(19)
(11) EP 0 816 197 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
07.01.1998  Patentblatt  1998/02

(21) Anmeldenummer: 97109812.4

(22) Anmeldetag:  17.06.1997
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6B61D 5/06
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE

(30) Priorität: 02.07.1996 DE 19626496

(71) Anmelder: Linke-Hofmann-Busch Gesellschaft mit beschränkter Haftung
D-38233 Salzgitter (DE)

(72) Erfinder:
  • Beier, Günter
    38259 Salzgitter (DE)
  • Rudolph, Rüdiger
    38640 Goslar (DE)
  • Winzkowsky, Bernd
    38259 Salzgitter (DE)

   


(54) Behälterschutzeinrichtung für Schienenfahrzeuge, insbesondere für Kessel- oder geschlossene Schüttgutwagen


(57) Die Erfindung betrifft eine Behälterschutzeinrichtung (7) für Schienenfahrzeuge, insbesondere für Kessel- oder geschlossene Schüttgutwagen, die an beiden Enden stirnseitig vor dem Behälter (1) am Untergestell (2) befestigt ist. Um beim stirnseitigen Einleiten von hohen Kräften in den Kessel- oder Schüttgutwagen den Behälter (1) besser vor hohen Zugspannungen, die zum Versagen der Konstruktion führen können, zu schützen, ist die Behälterschutzeinrichtung (7) über den Behälteräquator hinaus nach oben verlängert und oberhalb des Behälteräquators am Behälter (1) befestigt.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft eine Behälterschutzeinrichtung für Schienenfahrzeuge, insbesondere für Kessel- oder geschlossene Schüttgutwagen nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.

[0002] Herkömmliche Gefahrengutkesselwagen sind in der Regel so ausgeführt, daß zwischen Pufferbohle und dem Kesselboden mindestens ein Abstand von 300 mm eingehalten wird.

[0003] Bei einem Unfall, z B. bei Kollision mit einem anderen Schienenfahrzeuge und Überpfufferung kann es im vorderen Bereich des Kessels, meist im Bereich des Kesselbodens, zum aufreißen des Kessels kommen.

[0004] Für den Transport von besonders gefährlichen Gütern ist bekannt, den Sicherheitsabstand zwischen Pufferbohle und Kesselboden zu vergrößern oder einen zusätzlichen Kletterschutz bzw. ein Rammprofil auf der Pufferbohle als Behälterschutzeinrichtung anzuordnen.

[0005] Eine derartige Behälterschutzeinrichtung ist z. B. aus der DE-U-87 05 085 oder der DE 37 07 720 A1 bekannt. An den vorderen und hinteren Stirnseiten des Untergestells sind in Ergänzung der sich über die gesamte Länge des Untergestells erstrekkende Sattelseitenbleche vertikale Metallplatten als Rammbohlen befestigt. Die Höhe und Breite soll mindestens dem Durchmesser eines Puffertellers entsprechen. Vorzugsweise soll die Höhe und Breite etwa dem 1,1 bis 1,5fachen des Durchmessers der Puffer entsprechen. Zum Verhindern des Aufkletterns ist an den Rammbohlen zwar eine Nase angeordnet, die ein Aufklettern aber nur bei kleinen Unfällen verhindern kann. Ein über der Rammbohle ansetzender Stoß würde den Kessel direkt erreichen und könnte diesen beschädigen.

[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Behälterschutzeinrichtung der eingangs genannten Art derart zu verbessern, daß bei stirnseitigem Einleiten hoher Kräfte in einen Kessel- oder geschlossenen Schüttgutwagen der Behälter vor hohen Zugspannungen, die zum Versagen der Konstruktion führen können, besser geschützt ist und das auch eine Nachrüstung bei vorhandenen Behälterwagen mit geringem zusätzlichen Aufwand wirtschaftlich möglich ist.

[0007] Diese Aufgabe wird durch die im Anspruch 1 gekennzeichnete Behälterschutzeinrichtung gelöst.

