[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Radialturbine für einen Turbolader einer aufgeladenen
Brennkraftmaschine mit einer verstellbaren Turbinenleiteinrichtung, die mindestens
zwei voneinander getrennte Gaszuführkanäle aufweist, welche mittels eines aus zwei
Steuerringen gebildeten Leitringes in einem die Turbinenschaufel umgebenden Führungszylinder,
in zwei unterschiedliche Arbeitspositionen verschiebbar ist und die Turbinenleiteinrichtung
aus dem Leitring mit den zwei Steuerringen besteht, zwischen denen Gaszuführkanäle
verschiedenen Querschnitts über eine trennende Zwischenwand gebildet sind.
[0002] Aus der DE 42 15 301 Al ist ein Abgasturbolader mit einer Radialturbine bekannt,
bei der zur Änderung eines wirksamen Querschnitts des Leitapparates für den zugeführten
Abgasstrom ein verstellbarer Steuerring angeordnet ist. Dieser umfaßt zwei Zuführkanäle
mit unterschiedlichen Querschnitten, die für Vollast und Teillast ausgelegt sind,
wobei jeweils ein Zuführkanal eingeschaltet ist, um einen entsprechend wirksamen Querschnitt
zu ergeben.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, für eine gattungsgemäße Anordnung mit einer
Turbinenleiteinrichtung eine einfache Verstellung der Steuerringe mit einer Selbsthaltung
zu ermöglichen.
[0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale des Anspruches 1 gelöst. Weitere
vorteilhafte Ausgestaltungen sind durch die Merkmale der Unteransprüche gekennzeichnet.
[0005] Die mit der Erfindung hauptsächlich erzielten Vorteile bestehen darin, daß ein verstellbarer
Leitring mit zwei Gasführungskanälen für Voll- und Teillast der Turbinenleiteinrichtung
mittels eines Druckluftspeichers und elektrisch ansteuerbaren Magnetventilen in eine
Stellung für hohen Ladedruck und damit starkem Drehmoment und in eine weitere Stellung
für einen optimalen, zünddruckgerechten und verbrauchsoptimierten Vollastbetrieb verstellbar
ist.
[0006] Durch eine entsprechende konstruktive Ausbildung mittels einer die Gasführungskanäle
trennenden Zwischenwand, kann der Leitring nach Abschluß eines Verstellvorganges in
stabiler Selbsthaltung in seiner eingenommenen Stellung verbleiben. Nach einem Erreichen
der gewünschten Position bleibt der Leitring somit in Selbsthaltung und zudem wird
dieser Zustand noch durch die von der Brennkraftmaschine entwickelten Drücke luft-
und abgasseitig unterstützt. Die vergrößerte Fläche der Zwischenwand auf die der Abgasdruck
steht und durch die unterschiedliche Drosselung der Ringkanäle durch eine einseitige
Abdichtung ergibt sich eine resultierende Haltekraft, die den Leitring sicher in der
von der Steuerung zugewiesenen Position hält.
[0007] Der Leitring umfaßt im wesentlichen zwei Steuerringe, welche mit dem Turbinengehäuse
jeweils einen Ringkanal abschließen. Diese Ringkanäle sind mit dem Druckluftspeicher
und einem Ladedruckaufnehmer verbunden.
[0008] Die die Gasführungskanäle des Leitringes trennende Zwischenwand, ist jeweils in den
zwei möglichen Stellungen in einer Wandung des Turbinengehäuses in einem Sitz gehalten,
der jeweils einen bündigen Gasführungskanal ergibt.
[0009] Für den Anfahrvorgang sowie für den Leerlauf dient eine mechanische Sperre, bestehend
aus einem Haltestift, welcher pneumatisch angesteuert wird und dafür sorgt, daß der
Leitring nicht durch Vibrationen der Brennkraftmaschine unkontrolliert aus einer eingestellten
Position wandert.
[0010] Die Position des Leitringes wird vorzugsweise mittels einer speicherorientierten
Steuerung, durch eine Steuereinrichtung über Magnetventile in Abhängigkeit von Parametern
der Brennkraftmaschine eingestellt. Diese Parameter können beispielsweise die Drehzahl
der Brennkraftmaschine, die Drehzahl der Abgasturbine, der Druck im Ladeluftaufnehmer
oder der Kraftstoffeinspritzpumpe sein, wobei auch eine Kombination dieser Parameter
möglich ist.
[0011] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in den Zeichnungen schematisch dargestellt
und wird im folgenden näher beschrieben.
[0012] Es zeigen:
- Fig. 1
- einen Längsschnitt durch einen Abgasturbolader mit einer Radialturbine und mit einem
verstellbaren Leitring,
- Fig. 2
- einen vergrößerten Ausschnitt der Turbine mit dem verstellbaren Leitring und
- Fig. 3
- eine Steuerung mit Magnetventilen und Luftleitungen.
[0013] Ein Abgasturbolader 1 für eine Brennkraftmaschine 13 umfaßt im wesentlichen einen
Verdichter 3 mit einer Abgasturbine 2. Über eine Steuerungseinrichtung 18 ist der
Abgasturbine 2 durch einen Ladedruckaufnehmer 14 und einem Druckluftspeicher 8 Druckluft
in Abhängigkeit vom Lastzustand der Brennkraftmaschine zuführbar.
