[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine fahrbare Hubarbeitsbühne mit einem Fahrwerk
und einer Stützeinrichtung für eine Plattform, auf der ein erster Drehkranz angeordnet
ist, der mit seiner vertikalen Achse etwa mittig auf der Plattform angeordnet ist
und einen um die Achse schwenkbaren Horizontalbalken trägt, welcher achsenversetzt
einen zweiten Drehkranz mit einem Schwenkturm mit einem Arbeitskorb an der Spitze
eines Auslegers aufweist, wobei der Schwenkturm um eine vertikale Achse des zweiten
Drehkranzes drehbar ist.
[0002] Derartige fahrbare Hubarbeitsbühnen entsprechen dem europäischen Normentwurf prEN
280 vom April 1994, wie er vom Technischen Komitee CEN/TC 98/AG 1 des Europäischen
Komitees für Normung erstellt wurde. Dabei können die fahrbaren Hubarbeitsbühnen als
Anhänger oder als selbstfahrende Arbeitsmaschinen ausgebildet sein.
[0003] Aus dem Bemühen, die Gesamtlänge der fahrbaren Hubarbeitsbühne kurz und verkehrsfreundlich
zu gestalten, kennt der Stand der Technik aufwendige Mehrfachteleskopsysteme sowie
eine starke Kröpfung des Schwenkturms, um den Bereich über einem Führerhaus nutzen
zu können. Die starke Kröpfung des Schwenkturms führt dazu, daß der Schwenkturm beim
Schwenken die Fahrzeugbreite übersteigt und in den Verkehrsbereich hineinragt. Bei
der üblichen Anordnung einer vorderen Abstützeinrichtung gleich hinter dem Führerhaus
muß die Reichweite der Hubeinrichtung nach vorn aus Standsicherheitsgründen eingeschränkt
werden.
Ein weiterer Nachteil des Standes der Technik ist die zumeist generelle Notwendigkeit,
teleskopartig über die Breite des Fahrzeugs hinaus verlängerbare oder ausklappbare
Abstützeinrichtungen einzusetzen, die ebenfalls im Betrieb verkehrsbehindernd, aber
für einen sicheren Betrieb erforderlich sind.
[0004] Die deutsche Patentanmeldung DE 1 960 829 A1 beschreibt eine fahrbare Hubarbeitbühne
mit zwei Drehkränzen. Die Bewegung der Drehkränze wird dabei über zwei unabhängig
voneinander wirkenden Antriebseinheiten jeweils separat gesteuert. Mit einer derartigen
Anordnung soll eine Position außerhalb des Fahrzeuges räumlich besser erreicht werden
können.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine eingangs beschriebene Hubarbeitsbühne
so zu gestalten, daß bei vergleichbarer Baulänge weniger Teleskope verwendet werden
und daß sowohl im Zustand des Verfahrens der Hubarbeitsbühne als auch im Betrieb der
Hubarbeitsbühne eine bessere Beweglichkeit der Hubarbeitsbühne selbst und mehr Freiraum
für einen vorbeifließenden Verkehr verbleibt.
[0006] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale des Hauptanspruchs gelöst.
[0007] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen dargelegt.
[0008] Auch die Erfindung benutzt die an sich bekannte Kröpfung des Schwenkturms, die gegenüber
vergleichbaren Hubarbeitsbühnen allerdings größer ausfallen kann, um den Freiraum
beispielsweise über dem Führerhaus zu nutzen und die Gesamtlänge der Arbeitsmaschine
zu verkürzen. Mit der Verkürzung der Gesamtlänge verbindet sich eine Schwerpunktveränderung,
die einen kurzen Radstand zur Folge hat, was der Wendigkeit der Hubarbeitsbühne im
Straßenverkehr zugute kommt. Zudem wird durch die Schwerpunktsverlagerung die Reichweite
des Schwenkturms nach vorn über das Führerhaus des Trägerfahrzeugs wesentlich erhöht.