[0008] Zweckmäßige Weiterbildungen sind in den Unteransprüchen 2 bis 9 angegeben.

[0009] Die Erfindung ist nachfolgend anhand zweier Ausführungsbeispiele mit Bezug auf die Zeichnung näher erläutert. Es zeigen
Fig. 1
einen Kesselwagen mit Endsättel und Behälterschutzeinrichtung in Seitenansicht im Teilschnitt,
Fig. 2
ein Kesselwagen mit Mittensattel und Behälterschutzeinrichtung in Seitenansicht im Teilschnitt und
Fig. 3
die Behälterschutzeinrichtung gemäß Fig. 2 in Vorderansicht.


[0010] Ein in Fig. 1 dargestellte schienengebundener Behälterwagen weist einen Behälter 1 auf, der auf einem Untergestell 2 mittels Quersattel 3 und Sattelseitenbleche 4 gehalten ist. Am Kopfstück 5 des Untergestelles 2 ist die Zug- und Stoßeinrichtung angeordnet, die im Regelfall aus zwei Puffern 6a und einem Zughaken 6b mit Schraubenkupplung besteht. An den Stirnseiten des Behälterwagens ist vor dem Behälter 1 je eine Behälterschutzeinrichtung 7 angeordnet. Die Behälterschutzeinrichtung 7 ist am unteren Ende am Untergestell 2 befestigt und überragt den Behälter 1 nach oben über den Behälteräquator, d. h. über die horizontale Längsmittelebene des Behälters 1 hinaus und ist mit diesem verbunden. Zweckmäßig ist eine Befestigung 8 im oberen Bereich des Behälterbodens 9 nahe dem Scheitelpunkt des Behälters 1 angeordnet.

[0011] Die Behälterschutzeinrichtung 7 deckt großflächig die wesentliche Fläche des stirnseitigen Behälterbodens 9 ab.

[0012] Abgewinkelte Seitenteile 10 der Behälterschutzeinrichtung 7 dienen als seitliche Abweiser dem Flankenschutz.

[0013] Die Behälterschutzeinrichtung 7 weist eine senkrechte zum Behälterboden 9 ausgestellte Sicke 11 auf, in die eine stirnseitige Leiter 12 eingelassen bzw. angeordnet und befestigt ist.

[0014] Die Behälterschutzeinrichtung 7 ist nach einer bevorzugten Ausführungsform mittels unterer Gelenklager 13 am Untergestell 2 und mittels oberer Gelenklager 14 am Behälter 1 befestigt und eignet sich in dieses Ausführung auch für längsverschieblich auf dem Untergestell 2 gelagerte Behälter 1.

[0015] Bei großflächiger Anbindung der Behälterschutzeinrichtung 7 am Untergestell 2 und am Behälter 1 oder bei Anbindung über jeweils zwei mit horizontalem Abstand angeordnete obere und untere Gelenklager 13, 14 eignet sich die Anbindung auch als Verdrehsicherung des Behälters 1 gegenüber dem Untergestell 2, insbesonders für längsverschieblich auf dem Untergestell gelagerte Behälter 1 mit Mittensattel 15 gemäß dem zweiten Ausführungsbeispiel nach Fig. 3.

[0016] Bei einer Überpufferung, bei der das Kopfstück 5 nach unten weggedrückt wird, wirkt die Behälterschutzeinrichtung 7 als Zuganker und leitet die auftretenden Reaktionskräfte als Druckspannung und nicht als gefährliche Zugspannung in den Behälter 1 bzw. den Behälterboden 9. Der Behälter 1 wird somit zusammengedrückt und ein Aufreißen vermieden. Eine Behälterkonstruktion versagt im allgemeinen eher bei Zugspannungen als unter Druckspannung. Bei einem stirnseitigen Auflaufen eines Wagens auf die Behälterschutzeinrichtung 7 stellt sich der gleiche Effekt ein. Bei Beaufschlagung und Verformung der Behälterschutzeinrichtung 7, die zu ihrer Verkürzung führt, wird zunächst die kinetische Energie durch Verformung der Behälterschutzeinrichtung 7 aufgenommen und abgebaut. Die verbliebene Energie wird vorwiegend in Form von Druckenergie, die zu ungefährlicheren Druckspannungen führt, in den Behälter 1 eingeleitet.

