[0001] Die Erfindung geht aus von einem Verfahren zur Nachbearbeitung eines galvanisch abgeformten
magnetischen Metallbleches, welches Strukturen, insbesondere tiefergelegte Mikrostrukturen,
trägt.
Stand der Technik
[0002] Ausgangspunkt für die Fertigung hochplanarer Formeinsätze für Abformwerkzeuge ist
in der Regel eine sog. Masterstruktur. Sie kann in Liga-Technik, in Fotolack-Technik,
Silizium-Mikrostruktur-Technik oder anders hergestellt sein. Durch galvanische Abformung
einer derartigen mikrostrukturierten Masterstruktur erzeugt man den Formeinsatz für
das Abformwerkzeug. Um spannungsfreie Formeinsätze zu erhalten, muß die galvanische
Abformung sehr spannungsfrei bei gleichzeitig großer Dicke, ca. 3 - 5 mm, durchgeführt
werden.
[0003] Die durch galvanische Abformung gewonnenen Bleche werden geschliffen und in das Abformwerkzeug
eingepaßt. Nachteilig ist dabei, daß die Abscheidegeschwindigkeit bei der Galvanik
sehr langsam eingerichtet werden muß, um die notwendige Spannungsfreiheit zu erzielen.
Die Gesamtdauer einer Galvanikabformung kann bis zu vier Wochen betragen. In dieser
Zeit sind teure Anlagen blockiert. Ein weiterer Nachteil besteht darin, daß aus einer
Masterstruktur in der Regel nur ein einziger Formeinsatz hergestellt werden kann.
Dies hat Kostengründe (Dauer der Galvanikabformung) jedoch auch Qualitätsgründe, da
die Abweichungen von der Planarität bei weiteren Abformgenerationen z. B. im Drittegenerationblech
höher sind als im Erstegenerationblech. Kann aus einer Masterstruktur nur ein einziger
Formeinsatz hergestellt werden, so erhöhen sich auch hier die Kosten pro Formeinsatz
(Masterstrukturherstellung ist in der Regel teuer).
Vorteile der Erfindung
[0004] Mit den Maßnahmen gemäß Anspruch 1 ist es möglich insbesondere dünne, ca. 1 mm, nicht
plane galvanisch abgeformte Nickelbleche absolut planparallel zu erhalten, ohne daß
die Strukturen beeinträchtigt werden. Die Erfindung eignet sich insbesondere für spannungsbehaftete
dünne Nickelbleche, die durch mechanische Nachbearbeitung planparallel gerichtet werden.
[0005] Mit den Maßnahmen der Erfindung lassen sich mehrere Formeinsätze durch Mehrfachkopiertechnik
preiswert herstellen. Eine zeitaufwendige spannungsfreie galvanische Abformung mit
starren und dicken Blechen, die eine Mehrfachkopiertechnik nicht zulassen, erübrigt
sich. Bei

dicker" Galvanik, d. h. Blechstärken von mehr als 3 mm, findet beim Nachschleifen
keine Nachplanarisierung statt, da das Blech aufgrund seiner Dicke nahezu vollkommen
starr ist. Somit wird bei dieser Technik die Planarität des Formeinsatzes durch die
Spannungsfreiheit der Galvanik bestimmt.
[0006] Die Ansprüche 1 bis 5 betreffen Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens.
Der Anspruch 6 zeigt eine vorteilhafte Verwendung eines nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren nachbearbeiteten Metallbleches. Die nach dem Verfahren der Erfindung nachbearbeiteten
Metallbleche können durch geeignete Aufspannung im Abformwerkzeug absolut parallel
gerichtet werden.
Zeichnungen
[0007] Anhand der Zeichnungen wird die Erfindung nun näher erläutert. Es zeigen
Figur 1 die übliche Herstellung eines Nickelbleches durch galvanische Abformung,
Figur 2 die Herstellung eines Nickelbleches durch galvanische Abformung durch eine
Mehrfachkopiertechnik,
Figur 3 das unbearbeitete nicht spannungsfreie Nickelblech vor der magnetischen Aufspannung,
Figur 4 das magnetisch aufgespannte Nickelblech,
Figur 5 das nachbearbeitete Nickelblech vor der Montage in einem Abformwerkzeug und
Figur 6 den Schutz der Mikrostruktur durch Lack.
Beschreibung der Erfindung
[0008] In Figur 1 ist die herkömmliche Herstellung eines mit Mikrostrukturen versehenen
galvanisch abgeformten Nickelbleches (Nickel-Shim) von einer Masterstruktur in

dicker" Galvanik dargestellt. Ein solches Nickelblech ist 3 - 6 mm dick, nicht flexibel
und durch einen extrem spannungsfreien galvanischen Prozeß hergestellt, mit einer
Gesamtdauer für die Galvanikabformung von mehreren Wochen.
[0009] Die Shim-Planarität in der Strukturzone (mittlerer Bereich zwischen den V-Nuten für
die Lichtwellenleiterankopplungen) ist ≥ 20 µm. Wegen der Dauer der Galvanikabformung
und auch aus Qualitätsgründen eignet sich diese Technik nicht zur Herstellung von
Mehrfachkopien.