[0009] Die ebenfalls vorhandene vergleichsweise große Kröpfung des Schwenkturms wird gemäß
der vorliegenden Erfindung dadurch ausgeglichen, daß das Schwenken um zwei gegeneinander
versetzt angeordnete Drehachsen erfolgt, die erfindungsgemäß zu einer gegenläufigen
Zwangsbewegung miteinander verbunden sind. Der Schwenkturm ist dabei mit dem Horizontalbalken
verbunden, derart, daß sie eine gegenläufige Drehbewegung aufweisen.
[0010] Vorteilhafterweise wird die gegenläufige Bewegung zwischen dem Schwenkturm und dem
Horizontalbalken durch ein zwischen beiden Elementen wirkendes Getriebe erzeugt, wobei
die gegenläufige Winkelgeschwindigkeit zwischen Horizontalbalken und Schwenkturm ungefähr
gleich groß ist. Dadurch ist gewährleistet, daß ein Überschreiten der Fahrzeugkontur
weitestgehend vermieden wird. Zudem wird eine gleichmäßige Gewichtsbelastung der Stützen
bzw. des Trägerfahrzeuges erzielt. Außerdem wird durch die Gegenläufigkeit von Horizontalbalken
und Schwenkturm vorteilhafterweise eine Antriebsmomentenreduzierung des Getriebes
um ca. 50 % erreicht.
[0011] Zudem kann der Abstand zwischen beiden Drehachsen vorteilhafterweise mit einem Gegengewicht
ausbalanciert werden, wodurch sich der Schwerpunkt weitgehend innerhalb einer eng
gehaltenen Abstützeinrichtung hält, die möglichst die Fahrzeuggröße nicht überschreitet.
Auch die Abkröpfung ist erfindungsgemäß so bemessen, das sie einerseits im Fahrbetrieb
oberhalb eines Führerhauses zu liegen kommt und andererseits die Fahrzeugbreite nicht
überschreitet.
[0012] Die auch bei der Erfindung verwendete bekannte Abstützeinrichtung kann erforderlichenfalls
über die von der Plattform eingenommene Fläche hinaus erstreckt werden, wenngleich
in den meisten Fällen eine einseitige Abstützung ausreicht.
[0013] Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile der vorliegenden Erfindung ergeben sich
aus der nachfolgenden Beschreibung eines zeichnerisch dargestellten Ausführungsbeispiels.
[0014] Es zeigen
- Figur 1
- eine Seitenansicht einer selbstfahrenden Hubarbeitsbühne in der üblichen Fahrtstellung;
- Figur 2
- eine Draufsicht der Hubarbeitsbühne im Betriebszustand mit einer in eine 45°-Stellung
geschwenkte Hubeinrichtung;
- Figur 3
- eine Ansicht vom Heck mit einem optimal weit ausgelegten Ausleger;
- Figur 4
- eine Draufsicht in einer gegenüber Figur 2 anderen Arbeitsstellung; und
- Figur 5
- eine Seitenaufsicht auf die selbstfahrende Hubarbeitsbühne in einer Stellung, in der
sich der Arbeitskorb vor dem Führerhaus befindet.
[0015] Das dargestellte Ausführungsbeispiel zeigt eine selbstfahrende Hubarbeitsbühne 10.
Ein Chassis oder eine Plattform 12 wird im Fahrbetrieb von einem Fahrwerk abgestützt,
von dem Räder 16 dargestellt sind. Für die Abstützung im Betrieb ist eine Stützvorrichtung
mit ausfahrbaren Stützen 18 vorhanden, zu der zu bemerken ist, daß die Stützvorrichtungen
normalerweise lediglich vertikal an den vier äußeren Ecken des Chassis oder der Plattform
12 angeordnet zu sein brauchen.
[0016] Auf der Plattform 12 sitzt im Mittenbereich der Plattformfläche oder im Mittenbereich
zwischen den vier Abstützungen 18 mit einer vertikalen Drehachse 20 ein feststehender,
d.h. mit der Plattform 12 verbundener Drehkranz 22, um dessen vertikale Achse 20 ein
Horizontalbalken 24 schwenkbar ist. Der Drehkranz 22 kann allerdings auch von der
Mitte der Plattform 12 versetzt angeordnet sein. An einem Ende des Horizontalbalkens
24 ist ein zweiter Drehkranz 26 mit einer Drehachse 28 vorgesehen. Am gegenüberliegenden
Ende des Horizontalbalkens 24 befindet sich ein Gegengewicht 30.