[0014] In der Abgasturbine 2 ist eine Turbinenleiteinrichtung 4 mit einem Leitring L, bestehend
aus zwei Steuerringen Sl und S2 mit gebildeten Gasführungskanälen 11,12, unterschiedlichen
Querschnitts angeordnet.
[0015] Der Leitring L kann in zwei Stellungen T und V verschoben werden, wobei die T-Stellung
für einen hohen Ladedruck steht und ein starkes Drehmoment am Abtriebsflansch der
Brennkraftmaschine 13 erlaubt. Dagegen steht die V-Stellung für einen optimalen, zünddruckgerechten
und verbrauchsoptimierten Vollastbetrieb.
[0016] Die Turbinenleiteinrichtung 4 kann mittels des Druckluftspeichers 8 und elektrisch
ansteuerbaren Magnetventilen 9 in der Steuerungseinrichtung 18 in die beiden Positionen
T und V verstellt werden. Aufgrund konstruktiver Maßnahmen an der Leiteinrichtung
4 kann der Leitring L in der gewünschten Stellung in der Selbsthaltung verbleiben,
ohne ständige Zuführung von Druckluft aus einem externen Speicher.
[0017] Hierzu besteht auf der Turbinengehäuseseite 7 eine direkte Verbindung über eine Leitung
6 zum Ladeluftaufnehmer 14 der Brennkraftmaschine 13. Über einen Ringkanal 5a wirkt
der Ladeluftdruck ständig auf den Leitring L. Auf der Lagerträgerseite 21 besteht
eine Verbindung über eine Leitung 6a zwischen dem Ringkanal 5b und dem Ladeluftaufnehmer
14 nur über die Steuerungseinrichtung 18. In den Ringkanal 5a des Steuerringes S2
kann wahlweise Druckluft aus dem externen Druckluftspeicher 8, Ladeluft aus dem Ladeluftaufnehmer
14 oder durch Entlüftung der Druck entsprechend verändert werden. Auf dieser Seite
erfolgt dann auch die Ein leitung des Schaltvorganges.
[0018] Ausgehend vom Start der Brennkraftmaschine 13, wird über einen Druckimpuls aus dem
externen Druckluftspeicher 8 in den Ringkanal 5a des Steuerringes S1 der Leitring
L in die Position T geschoben. Gleichzeitig wird mittels eines Pneumatikzylinders
20 eine mechanische Sperre, bestehend aus einem Haltestift 19, betätigt und die Position
T verriegelt. Dadurch kann die Luftzufuhr aus dem Speicher 8 unterbrochen werden,
da sich im anderen Fall ein hoher Luftverbrauch einstellen würde. Bei einer steigenden
Leistung der Brennkraftmaschine 13 steigt auch der Druck im Ladeluftaufnehmer 14.
[0019] Der Ladedruck erzeugt in den Ringkanälen 5a oder 5b der Steuerringe S1 oder S2 die
Kraft für die Selbsthaltung der Turbinenleiteinrichtung 4. Die sichere Selbsthaltung
wird insbesondere dadurch ereicht, daß der Ringkanal 5b mittels kolbenringartiger
Dichtungselemente 16 gegenüber dem turbinenseitigen Gaszuführkanal 12 stärker abgedichtet
wird als auf der anderen Seite im Ringkanal 5a.
[0020] Diese unterschiedliche Drosselung ergibt im Ringkanal 5b einen höheren Druck, der
den Leitring L in der Position T hält. Eine weitere Verstärkung der Haltekraft wird
durch eine vergrößerte Fläche einer Zwischenwand 17 des Leitringes L erreicht, auf
die der Abgasdruck im Zuströmkanal 12 der Turbine 2 drückt. Die Zwischenwand 17 ist
in einem Sitz gelagert, der aus einer Ringausnehmung 32 und 33 in den Wänden 30,31
des Turbinengehäuses 7 besteht.
[0021] Diese reduzierte Drosselung des Luftstromes im Ringkanal 5a führt zu einem thermischen
Ausgleich der Leiteinrichtung 4, da die kühle Ladeluft den turbinenseitig heißeren
Teil stärker kühlt. Dadurch entsteht kein thermischer Verzug, der zum Klemmen des
Schiebesitzes im Führungszylinder F das Leitringes L führen könnte. Der Luftstrom
dient gleichzeitig als Sperrluft gegen das Eindringen von Abgas in die Ringkanäle
5a und 5b und dient auch zur Vermeidung von Ablagerungen im Schiebespalt.
[0022] Durch diese beiden Maßnahmen ergibt sich eine außerordentlich hohe Funktionssicherheit,
auch beim Betrieb mit Rückstandskraftstoffen.
[0023] Bei weiter zunehmender Leistung werden die Schaltkriterien 15 überfahren, die im
Speicher 10 der Steuerung abgelegt sind. Dieses können sein: Drehzahl der Aufladeeinrichtung
1, Drehzahl der Brennkraftmaschine 13, unzulässiger Ladedruck oder die eingespritzte
Kraftstoffmenge oder eine Kombination dieser Größen.