[0010] Bei dem in Figur 2 dargestellten Abformprozeß werden dünne, ca 1 mm starke, flexible
und nicht spannungsfreie Nickelbleche von einer Masterstruktur abgeformt. Es wird
ein schnelles Nickel-Electroplating Verfahren verwendet mit einer Prozeßzeit von 1,5
- 14 Stunden pro Shim. Von diesen Shims können Mehrfachkopien - Figur 2 zeigt insgesamt
16 solcher Kopien - hergestellt werden, wenn sie zuvor bzw. anschließend mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren, wie in den Figuren 3 bis 5 dargestellt, nachbearbeitet wurden.
[0011] Wie Figur 3 zeigt, ist das galvanisch von der Masterstruktur abgeformte und mit tiefergelegten
Mikrostrukturen 4 versehene Nickelblech 1 gewölbt, d. h. nicht spannungsfrei, und
auch nicht von gleichmäßiger Dicke. Das in Figur 3 noch gewölbte Nickelblech wird
unter Magnetkraft (magnetic forces) gegen einen absoluten plan geschliffenen magnetischen
Aufspannblock (plane mounting table 2) gespannt, wobei der Magnet 2 das Nickelblech
in allen Bereichen auf seine Oberfläche ziehen können muß. Die Aufspannung erfolgt
so, daß die Strukturseite des Nickelbleches zur Magnetoberfläche des Magneten weist.
Voraussetzung hierfür ist eine nicht zu starke Blechdicke (unter ca. 1,5 mm). Vor
der Aufspannung werden die Nickelbleche 1 mit den tiefergelegten Mikrostrukturbereichen
für den Schleifprozeß vorbehandelt, indem ein Tropfen eines später wieder entfernbaren
Lackes 3, z. B. Polymethylacrylat gelöst in z. B. Essigsäure-Ethylester, so in die
Tieferlegung 4 getropft wird, daß der Boden der Tieferlegung sowie die Mikrostrukturen
vollständig bedeckt sind (Fig. 6).
[0012] Es ist dabei zu beachten, daß kein Lack auf die Shim-Oberfläche gelangt. Nach Trocknung
ist die Mikrostruktur gegen Beschädigung während des Schleifvorganges, z. B. metallischer
Schleifstaub oder flüssiges Schleifmittel, geschützt. Das Aufspannen des Metallbleches
1 auf den Magneten 2 erfolgt so, daß die Mikrostrukturen 4 zum Magneten 2 hin weisen.
Die Metallblechrückseite wird dann mechanisch derart bearbeitet, daß das Metallblech
1 eine planparallele Form einnimmt. Dies kann mit geometrisch unbestimmter Schneide
(Schleifen) oder geometrisch bestimmter Schneide (Fräsen, usw. ) insbesondere mit
einer Flächenschleif-, Fräs- oder Hobelmaschine erfolgen.
[0013] In Figur 4 ist die Bearbeitungsrichtung des Schleifens (Grinding) dargestellt. Nach
dem Abnehmen vom magnetischen Aufspannblock stellt sich das nachbearbeitete planarisierte
Nickelblech aufgrund seiner Spannung wieder nach und nimmt die gewölbte Form gemäß
Figur 5 ein. Der Schutzlack 3 kann z. B. bei 60 °C mit Chloroform wieder entfernt
werden.
[0014] Nach Aufspannen des nachbearbeiteten Nickelbleches auf einer planen Platte in einem
Gußwerkzeug zur Kunststoffabformung ist die Vorderseite des Bleches sehr plan. Gemessen
wurden etwa 8 µm Unebenheiten auf 40 mm.
[0015] Als Formeinsatz in einem Gußwerkzeug ist das nachbearbeitete Nickelblech für Kunststoffabformungen
sowie im speziellen für Spritzguß-, Heißpräge- oder Reaktionsgußverfahren geeignet.
Besonders vorteilhaft läßt es sich zu Herstellung von integriert optischen Wellenleiterbauteilen
beispielsweise gemäß P 44 01 219.5 oder P 196 19 353.2 verwenden, sowie für alle anderen
planen Mikrostrukturen. Anstelle eines magnetischen Aufspannblockes mit einem Permanentmagneten
kann auch ein elektromagnetischer Aufspannblock verwendet werden.
1. Verfahren zur Nachbearbeitung eines galvanisch abgeformten magnetischen Metallbleches
(1) , welches Strukturen, insbesondere tiefergelegte Mikrostrukturen, trägt, mit folgenden
Schritten:
- das Metallblech (1) wird auf einen Magneten (2) mit planer Oberfläche magnetisch
aufgespannt und zwar so, daß die Strukturseite zur Magnetoberfläche des Magneten (2)
weist,
- die Metallblechrückseite wird mechanisch in der Art und Weise bearbeitet, daß das
Metallblech (1) eine planparallele Form einnimmt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die tiefergelegten Mikrostrukturen
(4) vor der Nachbearbeitung mit einem entfernbaren Lack (3) geschützt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die magnetische Aufspannung
mit einem magnetischen Aufspannblock durchgeführt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die magnetische
Aufspannung mit einem elektromagnetischen Aufspannblock durchgeführt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Planschleifen
der Metallblechrückseite mit einer Flächenschleif-, Hobel- oder Fräsmaschine vorgenommen
wird.
6. Verwendung eines nach dem Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 5 nachbearbeitet
Metallbleches als Formeinsatz für ein Abformwerkzeug, insbesondere für Kunststoffabformung
im Spritzguß-, Heißpräge- oder Reaktionsgußverfahren.