[0017] Der zweite Drehkranz 26 trägt einen Schwenkturm 32, der im dargestellten Ausführungsbeispiel
in eine abgekröpfte Gabel 34 übergeht. Am freien Ende der Gabel 34 befindet sich ein
horizontales Gelenk 36, in dem ein Ausleger 38 auf- und abschwenkbar gelagert ist.
Selbstverständlich kann der Ausleger 38 auch teleskopförmig ausziehbar sein. An der
Stütze des Auslegers befindet sich üblicherweise ein Arbeitskorb 40.
[0018] Wie aus den Figuren 1 und 5 hervorgeht, kann das selbstfahrende Arbeitsgerät sowohl
in der üblichen Weise mit dem Arbeitskorb 40 hinter dem Heck als auch vor dem Führerhaus
14 bewegt werden, um im Fahrbetrieb die Fahrlänge möglichst kurz halten zu können.
[0019] Wie aus den Figuren 2 und 4 hervorgeht, sind einerseits der zweite Drehkranz 26 mit
seinem Aufbau und hierbei hauptsächlich mit dem Ausleger 38 um die Achse 28 und andererseits
der Horizontal- bzw. Waagebalken 24 um die Achse 20 zu einer gegenläufigen Drehbewegung
zwangsverbunden, und zwar so, daß die Drehbewegung in Richtung der eingezeichneten
Pfeile erfolgt. Die Drehverbindung erfolgt über ein Getriebe innerhalb des Horizontalbalkens
24, das in der Darstellung der Zeichnung nicht sichtbar ist. Es kann sich um eine
beliebige formschlüssige, insbesondere eine Zahnradgetriebe-Verbindung oder Reibverbindung,
um eine Riemen- oder Kettenverbindung handeln, die sich vorzugsweise um einen feststehenden,
geschlossenen Kreisbogen abrollt, abwälzt oder abwickelt. Der Antrieb dieser gleichzeitigen
und gegensinnigen Schwenkbewegung des Schwenkturms 32 gegen die Schwenkbewegung des
Horizontalbalkens 24 kann auf verschiedene Weise eingeleitet werden. Es kann die Achse
20 oder die Achse 28 angetrieben werden. Bevorzugt wird eine Bewegungskopplung, bei
der einer der beiden Zahnkränze 22 oder 26 feststeht und der angetriebene Teil sich
auf diesem Zahnkranz des feststehenden Teils über zumindest ein Vorgelegeritzel abwälzt.
So würde eine in die Achse 28 eingeleitete Drehbewegung ein Schwenken des Schwenkturms
32 mit Ausleger 38 ebenso zur Folge haben, wie eine gegenläufige Zwangsbewegung des
Horizontalbalkens 24. Die gegenläufige Winkelgeschwindigkeit beider Bewegungen ist
gleich groß. Dies kann beispielsweise durch ein Getriebe verwirklicht werden, bei
dem sich der angetriebene zweite Drehkranz 26 mit einem Zahnrad über ein Vorgelegeritzel
mit einem beliebigen Durchmesser auf einem gegenüberliegenden feststehenden Zahnkranz
abrollt.
[0020] Die Drehbewegung kann auch zweckmäßigerweise über die Achse 20 des ersten Drehkranzes
22 mit einem Motor eingeleitet werden. Der zweite Drehkranz 26 würde dann fixiert
sein.
[0021] Wie Figur 3 zeigt, befindet sich selbst in rechtwinkliger Auslenkung der Längserstreckung
der Plattform 12 das Gegengewicht 30 innerhalb des Bereichs der Plattform 12, so daß
beispielsweise auf der Seite des Gegengewichts in dieser Arbeitsstellung ein Verkehr
ungehindert vorbeifließen kann. Diese Stellung kann beispielsweise bei Arbeiten jenseits
eines Brückengeländers wesentlich sein.