[0024] Durch das von den Schaltkriterien ausgelöste elektrische Schaltsignal wird der Ringkanal
5b über die Magnetventile 9 kurzzeitig entlüftet. Der anstehende Ladedruck im Ringkanal
5a drückt den Leitring L aus der Position T in die Position V. Aufgrund der veränderten
wirksamen Leitringfläche im Gasführkanal 11 ändert sich der Ladedruck auf eine gewünschte
Höhe.
[0025] Beim Rückschalten von der Position V in die Position T wird ein zeitlich eng begrenzter
Druckimpuls aus dem höheren Druck des externen Speichers 8 in den Ringkanal 5b geleitet
und verschiebt den Leitring L gegen den Ladedruck im Ringkanal 5a. Die Steuerung unterbricht
nach Ablauf eines einstellbaren Zeitintervalls den Luftstrom aus dem Speicher 8 und
schaltet zurück auf die Ladedruckverbindung in den Ringkanal 5b. Durch diese Ausgestaltung
verbleibt der Leitring L stabil in der gewünschten Position.
1. Radialturbine für einen Turbolader einer aufgeladenen Brennkraftmaschine mit einer
verstellbaren Turbinenleiteinrichtung, die mindestens zwei voneinander getrennte Gaszuführkanäle
aufweist, welche mittels eines aus zwei Steuerringen gebildeten Leitringes in einem
die Turbinenschaufel umgebenden Führungszylinder, in zwei unterschiedliche Arbeitspositionen
verschiebbar ist und die Turbinenleiteinrichtung aus dem Leitring mit den zwei Steuerringen
besteht, zwischen denen Gaszuführkanäle verschiedenen Querschnitts über eine trennende
Zwischenwand gebildet sind, dadurch gekennzeichnet, daß die Zwischenwand (17) stirnflächenmäßig
größer ausgeführt ist als die Ringkanalfläche des den Leitring (L) aufnehmenden Führungszylinders
(F) im Turbinengehäuse (7) und im ersten Steuerring (S1) eine Ringabdichtung (16)
des Ringkanals (5b) zu dem Turbinengehäuse (7) derart aufweist, daß ein Druckunterschied
zum weiteren Ringkanal (5a) des zweiten Steuerrings (S2) herstellbar ist.
2. Radialturbine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Ringkanal (5b) des
Steuerringes (S1) über eine Leitung (6a) mit einem Druckluftspeicher (8) oder einen
Ladeluftaufnehmer (14) verbindbar ist, wobei der weitere Ringkanal (5a) des Steuerringes
(S2) über eine Leitung (6) mit dem Ladeluftaufnehmer (14) der Brennkraftmaschine (13)
direkt verbunden ist.
3. Radialturbine nach den Ansprüchen 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Zwischenwand
(17) im Leitring (L) einen Sitz jeweils in einer Ausnehmung (32 oder 33) der gegenüberstehenden
Wände (30,31) des Turbinengehäuses aufweist.
4. Radialturbine nach den Ansprüchen 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß auf der
druckgesteuerten Seite des Ringkanals (5b) über einen von der Steuerungseinrichtung
(10) angesteuerten Pneumatikzylinder (20) eine mechanische Sperre vorgesehen ist,
die aus einem Haltestift (19) besteht, der zur Lagefixierung des Leitringes (L) festsetzbar
ist.
5. Radialturbine nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die Position des Leitringes (L) mittels einer speicherorientierten Steuerung der
Einrichtung (18) über Magnetventile (9) in Abhängigkeit von Parametern, wie der Drehzahl
der Brennkraftmaschine (13), der Drehzahl der Abgasturbine (2), dem Druck im Ladeluftaufnehmer
(14) oder der Kraftstoffeinspritzmenge, oder eine Kombination dieser Parameter einstellbar
ist.
6. Verfahren zur Durchführung von Schaltvorgängen des Leitringes der Turbinenleiteinrichtung
in die aktive und passive Arbeitsposition nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch folgende
Steuervorgänge:
- der anstehende Ladedruck aus dem Ladedruckaufnehmer (14) wird in den Ringkanal (5a)
des Steuerringes (S2) geleitet und verschiebt im Führungszylinder (F) den Leitring
(L) aus der Arbeitsposition (V) in die Arbeitsposition (T) mit dem wirksamen Gasführungskanal
(11), wobei die wirksame Leitringfläche im Gasführungskanal (11) den Ladedruck verändert;
- bei einem Zurückschalten von der Arbeitsposition (T) in die Arbeitsposition (U)
wird ein zeitlich begrenzter Druckimpuls aus dem Speicher (8) in den Ringkanal (5b)
des Steuerringes (S1) geleitet;
- der Leitring (L) wird gegen den in den Ringkanal eingeführten Ladedruck aus dem
Ladedruckaufnehmer (14) im Führungszylinder (F) verschoben und der Abgasstrom durchströmt
den Gasführungskanal (12).