1 betragen würde.
[0049] Daher wird in dem beschriebenen Fall der Unterstempel zum Befüllen der Form teilweise,
d.h. in der Zone A bis zu der in Fig. 3b gezeigten Strichellinie 30 angehoben. Ein
darauffolgendes Verdichten der Form führt in beiden Zonen A und B zu der gleichen
Verdichtung mit einem Faktor 2 : 1.
[0050] Das vorstehend beschriebene Verfahren wird als "Unterstempelanhebung" bezeichnet.
[0051] Bei der Verdichtung der Formteile wird nicht nur ein vorgegebener Druck eingehalten,
sondern es wird auch der zurückgelegte Weg des jeweiligen Stempels überwacht, um die
Maßhaltigkeit sicherzustellen.
[0052] Liegen der Druck oder der Stempelweg nicht auf dem vorgegebenen Sollwert, jedoch
innerhalb von vorgegebenen Toleranzen, erfolgt eine Feinjustierung derart, daß eine
weiter Annäherung an den Sollwert erfolgt. Bei Abweichungen außerhalb vorgegebener
Toleranzbereiche wird eine Grobjustierung vorgenommen.
[0053] Das automatische Beenden des Verdichtungsvorgangs nach Zurücklegen des vorgegebenen
Weges des Stempels wird als "Weg-Abschaltung" bezeichnet.
[0054] Die in der vorstehenden Beschreibung, den Ansprüchen sowie der Zeichnung offenbarten
Merkmale der Erfindung können sowohl einzeln als auch in beliebigen Kombinationen
für die Verwirklichung der Erfindung in ihren verschiedenen Ausführungsformen wesentlich
sein.
1. Verfahren zum Herstellen eines Formteils aus mindestens einer Mischung mit mindestens
den Bestandteilen Sand, Zuschlagstoffe, Zement und Wasser,
dadurch gekennzeichnet, daß
die zu einer rieselfähigen Mischung vermischten Bestandteile mit Drücken von mindestens
5 kN/cm2 zu einem Formteil verpreßt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Mischungsverhältnis von
Wasser und Zement annähernd stöchiometrisch ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Anteil von Stoffen
mit einer Partikelgröße von weniger als 2 mm (Durchmesser) in der Ausgangsmischung
mehr als 40% der Gesamtmasse beträgt.
4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch einen Entlüftungsschritt
während des Verpressens.
5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch Beaufschlagen
der Preßmasse mit Unterdruck vor dem Vorpressen und/oder während des Verpressens.
6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß ein
Befüllen einer Preßform mit einem Bereich (A) geringerer Dicke im Vergleich mit einem
anderen Bereich (B) unter Unterstempelanhebung in dem Bereich (A) geringerer Dicke
erfolgt.
7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß zwei
oder mehr Mischungen schichtweise in Preßrichtung hintereinanderliegend verpreßt werden.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens eine Schicht des
Formteils ohne Bindemittelzusatz in die in Preßrichtung dahinterliegende Schicht eingedrückt
wird.
9. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß zwei
oder mehr Mischungen schichtweise in Richtung quer zur Preßrichtung hintereinanderliegend
verpreßt werden.
10. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß eine
Deckschicht des Formteils als Slurry aufgebracht wird.
11. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, bei dem mindestens zwei Formteile
nacheinander hergestellt werden,
dadurch gekennzeichnet, daß
eine Abweichung der Höhe des von den beiden Formteilen früher hergestellten Formteils
von einer vorgegebenen Höhe ermittelt und die Füllung für die Pressung des von den
beiden Formteilen später hergestellten Formteils auf der Grundlage der Füllung für
die Pressung des früher hergestellten Formteils und der Abweichung vorgenommen wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Füllung für die Pressung
des später herzustellenden Formteils wie die Füllung des früher hergestellten Formteils
vorgenommen wird, wenn die Abweichung innerhalb einer Bandbreite von +-2% der vorgegebenen
Formteilhöhe liegt.
13. Presse zum Ausführen des Verfahrens nach einem der vorangehenden Ansprüche.
14. Presse nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß sie mindestens zwei Füllschieber
(24, 26, 28) hat.
15. Presse nach Anspruch 13 oder 14, gekennzeichnet durch ein Formschnellwechselsystem
(18, 20).
16. Formteil, hergestellt nach einem der Ansprüche 1 bis 12.
17. Formteil nach Anspruch 16, dadurch gekennzeichnet, daß es eine Armierung enthält.
18. Formteil nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, daß die Armierung Fasern, Nadeln
und/oder Späne beinhaltet.
19. Formteil nach einem der Ansprüche 16 bis 18, dadurch gekennzeichnet, daß das Material
an mindestens einer seiner Oberflächen abriebfest ist.
20. Formteil nach einem der Ansprüche 16 bis 19, dadurch gekennzeichnet, daß das Material
an mindestens einer seiner Oberflächen elastisch ist.
21. Formteil nach einem der Ansprüche 16 bis 20, dadurch gekennzeichnet, daß es Abfall-
und/oder Recyclingprodukte enthält.
22. Formteil nach einem der Ansprüche 16 bis 21, dadurch gekennzeichnet, daß die Mischung
Schluffsande enthält.
23. Formteil nach einem der Ansprüche 16 bis 22, dadurch gekennzeichnet, daß die Mischung
Alpha-Hydrat als einen Zuschlagstoff enthält.
24. Formteil nach einem der Ansprüche 16 bis 23, dadurch gekennzeichnet, daß es ein Baustein
ist.
25. Formteil nach einem der Ansprüche 16 bis 24, dadurch gekennzeichnet, daß es ein Behälter
und/oder ein Rohr ist.