[0022] Auch in allen übrigen Stellungen kann selbst dann, wenn sich die Abkröpfung der Gabel
34 in den Verkehrsraum erstreckt, genügend Platz für einen vorbeifließenden Verkehr
bleiben. Bei den in Figur 2 und 4 klargestellten diagonalen Stellungen ist auf der
einen Seite der Arbeitsmaschine vorbeifließender Verkehr ohnehin nicht behindert,
während auf der Seite der Arbeitsbühne oder des Korbs 40 der Verkehr unterhalb des
Auslegers 38 genügend freien Platz findet.
1. Fahrbare Hubarbeitsbühne mit einem Fahrwerk (16) und einer Stützeinrichtung (18) für
eine Plattform (12), auf der ein erster Drehkranz (22) angeordnet ist, der mit seiner
vertikalen Achse (20) etwa mittig auf der Plattform (12) angeordnet ist und einen
um die Achse (20) schwenkbaren Horizontalbalken (24) trägt, welcher achsenversetzt
einen zweiten Drehkranz (26) mit einem Schwenkturm (32) mit einem Arbeitskorb (40)
an der Spitze eines Auslegers (38) aufweist, wobei der Schwenkturm (32) um eine vertikale
Achse (28) des zweiten Drehkranzes (26) drehbar ist,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Schwenkturm (32) mit dem Horizontalbalken (24) verbunden ist, derart, daß
sie eine gegenläufige Drehbewegung aufweisen.
2. Hubarbeitsbühne nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die gegenläufige Bewegung zwischen dem Schwenkturm (32) und dem Horizontalbalken
(24) durch ein zwischen beiden wirkendes Getriebe erzeugbar ist.
3. Hubarbeitsbühne nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Getriebe eine formschlüssige Verbindung ist.
4. Hubarbeitsbühne nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Getriebe ein Reibgetriebe ist.
5. Hubarbeitsbühne nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Getriebe ein Ketten- oder Riemengetriebe ist.
6. Hubarbeitsbühne nach Anspruch 1, 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Getriebe ein Zahnradgetriebe ist.
7. Hubarbeitsbühne nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Getriebe durch zwei direkt kämmende Zahnräder zwischen den beiden Schwenkachsen
(20, 28) gebildet ist.
8. Hubarbeitsbühne nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Getriebe ein Vorgelegegetriebe mit einem Vorgelegeritzel zwischen zwei Zahnrädern
(42, 44) ist, wobei je eines der Zahnräder (42, 44) mit je einer Schwenkachse (20,
28) verbunden ist und eines der drei Zahnräder (42, 44) oder das Ritzel mit seiner
zugehörigen Achse (20, 28) fest verbunden ist.
9. Hubarbeitsbühne nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Achse (20) des ersten Drehkranzes (22) angetrieben und die Achse (28) des
zweiten Drehkranzes (26) mit dem Drehturm (32) fest verbunden ist.
10. Hubarbeitsbühne nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Achse (28) des zweiten Drehkranzes (26) angetrieben und die Achse (20) des
ersten Drehkranzes (22) mit der Plattform (12) fest verbunden ist.
11. Hubarbeitsbühne nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die gegenläufige Winkelgeschwindigkeit zwischen Horizontalbalken (24) und Schwenkturm
(32) gleich groß ist.
12. Hubarbeitsbühne nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Horizontalbalken (24) mit einem Gegengewicht (36) ausbalanciert ist.
13. Hubarbeitsbühne nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Abstand von der Achse (28) des zweiten Drehkranzes (26) zur Schwenkachse (20)
des ersten Drehkranzes und der Abstand der Achse (20) des ersten Drehkranzes (22)
zur Schwerachse des Gegengewichts (36) gleich groß ist.
14. Hubarbeitsbühne nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Stützeinrichtung (34) mit der Gelenkverbindung (36) zum Ausleger (38) in der
Höhe oberhalb eines normalen lichten Verkehrsraums und in einer zum Arbeitskorb (40)
entgegengesetzten Richtung abgekröpft ist.
15. Hubarbeitsbühne nach Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Abkröpfung bei Längsausrichtung des Auslegers (38) zum Fahrzeug (10) über
ein Fahrerhaus (14) ragt, jedoch die Breite der Plattform (12) nicht wesentlich übersteigt.