[0017] Zusätzlich zur Behälterschutzeinrichtung 7 kann zur Erhöhung der Sicherheit vor diese zusätzlich eine Rammbohle mit Aufkletterschutz der im Stand der Technik beschriebenen Art angeordnet werden.

[0018] Für Behälterwagen mit Mittensattel 15 gemäß dem zweiten Ausführungsbeispiel nach Fig. 2 und 3 ist durch die Befestigung 8 über die Behälterschutzeinrichtung 7 eine sicherer Verbindung zwischen Untergestell 2 und Behälter 1 auch für den Anhebefall gegeben. Die dabei auftretenden Zugspannungen an der oberen Befestigung 8 und damit am Behältermantel sind unkritisch, da diese unterhalb der zulässigen Belastung liegen.

[0019] Um unzulässige Zug- und Druckkräfte auf den Behälter 1 zu vermeiden, kann die Befestigung 8 mindestens ab einer Krafteinleitung bestimmter Höhe, die unterhalb der notwendigen Kraft zur unzulässigen Beschädigung des Behälters 1 liegt, vertikal nachgiebig ausgebildet sein.

[0020] Die Behälterschutzeinrichtung 6 kann zur besseren Energieabsorption hoch energieabsorbierend ausgebildet sein, z. B. als Sickenfläche oder in Sandwichausbildung.

Bezugsziffern



[0021] 
1
Behälter
2
Untergestell
3
Quersattel
4
Sattelseitenblech
5
Kopfstück
6a
Puffer
6b
Zughaken mit Schraubenkupplung
7
Behälterschutzeinrichtung
8
Befestigung
9
Behälterboden
10
Seitenteil
11
Sicke
12
Leiter
13
unteres Gelenklager
14
oberes Gelenklager
15
Mittensattel



Ansprüche

1. Behälterschutzeinrichtung für schienengebundene Behälterwagen, insbesondere für Kessel- oder geschlossene Schüttgutwagen, die stirnseitig an beiden Enden vor dem Behälter am Untergestell befestigt ist, dadurch gekennzeichnet, daß die Behälterschutzeinrichtung (7) den Behälteräquator nach oben überragt und oberhalb des Behälteräquators am Behälter (1) befestigt ist.
 
2. Behälterschutzeinrichtung nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch eine Befestigung (8) am oberen Bereich des Behälterbodens (9) nahe dem Scheitelpunkt des Behälters (1).
 
3. Behälterschutzeinrichtung nach Anspruch 1 oder 2, gekennzeichnet durch eine großflächig Ausbildung, die die wesentliche Fläche des stirnseitigen Behälterbodens (9) abdeckt.
 
4. Behälterschutzeinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, gekennzeichnet durch eine senkrechte Sickung (11), in der eine stirnseitige Leiter (12) angeordnet ist.
 
5. Behälterschutzeinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, gekennzeichnet durch seitlich um den Behälterboden (9) geführte senkrechte Seitenteile (10).
 
6. Behälterschutzeinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, gekennzeichnet durch eine gelenkige Anbindung am Untergestell (2) und am Behälter (1).
 
7. Behälterschutzeinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, gekennzeichnet durch eine großflächige Anbindung der Behälterschutzeinrichtung (7) am Untergestell (2) und am Behälter (1) über jeweils zwei, mit horizontalem Abstand angeordnete, untere und obere Gelenklager (13, 14).
 
8. Behälterschutzeinrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Befestigung (8) mindestens ab einer Krafteinleitung bestimmter Höhe, die unterhalb der notwendigen Kraft zur unzulässigen Beschädigung des Behälters (1) liegt, vertikal nachgiebig ausgebildet ist.
 
9. Behälterschutzeinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, gekennzeichnet durch ein hohes Energieabsorptionsvermögen.
 




Zeichnung